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Samt und Sterne

GeschichteAllgemein / P12
Albus Dumbledore Bill Weasley Jacobs Schwester / Bruder Merula Snyde Patricia Rakepick Severus Snape
11.10.2020
21.11.2020
8
21.973
1
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8 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
21.11.2020 3.617
 
Liebe Leserinnen und Leser!

Das letzte Kapitel ist fertig und meine Geschichte „Samt und Sterne“ wird damit enden. Ich  als frisch gebackene Fanfiktion-Autorin hoffe sehr, dass sie euch gefallen hat! An dieser Stelle möchte ich euch Lesern ganz herzlich danken und in besonderem Maße denjenigen, die mir ein Herz oder sogar ein Review hinterlassen haben. Allen voran die wunderbare RedQueen0010, die mir nach jedem Kapitel ein sehr hilfreiches und motivierendes Review geschrieben hat und von der die Idee mit dem Beneblungstrank kommt. Das ist nicht selbstverständlich! Danke dir für alles!

Es sei darauf hinzuweisen, dass ich mich besonders in diesem letzten Kapitel nicht an die Handlung im Spiel halten werde, sondern den Ausgang des Sternenballs nach meinen eigenen Vorstellungen gestaltet habe. Trotzdem sind SPOILER für das gesamte fünfte Schuljahr enthalten.

Mehr gibt es nicht zu sagen, außer, dass ihr in Zukunft noch öfter Geschichten zu Patricia Rakepick von mir lesen könnt, falls ihr Lust habt. Diese interessante und mysteriöse Figur bietet unendlich viel Schreib-Potenzial und das ist einer der Gründe, warum ich so ein großer Fan von ihr bin.

Viel Spaß mit Teil 2 des Sternenballs! Bleibt gesund!
Eure Potterhead15

Disclaimer: Der Text entspringt mit Ausnahme der Idee und des Konzeptes des Sternenballs, die den Machern von Hogwarts Mystery gehören, meiner eigenen Fantasie. Charaktere und Handlungsorte gehören jedoch nicht mir und ich verdiene kein Geld damit.
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Der Sternenball - Teil 2

Patricia Rakepick sah auf und blickte in das alte, weise Gesicht von Albus Dumbledore. Das festliche Gewand des Schulleiters, das in hellem Grau und Lavendel gehalten und kunstvoll bestickt war, funkelte. Misstrauisch verengten sich ihre Augen. Was wollte Dumbledore von ihr? Für langweiligen Smalltalk über den Ball hatte sie weder die Nerven noch die Zeit, da sie eigentlich gerade ihren Plan in die Tat umsetzen wollte. Oder hatte Dumbledore etwa Wind davon bekommen? Nein, das war unmöglich. „Ah, Madam Rakepick! Ist der Abend nicht fabelhaft? Was würden Sie davon halten, wenn ich Sie um den nächsten Tanz bitte? Ich habe Sie heute noch gar nicht auf der Tanzfläche gesehen und ich möchte es mir selbstverständlich nicht nehmen lassen, an solch einem Ereignis mit der berühmten Fluchbrecherin im Dienste von Hogwarts zu tanzen!“ sagte er in seinem typischen charmanten aber vergnügten Ton, zwinkerte ihr zu und reichte ihr die Hand.
Patricia starrte erst ihn an und dann seine Hand, bevor ihr bewusst wurde, dass ihr ihr Schock offen zu Gesichte stand und sie versuchte, wieder ihre gewohnte Maske aufzusetzen. „Ich tanze nicht, Albus.“ brachte sie hervor. Ihr war bewusst, dass das unfreundlich und respektlos klang, doch das war ihr egal. Was bildete Dumbledore sich eigentlich ein? Dass sie nur weil sie auf diesem furchtbaren Ball anwesend war, nach seiner Pfeife tanzen musste? Nie im Leben würde sie einen Fuß auf die Tanzfläche setzen, nicht einmal wenn Merlin persönlich danach fragen würde.
Doch Dumbledore  erwiderte lächelnd:„Ich hätte wirklich nicht gedacht, dass Sie mir diesen Tanz abschlagen. So habe ich sie nun wirklich nicht eingeschätzt, Patricia. Nun, ich kann nicht leugnen, dass ich etwas enttäuscht bin. Um ehrlich zu sein glaube ich sogar, dass Sie eine hervorragende Tänzerin sind. Kann ich Sie wirklich nicht umstimmen? Schade.“ Patricia hörte einige in der Nähe stehenden Schüler tuscheln. Sie fühlte sich plötzlich wie ein in die Ecke gedrängtes Tier und das war sie nicht gewohnt. Normalerweise würde sie in so einer Situation sofort ihren Zauberstab ziehen und das Ganze auf ihre Art und Weise beenden. Doch dummerweise handelte es sich bei ihrem Gegenüber um Albus Dumbledore und nicht irgendeinen  Zauberer in der Nokturngasse und es gab zu viele Zeugen. Sie spürte, wie sie innerlich in Rage geriet und zwang sich, nicht die Beherrschung zu verlieren „Ich möchte mich ungern wiederholen.“ sagte sie mit verärgertem Unterton. Der Schulleiter runzelte die Stirn und sah sie scharf an. Sie wusste, dass sie die Grenze zur Höflichkeit überschritten hatte.  „Es tut mir Leid, wenn ich Ihnen zu nahe getreten bin, Patricia. Doch Sie sollten wissen, dass in Hogwarts stets Anstand und Respekt walten sollten.“ sagte Dumbledore ernst, nickte ihr mit einem kritischen Blick zu und entfernte sich.

Grimmig wandte sich auch Patricia ab. Hatte der Schulleiter sie gerade wie eine Schülerin gescholten? Sie schnaubte verächtlich. Es interessierte sie herzlich wenig, dass sie Albus Dumbledore verstimmt hatte, weil  sie sich nicht von ihm über das Tanzparkett schieben lassen wollte. Doch sein Verhalten ihr gegenüber nahm sie ihm in höchstem Maße übel. Sehr darum bemüht, sich ihre Wut nicht anmerken zu lassen, steuerte sie wieder auf Merula Snyde zu, doch da trat Bill Weasley in ihr Blickfeld, was ihre Laune nicht gerade besserte. Ihr Fluchbrecher-Assistent, der eben noch mit Professor McGonagall getanzt hatte, schien ihre kurze Unterredung mit Dumbledore nicht bemerkt zu haben, sondern wirkte seltsam entschlossen, straffte die Schultern und  sah sie mit festem Blick an. „ Professor Rakepick? Es ist so, ich habe gerade schon mit meiner Hauslehrerin getanzt und wollte Sie fragen, ob ich Sie als meine Mentorin ebenfalls auffordern darf? Ich würde mich als Schulsprecher sehr geehrt fühlen.“ Seine Stimme verriet seine Aufregung und seine Wangen seine Gefühle. Patricia sah ihn konsterniert an und ihre Überraschung ließ ihre Wut verschwinden. Sie zog eine  Augenbraue in die Höhe und fragte sich ernsthaft, ob der Gryffindor der Tugend seines Hauses alle Ehre machte oder er sich mit einem Trank Mut angetrunken hatte. Dass er als Schulsprecher mit seiner Hauslehrerin tanzte, konnte sie ja noch nachvollziehen, aber was sie selbst betraf, so ging das definitiv zu weit, Mentorin hin oder her. Nein, sie entschied, dass es professioneller und besser wäre, Distanz zu wahren. Bei Merlin, nicht dass dieser Abend nicht schon verflucht genug war, aber nun wollten auch noch alle mit ihr tanzen!  Daher wies sie den rothaarigen, angehenden Fluchbrecher  so freundlich wie möglich, aber bestimmt mit den Worten: „ Mr.Weasley, ich habe leider etwas Dringendes mit Miss Snyde zu besprechen. Ich bin mir sicher, Sie finden eine geeignetere Tanzpartnerin.“ Ab, wobei sie das Wort „geeignetere“ besonders betonte,  und verließ die Tanzfläche Richtung Merula Snyde.

Diese blickte ihre Professorin erwartungsvoll an. „Miss Snyde, ich hoffe Sie amüsieren sich?“ Merula zuckte mit den Schultern und rollte mit den Augen. Das entsprach schon eher wieder ihrer Art, die Patricia kannte. „Denken Sie, Sie könnten mir einen kleinen Gefallen tun? Ich habe draußen im Korridor vor der Halle zwei Slytherin-Schüler gesehen, die ein Feuerwerk dabei  hatten. Ich nehme an, es wäre sinnvoll, wenn Professor Snape als Hauslehrer der Sache auf den Grund gehen würde. Wären Sie so gut, ihm Bescheid zu sagen? Ich würde mich und meinen Namen gerne aus der Angelegenheit heraushalten, wenn Sie verstehen.“ fügte sie mit gesenkter Stimme hinzu und zwinkerte dem Mädchen verschwörerisch zu. Doch Merula Snyde kam gar nicht erst auf die Idee, etwas zu hinterfragen, sondern nickte stolz und trottete wie ein Hund zum Lehrertisch, um ihren Hauslehrer zu informieren. Zwar schaute Severus Snape seine Schülerin skeptisch an, doch zu Patricias Freude, stellte er sein Trinkgefäß ab und eilte mit wehendem Umhang aus der Halle.

Rakepick lächelte diabolisch, denn es gefiel ihr, wenn die Dinge nach Plan liefen. Perfektion war sie gewohnt. Unauffällig schlenderte sie zurück zum Lehrertisch und tat auf dem Weg so, als würde sie den Sitz ihres Kleides überprüfen, wobei sie heimlich die Phiole mit dem Beneblungstrank aus ihrem Ausschnitt zog. Am Lehrertisch angekommen musste sie vorsichtig sein, um keinen Verdacht zu erregen, daher griff sie sich einen Teller, nickte dem immer noch essenden Kesselbrand zu und tat so, als würde sie sich an dem großen Truthahn, der vor Snapes Sitzplatz auf dem Tisch stand, bedienen. Als sie sicher war, dass sie niemand beobachtete, gab sie den Beneblungstrank in Snapes Trinkpokal. Zufrieden setzte sie sich an ihren eigenen Platz und verspeiste genüsslich ihr Stück Truthahn.

Nach etwa 10 Minuten sah sie dann, wie Snape mit wehendem Umhang und wutentbranntem Gesicht wieder in die Halle zurückkam. Als er wieder seinen Platz am Lehrertisch einnahm, hob Rakepick ihren Weinkelch und nickte ihm mit süffisantem Grinsen zu. Ihr Grinsen wurde noch breiter, als sie sah, wie er immer noch wütend seinen Kelch leerte. Offensichtlich schien er in seiner Rage nichts zu bemerken.
Patricia Rakepick lächelte in sich hinein und beschloss, dass es Zeit wurde, die Wirkung des Tranks zu überprüfen. Betont elegant und mit einem dünnen Lächeln auf den Lippen ging sie auf Severus Snape zu. Als er sie erblickte, verdüsterte sich seine Miene. „Ah, Severus. Ich hatte an diesem Abend ja noch gar nicht das Vergnügen, mich mit dir zu unterhalten. Oder sollte ich eher sagen, das Glück?“ sie stieß ein tiefes, falsches Lachen aus. „Was willst du, Patricia?“ knurrte Snape.  „Wie ich sehe, bist du sogar noch charmanter als sonst, Severus. Du kannst ruhig zugeben, dass du mir nicht zugetraut hättest, mich auf dieser lächerlichen Farce“, ihr Blick schweifte über die große Halle, „blicken zu lassen. Aber eigentlich brauchst du gar nichts dazu zu sagen, denn deine Reaktion auf mein Erscheinen war mir Antwort genug. Und dass dir gefallen hat, was du gesehen hast, war nicht zu übersehen. Ich kenne dich gut, Severus, sehr gut“ flüsterte sie ihm zu. Voller Genugtuung nahm sie wahr, wie Snape nahe daran war, die Beherrschung zu verlieren. Das musste die Wirkung des Tranks sein, denn normalerweise hätte ihn ihre Stichelei kalt gelassen. Doch sie ging noch einen Schritt weiter. „Im Übrigen habe ich dich auch noch gar nicht tanzen gesehen. Da warst du so erpicht auf diesen Ball und dann lässt du dir einen Walzer entgehen?“ provozierte sie ihn weiter. „Sei still!“ knurrte Snape und seine Hände ballten sich zu Fäusten. „Du möchtest, dass ich mit dir tanze? Soll ich dir zeigen, wie man tanzt? SOLL ICH ES DIR ZEIGEN?“ Er spie ihr die letzten Worte mit lauter Stimme ins Gesicht, sodass Kesselbrand am anderen Ende des Tisches erschrocken aufschaute. Nun redete sich Snape richtig in Rage: „Dich hat doch noch nie jemand zum Tanzen aufgefordert! Deswegen bist du damals auf dem Weihnachtsball, wo du mit diesen Rumtreiber-Schweinen warst, auch so schnell wieder abgehauen. Da hast du ja auch dieses Kleid angehabt, nicht wahr? Hast dich trotzdem immer für was Besseres gehalten.“ Snapes Stimme war immer lauter geworden. „Ich würde nicht einmal mit dir tanzen, wenn man mich an dir festbinden würde, Severus. Und das Gleiche hat sich wohl auch Lily Evans gedacht, denn sie wollte ja auch lieber mit James tanzen als mit dir.“ gab sie betont gelangweilt zurück. „Lass Lily aus dem Spiel!“ schnauzte Snape,sprang auf uns zog seinen Zauberstab. Er funkelte sie streitlustig an.

Unterdessen war Professor Kesselbrand auf die beiden zugegangen und fragte vorsichtig, ob alles in Ordnung sei. „Ich denke schon, Silvanus. Professor Snape steht nur etwas neben sich. Vielleicht hat er dem Wein etwas zu sehr zugesprochen.“ beschwichtigte sie den alten Professor und lächelte falsch. Doch Snape stieß Kesselbrand brüsk zur Seite und blaffte ihn an; „Das geht Sie gar nichts an. Lassen Sie mich in Frieden, Sie Schwachkopf“. Kopfschüttelnd entfernte sich Kesselbrand, sodass Rakepick wieder mit Snape alleine war. Dieser schien sich plötzlich von jedem beobachtet zu fühlen, denn er herrschte nun die in der Nähe stehenden Schüler an, ob ihn mit ihren Blicken provozieren wollten. Patricia lachte sich derweil ins Fäustchen. Ihr Plan schien hervorragend zu funktionieren und der gute Severus war gerade dabei, jeden der ihm in den Weg trat, verbal herunterzumachen und sich damit in höchstem Maße zu blamieren. Ob er so weit gehen würde, um sie mit Magie anzugreifen? Vergnüglich beschloss sie, noch etwas mehr Öl ins Feuer zu kippen. „Severus, ich hätte wirklich nicht gedacht, dass  du so schnell die Beherrschung verlierst. Das ist ja ganz anders als früher, wo du immer sofort den Schwanz eingezogen und alles in dich hinein gefressen hast.“ raunte sie ihm zu und seine Wut schien sich ins Unermessliche zu steigern. „DU BIST DOCH NUR NACH HOGWARTS GEKOMMEN UM MICH ZU SCHIKANIEREN.WAS HAST DU HIER VERLOREN, DU ROTHAARIGE SCHLANGE?“ brüllte Snape. Nach außen hin tat Rakepick so, als hätte sie keinen blassen Schimmer, was in den schwarzhaarigen Tränkemeister gefahren war, doch innerlich breitete sich eine böse Genugtuung in ihr aus. Das geschah dem guten Severus Recht.

Schwer atmend richtete Snape plötzlich seinen Zauberstab auf sie, doch da kam Dumbledore auf die beiden zu, dicht gefolgt von Professor McGonagall. „Severus, was ist hier los? Was hat das zu bedeuten?“ fragte er mit besorgter Stimme und stellte sich vor Snape. Doch dieser  ließ ihn kaum ausreden, sondern zeigte schwer atmend auf Rakepick: „Warum haben Sie diese Schlange eingestellt? Warum habe ich nicht den Posten für Verteidigung gegen die dunklen Künste bekommen, wie es mir nach all den Jahren VERDAMMT nochmal zusteht?“  Seine Augen blitzten und er blickte hektisch und wie benebelt hin und her.„Sie vergessen Sich, Severus!“ sagte McGonagall entsetzt und schüttelte den Kopf. Dumbeldore zog kritisch die Augenbrauen zusammen. „Ich fürchte, Professor Snape ist nicht ganz er selbst, Schulleiter. Keine Sorge, ich werde seine Anschuldigungen nicht persönlich nehmen.“ schaltete sich Patricia mit betont verständnisvoller Stimme ein. Dumbledore sah zuerst sie an und dann wieder Snape, der  vor Ärger ein ganz rotes Gesicht bekommen hatte. Fast hätte sie laut gelacht, denn normalerweise war der Professor für Zaubertränke leichenblass.

Beschwichtigend hob Dumbledore die Hand und sprach: „So wie es aussieht ist Professor Snape Opfer eines bösen Streiches geworden. Severus, ich schlage vor, Sie begeben sich in die Kerker und nehmen ein Gegenmittel für übliche Tränke. Wenn etwas aus Zonko´s dahintersteckt, wird sich die Sache wahrscheinlich bald geben. Minerva, würden Sie so freundlich sein und Severus begleiten? Und Sie, Patricia, sollten das kollegiale Miteinander mit Professor Snape in ihrer Position als Lehrerin für Verteidigung gegen die dunklen Künste nicht unnötig strapazieren, wenn Sie mir den Rat erlauben.“ Dumbledores Worte prallten nur an ihr ab und amüsiert beobachtete Patricia, wie Snape  von McGonagall aus der Halle eskortiert wurde und dabei die Schüler anblaffte und Professor Trelawney als „Brillenschlange“ betitelte. Zufrieden mit ihrem Werk genehmigte sich die rothaarige Fluchbrecherin einen Schluck Rotwein. Dieser Abend würde Snape in unschöner Erinnerung bleiben und sie würde keine Gelegenheit auslassen, um ihm seine eigene „soziale Unfähigkeit“ aufzuzeigen.

Der Sternenball war mittlerweile schon weit fortgeschritten. Das Licht in der großen Halle hatte sich verändert und die sanften Walzerklänge waren verstummt. Stattdessen stimmte gerade die Rockband „Die Schwestern des Schicksals“ ihren ersten Song an und die Schüler begannen ausgelassen in Grüppchen zu tanzen. Die meisten der Professoren hatten sich, so wie sie, an den Lehrertisch zurückgezogen und beobachteten das verrückte Treiben. Patricia lehnte sich in ihrem Stuhl zurück und beschloss den Rest des Abends mit Wein und möglichst wenig Gesprächen mit ihren Kollegen zu verbringen. Als sie den Blick über die fröhlich tanzenden Schüler schweifen ließ, verschluckte sie sich plötzlich an ihrem Getränk. Dort auf der Tanzfläche, inmitten von Penny Haywood, Anna Simon und Tulip Karasu, befand sich Sickleworth, ihr Niffler, und rannte vergnügt hin und her. Aus seiner Bauchtasche lugte verräterisch eine glitzernde Kette. Patricia fluchte. Eigentlich sollte der Niffler in seinem Käfig bei Kesselbrands anderen magischen Geschöpfen untergebracht sein. Doch er war ein kluges Kerlchen, hatte sich wahrscheinlich befreit und sich auf der Suche nach funkelnden Gegenständen auf den Sternenball verirrt.  Bevor er noch weiteres Unheil anrichten konnte, musste sie ihn schnellstmöglich einfangen, daher zog sie ihren Zauberstab aus dem Holster an ihrem Unterschenkel und eilte auf die Tanzfläche zu.

Gerade als sie ihren Niffler entdeckt hatte, zuckte plötzlich ein Blitz in der verzauberten Decke der Großen Halle und sie hörte jemanden in ihrer Nähe laut schreien. Es war Anna Simon, die inmitten ihrer Freunde auf die Knie gesunken war und sich totenblass die Schläfen hielt.  Hin-und Hergerissen zwischen ihrem Niffler und ihrem Fluchbrecher-Schützling entschied sich Patricia für Miss Simon, eilte zu dem Mädchen und ließ sich auf ihre Knie nieder. Die junge Gryffindor hatte die Augen geschlossen und rief mehrmals „Neeeeeeein, Jacob….Jacob…nein!“ bevor sie unzusammenhängend die Worte: „ Porträt“, „eingeschlossen“, „Hilfe“ und „Verlies“ stammelte. Alarmiert sah Patricia das Mädchen an und fasste sie am Arm: „ Miss Simon, was ist mit Ihnen?“ Penny Haywood und Tulip Karasu knieten ebenfalls nieder und schauten sie und Anna bestürzt an, die langsam wieder zu Sinnen kam. Schnell analysierte Rakepick die Lage und half dem Mädchen aufzustehen. „Kommen Sie, Miss Simon, ich bringe sie erst einmal hier raus. Es ist alles in Ordnung, kommen Sie.“ Sie warf den beiden Anderen einen bedeutungsschweren Blick zu und mit den Worten „Ich werde mich um Miss Simon kümmern!“ brachte sie Anna Simon aus der Halle.

Wortlos und ihren erleuchteten Zauberstab fest in der Hand haltend schritt Patricia Rakepick ihrer Schülerin mit großen Schritten den Flur voraus. Anna Simon schien völlig verstört zu sein und hielt sich immer noch Schläfe. Die Gänge von Hogwarts waren menschenleer. Sowohl die Schüler als auch die Lehrer waren noch immer in der Großen Halle und feierten weiterhin ausgelassen den Sternenball. Bis auf den Blitz hatte aufgrund der ohrenbetäubenden Musik niemand etwas bemerkt.  Patricia war tief in Gedanken versunken. Ein folgenschwerer Verdacht hatte sich ihr erhärtet. Konnte es möglich sein? Immerhin hatte ihr Bruder dieselbe Fähigkeit... Wenn ihre Vermutung stimmen würde, wäre sie dem nächsten Verwunschenen Verlies und ihrem Vorhaben ein Stück näher. Doch sie brauchte Gewissheit. Zielstrebig steuerte Patricia auf das Klassenzimmer für Verteidigung gegen die dunklen Künste zu und bedeutet Anna Simon, ihr in ihr Büro zu folgen. Dort angekommen ließ die rothaarige Fluchbrecherin mit einem Schwenk ihres Zauberstabs zahlreiche Kerzen an den Wänden und auf dem großen Schreibtisch in der Mitte des Raumes aufleuchten, sodass dieser in ein wohlig warmes Licht getaucht wurde. „Miss Simon“ ergriff Patricia das Wort. Das Mädchen blickte zu ihrer Professorin auf. „Setzen Sie sich. Und dann erzählen Sie mir bitte genau, was soeben vorgefallen ist.“ Mit diesen Worten ließ sie sich hinter dem Schreibtisch auf ihrem Stuhl nieder und bedeutet Anna, auf der anderen Seite Platz zu nehmen, was sie zögerlich tat. „Ich…ich…weiß es nicht genau. Mein Kopf tut höllisch weh.“ brachte Anna mühsam hervor. Das Mädchen schloss die Augen, die ganz verschmiert von ihrer Wimperntusche waren. Rakepick seufzte und legte die Arme gekreuzt auf dem Schreibtisch ab, bevor sie sich näher zu ihr hin beugte. Ihren auffälligen Zauberstab mit der goldenen Verzierung  an der Spitze hatte sie neben sich gelegt. Sie musste nun vorsichtig und einfühlsam vorgehen, um kein Misstrauen zu erregen und alle Informationen zu bekommen, die sie haben wollte. „Anna, ich weiß, dass Sie erschöpft und verwirrt sind und sich den Verlauf des Abends anders vorgestellt  haben. Lassen Sie mich Ihnen helfen!“ Die junge Gryffindor hob den Kopf und blickte die Fluchbrecherin an. Ein besorgter Zug lag auf Patricias Gesicht, die markanten Brauen zogen einen scharfen Bogen über die stechend blauen Augen, die Anna eindringlich ansahen. Ihre rot geschminkten Lippen formten sich zu einem aufmunternden Lächeln. Miss Simon zögerte. „ Ich…Ich habe bisher nur mit Professor Dumbledore, Professor Snape und ein paar von meinen Freunden darüber gesprochen!“ begann sie zögerlich. „Dann wird es Zeit, dass Sie sich auch mir anvertrauen, Miss Simon. Sie können mir vertrauen. Ich kenne mich mit solchen Dingen sehr gut aus und kann ihnen weiterhelfen. Und was die Verwunschenen Verliese betrifft…“ Patricia zögerte, „so ziehen wir am selben Strang.“ Sie musste aufpassen, dass ihre Stimme nicht zu drängend wurde. Anna Simon starrte sie eine Weile forschend an, bevor sie langsam nickte und zögerlich sagte: „Ich glaube, es  war eine Vision.“  Schlagartig wurde Patricia aufmerksam. „Eine Vision? Das ist hochinteressant. Können Sie das näher beschreiben, Miss Simon?“ Das Mädchen berichtete ihr stockend von ihren letzten Visionen und dass sie glaubte, dass ihr Bruder mit ihr kommunizieren würde. Sie war den Tränen nahe und besorgt. Natürlich konnte sie von all dem wenig wissen und verstehen. Doch Patricia hatte genug erfahren. Daher wies sie die junge Gryffindor an, in ihren Schlafsaal zu gehen und sich auszuruhen. Wenn sie wieder bei klarem Verstand wäre, würde sie mit ihr über die Bedeutung ihrer Visionen sprechen. Zumindest über den Teil, der unverfänglich war. Sie forderte sie aber noch einmal inständig dazu auf, sofort zu ihr zu kommen, sollten sich ihr weitere Visionen aufdrängen.

Nachdenklich schaute sie ihrer Schülerin und Assistentin hinterher, wie sie die Treppe, die zu ihrem Büro führte hinunterging und aus ihrem Blickfeld verschwand. Sie eilte ihr hinterher zur Brüstung der kleinen Empore vor ihrem Büro und rief: „ Miss Simon?“ Anna blieb mitten im Klassenzimmer stehen und drehte sich zu ihrer Lehrerin und Mentorin um. „Seien sie wachsam!“ Das Mädchen nickte schwach, raffte den Saum ihres Abendkleides und wandte sich zum Gehen.

Patricia seufzte und kehrte in ihr Büro zurück, schloss die Tür und stützte sich mit beiden Händen am Schreibtisch ab. Sie hätte niemals gedacht, welch unvorhergesehene Wendung dieser Abend noch bereithalten würde. Und wäre sie nicht auf dem Ball gewesen, so wäre sie nicht Zeuge von Miss Simons Vision geworden. Patricia hatte nun keinen Zweifel mehr daran, dass sie, genau wie ihr Bruder, Jacob Simon, ein Legilimentiker war. Die Erkenntnis darüber, zu was das Mädchen fähig war und dass sie offenbar Warnungen von ihrem Bruder erhielt, änderte alles. Patricia würde die  Nacht damit verbringen müssen, ihre Pläne zu überdenken, denn das, was geschehen war, war darin nicht vorgesehen. Und das konnte das gesamte Konstrukt gefährden. Und dennoch konnte sie sich jetzt des Schlüssels gewiss sein, den sie im Porträtverlies brauchen würde. Patricia zwang sich dazu, ihre Gedanken zu ordnen. Der Sternenball, seine Unannehmlichkeiten und Severus Snape schienen ihr mit einem Mal meilenweit entfernt. Sie wusste, wie wenig Ahnung, zumindest im Moment,  Anna Simon von all dem, was war und noch kommen würde, hatte. Das war ihr Vorteil. Doch tief in ihrem Inneren hasste sie  den Gedanken an die Rolle, welche sie selbst, Patricia Rakepick, bei all dem spielen würde.
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