Schneeeule

von Benny89
GeschichteKrimi / P16 Slash
11.10.2020
25.10.2020
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18.10.2020 3.461
 
Dienstag, 06.11.2012, 9:45 Uhr Abends

Daisey zog aus dem Kühlschrank die Bierflasche raus, warf die Tür des Kühlschrankes zu und stapfte durch den Flur ins Wohnzimmer, wo Christie Becker auf dem Sofa saß.
Ihr dicker Babybauch war Kugelrund und sie schaute irgendeinen Film.
,,Mach mal Platz du runde Tonne“, brummte Daisey und Christie Becker rutschte etwas zur Seite um Daisey sich setzen zulassen.
Daisey legte ihre Beine auf den Tisch und grunzte erschöpft auf.
,,Dein Grunzen entnehme ich mal, das der Ausflug in dieses Eskimo Dorf nicht viel gebracht hat“, sagte Becker und warf Daisey einen Blick zu.
Christie Becker lebte seit gut Neun Monaten schon mehr oder weniger bei Daisey.
Becker, die selber Polizistin war, war nun im Schwangerschaftsurlaub.
Daisey erzählte ihr alles, von dem, was ihr Großvater erzählt hatte und dann von Lee Archer und seine Nichte.
,,Widerlich“, sagte Becker zornig. ,,Und diese dumme vom Jugendamt hat nichts unternommen!“.
Daisey lachte. ,,Was hättest du den getan? Sie hatte nichts in der Hand, um was zu tun“.
Becker schnaufte auf. ,,Und warum hast du Sie nicht mitgenommen oder Lee Archer? Sie zeigt eindeutige Spuren von Gewalt, wie du das geschildert hast“.
Daisey schnaubte auf. ,,Christie, du weißt ganz genau wie solche Fälle ablaufen. Du nimmst Sie mit, Sie macht die Anzeige und zieht Sie einen Tag später wieder zurück. Von Hundert Fällen Häuslicher Gewalt im Jahr sind vielleicht drei, die vor das Gericht kommen. Komm schon, du weißt es doch selber wie es da draußen ist“.
Daisey blickte Becker an.
Diese merkte den Blick. ,,Mir tut das Baby leid von Ihr. Was ist, wenn Er es dann auch schlägt?“.
Daisey zuckte mit den Schultern. ,,Dann kann das Jugendamt was unternehmen. Sollte die Mutter untätig bleiben, könnte man Ihr auch das Kind wegen Kindeswohlgefährdung entziehen oder so. Aber das geht erst nach der Geburt“.
Becker schwieg und schaute zum Fernseher, während Daisey das Bier öffnete und ein Schluck nahm.
,,Wie läuft es eigentlich mit Roman?“.
Daisey schaute zu Christie. ,,Was soll mit Ihm sein?“.
,,Na ja, du gehst doch öfters mit Ihm aus“.
Daisey grinste. ,,Es läuft gut“.
Becker schnaubte auf. ,,Ich wundere mich, warum du mit dieser Schnarchnase überhaupt dich abgibst. Er versteht nicht einen Witz“.
Daisey nickte. ,,Ja, aber mir gefällt dieses ernsthafte. Außerdem lässt Er mir meine Freiheiten und kann echt Süß sein, wenn Er will“.
Becker gluckste auf. ,,Aber trotzdem. Was ist so besonderes an Ihm? Weder ist Er lustig, noch sehr hübsch. Ich meine, Er geht zum lachen in den Keller oder so“.
,,Er ist sehr Charmant, immer Freundlich, ernsthaft und seine Schwester ist Witzig“, hob Daisey die Hand und zählte die Punkte von der Hand ab.
,,Er hat eine Schwester?“.
,,Drei sogar, zwei Sechzehn Jährige und eine, die Zweiundzwanzig ist und in Anchorage lebt“.
,,Und die anderen beiden?“.
,,Leben in Juneau. Habe ich auch schon kennen lernen dürfen. Sind auch sehr Nett“.
Becker lachte. ,,Du hast ja schon seine ganze Familie kennen gelernt“.
Daisey nickte. Im Grunde stimmt es so. Kulinzskis Eltern kannte sie immerhin inzwischen auch schon.
,,Um auf deinen Fall zurückzukommen, was hast du jetzt vor?“.
Daisey zuckte mit den Schultern.
,,Ich weiß nicht so genau. Morgen früh werde ich die Mort Brüder einen Besuch abstatten und ein bisschen nachfragen, ob die das Amulett kennen. Dann fahre ich zum Stammesrat. Gladys Valerie erwähnte was, das Sie gehört hat, das Talako Archer im Stammesrat mit einen Stammesmitglied Probleme gehabt hatte. Auch wenn sich das eher nach den üblichen Dorfgerüchten anhört. Aber einen anderen Ansatzpunkt habe ich im Moment nicht. Ich hoffe, das ich auch morgen früh den Autopsie Bericht vorliegen habe, dann weiß ich, ob ich überhaupt noch was tun muss oder wenn es ein Unfalltod war, dann ist der Fall abgeschlossen“.
,,Und du hoffst auf das letztere, oder?“.
,,Nein“.
Becker hob die Augenbrauen und schaute Daisey überrascht an. ,,Du hoffst, es war Mord? Ist das nicht ziemlich krass?“.
,,Das schon. Aber sollte sich morgen herausstellen, das es nur ein Unfall war, dann wird Martinéz mir den Kopf abreisen wegen des Fluges nach Ukpik. Dafür, das Er schon wusste, das sein Bruder tot ist bevor ich da war. Sie wäre Mega sauer und würde mir wahrscheinlich die Reisekosten vom Gehaltscheck abziehen. Und darauf habe ich absolut kein Bock“.
Daisey gähnte, trank mit einen Schlücken das Bier aus und stand auf. ,,Ich geh schlafen. Mach nachher die Glotze aus“.

Mittwoch, 07.11.2012, 7:30 Uhr

Daisey zog die Tür ihres Büros auf, ging zum Schreibtisch und ließ sich nieder.
Jessica Hornby, Martinéz Sekretärin hatte Daiseys Postfach auf den Schreibtisch mit einigen Briefen gefüllt.
Es war die übliche Morgenpost, Spesenabrechnungen, Werbung als ihr Telefon klingelte.
Daisey legte die Post zur Seite, griff zum Hörer und nahm ab. ,,Wiseman Police Departement“, sagte sie monoton.
,,Hallo Polizei. Ich habe eine Überraschung für euch“.
Norman Speltzers Stimme klang aufgeregt und dann lachte die Frau. ,,Forest, ich habe den Autopsie Bericht fertig und faxe Ihn rüber. Aber ich dachte, ich erzähl ein bisschen“.
Daisey griff zu ihrem Notizblock und zu einen Stift. ,,Schießen Sie los Norman“.
,,Also die Stichverletzung in der rechten Achselhöhe war definitiv die Todesursache. Sie geht von oben nach unten Zirka Zwölf Zentimeter tief und hat den Lungenflügel schwer verletzt, Talako Archer ist dann an seinem eigenen Blut erstickt. Er hatte keinerlei Alkohol im Blut, auch wenn es eine Alkoholleber vorhanden ist. Sein Tod trat etwa vor mehr als Vier Tagen ein, also Ungefähr Zwei Tage bevor Ihr Ihn gefunden habt. Die Leichenstarre ist bereits abgeklungen, Er war halt nur Steif gefroren. Leichenflecke waren aber bereits voll ausgeprägt, der Körper muss also mindestens Vierundzwanzig Stunden in einem wärmeren Bereich, ein Haus oder so, gelegen haben, bevor Er dort draußen abgelegt wurde. Seine Linke Hand weist Schnittverletzungen auf, Er hat sich gewehrt anscheinend“, erklärte Norman Speltzer.
,,Kann man den Todeszeitpunkt genauer festlegen?“.
Norman Speltzer schwieg kurz. ,,Schwer zu sagen. Genauer wird es kaum gehen. Ohne weitere Anhaltspunkte“.
Daisey bedankte sich und legte auf.
Sie rieb sich die Augen, als jemand klopfte und als sie aufschaute, schaute Kulinzski rein.
,,Hi“, sagte Daisey und der Mann trat ins Büro mit einer Mappe in der Hand. ,,ich habe deine Sachen untersucht“, sagte er und schob ihr die Akte zu. ,,Die Wodkaflasche hat keinerlei Fingerabdrücke, beim Ring bin ich auf das gestoßen“.
Daisey schnaubte auf. ,,Kulinzski, mich Interessiert der Mord an Talako Archer mehr“.
Kulinzski nickte. ,,Tja, der Ring hat was mit dem Mann zu tun“.
Daisey hörte auf den Bericht durchzublättern und schaute auf. ,,Wie bitte?“, fragte sie.
,,Ich habe an der Innenseite des Ringes Hauptpartikel gefunden. Eine Analyse mit Speltzers Probe ergab, das es Hautpartikels von Talako Archer sind. Frische. Er muss den Ring getragen haben“.
Daisey schnaufte auf und lehnte sich zurück. ,,Und das Amulett?“.
,,Keine Fingerabdrücke. Am Messer fand ich welche“.
,,Und Blut?“.
,,Nein. Und es passt nicht zu der Wunde“.
Daisey schwieg. ,,Du bist dir sicher mit den Hautfetzen? Weil, immerhin ist das ja ein Damenring“.

Eine Stunde später stand Kelly Shae neben ihr im Nebenraum des Verhörzimmers.
Im Verhörzimmer saßen ihr Sohn Bryan Shae und Ihr Mann Graham Shae.
Gary Calcote war auch anwesend, hielt sich aber im Hintergrund.
,,Kann ich zuhören?“, fragte die Mutter und Daisey drückte ein Knopf, nickte Calcote zu und schnappte sich die Mappe.
Zwei weitere Anrufen hatten bestätigt, das der Ring Talako Archer gehörte. Genauer gesagt war er Versichert gewesen und hörte einst dessen Mutter, die vor zwei Jahren verstorben war.
Daisey ging aus dem Nebenzimmer, in der ein Fenster war, das den Verhörraum zeigte, in den nebenliegenden Raum.
Hier konnte man nur einen Spiegel sehen, da das Fenster auf der Seite verspiegelt war. Somit wurde der Blickkontakt zum Nebenzimmer verhindert, was bei Gegenüberstellungen wichtig war. So mit konnten die Vermutlichen Täter nicht denjenigen sehen, der sie Identifizieren sollte.
Daisey zog den Stahlstuhl heran, mit dem Sie zum Rücken zum Fenster sitzen würde.
Der Verhörraum war im schlichten Stahlgrau gehalten ohne ein Fenster. Zwei Neonröhren an der Decke erhellten den Raum, während man einen Metalltisch in die Mitte gestellt hatte, mit je vier Stühlen auf beiden Seiten.
Vor allem Drogensüchtigen hatten Probleme mit solchen Räumen. Fensterlose Räume lösten bei vielen Drogenabhängigen, vor allem wenn sie auf Entzug waren, Platzängste aus. Ob das bewusst gewollt war oder nicht, wusste Daisey nicht. Aber viele brachen dann zusammen und redeten.
Daisey ließ sich nieder, legte die Mappe vor sich hin und zog das Bild des Damenringes aus der Mappe und schob es Bryan Shae zu.
,,Was ist das?“, fragte sein Vater und schaute zum Foto. ,,Ich dachte, Sie wollten diese Diebstahlsache auf sich beruhen lassen?“.
Daisey nickte. ,,Ja, das habe ich gesagt. Aber die Situation hat sich inzwischen grundlegend verändert“.
Graham Shae runzelte misstrauisch die Stirn. ,,Wie meinen Sie das?“, überlegte er.
,,Vertrau Ihr nicht Dad. Cops kann man nicht trauen“, Bryan Shaes Stimme klang leise.
Daisey rümpfte die Nase, ging aber nicht auf Bryan Shaes Einwand ein.
Sie wandte sich lieber an die Fakten.
,,Dieser Ring hier fand ich bei Ihrem Sohn Graham. Als ich Ihm fragte, woher Er stammt, meinte Er von Kelly Shae. Von seiner Mutter. Aber als ich den Ring Ihrer Frau zeigte, erkannte Sie Ihn nicht wieder“.
Graham Shae schwieg und betrachtete den Ring. ,,Worauf wollen Sie hinaus Daisey?“, erwiderte er.
,,Dann habe ich mich geirrt, es ist von meinen Dad!“.
Daisey warf dem Jungen einen Blick zu. ,,Wirklich? Stimmt das Graham?“.
,,Hör auf zu Lügen“, fuhr Graham Shae seinen Sohn an, wandte sich dann mit einen schnaufen Daisey zu.
,,Könnten Sie auf den Punkt kommen, warum Sie meinen Sohn vorgeladen haben?“.
,,Vielleicht sollten Sie einen Anwalt rufen Graham. Es ist Ihr gutes Recht“, wies Daisey Graham Shae auf seine Rechte hin.
,,Nein. Sie sagten, Sie wollten es auf sich ruhen lassen“.
Daisey nickte. ,,Bryan, erkläre mir bitte, wieso du ausgerechnet einen Ring in der Tasche hast von Talako Archer“.
Stille folgte darauf.
,,Was reden Sie da?“, fragte Bryan Shae nun mit panischer Stimme.
,,Es ist nicht sein Ring“.
Daisey zog ein Dokument einer Versicherung aus der Mappe. Dort waren Bilder von Schmuckgegenstände, darunter der Ring.
,,Dies hier ist ein Dokument einer Versicherung. Talako Archer hat seine Schmuckgegenstände versichern lassen. Das ist eindeutig dieser Ring, den ich bei dir fand“.
,,Und wir fanden auch frische Hautfetzen an der Innenseite des Ringes die von Talako Archer stammen. Weißt du noch, was du zu mir gesagt hast, als ich dich fragte, wieso du wusstest, das Talako Archer dort tot im Graben lag? Du sagtest ja, du hast Ihn an den Schuhen erkannt. Aber du hast Ihn nur von der ferne gesehen.An der Stelle, wo ich dich dann entlassen habe, konntest du von deinen Standort aus gar nicht den Körper sehen. Aber du wusstest, das es Talako Archer war. Und das konntest du nur wissen, wenn du Ihn da abgeladen hast“.
Daisey hörte auf zu reden und wartete ab, was passierte.
Graham Shae schien erstarrt zu sein, wie als hätte man ihm mit einer Holzlatte vor dem Kopf gehauen.
,,Ich habe darüber nicht weiter nachgedacht. Vor allem hielt ich dich ja nicht für Schuldig. Aber jetzt, nachdem wir erkannt haben, das der Ring, den du bei dir trugst, Talako Archer gehört hat, ist mir die Frage aufgekommen, wieso du wusstest, das es Talako Archer war und warum du mich darauf aufmerksam gemacht hast“.
,,Bryan, was hast du getan?“, fragte Graham Shae nun.
Bryan drehte sich zu seinen Vater und wandte sich wieder an Daisey.
,,Bryan. Wir reden hier von keinen kleinen Diebstahl mehr. Wir reden hier von einem Kapitalverbrechen. Mord. Und die Fakten sprechen im Moment gegen dich. Ein Geständnis kann unter Umständen das Urteil für dich begünstigen. Oder willst du eine Lebenslange Haftstrafe antreten?“.
Daisey sah, wie Bryans Willen zu schweigen brach. Sein Gesicht fiel in sich ein und tränen bildeten sich.
,,Okay, okay. Wir haben Talako nicht getötet, ja?“, rief der Junge mit weinerliche Stimme.
,,Wir, Sunny, Ches und ich fahren mit Sunnys Schneemobile die Court Lane rauf, als Sunny ruft, Er sieht da was und dann sehen wir Talako Archer im Graben liegen. Wir fuhren zu der Stelle, wo Er lag und riefen seinen Namen. Doch Talako antwortete nicht und Sunny sieht die Wodkaflasche und meint, Talako sei bestimmt betrunken gewesen und sei im Graben erfroren. Da sehen wir aber die Verletzung an Ihm, aber wir dachten, Er wäre trotzdem erfroren“, erzählte Bryan Shae, kratzte sich am Kinn und hickste.
,,Weiter? Wenn ich dir glauben soll, will ich die Wahrheit hören. Der Autopsiebericht hat bestätigt, das Talako Archer getötet wurde. Also los jetzt“.
Bryan Shae nickte fahrig. Er faltete seine Hände ineinander und legte sie auf den Tisch, sein Kopf senkte er und er erzählte die Geschichte viel mehr zu seinen Füßen: ,,Nun ja, Sunny meint, wir sollen die Cops rufen. Auch Ches stimmt zu, allerdings ich nicht. Ich sah den Ring und dachte, das könnte ich zu Geld machen. Aber ich wollte keine Spuren im Schnee hinterlassen und da hat Sunny eine Blaue Plane runter geworfen, auf die ich zu Talako gerutscht bin, hab Ihm mühsam den Ring abgezogen und gleich wieder hoch und wir sind dann weiter gefahren, dann zurück in den Laden. Dort klauten wir die Karten und dann kamst du ja. Und da sah ich die Chance, dir die Leiche zu zeigen. Ich konnte ja vorher nichts sagen, weil du wegen den Ring dann fragen stellen würdest. Ist dumm gelaufen“.
Daisey lehnte sich zurück und betrachtete Bryan Shae skeptisch.
,,Dumm gelaufen? Wieso habt Ihr nicht die Polizei gerufen? Und zwar sofort, als Ihr Ihn gefunden habt?“.
Bryan Shae schwieg und schaute zu Daisey.
,,Sunny wollte es ja. Aber ich sagte ja bereits, ich brauchte Geld und Er ist doch eh tot. Hät Ihm doch nichts mehr genützt“.
,,Sag mal, geht es noch?“.
Diesmal war es nicht Daisey, die was gesagt hatte. Graham Shae, Bryan Shaes Vater hatte gesprochen.
Seine Stimme zitterte vor Wut und er war völlig Bleich im Gesicht.
Das brachte jedoch eine neue Reaktion von Bryan Shae hervor.
Er sprang auf, der Stuhl flog klappernd nach hinten und er wandte sich so schnell zu seinen Vater um, das Daisey dachte, er wollte seinen eigenen Vater einen Schlag verpassen.
,,DU FRAGST WIE ES MIR GEHT?“, schrie Bryan Shae seinen Vater an. ,,ICH MACHE DIESEN MIST NUR DAMIT IHR ENDLICH MAL MICH WAHRNIMMT! SEIT EINEM JAHR BIN ICH WIE EIN GEIST! SEITDEM TOD VON BILL INTERESSIERT IHR EUCH NICHT MEHR FÜR MICH! ICH BIN AUCH NOCH DA!“.
Graham Shae schien zu erstarren. Seine Stirn faltete sich, er stand auf und griff nach der Wange seines Sohnes. ,,Das stimmt nicht“, sagte er.
Doch Bryan Shae stieß die Hand von ihm weg. ,,DAS STIMMT NICHT? EGAL WAS ICH MACHE, NIE SAGT IHR WAS! STÄNDIG TRAUERT IHR UM BILL! SIEH MICH AN!“.
Bryan Shae starrte seinen Vater an. ,,SIEH MICH AN!“, schrie er erneut.
,,Ich sehe dich ja“.
,,Ich bin seit vor einem viel Größer. Zu meinen Geburtstag habt Ihr mich nicht einmal gratuliert. Sieh mich an“, knurrte Bryan Shae.
Graham Shae starrte zu seinen Jungen und vergrub dann das Gesicht in seinen Händen und wandte sich ab und stellte sich an die Wand und schluchzte.
,,Ah, genau das, was ich erwartet habe. Niemand interessiert sich für mich Dad. Ich habe Bill genauso verloren. Aber niemand will mich ansehen“.
Der Junge setzte sich. Seine Hände zitterten und Tränen standen in seinen Augen. Aber anders als bei seinem Vater versuchte er den Weinkrampf zurückzuhalten.
,,Was kommt auf mich zu?“.
Daisey schwieg.
Sie schwieg lange. Sie wusste nicht, was sie sagen sollte. Die Bitterkeit, die seitdem Verhör im Zimmer hing, hatte sich zum Unermesslichen gesteigert. Graham Shae weinte, die Arme an der Wand und sein Gesicht darin verschwunden unerbittlich. Selbst jetzt hörte man manchmal den Namen Bill aus seinem Schluchzen.
,,Du wirst dich der Beweisfälschung, beziehungsweise der Beweisvernichtung und des Diebstahls an Talako Archer verantworten müssen. Das sind keine Kleinigkeiten Bryan. Wir reden hier von einen Mordfall, indem du Spuren vernichtest hast. Wahrscheinlich nicht mit Absicht, aber dennoch ist es so“.
,,Bin ich Verhaftet?“.
Daisey schwieg. ,,Nein, aber du müsstest mir dein Geständnis aufschreiben und Unterschreiben“.
Bryan Shae nickte. ,,Okay“.
,,Bevor du das tust will ich, das du einen Anwalt konsultierst. Der kann dir...“, Bryan Shae schüttelte jedoch den Kopf. ,,Nein. Keinen Anwalt. Ich schreibe das Geständnis“.
Daisey zögerte kurz. ,,Das Gespräch hier wird aufgezeichnet. Ich will, das du mir sagst, ob du verstehst, was ein Geständnis bedeutet. Das wird das Gerichtsverfahren später beschleunigen. Du gestehst die Vorwürfe, die dir vorgeworfen werden und selbst mit einen Anwalt später kannst du das Geständnis nicht mehr so leicht zurückziehen. Was du jetzt schreibst, hat Gewicht. Hast du das verstanden? Dann sage ich dir noch deine Rechte auf“.
,,Du hast das Recht auf einen Anwalt, kannst du dir keinen Leisten, wird dir einer vom Staat gestellt. Du hast das Recht zu schweigen, sagst du aber aus, kann alles, was du sagst im Gericht gegen dich Verwendet werden. Hast du das verstanden?“.
,,Ja“.
,,Und das mit dem Geständnis?“.
,,Ja, habe ich“.
,,Da wäre noch etwas. Erkennst du das Amulett hier? Es lag unter dem Körper des toten. Ist es aus seiner Tasche gefallen?“.
Sie zog das Foto des Amuletts hervor und Bryan Shae schaute es an. ,,Nein, ich habe nur den Arm angefasst. Da ist nichts aus seiner Tasche gefallen“.
Daisey zog dann aus der Mappe ein Blatt Papier hervor, reichte es dem Jungen und zog aus ihrer Brusttasche ein Stift.
Sie wartete, bis Bryan Shae alles aufgeschrieben hatte und las sich das Geständnis durch, holte alle Fotos, die sie raus geholt hatte und legte sie zurück in die Mappe, wo auch nun das Geständnis drinnen war und stand auf.
,,Ich weiß nicht, aber ich denke deine Freunde werden vom Staatsanwalt ebenso Post bekommen. Du kannst gehen“.
Daisey ging aus dem Verhörzimmer zurück ins Nebenzimmer, wo Kelly Shae weinend vor dem Schaufenster stand.
Sie wandte sich mit verquollenen Augen zu Daisey. ,,Kannst du es nicht unter den Tisch fallen lassen?“, fragte sie weinend.
Daisey blieb stehen und musterte Kelly Shae. ,,Diesmal nicht Kelly. Ich war schon froh, das Martinéz den Tag schon nichts gesagt hat. Aber diesmal kann ich Ihr nichts vormachen“.
Kelly Shae schluchzte auf. ,,Er...i-i-ist kein böser Junge“, hickste die Frau weinend.
,,Mir steht kein Urteil zu Kelly, aber ich glaube das Graham und Sie keine Hilfe für Ihren Sohn im Moment seit. Bills Tod war eine schlimme Sache und es tut mir leid, das Er sterben musste. Aber Bryan braucht euch genauso dringend. Immerhin ist Er auch von euch noch ein Sohn und lebt noch. Gary, fahr die Familie Shae bitte nach Hause“.
Calcote nickte und Daisey wandte ab, während Kelly Shae weinend zusammen auf die Knie sank.
Daisey ging den Flur entlang zu ihrem Büro, setzte sich und zog das Geständnis aus der Mappe und scannte es in das Computersystem ein, um ihren Bericht anzufertigen.
Eine halbe Stunde später ging die Tür auf und Martinéz stapfte mit finstere Miene in den Raum.
,,Ich habe das Geständnis gelesen von diesem Jungen. Könnte Er nicht unser Mörder sein?“.
,,Nein“, erwiderte Daisey.
,,Und wie kommen Sie darauf Forest?“.
,,Nun Ja“, überlegte Daisey ,,Die Leiche ist länger tot als Sie dalag und so schlau ist Er nicht, um solch eine Tat zu begehen. Außerdem hat Er ja gestanden, Talako Archer nach seinen Tod auszurauben. Dann hätte Er auch den Mord gestanden. Zum Beispiel hat Er nichts vom Amulett gewusst, was Er sonst mitgehen lassen hätte“.
Martinéz verschränkte ihre Arme. ,,Und nun? Was wollen Sie jetzt machen?“.
Daisey deutete auf die Uhr. ,,Feierabend. Und morgen fahre ich endlich zu den Mort Brüdern raus und frage mal nach, was es mit diesen Amulett auf sich hat“.
,,Sie glauben also wirklich, das dieses Amulett mit dem Mord in Zusammenhang steht?“.
,,Natürlich. Talakos Bruder Lee Archer meinte ja, das Talako kein Amulett besitzen würde. Also muss es ja damit was zu tun haben“, nickte Daisey mit einem Stirnrunzeln.
Martinéz kniff ihre Augen für einige Sekunden zu. ,,Ich will, das Sie diesen Fall so schnell wie es geht abschließen Forest. Damit wir endlich zur Normalität zurückkehren. Seit Beckers Schwangerschaftsurlaub sind wir unterbesetzt, ist Ihnen das klar Forest?“, verlangte Martinéz nun mit wütender Stimme von Daisey zu erfahren.
,,Ich gebe mein bestes Ma‘me“.
Martinéz hob eine Augenbraue. ,,Ihr bestes? Dieser Fall kostet uns eine Menge Geld, das der Staat nicht hat Forest. Und ich schaue mir das nicht mehr lange an. Also, ziehen Sie mir Ergebnisse ran oder Verhaften von mir aus die Mort Brüder, damit ich Staatsanwalt Stones einen hübsch verschnürten Fall überreichen kann und wir wieder zur Normalität zurückkehren“.
Martinéz drehte sich um und ging dann aus Daiseys Büro.
Diese schaute ihr nach. ,,Möchte mal wissen, ob du nicht doch weißt, wie Korrupt Stanly Stones ist, du Miststück“, dachte sich Daisey, sprach diese Worte aber nicht laut aus.