Twin Dilemma

GeschichteHumor, Romanze / P12 Slash
Hinata Shouyou Miya Atsumu Miya Osamu OC (Own Character)
12.10.2020
18.10.2020
3
7.870
5
Alle Kapitel
noch keine Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 
18.10.2020 3.136
 
*** Atsumu ***

"Wo gehen wir denn hin, Atsumu-senpai?" Wie abgemacht hatte Atsumu Hinata pünktlich abgeholt und schlenderte jetzt mit ihm in Richtung Altstadt. Sie hatten noch ein bisschen Zeitpuffer.
"Warum so ungeduldig?", grinste er geheimnisvoll. "Habe ich dir nicht einen großartigen Abend versprochen?" Er war schon gespannt, was der Andere von Atsumus Plänen hielt. Hinata blinzelte mehrfach.
"Du hast gar nichts versprochen, Senpai. Ich weiß überhaupt nichts über heute Abend."
"Nicht?" Atsumu schaute gespielt verwundert zu ihm herunter. "Hm… aber es wird wirklich atemberaubend, das ist sicher." Lange konnte er mit seiner Überraschung nicht mehr hinterm Berg halten. Aber das musste er auch nicht. Denn in diesem Moment bogen sie um die Ecke und das Ziel war in Sicht. Memento vivere.
"Wir gehen… Karaoke singen?", staunte Hinata.
"Yep. Und zwar nicht in so nem unmöglich engen Kämmerchen, sondern richtig fancy in einer Bar. Meiner Lieblingsbar, by the way. Ich erwarte, dass du sie genauso magst wie ich." wie mich, wollte er eigentlich sagen. Aber das wär dann doch zu straight forward gewesen, oder? Auch wenn er sich so nicht kannte, Atsumu wollte den anderen Boy nicht überrumpeln oder zu schnell davon ausgehen, dass Hinata ebenso an ihm interessiert war wie er. Nur… bisher war es ja nicht mehr als ein kleiner Crush, fand Atsumu. Maximal. Er wusste ja ungefähr noch gar nichts über ihn. Und da kam doch so ein ausgelassener Abend in seiner liebsten Collegebar ganz gelegen.
Da die Karaokeshow nicht vor 21 Uhr losgehen würde, hatten die beiden noch Zeit, sich etwas zu essen zu bestellen und sich über Hinatas erste Eindrücke vom Leben in XY auszutauschen.
"Dein Team war letztes Jahr so stark!", erzählte der gerade zwischen zwei Bissen Pizza. "Es war mein Erstwunsch, hierher zu kommen! Dass das Training so hart wird, hatte ich ja erwartet. Aber trotzdem schlaucht es mich jedes Mal total!" Atsumu hörte ihm gerne zu. Er hatte den Kopf schief gelegt und lobte sich innerlich für diese Idee. Ja, in einer Bar war alles ganz locker. Hinata fühlte sich sichtlich wohl. Und war so viel am Lächeln.
"Senpai? Atsumu-senpai, ist alles in Ordnung?" Atsumu blinzelte kurz ein paar Mal.
"Äh, was?"
"Ich hab mich gefragt, warum das deine Lieblingsbar ist." Oh, hatte er geträumt und die Frage nicht mitbekommen? Hatte er nur auf Hinatas Stimme gehört anstatt aufzunehmen, was er gesagt hatte? Peinlich! Und so untypisch für ihn.
"Hahahaha!", lenkte Atsumu deshalb schnell ein. "Hinata, ich zeig dir gleich, was das Coole am memento vivere ist!" Und als hätte er ein Zeichen gegeben, begrüßte der Moderator die Menge zum Karaoke-Abend und rief die ersten Singwütigen auf die Bühne.
All Summer Long war zwar ein netter Anfang, aber keine Konkurrenz für Atsumu. Er wusste, was er mit seiner Stimme gut verkaufen konnte und was bei den Stammgästen ankam. Erstmal kein Risiko eingehen!
"Einen kräftigen Applaus für diese beiden!", rief der Moderator unter viel Beifall und wartete kurz. "Den meisten muss ich ihn nicht vorstellen. Ich freue mich, dass er endlich mal wieder mit dabei ist: Hier ist Atsumu mit Breaking the Habit von Linkin Park!"
"Hö? Du singst auch?", fragte Hinata mit großen Augen.
"Na klar! Was hast du denn gedacht, was wir hier machen? Stricken und zuhören?", lachte Atsumu und stand auf.
"A-Aber woher wissen die denn, welches Lied sie spielen sollen?", hielt ihn Hinata dann doch noch auf. Seine Augen wurden größer. "Ist das… Zufall…?"
Jetzt lachte Atsumu nur noch breiter. Warum war er denn so adorable?!
"Nein, keine Sorge. Man macht das über eine App. Ich zeigs dir gleich!" Er zeigte auf seinen Ärmel, den Hinata noch umfasst hielt. "Lässt du mich los?"
"Oh, äh. Ja! Sorry!"
Cute, dachte Atsumu auf dem Weg zur Bühne, nahm das Mikro entgegen und dann die vertraute Atmosphäre wahr. Hier fühlte er sich wohl. Hier konnte nichts schiefgehen. Das war sein Moment, um so richtig Eindruck bei Hinata zu schinden… Aber auch, um wieder anzukommen, merkte er im selben Augenblick. Dann startete das Intro.
Den ganzen Song über schaute er natürlich vermehrt zu seinem Crush herüber. Seinem… kleinen Crush. Natürlich. Also. Er guckte seinen Mini-Crush an. Nicht zu viel, er wollte ja nicht creepy wirken. Aber Hinata sollte schon wissen, dass sich Atsumu nur für ihn extra stark ins Zeug legte. Belohnt wurde das Ganze mit einem bewundernden Ausdruck im Gesicht des kleinen Mittelblockers, einem teilweise offen stehenden Mund und überschwänglich viel Klatschen, als der letzte Ton verklungen war.
"Woaaah, so gut, Atsumu-senpai!", lobte Hinata auch noch Minuten nach seiner Rückkehr an ihren Zweiertisch. "Du hast ein richtig großes Talent!"
"Danke dir! Aber lass doch das mit dem -senpai, Hinata. Damit würdest du mir die größte Freude machen", gab Atsumu zurück. Hinata seinerseits lief leicht rot an.
"D-Das kann ich nicht! Das wäre viel zu unhöflich! Immerhin nenn ich dich schon beim Vornamen, weil du da bei uns Neuzugängen so stark drauf bestanden hast. Eigentlich müsst ich dich bei deinem Nachnamen-" Und warum habe ich darauf wohl bestanden? Nicht weil es sich die anderen verdient hätten!, hätte er am liebsten klargestellt. Tatsächlich aussprechen tat er aber dann doch etwas Anderes.
"Nee, nee, nee. Das kannst du dir gleich mal wieder abschminken!" Denn dann würde Hinata sowohl ihn als auch Samu Miya-san oder Miya-senpai nennen. Nope, darauf hatte er partout keinen Bock. Atsumu seufzte theatralisch. "Dann behalt halt das -senpai bei, aber ewig lass ich das nicht durchgehen, klar?" Hinata entspannte sich sichtlich.
"Ja."
"Und weil ich so ein netter Senpai bin…", und schon packte Atsumu sein Grinsen wieder aus, "helfe ich dir bei deinem Debut auf dieser Bühne."
"Was?! Nein! Ich kann nicht singen! Da sind alle so gut! Ich würde doch nur die Stimmung herunterziehen!" Diese halbherzige Verteidigung war zwar auch ganz niedlich, zog bei Atsumu aber so gar nicht. Leute aus ihrer Komfortzone zu holen, machte ihm schon immer am meisten Spaß. Und auch wenn sich Hinata im memento vivere in erster Linie wohlfühlen sollte, bestand Atsumus Plan doch ebenso darin herauszufinden, ob sich der Kleine was vor Wildfremden zutraute. So wie er. Atsumu war es schon irgendwo wichtig, dass sie auf einer Wellenlänge waren. So eine Karaokebühne war schließlich auch nicht weit von einem Spielfeld entfernt, wenn der Volleyball auf einen zukam, fand er.
"Jeder kann singen, Hinata", winkte Atsumu also ab. "Du gehst hier nicht raus, ohne mindestens einmal da oben gestanden zu haben. Glaub mir, die Leute hier feiern jeden! Und dich müssen sie einfach lieben! Wahrscheinlich könntest du den hintervorletzten Schlager singen und sie gingen ab. Vertrau mir!" Und mit dieser Aufforderung schaute er Hinata tief in die Augen. Er wollte das wirklich sehr. Also. Sein Vertrauen. Dass er sang, auch. Aber eigentlich, dass er sich auf ihn einließ.
Ein Seufzer war triumphale Musik in Atsumus Ohren. Hinata ließ sich die Bedienung der Karaokeapp erklären und wählte dann ("Nicht hingucken, Atsumu-senpai! Du hörst es doch gleich!") einen Song aus.

*** Hinata ***

"Before you came into my life / I missed you so bad / And you should know that / So call me maybe!!" Er war so hart außer Puste! Aber Hinata hatte Spaß gehabt. Atsumu-senpai hatte Recht behalten: Nicht nur hatte das Publikum sein Gegröle mit noch viel mehr Gegröle erwidert, nein! Sie waren alle aufgesprungen und zwei hatten sogar ganz ausgelassen direkt vor seinen Füßen getanzt. Er wusste zwar nicht, wer sie waren, erkannte in ihnen aber die beiden, die an diesem Abend zuerst gesungen hatten. Überhaupt kannte Hinata niemanden hier. Außer Atsumu-senpai, der stolz wie Oskar ebenfalls stand und für ihn sogar durch den Mund pfiff. Es war ein tolles Gefühl.
"Dankeschöööööön, Shouyou-saaaaaaaaan!", jubelte auch der Moderator, nahm das Mikrofon entgegen und entließ Hinata dann unter weiterem Zunicken in den Barraum zurück. Noch bevor er sich hinsetzen konnte, begegnete er ein paar Leuten, die ihm auf die Schulter klopften und sich für den tollen Songwunsch bedankten. So etwas war Hinata überhaupt nicht gewohnt. Er würde sich zwar nicht als überaus schüchtern bezeichnen, aber diese Offenheit und direkte Art der Gäste war definitiv eine neue Erfahrung. Dafür, dass er davon ausgegangen war, heute Abend eine Art Mutprobe bestehen zu müssen, indem er ekliges Zeug trank, über rostige Zäune kletterte oder Nähnadeln in Heuhaufen fand, ging es ihm richtig gut.
"Heeeey, da kommt einer noch lange nicht von seinem Gesangshoch herunter! Hehehe!", begrüßte ihn Atsumu-senpai an ihrem Tisch und schob ihm eine Cola herüber. "Ich dachte mir, dass du die eventuell brauchst."
Dankbar für die Erfrischung exte Hinata das Glas in zwei Zügen und atmete dann erst einmal aus.
"Boah. Die sind alle so mitgegangen!", resümierte er so, als hätte es Atsumu-senpai nicht mitbekommen, und gestikulierte dabei ausgelassen. "Kann ich noch was singen? Oder darf jeder nur einmal?"
Kurz tauchte ein Glänzen in den Augen seines Senpai auf, das Hinata ein wenig verwirrte. Was das ein gutes Zeichen? Wahrscheinlich. Hinata wertete es als ein Ja, als ihm wortlos die App mit der Auflistung der möglichen Songs entgegengestreckt wurde. Also manchmal wurde er aus Atsumu-senpai nicht schlau. Sonst war der Setter immer für einen Spruch zu haben, nicht auf den Mund gefallen und vor allem oft am Grinsen. Jetzt gerade beschrieb nichts davon Hinatas Gegenüber. Ob ihm nicht wohl war?
"Hey, du siehst aus, als könntest du nen Drink vertragen! Darf ich dir einen austun?" Nein, das kam nicht aus Hinatas Mund. Allerdings war es an ihn gerichtet. Ein hochgewachsener junger Mann mit glatten, enganliegenden Haaren und im lässigen Hoodie stellte einen kunterbunten Cocktail vor ihm ab.
"Äh." Hinata wusste nicht, wie er damit umgehen sollte. "Also, was ist denn das?"
"Lass dir bloß nichts andrehen!", rief der plötzlich wiederbelebte Atsumu-senpai und erhob sich zu seiner vollen Größe neben den Gönner. "Danke, aber nein danke. Er wird heute keinen hochprozentigen Alkohol trinken, nur damit du ihm vielleicht später nochmal rein zufällig draußen begegnen kannst."
Seine eiskalte Stimme jagte Hinata eine Gänsehaut über den Rücken. Beschützte ihn Atsumu-senpai womöglich gerade vor… einem Flirtversuch? Woher wusste er, dass das Hinata immer ganz unangenehm war? Und dass er wenig bis keinen Alkohol vertrug?
Das weiß er wahrscheinlich alles nicht, schoss es ihm durch den Kopf. Aber er kann es sich denken. Natürlich will er nicht, dass mein erster Abend in dieser Bar irgendwie komisch verläuft. Das ist schließlich seine Lieblingsbar. Und ich bin ja auch von Atsumu-senpai eingeladen worden. Es ist nur selbstverständlich, dass wir auch gemeinsam wieder gehen. Er passt richtig auf mich auf!
"Ähm, dankesehr, aber Atsumu-senpai hat recht. Ich möchte keinen Alkohol trinken."
"Tz!", machte der junge Mann verächtlich. "Dann halt nicht! Viel Spaß noch mit deinem Senpai!" Das letzte Wort spuckte er förmlich aus und drehte sich weg.
Diese Szene hinterließ einen leicht schalen Beigeschmack bei Hinata. Mit einem besorgten Blick wandte er sich an Atsumu-senpai.
"Meinst du, wir waren zu abweisend?"
"Nein, keine Sorge", bekam er zur Antwort. "Ich kenne solche Typen. Vor denen solltest du dich in Acht nehmen. Leider gibt es auch in den besten Bars welche, also kommt man meist nicht um sie herum. ABER!" Atsumu-senpai setzte wieder ein Lächeln auf, das ihm immer noch am besten stand. "Wir lassen uns von so einem Saftsack ganz sicher nicht deinen ersten grandiosen Abend im memento vivere verderben! Oder?!" Und da stimmte ihm Hinata voll und ganz zu.
Sie blieben bis zum Ende der Karaokeshow. Tatsächlich kam es weder zu einem weiteren Treffen mit dem Cocktail-Kerl noch zu irgendwelchen anderen komischen Auseinandersetzungen. Na gut, streng genommen doch. Aber ein "Nein, DU bist witziger!" - "Nein, bei deiner Performance von I Want It That Way waren wirklich alle aus dem Häuschen!" - "Nein, DU bist witziger!" - "Äääääh, Atsumu-senpai??!" zählte für Hinata eher zu den unterhaltsameren Bekanntschaften. Auch wenn die junge Frau mit den kurzen Haaren und der runden Brille deutlich einen über den Durst getrunken hatte.
Auf dem Rückweg merkte Hinata nicht einmal, dass es wirklich kalt geworden war. Aber ihre Konversation war einfach so lustig, dass es ihn auch nicht wirklich störte, als es ihm dann auffiel. Gerade ließen sie Revue passieren, welche Lieder so richtig Stimmung gemacht hatten.
"Aber hey!", ergänzte Atsumu-senpai dann. "Wir waren auch echt überragend!"
"Stimmt! Ich hätte niemals gedacht, dass ich mich neben dir auf der Bühne nicht komplett zum Idioten machen würde", lachte Hinata und dachte daran, wie gut ihre Version von Hall of Fame bei der Partygemeinde angekommen war. Atsumu-senpai konnte also auch rappen. Natürlich. Was slayte er nicht?
"Jetzt hör aber auf!", bekam er zurück. "Du hast sie alle ganz natürlich auf deine Seite gezogen! Ich hab es selten erlebt, dass jemand, der kein Stammgast ist, solche Standing Ovations bekommt."
"Hey, ich dachte, die feiern jeden! Hast du da etwa gelogen?"
"Nein, natürlich nicht. Aber…" Atsumu-senpai überlegte kurz und nickte dann. "Mhm. Alle haben sich instant in dich verliebt! Scheint deine Gabe zu sein!" Jetzt wurde Hinata doch wieder rot. Hatte er eben gedacht, es wäre kalt?
"Ich verstehe jedenfalls, warum das deine Lieblingsbar ist. Lass uns da bitte wieder hingehen!", sagte er schnell, um nicht auf dieses Gaben-Ding reagieren zu müssen.
"Gern!", versprach Atsumu-senpai sofort. Ein paar Augenblicke gingen sie schweigend nebeneinander her. Dann kicherte Hinata. "Was ist los?"
"Wenn ich dran denke, dass ich eine Mutprobe erwartet hatte, dann kann ich jetzt nur über mich selber lachen! Das heute war viel besser!" Mittlerweile waren sie vor Hinatas Dorm angekommen und blieben stehen.
"Eine Mutprobe?", hakte Atsumu-senpai nach und guckte ihn merkwürdig an. Oder bildete sich das Hinata nur ein?
"Ja, ich dachte bei deiner Nachricht am Dienstag erst, dass die aus dem zweiten Jahr uns Neulinge irgendwie mit seltsamen Ritualen oder so prüfen."
"Hinata." Plötzlich wurde es sehr still. Hinata fragte sich, ob er Atsumu-senpai durch diese Aussage irgendwie verletzt hatte. Aber im Grunde war er doch bis vor ein paar Stunden von ihm ahnungslos gelassen worden. Was hätte er denn sonst erwarten sollen? Der Setter holte sichtlich Luft und schaute Hinata dann wieder in die Augen. "Das war ein Date. Jedenfalls hoffe ich das."


*** Kuroko ***

Mit einem leisen Klack war ihr Zimmer wieder komplett. Kuroko schaute von seinem Laptop auf und wunderte sich über die Stille. Na gut, Stille war übertrieben. Aber Onodas gelegentliches Mitsummen seiner Lieblingslieder oder eines Spielesoundtracks war das Kontrastprogramm zu der Lautstärke und Belebtheit, die an anderen Abenden in A113 vorherrschten. Heute war es ein Spiel, das Onoda wohl neu für sich entdeckt hatte, denn er war schon seit mehr als zwei Stunden tief in seine Switch versunken und hatte sich bisher nur wenige Male mit unterdrücktem Quietschen oder dem Nachsummen einer simplen Melodie geäußert. Wenn es Kuroko richtig verstanden hatte, dann ging es mit Oh nein, ich bin ja wirklich der obercute Elefant! oder Das Hühnchen hüpft auf dem Rücken mit! sowie Aaaaah, I need you, Mr. Hedgehog! um eine Art Zoospiel oder so. Lediglich das Ich brauche Münzen, um ein Link zu den Ahnen zu werden! bekam er da in seine Theorie nicht hinein. Na, egal. Es ergab sicherlich für Onoda irgendeinen Sinn. Und wenns ihm Freude machte, reichte ihm das.
Doch zurück zu Kurokos Verwirrung. Hinata stand noch immer mit dem Rücken an die Tür gelehnt und sagte nichts. Er starrte auf einen Punkt auf dem Boden und rührte keinen Finger. Auch Kuroko zuckte nicht einmal mit der Wimper und wartete einfach. Das tat er by the way häufiger. Um Energie zu sparen. Meist zog das eine allgemeine Verwirrung nach sich, da ihn dann seine Mitmenschen irgendwann nicht mehr wirklich wahrnahmen und zusammenschreckten, wenn Kuroko beschloss, sich wieder zu bewegen bzw. bemerkbar zu machen. Es gab nur wenige Personen, bei denen dieses Phänomen noch nie funktioniert hatte. Hinata gehörte zu diesem kleinen Kreis dazu. Deshalb war sich Kuroko sicher, dass der Volleyballer definitiv um seine Anwesenheit wusste. Allerdings blendete er ihn gerade offenbar absichtlich aus. Etwas war an diesem Abend geschehen. Etwas, dass Hinata verstört oder aber zumindest nicht erwartet hatte. Etwas, das er erst noch verarbeiten musste.
Kuroko sprach ihn also nicht an. Zwar war er neugierig, worin nun dieses geheimnisvolle Treffen, zu dem Hinata eingeladen worden war, bestand. Doch da sie der Mitbewohner noch immer nicht ausschweifend, geschweige denn wild gestikulierend oder anderweitig leidenschaftlich informiert hatte und es auch nicht so aussah, als würde das in der nächsten Zeit passieren, folgerte sich Kuroko seinen Teil daraus und schwieg. Er vermutete, dass Hinata einfach noch Zeit benötigte, um… zu grübeln? Sehr seltsam. Normalerweise - und das dachte er nach gerade mal knapp drei Wochen Bekanntschaft - wäre es sein letzter Tipp gewesen, dass der Volleyballer mal seinen Gedanken nachhängen würde.

Als die Leiter zu dem oberen Stockbett knarzte, schreckte zunächst einmal Onoda aus seiner Spieletrance hoch und hob eine Seite seiner Kopfhörer an. Seine Schultern entspannten sich sichtlich, sobald er den Mitbewohner erkannte, legte dann aber stutzig den Kopf schief und schaute von Hinata zu Kuroko. Dieser bedeutete ihm mit einem Schulterzucken und schnellem Kopfschütteln, dass er wohl besser nicht laut nachfragte, was sie beide wissen wollten. Stattdessen ließen sie Hinata in Ruhe. Wenn er sich mitteilen wollte, wusste er genau, dass sie für ihn da waren.
Kuroko widmete sich wieder seiner Recherche. Jedenfalls dachte er das. Aber eigentlich hatte er keine Konzentration mehr.

Ende des Kapitels


_________

Danke, dass du Shouyou, Atsumu und Osamu auf ihrer Reise begleitest! Das wollte ich schon früher mal sagen, aber jetzt sind wir schon mit den ersten drei Kapiteln durch, aaaaaah! Wie aufregend!!
Leider kam Osamu diesmal so gar nicht vor - ah, sorry, Samu!!! Ich mache es im nächsten Kapitel wieder gut ^.^"
Falls etwas unklar ist, frag ruhig nach! Zwar ist manches im Sinne des Forshadowing extra nicht deutlich thematisiert (Keine Sorge, das kommt dann aber noch!), aber mich interessiert, was deine Gedanken im Allgemeinen sind :)

Als kleine Anmerkung zu diesem Kapitel: Onoda spielt das Switchspiel "Yono und die himmlischen Elefanten" - ein super cutes Game, bei dem man als kleiner blauer Elefant die Welt zu retten versucht!!
Review schreiben