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Samt und Sterne

GeschichteAllgemein / P12 / Gen
Albus Dumbledore Bill Weasley Jacobs Schwester / Bruder Merula Snyde Patricia Rakepick Severus Snape
11.10.2020
21.11.2020
8
21.968
2
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8 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
14.11.2020 3.356
 
Liebe Leserinnen und Leser!

Es ist endlich soweit! Wenn ihr bis hierher meine Geschichte verfolgt habt oder frisch dazu gekommen seid, seid ihr nun herzlich zum Hogwarts-Sternenball eingeladen. Und an dem wird nun auch Patricia Rakepick teilnehmen. Der Abend wird wunderbar festlich, es wird viel getanzt und getuschelt. Doch wie wird unsere Fluchbrecherin den von ihr so verhassten Ball erleben? Und wird sie sich an Severus Snape rächen können, wegen dessen Zutun sie ja nun an dem Ereignis teilnimmt? So viel ist gewiss, es wird Einiges beim Sternenball passieren…

Wie ihr sicher bemerkt habt, habe ich das Kapitel schon am Samstagabend (passend zum Sternenball) hochgeladen. Da es aber um das zentrale Ereignis der Geschichte geht und es so viel zu beschreiben gab, wollte ich daraus zwei Teile machen. Der andere Teil wird dafür aber auch schon am nächsten Samstag erscheinen und, soviel kann ich schon verraten, noch einmal viel spannender werden.
Ich hoffe sehr, dass euch meine Interpretation des Balls mit Rakepick im Vordergrund gefällt! Über Rückmeldung jeder Art würde ich mich sehr freuen, insbesondere auch, da es in diesen letzten beiden Kapiteln ja nun um die zentrale Idee der Geschichte und deren Umsetzung geht, und danke allen, von denen ich schon ein Herz oder Review erhalten habe. Traut euch, es gibt da kein Richtig oder Falsch und ich würde es zu schätzen wissen:)

Auf einen magischen Abend!
Eure Potterhead15

Disclaimer: Der Text entspringt mit Ausnahme der Idee und des Konzeptes des Sternenballs und der Eröffnungsrede von Dumbledore, die den Machern von Hogwarts Mystery gehören, meiner eigenen Fantasie. Charaktere und Handlungsorte gehören jedoch nicht mir und ich verdiene kein Geld damit.
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Der Sternenball - Teil 1

Eine sternklare Novembernacht war über Hogwarts hereingebrochen. Die Korridore waren hell erleuchtet und eine festliche Stimmung lag in der Luft. Alles sprach über den Sternenball, der in wenigen Minuten eröffnet werden sollte. Selbst die Geister schwebten fröhlich plaudernd zur Großen Halle, um diesem besonderen Ereignis, das zum ersten Mal in der Geschichte von Hogwarts stattfinden sollte, beizuwohnen. Der Großteil der Schüler der Jahrgangsstufen 5 bis 7 schien sich bereits im Erdgeschoss eingefunden zu haben, denn Patricia Rakepick begegnete auf ihrem Weg nur einigen Nachzüglern und Argus Filch, der mit Mrs. Norris auf dem Arm durch die Gänge patrouillierte und dem bei ihrem Anblick fast die Augen aus dem Kopf fielen. Das Geräusch ihrer Absätze hallte laut an den Wänden wider und ihr Schatten tanzte im Feuerschein, als sie mit langen Schritten den Flur zum Großen Treppenaufgang entlangging. Patricia musste sich noch ein wenig an ihre ungewohnte Garderobe gewöhnen und stellte fest, dass sie sich in dem Kleid ganz anders bewegte, als in ihrer üblichen Alltagskleidung.

Als sie schon die Treppen erblicken konnte und gerade überlegte, wie sie mit ihrem Rock einigermaßen würdevoll die Stufen herabsteigen konnte, hörte sie plötzlich ein leises Schluchzen, das aus einer Nische hervordrang und sie unwillkürlich anhalten ließ. Die Fluchbrecherin befürchtete, dass es irgendein Erstklässler war, der sich heimlich zum Ball schleichen wollte und sich nun verlaufen hatte. Mit hochgezogener Augenbraue schlich sie zu der Nische und wollte gerade zu einer Schelte ansetzen, als ihr gewahr wurde, wen sie da vor sich hatte. Die veilchenfarbenen Augen von Merula Snyde starrten sie erschrocken an. Sie hatte geweint, denn die für Patricias Geschmack immer viel zu dick aufgetragene Schminke war zerlaufen. Der Körper des Mädchens, der in einem schwarzen Kleid ohne Ärmel, dafür aber mit einer furchtbar hässlichen giftgrünen Schleife, steckte, wurde durch Schluchzer geschüttelt. Ihre ansonsten strubbligen, braunen Haare waren ordentlich gekämmt. Ein ungutes Gefühl beschlich Patricia und sie fragte sich im Geiste, warum nun ausgerechnet von ihr pädagogisches Geschick gefordert wurde. Doch sie fing sich schnell wieder. „Miss Snyde? Was soll das hier werden?“ fragte sie bestimmt, aber doch mit einer Sanftheit, die sie gar nicht von sich kannte. Merula schien die Sache sichtlich unangenehm zu sein, denn sie sprang auf und wischte sich mit einer behandschuhten Hand die Tränen aus dem Gesicht. „Nichts, es ist nichts, ich… ich…wollte…“ begann sie zu stottern und kam aus der Nische heraus.

Patricia bemerkte, wie die Augen des Mädchens groß wurden, als sie sich der festlichen Abendgarderobe ihrer Lehrerin im Schein der Fackeln bewusst wurde. Mit fragendem Blick sah sie Merula an, der jetzt offenkundige Bewunderung ins Gesicht geschrieben stand. „Ja, Miss Snyde?“ hakte die ältere Hexe nach.  Merula schniefte und murmelte, dass sie auf ihr Date für den Sternenball gewartet habe. Dass das eine Lüge war, erkannte Rakepick sofort und sie sah das Mädchen mit festem Blick an. „Und deswegen verkriechen Sie sich hier in einer Ecke?“ Merula zuckte zusammen. Patricia merkte selbst, dass das ein wenig zu schroff geklungen hatte und setzte etwas einfühlsamer nach: „Es gibt gar kein Date, habe ich Recht? Deswegen sind sie traurig.“ Die Slytherin blickte sie mit großen Augen an und presste die Lippen aufeinander. Das war ihrer Professorin  Antwort genug. Doch da Letztere immer noch zwei veilchenfarbene Augen traurig und hilfesuchend ansahen, atmete sie tief ein und schloss die Augen. Solch eine Gefühlsduselei war ihr völlig fremd und sie wusste beim besten Willen nicht, was sie jetzt sagen sollte, deswegen sagte sie einfach das, was ihr in den Sinn kam: „Kommen Sie, Merula. Sie sollten sich nicht verstecken. Wir sind Fluchbrecher, oder nicht? Und soweit ich weiß, besteht dieser Ball nicht nur aus Dates. So etwas haben Sie gar nicht nötig, Sie stehen für sich allein. Es ist doch viel besser, wenn Sie den Abend unabhängig von irgendjemandem genießen können, nicht wahr?“  Unter ihrem aufmunternden Blick schien Merula wieder sie selbst zu werden, denn sie richtete sich auf und brachte ein schwaches Lächeln zustande. „Ja, Professor.“ „Sehr gut! Diese Einstellung möchte ich bei meinen Fluchbrecher-Assistenten sehen. Und nun bringen Sie ihr Gesicht in Ordnung und gehen zu ihren Mitschülern.“ Patricia wandte sich zum Gehen, doch da fiel ihr noch etwas ein: „Ach ja und Miss Snyde, es könnte sein, dass ich mich im Laufe des Abends noch einmal an Sie wenden werde. Sie könnten mir eventuell bei etwas behilflich sein.“  Merulas Augen begannen zu leuchten und sie nickte eifrig. Die Rothaarige lächelte schmallippig und stieg die Treppen in das Erdgeschoss herab. Dass Merula Snyde eindeutig Probleme hatte, war nicht zu übersehen, doch es gefiel Patricia nicht, dass sie selbst in dem Ganzen so etwas wie eine Mutterfigur für das Mädchen zu sein schien. In diese Bedrängnis wollte sie auf keinen Fall gelangen. Dennoch war die junge Slytherin ihr auch bedingungslos hörig und diese Karte wollte Rakepick vorerst nicht verspielen.

Als sich Patricia der Großen Halle näherte, schwoll das Stimmengewirr der bereits anwesenden Schüler an. Hier und da hatten sich Grüppchen gebildet und es wurde gelacht und geplaudert .Die Flügeltür zur Großen Halle stand weit auf und Schüler gingen ein und aus. Der Ball hatte also noch nicht begonnen. Als sie an einigen der Grüppchen  vorbeiging, verstummten die Gespräche und sie spürte, wie sich viele Blicke auf sie richteten, die sie mit einem gönnerhaften Lächeln erwiderte und zum Gruß mit dem Kopf nickte. Hinter ihrem Rücken hörte sie einige Schüler tuscheln: „Seht euch das Kleid von Professor Rakepick an. Es ist wunderschön!“, „Ich hätte nie im Leben gedacht, dass Rakepick ein Kleid anzieht!“, „Wenn du in dem Alter noch so eine Figur hast, hast du alles richtig gemacht!“ „Ist das Samt?“ „Also mir gefällt ihre Alltagskleidung deutlich besser…“ Patricia lächelte in sich hinein. Natürlich gab sie nichts auf die Meinung der Schüler, doch sie wusste um ihr Erscheinungsbild und es erfüllte sie mit einer gewissen Genugtuung und schmeichelte ihr. Als sie an einem Trio Sechstklässler vorbeiging, die sie im Unterricht hatte, musste sie fast schon amüsiert feststellen, dass allen dreien die Kinnlade herunterfiel und der eine dem  anderen im schwärmendem Tonfall zuflüsterte: „ Oh Mann, davon werde ich heute Nacht träumen.“ woraufhin sein Gegenüber ihm beipflichtete: „Dagegen können McGonagall und Sprout einpacken.“ Die rothaarige Fluchbrecherin rollte mit den Augen und entschied sich dafür, sich schon einmal in der Halle einzufinden, ein ruhiges, unauffälliges Plätzchen zu suchen und das Geschehen zu beobachten.

Sie wurde jedoch von Professor McGonagall unterbrochen, die sich einen Weg durch die Schüler bahnte und auf sie zu kam. Sie trug ein olivgrünes Festgewand, einen Hut mit Fasanenfeder und war zu Patricias Überraschung sogar geschminkt. „Professor Rakepick! Sehr erfreulich, dass sie erschienen sind!“ rief sie und musterte die rothaarige Hexe dann etwas verwundert von oben bis unten. „Ah, und wie ich sehe, sind sie auch, ähm, festlich gekleidet. Schön!“ Letzteres nahm Rakepick ihr nicht ab und sie spürte auch die Missbilligung, die die Professorin für Verwandlung ihr entgegenbrachte. Innerlich staute sich schon wieder ein Schwall Ärger in ihr an, daher antwortete sie nur gepresst: „Guten Abend, Minerva!“ McGonagall schien das gar nicht zu bemerken, sondern fuhr fort: „ Professor Dumbledore wünscht, dass  jeder Lehrer heute Abend  besonderes Augenmerk auf die Beaufsichtigung aller Schüler legt. Die Hauslehrer sind selbstverständlich für ihre Schüler gesondert zuständig.“ Sie wartete erst keine Antwort ab und  eilte zu einer Gruppe Gryffindors, die soeben angekommen waren.

Den Aufpasser für eine Horde pubertierender Jugendlicher auf einem Ball zu spielen steigerte Patricias Laune nicht gerade und sie überlegte kurz, ob sie nicht auf dem Absatz kehrt machen sollte, doch als sie die Große Halle betrat, verflüchtigte sich ihr Groll für einen Moment.  Das Herzstück von Hogwarts sah im wahrsten Sinne des Wortes magisch aus. Zwar waren schon einige der Dekorationen am Vorabend angebracht worden, doch nun waren die großen Haustische durch große, runde Exemplare ersetzt worden und ein breiter blauer Teppich mit goldenen Verzierungen führte zu der polierter Tanzfläche, die einem funkelnden Sternenhimmel glich. Daneben stimmte bereits das Schulorchester seine silbernen Instrumente und spielte die ersten Takte eines schwungvollen Walzers an. Auch an den Wänden waren Girlanden und goldene Sterne angebracht, die im Fackelschein leuchteten. Die verzauberte Decke zeigte eine klare Novembernacht und wenn man genau hinschaute, konnte man vereinzelt Sternschnuppen erkennen. Über dem Lehrertisch am Kopf der Halle hing ein gewaltiges Banner, auf welchem in geschwungenen Buchstaben „Sternenball“ stand. Auch in der Halle waren bereits viele Schüler versammelt und überall wurde ausgelassen geplaudert und gelacht. Sie erblickte Penny Haywood, die wie ein aufgescheuchtes Huhn umherlief, alle begrüßte und noch einmal kritisch die Dekorationen beäugte. Obwohl sie es nie öffentlich zugegeben hätte, war Patricia beeindruckt, was das Dekorationskomitee auf die Beine gestellt hatte und wenn man sich für Bälle und derartige Schwachsinnigkeiten begeisterte, so würde man zweifelsohne zugeben müssen, dass es versprach, ein großartiger Abend zu werden.

Langsam schlenderte die Fluchbrecherin auf dem blauen Teppich entlang, um sich an den Schülern vorbei an den Rand der Tanzfläche zu begeben, wo bereits die anderen Professoren standen. Im Vorbeigehen bemerkte sie genüsslich, wie Ben Copper ihrer gewahr und vor Angst ganz bleich wurde. Der Junge sah in ihren Augen mit seinem Hut, dem Anzug und seiner Fliege wie ein lächerlicher Zirkusdirektor aus und sie schaute ihn mit einem besonders bösen Blick an, der ihn zusammenzucken ließ. Auf der anderen Seite sah sie die Weasley-Brüder stehen und nahm im Augenwinkel wahr, wie Charlie Weasley seinem Bruder Bill heftig in die Seite stieß und in ihre Richtung wies, woraufhin Bill die Schultern straffte und ihr mit einem höflichen „Professor“ zunickte. Dass er dabei etwas errötete, quittierte sein Bruder mit einem wissenden Lachen. Sie hoffte, dass der junge Mann bald über seine Schwärmerei für sie hinwegkommen und er deswegen nicht von seinen UTZ abgehalten werden würde.

Als sie die Tanzfläche überquert hatte und sich zu der Gruppe von Lehrern, die allesamt ebenfalls sehr festlich gekleidet waren, gesellte, wurde sie freundlich von Professor Dumbledore begrüßt,  der ihr mit seinem üblichen Funkeln in den Augen dankte, sich doch für den Ball entschieden zu haben. Madam Pince und die Professoren Sinistra und Vector, die ebenfalls lange Abendkleider trugen, betrachteten missbilligend ihr eigenes rotes und rümpften die Nase. Die kleine Professor Sprout, die aussah, als ob sie einen Kartoffelsack trug, schaute sie schon fast neidisch an und Professor Kesselbrand, in einen  schottischen Kilt und Sporran gekleidet, nickte ihr anerkennend zu, wobei ihr nicht entging, dass sein Blick etwas zu lang auf ihrem Körper verweilte. Professor Flitwick war wieder einmal der einzige ihrer Kollegen, der das Wort an sie richtete und sie ebenso freundlich wie Dumbledore begrüßte: „Nein, wie schön! Ehrlich, Patricia, ich freue mich, dass Sie gekommen sind, Sie werden es nicht bereuen. Und  wenn ich mir den Kommentar erlauben darf, Sie sehen umwerfend aus!“ quiekte er. Was das Bereuen betraf war sich Patricia nicht so sicher. Sie ließ ihren Blick über die Halle schweifen und hielt nach einer ganz bestimmten Person Ausschau. Doch von Severus Snape fehlte jede Spur. Dafür entdeckte sie ihre Fluchbrecher-Assistentin Anna Simon in einem weinroten Abendkleid, die zusammen mit Andre Egwu am Rande der Tanzfläche stand und ihm etwas zuflüsterte. Den verliebten Blicken, die der Ravenclaw der Gryffindor zuwarf, nach zu urteilen, waren die beiden auf einem Date, wurden jedoch kurz darauf von Rowan Khanna in einem indisch anmutenden blauen Kleid unterbrochen, die glücklich lächelnd mit Bill Weasley an ihrer Seite auf die beiden zuging.

Allmählich fanden sich alle Schüler und Lehrer in der Großen Halle ein und drängten sich um die Tanzfläche, auf der nach Dumbledores Rede Penny Haywood mit ihrem Partner Diego Caplan den Ball eröffnen würde. Patricia musterte den jungen Hufflepuff verstohlen. Es hieß, dass er ein ausgezeichneter Duellant war. Sie nahm sich vor, ihn demnächst genauer unter die Lupe zu nehmen. Als sie gerade gelangweilt die Arme vor der Brust verschränken wollte, nahm sie im Augenwinkel eine Bewegung  war und an ihr vorbei rauschte in einem schwarzen Festanzug, der sich nicht wirklich von seinem üblichen Aufzug unterschied, Severus Snape und nahm ein paar Meter von ihr entfernt seinen Platz ein. Sofort setzte sie ein triumphierendes, süffisantes Grinsen auf und drehte sich in seine Richtung. Er schien ihren durchdringenden Blick zu spüren, denn plötzlich drehte auch er den Kopf und seine schwarzen Augen trafen ihre blauen. Schadenfroh nahm sie wahr, wie ein Hauch von Erstaunen auf seinem Gesicht erschien und sein Blick mit unmerklich hochgezogener Augenbraue an ihr hinab glitt. Ihr Lächeln wurde noch breiter. Doch er hatte sich schnell wieder im Griff und sah verächtlich weg.  Ihr war jedoch nicht das Funkeln in seinen Augen bei ihrem Anblick entgangen. Innerlich breitete sich stille Genugtuung in Patrica aus. Auf genau so eine Reaktion hatte sie gewartet und war nicht enttäuscht worden. Severus würde sich ihr nie entziehen können. Sie war sich in diesem Moment sicher, ihn immer im Griff zu haben, ob als Rivale, Streitpartner oder schlicht als  Mann, der er letztlich auch nur war. Und noch besser war es, wenn er das erkennen musste. Genüsslich dachte sie an ihren kleinen Racheplan, den sie für ihn vorbereitet hatte.

Als der Schulleiter die Stimme erhob, richteten sich alle Augen auf ihn. „Meine lieben Schülerinnen und Schüler, liebe Professoren, ich bitte um Ihre Aufmerksamkeit! Der Abend ist gekommen und in wenigen Minuten wird unser lang ersehnter Sternenball beginnen. Ich möchte mich an dieser Stelle vor allem bei Penny Haywood bedanken, die das Dekorationskomitee zusammen mit Professor Flitwick für dieses Ereignis geleitet hat. Die Große Halle hat noch nie so himmlisch ausgesehen! Herzlichen Glückwunsch für diese tolle Arbeit. Ich freue mich auf einen zauberhaften Abend mit Tanz, Geselligkeit und gutem Essen. Genießen Sie alle den Ball. Und nun darf ich Miss Haywood und Mr. Caplan für den Eröffnungswalzer auf die Tanzfläche bitten.“ Ein tosender Applaus brach los, in den Rakepick halbherzig mit einstimmte. Sie beobachtete, wie die beiden Hufflepuffs die Tanzfläche betraten und sich in Position stellten. Dann begann das Orchester unter der Leitung von Filius Flitwick, der wie sie fand, furchtbar albern mit seinem Zauberstab als Dirigierstock herumfuchtelte, einen schwungvollen Walzer zu spielen. Die Musik war absolut nicht ihr Geschmack, aber sie musste zugeben, dass ihre beiden Schüler hervorragende Tänzer waren. Kurz darauf gesellten sich auch andere Paare auf die Tanzfläche. Sie sah Anna Simon mit Andre Egwu, Bill Weasley mit Rowan Khanna, Ismelda Murk mit Barnaby Lee, der dem Mädchen ständig auf die Füße trat, sowie Nymphadora Tonks mit Tulip Karasu, die den Tanz aber nicht besonders ernst zu nehmen schienen und herumalberten. Ein Lächeln stahl sich auf Patricias Gesicht, denn die beiden Unruhestifterinnen erinnerten sie nur zu gut an sie selbst, auch wenn sie bei ihren Streichen immer etwas subtiler vorgegangen war. Von Merula Snyde fehlte auf der Tanzfläche jede Spur; stattdessen erblickte Patricia sie am Rand, wo sie mit einer anderen Slytherin scheinbar über ihre Erzfeindin Anna lästerte, denn die beiden zeigten immer wieder auf das Mädchen und Merula verzog angewidert das Gesicht.

Auch die Lehrer begannen sich langsam unter die Tanzenden zu begeben, nachdem Dumbledore Professor McGonagall aufgefordert hatte. Rakepick hatte auch nichts anderes von dem Schulleiter erwartet, schließlich war der Ball ja seine fabelhafte Idee gewesen und da würde er sich gewiss das Tanzen nicht nehmen lassen. Patricia hatte noch nie verstanden, wie ein so mächtiger Zauberer sich mit so lächerlichen Dingen vergnügen konnte. Neben ihr bat Hagrid Professor Sprout zum Tanz und unter dem abschätzigen Blick der rothaarigen Fluchbrecherin wackelten beide auf der Tanzfläche herum, was in ihren Augen durch den Größenunterschied und die rundlichen Gestalten nur lächerlich aussah. Unauffällig schielte sie zu Severus Snape hinüber, der keinerlei Anstalten machte, eine der anderen Professorinnen, die sich angeregt in einer Gruppe unterhielten, zum Tanz aufzufordern. Stattdessen starrte er geradeaus vor sich hin. `Das zum Thema soziale Unfähigkeit!´ dachte sie hämisch. Sie würde ihn im Auge behalten müssen, um mitzubekommen, wenn er sich etwas zu trinken holte, denn das wäre eine gute Möglichkeit, ihm ihren vorbereiteten Trank zu verabreichen. Doch da Snape vorerst nicht so aussah, entschied sie, sich selbst ein oder zwei Gläser Wein zu genehmigen, um das lächerliche Treiben um sie herum zu ertragen. Plötzlich räusperte sich hinter ihr jemand. Sie erstarrte. Es würde doch wohl niemand wagen, sie zum Tanzen… Sie drehte sich um und blickte in das Gesicht von Professor Kesselbrand, der sie fast schon schelmisch angrinste: „ Also Patricia, ich gebe zu, dass ich Sie furchtbar gerne um diesen Walzer bitten würde, aber ich fürchte, dass ich mit meiner Prothese keinen guten Tanzpartner abgeben werde. Ich hoffe, Sie sehen mir das nach!“ Rakepick musste sich zusammenreißen, um nicht erleichterte auszuatmen. Sie war mehr als froh, nicht mit Kesselbrand oder sonst irgendjemandem tanzen zu müssen. Stattdessen sagte sie mit falschem Bedauern: „ Ja, das ist wirklich zu schade, Silvanus. Ich denke, ich werde etwas trinken gehen, wenn Sie mich entschuldigen.“ Doch da hatte sie die Rechnung nicht mit Kesselbrand gemacht, denn der entschied sich kurzerhand, sie zu begleiten. Patricia verdrehte die Augen und hoffte inständig, dass der alte Professor sie nun nicht als seine Abendgesellschaft auserkoren hatte.

Am Lehrertisch, auf dem sich duftende Speisen und reichlich Getränke türmten, schenkte sie sich ein großzügiges Glas dunkelrote  Flüssigkeit aus einer Karaffe in einen Kelch und nahm einen Schluck. Sogleich verzog sie das Gesicht, denn statt des von ihr erwarteten trockenen Rotweins befand sich ein ekelhaft süßer Punsch in ihrem Gefäß.  Kesselbrand hatte sich unterdessen am Tisch niedergelassen und probierte sich ungeniert durch die angebotenen Speisen. Beim Geruch des Essens und seinen Tischmanieren wurde ihr übel. Sie ließ den Blick säuerlich über die Große Halle schweifen und wurde schlagartig aufmerksam, als sie sah, wie sich Snape zum anderen Ende des Lehrertisches begab und sich ebenfalls ein Getränk einschüttete und daran nippte. Sofort war Patricias schlechte Laune wie weggeblasen und ihre Fluchbrecher-Instinkte waren geweckt. Die Zeit für ihre Racheaktion schien gekommen zu sein. Sie lächelte diabolisch. Sie hatte einen ganz besonders potenten Beneblungstrank für Snape gebraut, der ihn zuerst sehr leichtsinnig und dann furchtbar streitlustig werden lassen würde. Nun musste sie geschickt und vorsichtig vorgehen, damit der gute Severus keinen Verdacht schöpfte. Oh, wie er es bereuen würde, sich mit ihr angelegt zu haben. Doch Gerissenheit war eine ihrer Stärken. Sie war sich sicher, dass der Abend für Severus Snape höchst unangenehm enden würde. Langsam entfernte sich Patricia vom Lehrertisch und schritt betont langsam und elegant auf die Tanzfläche zu, um unauffällig nach Merula Snyde Ausschau zu halten. Ihre Fluchbrecher-Assistentin würde ihr nun sehr nützlich sein. Sie fand die Slytherin etwas abseits stehen und wollte gerade zu ihr gehen, als ihr jemand in den Weg trat.
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