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I'm so sorry, but I love you

von MissKrone
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 Slash
Seungri Taeyang
15.10.2020
18.10.2020
2
2.866
 
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15.10.2020 1.204
 
Ein Schritt zur Seite, eine elegante Drehung, heißes, rotes Scheinwerferlicht, das seine Farbe schnell zu weiß wechselt, eine freundschaftliche Umarmung, die viel zu früh wieder vergangen ist.

Seung-Ri spürte noch das warme Kribbeln der Berührung im Nacken, um ein Haar hätte er seinen Einsatz verpasst.

Dann das strahlendste Lächeln, das er zustande bekam.

„Cut! Cut!! Okay, das war schon mal ganz gut. Aber ich weiß, dass ihr das besser könnt. Also ihr habt jetzt fünf Minuten und dann drehen wir die Einstellung nochmal. Und wenn es sein muss, auch noch zehn Mal!“

Seung-Ri seufzte und setzte sich auf eine Kiste am Rande des Sets. Sie waren nun schon seit fast fünf Stunden am Drehen, und das, wo es gerade mal elf Uhr morgens war. Er war müde, fror und hatte langsam keine Lust mehr. Immer die gleichen Tanzschritte, das gleiche breite Lächeln, die gleichen, einstudierten Sätze.

Er schüttelte den Kopf. Eigentlich wollte er das alles gar nicht so sehen, er war einfach am Morgen mit dem falschen Fuß aufgestanden. Er liebte seinen Job und er liebte es auch, das hier zu tun, Werbespots zu drehen. Es war nur einfach nicht sein Tag.

Erneut seufzend wollte er sich nach hinten lehnen, doch den einzigen Halt bot ein großer Scheinwerfer, und der war nicht dafür konzipiert, das Gewicht eines ausgewachsenen Mannes zu halten, selbst wenn er noch gar nicht ausgewachsen war und so sah Seung-Ri von seinem Vorhaben ab und lehnte sich nun vielmehr auf seine Knie.

Er ließ seinen Blick durch das aufgebaute Set wandern und betrachtete desinteressiert das geschäftige Treiben. Assistenten liefen mit Bergen von Papier und Paletten voll Kaffee durch die Gegend und versuchten, sich nicht gegenseitig anzurempeln. Der Regisseur saß gebeugt über einem Hefter und strich dick irgendwelche Sachen an oder aus. Seung-Ri vermutete, dass es sich um das Drehbuch handelte. Es war immer wieder ein Wunder, wieviel Zeit und Nerven man in einen zweieinhalbminütigen Spot investieren musste. Gegenüber von ihm, einige Meter entfernt, saß Ji-Yong, ihr Leader, auf der Motorhaube des todschicken weinroten Cadillacs, der eigentlich Teil ihres Sets war und spielte mit seinem Handy rum, wobei er nervös mit dem Fuß wippte. Noch weiter abseits standen Seung-Hyun und Young-Bae und schienen sich über irgendetwas zu unterhalten. Für einen Moment blieb Seung-Ris Blick auf Young-Bae hängen, wanderte von der schiefsitzenden Mütze hinunter zu den schmalen Augen, dem lächelnden Mund, dann tippte ihn jemand von hinten an.

Seung-Ri drehte den Kopf und blickte in das breit grinsende Gesicht Dae-Sungs, der ihm eine Dose Eistee hinhielt.

„Da, für dich, du solltest was trinken!“ Dae Sung warf ihm die eiskalte Dose in den Schoß und schob ihn mit der Hüfte zur Seite, so dass er sich ebenfalls auf die Kiste setzen konnte.

„Hyung?“

„Mh?“

„Weißt du…“ Seung-Ri wollte gerade ansetzen, etwas zu sagen, da wurde er von den Rufen ihres Regisseurs unterbrochen.

„Los, Jungs, Pause ist vorbei, alle wieder auf Ausgangsposition!“

Seung-Ri schwang sich von der Kiste, stellte sein nicht geöffnetes Getränk auf die Stelle, auf der er eben noch gesessen hatte und ließ angehaltene Luft entweichen. Um ein Haar hätte er etwas sehr Dummes gesagt!

Er versuchte, den Gedanken abzuschütteln und sich auf den Dreh zu konzentrieren, in Selbstmitleid konnte er auch noch versinken, wenn er seinen Job anständig gemacht hatte. Und je mehr sie sich jetzt anstrengen würden, umso schneller würden sie den heutigen Tag abhaken können.

Mit gestrafften Schultern, die Tanzschritte fest in sein Gedächtnis gebrannt, stellte er sich auf die Markierung, die ihre Position für die zweite Einstellung bezeichnete.

Dann wieder die flüchtige Berührung, die flüchtige Berührung, die so im Drehbuch stand, doch von der Seung-Ri gerne glauben wollte, dass die mehr bedeutete. Wieder das Kribbeln.


„Du warst heute nicht sehr gut drauf, oder?“ Seung-Ri schreckte auf, musste hochsehen, um zu erkennen, wer gesprochen hatte und sah durch den Spiegel in das freundlich lächelnde Gesicht Young-Baes. Im ersten Moment, war er so verdattert, dass er keine Antwort herausbringen konnte. Wieso ausgerechnet er, wieso ausgerechnet jetzt? „Du hast ein paar Mal bei den Tanzschritten gepatzt, das sieht dir gar nicht ähnlich.“

Seung-Ri nickte, dann zuckte er mit den Schultern. „Tut mir leid, ich wollte euch nicht in Verlegenheit bringen.“ Dann senkte er seinen Blick wieder. Den Älteren so nah bei sich zu haben, hinter sich stehend, seine Wärme beinahe zu fühlen - er müsste sich nur ein wenig nach hinten lehnen - war verwirrend und auf eine unbestimmte Art unangenehm. Und doch wünschte er sich nichts sehnlicher, als diese Nähe noch ein wenig länger auskosten zu können.

„Ya! Die anderen sind schon gegangen, vielleicht sollten wir…“ Seung-Ris Herz klopfte bis zum Hals, als er die Hand des Älteren auf seiner Schulter fühlte. Eine freundschaftliche, aufmunternde Geste, nichts weiter, doch sie ließ ihm das Blut in den Kopf steigen und seinen Herzschlag verrückt spielen. Viel zu stürmisch erhob er sich von dem ungemütlichen Garderobensitz, auf dem er fast eine halbe Stunde gesessen hatte, ohne sich zu rühren, in trübsinnige Gedanken versunken.

‚Scheiße, scheiße! Ich kann das nicht mehr, verdammt!‘

Er rempelte Young-Bae an, ohne ihn noch einmal anzusehen, griff nach seiner Tasche und stürmte aus dem Raum. Zurück ließ er einen ihm verwundert hinterher sehenden Young-Bae, der sich in diesem Moment fragte, ob er vielleicht etwas falsch gemacht hatte.

Seung-Ri hämmerte wie wild auf den Fahrstuhlknopf ein, nahm sich nicht die Zeit, auf ihn zu warten und hastete in Richtung des Treppenhauses, um, immer zwei Stufen auf einmal nehmend, auf diesem Weg zu verschwinden.

Vor dem Gebäude wartete noch immer die vom Entertainment bereitgestellte Limousine auf ihn und mit ihr seine Freunde, doch er nahm sie kaum wahr, er wollte nur weg. Wollte, dass sein Herz aufhörte, seine Brust zu zerreißen. Sein Name schallte laut durch die Straße, doch auch das hörte er nicht.

Seine Schritte wurden immer schneller, dann begann er zu rennen. Wo auch immer seine Beine ihn hintragen wollten, er würde ihnen folgen. Nur weg, so schnell er konnte und wieder einen klaren Kopf fassen.

Erst als er schließlich keine Luft mehr bekam, stoppte Seung-Ri seine Flucht, sank gegen die nächste Hauswand und blieb dort schwer atmend sitzen. Und erst, als seine Lungen nicht mehr wie Feuer brannten, hörten auch die Gedanken in seinem Kopf auf wild durcheinanderzuwirbeln. Er versuchte zu rekapitulieren, was eigentlich passiert war, aber es schien, als habe sich ein milchiger Schleier über die letzten Minuten gelegt.

Doch er hatte es fast kommen sehen. Irgendwann ist immer der Moment erreicht, in dem man seine Gefühle nicht mehr nur in sich hineinfressen kann, in dem sie aus einem hinausbrechen und wenn man Pech hat großen Schaden anrichten. Seung-Ri hatte Pech gehabt. Eindeutig.

Seung-Ri konnte kaum sagen, wie lange es her war, doch irgendwann war es nicht mehr nur Freundschaft gewesen, die sich in ihm geregt hatte, wenn sein Blick auf Young-Bae fiel. Alberne, kindliche Schwärmerei, so hatte er es zunächst abgetan, doch sich selber etwas vorzumachen ist meist kein sehr erfolgreiches Unterfangen.

Und seitdem brannte die ungewohnte Sehnsucht in ihm, vermischt mit Scham und tief verwurzelter Hoffnungslosigkeit.

Er vergrub das Gesicht in den Armen und hoffte einfach, dass alles von selber besser würde.
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