Overkill

GeschichteKrimi, Romanze / P18 Slash
16.10.2020
29.10.2020
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18.10.2020 1.397
 
Grübelnd fuhr Susan zurück zum Polizeirevier. Noch einmal ging sie in Gedanken das eben geführte Gespräch mit ihrer Freundin durch. Das Ganze war schon merkwürdig. “Foster Industries” gab es jetzt noch nicht so wahnsinnig lange, dass man sagen könnte, ein Fehler der Maschinen kann wirklich ausgeschlossen werden, aber sie vertraute Olivia. Wenn sie der Meinung war, dass hier etwas faul war, wollte Susan der Sache lieber nachgehen. Ihren silbernen GMC Canyon parkte sie in der Tiefgarage und betrat ihre Arbeitsstätte. Sofort machte sie sich auf die Suche nach ihrem Partner. Detective Charles Hopkins. Susan fand ihn an seinem Schreibtisch sitzend, der direkt neben ihrem eigenen stand. Er schien tief in Gedanken versunken, grübelte über einer Fallakte und ließ einen Kugelschreiber wie Drumsticks durch seine Finger gleiten.
“Hey ‘großer Bruder’.”, sprach sie ihn an.
Charles war nicht wirklich ihr Bruder. Aber er kam verdammt nah dran. Ihr eigentlicher Bruder und ihre Eltern kamen bei einem Autounfall ums Leben, als sie gerade einmal fünf Jahre alt gewesen war. Überlebt hatte sie das Ganze nur, weil sie nicht im Wagen gesessen hatte. Charles war zusammen mit ihr auf der Polizeiakademie, wenn auch ein Jahr über ihr. Gegenseitig hatten sie sich unterstützt und durch diese anstrengende Zeit geholfen. Sie kannten einander in- und auswendig, würden ohne zu zögern für den anderen durchs Feuer laufen. Charles war Susans Stütze, ihr Halt, ihr Anker. Mit ihm konnte man Pferde stehlen und er ist Susans bester Freund. Sie gab enorm viel auf seine Meinung und sie vertrauten einander blind. Auch, als Susan vor zwei Jahren in einem Gefühlschaos der Extraklasse gesteckt hatte, hatte er ihr brüderlich zur Seite gestanden und sie durch diesen ganzen Hick Hack hindurch manövriert. Was zur Folge hatte, dass die Polizistin seit gut zwei Jahren mit ihrer Traumfrau, Olivia Foster, zusammen war und eine glückliche Beziehung mit der Schwarzhaarigen führte.

Als Susan Charles jetzt ansprach, sah er überrascht auf.
“Hey, Sue! Was gibt’s?”, legte er den Stift beiseite und lehnte sich in seinem Stuhl zurück.
Noch immer trug er einen dunkelbraunen Militär-Bürsten-Schnitt, aber er hatte sich seit kurzem einen Vollbart zugelegt. Daran musste sich Susan zwar erst gewöhnen, aber mittlerweile mochte sie es. Und er hatte angefangen zu trainieren, was man an seinem triangel-ähnlichen Körper auch nur zu deutlich erkennen konnte. Der 34-jährige mit den warmen braunen Augen, der 1,85 Meter maß, verschränkte die Hände hinter dem Kopf, grinste sein typisches spitzbübisches Lächeln und wartete auf Susans Antwort. Jene setzte sich mit einem Bein auf seinen Schreibtisch und überlegte, wie sie beginnen sollte.
“Du weißt ja, dass ich bis eben bei Olivia war.”, begann sie kryptisch, was er auch sofort bemerkte.
“Jaaaaa? Erzählst du mir jetzt, dass ihr es in ihrem Büro getrieben habt?”, witzelte ihr.
“Nein, du Spinner!”, haute sie kumpelhaft seinen Oberarm und fing an zu lachen. “Wobei… Es wäre nicht das erste Mal…”, schoss Susan hinterher und beobachtete seine Miene genau.
“Wie bitte…?! Du hast wirklich schon…?”
“Ich schweige wie ein Grab!”, kicherte sie.
“Ach komm schon, Sue! Du lässt mich jetzt wirklich mit meinem Kopfkino allein?!”, fing er an zu nörgeln.
“Natürlich! Ich werde dir doch nichts aus meinem Liebesleben erzählen! Ich bin ja kein Kerl!”, stichelte ich.
“Hey!”, knuffte er ihren Oberschenkel, der auf dem Tisch lag.
“Waffenstillstand?”, schlug Susan grinsend vor.
“Deal! Also… Erzähl weiter. Ich lausche.”
“Fein. Wo war ich? Ach ja. Als ich gerade gehen wollte, bekam sie eine Nachricht, dass eine Maschine, die “Foster Industries” ausgeliefert hat, einen Arbeitsunfall verursacht hat. Und dabei ist jemand gestorben.” Charles’ Blick wurde ernster, lehnte sich wieder vor und stützte seine Unterarme auf dem Tisch ab. Er kannte Susan gut genug, um sie jetzt nicht zu unterbrechen. “Olivia ist der Meinung, dass da etwas faul ist, weil es in der Firmengeschichte noch nie zu einem derartigen Unfall gekommen ist. Daraufhin hat sie sich den Programmiercode angesehen und konnte feststellen, dass etwas… na ja sagen wir mal verändert wurde.”
“Wurde der Roboter manipuliert?”
“Das Wort hat Olivia nicht gebraucht, aber ich glaube schon, dass sie das im Sinn hat.”
“Okay… Und was denkst du?”
“Als Laie würde ich sagen, jemand hat vor Ort die Maschine, aus welchen Gründen auch immer, umprogrammiert und es ist etwas schief gelaufen. Aber als Cop ist mein Interesse definitiv geweckt. Was meinst du?”
“Na ja. Dafür hab ich zu wenig Informationen. Das, was du sagst, klingt auf jeden Fall schlüssig. Etwas seltsam ist es schon.” Kurz pausierte er und dachte darüber nach. “Und Olivia sagte, es wäre vorher noch nie etwas passiert?” Susan nickte. “Warum kommst du damit zu mir?”
“Ich hatte gehofft, du würdest mir zustimmen. Dann könnten wir den Captain fragen, ob wir der Sache nachgehen dürfen. Olivia ist zu wenig IT-ler um Genaueres zu sagen. Aber zumindest konnte sie in dem Programmiercode feststellen, dass etwas nicht stimmt.”
“Mmhh…”, überlegte er weiter. “Ich vertraue sowohl deinem, als auch Olivias Urteilsvermögen. Wenn sie mit Sicherheit sagen kann, dass etwas nicht stimmt, dann glaube ich ihr.”
“Sie konnte mir wirklich glaubhaft vermitteln, dass etwas vor sich geht.”, versuchte Susan ihre Ausführungen zu untermauern.
“Du hast Recht. Da passt Einiges nicht zusammen. Gehen wir zum Captain!”
Mit diesen Worten erhoben sich beide und steuerten das Büro ihrer Vorgesetzten an.
“Hoffentlich ist sie heute gut gelaunt!”, raunte Susan leise, was Charles zum Schmunzeln brachte.
Fest klopfte sie an die Tür und ein neutrales “Herein!” ertönte. Beide warfen sich einen nüchternen Blick zu und traten ein. Die Chefin von Charles und Susan, Captain Tamika Owusu, saß an ihrem Schreibtisch und studierte Fallakten. Die nur 1,57 Meter große und 51-jährige taffe Afroamerikanerin schaute mit ernstem Blick von den Unterlagen hoch.
“Parker und Hopkins!”, stellte sie fest. “Was kann ich für Sie tun?”, hatte sie auch sogleich wieder den Blick gesenkt.
Susan hielt kurz inne. Ihre Vorgesetzte war zwar klein, dafür aber resolut und streng. Sie führte ein hartes Regiment, blieb aber immer fair und gab jedem Cop unter ihrer Führung die gleiche Chance, egal, welchen Rang er oder sie hatte. Charles erkannte Susans Zögern und stupste sie kurz an der Schulter an. Das gab ihr den nötigen Elan, die Bitte, die sie hatte, ihrer Chefin vorzutragen.
“Wir könnten eventuell einen neuen Fall haben, Ma’am…”, begann sie schwammig.
Owusus Augen huschten wieder nach oben, fixierten Susan und warteten. Noch hielt sie es nicht für nötig, die Akten beiseite zu legen. Doch sie wusste auch, dass Susan solch eine Aussage nicht leichtfertig treffen würde, schließlich waren sie und Charles ihre beiden besten Ermittler. Das hatte sie schon oft genug gesagt.
“Erklären Sie sich, Detective!”, kam es kurz und knapp.
Noch einmal erzählte die Polizistin ihre Geschichte und war gespannt, was ihre Vorgesetzte davon halten würde.
“Hört sich interessant an.”, legte Owusu jetzt doch die Akten weg.
Ein Zeichen für Susan, dass sie den Fall eventuell doch zugesprochen bekämen.
“Das dachten wir uns auch.”, meldete sich Charles zu Wort. “Deshalb haben wir Sie aufgesucht, Captain. Wir würden gerne ermitteln.”
“Das dürfen Sie.”, meinte sie nach kurzem Zögern. “Wenn es hier um Manipulation eines Roboters gehen sollte, wäre das ja etwas für die IT.”, überlegte sie laut und die beiden Detectives nickten. “Dann würde ich sagen, Sie ziehen am besten Lieutenant Harrison hinzu. Er ist zwar in erster Linie für Cyber-Kriminalität zuständig, aber das fällt auch in seinen Bereich.”
“Ja, Ma’am.”, bestätigte Susan.
“Schön. Sie können dann gehen. Halten Sie mich auf dem Laufenden.”
“Ja, Captain!”, kam es simultan und so verließen die Zwei das Büro.
Zuerst steuerten sie erneut ihre Schreibtische an, um ein kurzes Brainstorming durchzuführen.
“Hast du bereits diesen Programmiercode?”, wollte Charles wissen.
“Nein. Ich sagte zu Olivia ich melde mich, wenn ich etwas weiß. Deshalb rufe ich sie jetzt an.”
“Gut. Sobald du alles beisammen hast, gehen wir zu Lieutenant Harrison und besprechen mit ihm alles. Ich bin mir sicher, dass er uns weiter helfen kann.”
Susan nickte und so nahm sie ihr Smartphone vom Gürtel, das dort in einem Holster befestigt war. Neben dem Handy fanden sich an dem Gürtel auch Handschellen, ihre Dienstmarke und natürlich ihre Dienstwaffe. Eine Glock 22, mit der sie auch regelmäßig auf dem Schießstand zu Gange war. Freudig wählte sie Olivias Nummer und wartete, bis sie abgehoben hatte.
“Hallo Süße. Hast du gute Neuigkeiten?”, ertönte es auch schon gespannt am anderen Ende.
“Hi Liv.”, grinste sie während dessen Charles an. “Hör zu. Ich habe gute Nachrichten!”
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