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Es war nur einer von vielen schlechten Tagen

von Dreamer5
KurzgeschichteSchmerz/Trost, Sci-Fi / P6 / Gen
Minho
15.10.2020
15.10.2020
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Es war ein dunkler Morgen, die Sonne schien kaum über die Berge zu kommen, obwohl es bereits so spät war. Der kleine Junge stand an dem Haus, das seine Eltern besaßen. Normalerweise wären jetzt die ersten Menschen bereits bei ihnen an der Tür gewesen. Sein Vater war der Anführer des Dorfes. Zumindest von dem kümmerlichen Rest, der davon übriggeblieben war.
Früher war alles anders gewesen. Das sagte Minhos Vater immer. Aber er führte nie wirklich aus, was er damit meinte. Nach endlosem Fragen kam nur ein: „Die Seuche war so schnell gekommen.“ Der Brand, so hieß dieses Mysterium von Seuche, hatte Freunde und Familie verschlungen. Minho wusste nicht wirklich, was das bedeutete. Er wachte nur eines Morgens auf, als sein Vater schwer schnaufend und vollkommen verdreckt die Haustür öffnete. Furchteinflößend sah er aus, hatte ein so grimmiges Gesicht aufgesetzt. Minho hatte sich nicht getraut zu fragen was passiert war, aber er wusste, dass sich etwas verändert hatte.

Erst Tage später bemerkte der kleine schwarzhaarige Junge, dass einige seiner Freunde nicht mehr da waren. Er hatte bei ihnen an der Haustür geklopft, hatte nach Spielkameraden gesucht, aber keiner schien da zu sein. Sein Vater hatte die Frage erst Monate später beantwortet. Und auch nur so, dass Minho nicht verstand, dass seine Freunde nie wiederkommen würden.

Der Junge saß auf den Stufen vor dem Haus. Obwohl es dunkel war, war es unfassbar warm geworden. Das war die Sonneneruption gewesen. Das Klima hatte sich stark verändert. Minho wiederholte den Satz immer, wenn er gefragt wurde, wie viel er von der Situation wusste. Er fand, dass es sehr intelligent klang. Seine Mutter musste ihm das Wort Klima jedoch mehrmals erklären, bevor der vierjährige wirklich verstand was das war. Er war in einer Zeit aufgewachsen, in der die Natur neuen Gesetzen folgte. Er kannte nur die Hitze, kannte nur die verbrannten Gräser, die halb ausgetrockneten Brunnen, die immer tiefer gegraben wurden, damit alle etwas trinken konnten.
Es war seine Realität, die Realität, die keiner seinen Kindern wünschte und dennoch stand der kleine asiatische Junge inmitten der Unruhen und wurde von seinen Eltern so gut es ging vor dem Brand und den furchtbaren Nachrichten aus der Welt beschützt.


*


Je älter Minho wurde, desto mehr verstand er, dass seine Realität Lücken aufwies. Er wurde immer neugieriger und seine Eltern bekamen immer mehr Fragen gestellt. Mit fast sechs Jahren hatte er alle Informationen zusammen, um zu verstehen, dass die Welt kaputt war. Dass die Menschen an einer Krankheit starben, die gar nicht existieren sollte oder gar durfte. Eine Krankheit, die die Menschen von innen heraus auffraß. Er versuchte mutig zu sein, aber er hatte immer etwas Angst vor diesen Menschen. Er selbst hatte keine Angst vor dem Virus.
„Nicht der Virus bringt andere um, sondern die Menschen, die ihn haben.“ Den Satz hatte er am Küchentisch ausgesprochen, als seine Eltern über neue Infizierte im Dorf gesprochen hatten. Seine Mutter hatte ihm liebevoll durch die Haare gewuschelt. Sie wusste, dass er immun gegen den Brand war, das war das einzige, dass sie nachts genug beruhigte, um tatsächlich die Augen für ein paar Stunden zu schließen. Ihre größte Angst war es Minho zu verlieren. Dieser Gedanke hatte sie so lange gequält bis sie mit ihrem Sohn, der damals noch keine zwei war in die nächstgrößere Stadt gefahren war und sich von der Organisation ANGST hatte testen lassen. Als sie herausfand, dass er immun war, zitterte ihr Körper so sehr, dass sie Angst hatte, ihren Sohn fallen zu lassen.

Jedoch begann damit auch das Unheil. ANGST suchte ein Heilmittel und wollte ihr Kind gerne in die Nachforschungen einbeziehen. Minhos Mutter war noch nie so schnell wütend geworden wie an diesem Tag. Ihr Mann hatte sie danach gerne als Rakete bezeichnet. Sie fand die Vorstellung ihren Sohn abzugeben unvorstellbar. Sie hatte von der Organisation gehört. Sie hatte gehört, dass dort nicht alles mit rechten Dingen vor sich ging. Sie würde lieber sterben als ihren Sohn diesen Menschen zu geben.
Sie war mit dem kleinen gerannt. War in das alte Auto gesprungen und hatte Gas gegeben. Der Gedanke daran ließ sie heute noch schaudern.
Minho hatte sie davon nichts erzählt, sie wollte ihn in seiner kleinen Welt lassen. Er war doch so jung. Er sollte das Unheil, das der Brand in der Welt verteilte, nicht spüren. Aber sie konnte ihn nie ganz von der Wahrheit schützen.

Minho war ein sehr sarkastischer Junge, konnte manchmal seinen Mund nicht schließen. Jedoch verstand er, wann es besser war zu schweigen. Er hatte keine andere Wahl, als zu akzeptieren, dass er in einer Zeit lebte, in der Freude und Unbekümmertheit verschwunden waren. Selbst wenn seine Mutter ihn von allem versuchte fernzuhalten, so konnte sie ihn doch nicht davon abhalten hinaus zu gehen und die neue Welt kennenzulernen.


*


Ein Sonnenstrahl war trotz des trüben Tages über die Berge gekommen und traf auf ein Fleckchen trocknes Gras vor Minhos Füßen. Ein kleines Lächeln trat auf das Gesicht des Jungen. Er liebte die Sonne, auch wenn sie gefährlich war. Er streckte sein Gesicht in Richtung der Berge und atmete einmal tief ein. Die Luft war staubig und es roch nach Heu. Minho liebte den Geruch von Regen, er mochte die Frische, mochte es, wie die Luft so sauber roch, als ob sie gewaschen worden wäre. Aber es regnete kaum hier.
     
Reifen auf der staubigen Straße ließen ihn aus seinen Gedanken fahren und er sah auf das schwarze Auto, das näherkam. Es war sehr schnell unterwegs, wurde aber immer langsamer je näher es zu ihm kann. Das Dorf hatte nur noch zwei Autos, alle anderen waren leider kaputt gegangen. Viel war von den Funktionierenden aber auch nicht mehr übrig. Teilweise waren die Rostspuren schon auf dem Blech zu sehen. Gebannt sah Minho zu, wie der schwarze Wagen vor ihm hielt.
Sein Herz pochte stark in seiner Brust. Er wusste weshalb die Leute gekommen waren, verstand jetzt, warum keiner auf den Straßen war. Er hätte sich verstecken sollen, dass wusste er, aber er hatte es satt so weiterzumachen. Er war acht und damit längst alt genug, um eigene Entscheidungen zu treffen.
Zwei Männer stiegen aus dem Fahrzeug aus, sie hatten Gewehre über ihren Schultern hängen. Der eine öffnete die hintere Tür des Wagens und eine Frau stieg aus. Sie trug einen schwarzen Kittel und hielt ein Klemmbrett in der Hand und sah sich kurz um. Dabei kräuselte sie einmal die Nase, so als würde sie sich ekeln hier zu sein. Dann ging sie ein paar Schritte Richtung des Jungen, der jetzt immer noch neugierig auf das Auto sah.

„Bist du Minho?“ Der Junge zuckte mit den Schultern. In seinem Kopf hörte er die Stimme seiner Mutter. <<Wenn jemals Leute auf dich zu kommen und dich fragen sollten, ob du Minho bist. Dann renn! Renn so schnell du kannst. Hast du mich verstanden? Renn!>> Und trotz der damaligen Anweisung konnte der Junge jetzt keinen Fuß vor den anderen setzen, viel zu neugierig war er. „Bist du Minho?“ „Was wollen Sie von dem?“ Die Frau stellte sich etwas aufrechter hin. „Das kann ich nur mit ihm besprechen. Weißt du, wo er ist?“ Wieder zuckte der schwarzhaarige mit den Schultern. Die Frau seufzte leise auf und gab dann den beiden Männern ein Zeichen.
„Weißt du denn wo er wohnt?“ Der schwarzhaarige Junge sah die Frau stumm an. In ihren Augen sah er, dass sie langsam keine Lust mehr auf seine Späße hatte. Er sah, wie Ungeduld in ihr brodelte. Die beiden Männer hinter ihr hatten ein Tablet hervorgeholt und tippten ein paar Dinge ein.
„Es sollte hier sein, Ma’am.“ Die Frau drehte sich zu den Männern. „Seid ihr sicher?“ Der junge Mann links hinter ihr nickte stumm und der Kopf der Frau zuckte zu Minho.
„Du bist sicher nicht Minho?“ Der Junge schüttelte den Kopf. „Würde ich Sie anlügen?“ Die Frau schnaubte laut auf. „Du bist wohl ein ganz witziges Kerlchen was? Wo sind denn deine Eltern?“ Minho setzte einen traurigen Blick auf. „Sie sind tot. Der Brand hat sie mir weggenommen.“ Er fing an zu schluchzen, er war schon immer gut darin gewesen anderen etwas vorzumachen. Er hatte es trainiert. Abends stand er vor dem Spiegel und übte Blicke. Den arroganten Blick konnte er besonders gut und nutzte ihn so gut es ging.
Der Gesichtsausdruck der jungen Frau vor ihm wurde etwas weicher. „Das tut mir leid. Wo wohnst du denn jetzt.“ Minho rollten immer noch falsche Tränen übers Gesicht. „Mal hier und mal da.“ Sie warf einen kurzen Blick auf die Kleidung des Jungen. „Du lügst mich doch an.“ Minho schüttelte intensiv den Kopf und wischte die letzten Tränen von seiner Wange. Er hatte zu viel Spaß diesen Leuten etwas vorzumachen. Er blühte innerlich auf und genoss es, wie sie sich ständig unsichere Blicke zu warfen.

„Wir würden gerne mit dem Verantwortlichen für das Dorf reden.“ Minho zeigte auf ein Haus, dass schon seit einiger Zeit leer stand. „Ich habe ihn heute noch nicht gesehen.“
Die Frau nickte und wollte schon gehen, als sie noch einmal innehielt. „Willst du nicht mitkommen?“ Der Junge schüttelte den Kopf. „In dem Haus ist es nicht ganz geheuer.“ Dann sah er zu, wie die drei Personen zielsicher zu dem Haus gingen. Minho ergriff die Chance und rannte los. Es gab ein Versteck, dass nur er kannte und dort würde er sicher sein. Er rannte in Richtung der Berge und hielt nicht einmal an.

Keuchend blieb er an der kleinen Luke stehen und sah sich noch einmal vorsichtig um. Es war einst ein Bunker gewesen. Minho hatte ihn damals nur mit Glück gefunden, als er die Gegend erkundet hatte. Er war einfach darüber gestolpert und konnte dann nicht anders, als das dunkle Loch zu inspizieren. Es war sein Versteck geworden. Er hatte die Lampen repariert und angefangen all die gefundenen Gegenstände zu lagern. Es war seine Schatzkammer und nur hier fühlte er sich richtig wohl.


*


Es waren mehrere Tage vergangen, seit die drei Personen hier waren. Minho hatte seinen Eltern alles erzählt und seine Mutter hatte ihn dazu verdonnert im Haus zu bleiben, solange nicht geklärt war, was ANGST vorhatte. Minho nahm die Anweisung nur mit lautem Grummeln entgegen und stampfte eine ganze Weile in seinem Zimmer auf und ab. Ihm gefiel das gar nicht. Er wollte raus. Wollte die Gegend weiter erkunden. Er war kein Mensch der still sitzen konnte. Das lag ihm einfach nicht.

Stunden vergingen, aber der asiatische Junge fand einfach keine Beschäftigung. Er stieg die Treppen auf und ab, versuchte einen kleinen Parkour im Haus aufzubauen, bis seine Mutter ihn ermahnte das Mobiliar nicht zu zerstören. Genervt stampfte er wieder die Treppe in sein Zimmer hoch. Von seiner Mutter kam nur ein genervtes Stöhnen. Sie kannte ihren Jungen, wusste, dass er sich jetzt aufplusterte, aber eigentlich wusste, dass sie recht hatte.

Oben in seinem Zimmer warf sich der Schwarzhaarige auf sein Bett und fluchte ein wenig herum. Er fand das witzig, genoss es neue Schimpfwörter zu erfinden. Wenn seine Eltern jedoch mitbekamen, dass er das tat, war der Spaß schnell vorbei.


Minho stand an seinem Fenster und sah auf die Berge. Im immer dunkler werdenden Licht wirkten sie so mächtig, fast schon gefährlich. Zu gerne wäre er jetzt noch unterwegs. Ein Gedanke ploppte in seinem Kopf auf. Morgen könnte er sich nach dem Essen raus schleichen. Er musste nur vorsichtig und sehr leise sein. Mit einem Grinsen betrat er die Treppe. Morgen würde er wieder Abenteuer erleben.


*


Leise schlich Minho die Trepper herunter, seine Eltern schienen in einem Gespräch vertieft zu sein und schienen nicht auf die kleine Gestalt zu achten, die mit Trippelschritten an ihnen vorbei schlich. Minho traute sich gar nicht zu atmen, hatte das Gefühl seine Eltern würde das laute Pumpen des kleinen Herzes hören. Als er an der Tür war, hielt er nochmal inne und horchte. Es blieb wie zuvor, seine Eltern waren so vertieft, dass Minho es endlich wagte die Tür zu öffnen. So leise es ging trat er in den Sonnenschein und schloss die Tür. Kaum war sie zu, rannte er auch schon ums Haus herum und wartete. Wartete, dass die Tür aufging und seine Eltern herauskamen. Aber all das passierte nicht.
Mit einem breiten Grinsen rannte der Junge los. Er wusste genau wohin er wollte. Seine Schatzkammer wartete auf ihn.


*


Minho erreichte mit einem Keuchen sein Versteck. Vorsichtig sah er sich um, aber niemand schien in der Nähe zu sein. Mit einem Grinsen öffnete der Junge die Klappe im Boden, die für ihre Größe doch sehr schwer war. Schnell stieg er die Leiter hinab und wurde begrüßt von einem staubigen Geruch. Das war der Geruch von Ruhe und Sicherheit, er war sich da ganz sicher. Eine Zeit lang hatte es mal nach verwesendem Tier gerochen, weil sich eine Ratte im Lüftungsschacht verirrt hatte.
Zufrieden setzte sich der Schwarzhaarige auf den Drehstuhl, der vor einem Schreibtisch stand. Hier waren seine besonderen Fundstücke gelagert. Er hatte sie in die Schublade des Holztisches gesteckt und jetzt zog er sie langsam auf. Es war nicht viel, aber es waren Beweise für seine Abenteuer. Die Steine, die Flugblätter und der Müll, es waren die Reste der Zivilisation, die mal hier war. Alles bevor der Virus kam.


Überrascht riss Minho den Kopf zurück. Etwas stimmte nicht. Es war ein Windhauch gewesen.  Dann hörte er die schweren Schritte auf der Leiter. Minhos Herz fing an wild zu schlagen. Sein Versteck war nicht mehr geheim. Der Junge sprang auf und versteckte sich hinter dem Schreibtisch. Der Spalt war klein, er passte gerade so dort hinein. Leider konnte er dadurch nicht erkennen, wer herunterkam.

„Minho? Hier ist Besuch für dich. Wir wissen, dass du da bist.“ Der Junge kannte die Stimme nicht. Er spürte eine Gänsehaut auf seinem Körper. Die Fremden wollten bestimmt nichts Gutes, woher wussten sie überhaupt wo er war. Er war immer so vorsichtig gewesen. Minho musste sich sehr zurückhalten nicht den Kopf um die Ecke zu schieben und nachzusehen. Aber er wusste, dass war das schlimmste was er tun konnte.
„Minho? Du brauchst dich nicht zu verstecken, wir finden dich auf jeden Fall.“ Der Junge versuchte so flach wie möglich zu atmen, versuchte keinen Muskel zu bewegen. Vielleicht würden die Leute ja aufgeben und wieder gehen. Bevor er diesen Gedanken jedoch weiterspinnen konnte, knallte etwas zu Boden. „Wir finden dich. Mach es uns doch nicht schwerer.“ Die dunkle Stimme des Mannes brannte sich in Minhos Kopf. Er würde niemals aufgeben. Er würde bis zum Ende kämpfen, egal worum es ging. Minho war ein Kämpfer. Sein Vater war ein Anführer, er wurde so erzogen, dass er immer nach vorne sah und Entscheidungen traf. Und das tat Minho. Er hatte seine Entscheidung bereits getroffen.
Wieder fielen ein paar Dinge scheppernd zu Boden, Minho hörte wie Glas in tausend Stück zersplitterte. Vorsichtig schob Minho sich nach vorn. Er würde versuchen die Leiter zu erreichen und nach oben zu kommen. Dort musste er nur noch rennen. Selbst wenn da jemand warten würde, er würde rennen.

Stück für Stück schob sich Minho nach vorne. Er hatte fast das Ende des Tisches erreicht, als die Schritte wieder lauter wurden. „Minho, es gibt nicht viele Verstecke hier. Gib doch auf.“ Dann tauchte ein Gesicht über ihm auf. Minhos Herz setzte kurz aus und dann reagierte er so schnell wie noch nie zuvor. Er sprang auf und rannte auf die Treppe zu. Er sah im Augenwinkel, dass nach ihm gegriffen wurde, aber er war schneller. Er packte nach der ersten Stufe, die über seinem Kopf war und zog sich hoch, aber da war es auch schon zu spät. Er wurde an der Schulter zurückgezogen und stürzte dort zu Boden. Keuchend kam der Junge auf dem Beton auf. Aber er wäre nicht Minho, wenn er nicht sofort wieder auf den Beinen wäre und den nächsten Versuch starten würde zu entkommen. Aber er war nicht mehr schnell genug.
Die Angreifer packten ihn fest am Arm, so dass es weh tat. Minho schlug um sich und trat mit den Füßen nach den beide Männern, die jetzt hinter ihm waren. Doch seine Kraft war nicht annähernd ausreichend, um die beiden Riesen von sich zu stoßen.
„Da haben wir dich ja doch. Das hätte alles so viel leichter sein können.“ Minho warf den Männern einen bösen Blick zu. „Du kommst jetzt mit uns. Wir bringen dich an einen besseren Ort.“ „Nein! Lassen Sie mich!“ Minho schrie auf und begann erneut um sich zu treten und zu schlagen, aber der Griff der Männer wurde nur viel fester. „Wir wollen dir doch nichts Böses, Junge. ANGST will dich retten.“ Minho schüttelte weiter heftig den Kopf und versuchte sich zu wehren, auch wenn seine Schultern mittlerweile furchtbar weh taten. Aber er konnte nichts weiter ausrichten.

Die Männer zerrten ihn mit nach oben. Oben angelangt schrie der Schwarzhaarige nach seinen Eltern, versuchte irgendwie auf sich aufmerksam zu machen, aber im Grunde wusste er, dass es kein entkommen gab. Außer ihm wusste ja niemand von dem Bunker. Sie hatten ihn. ANGST hatte Minho in ihrer Gewalt.

Stöhnend ließ er seine Hände sinken, er war niemand der aufgab, aber so würde er hier nicht herauskommen. Die Frustration über die Situation ließ Tränen in seinen Augen schimmern. Er wollte nicht mit diesen Männern mit. Er wollte nicht von seinen Eltern getrennt werden. Er war doch nur ein Kind.
Die Männer hatten bemerkt, dass Minho ruhiger geworden war und so wurde der Griff etwas sanfter, auch wenn Minho später von blauen Flecken übersäht sein würde. Sie zogen ihn weiter, zu den nun ankommenden Autos. Seine Augen brannten etwas von dem aufgewirbelten Staub der Autos und Minho ging mit langsamen Schritten auf den schwarzen Range Rover zu. Für einen Moment blitze in seinem Kopf ein weiterer Flucht Versuch auf, aber der Griff um seine Schulter schien wieder fester zu werden, weshalb Minho schwer schluckte.
„Sie haben vielleicht jetzt gewonnen, aber ich weigere mich mit Ihnen auch nur irgendetwas zu tun zu haben. Es ist noch nicht vorbei.“ Die Männer schmunzelten. „Du wirst deine Meinung bestimmt noch ändern, Kleiner. Warte nur ab.“

Minho wurde ins Auto geschoben und die Tür ging mit einem lauten Knall zu. Wütend sah er durch die getönten Scheiben. Er hatte nicht einmal seinen Eltern Lebewohl sagen können. Sie würden nach ihm suchen, aber ihn nicht finden. Der Gedanke ließ sein Herz schneller schlagen. Er würde seine Eltern so schnell nicht wiedersehen. Seine Mama, die sich immer so viele Sorgen gemacht hatte. Und sein Vater, der immer alles fest im Griff hatte und dennoch so viel Liebe für ihn übrighatte. Aber er würde nicht aufgeben, er würde einen Weg finden zurückzukehren. Er würde alles dafür geben.

Als das Auto über die staubigen Felder fuhr, saugte Minho die Bilder ein. Hier hatte er Laufen gelernt, hier hatte er Freunde gefunden. Hier hatte er gelernt sich selbst zu verteidigen. Er würde diesen Ort nicht vergessen. Er würde alles in seinem Herzen einschließen, bis er wiederkommen würde.
Traurig legte er seine Stirn an die kalte Scheibe und sah zu, wie seine Heimat immer kleiner wurde.
Er würde nie aufgeben.
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