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Schneeflockentanz

GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P12 Slash
Matt Mello
12.10.2020
12.10.2020
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12.10.2020 743
 
Kleine weiße Schneeflöckchen tanzten Pirouetten, bis sie auf dem Boden landeten und eine einzelne nicht mehr erkannt werden konnte. Manche nutzten ihre Freiheit so lange aus, wie sie nur konnten, andere fanden einen Partner, der mit ihnen einen Tanz wagen wollte. Und sie tanzten bis zur letzten Sekunde miteinander, trennten sich selbst am Ende nicht.  

“Hey, Mello! Du musst wohl der Grund für die Klimaerwärmung sein, denn du bist richtig heiß!” “Matt!”, entfuhr es mir hörbar genervt. Ich warf noch einen kurzen Blick auf die weiße Landschaft hinter dem Fenster und dem mittlerweile knöchelhohen Schnee. “Zuallererst: Die Klimaerwärmung schreitet wegen des vielen Kohlenstoffdioxids in der Atmosphäre so schnell voran. Zweitens: Das ist wohl der ungünstigste Zeitpunkt, um so einen Kommentar rauszuhauen. Hast du heute schon einmal aus dem Fenster geschaut?” Der Braunhaarige schaute von seinem Gameboy auf, drehte seinen Kopf zum Fenster und rief: “Boah, es schneit ja!” Die Bibliothekarin, welche gerade ein paar Bücher in die Regale räumte, welche sich auf der anderen Seite des Raumes befanden, hob ihren Zeigefinger und zischte einmal laut. Anscheinend wollte sie nicht, dass Matts freudige Unaufmerksamkeit andere Kinder beim Lesen oder Lernen störte. Wider meine Erwartungen zischte Matt zurück. So ein Soziopath. Aber wer war das in diesem Waisenhaus denn nicht?  

Der Soziopath widmete seine Aufmerksamkeit wieder dem kleinen Gerät in seinen Händen. Er begleitete mich oft in die Bibliothek, wenn ich lernen wollte. Er begleitet mich zwar nicht, um selber auch zu lernen, sondern tat es wahrscheinlich, weil er nur so Zeit mit mir verbringen konnte. Jetzt hatte ich ein schlechtes Gefühl. Es ist in letzter Zeit oft vorgekommen, dass ich ihm sagte, dass ich keine Zeit für ihn habe, da ich weiterhin meine sehr guten Noten beibehalten wollte. Ich sollte mich nun auch eigentlich wieder darauf konzentrieren, weswegen ich in die Bibliothek gekommen war, doch ich wollte nicht. Ich sah, wie nun die ersten Kinder begannen, draußen im Schnee zu spielen. Die einen formten bereits die ersten Schneebälle, die anderen streckten ihre Zungen aus, um die Schneeflocken an ihrem Tanz zu hindern und wieder andere legten sich auf den Boden und versuchten engelsgleiche Abdrücke im Schnee zu hinterlassen. Wie gerne wäre ich jetzt lieber eines der sorgenfreien Kinder, aber es war meine Pflicht zu lernen.  

“Mello?” Ich schaute meinen Freund fragend an. “Wenn du raus gehen möchtest, dann machen wir das. Ich sehe doch, wie verträumt du aus dem Fenster schaust. Gott und die Welt wird es dir wohl oder übel verzeihen müssen, wenn du den Tag einmal nicht mit Lernen verbringst”, sagte er in einem mitfühlenden Ton. Selten strahlt er eine Wärme und Geborgenheit aus, wie er es gerade tut, aber gerade in diesen Situationen merke ich, wie gerne ich ihn doch eigentlich habe. Ich überlegte. Mir war klar, dass ich mit meiner jetzigen Situation nicht viel lernen könnte. Und mein Gefühl sagte mir, dass es doch viel schöner wäre, Zeit mit Matt zu verbringen, als zu büffeln. “Okay”, sagte ich. “Okay? Seit wann zieht mein Freund es vor, seine Zeit mit unnützem Zeug, wie Spaß haben zu verbringen? Wer sind Sie und was haben sie mit meinem sturem Streber-Freund gemacht?”, Matt war sichtlich erstaunt von meiner Antwort. “Halt’ deine Klappe und zieh’ dir was Passendes an, sonst überlege ich mir das noch einmal!” lachte ich.

Matt hatte Recht. Spaß war mir in letzter Zeit ein Fremdwort geworden. Doch ich war froh, dass ich dieses Gefühl nun wieder dank ihm spüren konnte. Wir verbrachten den ganzen Tag draußen. Selbst nach dem Abendessen haben wir uns in den Schnee gelegt, die Sterne angeschaut und miteinander gesprochen. So einfach kann es sein, eine schöne Zeit zu haben.

Eine Stunde vor der Nachtruhe schenkten sie im Gemeinschaftsraum heiße Schokolade aus. Matt und ich saßen zusammen sichtlich durchgefroren auf eines der Sofas. “Matt?” “Ja?”, antwortete mein Freund. “Nimm mich in den Arm.” Er schaute mich überrascht an. “Das ist ja sehr romantisch von dir, wie du meine Zuneigung einforderst”, witzelte er. “Ich geb’ einen Scheiß auf Romantik, mir ist kalt. Wenn du das lustig findest, dann geh vor und hol’ uns beiden eine heiße Schokolade!”  

Matt holte uns beiden eine heiße Schokolade. Eine Decke brachte er auch mit. Neben diesen beiden Dingen wärmte mich nun auch sein Arm, welchen er um mich legte. Wie sehr ich seine Wärme und Geborgenheit doch liebe. Ich dachte wieder an die tanzenden Schneeflocken und hoffte doch sehr, dass wir beide noch sehr lange tanzen können.
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