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"Die 4. Saite"

von Die Linda
GeschichteHumor, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Anthony J. Crowley Erziraphael
14.10.2020
25.03.2021
9
31.557
7
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14.10.2020 2.162
 
Hallöchen ihr lieben Verirrten. ^-^

Endlich einmal kann ich etwas seichtes, lockeres, unterhaltsames Schreiben. Ohne komplexe Gefühle oder einen geballten anstrengenden Plot. Einfach nur lässig schreiben. XD

Wie üblich bei mir, gibt es natürlich Zeitsprünge, stellt euch darauf ein.

Na, dann viel Spaß. In meinem Kopf sieht alles sehr amüsant aus. XD

Bleibt gesund und bis bald, eure Linda ^3^

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Mit jedem Bissen glitt ein Stück des Paradieses seinen Gaumen entlang und etwas schöneres konnte eigentlich nicht existieren. Im höchsten Genuss seufzend zog Erziraphael die Gabel wieder zwischen seinen Lippen heraus und schloss die Augen beim letzten Stückchen. Immer wieder entrann ihm ein genüssliches Stöhnen, bis er sich mit einem grauen Tuch die geschwungenen Mund abtupfte.
„Großer Gott, ich liebe dieses Leben.“
„Ja, was du nur mir zu verdanken hast, sonst könntest du nämlich nicht so gemütlich hier sitzen und die Crêpe futtern. Denn eigentlich müsste dein Kopf jetzt in einem Weidenkorb liegen, mit aufgerissenen Augen und voller Blut.“
Pikiert starrte der Engel sein grinsendes Gegenüber an und legte nun auch das befleckte dünne Tuch zurück auf den Schoß.
„Danke für dieses hinreißende Bild, Crowley.“
„Immer wieder gern, Engel.“
Der Dämon saß direkt vor ihm und hatte die langen ausgestreckten Beine überschlagen, während er mit einer Hand das Kinn abstützte und die andere mit einem Messer hantierte. Immer noch feixend folgten die Augen dem balancierenden Metall, während er versuchte den Seitenblick durch das Café schweifen zu lassen. Irgendwie scheinen die alle hier zu brav sein, fand Crowley.  
„Und das mitten in einer Revolution?“, sprach er es schlussendlich aus.
„Was meinst du?“
„Die Leute hier, die benehmen sich für Philosophen, Studenten und andersdenkende Entitäten aber ganz schön langweilig, meinst du nicht?“
Der Engel folgte dessen Blick und zuckte nur mit den Schultern, während er sich eine neue Portion Crêpe beorderte.
„Ist das nicht das übliche Erkennungsmerkmal von denkenden Menschen? Das sie eben nicht wie die wilden Affen durch die Gegend schreien?“
Völlig enttäuscht mit seiner friedlichen Umgebung, seufzte der Dämon nur langatmig aus.
„Nee, das halt ich nicht aus.“
Gerade in dem Moment als die hauchfeinen Pfannkuchen vor Erziraphaels Näschen gesetzt wurden und die lecker aussehende Orangenmarmelade darüber zerfloss, schnippte Crowley mit den Fingern. Neben dem Eingang begannen sofort zwei Studenten mit einer Rauferei. Wegen eines heruntergefallenen Löffels. Frustriert schnaufte der Blonde aus und zog sich dennoch die Rüschenmanschette zurecht, er wollte schließlich nicht dass sie Fruchtartige Flecken bekam.
„Meine Güte, Crowley, muss das sein? Ich esse noch.“
Aus zwei mache sechs. Die Prügelei wuchs prächtig heran und der Wirt mit seiner Belegschaft wurde ebenfalls kämpferisch, während ein breit grinsender Dämon in die Hände klatschte.
„Ha! Hast du das gesehen? Mit dem Krug über den Kopf, wie großartig!“
Da aber Erziraphael ein noch tieferes Schnaufen von sich gab, schauten ihn die roten Seitenlocken nur großäugig an und er winkte ab.
„Ach, ess´ doch einfach. Ich bin ja da und da stört dich schon keiner. Ignoriere es einfach.“
Wenn ich das nur könnte, dachte der Engel kopfschüttelnd bei sich. Immerhin flogen Holzschuhe, Teller und Krüge an ihm vorbei. Von den ganzen Flüchen mal ganz zu schweigen, aber diese Crêpe waren einfach zu exzellent um sie stehen zu lassen. Er entschied sich dafür auf den Dämon zu hören und schnitt das erste Häppchen ab. In dem Moment aber geriet ein verirrtes Fleischermesser in seine Richtung, doch Erziraphael nahm nur den köstlichen Teig in den Mund. Crowley machte eine unmerkliche Geste und das Messer unternahm einen gewaltigen Bogen um den seligen Engel und stach stattdessen mitten in das Bild eines gewissen Maximilien de Robespierre an der hinteren Wand ein. Ständig hielten bedrohliche Dinge auf ihn zu, doch stets war der Dämon da um jedwede Gefahr in einen anderen Winkel zu lenken. Der einzige Tisch der noch stand war ihrer und an ihm saß ein genüsslicher Engel, der nach bei jedem Kauen auf der siebten Wolke zu schweben schien. Selbstverständlich war ihm nicht entgegen, dass Crowley sein Versprechen hielt und ihn irgendwie beschützte. Wie im Kerker der Bastille. Er müsste sich noch ausgiebig bei ihm bedanken, entschied sich der Engel. Doch dieses >Wie< erschloss sich ihm nur noch nicht so recht.
„Was möchtest du als Belohnung haben?“
Um sich zu vergewissern sich nicht verhört zu haben, drehte Crowley die kleine kreisrunde Sonnenbrille direkt in dessen Sichtfeld und kaute auf der Unterlippe herum.
„Für was?“
Blaue Augen funkelten wie kleine seltene Sterne auf und ein zuckersüßes Lächeln breitete sich in dem ovalen Gesicht aus.  
„Natürlich für meine Rettung. Ich bin ein stolzes Wesen, außerdem mag ich dich, deshalb möchte ich mich revanchieren. Was immer du nur willst.“
Der mahagoniefarbene Ärmel deutete auf sämtliche geleerte Teller und auf ebenso leere Becher.
„Du hast mich doch schon ausgeführt.“
Erziraphael schnalzte mit der Zunge und neigte den Oberkörper vor.
„Ja, schon, aber ich meine, möchtest du denn nichts persönliches haben? Irgendetwas?“
Ohne das der Engel (zwecks der schwarzen Gläser) etwas bemerkte, wurde er von zwei gelben Augen intensiv betrachtet. Nun ja, da würde mir schon etwas einfallen, sagte Crowleys Kopf und gab sich selbst ein zweideutiges Grinsen. Denn wenn er diesen gutgebauten süßen Körper anschaute, dann fiel ihm sofort die Adresse eines komfortablen Hotels ein. Aber DAS meinte der Engel garantiert nicht, deswegen wurde die weiche Matratze gleich wieder aus dem Kopf gestrichen. Und es folgte nur ein Schulterzucken.
„Keine Ahnung, ich will nichts. Das Essen reicht mir.“

Mit Händen in den Hosentaschen stampfte Crowley aus dem Café Proscope heraus und vernahm sofort danach die tapsigen Schritte des Engels neben sich. Hinter sich ließen sie einen kläglichen Anblick voller stöhnender Menschen am Boden und zerborstene Scheiben auf der Straße zurück. Die Luft in der Stadt roch ein wenig elendig und die Pariser wirkten gestresst, aber doch erlöst. Da sich endlich ein Rad gedreht hatte. Crowley schielte neben sich und beobachtete Erziraphael dabei, wie er sich die rote Mütze ordentlich zupfte. Es stand ihm, diese revoltierende Mode. Plötzlich ließ etwas die dämonischen Schultern straffen und die Brust wie einen Hahnenkamm anschwellen. Er war zwar ein Dämon, aber in Erziraphaels Augen war er nun sein persönlicher Held. Der Held, den das blonde niedliche Kerlchen garantiert anhimmeln wird. Vielleicht sollte er das öfters machen? Ihn retten und dann in dessen Verehrung baden. Das erste mal in seiner Existenz lechzte der Dämon nach jemandes Aufmerksamkeit. Und die Beachtung dieses Engels fühlte sich wie süßer Honig auf der Haut an.  
„Du wolltest doch in Wahrheit etwas von mir, oder?“
Crowley blickte leicht zusammenzuckend neben sich.
„Wie?“
„Vorhin im Café. Ich habe doch gesehen, wie deine oberen Zahnräder zu rattern begannen. Also, was möchtest du nun als Dankeschön?“
Er fummelte eine schmale Hand aus der Tasche und vollführte eine entschiedene Geste.
„Lass mal, ist alles gut. Lad´mich das nächste Mal einfach wieder auf etwas Wein ein.“
Abrupt blieb der Engel stehen und ließ dabei die dreifarbige Schärpe leicht verrutschen. Sein Blick deutete leichte Ungeduld an.
„Sag es ruhig.“
Na, schön, warum eigentlich nicht? Crowley öffnete den Mund und sah aus als würde er auf dem Markt seine Ware verkaufen.
„Also, du könntest...könntest....wenn du mich wirklich glücklich verabschieden willst, dann könntest du mich....“
Doch dann fiel sein Blick auf diesen freundlichen Engel. Wie er hier vor ihm stand, in Unschuld und Anstand gepudert und sich jedes Mal angewidert abwendete, wenn auch nur das Wörtchen Regelverstoß fiel. Schlussendlich seufzte Crowley nur noch aus. Ließ die Hände fallen und gebar eine verdrießliche Schnute.
„Ach vergiss es. Du bist ein Engel, du machst solche Dinge nicht. Darum belassen wir es einfach dabei.“
Erstaunt blinzelte Erziraphael ihn an und kam näher.
„Was nicht machen?“
„Nichts, gehen wir. Ich dachte, du müsstest zurück nach London?“
„Nein, Augenblick bitte.“
Bedachtsam griff der Blonde nach Crowleys Ärmel und hinderte ihn am nächsten Schritt.
„Was genau meinst du? Für was bin ich zu Engelhaft?“
Gerade als der Dämon ansetzen wollte, vernahmen sie brummige Schreihälse, die durch die Straße marschierten. Männer wie Frauen zwängten sich durch den breiten Gassenweg, mit schwenkenden Fahnen und drei Gefangenen vor sich hertreibend. Irgendwie wirkten sie niedermähend und diese Geschwindigkeit mit der sie in ihre Richtung rannten, gefiel Crowley erst recht nicht. Noch einmal Bastille für den Engel? Nein, danke. Ohne darüber nachzudenken, umfasste er Erziraphaels Ellenbogen und zerrte ihn hinter sich her.
„Wir hauen hier lieber ab!“
Seine Natur wollte sich dagegen wehren, doch da war es auch schon wieder vorüber und Erziraphael stolperte in eine enge, düster Gasse hinein. Crowley presste ihn an die Wand und legte die Hand über dessen Mund. Er selbst blickte allerdings zur helleren Straße hinüber. Crowley hatte vollkommen vergessen, dass der Engel doch bereits andere Kleidung anhatte und ihm eigentlich nichts mehr geschehen konnte. Aber was in einem steckt, konnte eben nicht so rasch ausgemerzt werden.
„Sie sind gleich vorbei.“
Überrumpelt starrten blaue Augen erst auf die zudrückende Hand und dann in das achtsame Gesicht des Dämonen. Sein Atem hatte sich beschleunigt, umso mehr röchelte er durch die Nase und dennoch ließ er seinen Blick auf dem blassen Seitenprofil Crowleys ruhen. So markant, so fein. Erziraphaels Brust beruhigte sich und der Herzschlag wurde tief. Die winzige Seitengasse schaukelte verschiedenen Unrat durch die Luft, durch die toten Ratten, die Abfälle und den ausgeschiedenen Dreck der Menschen, doch nichts davon drang in Erziraphaels Nase. Einzig allein eine gewisse maskuline Note von der schwarzen Halsbinde her kam an ihn heran. Sie umhüllte ihn und ließ ihn immer ruhiger werden. Das feurige Haar wurde von einem schwarzen seidigen Band neckisch umwickelt und das Ende lag launig auf der dämonischen Schulter, als würde es auf einen Befehl warten. Unwillkürlich musste er an Crowleys Auftritt in der Bastille denken, wie er plötzlich vor ihm erschien. Mit solch einer ungewohnten Manier, Frische und.....Männlichkeit. Erziraphael schluckte und betrachtete sich diesen Oberkörper genauer. Wie aus heiterem Himmel brach die Erkenntnis über ihm zusammen, welche Angelegenheit der Dämon vorhin meinte. Es wurde die kühle Hand aus seinem Gesicht entfernt und Crowley seufzte erleichtert aus.
„Gut, sie sind endlich verschwunden.“
Als er jedoch den Engel wieder anschaute, erlosch sein triumphales Lächeln. Denn das sonst so unbeschwerte Gesicht wirkte plötzlich so merkwürdig mystisch. Verwirrt zuckte eine der langen Augenbrauen des Dämons.
„Ähm, ist was los?“
Erziraphael tippte ihm den Zeigefinger in die Brust und bohrte damit.
„Nun, du traust mir so etwas also nicht zu?“
Mehr verdattert als zuvor, zuckelte Crowley nur rückwärts, weil er dem Druck des ständig stechenden Fingers ausweichen wollte.
„Ich..ähm, was meinst du denn?“
Allmählich wurde er nervös. Was nur noch mehr heranwuchs, als sein Rücken plötzlich mit der harten, dreckigen Hauswand kollidierte. Er erschrak und konnte doch nur auf den seltsam verhaltenen Erziraphael stieren, der sich ihm aufdrängte. Mehr noch, er griff nach Crowleys Brille und nahm sie runter. Steckte sie in dessen Tasche und drückte die Brust an die seine.
„Ich weiß selbst, dass in mir das Musterbeispiels eines Engels haust. Aber das bedeutet noch lange nicht, dass ich berechenbar bin.“
„Das..Das..habe ich auch nie behauptet. Wie kommst du.. du darauf?“
Jählings packte Erziraphael dessen Gesicht mit beiden Händen und zog es zu seinen Lippen. Verschlang diesen Mund mit aller Hingabe und verfing sich in den dämonischen Haaren. Massierte mit den Lippen Crowleys Mund und presste den molligen Körper unnachgiebig in den schmaleren hinein. Gedämpftes Stöhnen, war alles was man aus der kleinen Gasse hörte.
Nach etlichen wilden Minuten riss sich der Engel wieder von ihm los und keuchte lauthals. Er blickte auf einen regungslosen Crowley und wischte sich den Mund trocken.
„Ich...Ich hoffe, das war eine angemessene Verbildlichung dafür, dass ich mehr bin als nur ein einfacher Engel. Ja? Gut.“
Unbegreiflich darüber, was er soeben getan hatte, räusperte sich Erziraphael bloß mit einem Ofenheißen Gesicht und richtete sich die Kleidung wieder akkurat. Plötzlich pochte etwas unaufhörlich in ihm auf. Sein Leib begann seltsam zu zittern, als würde ein leidenschaftliches Feuer in ihm brennen. Am liebsten hätte er sich wieder an den Dämon geworfen und wünschte sich dabei, dass seine Finger nie wieder aus diesem sündhaften Rot finden würden. Crowley starrte immer noch geradeaus und ließ den Mund in einem Küssenden Zustand verweilen, während seine Locken zerzaust und der schwarze Kragen ganz wirr von ihm ab stand. Ungeheuer peinlich berührt von seiner eigenen Tat, die ihn gar nicht richtig denken ließ und weil er den Dämon so aus der Fassung gebracht hatte, räusperte sich der Engel erneut und spürte wie sein Blutdruck zu explodieren begann.
„Ich..sollte nun gehen. Wir...“
Brach er lieber ab und wandte sich eilig um. Das wiederum erweckte Crowley aus seiner Starre und er schüttelte übereilt den Kopf, während er einen Arm nach dem himmlischen Gefährten ausstreckte.
„Nein, nein, nein, bleib hier! Ich bin noch nicht ganz überzeugt. Du musst es mir noch einmal demonstrieren! Los, gib mir noch´ne Runde! Erzi?“
Doch der Engel war spurlos und mit einem Fegefeuerartigen Gesicht verschwunden. Denn nicht nur Crowley musste sich nach jenen Moment etwas eingestehen. Auch Erziraphael spürte in sich einen aufkeimenden Drang, der ihn bei weiteren Berührungen zu noch weitaus sündhafteren Dingen verleitet hätte.
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