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Die Löwin

GeschichteTragödie, Liebesgeschichte / P18
Achilles OC (Own Character)
11.10.2020
02.11.2020
6
5.654
2
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22.10.2020 895
 
Hallo ihr Lieben :-),
nicht mein stärkstes Kapitel, aber es wird spannender versprochen!
Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen :)

H.K.


✿❀✿
Bereits 11 Tage nach meinem Gespräch mit Briseïs war es soweit.
Ich war gerade dabei das Mittagessen für meine Eltern und mich am Vorbereiten als die Wachen Trojas das Signal eines Angriffs gaben.

Vor lauter Schreck ließ ich die Tonteller fallen. Sie zersprangen in tausend Teile.
Ich war wie erstarrt und fing an zu zittern. Dieses Geräusch hatte ich in meinem ganzen Leben noch nicht gehört. Der Klang hallte noch Stunden nach dem eigentlichen Signal in meinen Ohren nach.

"Leahna. LEAHNA.", schüttelte mein Vater mich und zog mich unter den Tisch.
Ich zitterte immer noch am ganzen Leib als die ersten Schreie ertönten.

"Vater, wo ist Mutter?", schrie ich ihn fast an. Panik machte sich in mir breit. Ich sah in das von Angst erfüllte Gesicht meines Vaters und merkte, wie ihm die Farbe aus dem Gesicht wich. Mit einem Satz sprang er auf und verließ das Haus.

"VATER!", brüllte ich ihm nach. Langsam traf mich die Realität und ich begann hemmungslos zu weinen.
Das Schreien der Verletzten klang nicht ab und langsam machte ich mir Sorgen, dass meine Eltern beide verletzt oder gar Tod waren. An diese Möglichkeit wollte ich jedoch keinen einzigen Gedanken verschwenden. Stattdessen raffte ich mich auf und atmete tief ein bevor ich langsam die Tür nach draußen öffnete.

Draußen bot sich mir ein Bild des Schreckens. Überall lagen Tote mit Pfeilen in der Brust oder im Kopf. Rundum die Einschussstelle sah man einen Brandfleck der auf Brandgeschosse hindeutete. Ich schlug die Hände vor dem Mund zusammen um nicht aufzuschreien.
Es roch nach verbranntem Fleisch und mir wurde speiübel. Ich schloss kurz die Augen und konzentrierte mich darauf meine Eltern wiederzufinden um mich nicht übergeben zu müssen.
Langsam stapfte ich über die Leichen und bahnte mir meinen Weg durch den oberen Teil der Stadt. Meine Hände immer noch vor meiner Nase hielt ich vorsichtig Ausschau nach meiner Mutter und meinem Vater.
Vereinzelt waren noch Schmerzensschreie von Verwundeten zu hören, doch diese wurden von der Straße in ihre Häuser gezogen, um die Wunden zu versorgen.
Tränen rannen mir noch immer über das Gesicht.

"MUTTER! VATER!", rief ich abwechselnd.
Fast war ich an den Treppen des Palastes angekommen als eine Gestalt auf mich zu stürmte. Ich unterdrückte erneut einen Aufschrei.

"Shhh. Leahna, hast du meine Cousine gesehen?", fragte mich die Gestalt, die ich als Hector identifiziert. Ich schüttelte den Kopf und begann erneut zu weinen. Er berührte zart meinen Arm.

"Alles in Ordnung? Kann ich dir helfen?", fragte er vorsichtig. Ich schüttelte meinen Kopf und beruhigte mich ein wenig.

"N-nein.", stammelte ich. "Ich suche meine Eltern und kann sie nirgends finden."

Er schaute mich mitleidig an und schien kurz zu überlegen. "Du siehst nach Briseïs und ich beauftrage jemanden nach deinen Eltern zu suchen. Ich muss ein Heer zur Verteidigung zusammenstellen."

Ich nickte im Einverständnis und machte mich auf die Suche nach Briseïs. Ich suchte im königlichen Garten nach ihr, auf dem versteckten Stück Land auf welchem wir gesprochen hatten und im Palast selbst. Nirgends war sie auf zu finden.

"König Priamos.", begrüßte ich den König von Troja. Ich verneigte mich vor ihm und er sah mich an.

"Es...es tut mir wahnsinnig leid, mein Kind.", brachte er kaum hörbar heraus. Als er an meinem Gesichtsausdruck merkte, dass ich noch nichts von dem Schicksal meiner Eltern wusste, senkte er den Kopf.
Ich schluckte hart und fühlte heiße Tränen meine Wangen herunter laufen.

"Danke.", sprach ich mit zittriger Stimme. Die Königin, Hekabe von Troja, kam schnellen Schrittes herbei und sah ihren Mann an. Ich entschuldigte mich schnell und verließ den Palast.

✿❀✿

Wie sich herausstellte wurde der Tempel, in dem Briseïs als Priesterin oft zum Beten war, von den barbarischen Griechen überfallen.
Viele der Priester waren tot oder verschleppt worden, Briseïs eingeschlossen.

Meinen Eltern durfte ich eine angemessene Bestattung ermöglichen.
Während ihre Leichname gemeinsam mit den anderen Leichnamen der Toten auf dem Scheiterhaufen verbrannten, sprach unser König ein paar Worte um den Toten zu Gedenken.
Tränen liefen mir die Wangen hinunter. Ich nahm meine Umwelt nur noch gedämpft war. Der Schmerz in meinem Körper war mittlerweile durch die vielen Tränen, die ich absichtlich meiner Verluste vergossen hatte, abgestumpft. Ich wusste nicht mehr, was für einen Sinn mein Leben noch hatte.

Noch lange nach der Trauerfeier stand ich dort und sah den Flammen beim Verspeisen der Überreste zu. Irgendwann schaffte ich es nachhause zu gehen.
Briseïs und meine Eltern fehlten mir schrecklich. Eine Welt ohne sie konnte ich mir einfach nicht vorstellen, doch mein Wissen über die Heilung und Versorgung von Wunden war in diesen Zeiten mehr gefragt denn je.
Seufzend zog ich mir das schwarze Gewand aus und bereitete eine Wanne Badewasser vor.
Als ich endlich im warmen Wasser lag schloss ich die Augen. Vor meinen Augen liefen die Geschehnisse der letzten Tage ab.

"Wie schlimm kann es noch kommen?!", rief ich wütend aus.
Was ich nicht wusste war, dass dies erst der Anfang meines Leidens war. Die nächsten Jahre würden so viel Unheil und Leid über diese Stadt bringen, dass man sich fragen musste, wie viel sie noch zu ertragen vermögen würde.
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