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"Die 4. Saite"

von Die Linda
GeschichteHumor, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Anthony J. Crowley Erziraphael
14.10.2020
25.11.2021
10
33.674
7
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25.11.2021 2.117
 
Hallöchen, euch grüßt die Linda aus der Versenkung. ^^'

Naja, nicht ganz, eigentlich hatte ich nur ein anderes Projekt. Welches ich letzte Woche aber abgeschlossen habe und nun meine Geschichten rund um Good Omens endlich beenden werde.
Okay, auch dies dürfte noch eine Weile dauern.
Sei es drum.

Hoffentlich wisst ihr noch um was es ging?!
Denn auch ich musste mich erst einmal wieder reinlesen. Hah! XD

Na dann wünsche ich euch viel Spaß, mit diesem etwas kurzen Kapi.
Habt einen schönen Abend und bleibt weiterhin gesund und munter.

Bis zum nächsten Kapi, eure Linda ^3^

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London 1922......


Irgendwie fühlte man dabei ein reales Gewitter. Donnernder Akkord mit Licht und Stößen, verworren wie Kraut und Rüben. Alles drang tief in eine aufmerksame Seele ein, während die Augen wuchsen und die Haut erfror. Zischelnder Wind durchzog die Heide, ließ die Halme neigen und sich strecken. Das trübe Licht um ihn herum, ließ den Blick nur auf einen einzigen Punkt verengen, spannte die Lider bis zur Grenzwertigkeit an. Drei alte Weiber tänzelten aus verschiedene Richtungen durch das graue Gras und fanden unter Blitz und Donner zusammen. Hexen. Eine grässlicher als ihre nächste. Prahlten über erwürgte Schweine und widerspenstige Schifferweiber, bis eine siegte und lachte.
„Jeden Punkt und Zirkel nenn ich
Auf des Seemanns Karte.
Dürr wie Heu, soll er verdorrn,
Und kein Schlaf durch meinen Zorn(...)“
Erziraphael zog die verbrauchte, warme Luft tief in seine Lungen ein. Tupfte sich sogar den Schweiß von der Stirn und wünschte sich ein paar süße Bonbons herbei. Der Holzstuhl unter ihm, wurde zwar in Samt gefasst, doch spürte er nach all der Zeit die drückende Erhöhung im Hinterteil. Wie gut er dies doch ignorieren konnte, da ihn diese drei verteufelten Hexen so faszinierten. Selbst das Böse hatte seine Reize. Wer wusste das nicht besser als er. Dennoch befand er sich fokussiert im hier und jetzt, konnte kaum die Entwicklung erwarten (auch wenn er wusste wie dieses Stück ausging – hatte er schließlich die Uraufführung 1611 miterlebt). Ebenso wie er, schwieg auch das Besucherpaar neben ihn in seiner Loge bedachtsam und folgte mit Zaudern den drei krummen, verteufelten Hexengestalten auf der Bühne. Die samtenen feurigen Vorhänge hingen schlaff und stumm neben seiner Sicht, als wären sie durch die Langeweile der ständigen Wiederholungen hinweg gestorben. Plötzlich ertönte Trommelklang hinter den Kulissen und die grotesken Figuren schwänzelten in jene Richtung herum, verbogen ihre Gesten und malträtierten ihre Mimik.
„Trommeln -Ha!
MacBeth ist da!“
Alle drei Hexen begannen im Kreis zu tänzeln.
„Unheilschwestern, Hand in Hand
Ziehen wir über Meer und Land.
Rundum-“
Eigentlich sprachen sie noch in Graus und Mystik weiter, doch etwas ließ Erziraphaels Aufmerksamkeit abschweifen. Nämlich eine hohe, schwarzgekleidete Gestalt, welche mit vorgestreckten Kinn über die Bühne stolziert kam und die nach allem anderen als nach MacBeth aussah. Der Mann mit einer feuerroter Perücke sprang zwischen den Hexen herum, welche perplex in eine Starre verfielen. Sie schauten den Eindringling schockiert an und konnten sich deswegen alles andere als rühren. Genau wie der blonde Engel. Fassungslos ließ er die Bonbons fallen.
„Das darf jetzt nicht wahr sein.“
Crowley verbeugte sich tief auf der Bühne und rückte sich die übertriebene Halskrause zurecht.
Lebhaft und strahlend wandte sich der deplatzierte Darsteller den immer skeptischer werdenden Publikum zu. Crowley breitete die Arme über den flutenden Lichtern aus und seufzte theatralisch über die weite Tribüne des Lyceum Theatre' hinweg.
„Oh, mein Herz hast du mitgenommen
Sieht die Welt jetzt so verschwommen....ähm, für mich aus.
Du unwiderstehliche blonde Maus.
Du kamst und siegtest über meine böse Seele
Ohne der ich mich kaum so quäle.
Zerreißt es mich auch in tausend Fetzen
Bleibst du stets mein kleines Spätzchen.
Hab Erbarmen mit meinem Verderben
Und mache mit mir viele kleine Erben.“
Erziraphael bedeckte die Augen und stöhnte sehr leise aus, da niemand bemerken sollte, dass dieser peinliche Auftritt zu ihm gehörte. Seine Logenachbarn hörte er nur flüstern, nachdem sich die Frau mit der helllila hohen Feder im Kopfschmuck zu ihrem Ehemann rüber beugte.
„An diese Stelle kann ich mich gar nicht erinnern.“
„Vielleicht hatte er zuvor was getrunken?“
„Huch, etwa der Schausteller?“
„Nein, Shakespeare.“


Tief durchatmen. Erziraphael musste sehr tief durchatmen, als er an den mächtigen Säulen des Eingangs in die Nachtluft schritt. Schob sich den dunklen Zylinder gerade und zupfte sich den  Smoking ordentlich. Eigentlich war es noch mitten in der Aufführung, aber der Engel konnte es einfach nicht mehr ertragen. Nicht mehr mit ansehen wie Crowley zwei Requisiteure aufeinander hetzte, die streng genommen eigentlich ihn hinaus werfen wollten. Und wie er dann noch einen Affen dazu brachte auf einem Ball zu jonglieren, während dieser einen Saphierring um den Hals trug und ein Fähnchen auf der kleinen Mütze wehen ließ, wo drauf stand: >Erzi, bitte heirate mich.<
Obwohl, wenn Erziraphael gründlich darüber nachdachte, dann war es nicht diese verschandelte Vorstellung, sondern vielmehr dieses Publikum, welches irgendwann applaudierte und auch noch >Zugabe< rief. Die Menschheit lief wirklich auf den Abgrund zu. Schwer seufzend entkam der blonde Engel in dem Stundenglasschnitt den spärlichen Stufen des Theaters und wollte soeben die Wellingtonstreet entlang flüchten, als er eine altbekannte und bemerkenswerte Aura spürte. Im selben Moment wo er stehen blieb, räusperte sich auch schon dieser jemand.
„Guten Abend, mein Schatz. Ich hoffe die Vorstellung hat dir gefallen?“
Beinahe schon pikiert wirbelte Erziraphael herum und wedelte angedeutet mit dem silbernen Ausgehstock herum. Crowley lehnte nun in schwarzen Knickerbocker und mit dunkel karierter Schiebermütze an der Straßenlaterne und sah dadurch ein wenig schurkisch aus. Doch der Engel wollte sich von diesem Anblick nicht einwickeln lassen.
„Gefallen? Du hast MacBeth ruiniert.“
„Was gibt es dabei schon zu ruinieren? Es war eh keines seiner besten Werke. Stell dir mal vor, ich wäre bei Hamlet hereingeplatzt.“
Noch mehr erbost verzog Erziraphael das Gesicht zu etwas rundem.
„Oh, das hättest du nicht gewagt.“
Hierbei erhob der grinsende Dämon den Zeigefinger und stupste seinem Freund liebevoll gegen die Knubbelnase.
„Siehst du? So sehr liebe ich dich eben.“
Augen verdrehend schnaubte Erziraphael aus und wandte sich ab.
„Sicher, mein Guter. Dennoch, was sollte dieser Zirkus?“
Schnurstracks stieß sich Crowley von der Laterne ab und verstaute die Hände in den Hosentaschen, wobei der Engel bemerkte, dass dieser raue Stoff durch die Bewegungen etwas rot schimmerte.
„Da war doch kein Zirkus. Das waren ausgeklügelte Liebesergüsse nur für dich. Ich will dich schließlich beeindrucken.“
„Ausgeklügelt?“
„Selbstredend, Süßer. Ich habe dafür nur zwei Monate gebraucht. Würde ich kein Talent besitzen, hätte das alles noch länger gedauert.“
Abrupt blieb der Blonde stehen und blinzelte ihn großäugig an, während ein Automobil an ihnen vorbei fuhr und dreckige Luft zurückließ.
„>Sieht die Welt jetzt so verschwommen für mich aus. Du unwiderstehliche blonde Maus.<? Dafür hast du Monate gebraucht?“
Selbstüberschätzend zuckte ein stolzer Dämon die Schultern.
„Ich sage doch, ich bin ein Genie.“
Plötzlich musste Erzi lachen, verkniff es sich aber und schluckte es hinter. Er drehte den Kopf beiseite und biss sich auf die Lippen. Woraufhin Crowley neugierig dessen Blickfeld suchte und versuchte den himmlischen Ausdruck zu deuten. Er pikste ihm ein paar mal in die Seite.
„Was ist? War es etwa so überwältigend?“
Diese Frage allein ließ den Engel schlussendlich doch losprusten, während er eine Hand an Crowleys Brust ablegte.
„Oh, mein Freund, es war so scheußlich, dass es tatsächlich nur aus der Hölle stammen konnte.“
Für den ersten Moment entmutigt, grübelte Crowley nach, was denn daran so falsch gewesen war. Als er jedoch Erziraphaels beherztes Lachen sah, verschwand jedweder Unmut sofort und sein Herz sprang auf und ab. Ihm wurde angenehm warm, als er diese Laute endlich wieder einmal hörte und seufzte verliebt aus.
„Du bist so entzückend, wenn du lachst. Das hat mir so entsetzlich gefehlt.“
Anstatt zu stocken, wischte sich der Blonde nur die Augenwinkel trocken und schüttelte lächelnd den Kopf. Klopfte Crowley zärtlich gegen die Brust, da die Hand dort immer noch verweilte.
„Und du unverbesserlich.“
„Na, das hoffe ich doch. Und jetzt lass mich dich zurück in den Laden bringen. Es ist gefährlich für hübsche Engelchen um diese Zeit.“
Irgendwie wollte dies Erziraphael sogar und willigte stumm ein. Auch er hatte solche Momente mit Crowley fürchterlich vermisst. Er hatte ihn vermisst.
Obwohl der Weg bis zur Greek Street nur 11 Minuten aufweisen konnte, zogen sie den Heimweg absichtlich in die Länge. Liefen Umwege über Umwege. Schwatzten so sorglos miteinander, als wäre nie etwas geschehen. Wie sonderbar sich so zu verhalten, bedachte der blonde Engel und hatte plötzlich keine Lust mehr einfach so davon zu laufen. Die letzten Jahrzehnte waren so anstrengend gewesen, so hetzend. Und das alles, weil Crowley ihm die seltsamsten Anträge vorgeführt hatte und er dann stets damit beschäftigt war, diese abzulehnen und vor dessen Hofieren zu flüchten. Kurioserweise hatte er sich aber irgendwann und irgendwie daran gewöhnt und das Unverständnis verwandelte sich so nach und nach in ein Amüsement. Vor einigen Jahren dann, als Crowley sich mal eine ganze Woche lang nicht bei ihm blicken ließ, bemerkte der Engel, dass ihm etwas fehlte. Er begann dessen Liebeserklärungen zu vermissen. Heute wusste er, dass er diesem Verhalten zuviel Platz in seinem Inneren gegeben hatte. Aber war das denn so schlimm?
Erziraphael schielte unauffällig zu Crowley hin und musste an seine Verwandlung denken. Sie fand nicht wirklich in dessen Basis-Charakter statt, aber doch irgendwo versteckt in seiner Subtanz. Crowley war nach wie vor Crowley, nur mit ein paar lebhaften Liebesavancen dazu und einer Riesenportion Willensstärke für ihre gemeinsame Zukunft. Dennoch....
Mit einem Mal blieb Erziraphael stehen und blickte sich um. Dadurch kam auch der Dämon ins Stocken und blinzelte ihn wiederum fragend an. Zuerst glaubte er das irgendetwas nicht stimmte und begann ebenfalls sich umzuschauen. Er überprüfte all seine Sinne, konnte aber nichts feststellen.
„Was ist denn los?“
Anstatt zu antworten, griff Erziraphael aber nur nach dem schwarzen Stoff des Ärmels und zog den Dämon mit sich.
„Ah, da vorne. Komm schon, lad mich zum Essen ein.“
„Häh?“

Nach der Vorspeise, einer Suppe, dem Hautgericht und einer Flasche Wein, konnten sich Erziraphaels Schultern ein wenig entspannen. Jedoch lehnte er sich keinesfalls zurück, das tat man als Gentleman nicht, der Rücken blieb aufrecht. Er seufzte zufrieden, als er sich die Mundwinkel abtupfte. Crowley indes hatte nur dabei geholfen den Spätburgunder zu leeren. Breitbeinig lungerte er halbwegs auf dem stilvollen Stuhl herum und folgte der zurück gelegten Serviette seiner Begleitung.
„Weißt du, Crowley du musst das ganze etwas subtiler anstellen.“
Die öligen roten Haare wippten hoch.
„Wie meinen?“
„Ich rede von der Art und Weise deiner Auftritte. Wenn du mich irgendwie dazu bringen willst, dich zu heiraten, dann musst du schon etwas romantischer vorgehen und nicht dabei Shakespeare zerstören.“
„Aber der Affe war süß, oder? Er hat immerhin...Moment! Gibst du mir etwa gerade die Erlaubnis zum hoffen? Ich habe...tatsächlich eine Chance, oder was war das eben?!“
In seiner Manier festsitzend, bestellte sich Erziraphael noch ein zuckersüßes Dessert und trank einen weiteren Schluck Rotwein, kaum das der Ober wieder davon stolziert war. Nun befand sich der Dämon in einer angespannten mentalen Lage, die ihn beinahe in Flammen aufgehen ließ.
Sein Freund strich erst über die schneeweiße Tischdecke hinweg und räusperte sich dann hinter der geschlossenen Hand.
„Nun ja, ich...ich habe dich schließlich sehr gern. Und ohne es zu wollen, habe ich mich daran gewöhnt, dich regelmäßig um mich zu haben. Sogar mit deinen Liebesbeschwörungen. Also kam mir vorhin der Gedanke, dass...also dass ich es mir eventuell vorstellen könnte, wenn wir beide zusammen.... leben würden.“
Gerade wollte Crowley breit strahlend hochspringen, als der Engel ihm auch schon den Zeigefinger entgegen streckte.
„Allerdings musst du mich ernsthaft davon überzeugen. Beweise mir, dass du mein Herz und meinen Kopf erobern kannst. Aber nur, wenn du mit diesen dramatischen Zirkusnummern aufhörst. Und lass das englische Theater aus dem Spiel, es hat dir nichts getan. Ich verlange, dass du dich ernsthaft anstrengst, wenn du mir als möglicher......Ehemann gefallen sollst. Ich werde dich nicht-“
Ohne darauf vorbereitet zu sein, schreckte Erziraphael zusammen, da Crowley plötzlicher mit einer Hand den halben Tisch leerfegte. Dann packte er Erzi bei den Schultern und zerrte ihn mit dem halben Körper auf die Platte und drückte ihm die energiegeladenen Lippen auf. Noch während des Engels Kopf die Tischdecke verzwirbelte, rissen sich die blauen Augen weit auf. Crowley befand sich zwischen dessen Beinen und legte die ganze Leidenschaft in diesen Kuss. Die dämonischen Finger drückten ihn nach unten, aber dennoch mit viel Gefühl und Freude. Und gerade als sich Erziraphaels Geist sogar darauf einstimmen wollte, schrie ein Kellner neben ihnen auf, während sich auf seiner Hand ein Tablett mit einem zittrigem Sorbet befand.
„Sie...Sie wandern ins Zuchthaus! Alle beide!“
Crowley guckte ihn mit erhobener Augenbraue an, während Erziraphael die Augen bedeckte und lauthals stöhnte.
„Ich sagte doch, du sollst subtiler sein.“
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