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Something Wild

SongficAllgemein / P12
Leta Lestrange Newt Scamander Porpentina "Tina" Goldstein Theseus Scamander
11.10.2020
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Hallo ihr Lieben,
ich melde mich mit einem kleinen Oneshot für zwischendurch zurück. Leider komme ich im Moment nur sehr selten zum Schreiben, aber ich hoffe, euch bald auch wieder längere Geschichten präsentieren zu können.
Viel Spaß beim Lesen und bleibt gesund! :)



Something Wild

Newt Scamander ist schon immer etwas Besonderes gewesen, anders als die anderen. Als er vier Jahre alt wurde, wünschte er sich ein Bilderbuch mit Drachen. Doch als er feststellte, dass die kindergerechten Zeichnungen nicht das waren, was er sehen wollte, warf er das Buch in eine Ecke seines Zimmers und rührte es nie wieder an. Über die Monate und Jahre wurde dieser Bücherhaufen immer größer, denn Newt wollte unbedingt wissen, wie die Tierwesen wirklich aussahen und nicht, wie die Zauberer sie gerne darstellten. Dass viele Tierwesen böse beschrieben und als Monster hingestellt wurden, störte ihn besonders. Kein Tierwesen war von sich aus böse, da war er sich sicher. Wenn seine Mutter ihn abends ins Bett brachte, löcherte sie der kleine Newt mit Fragen über die Hippogreife, die sie züchtete, und schlief erst dann ein, wenn sie die kleine Lampe auf seinem Nachtschränkchen anmachte. Das leichte, warme Licht, das von dem gläsernen Phönix ausging, sorgte immer dafür, dass der junge Rotschopf schnell und zufrieden ins Reich der Träume glitt.

Mit sechs Jahren saß Newt das erste Mal allein auf einem Hippogreif und flog hoch über das ganze weite Feld, was seine Mutter extra für diese magischen Tiere angelegt hatte. Seine Augen strahlten, das Herz wurde ihm ganz leicht und für einen Moment fühlte er sich, als wäre er eins mit dem schönen Wesen, welches ihn sicher wieder auf den Boden zurückbrachte. Über die Jahre verstärkte sich seine Liebe zu diesen wunderbaren Geschöpfen, was von seiner Mutter sehr unterstützt wurde. Und immer mehr glaubte Newt, diesen Wesen mehr Vertrauen schenken zu können als den Menschen, die ihm begegneten. Wie hätten die warmen Augen der Tiere ihn jemals trügen können?

Als Newt schließlich nach Hogwarts kam, mit leuchtenden Augen und einem Mantel, der ihm viel zu groß war, konnte er es kaum erwarten, mehr über magische Geschöpfe zu erfahren. Hufflepuff wurde zu seinem Haus und stolz vertrat er die Werte, die dieses auszeichneten. Er bewies in sämtlichen Fächern, dass aus ihm mal ein guter Zauberer werden würde, nur Astronomie und Wahrsagen interessierten ihn überhaupt nicht. Die Zukunft wurde durch kein Schicksal vorherbestimmt, nur durch die eigenen Entscheidungen beeinflusst. Außerdem sorgten Vorhersagen nur dafür, dass man sich noch mehr Sorgen machte. My philosophy is that worrying means to suffer twice. Wozu sich also damit belasten? Außerordentlich geschickt stellte Newt sich in Kräuterkunde an, bald gab es kaum eine Pflanze, die er nicht bei ihrem Namen nennen konnte. Er fühlte sich in dem großen Schloss unglaublich wohl, doch seine Begeisterung für Tierwesen teilten nur sehr wenige und da er stets versuchte, seine Leidenschaft in Worte zu fassen, wurde er schnell nur noch als „der Spinner“ bezeichnet. Es machte ihn sehr traurig, dass Tierwesen so wenig wertgeschätzt wurden und plötzlich fühlte er sich doch sehr einsam. Doch nach einiger Zeit lernte er, dass alleine sein durchaus auch seine Vorteile hatte und er begann zu schweigen und sich immer mehr von den anderen Kindern zu entfernen. Was wussten sie schon von den Wundern der Welt? Newt dagegen fühlte sich besonders, weil er es war, der diese Welt für sich entdeckt hatte und er war nicht bereit, sie für Menschen aufzugeben, die ihn fallen ließen.

You had your maps drawn

You had other plans

To hang your hopes on

Every road they let you felt so wrong

So you found another way


Natürlich freute sich Newt ebenso wie die anderen Kinder auf die Ferien, wenn nicht sogar noch etwas mehr. Denn Zuhause durfte er so sein, wie er war und musste seine Begeisterung nicht mehr verstecken. Seine Mutter würde mit ihm und den Hippogreifen einen Ausflug machen und ihm von all den spannenden Dingen berichten, die in seiner Abwesenheit passiert waren. Sie würde ihn fragen, wie es ihm ergangen war und er würde von dem Zauber des Schlosses erzählen und wie schön es dort war. Über die anderen Kinder würden sie nicht sprechen, es würde ja sowieso nichts ändern. Sie würden trotzdem nichts mit Newt zu tun haben wollen und er würde sie nach wie vor nicht verstehen. Ja, Newt freute sich wirklich sehr darauf, nach Hause zu kommen.

„Kommst du, Kleiner?“, hörte er seinen großen Bruder fragen, der extra auf ihn gewartet hatte, damit er nicht allein zum Zug musste. „Ja“, rief Newt ihm zu und beeilte sich zu ihm zu kommen. „Tut mir leid, Theseus. Ich habe nur vorhin einen kleinen Kauz gefunden, er muss wohl irgendwo gegen geflogen sein, sein Flügel ist gebrochen.“ Skeptisch blickte Theseus auf das kleine Häufchen Elend, das Newt so fürsorglich in seinen Händen hielt und wo die Schiene fast schon größer als der ganze Vogel wirkte. „Newt, der überlebt doch keine Nacht! Schau doch mal, wie mickrig er ist.“ „Ich bin auch mickrig“, erwiderte der kleinere Bruder erbost. „Newt, du weißt, wie ich das meine“, seufzte Theseus und strich seinem Bruder sanft durch die Haare. „Ich werde mich um ihn kümmern. Er wird es schaffen! Du wirst schon sehen“, sagte Newt bestimmt und blickte den Größeren fest an. „Wenn es jemand schaffen kann, dann du“, meinte Theseus lächelnd, einfach weil es keinen Sinn machte, seinen kleinen Bruder aufzuregen. Newt hatte schon sehr früh seinen eigenen Kopf gehabt und wenn es um Tierwesen ging, gab es nichts, was ihn aufhalten konnte, um ihnen zu helfen. So legte Theseus einen Arm um ihn und zog ihn zu den großen Kutschen, die von Thestralen gezogen wurden, wie er von Newt erfahren hatte. Doch woher dieser es wusste, war ihm nicht bekannt, er wusste eine Menge, wovon sein großer Bruder nur erahnen konnte, was es bedeuten mochte. Natürlich bemerkte er die Blicke, die seinem Bruder zugeworfen wurden und er guckte möglichst finster zurück. Er hasste es, dass sie Newt nicht als den Jungen sahen, der er war. Liebenswert, mutig, loyal und zu allem bereit, um seine Wesen zu schützen.

„Wie willst du den Kleinen denn nennen?“, fragte Theseus Newt, als sie zusammen in der Kutsche saßen, die sich klappernd in Gang setzte. „Frank.“ „Frank?“ Zweifelnd zog der Ältere eine Augenbraue hoch. „Das ist doch kein Name für so einen kleinen Vogel.“ „Aber natürlich! Frank ist ein Kämpfer, er hat die Seele eines Donnervogels und die Größe hat doch nichts mit Mut zu tun!“ „Also steckt in Frank ein Donnervogel?“, fragte Theseus schmunzelnd, auch wenn er nicht die leiseste Ahnung hatte, was das war. „Aber ja“, meinte sein kleiner Bruder überzeugt, „In jedem von uns steckt etwas Großes. Es liegt nur an uns, ob wir das erkennen und etwas Gutes damit vollbringen.“ „Du bist ein komischer, kleiner Kerl“, erwiderte der Andere, doch sein Lächeln nahm seinen Worten jegliche Schärfe. Lange blickte Newt seinen Bruder an, dann schaute er auf den kleinen Kauz in seinen Händen hinab, dann wieder hoch zu Theseus. „Du bist der beste gute Mensch, den ich je getroffen habe“, meinte dieser stolz und kurz darauf stoppte die Kutsche. „Bald siehst du mein Zuhause, Frank“, flüsterte Newt seinem Schützling zu. „Es wird dir gefallen.“ Er ignorierte das Kichern der anderen Kinder um sich herum, es würde Frank nicht helfen, wenn er sich jetzt verunsichern ließ. Der kleine Kauz war im Moment alles, was zählte.

You´ve got a big heart

The way you see the world

It got you this far

You might have some bruises and a few of scars

But you know you´re gonna be okay


„Du bist Newt Scamander, oder?“, riss ihn eine Stimme aus seinen Gedanken. Überrascht, warum jemand ausgerechnet ihn ansprach, blickte er von seinen Aufzeichnungen auf. Ihm gegenüber saß ein junges Mädchen, sie hatte dunkle, fast schwarze Haare und Augen, die ihn so ganz anders musterten, als es die anderen sonst taten. „Ja, der bin ich“, stotterte Newt etwas unbeholfen, wobei er sich wirklich schwer tat, ihr in die Augen zu blicken. „Leta Lestrange“, stellte sich das Mädchen vor und jetzt bemerkte Newt auch das silbern-grüne Zeichen auf ihrer Kleidung. Slytherin. Mit einem Mal hatte er das starke Bedürfnis, in seinem übergroßen Hufflepuff-Schal zu verschwinden. Auch wenn er sich bemühte, keine Vorurteile zu hegen und den Menschen erst einmal kennenzulernen, so hatte er in seiner Zeit in Hogwars noch keine Begegnung mit einem Slytherin gehabt, die positiv für ihn verlaufen wäre.

Trotzdem schüttelte er die angebotene Hand und zwang sich zu einem leichten Lächeln, denn er wollte keinesfalls unhöflich erscheinen. „Du bist der Junge, der vor den Sommerferien den verletzten Kauz mit nach Hause genommen hat.“ „Ja, das stimmt“, erwiderte Newt zögerlich, „Ich habe ihn gesund gepflegt, ganz allein.“ War das Bewunderung in ihrem Blick oder bildete er sich das nur ein? „Dann ist es derselbe Kauz, der dir die Post bringt?“ Newt nickte stolz. „Frank und ich sind gute Freunde geworden. Da ist er bei mir geblieben.“ „Frank?“, lachte das Mädchen und eingeschüchtert zog Newt den Kopf ein. Sie schien seine Unsicherheit zu bemerken und ihr Blick wurde nachgiebiger. „Hey, Frank ist ein toller Name, nur etwas…ungewöhnlich.“ Als er nicht antwortete, fiel ihr Blick auf die Pergamentseiten, die vor ihm lagen. „Woran schreibst du? Das kann doch unmöglich alles für die Schule sein.“ „Ich möchte später mal ein Buch über Tierwesen schreiben“, murmelte Newt in seinen Schal, „Das sind ein paar meiner Theorien. Wenn ich mit der Schule fertig bin, möchte ich sie prüfen. Vielleicht verstehen die Anderen die Tierwesen ja durch mein Buch besser. Vielleicht… vielleicht hören sie dann auf, sie zu jagen.“ „Es gibt aber böse Wesen“, bemerkte Leta, doch er schüttelte vehement den Kopf. „Es gibt nur böse Hexen und Zauberer. In der Hand von bösen Menschen tun gute Tierwesen furchtbare Dinge. Wenn man sich mit ihnen beschäftigt, dann merkt man, dass sie nichts Böses beabsichtigen. Sie handeln nach Instinkten und ebenso wie wir versuchen sie, ihre Familie zu schützen. Wenn man ihr Vertrauen gewinnt, sind sie die treuesten Freunde, die man finden kann.“

Das alles sprudelte nur so aus Newt hervor und als er endete, hatte er Angst, Leta würde ihn ebenfalls nur für einen Spinner halten. Doch als er ihr in die Augen blickte, konnte er dort die gleiche Begeisterung lesen, die auch er selbst verspürte. „Wieso habe ich dich bloß nicht früher angesprochen?“, meinte sie nachdenklich. „Ich bin nicht gerade der Typ, mit dem man gerne zusammen gesehen wird“, erklärte Newt und zuckte mit den Schultern. „Ich würde gerne mit dir zusammen gesehen werden, Newt“, lächelte sie und streckte ihm die Hand entgegen. „Freunde?“

Even though you´re scared

You´re stronger than you know


Auch wenn er immer gedacht hatte, dass er alleine besser zurechtkommen würde, wurde ihm nun bewusst, wie sehr er sich getäuscht hatte. Es war schön jemanden zu haben, mit dem man alles teilen konnte. Letas Begeisterung für Tierwesen verstärkte die seine nur noch und gemeinsam arbeiteten sie an den Theorien, die er aufgestellt hatte. Manchmal skizzierte Leta auch Wesen, so wie Newt sie ihr beschrieb und stolz legte er sie zu seinen Notizen. Leta war es auch, die ihn gegen die anderen Schüler schützte, allein durch ihre Anwesenheit. Niemand nannte ihn mehr „den Spinner“, viel mehr wurde er der Junge, mit dem Leta Lestrange befreundet war und das machte ihn glücklich. Plötzlich vergingen die Schuljahre noch schneller als zuvor und längst war sein Notizbuch so vollgestopft, dass er aufpassen musste, dass ihm nichts verloren ging.

„Kommt Leta dieses Jahr wieder zu uns?“, riss ihn seine Mutter aus seinen Gedanken. „Ich glaube schon, wir hatten es so abgesprochen, wie jedes Jahr“, antwortete er und legte zum ersten Mal an diesem Tag seine Feder beiseite. „In Ordnung. Magst du mir dann bei den Hippogreifen helfen?“ Sofort begannen Newts Augen zu leuchten und er legte die Pergamente zurück in sein Buch. „Kann sofort losgehen.“ Seine Mutter schenkte ihm ein sanftes Lächeln und er folgte ihr nach draußen, wobei er mehr hüpfte als ging. Kaum trat er in den Garten, da stürzte sich ein kleiner Kauz lautstark auf ihn. „Hallo Frank“, lachte Newt und strich seinem Freund über die weichen Federn. „Leta kommt uns bald besuchen“, erzählte der Junge und vor Freude überschlug sich seine Stimme fast. Frank schien seine Aufregung nicht ganz teilen zu können, denn er knabberte lediglich an dem Ohr seines großen Beschützers.

„Willst du wirklich nach dem Abschluss die Tierwesen studieren?“ „Ja, natürlich. So wie ich es dir erzählt habe.“ Ein wenig verwundert blickte Newt zu Leta, die es sich auf seinem Bett gemütlich gemacht hatte. „Ich weiß, dass du es mir mal erzählt hast, aber ich dachte mir, vielleicht möchtest du ja doch etwas anderes machen. Den Tierwesen kannst du ja trotzdem helfen und sie erforschen.“ „Das ist nichts, was man mit halbem Herz machen sollte“, erwiderte Newt verwirrt. Wieso wollte sie plötzlich, dass er etwas anderes machte? „Ich wollte das schon immer machen“, murmelte er und verfluchte sich für die Unsicherheit, die von ihm Besitz ergriff. „Ich weiß, Newt“, sagte sie nun sanft, als wüsste sie, was in ihm vorging, „Jahrelang war es mein Wunsch, dich auf deinen Reisen zu begleiten, aber…“ „Aber was?“ Selten hatte er so eine Verzweiflung gespürt wie jetzt. Hatte sie erkannt, wie anders er doch war? Mochte sie ihn nicht mehr? Unbewusst ballten sich seine Hände zu Fäusten und er musste die Tränen unterdrücken. „Newt.“ Letas Stimme war auf einmal ganz dicht bei ihm und er schaute auf. Sie hatte sich vor ihn auf den Teppich gesetzt und blickte ihn traurig an.

„Mein Vater will nicht, dass ich gehe.“ „Seit wann tust du das, was dein Vater sagt?“ Ihre Mundwinkel zuckten nach oben, doch das Lächeln erreichte ihre Augen nicht. „Ich habe keine Wahl“, sagte sie leise, „Ich kann nicht einfach fortgehen.“ „Natürlich kannst du das! Ich passe auf dich auf!“, beteuerte Newt, doch sie schüttelte nur den Kopf. „Es geht nicht. Vater sagt, ich würde unserer Familie nur Schande bringen, wenn ich dich begleite. Eine unverheiratete Frau mit jemandem, der nicht ihr Mann ist. Meine Familie will nicht, dass die Leute über uns reden.“ „Aber die Leute reden doch immer“, flüsterte Newt. „Wir…wir könnten ja so tun als wären wir verheiratet, vielleicht lässt dein Vater dich dann gehen.“ „Das wird nicht funktionieren. Er hat gesagt, er will nicht, dass ich mit jemandem zusammen bin, der keinen richtigen Job hat. Er wird es nie verstehen, Tierwesen sind nicht das, was meine Familie gerne sieht. Sie haben unsere Freundschaft geduldet, aber sie wollen diese Reise nicht.“ Newt konnte die Tränen in ihren Augen sehen und er konnte nur erahnen, wie geschockt er selbst aussehen musste. Wie lange hatten sie sich schon auf diese Reise gefreut, sie geplant, sich ihre Entdeckungen ausgemalt? Auf einmal schien alles wie ein Kartenhaus in sich zusammenzufallen. „Es tut mir so leid, Newt“, flüsterte Leta.

If you´re lost out where the lights are blinding

Caught in all, the stars are hiding

That´s when something wild calls you home

If you face the fear that keeps you frozen

Chase the sky into the ocean

That´s when something wild calls you home


Er wusste nicht mehr, wie oft er noch versucht hatte, Leta zu überreden, ihn doch zu begleiten, doch egal welche Argumente er vorgelegt hatte, ihre Antwort blieb gleich. Newt hatte sogar überlegt, ihrer Familie einen Brief zu schreiben, hatte es dann aber vor Rücksicht auf seine Freundin gelassen. Es machte ihn unglaublich traurig, die kommenden Erlebnisse nicht mit ihr teilen zu können, aber er hoffte, ihr vielleicht in Briefen oder Besuchen von den verschiedenen Tierwesen erzählen zu können. Sein letztes Schuljahr war mittlerweile angebrochen und neben dem ganzen Lernstoff plante er seine Ausflüge in fremde Länder und führte seine Skizzen mit Eifer fort. Trotz der wenigen Freizeit versuchte er möglichst viel Zeit mit Leta zu verbringen, ihre gemeinsame Zeit würde schließlich bald sehr begrenzt sein.

„Newt, heute kann ich wirklich nicht“, stand auf dem Zettel, den Leta ihm in Verwandlung hinüberschob. „Muss noch lernen“ „Wir können doch zusammen lernen“, kritzelte er schnell als Antwort. „Ich brauche auch mal etwas Zeit für mich, okay? Wir sehen uns in Zaubertränke.“ Kaum dass sie ihm den Zettel zurückgab und die Stunde beendet wurde, stand Leta auf und verschwand so schnell, dass Newt nicht einmal die Chance hatte, sich von ihr zu verabschieden. Betrübt ließ er den Kopf hängen und packte seine Sachen zusammen. Vielleicht hatte sie einfach viel Stress momentan und wollte deshalb nicht den Nachmittag mit ihm verbringen. Dabei hatten sie sich die ganze Woche nur im Unterricht gesehen und kurz beim Mittagessen, wo sie durch die Häusertische auch nie zusammen saßen. Newt hatte einfach Respekt vor den Slytherins und Leta hatte sich damals geweigert, mit an seinen Tisch zu kommen. In letzter Zeit hatte sie ihn nicht einmal mehr begrüßt, wenn sie sich auf dem Gang begegneten, aber Newt schob es einfach auf den Stress. Wieso sollte er sie zur Rede stellen, nur weil es ihm nicht passte, dass sie weniger Zeit für ihn hatte? Sie war seine beste Freundin, seine einzige, und die wollte er nicht verärgern, nur weil sie ein eigenes Leben hatte und er egoistisch war. Dafür mochte er sie auch einfach viel zu sehr, auch wenn er ihr das nie so sagen würde. Die Angst, sie zu verlieren, war zu groß und solange sie ihn als ihren besten Freund schätzte, war er mehr als glücklich.

Doch als Leta seine Fragen nach einem Treffen weiterhin verneinte, begann er, sich ernsthaft Sorgen um sie zu machen. „Es geht mir gut“, meinte sie, als er sie schließlich einmal auf dem Gang abfing. „Du klingst aber nicht so“, erwiderte Newt und blickte sie besorgt an. „Ich kann mir nicht den lieben langen Tag Gedanken über Tierwesen machen“, antwortete sie bissig und schaute ihn herausfordernd an. „Ich möchte etwas aus meinem Leben machen.“ „Aber das tue ich doch auch.“ Erschrocken sah er zu seiner Freundin, die im Begriff war, ihn stehen zu lassen. „Du lebst in einer Traumwelt, Newt. Dein Plan kann und wird nicht funktionieren! Die Anderen interessieren sich nicht für Tierwesen!“ „Aber sie werden es, wenn ich ihnen zeigen kann, dass…“, versuchte er zu erklären, aber sie schnitt ihm das Wort ab. „Du bist ein Spinner.“ Newt zuckte zusammen. Haha, guck mal der Spinner. Er konnte die anderen Schüler förmlich hören, wie sie sich wieder über ihn lustig machten. Der ist doch selbst schon mehr Monster als Zauberer. Irgendwann hatte er aufgehört, sich darüber zu ärgern, doch jetzt, wo selbst Leta ihn so bezeichnete, schien der Schmerz grenzenlos. Schnell senkte er den Kopf, damit sie die Tränen in seinen Augen nicht sah. „Vielleicht sollten wir uns lieber nicht mehr sehen. Ich mache meinen Kram und du deinen. Meine Eltern hatten recht. Es hat mir nicht gut getan, mit dir zusammen zu sein. Ich habe vergessen, was ich wirklich wollte und das ist ganz sicher keine Rettungsmission für irgendwelche Wesen.“ „Ist es das, was du willst oder das, was dein Vater von dir verlangt?“, fragte Newt flüsternd. „Das geht dich nichts an. Verschwinde aus meinem Leben, Newt. Ich will nichts mehr mit dir zu tun haben“, sagte Leta bedrohlich leise, bevor sie an ihm vorbei rauschte. Die Tränen konnte er nun nicht mehr zurückhalten. Jetzt war er wieder allein.

Sometimes the past can

Make the ground beneath you feel like quicksand

You don´t have to worry

You reach for my hand

And I know you´re gonna be okay

You´re gonna be okay


„Jetzt sind es nur noch wir beide, Frank“, murmelte Newt und strich dem Kauz sanft über die kurzen Federn. „Vielleicht ist es besser so“, flüsterte er ihm zu, auch wenn er wusste, dass dies nicht der Wahrheit entsprach. Ihm ging es miserabel, sein Herz brannte höllisch und wenn noch Tränen übrig gehabt hätte, dann hätte er sicherlich geweint. Er war so glücklich gewesen mit ihr an seiner Seite, auch wenn sie nie so stark für ihn gefühlt hatte, wie er für sie. Aber es war okay gewesen. Sie hatte ihn gemocht, ihn beschützt und seine Pläne mit leuchtenden Augen ergänzt. War ihr das alles plötzlich so egal? Hatte er sich so sehr in ihr getäuscht? „Was spielt es noch für eine Rolle, es ist vorbei. Aber ich werde euch ganz bestimmt nicht aufgeben. Ihr seid so zauberhafte Wesen, so einzigartig und wundervoll. Du bist doch an meiner Seite, oder Frank?“ Als Antwort knabberte der Kauz an seinem Finger und zum ersten Mal seit langem erschien wieder ein Lächeln auf Newts Gesicht. Nichts und niemand würde ihn davon abhalten können, seinen Tierwesen zu helfen! Allein war er sowieso besser dran, da war er sich nun sicher.

Die Jahre vergingen und der junge Newt Scamander bereiste die verschiedensten Länder, erweiterte oder verwarf seine Theorien und rettete viele, viele Wesen aus der Gewalt der Zaubererwelt. Bis zu seinem Tod begleitete Frank seinen großen Freund auf jeder seiner Reisen. Er schaute ihm über die Schulter, wenn Newt Skizzen anfertigte oder sich Notizen machte, und beobachtete ein wenig misstrauisch, wie aus Newts altem Koffer plötzlich ein neues Zuhause für die verschiedensten Tierwesen entstand. Trotz vieler gefährlicher Situationen blieb der kleine Kauz treu an der Seite des jungen Zauberers, bis er irgendwann aufgrund seines hohen Alters einschlief und nicht mehr aufwachte. Die Pflege der anderen Wesen und seine Aufgaben als Magiezoologe halfen Newt den Verlust seines Begleiters zu verarbeiten, auch wenn er sich fühlte als hätte er ein Familienmitglied verloren, denn zu dem war der Kauz über die Jahre für ihn geworden. So kam es auch, dass er einen geretteten Donnervogel nach seinem Freund benannte. Mittlerweile quoll sein Buch vor lauter Pergament über und er war sich fast sicher, dass er es bald veröffentlichen könnte.

„Was meinst du, Pickett“, fragte Newt den kleinen Bowtruckle, der auf seiner Schulter hockte, während er die Verletzungen eines Nifflers versorgte. „Bringen wir Frank zurück nach Amerika?“ Es schien, als wäre Pickett sich nicht so ganz sicher, aber schließlich schüttelte er entschieden den schmalen Kopf. „Aber er gehört in die Freiheit“, widersprach Newt und setzte seinen Gefährten zurück auf den Baum, der den Bowtruckles als Heim diente. Von Pickett war nur ein leises Murren zu hören, bevor er sich zu den anderen gesellte. „Es ist überall gefährlich, Pickett, und es gibt wesentlich schlimmere Gegenden als Amerika.“ Newt machte noch seinen üblichen Rundgang, kontrollierte, ob es allen gut ging und verteilte hier und da noch ein paar Streicheleinheiten und beruhigende Worte. Als er bei dem Donnervogel ankam, nahm er sich die Zeit und setzte sich zu dem großen Tierwesen auf den Felsen. „Du gehörst hier nicht her“, murmelte er, „Ich habe nicht das Recht, dich hierzubehalten. Es wäre egoistisch.“ Sanft stupste das majestätische Tier seinen Retter an. „Ich werde dich schrecklich vermissen“, flüsterte Newt und versuchte, seine Stimme nicht allzu traurig klingen zu lassen, Frank sollte nicht unter seiner Sentimentalität leiden. Es fiel ihm immer schwer, die Tierwesen wieder auszuwildern, doch es wäre falsch, sie festzuhalten. Er war nicht wie die anderen Zauberer, das Wohl seiner Tierwesen ging über sein eigenes. Seufzend stand er auf und strich dem Donnervogel liebevoll über die Federn.

„Bringen wir dich nach Hause, Frank.“

Even though you´re scared

You´re stronger than you know


Natürlich hatte Newt nicht damit gerechnet, dass es keinerlei Schwierigkeiten geben würde. Dass er aber mitten in eine Katastrophe geraten würde, an der er selbst nicht ganz unschuldig war, hatte ihn dann aber doch überrascht. Angefangen bei der Flucht des Nifflers und der Begegnung mit Jacob Kowalski, über seinen unfreiwilligen Ausflug in das amerikanische Zaubereiministerium mit Tina Goldstein, bis hin zu einem Kampf mit einem Obscurus. Newt hatte gehofft, ihn retten zu können, doch wieder einmal hatte sich gezeigt, wie wenig bereit die Zaubererwelt war, eine andere Perspektive einzunehmen. Es hatte ihn sehr traurig gemacht zu sehen, wie die Zauberer über Wesen wie Credence dachten. Wenn sie so über ihn dachten, dann war ihre Meinung über Tierwesen wohl ähnlich. Trotzdem würde er weiterhin alles versuchen, um ihnen zu zeigen, was für wundervolle Wesen sie verurteilten. Gedankenverloren strich er dem Mondkalb über den Kopf, das ihn mit seinen großen Augen anblinzelte. Er vermisste Jacob. Es war schön, jemanden um sich zu haben, der ihm mit den Tierwesen half und sich auf sie einließ. Er hatte ihm zugehört und nicht verurteilt, wie es so viele taten, die mit ihm in Kontakt traten. Jacob war etwas Besonderes und deshalb hatte Newt ihm die Okami-Eier geschenkt. Auch wenn er sich an nichts mehr erinnern würde, sollte er seinen Wunsch von einer Bäckerei erfüllt bekommen. So wie er Newt den Wunsch erfüllt hatte, einen guten Freund in seinem Leben zu haben. Natürlich würde ihm auch Queenie fehlen, obwohl sie doch sehr viel redete und seine Gedanken lesen konnte, was ihm ziemlich unangenehm war. Viel zu oft waren seine Gedanken bei einer ganz bestimmten Person und das musste Queenie nun wirklich nicht wissen. Das Mondkalb begann fröhlich auf und ab zu hüpfen, als er das Futter aus dem Eimer in der Luft verteilte und die übrigen Mondkälber sich um ihn scharten. Newt bahnte sich einen Weg durch das hüpfende Durcheinander, schließlich hatte er noch eine Menge Arbeit vor sich. Immerhin musste er sein Buch fertig schreiben und ein Versprechen halten.

Denn Tina… Ja, Tina würde ihm am meisten fehlen.

If you´re lost out where the lights are blinding

Caught in all, the stars are hiding

That´s when something wild calls you home

If you face the fear that keeps you frozen

Chase the sky into the ocean

That´s when something wild calls you home


Seine Hände zitterten, als er mit dem ersten gedruckten Exemplar seines Buches „Fantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ vor dem Schiff stand, welches ihn nach Amerika bringen würde. Nicht, dass ihn sein eigenes Werk nervös machte, es war vielmehr die persönliche Widmung, die er vorne hineingeschrieben hatte.  Er konnte für die Beschreibung von Tierwesen stets die richtigen Worte finden, aber seine Gefühle zu zeigen und sei es nur schriftlich, war noch nie eine Stärke von ihm gewesen. Auf dem Weg hierher war er schon drei Mal wieder umgekehrt, aber er hatte es nicht über sich bringen können, Tina zu schreiben, dass er das Buch doch nur per Eule und nicht persönlich vorbeibringen würde. Also stand er hier und konnte es kaum erwarten, sie wiederzusehen. Die Monate, seit er New York verlassen hatte, waren trotz seiner intensiven Arbeit an dem Buch nicht sonderlich schnell vergangen und er hatte immerzu an sie denken müssen. An die Frau, die wie ein Wirbelwind  sein ganzes Leben durcheinander gebracht hatte und die so wunderschöne Augen hatte, wie er sie bisher nur bei Salamandern gesehen hatte.

Calls you home
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