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You weren’t my choice, you are my destiny.

GeschichteLiebesgeschichte / P12 / Gen
Iwaizumi Hajime Oikawa Tooru
15.10.2020
15.10.2020
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Für Iwa-Chan


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You weren’t my choice, you are my destiny




Oikawa war gerade mal Fünf, als ihm das erste Mal bewusst wurde, dass Iwaizumi der coolste und tollste Mensch auf der Welt war.
Er selbst hatte es nämlich gekonnt geschafft, sich den Knöchel zu verstauchen, während sie im Wald unterwegs gewesen waren und das nur, weil er Iwaizumi zur Liebe einen Käfer gejagt hatte, obwohl er Käfer selbst verabscheute, weil sie so eklig waren! Aber wenn sein bester Freund sie so toll fand, dann wollte er ihm den Gefallen eben tun. Nur war Oikawa dabei ganz unglücklich über eine Wurzel gestolpert.
Und nun saß er weinend mit aufgescheuerten Knien im Wald und hielt sich den höllisch schmerzenden Knöcheln. Es dauerte keine zwei Sekunden, da war Iwaizumi auch schon neben ihm und sah ihn besorgt an. Dabei war Iwa-Chan nie besorgt! Er sah immer grimmig oder entschlossen aus.
Jetzt aber musterte er Oikawa mit vor Sorge zusammengezogenen Augenbrauen. „Was hast du gemacht, du Idiot?“, wollte er wissen, während Oikawa weiter heulte. „Da war eine Wurzel…“, schniefte er und schaute bitterböse auf eben diese. „Wer ist denn so blöd und stolpert über eine Wurzel?“ „Du bist… so gemein… Iwa-Chan!“, jaulte Oikawa. „Ich wollte dir diesen Käfer fangen…“
Schuldbewusst schnaufte Iwaizumi und bot ihm die Hand an, um ihm aufzuhelfen, was jedoch nicht von Erfolg gekrönt war. Im Gegenteil, Oikawa weinte nur noch mehr, als er versuchte aufzustehen und es nicht klappte. „Kannst du nicht aufstehen?“ Wimmernd schüttelte er den Kopf, weswegen Iwaizumi seufzte und sich vor ihn kniete. „Dann trag ich dich nach Hause!“, beschloss er so energisch, dass Oikawa nicht wagte zu widersprechen und auf dessen Rücken kletterte.
Iwaizumi trug ihn den gesamten Weg nach Hause, weswegen Oikawa ihn für seine Stärke bewunderte und sein Knöchel gleich viel weniger weh tat, weil er sich bei seinem besten Freund gut aufgehoben fühlte.
Als Fünfjähriger hatte Oikawa jedoch noch lange keine Ahnung gehabt, was die Gefühle bedeuteten, die er empfand.




Auch mit Sieben war es nicht greifbar für ihn, als er neben Iwaizumi im Bett lag und an dessen Zimmerdecke starrte, die sie gemeinsam mit Sternen beklebt hatten, die im Dunkeln leuchteten, weil Oikawa sie so schön fand.
„Du musst keine Angst vor Godzilla haben, du Blödmann!“, erklärte Iwaizumi ihm gerade, doch Oikawa schüttelte entschieden den Kopf. „Er macht ganz viel kaputt und frisst Menschen und tritt auf sie drauf!“
Seitdem er den Film mit Iwaizumi gesehen hatte, hatte er regelrecht Panik, vor allem jetzt, wo das Licht aus war und seine Vorstellung verrücktspielte. Bei jedem kleinsten Geräusch zuckte er zusammen und fürchtete sich davor, dass am Fenster ein riesiger Echsenkopf auftauchen würde. Dass überall in diesem Zimmer leider auch Godzilla Spielzeug herum stand, machte es wirklich nicht besser.
„Weil er Angst hat. Er macht das doch nicht mit Absicht!“, verteidigte Iwaizumi seinen Helden feurig. „Die sind trotzdem tot!“, fand Oikawa und zuckte erneut zusammen, als draußen ein Automotor angelassen wurde.
Iwaizumi lachte leise. „Du bist so gemein, Iwa-Chan! Ich hab den Film nur wegen dir geguckt!“, jammerte Oikawa, dem es schon ein bisschen peinlich war, dass er solche Angst hatte, während sein bester Freund überhaupt nicht ängstlich war.
„Godzilla gibt es gar nicht… leider“, fand Iwaizumi. „Leider?!“, fiepste Oikawa empört und war erstaunt, als Iwaizumi nach seiner Hand tastete und sie im Dunkeln fand. Er drehte sich auf die Seite, um Oikawa anzusehen. „Und wenn Godzilla echt wäre, dann würde ich auf dich aufpassen und nicht zulassen, dass dir etwas passiert, du Nervensäge!“, erklärte er grimmig und drückte Oikawas Hand fest. Der starrte seinen besten Freund sprachlos an. „Iwa-Chan! Das würdest du?“ „Natürlich, Idiot!“
Und plötzlich hatte Oikawa nicht mehr so viel Angst. Das Einschlafen war auch ganz leicht, wenn Iwaizumi seine Hand hielt.




Mit zehn Jahren schritt Iwaizumi ein, als Oikawa von zwei Mitschülern ausgelacht wurde, weil er davon überzeugt war, dass es Aliens gab. Er hatte viele Dokumentationen gesehen und war der felsenfesten Meinung, dass sie irgendwo da draußen waren.
Nur dass er bisher nicht mit Anderen darüber gesprochen hatte. Kaum, dass das Thema jetzt aber aufgekommen war, lachten die anderen Jungen ihn aus und bezeichneten ihn als Freak.
Oikawa hasste es, wenn andere über ihn lachten und die gemeinen Bezeichnungen gefielen ihm auch nicht. Kein Wunder, dass er aus großen Augen zu den anderen Kindern sah und zu geschockt war, um zu reagieren. Sowas war ihm noch nie passiert!
„Hört auf ihn zu beleidigen!“, fuhr Iwaizumi die anderen Schüler an und baute sich drohend zwischen ihnen und Oikawa auf. „Aber Hajime, du glaubst doch nicht, dass der Spinner Recht hat“, lachte einer der Beiden, weswegen Iwaizumi tief Luft holte. „Doch tue ich!“
Und dann war plötzlich Ruhe, weil das was Iwaizumi sagte, war eben immer handfest und keiner wagte sich, ihm zu widersprechen. Die zwei anderen Jungen blinzelten verwirrt und auch Oikawa sah seinen besten Freund fragend an, hielt jedoch vorsorglich den Mund. „Nur weil ihr zu dumm seid, um so weit zu denken, müsst ihr Tooru nicht beleidigen!“, beschloss Iwaizumi und packte Oikawas Hand, um ihn mit sich zu ziehen. „Und ab jetzt lasst ihr ihn in Ruhe!“
Damit zerrte er Oikawa von dem Schauplatz weg, während dieser immer noch ungläubig auf den Hinterkopf seines besten Freundes starrte.
„Iwa-Can, du glaubst an Aliens?“, brach es jedoch dann endlich aus ihm hervor, weswegen Iwaizumi sich mit einem verächtlichen Schnauben umdrehte. „Nein, natürlich nicht, Blödmann!“
Oikawa riss empört den Mund auf. „Hey, das ist total gemein! Gerade hast du noch gesagt…“ „Ja, damit sie nicht weiter auf dir rumhacken!“ Das war zwar nett gemeint, aber Oikawa sah deutlich einen Denkfehler darin. „Aber du sagst auch gemeine Dinge, Iwa-Chan“, fand er und hob den Finger um seine Aussage zu unterstreichen. „Ja, ich darf das, weil ich das nicht so meine. Aber Andere dürfen dich nicht beleidigen, sonst bekommen die es mit mir zu tun!“
Ein Strahlen erschien auf Oikawas Gesicht und er umschlang Iwaizumis Arm mit beiden Händen. „Iwa-Chan! Aber Aliens gibt es wirklich!“ „Hör auf damit, du Freak…“, seufzte dieser, weswegen Oikawa beleidigt aufjaulte. „Gemein, Iwa-Chan!“ „Aber du bist mein Freak.“ Und schon kehrte das Strahlen auf Oikawas Gesicht zurück.
Aber er konnte nicht einordnen, wieso es ihn so sehr freute, dass Iwaizumi ihn als sein bezeichnet hatte.




Frustriert warf Oikawa den Ball gegen die Hallenwand und sah ihm enttäuscht nach. Er konnte den Aufschlag einfach nicht. Nur den lahmen von unten, den jeder konnte und der überhaupt keine Gefahr darstellte. So einen wollte Oikawa im Spiel aber nicht machen, er wollte den coolen, gefährlichen von oben. Immerhin war er schon zwölf und da würde er das doch langsam mal hinbekommen! Außerdem übte er schon so lange daran.
„Wieso klappt das denn nicht?“, beschwerte er sich, während Iwaizumi zu ihm hinüber sah. Er wartete vermutlich nur darauf, dass sie endlich gehen konnten. Denn außer ihnen war niemand mehr in der Halle, weil Oikawa das Training schon wieder überzog, um besser zu werden. Das tat er in letzter Zeit oft, weil er sich einfach in den Kopf gesetzt hatte, richtig gut zu werden! So richtig gut!
Seufzend stand Iwaizumi von seinem Platz an der Wand auf. „Irgendwann bekommst du es hin..“ „Irgendwann reicht mit nicht, Iwa-Chan! Ich will es jetzt schaffen!“ „Idiot! Jeder muss erstmal klein anfangen.“ „Ich nicht!“ „Doch, du auch, du bist in jeder miteingeschlossen, Dummbatz!“, schnaubte Iwaizumi und klopfte ihm auf die Stirn, als wolle er, dass seine Worte mehr einsanken.
Oikawa verzog das Gesicht. „Ich will aber nicht wie jeder sein, ich will besser sein!“, erklärte er entschlossen, weswegen Iwaizumi die Augen verdrehte. „Ich, ich, ich, will, will, will. Deswegen klappt es auch nicht, Shittykawa, weil du viel zu verbohrt bist und es zu sehr versuchst. Wir gehen jetzt nach Hause, du hast lange genug trainiert und ich habe keine Lust wieder Ärger zu bekommen, weil ich zu spät nach Hause komme“, verlangte Iwaizumi, doch Oikawa schüttelte den Kopf. „Du kannst ohne mich heimgehen“, bot er an.
Davon wollte Iwaizumi jedoch nichts wissen und schnappte sich das Handgelenk des Anderen. „Nichts da! Du Idiot machst das sonst die ganze Nacht! Du kommts mit!“, entschied er, weswegen Oikawa aufstöhnte. „Gemein, Iwa-Chan! Nur noch einen Versuch, okay? Einen, versprochen!“, bettelte er und legte die Hände aneinander.
Sein bester Freund verdrehte die Augen, warf ihm jedoch den Ball wieder zu. „Einen einzigen, du Nervensäge!“ Oikawa nickte glücklich, ehe er tief durchatmete und sich auf den Ball konzentrierte. „Hey?“ Kurz bevor er den Ball hochwarf, wandte er sich zu Iwaizumi um, der ihn angesprochen hatte. „Ich glaub an dich, Oikawa.“ Ein Grinsen erschien auf Oikawas Gesicht, ehe er sich entschlossen wieder dem Ball widmete.
Er warf ihn hoch und schlug mit voller Wucht dagegen. Aufgeregt verfolgte der Sportler die Flugbahn des Balles, der seinen Weg über das Netz fand und im leeren Feld gegenüber landete.
Es trat ein kurzer Moment der Stille ein, bis sie beide vor Begeisterung losschrien und Oikawa, ehe er sich versah, in Iwaizumis Arme sprang. „Iwa-Chan, Iwa-Chan, ich hab’s geschafft!“ „Du hast es geschafft!“ Lachend und aufrichtig glücklich umarmte er Iwaizumi feste, nur um sich dann zurück zu lehnen und ihn anzusehen.
„Iwa-Chan? Dir ist klar, dass du mir jetzt jedes Mal sagen musst, dass du an mich glaubst?“ Der jedoch verdrehte die Augen. „Idiot, ich glaube immer an dich.“
Die Worte gingen runter wie Butter und waren mehr als Streicheleinheiten für sein Ego. So viel mehr. Aber wie viel mehr, konnte Oikawa nicht erfassen.



Den Kopf in seinem Kissen vergrabend, wollte Oikawa nie wieder aus seinem Bett aufstehen. Er hätte nie gedacht, dass ihm so etwas passieren würde. Das passierte anderen, aber doch nicht ihm! Niemand machte mit ihm Schluss! Dass ihm das mit Vierzehn passierte empfand er als große Schmach. Immerhin war er doch der Schwarm der Klasse, der Stufe, ach was, der gesamten Schule! Und dennoch war er abserviert worden.
„Wegen Volleyball! Iwa-Chan, wegen Volleyball!“, schniefte Oikawa und sah mit verheulten Gesicht zu seinem besten Freund auf, der geduldig auf seinem Bett saß und ihm mitfühlend die Schulter tätschelte. „Ich weiß… Aber du hast dich ja auch wirklich nicht viel mit ihr getroffen…“ „Gemein, Iwa-Chan, auf wessen Seite stehst du eigentlich?“, beschwerte sich Oikawa empört und vergrub sein Gesicht prompt wieder im Kissen. „Auf deiner… Immer auf deiner, Dummbatz“, sagte Iwaizumi leise und strich Oikawa durch die Haare.
Das tröstet den Volleyballer ein bisschen. Aber nur ein bisschen. „Ich will nie wieder zur Schule“, verkündete er, weswegen Iwaizumi schnaubte. „Wegen einem Mädchen? So groß kann dein Liebeskummer gar nicht sein, ihr wart drei Wochen zusammen!“, gab er zu bedenken, weswegen Oikawa innehielt und wieder aufsah.
„Aber es ist so peinlich!“ Nun verdrehte Iwaizumi die Augen. „Dir geht es um deinen Ruf, Trashykawa?“ „Schon. Auch…“, räumte dieser ein und ließ den Kopf wiedersinken. „Du weißt genauso gut wie ich, dass mindestens zwanzig Mädchen sich gerade Hoffnungen machen, mit dir ausgehen zu können, jetzt wo du wieder zu haben bist. Du bist super beliebt.“
Das hörte man doch gerne. Aber Oikawa war immer noch traurig und wütend und verstand die Trennung einfach nicht. „Ich versteh halt einfach nicht, wieso sie Schluss gemacht hat… Sie wusste doch, dass ich Volleyball liebe!“, empörte er sich und gab nur zu gerne seiner Exfreundin die gesamte Schuld.
Iwaizumi gab einen zustimmenden Laut von sich. „Stimmt. Ganz überraschend war das nicht. Und sie hätte es wissen können“, räumte er ein. „Weißt du was? Ich finde, du solltest gar nicht erst eine Freundin haben, die nicht verstehst, wie wichtig dir Volleyball ist. Ich kann mir dich gar nicht ohne den Sport verstellen und du bist auch nur glücklich, wenn du spielen kannst. Also such dir das nächste Mal lieber eine aus, die das auch versteht“, fand Iwaizumi und ließ sich neben Oikawa auf die Matratze fallen. „Wenn die alle nicht verstehen, wie toll du bist, dann sind die sowieso selbstschuld.“
Oikawa kicherte gegen seinen Willen, weil er doch eigentlich traurig sein wollte. „Iwa-Chan, wie kitschig von dir. Aber erzähl mir mehr davon, wie toll ich bin“, forderte er und rückte näher an ihn heran. „Oh gut, du bist zurück, Shittykawa. Ich dachte, ich muss jetzt mit diesem Häufchen Elend befreundet sein.“ „Gemein, Iwa-Chan, mir wurde mein Herz gebrochen“, klagte Oikawa und fasste sich theatralisch an die Brust.
Er war erstaunt als er auch Iwaizumis Hand dort spürte und sah an sich herunter, ehe er in die Augen seines besten Freundes sah. „Dann pass besser drauf auf, Idiot“, schnaubte dieser, während Oikawas Herz einen Satz machte.
Oh oh. Anscheinend musste er wirklich besser auf sein Herz aufpassen, denn das tat gerade Dinge, die es nicht sollte…




Mit Sechzehn war Oikawa davon überzeugt, dass seine Volleyballkarriere beendet war, als er durch Iwaizumi gestützt ins Wohnzimmer humpelte und sich auf das Sofa sinken ließ. Immer noch brannten Tränen in seinen Augen und er schaffe es nicht, zuversichtlich zu sein.
Das war eine Katastrophe! Das hätte nicht passiere dürfen!
Sein Knie war hinüber. Es hatte den Geist aufgegeben. Während eines Spiels und nun hatte er striktes Sportverbot und wusste nicht, wann er wieder aufs Feld durfte, geschweigen denn seine Leistung wie gewohnt bringen konnte.
„Iwa-Chan, erschieß mich! Mein Leben ist sinnlos“, jammerte Oikawa und legte sich einen Arm über das Gesicht. „Du fällst nur ein paar Wochen aus und weißt du warum? Weil du nicht auf mich gehört hast und dich überanstrengt hast!“ Oikawa verzog das Gesicht, obwohl sein bester Freund recht hatte. Aber wer wollte so etwas in so einer Situation schon zugeben?
Vorsichtig ließ er sich zu Seite gleiten, sodass er auf dem Sofa lag. „Wie gemein! Sei nett zu mir, ich leide“, verlangte er, während Iwaizumi vor ihm in die Hocke ging, sodass ihre Gesichter auf einer Höhe waren. „Ich bin nett zu dir! Ich hab dich quasi nach Hause getragen!“, erinnerte er Oikawa, weswegen dieser nickte. „Sei noch netter zu mir!“, verlangte er.
Iwaizumi verdrehte die Augen. „Wie nett denn noch? Ich hab gesagt, ich koch dir essen und wir gucken E.T. Was willst du denn noch? Sei nicht so gierig, Oikawa!“, tadelte er, weswegen Oikawa aus großen Kulleraugen zu ihm sah. „Aber Iwa-Chan meine Volleyballkarriere ist vorbei. Ich…“ „Blödsinn! Sag sowas nicht, du Idiot! Du schonst dich, wirst wieder fit und dann spielst du wieder! Hat der Arzt auch gesagt! Also hör auf dir so etwas einzureden!“
Oikawa wollte ihm so gerne glauben. Immerhin war Volleyball wirklich sein Leben. Und er war nicht bereit seine große Leidenschaft aufzugeben. Aber gerade, mit einem höllisch schmerzendem Knie, war es schwer positiv zu denken.
Seine düstere Miene, musste es auch Iwaizumi verraten, der Oikawas Gesicht in seine Hände nahm und ihn ernst ansah. „Hör auf, dir diese Gedanken zu machen. Du wirst wieder gesund, das verspreche ich dir.“ „Das kannst du nicht versprechen, Iwa-Chan“, seufzte Oikawa leise. „Doch kann ich! Ich pass auf dich auf, schon vergessen. Das hab ich schon immer getan und jetzt erstrecht. Ich sorg dafür, dass du erst dann wieder spielst, wenn du wieder fit bist und wenn es sein muss, klappere ich mit dir jeden Arzt der Welt ab, bis dein Knie wieder okay ist! Ich trag dich sogar!“
Gerührt schluckte Oikawa und versuchte sein Herzklopfen unter Kontrolle zu bringen. „Iwa-Chan…“ Er lächelte, obwohl ihm noch vor einigen Minuten nicht zum Lächeln gewesen war. Aber wie könnte er jetzt nicht lächeln, wenn ihm so etwas gesagt wurde? Und wie könnte er sich gerade auf das Pochen in seinem Knie konzentrieren, wenn sein Herz viel mehr pochte?



Schweigend betraten sie Oikawas Schlafzimmer. Eigentlich schliefen sie nicht mehr so oft bei einander, seit sie älter geworden waren. Aber heute war eine Ausnahme. Heute war es okay. Niemand von ihnen wollte gerade alleine sein. Nicht nach der Niederlage gegen Karasuno, die sie den Einzug ins Finale gekostet hatte. Es war ihre letzte Chance auf die Nationalen gewesen, die letzte Chance Ushiwaka zu besiegen. Und sie hatten sie vermasselt.
Zwar waren die Tränen mittlerweile vergossen und getrocknet, aber Oikawa fühlte sich so niedergeschlagen wie schon lange nicht mehr. Iwaizumi bei sich zu haben, war tröstlich. Weil er sich immer besser fühlte, wenn sein bester Freund bei ihm war. Es war als wäre er eine Art Wundermedizin und Oikawa war süchtig danach. Besonders heute brauchte er Iwaizumi.
Daher war es kaum verwunderlich, dass er an ihn heranrückte, kaum, dass sie im Bett lagen, das eigentlich viel zu klein für sie beide war. Aber das hatte sie noch nie dazu bewegt lieber auf ein Futon auszuweichen. Das würde ja bedeuten, dass sie nicht beisammen waren und das schienen sie beide nicht zu wollen.
Stumm, weil es keine Worte benötigte, schmiegte sich Oikawa an seinen besten Freund, der bereitwillig seinen Arm um ihn schlang und enger an sich zog. Iwaizumis Herzschlag, den er gut hören konnte, seit sein Kopf auf dessen Brust ruhte, beruhigte Oikawa weiter. Sein Bein hatte er um Iwaizumis geschlungen und er war sich sicher, dass das die beste Methode war, um einzuschlafen. Denn wann immer er aufgewühlt war, taten sie genau das.
Heute allerdings war es schwer zur Ruhe zu kommen und das Gedankenkarussell zu stoppen. Und an der Atmung von Iwaizumi merkte der Brünette, dass auch sein bester Freund nicht schlief.
„Iwa-Chan?“ „Hmh?“ Er sah zu ihm auf. Iwaizumis Gesicht war schemenhaft zu erkennen, aber Oikawa kannte auch so alle Züge darauf auswendig. Er betrachtete seinen besten Freund, der im Dunkeln zurücksah. Seine Augen huschten über Oikawas Gesicht, ehe er seufzte. „Hör auf, dir Vorwürfe zu machen, Idiot.“ „Hab ich gar…“ „Oikawa…!“ „Okay, ja habe ich. Ich hätte den…“ „Der letzte Ball war zu gut, den hättest du nicht bekommen können. Und du warst auch kein schlechter Kapitän. Du warst sogar der beste Kapitän, den man sich vorstellen kann!“, stellte Iwaizumi fest. „Also glaub ja nicht, dass es deine Schuld war. Nicht das verlorene Spiele und auch nicht, dass wir nicht zu den Nationalen kommen! Du warst unglaublich, Oikawa! Nicht nur heute, die ganzen Jahre über!“
Eigentlich liebte Oikawa Komplimente, aber diese ließen ihn innehalten. Es war etwas Anderes, wenn Iwaizumi ihm so etwas in der Sporthalle sagte, als wenn er es ihm eng umschlungen in seinem Bett sagte. „Iwa-Chan, das ist ja gar nicht gemein… ich weiß nicht mal, was ich sagen soll“, stellte der Zuspieler fest. „Sag einfach mal zur Abwechslung nichts“, fand sein Ass und drückte Oikawa enger an sich, weswegen der tatsächlich widerspruchslos seinen Kopf wieder auf dessen Brust bettete und dem stetigen Herzschlag lauschte.
„Oikawa?“ „Hmh?“ „Danke dir, für die letzten drei Jahre.“ „Iwa-Chan, du kannst nicht einfach meine Worte klauen!“, beschwerte er sich. „Ich finde, jemand musste es dir auch sagen." Und dagegen konnte Oikawa einfach nichts einwenden, sondern kuschelte sich wieder an seinen besten Freund.
Nun war er zwar beruhigter, aber dennoch war es schwer einzuschlafen. Wenn man so etwas von demjenigen hörte, der sein Herz höher schlagen ließ, dann war eben an Schlaf nicht zu denken.



„Oikawa-San, bitte nimm meinen Knopf an“, sprach ihn nun schon das achte Mädchen an der Abschlussfeier darauf an und hielt ihm mit gesenkten Blick den vermutlich zweiten Knopf ihrer Schuluniform hin. Gemäß dem Brauch, seinen zweiten Knopf der Person zu geben, die man liebte, hatte Oikawa schon einige angeboten bekommen, was Iwaizumi langsam auf die Nerven zu gehen schien und er verdrehte die Augen.
„Ah danke“, antworte Oikawa jedoch höflich und streckte die Hand nach dem Knopf aus, den das Mädchen strahlend in seine Hand gleiten ließ. Was wäre er für ein Kerl, wenn er ihr Herz am letzten Schultag brechen würde? Auch wenn er nicht das Geringste für sie empfand, wollte er nicht so gemein sein.
Etwas, was Iwaizumi wohl nicht nachvollziehen konnte. „Was machst du mit so vielen Knöpfen?“, erkundigte er sich brummend. „Eifersüchtig, Iwa-Chan? Weil dir kein Mädchen einen Knopf angeboten hat?“, zog Oikawa seinen besten Freund auf, wobei er über die Tatsache sogar sehr froh war. Immerhin hätte er nicht gewusst, wie er damit umgehen sollte. Er hatte sich immer gefragt, was er getan hätte, wenn ein Mädchen plötzlich Interesse an Iwaizumi bekundet hätte. Doch zum Glück war es bisher nie etwas Ernstes gewesen.
„Nicht jeder sucht so dringend Bestätigung wie du, Trashykawa!“, knurrte Iwaizumi genervt und schob die Hände in seinen Taschen. „Wo ist eigentlich dein Knopf?“, wollte er dann aber doch wissen. Oikawa hatte sich schon gefragt, wann diese Frage kommen würde. Denn Iwaizumis Blick war immer wieder auf die leere Stelle an seiner Jacke gehuscht, genauso wie die Blicke der Mädchen, die ihm ihre Knöpfe angeboten hatten.
Doch nun, wo die Frage gestellt worden war, wurde Oikawa tatsächlich etwas nervös und sah verlegen zu Boden, während er aus der Tasche seinen zweite Knopf fischte. „Den hab ich noch“, erklärte er. „Ich wollte warten, bis ich ihn überreiche.“ Iwaizumis Augen wurden größer. „An wen?“, wollte er wissen und man sah ihm deutlich an, dass er Namen von Mädchen durchging, die Oikawa gedatet hatte. „Du bist in jemanden verliebt?“, war die nächste Schlussfolgerung, die Iwaizumi fasste.
Oikawa nickte stumm und sah gerade aus, weil es einfacher war Iwaizumi nicht anzusehen. „Mhm, schon eine Weile. Ewig eigentlich.“ Iwaizumi blieb erschüttert stehen. „Und du hast mir nichts gesagt?“ „Entschuldige bitte, Iwa-Chan. Ich hab mich nicht getraut“, seufzte Oikawa, weswegen Iwaizumi ihn entgeistert anstarrte. „Du hast dich nicht getraut?! Als würde dich jemand abweisen“, entgegnete er wobei er nicht so erfreut klag, wie man es sollte, wenn man so etwas zu seinem besten Freund sagte.
„Ah… ja… Die Sache ist die… Ich hab mich nicht in jemanden verliebt, bei dem ich mir da so sicher war… Weißt du? Ich meine, ich bin mir sicher, dass die Person mich mag. Mehr als mögen! Ich weiß, dass wir ein tolles Team sind und nichts daran etwas ändern könnte. Ich fühle mich immer sicher und stark, wenn wir zusammen sind und so, als könnte ich alles schaffen. Dabei ist die Person manchmal echt gemein zu mir und sagt fiese Dinge. Aber ich glaube, das brauche ich, um auf dem Boden der Tatsachen zu bleiben.“
Iwaizumi sah mittlerweile blasser aus, als sonst. „Hm.. ja, du musst manchmal in deine Schranken gewiesen werden“, räumte er ein. „Aber wer…? “ „Außerdem bin ich eigentlich immer glücklicher, wenn wir zusammen sind. Wenn ich denke, es gibt keinen Grund zu lächeln, schafft es die Person, mich doch dazu zu bringen. Wenn ich Angst habe, hält sie meine Hand und wenn ich nicht an mich selbst glaube, glaubt sie dafür um so mehr an mich. Es gibt niemanden, der mich so versteht. Ich muss nicht mal etwas sagen… Es ist als würden wir unsere Gedanken lesen.“
Die Miene von Iwaizumi wurde immer verschlossener und er vergrub die Hände tief in den Hosentaschen. „Von wem redest du? Wenn es so jemanden gibt, dann hätte ich doch davon mal mitbekommen müssen!“
Oikawa kicherte „Wenn ich verletzt bin, trägt die Person mich wenn nötig bis ans Ende der Welt und passt immer auf mich auf.“ Ein Lächeln stahl sich auf Oikawas Gesicht, als er an alle Situationen dachte, in denen er den benötigen Rückhalt erhalten hatte. „Huh?“ Iwaizumi starrte ihn an, während langsam der Groschen zu fallen schien.
„Ich hab nur ewig nicht gemerkt, dass ich verliebt bin. Nein, warte. Dass ich die Person liebe. Und als es mir klar wurde, hab ich mich gefragt, wieso ich das nicht längst kapiert habe. Ich bin ja sonst so schlau, aber das ist mir einfach all die Jahre entgangen und ich hatte keine Ahnung warum. Ich weiß nicht mal genau den Moment, in dem ich mich verliebt habe und das kann doch eigentlich nicht sein. Weil jeder immer sagt, dass man es genau merkt, dass es wie ein Pfeil ins Herz ist oder so. Aber das war bei mir alles nicht der Fall. Und dann wurde mir irgendwann klar warum. Weil ich mich schon als Kind verliebt habe und nie aufgehört habe, die Person zu lieben.“
„Oikawa…?!“
Aufgeregt und verlegen zugleich wandte sich Oikawa zu Iwaizumi um und hielt ihm seinen Knopf entgegen. „Die Frage ist nur, Iwa-Chan, wie sieht es bei dir aus? Liebst du mich auch?“ Seine Wangen färbten sich rot, wie die der Mädchen, die ihm ihre Gefühle gestanden. Und nun war Oikawa selbst in der Situation zu hoffen, dass seine Liebe erwidert wurde.
Iwaizumi wirkte jedoch nach wie vor perplex, streckte aber wenigstens die Hand nach dem Knopf aus und umfasste ihn fest mit. „Ich weiß nicht, was ich sagen soll“, gestand dieser leise. „Nun, du könntest auf meine Frage antworten“, half Oikawa ihm auf die Sprünge „Huh?“ „Gemein Iwa-Chan! Ich halte so eine tolle Rede und du hörst mir nicht mal zu!“
Hastig schüttelte dieser den Kopf. „Nein, nein! Ich hab dir zugehört! Jedes Wortes!“ Oikawa sah ihn nervös an. „Und?“ „Idiot! Musst du das wirklich noch fragen?!“ „Anscheinend!“, beschwerte sich Oikawa und verzog das Gesicht zu einer Schnute. „Ich hab wirklich keine Ahnung, ob du mich auch l-!“
Zu mehr kam er nicht, weil Iwaizumi ihn zu einem Kuss an sich gezogen hatte und damit die Frage wohl mehr als beantwortete.
Atemlos und verlegen lösten sich die beiden Jungen voneinander. „Schon immer, Shittykawa. Ich liebe dich schon immer! Aber ich dachte, du empfindest nicht das Gleiche“, gestand Iwaizumi, die Hände immer noch an Oikawas Hemdkragen, an dem er ihn gepackt hatte. „Ich versteh nicht, wieso du dir ausgerechnet mich ausgesucht hast.“
Ein Lächeln trag auf Oikawas Gesicht. „Iwa-Chan, sei nicht lächerlich. Ich hab mir dich nicht ausgesucht. Mich in dich zu verlieben, war nicht meine Entscheidung. Es ist einfach passiert. Ich schätze, es war Schicksal“, murmelte Oikawa, weswegen Iwaizumi die Augen verdrehte.
„Du bist so kitschig…“, stöhnte er. „Jetzt glaubst du auch noch an Schicksal, ja? Waren die Aliens nicht genug?“ Oikawa schnaufte empört. „Glaubst du nicht an Schicksal?“ Kurz zögerte Iwaizumi, ehe auf seinen Lippen ein Lächeln erschien. „Solange du mein Schicksal bist.. glaube ich gerne dran.“
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