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Der schwarze Mann

von Reesa
GedichtHorror / P12 / Gen
16.10.2020
16.10.2020
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535
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Das Gemäuer,
marode und alt.
Schritte hallen durch endlose Flure.
Sprechen von Einsamkeit,
während der Putz von den Wänden bröckelt.
Ein paar Schuhe, welches auf dem steinigen Boden klackert.
Ein paar Beine, welche stetig und stramm voran gehen.
Ein paar Arme, welche mit dem ganzen Körper schwingen.
Ein paar Hände, welche das Licht fest umklammern.
Schal wird es von den Wänden zurückgeworfen.
So allein und friedlich sie wandert,
so ruhelos ist alles andere an ihr.
Denn es ist jemand bei ihr.
Immer.
Ständig.
Worte,
die dessen Anwesenheit nicht im Ansatz beschreiben.
Seine Schuhe klackern nicht.
Seine Beine gehen nicht.
Seine Arme schwingen nicht.
Und jedes Licht würde er verschlucken.
So wandert sie
und sucht nach ihm.
Nacht für Nacht.
Mit nichts weiter
als dem Licht in ihren Händen
und die bröckelnde Fassade der langen Flure.
Mit ihm bei sich.
Immer,
irgendwie, einen Schritt hinter ihr.
Immer dort
wo das Flackern der Lampe nicht hinkommt.
Nicht auffindbar,
einfach dieses Gefühl nicht allein zu sein.
Niemals.
Am Tage ist es fasst erträglich.
Weniger anwesend
als in der Nacht,
auch wenn es nie völlig verblasst.
So vergehen Tage voll Verdrängen
und Nächte voll Suchen.
Im Winter,
wenn die Dunkelheit länger wird,
werden die Tage kürzer
und das Verdrängen,
das Vergessen
und das Wegschieben
schwieriger.
Das Suchen hingegen,
nun das bleibt immer gleich.
So gerne würde sie aufhören.
So gerne würde sie ruhen,
vielleicht sogar schlafen.
Aber wenn sie nicht wandert,
dann liegt sie in ihrem Bett.
Dann ist die Finsternis überall
und somit auch er.
Nicht mehr einen Schritt hinter ihr.
Neben ihr.
Und das ist auf erschreckende Art
so viel näher.
Das ist dann doch mehr als
zu ertragen sie bereit ist.
So gehen die Tage dahin.
Die Monate.
Die Jahre.
Geprägt von der Angst
nie allein zu sein.
Dem Wissen,
dass dort etwas ist
und dem Suchen danach.  
Hinterher ist es schwer zu sagen,
wann es aufhörte.
Oder gar warum.
Aber aus dem Suchen wurde Routine.
Aus jedem Schritt des nachts Gewohnheit.
Und aus der Angst ihm nicht entkommen zu können,
die Angst ihn zu verlieren.
Denn wie ihre nächtlichen Wege,
so wurde auch er genau das.
Eine Gewohnheit.
Und der Gedanke daran was wäre,
was wäre, wenn er verschwinden würde?  
Wäre sie dann glücklich?
Könnte sie dann schlafen?
Oder würde es einfach nur die Einsamkeit wahr machen?
Einsamkeit,
sie weiß schon gar nicht mehr,
wie sie sich anfühlt.
Und sie will es auch nicht wissen.
Also, nachdem sie aufgehört hat zu suchen,
hört sie nun auch auf zu wandern.
Stattdessen liegt sie wach.
In einem Haus
in dem des nachts nun keine Schritte mehr zu hören sind.
Weder ihre noch die seinen.
Denn er ist bei ihr.
In ihrem Zimmer,
manchmal auch in ihrem Bett.
Und wenn sie ganz fest die Augen schließt,
dann kann sie ihn fühlen.
Wie er seine Hand nach ihr austreckt
und sie berührt.
Nur fast.
Nur ein paar Zentimeter.
Nur einen kleinen Schritt näher
dann wäre er da.
Nicht mehr neben ihr,
nicht mehr hinter ihr.
Sondern einfach nur da.
Und es gruselt sie,
eine Gänsehaut überzieht ihren ganzen Körper
und vor Schreck öffnet sie die Augen,
wenn sie merkt, wie wenig Angst ihr der Gedanke macht.
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