Heulen in der Nacht

von Black One
GeschichteRomanze, Thriller / P18
Luna Lovegood Minerva McGonagall OC (Own Character) Pomona Sprout Rolf Scamander Severus Snape
11.10.2020
17.10.2020
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17.10.2020 2.231
 
Heulen in der Nacht

Huhu zusammen!
Danke vielmals für die Review, die Empfehlungen und vor allem die wirklich zahlreichen Favo-Einträge - jetzt geht es richtig los und deshalb, ohne viel zu sagen: Vorhang auf!

Kapitel 2

Tief gebeugt stand Severus vor der kleinen Phiole und begutachtete die zähflüssige Masse, die unter dem schwachen Licht der Kerzen grün und schwarz schimmerte. War er zufrieden?
Mit einem Seufzen entleerte er die Flüssigkeit, säuberte den Kessel mit einem Handwink und stellte die Temperatur der Flamme herunter. Auf ein Neues. Kurz wanderte sein Blick aus dem Fenster, während er die Elfenblume halbierte und die Blütenblätter mit Brennesselöl einrieb.
Dunkelheit hatte sich über die Winkelgasse gelegt und die letzten Bars schlossen gerade ihre Türen, während der Vollmond strahlend die Straßen erhellte. Ein langer Schatten fiel von dem Schild hinab auf die Strasse, dass eine Phiole, gekreuzt mit einem Zauberstab zeigte.
Er hatte lange gebraucht, sich für das Symbol zu entscheiden. Schlussendlich hatte er es mehr mangels Alternativen genommen. Einen Kessel wollte er auf keinen Fall, sonst hielt man ihn noch für einen zweiten Tropfenden Kessel.
Am besten würde er noch heute die Vorbereitungen für einen weiteren Versuch zur Verfeinerung des Skele-Wachs’ abschließen und sich am Wochenende weiter damit beschäftigen. Morgen würde er die blutbildenden Tränke und eine neue Variation des Beruhigungsmittels ins St. Mungos bringen, man erwartete schon seine Lieferung.
Nachdem die Elfenblumen in einem Sud aus Alraunewurzel, scharfem Mauerpfeffer und Froschschleim dreieinhalb Minuten gedämpft hatte, stellte er den Kessel in ein Eisbad und reinigte die Arbeitsfläche. Zu guter letzt füllte er die glatte Flüssigkeit in ein hohes Glas, belegte es mit einem Kühlzauber und verließ sein Labor.
Severus ging die Treppe hinauf in seine Wohnung, wo er die Reste vom Vortag beim Lesen aß, ehe er sich bettfertig machte. Beim Zähne putzen beobachtete er sich ruhig im Spiegel, maß dabei die Bisswunde an seinem Hals eines besonders langen Blickes. Manchmal erwartete er immer noch, dass er einfach auf der Stelle umfallen würde, dass das Gift von Nagini doch noch nachwirken würde. Lächerlich, nach fast zwei Jahren.
Weder müde noch wach legte Severus sich in sein Bett, zog die graue Bettdecke heran und strich sie glatt, ehe er die Hände an seiner Seite platzierte. Schlaf würde ihm gut tun, davon musste er sich selbst einfach überzeugen.


Missbilligend musterte Severus die zwei halbstarken Jungen, die mit Sicherheit im Unterricht in Hogwarts sitzen sollten, wären da nicht die fast daumennagelgrossen Beulen auf ihrem Gesicht. Säße nicht ein Mädchen, nur einige Jahre älter, mit stark tränenden Augen und ständig blutender Nase daneben, ganz zu schweigen von den zahlreichen Schülern in Uniform im Gang, hätte er auf Fluch getippt. So aber - es mussten wohl alle destruktiven Kräfte im Unterricht von Slughorn gewirkt haben.
Severus marschierte an den Balgen vorbei zum Empfang des St. Mungos. Merlin und Morgana sei Dank, musste er nicht mehr unterrichten! Noch einen Tag mehr mit diesen unmotivierten Wesen und er wäre wahnsinnig geworden. Und trotzdem: Wäre er noch Lehrer gewesen, hätte es so etwas nicht gegeben.
Die Frau am Empfang erkannte ihn sofort und sprang mit einem breiten Lächeln auf. “Sie kommen wie gerufen, Sir! Heute ist wirklich ein grauenvoller Tag, anscheinend sind einige Experimente in Hogwarts schief gegangen und nun haben wir rund hundert Schule zusätzlich hier. Und Sie wissen ja, wie es nach Vollmond hier ist. Haben Sie die Tränke- oh, wie gut! Danke vielmals, Sir. Sie senden uns die Rechnung-”
Eine Stimme unterbrach sie. Die Oberheilerin kam energisch den Gang entlangmarschiert, dicht gefolgt von Madam Pomfrey, die Severus mit einem freundlichen Nicken begrüßte, ihre Gedanken waren aber ganz woanders.
“Sir!”, rief die Oberheilerin. “Merlin sei Dank sind Sie hier. Ich weiß, es ist viel verlangt, aber ich sehe keinen anderen Ausweg. Könnten Sie eine Patientin untersuchen und behandeln? Wir wissen nicht, um wen es sich bei ihr handelt und ihre Verletzungen bedürfen keines Aufschubs. Andererseits, wenn wir hier mit den Kindern nicht vorwärts machen-” Entschuldigend hob sie einen Mundwinkel und lächelte Severus an.
Unwillig schüttelte er den Kopf. Was dachten sie, wer er war? Ihr Ersatz, weil Slughorn die Situation nicht im Griff hatte? “Keineswegs. Ich habe dringlicheres-”
“Bitte, Severus”, schaltete sich Madam Pomfrey ein. “Mir sind die Hände gebunden, aber sie sind offiziell vom Ministerium angestellt. Könnten Sie nicht nach Ihr sehen? Die Station ist unterbesetzt und auch einige der Schüler müssen unverzüglich behandelt werden. Ich bin sicher, dass du ihr helfen kannst. Bitte.”
Breit lächelte Poppy ihn an, hob eine Hand an ihren Hals und tippte mit dem Zeigefinger an genau die Stelle, wo sich an seinem Hals die Bisswunde befand. Severus schnaubte abfällig. Sie war immer schon eine skrupellose Hexe gewesen - es war schließlich ihre Aufgabe gewesen, ihn zu behandeln.
Trotzdem, er nickte ergeben und ließ sich von der Oberheilerin den Weg erklären. Mit schnellen Schritten durchquerte er den Gang und ließ die lärmenden Schüler hinter sich, bei denen sich seine Stirn verkrampft und sein Kopf angefangen zu schmerzen hatte. Ein Wunder, dass er es so lang mit dieser unglaublichen Lautstärke ausgehalten hatte. Jetzt war er weniger denn je überrascht, sich so selten wie möglich in der Großen Halle aufgehalten zu haben.
Er wollte gar nicht erst an den Schulleiter denken.
Severus zwang sich, hoch erhobenen Hauptes eine Etage hochzugehen und die beschrieben Tür zu öffnen. Sofort stieg ihm der Geruch von Blut in die Nase und er beeilte sich doch, die Ärmel hochzukrempeln und an das Bett heranzutreten.
Die Frau war fast so weiß wie die Laken, auf denen sie lag. Ihre Lippen waren blass und an den Rändern fast schon durchscheinend und jegliche Flüssigkeit schien aus ihren Händen gewichen zu sein.
Severus schob vorsichtig das dünne Tuch beiseite, dass den Anblick auf ihren nackten Körper verdeckt hatte. Scharf zog er die Luft ein, als er die aufgerissenen Brust sah, von langen Krallen wie nur ein Werwolf sie hatte. Erst als er sich etwas vorbeugte, erkannte er die Schusswunden, insgesamt sieben an der Zahl. Die Kugeln steckten noch in ihrem Oberkörper, von den tiefen Krallenspuren ins Fleisch gegraben. Eine Wunde, direkt zwischen ihren Brüsten, war besonders blutig und glänzte metallen. Severus lehnte sich noch weiter vor und musste nach einigen Sekunden feststellen, dass es ihr wohl gelungen war, die Kugel zu zerfetzen und das Metall in ihrem Körper zu verteilen.
Eine kleine Wölfin, also. Severus schüttelte missbilligend den Kopf. Sie wurde, so heruntergekommen, abgemagert und dreckig war, ganz sicher nicht von den neuen Gesetzen zum Schutz der Werwölfe aufgefangen.
Nachdem er die Hände desinfiziert hatte, machte er sich vorsichtig an die Arbeit. Als erstes legte er einen Zauber über sie, der ihn sofort warnte, sollte sich an ihren schlechten, aber stabilen Werten etwas ändern. Dann setzte er bei einer äußeren Krallenspur an und zauberte einen Tergeo.
Die Wunde in der Mitte bereitete ihm Sorgen, noch mehr als ihr komplett verschandelter Oberkörper. Mit menschlicher Medizin würde sie für immer gezeichnet bleiben, so aber würden nur dünne Linien zurückbleiben und das auch nur, wenn er sich nicht richtig konzentrierte.
Severus schüttelte den Kopf und richtete den Blick starr auf die Verletzungen. Gut, dass er sich damit befassen musste und nicht irgendein dahergelaufener Heiler. So standen ihre Überlebenschancen gar nicht schlecht und er konnte geeignete Tränke für sie vorbereiten.
Alles, sehr seltsam. Wer schoss schon auf eine Werwölfin?
Und dann, diese eine Wunde.
Als Severus sich sicher war, dass sie keine rein äusserlichen Verletzungen mehr hatte, flößte er ihr ein Beruhigungsmittel in hoher Dosierung und ein Schmerzmittel ein. Dann arbeitete er nach für nach alle Schusswunden ab, entfernte mit dem Zauberstab die Kugeln, legte sie beiseite, falls das St. Mungos sie dem Ministerium zustellen wollte, und reinigte die Wunden.
Erst nach einigen Minuten stellte er fest, dass sie etwas gutes getan hatte, als sie sich den Oberkörper aufgefetzt hatte. Sonst hätten ihre übernatürlichen Kräfte sie längst in ihrer Werwolfgestalt heilen gelassen und er hätte ihn mühseliger Kleinarbeit ihren Körper wieder aufschneiden müssen, um die Kugeln zu entfernen.
Zu guter letzt sah er sich wieder der Verletzung in der Mitte ihres Thorax gegenüber. “Na gut”, knurrte er und biss die Zähne zusammen. Als er mit dem Zauberstab einen ersten Splitter aus ihrer Verletzung zog, bewegte sie sich kaum merklich und stieß ein flaches Wimmern aus. Wie gut, dass sie kein Animagus war und ihm gleich ein lebensechter Wolf gegenüberstand.
In Kleinstarbeit kämpfte Severus sich vor, immer tiefer in ihr Fleisch hinein, und zog Splitter, Kanten und größere Stücke von der Patronenhülse hervor. Mithilfe einiger Metall-Beschwörungszauber, die er deutlich abschwächte, um sie nicht zu verletzen, entfernte er schließlich noch die hoffentlich letzten Reste. Danach spülte er die Wunde unter leisen Protesten seiner Patientin aus, die sich langsam zu regen begann.
Er wandte sich ab und wusch seine Hände in einer Wasserschüssel, die ihm wohl ein Heiler gebracht haben musste. Als er sich wieder zu ihr umdrehte, hatte sie die Augen weit geöffnet und blickte ihn verstört an.
Ihre Stimme war rau und unbeholfen, als sie fragte: “Bin ich jetzt in der Hölle?”
Severus zögerte. War er pikiert, dass sie ihn wohl für den Teufel hielt? Stattdessen lachte er leise und meinte: “Nein. Und ich bin auch nicht der Teufel, keine Sorge.”
Sie blinzelte und Dunkelheit legte sich wieder über ihre hellbraunen Augen, die ihm einen kurzen Augenblick bekannt vorkamen. “Mmh, so siehst du auch nicht aus.” Dann verdrehte sich ihr Blick und sie fiel zurück in ihren Dämmerschlaf.
Nun, wo endlich alle drängenden Verletzungen beseitigt waren, würde er sie genauer untersuchen. Er hatte seit Jahren niemanden mehr in einem so jämmerlichen Zustand gesehen.
Als erstes untersuchte er ihre Hände. Die Nägel waren eingerissen und schwarz, teilweise rotbraun verfärbt. Severus stockte, als er braune Haare, etwa 7 Zentimeter lang, entdeckte. Eilig zog er sie hervor und legte sie neben die Kugeln.
Fast schon hektisch drückte Severus ihr Kinn auf und sah sich dem gegenüber, was er befürchtet hatte. Erneut, Haare zwischen den Zähnen und Blutreste überall in ihrem Mund verteilt.
Severus musste nur einen kurzen Zauber werfen, um seine Sorge bestätigt zu sehen. Sie war nicht nur angeschossen worden, sie hatte auch einen Menschen umgebracht - und vielleicht sogar von ihm gefressen.
Schnell machte er einen Schritt zurück. Natürlich, ein Werwolf, katastrophal ernährt und dazu verwahrlost, hirnlos und brandgefährlich. Sie hatte vor wenigen Stunden einen Menschen umgebracht.
Natürlich war er nicht besser, das wusste er auch! Aber sie war ein Werwolf - wusste sie denn nicht, wie wahnsinnig das war? Wusste sie nicht, dass sie Menschen umbrachte? Er wollte gar nicht wissen, wie es soweit hatte kommen können, dass das Ministerium sie nicht schon längst eingesperrt hatte oder aber sie dazu genötigt hatte, den Wolfsbanntrank einzunehmen.
Werwölfe - sie zeichneten sich auch durch ihre notorische Dummheit und Unbelehrbarkeit aus! Kein Wunder, dass sie es im Leben zu nichts brachten, wenn sie ständig und dauernd nur damit beschäftigt waren, sich selbst zu genießen und hochleben zu lassen. Es würde ihn nicht überraschen, wenn sie auch in Hogwarts gewesen war, eine Gryffindor mit Sicherheit unter dem heiligen Schutzmantel von Minerva und Dumbledore.
Nein, nein, er sollte so etwas nicht denken. Nicht Dumbledore gegenüber, nicht Hogwarts gegenüber. Er hatte seine Aufgabe getan und jetzt an all die Jahre und Jahrzehnte zurückzudenken, die ein reines Leiden gewesen waren - nein.
Das Ministerium würde sich mit ihr befassen, er würde alle relevanten Informationen weitergeben und dann war seine Arbeit getan, fast zumindest. Er würde den Wolfsbanntrank zusätzlich auf die Liste des St. Mungos setzen, so schnell würde sie hier nicht wegkommen.
Vielleicht, bemerkte Severus, als er erneut die unscheinbare und doch auffällig verwilderte Frau musterte, wäre eine Variation des Wolfsbanntranks nicht unklug. Er würde sich in seinem Labor mit Möglichkeiten beschäftigen, sie ruhiger zu machen und ihr sicherlich rebellisches Verhalten, das vom Werwolf herrührte, zu unterbinden. So würde er viele Unschuldige davor schützen, von ihr getötet zu werden. Ein kleiner Trost für all die vielen Menschen, deren Leben er ein Ende gesetzt hatte, aber dennoch, eine gute Tat.
Nachdem er sie wieder zugedeckt, mit einem Zauber Schlamm und Blätter aus ihren Haaren entfernt und alle Beweisstücke eingepackt hatte, verließ er das Zimmer und machte sich auf den Rückweg zum Empfang. Noch immer saßen im Gang zahlreiche Schülerinnen und Schüler, alle mit mehr oder weniger starken Symptomen. Das geübte Auge ertappte Severus dabei, wie er schadenfreudig den einen Mundwinkel hob, als er daran dachte, dass auch seine ehemaligen Kollegen sicherlich nicht von allfälligen Nebenwirkungen verschont geblieben waren.
Die Heilerin am Empfang war noch immer die gleiche wie vor ein paar Stunden. Als sie ihn erblickte, sprang sie auf und neigte respektvoll den Kopf. Kurz war Severus versucht, sie zu fragen, ob er sie unterrichtet hatte, alterlich würde es passen.
“Sir! Wie geht es-”
“Den Umständen entsprechend. Sie ist vorerst stabil, wenn sie aufwacht, darf sie sich nicht anstrengen und soll ruhig liegen bleiben. Stellen Sie sie falls nötig mit einem Zauber ruhig. Ich werde die Akte ausfüllen und zusammen mit einem Wolfsbanntrank bringen. Informieren Sie das Ministerium, dass sie nicht vom neuen Gesetz aufgefangen wird”, befahl er kühl und wandte sich zum Gehen.
“Wolfsbann- sie ist eine Werwölfin?” Die Hexe wurde blass.
“In der Tat. Was sie wüssten, wenn Sie sie auch nur grob untersucht hätten”, gab er ungehalten zurück, ehe er auf dem Absatz kehrt machte und in Windeseile das St. Mungos verließ. Schon wieder pochten das laute Lachen, das Flüstern und die wilden Rufe der Schüler in seinen Ohren und ließen seinen Kopf rauchen. Ruhe! Einfach nur selige Ruhe!
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