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Schneeeule

von Benny89
GeschichteKrimi / P16 Slash
11.10.2020
21.11.2020
16
42.335
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21.11.2020 1.621
 
Mittwoch, 14.11.2012, 12:00 Uhr

Der Motor des Schneemobils, ein älteres Modell einer Polaris und das heute einzige verfügbare der Polizei, ratterte laut und unbeständig, während Daisey die Maschine durch den Schnee trieb.
Eine Stunde des herum telefonieren war nötig, um heraus zu finden, wo sich Chris Bret aufhielt und nur um dann ihn zu fragen, wo sich Michael Fanton befand.
Daisey hoffte, dass es keine weitere Zeitverschwendung war. Martinéz verhalten heute Morgen sprach Bände und ihr Leutnant hatte nur allzu deutlich klar gestellt, das eine weitere Verzögerung für sie nicht infrage käme mehr.
Und es war bitterkalt. Der ewige Westwind trieb eine Kälte Front vor sich her, gepaart mit teilweise heftigen Schneetreiben zwischen durch und das Wetter legte dabei immer wieder eine Pause ein.
Der graue Wolkenhang, der den blauen Himmel verdeckte, erstreckte sich Kilometer weit und Schneefahnen wurden über das Packeis des Koyukuk River geweht. Daisey folgte dem Flusslauf talabwärts. Ein paar Schneemobile krochen über das feste Eis und sie sah einige Inupiats Eisangeln.
Sie waren alle in dicken Fellen und Parkas eingepackt, um der Kälte zu trotzen. Weiter runter sah sie eine erlegte Robbe, die ein Junge bewachte, während der Vater weiter vorne im Schnee lag, das Jagdgewehr in Anschlag.
Der Junge winkte Daisey zu und sie winkte zurück.
Daisey bog nun südlich ab und nahm nicht die Straße. Sie hatte sich im Büro eine Landkarte angesehen, als sie mit dem stellvertretenden Direktor der geologischen Forschungsanstalt in Barrow telefonierte, denn in deren Auftrag war Chris Bret derzeit unterwegs.
Er war mit zwei weiteren Männern in Four Point nahe des Windriver Pass.
Ein Pass, der fast hundert Meilen südlich von Wiseman lag.
Er wurde von einer schmalen Gebirgskette von zwei Bergen, den Zwillings Archipel gesäumt und senkte sich zwischen den zwei Gebirgen hindurch und mündete an der Bucht bei Creek Springs.
Das GPS-Gerät, das sie sich auf die Lenkstange der Polaris gesteckt hatte, das ihr die Richtung zeigte, war überlebenswichtig.
Es hatte lange gedauert, bis man ihr die genauen Koordinaten mitteilte.
Der Windriver Pass führte an der südlichsten Flanke eine Messstation, die man die Bearpaw nannte, Bärenpranke. Wohl immer, weil Eisbären und Grizzly Bären im Sommer die Messstation angriffen.
Es war keine Seltenheit, dass Bären Messstationen angriffen und zerstörten. Vor allem die, die den Ton aufzeichneten mit Mikros und dessen Schutzfelle schienen eine beliebte Beschäftigung der Bären zu sein.
Jedoch war Daisey froh heute keinen Bären über den wegzulaufen.
Die Polaris machte einige Geräusche, die Daisey nicht gefiel und sie wollte nicht unbedingt herausfinden, dass die alte Dame dazu sagen würde, wenn sie den Motor Volllast geben würde.
Die zerklüfteten Felsen, die an ihrer rechten Flanke vorbeischossen, waren bis auf die Spitzen im tiefen, weißen Schnee vergraben.
Eine schmale Spur von Schneemobilen waren zu sehen, die in den Weg in den Pass zeigten.
Daisey folgte der Spur solange wie nur möglich.
Doch dann deutete das GPS-Gerät an das sie sich weiter westlich halten sollte und folgte der Anweisung.
Der Pass schwenkte nach Osten ab und mündete dann in einen Binnensee, der gefroren war. So weit Daisey wusste, hatte dieser See keinen Namen. Nun, sie glaubte mal gehört zu haben, dass er einen Inuitnamen hatte, den hatte sie aber vergessen und da sie eher selten im Windriver Pass war, machte sie sich nicht die Mühe, herauszufinden, wie der See namentlich hieß.
Daisey hielt nun direkt auf den Berg zu, den man Point Waterhole nannte. Laut einer Legende entspringt immer im Sommer ein riesiger Wasserfall aus den Flanken des Berges.
Daisey entdeckte eine Reihe von flachen Zelten, die unterhalb einer Fichtengruppe in einer Senke standen. Ein riesiger Felsbrocken war am westlichen Ende und das Lager war somit etwas windgeschützt.
Drei Schneemobile standen in dem Lager und einen Hundeschlitten.
Daisey hielt auf die Zeltgruppe zu, da auch ihr GPS Gerät sagte, das es die Stelle war, die sie suchte.
Sie blieb einige Hundert Fuß entfernt stehen, schaltete den Motor ab und richtete sich auf die Trittbretter aus. Sie konnte nicht genau sagen, ob dort ein Mensch zu sehen war und kletterte von der Polaris.
Sie zog eine verspiegelte Sonnenbrille hervor, um nicht ganz schneeblind zu werden und beförderte sie sich auf die Nase.
Sie bahnte sich einen Weg durch den hohen Schnee, was gar nicht so einfach war. Ihre Schneestiefel sanken tief ein.
,,Arii“, fluchte sie und wünschte sich anständige Schneeschuhe.
Sie erreichte die Zeltgruppe als in den Moment jemand seinen Kopf durch eines der drei Zelte steckte.
Er hatte dichtes, verstrubbeltes, Schmutzig blondes Haar und schien geschlagen zu haben. Er rieb sich seine Augen und starrte Daisey an.
,,uh?“ brachte er hervor und grunzte dann. ,,Chris Bret?“, fragte Daisey. Der Mann nickte. ,,ich habe ein paar Fragen an Sie“ fuhr sie fort und Chris Bret deutete an ins Zelt zu folgen.
Im Inneren des Zeltes war es warm. Ein selbst gebauter Campingofen aus einem Fass gebaut stand in der rechten Ecke und gluckerte. Chris Bret hatte im Zelt einen Hundeschlitten, der ihm als Bett diente und der Boden war mit Reizigzweigen ausgestattet.
Eine Kanne stand auf dem Ofen und daneben ein Kanister.
,,Entschuldigen Sie, wenn es so stinkt“.
Daisey zuckte mit den Schultern. Es roch nach Fischöl, ein beliebter Brennstoff, der jedoch bei vielen, die das nicht kannten, eher als störend fanden. Daisey allerdings liebte den Duft des Fischöls, der für sie mehr ein angenehmes Gefühl auslöste.
,,Ich sehe, das Sie den Geruch kennen“.
Daisey zog sich die Sonnenbrille vom Kopf, riss ihre Fellmütze mit den Ohrenklappen herunter und nickte.
,,Sie sind ein Cop, oder?“, fragte Chris Bret misstrauisch.
Daisey schaute ihn an. ,,Woher wollen Sie das wissen?“.
Daisey trug einen dicken Schneeoverall und einen Parka dazu darüber gezogen. Keines der beiden war in den Farben oder mit einer Marke ausgestattet.
Chris Bret deutete auf Daiseys Gürtel, wo die Beretta im Waffenholster steckte. ,,Kein Jäger trägt so eine Waffe bei sich“ sagte er.
Daisey nickte. ,,Ich bin Daisey Forest. Wiseman Police“.
Chris Bret kniff seine Augen zusammen und setzte sich auf den Hundeschlitten. ,,Ich habe seit Monaten nichts mehr gemacht“, erklärte er.
,,Ich bin auch nicht ihretwegen hier Mr. Bret. Sie sind doch mit Michael Fanton befreundet, oder?“.
Chris Bret schwieg und schaute zum Campingofen. ,,Ja. Ist einer meine besten Kumpels in Wiseman“.
,,Wo kann ich Ihn antreffen?“.
Chris Bret runzelte fragend die Stirn. ,,Wie meinen Sie das jetzt?“, fragte er. ,,Ich suche Ihn wegen einer Polizeiangelegenheit“.
Chris Bret schwieg und betrachtete Daisey und dann riss er seine Augen auf. ,,Was? Sie glauben Michael hätte den alten Archer erschossen?“.
Er starrte bestürzt drein.
Daisey blinzelte ein Nein. ,,Das weiß ich nicht so genau. Aber sein Name ist im Laufe der Ermittlungen gefallen. Und Er scheint untergetaucht zu sein. Hat Er mal erwähnt, das Er mit Talako Archer Schwierigkeiten hatte? Oder das Talako Probleme hatte?“.
,,Nein, nicht das ich wüsste“, meinte Chris Bret nun völlig verdattert. Seine Arme zuckten zusammen und er fuhr sich durch seine ungewaschenen Haare.
Es war nicht ungewöhnlich, dass man sich hier draußen schlecht waschen konnte.
,,Vielleicht ist da doch was. Michael war vor drei Wochen bei mir und erzählte mir das Er sich wohl mit Talako gestritten hatte wegen Joni“.
Daisey runzelte die Stirn. ,,Joni? Joni Archer? Talakos Tochter?“.
Chris Bret nickte und schniefte auf. ,,Ja Mann“ erklärte er. ,,Joni ist Michaels Verlobte. Sie wollten eigentlich letzte Woche heiraten, aber ist irgendwas dazwischen gekommen laut Michael“.
,,Sie waren zusammen?“.
,,Sie sind noch zusammen“, korrigierte Chris Bret Daisey. ,,Seit drei Jahren oder so. Sie passen gut zusammen, aber Michael meinte mal, dass es im Bett nicht so liefe und deswegen wollten Sie wohl auch heiraten“.
Daisey schwieg und überlegte.
Michael Fanton war mit Joni Archer zusammen. Joni war schwanger und laut den Aussagen von Lee Archer und Iara Âviâja von ihren Vater.
Michael Fanton würde wahrscheinlich eins und eins zusammen zählen können.
,,Und um was ging es bei dem Streit?“, fragte Daisey nun.
,,Das hat Er nicht sagen wollen. Aber Er hat sich von mir ein Jagdmesser ausgeliehen und hat es bisher nicht zurückgebracht“.
Daisey musterte Chris Bret. ,,Wozu brauchte Er das?“.
,,Er wollte Jagen gehen. Ich glaube nicht, dass Er Talako umgebracht hat. Michael ist nicht der Typ dafür und der alte Archer hat Ihn wie einen eigenen Sohn behandelt. War immer freundlich zu Ihm und so“.
,,Wussten Sie das Joni Schwanger ist?“.
Chris Bret nickte. ,,Ja. Michael hat es mir erzählt. Es sei sein Kind“.
Daisey grunzte auf. ,,Finden Sie es nicht komisch, das Joni auf einmal von Michael Schwanger ist, obwohl Sie nicht wirklich mit Ihm im Bett Sex haben wollte?“.
Chris Bret kratzte sich am Kinn und schwieg für einige Sekunden.
Daisey gab ihm Zeit und sah sich weiter im Zelt um.
Es war nicht besonders groß, doch geräumig genug, um einen Campingofen und einen Hundeschlitten zu beherbergen.
An der anderen Seite stand eine Tasche, eine Coleman Campingkocher, wie eine Öllampe und ein Jagdgewehr.
,,Jetzt wo Sie es sagen, finde ich es schon eigenartig. Michael erwähnte mal, dass Sie Ihn absolut nicht ran ließ im Bett. Sie Schlafen nicht in einem Bett, so wie Er es sagte. Glauben Sie etwa, das Michael Sie vergewaltigt hat und das Talako Archer dahinter gekommen ist?“.
Daisey blinzelte wieder ein Eskimo nein. ,,Das halte ich für unwahrscheinlich. Dafür gibt es keine Anzeichen. Wo kann ich Michael finden?“.
,,Versuchen Sie es mal bei seiner Stelle im E-Werk“ erwiderte Chris Bret. ,,Oder bei Ihm zu Hause“.
,,Er ist weder zur Arbeit erschienen noch zu Hause. Und beim E-Werk hat Er sich seit über eine Woche nicht mehr gemeldet. Niemand weiß dort, wo sich Michael Fanton derzeit befindet Mr. Bret“.
,,Hm, haben Sie es in Nuak versucht? Er hat dort eine Hütte am östlichen Ende, wenn Sie in Richtung der Slopes fahren, die Straße“.
 
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