I'm so sorry, but I love you

von MissKrone
GeschichteDrama, Romanze / P16 Slash
Seungri Taeyang
15.10.2020
18.10.2020
2
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18.10.2020 1.662
 
Young-Bae blieb einen Moment verdattert in der Umkleidekabine stehen und blickte mit vor Verwirrung weit aufgerissenen Augen in den Flur, durch den Seung-Ri vor wenigen Sekunden abgehauen war. Was war bloß heute in ihren Jüngsten gefahren?

Doch dann schaltete sein Gehirn wieder auf Betrieb und seine Füße setzten sich in Bewegung. „Seung-Ri!“, rief er und rannte ihm nach, doch er bekam ihn nurnoch kurz zu sehen, als er im Treppenhaus über das Geländer guckte.

Als er aus dem Gebäude trat, wäre er fast mit Seung-Hyun zusammengestoßen.

„Ya! Was war denn mit euch los? Seung-Ri ist einfach an uns vorbeigerannt. Er hat gar nichts gesagt.“

„Okay, keine Ahnung, lass mich vorbei, ich muss…“ Young-Bae war so außer Atem und so durcheinander, dass Seung-Hyun ihn fest an den Armen packte und ihm mit steinhartem Blick in die Augen sah.

Young-Bae schloss die Augen, atmete einmal tief durch und begann dann erneut zu sprechen. „Ich hab keine Ahnung was los war. Ich habe Seung-Ri nur darauf angesprochen, dass er heute ein paarmal Fehler bei der Choreo gemacht hat und ihn gefragt, ob alles in Ordnung ist. Und dann ist er auf einmal aufgesprungen und weggerannt.“

„Hast du vielleicht irgend etwas gesagt, dass ihn verletzt hat?“, schaltete sich Dae-Sung ein, „Du weißt doch, wie empfindlich er ist, wenn man ihn kritisiert.“

Doch Young-Bae schüttelte mit Nachdruck den Kopf. „Nein, wirklich, ich habe mir nur Sorgen gemacht.“

„Sollen wir ihn suchen gehen?“, schlug Dae-Sung vor und reckte tatkräftig seine Faust in die Luft doch Young-Bae schüttelte den Kopf.

„Vielleicht braucht er im Moment einfach ein bisschen Zeit, er scheint schon den ganzen Tag schlecht drauf gewesen zu sein. Und wenn wir bis heute Abend nichts von ihm gehört haben, dann werden wir anfangen zu suchen.“

„Ja, ich halte das auch für die beste Idee“, stimmte Ji-Yong zu und legte dem Älteren einen Arm um die Schulter. „Komm schon, du bist sicher nicht schuld daran“, versuchte er ihn aufzumuntern und kniff ihn in die Wange. Ein müdes Lächeln war sein einziger Lohn, aber Young-Bae war dennoch dankbar für die ermutigenden Worte. Auf eine seltsame Art und Weise fühlte er sich wirklich schuldig für Seung-Ris Ausraster, auch wenn er sich nicht erklären konnte, inwiefern er ihn ausgelöst haben könnte. Er wollte doch nur helfen.


Den Rest des angebrochenen Tages verbrachte Young-Bae im Wohnzimmer auf und ab laufend. Bei dem leisesten Geräusch im Hausflur rannte er zur Tür und spähte mit klopfendem Herzen durch den Türspion, jedes Mal wenn ein Auto vor dem Appartementhaus parkte, lehnte er sich weit aus dem Fenster um zu erkennen, ob Seung-Ri vielleicht aussteigen würde. Doch jedes Mal wurde er enttäuscht. Natürlich.

Er versuchte sich sogar ein Buch zu nehmen und mit einer Tasse Tee auf der Couch zu warten, doch er musste die erste Zeile allein drei Mal lesen, weil seine Gedanken immer wieder abschweiften und so gab er auch dieses Unterfangen auf.

Er konnte das Gefühl nicht loswerden, das er in irgendeiner Weise an dem seltsamen Benehmen ihres Jüngsten Schuld war und so waren die Sorgen, die er sich um ihn machte doppelt belastend.

Zudem war der Ausbruch so unerwartet gekommen. Young-Bae hielt sich nicht für den einfühlsamsten Menschen, den diese Welt zu bieten hatte, doch normaerweile merkte er schon früh, wenn mit einem seiner Freunde etwas nicht stimmte, doch hier hatte er komplett versagt. Gut, Seung-Ri hatte ein paar Tanzschritte versemmelt, das konnte jedem Mal passieren und er hatte ihn doch auch darauf angesprochen. Wie er es auch drehte und wendete, er konnte nicht verstehen, was in der Garderobe passiert war.

„Immernoch am Grübeln?“ Im Laufe des Nachmittags hatte immer mal wieder einer das Wohnzimmer betreten, doch sie hatten es tunlichst vermieden, Young-Bae anzusprechen, der wirkte wie eine tickende Zeitbombe auf Ecstasy. Doch Ji-Yong hatte da um einiges weniger Hemmungen als die anderen.

Die Reaktion fiel knapp und nicht sehr freundlich aus. „Nach was sieht es denn aus?“ Und schon hatte ihr Leader seinen Kopf wieder aus der Schusslinie genommen. Es tat Young-Bae ein wenig leid, dass er so reagiert hatte, aber er konnte es im Moment nicht nachvollziehen, wie die anderen so wenig besorgt sein konnte. Dass auch diese sich auf ihre Weise ihre Gedanken machten, konnte er nicht sehen.

Und irgendwann, als die Sonne schon im Begriff war hinter den hohen Häusern der Stadt unterzugehen, hielt Young-Bae es nicht mehr aus. „Ich gehe jetzt“, rief er und bevor Zeit für auch nur eine Antwort gewesen wäre, fiel die Wohnungstür schon hinter ihm ins Schloss.


Young-Bae hatte keinen wirklichen Plan im Kopf, er wollte erstmal alle Stellen abklappern, die Seung-Ri gerne besuchte und wenn er ihn dann immer noch nicht gefunden hatte würde er weiter suchen, bis ihn seine Füße nicht mehr trugen. Es war wie ein innerer Zwang, dem nicht beizukommen war. Er musste Seung-Ri finden und sich bei ihm entschuldigen für was auch immer er getan haben mochte. Und dann wollte er den Jüngeren in den Arm nehmen und ihm sagen, dass er solche Dummheiten nicht machen durfte, dass er Angst um ihn gehabt hatte.

Er setzte seine Beine wieder in Bewegung und hetzte schwer atmend durch die Straßen Seouls. Seine Gedanken waren eingenommen von ihrem Nesthäkchen. Sein Lächeln, seine schüchterne Art und dann der wütende, verletzte Ausdruck in seinen Augen als er aufgesprungen und an Young-Bae vorbeigerannt war.

„Verdammt Seung-Riya, wo steckst du bloß“, fluchte er in sich hinein, als er auch in der dritten Bar keinen Erfolg hatte. Nun blieben nicht mehr viele Möglichkeiten. Entweder der kleine Park, der sich nur einige Blocks von Young-Baes momentanem Standort aus befand oder Seung-Ris Lieblingsrestaurant. Doch da dies nicht der geeignete Platz schien, sich darin zurückzuziehen, wenn es einem nicht gut ging, beschloss Tae-Yang es von seiner Liste zu streichen.

Einen Moment nahm er sich, um wieder zu Atem zu kommen, dann rannte er erneut los. Es war nicht weit, aber da es schon dunkel wurde und es, wenn seine Erinnerung ihn nicht trog, kaum Straßenlampen in besagtem Park gab, wollte er sich beeilen.

Es nutze allerdings nicht, denn unter den Bäumen, war es trotzdem so dunkel, dass er kaum etwas erkennen konnte. Er bremste ab und ging nun ruhiger und sich sorgsam umsehend den Weg um den kleinen See herum, versuchte in der Dunkelheit jemanden zu erkennen. Aber es war aussichtslos, selbst wenn Seung-Ri einen Meter vor ihm gestanden hätte, hätte er ihn wohl nicht gesehen. Die Bäume schienen alles Licht der Stadt zu verschlucken und diesen Park zu einer sehr hoffnungslosen Gegend zu machen. In einer anderen Situation hätte er vielleicht romantisch sein können.

Ernüchtert ließ Young-Bae sich auf den taufeuchten Rasen Sinken und schlang die Arme um seine Beine. Er hätte es sich ja eigentlich fast denken können. In einer Stadt wie Seoul jemanden zu finden und das zu Fuß – wie hatte er nur glauben können, dass er damit Erfolg hätte? So würde er also unverrichteter Dinge nach Hause in ihr Appartement zurückkehren müssen und seinen Freunden erklären, was ihn da eigentlich geritten hatte. Aber noch wollte er nicht aufstehen. Es schien, als habe die düstere Melancholie des Parks ihren Schatten auf ihn geworfen.

„Hyung?“ Young-Bae wäre vor Schreck beinahe in den See gestürzt, so ruckartig richtete er sich auf. Hinter ihm stand Seung-Ri, mit einem entschuldigenden Lächeln auf dem Gesicht, das durch die tiefen Schatten merkwürdig verzerrt war.

„Hast du Feuer?“

„Seit wann rauchst du denn?“

„Hab gerade damit angefangen, schmeckt nicht besonders gut.“

Seung-Ri ließ sich neben ihn auf das Gras fallen und Young-Bae konnte die Alkoholfahne riechen, die von ihm ausging.

„Und getrunken hast du auch“

Die einzige Reaktion des Jüngeren, die Young-Bae registrierte, war ein gleichgültiges Schulterzucken. In Wirklichkeit zogen sich seine Augenbrauen zusammen, als müsste er Tränen unterdrücken. Ja, er hatte geraucht und getrunken. Heute war ihm einfach nicht danach gewesen, den braven Jungen zu spielen, irgendwann war jeder Bogen überspannt und heute war der Tag, an dem er an der Reihe war auszurasten. Jetzt hatte er sich abreagiert und es ging ihm ein wenig besser. Allein der Alkohol hatte einen großen Teil der pochenden Emotionen aus ihm herausgeschwemmt.

Stumm saßen sie nebeneinander und betrachteten die Reflektion des Mondes auf dem See, Seung-Ri hatte noch immer die unangezündete Zigarette zwischen den Fingern.

„Ach scheiße!!“, rief er auf einmal, sprang auf und wollte scheinbar wieder abhauen, doch in diesem Moment hatte Young-Bae eindeutig das bessere Reaktionsvermögen. Er packte Seung-Ri am Arm. Dieser drehte wie wild den Kopf in die Richtung des Älteren. Der sah das Weiße der Augen in der Dunkelheit blitzen und konnte den wütenden Ausdruck, die gefletschten Lippen zur erahnen.

„Lass mich gefälligst los“, zischte Seung-Ri und klang dabei wie eine wütende Schlange, doch Young-Bae dachte überhaupt nicht daran.

Dann lauter, fast gekreischt: „Lass mich los!!“ Wenn es nicht so absurd gewesen wäre, Young-Bae hätte geschworen, dass da ein Schluchzen in der Stimme seines Freundes mitschwang. Doch nun reichte es ihm. Er war nicht so lange durch die Stadt gerannt, um sich nun so abservieren zu lassen. Er schloss seine Hand noch fester um Seung-Ris Oberarm und zog an ihn an sich heran.

„Kannst du mir vielleicht endlich verraten, was eigentlich mit dir los ist? Erst rennst du weg, rauchst, betrinkst dich und dann willst du wieder abhauen. Ich hab mir verdammt noch mal Sorgen um dich gemacht. Ich hab dich gesucht!! Oder glaubst du, ich tauche wie durch Zufall hier auf?“ Seine Stimme war lauter geworden und es schwang neben Wut auch ein wenig Enttäuschung mit.

Seung-Ri riss sich von dem anderen los, blieb aber stehen wo er war. „Du willst also wissen, was los ist? Du willst es wirklich wissen?“, brüllte er und diesmal war Young-Bae sich sicher, dass der Jüngere weinte.

„Es tut mir leid, aber ich liebe dich!!“
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