Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Samt und Sterne

GeschichteAllgemein / P12 / Gen
Albus Dumbledore Bill Weasley Jacobs Schwester / Bruder Merula Snyde Patricia Rakepick Severus Snape
11.10.2020
21.11.2020
8
21.968
2
Alle Kapitel
8 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
08.11.2020 2.828
 
Hallo liebe Leserinnen und Leser!

Heute möchte ich mich mal kurz halten und euch nicht mit einem endlos langen Einleitungstext langweilen. Kurz gesagt: Das neue Kapitel ist quasi die Vorbereitung auf den Sternenball, der nächste Woche stattfinden wird. Ich habe schon diesbezüglich ein paar ganz tolle Ideen und Vorschläge erhalten (Tausend Dank an die wunderbare RedQueen0010!!!), aber falls euch noch etwas einfällt, was ihr euch für den Ball wünscht, ihr mir mitteilen wollt oder Rakepick helfen wollt, sich an Snape zu rächen, könnt ihr euch gerne bei mir melden, ich beiße nicht oft:)

Wie ihr lesen werdet, taucht in diesem Kapitel mein erster OC, Alan Blynden, auf… Auch wenn es nur ein kleiner Auftritt ist, würde mich interessieren, ob er euch gefällt. Er hätte auf jeden Fall Potenzial demnächst in einem meiner geplanten Projekte zu Patricia Rakepick vorzukommen…

Ganz viel Spaß euch beim Lesen und einen sonnigen Sonntag! Bleibt gesund!
Eure Potterhead15

Disclaimer: Der Text entspringt mit Ausnahme der Idee des Sternenballs meiner eigenen Fantasie. Charaktere (außer mein OC Alan Blynden) und Handlungsorte gehören nicht mir und ich verdiene kein Geld damit.
-------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Letzte  Vorbereitungen

In der Winkelgasse herrschte trotz des leichten Nieselregens geschäftiges Treiben, wie an einem Samstagvormittag nicht anders zu erwarten. Unzählige Hexen und Zauberer drängten sich vor den Schaufenstern der vielen Geschäfte oder eilten geschäftig aneinander vorbei, um ihre Besorgungen zu erledigen. Doch obwohl Patricia Rakepick der magischen Einkaufstraße schon seit längerer Zeit keinen Besuch mehr abgestattet hatte, hatte die rothaarige Fluchbrecherin kein Auge und keine Zeit für die ausgestellten Waren, sondern ging schnellen Schrittes die Straße entlang. Ihr primäres Ziel war die Nokturngasse, die in einer dunklen Ecke von der Winkelgasse abzweigte. Sie hatte vorsorglich die Kapuze ihres Umhangs tief in ihr Gesicht gezogen, um einigermaßen unerkannt zu bleiben. Dennoch drehten sich viele Köpfe nach der Hexe um und sie hörte hier und da im Vorbeigehen Getuschel. Patricia tat so, als würde sie das nicht bemerken. Sie war sich ihrer Berühmtheit in der Zaubererwelt bewusst und auch das Verhalten der Hexen und Zauberer war ihr nicht unbekannt. Doch sie war nicht der Typ von Berühmtheit, der ausschweifend von seinen Abenteuern berichtete und Autogramme verteilte, wie diese Flachpfeife Gilderoy Lockhart, den sie auf den Tod nicht ausstehen konnte. Zum Glück wichen ihr die meisten Leute auf ihrem Weg aus und schon bald umgab sie das Zwielicht der Nokturngasse. Auch hier wichen ihr alle, die ihren Weg kreuzten aus, doch das hatte ganz andere Gründe. Hier war sie gefürchtet und niemand wagte es, sie zu behelligen.

Zielstrebig steuerte sie auf den Laden Borgin&Burkes zu und betrat den Laden. Die Türklingel läutete und kündigte ihren Besuch an, doch von Mr.Borgin, dem Inhaber des Geschäftes, war keine Spur zu sehen. Patricia ließ ihren Blick über die ausgestellte Ware schweifen und erkannte ein paar Objekte auf Anhieb wieder, die einmal in ihrem Besitz gewesen waren und die sie verkauft hatte. Ihre Geschäfte mit Borgin&Burkes hatten in ihrer Hochzeit als Fluchbrecherin bei Gringotts begonnen und waren für sie immer sehr lukrativ gewesen. Denn neben dem Gold, nach welchem sie im Auftrag der Zaubererbank gesucht hatte, waren ihr auf ihren Missionen auch eine große Anzahl an schwarzmagischen oder verfluchten Objekten in die Hände gefallen. Da die Kobolde dafür keine Verwendung hatten, wäre es eigentlich rechtmäßig gewesen, dass die Objekte dem Zaubereiministerium übergeben worden wären. Doch Patricia Rakepick hatte noch nie eine hohe Meinung  von diesem gehabt. In ihren Augen war das Ministerium ein Haufen nutzloser Schwachköpfe. Daher hatte sie sich stets der Objekten angenommen, sie selbst untersucht und erforscht, um dann einige davon anschließend pflichtbewusst an das Ministerium zu übergeben, die wertvolleren und gefährlicheren jedoch zu verkaufen. Den Kobolden von Gringotts war das herzlich egal gewesen, solange sie nur ihr Gold in den Händen hielten und falls das Ministerium je davon Wind bekommen hatte, so hatte es nie eingegriffen. Dabei war ihr jedoch schon des Öfteren der Schmuggler Mundungus Fletcher in die Quere gekommen, dem sie die von ihm gestohlene Ware wieder abnehmen musste.

Die rothaarige Hexe schlenderte zur Ladentheke, zog einen Beutel unter ihrem Umhang hervor und legte ihn auf den Tresen. Ungeduldig trommelte sie mit ihren langen, behandschuhten Fingern auf das Holz. Es ärgerte sie, dass man sie warten ließ, denn ihre Zeit an diesem Samstag war noch begrenzter als sonst. Wenigstens befanden sich keine weiteren Kunden im Laden, denn auf Gesellschaft konnte Patricia gut und gerne verzichten. Die würde sie heute Abend auf dem Sternenball noch genug haben. Heute Abend…Rasch schob sie den Gedanken beiseite und blickte auf, als Mr. Borgin endlich auf der Bildfläche erschien und zur Theke hinkte. „Ah, Madam Rakepick! Welch eine Ehre! Sehr erfreut, sehr erfreut! Wie kann ich Ihnen behilflich sein?“ säuselte der Ladenbesitzer und verbeugte sich mehrmals vor ihr. Patricia verdrehte die Augen ob dieser Gefälligkeit und öffnete den Beutel, der vor ihr lag. „Ich habe Ware dabei, Mr.Borgin. Das Objekt ist überprüft und einwandfrei. Wie immer.“ fügte sie hinzu, doch da nahm Mr.Borgin die kleine steinerne Pyramide, deren Zacke abgebrochen war, bereits vorsichtig in die Hand und begutachtete sie. Seine Augen begannen zu leuchten und Patricia wusste, dass sie ihn am Haken hatte. Bevor er fragen konnte, klärte sie ihn kurz über das Objekt und den Fluch, der auf ihm lag, auf, bevor sie zum Punkt kam. „Ich bin in Eile, daher erwarte ich ein schnelles und vor allem angemessenes Angebot.“ sagte sie und sah den buckligen Verkäufer scharf an. Dieser verbeugte sich wieder und brabbelte etwas vor sich hin, bevor er in seine Kasse griff und eine Stange Galleonen vor ihr auf die Theke legte. In Anbetracht der unverschämt niedrigen Summe zog sie eine Augenbraue in die Höhe und legte ihre Hand auf ihren Zauberstab, der in dem Holster an ihrem Gürtel steckte. Sofort legte Borgin eine weitere Stange Geld hinzu. Wortlos nahm sie es an sich und verstaute es. Sie schenkte ihm ein falsches Lächeln und wandte sich mit einem „Guten Tag, Mr.Borgin“ zum Gehen. Dieser rief ihr untertänig hinterher: „Eine Freude mit Ihnen Geschäfte zu machen, Madam, immer wieder gerne!“

Patricia war froh, den ersten Teil ihrer Geschäfte an diesem Morgen erledigt zu haben. Doch das war leider auch schon der erfreulichere Teil gewesen. Missmutig stiefelte sie zum Ausgang der Nokturngasse und wurde sofort vom bunten Treiben der Winkelgasse umfangen. Um nicht unnötig Zeit  zu verlieren hatte sie sich am gestrigen Abend nach der Anprobe ihres Kleides für den Sternenball noch genau überlegt, welche Besorgungen für dieses hirnrissige Ereignis sie noch zu tätigen hatte. Auf keinen Fall wollte sie auch nur einen Sickel zu viel ausgeben und schon gar nicht für Tand, den sie sowieso nur an diesem Abend tragen würde. Nach mehrmaligem Hin-und Her war sie zu dem Entschluss gekommen, dass sie um ein paar passende Schuhe nicht herumkommen würde, denn ihre  bis zum Knie reichenden Stiefel aus Drachenleder würde man durch den Schlitz im ihres Abendkleides sicherlich sehen. Einmal mehr verfluchte sie Severus Snape im Geiste, dass sie wegen ihm nun tatsächlich würde Schuhe kaufen müssen. Die große Hexe überflog mit ihrem Blick die Geschäfte und entschied sich dann für Twilfitt&Tatting, bereute es aber sogleich wieder, da der Laden brechend voll war. Glücklicherweise schien die Verkäuferin, die sie in einer Ecke beiseite nahm, sie nicht auf Anhieb zu erkennen, sondern flötete in ihrem üblichen Verkaufston: „ Madam, wie kann ich Ihnen behilflich sein?“ und brachte Patricia schnell aus dem Lagerraum das gewünschte Paar knöchelhoher, schwarzer Stiefeletten mit  Absatz. Zufrieden mit ihrer Errungenschaft verließ die rothaarige Fluchbrecherin kurz darauf das Geschäft. Dennoch ärgerte sie sich über sich selbst, dass es sie innerlich so gestresst hatte, ein paar Schuhe zu kaufen. Sie hatte schließlich gerade Geschäfte in der Nokturngasse getätigt. Snapes hämische Feststellung über „soziale Unfähigkeit“, wie er es genannt hatte, kam ihr wieder in den Sinn und ihre Miene verfinsterte sich schlagartig. Nun, sie würde ihn eines Besseren belehren und ihm deutlich machen, dass er seine eigenen Probleme und Fehlbarkeiten nicht damit wettmachen konnte, indem er sie anderen anhängte. Oh, er gab sich gewiss immer als den intelligenten, undurchdringbaren Tränkemeister, den Belanglosigkeiten nicht aus der Ruhe bringen konnten, doch Patricia wusste es besser. Dafür kannte sie ihn zu lange und zu gut und obwohl ihr Verhältnis stets aus Rivalität und ebenbürtigem Schlagaustausch bestand, so hatte es doch eine Zeit gegeben, wo sie sich sehr nahe gestanden hatten. Sehr nahe…

Gerade als Rakepick an dem großen Portal der Zaubererbank Gringotts, ihrem alten Arbeitgeber, vorbeiging, hörte sie, wie eine vertraute Stimme ihren Namen rief und sie aus ihren Gedanken riss. Überrascht drehte sie sich um. Vor ihr stand ein großer, dunkelhäutiger Mann Mitte vierzig mit kurz geschorenen Haaren, der in einen wallenden schwarzen Umhang gehüllt war und am Gürtel ein ähnliches Zauberstabholster trug, wie sie selbst. Auf seiner Lederweste war das Wappen von Gringotts eingenäht. Sie erkannte ihn und wäre am liebsten schnell weitergegangen. „Patricia! Ich war mir nicht sicher, ob du es bist. Was führt dich nach London, wo du doch jetzt in den Diensten von Hogwarts stehst?“ Seine Stimme war tief und sonor, doch sie war erleichtert, dass er den Anstand besaß, die Stimme zu senken, als er sie erreichte, und seine Worte nicht durch die ganze Winkelgasse zu posaunen. Patricia nickte ihrem alten Fluchbrecher-Kollegen,  Alan Blynden, der sie neugierig musterte, zum Gruß zu. „ Geschäfte, Alan.“ erwiderte sie knapp und in einem Tonfall, der kein näheres Nachfragen zuließ, und verbarg das eben erworbene Paar Schuhe etwas tiefer unter ihrem Umhang. Ihr Gegenüber nickte wissend. „Ich habe auch noch allerlei Zeug von meiner letzten Mission in Nigeria in meinem Büro rumliegen. Muss aber erst noch untersucht werden.“ Er zwinkerte ihr verschwörerisch zu.
„Hast du meine Eule mit der Referenz für William Weasley erhalten?“ fragte sie ihn, um das Thema zu wechseln. Alan hob die Augenbrauen und nickte. „Ja. Klingt vielversprechend, obwohl noch seine UTZ abzuwarten sind. Du weißt ja, dass Gringotts nur die Besten nimmt.“ Patricias Mund verzog sich zu einem Grinsen. „ Wenn sie bei dir auch nur halb so anspruchsvoll gewesen wären, dann hätte deine Fluchbrecher –Karriere schneller geendet, als dir lieb gewesen wäre.“ Daraufhin lachte er und fügte ein „Tja, es können nicht alle so begabt und gerissen sein wie du, Patricia!“ hinzu. „Aber sag mal, was muss der Junge denn getan haben, damit er von dir eine Referenz bekommt?“ sagte er mit einem anzüglichen Grinsen. Patricia schnaubte. Dem dunkelhäutigen Zauberer, der unter ihrem Kommando bei Gringotts gestanden hatte und nun ihre Position als Leitender Fluchbrecher übernommen hatte, war sein Karrieresprung offenbar zu Kopf gestiegen, dass er sich nun ihr gegenüber solche Respektlosigkeit erlaubte. Er hatte sich immer schon deutlich mehr erhofft, als nur ihr untergeordneter Kollege zu sein, doch sie hatte ihn mehrmals  abgewiesen und in einem Duell ihre Position als seine Vorgesetzte deutlich gemacht. Mit einem Augenrollen überging sie seine doppeldeutige Anspielung  und gab mit einem vielsagendem Blick zurück: „Ich hatte schon immer ein Auge für Talent. Ich habe ihn in Hogwarts unter meine Fittiche genommen. Der Junge wird es weit bringen und Gringotts kann ausgezeichnete Fluchbrecher dringend gebrauchen, nun, wo ich nicht mehr da bin.“ Er beachtete den letzten Hieb, der ihm galt erst gar nicht, sondern erwiderte schlicht: „Ich verstehe. Vielleicht behalte ich das im Hinterkopf.“ Da Patricia keine sonderliche Lust hatte, sich weiter mit dem Zauberer zu unterhalten, verabschiedete sie sich rasch und machte auf dem Absatz kehrt, spürte aber noch den stechenden Blick des Fluchbrechers in ihrem Rücken.

Eigentlich hatte sie noch vorgehabt, bestimmte Zaubertrankzutaten in der Apotheke zu besorgen, doch während sie die Gasse entlang schritt, kam ihr ein böser Gedanke. Selbstverständlich hatte Patricia schon darüber nachgedacht, wie sie es Severus Snape an diesem Abend heimzahlen konnte, dass er sie in diesen Wahnsinn getrieben hatte. Und welche Idee wäre besser, als den Meister der Tränke mit seinen eigenen Mitteln zu schlagen? Sie hatte da einen ganz bestimmten Trank im Sinn. Sicher war es riskant, doch hatte sie sich schon immer ausgezeichnet im Brauen von Tränken verstanden und sie würde einen Weg finden, ihn unbemerkt in Snapes Getränk zu geben.  Er würde weder merken, was er da trank, noch dass sein Verderben aus seinen eigenen Zutaten entstanden war, denn Patricia hatte vor, sich einfach an seinem  persönliche Vorrat zu bedienen. Sie lächelte diabolisch. Diesen Abend würde der gute Severus in vielerlei Hinsicht nicht so schnell vergessen.

Wieder in Hogwarts nutzte Rakepick während der Mittagszeit die Abwesenheit Severus Snapes im Kerker, um sich Zugang zu seinem Lager zu beschaffen. Ihren Befürchtungen entsprechend war die Tür magisch kompliziert gesichert, um Schüler davon abzuhalten, heimlich Zutaten zu entwenden. Doch für die ausgebildete Fluchbrecherin stellte dies keine Hürde da. `Da hätte ich dir deutlich mehr zugetraut, Severus´ dachte sie schadenfroh, als sie ihren Zauberstab sinken ließ und sich die Tür mit einem Klacken öffnete. Mit einer guten Portion Löffelkraut und einigen Standardzutaten kehrte sie kurz darauf in ihr Büro zurück, wo sie sofort im Kamin mit dem Brauen begann. Patricia war heilfroh, dass sie Sickleworth in die Obhut von Professor Kesselbrand gegeben hatte, da sie ihm ansonsten heute nicht hätte gerecht werden können und das hätte eine gewaltige Zerstörung zur Folge gehabt. Sie hoffte inständig, dass Kesselbrand auch daran dachte, den Niffler am Abend in seinen Käfig zu sperren, wenn alle beim Sternenball sein würden. Doch bei dem kauzigen Zauberer konnte man nie wissen; schließlich war ihm letztens auch eine Chimära entwischt, bei deren Suche im Verbotenen Wald sie ihm noch behilflich sein musste.

Nach gut drei  Stunden war der Trank endlich fertig und sie konnte ihn zufrieden mit ihrem Werk in eine kleine Phiole füllen. Da es bis zu Beginn des Sternenballs glücklicherweise noch etwas Zeit war, entschied sie sich dafür, angefallene Schreibtischarbeit zu erledigen und den Unterricht für den kommenden Montag vorzubereiten, wobei sie sich dabei keine große Mühe gab. Oft entschied sie spontan, wie sie den Schülern ein Thema näherbringen konnte und wich dabei sowohl vom Lehrplan als auch vom Lehrbuch ab. Ihre Erfahrung und ihr Können übertrafen sowieso alles, was in diesen sinnlosen Büchern stand und sie bevorzugte es, die Schüler praktisch und direkt anzuleiten.

Als langsam die Dunkelheit begann, sich über Hogwarts auszubreiten, wurde es Zeit für Patricia Rakepick, sich für den Sternenball fertig zu machen. Ihre Motivation, einen Abend mit den anderen Professoren und ihren Schülern verbringen zu müssen, hielt sich immer noch in Grenzen, doch verspürte sie einen Funken Aufregung, den sie sich nicht wirklich erklären konnte. Es gab absolut nichts, weswegen sie aufgeregt sein sollte. Sie würde die Große Halle betreten, sich in eine Ecke stellen, sich das ein oder andere Getränk genehmigen, Anna Simon im Auge behalten und sich mit ihrem vorbereiteten Trank an Snape rächen. Dann würde sie die Auswirkungen genießen, dem guten Severus deutlich machen, dass sie in diesem Spiel immer die Oberhand behalten würde und den Ball verlassen, um sich wieder den wichtigen Dingen zuwenden zu können. In ihren persönlichen Räumlichkeiten kleidete sie sich um und stieg in das tiefrote Samtkleid ihrer Mutter, das dank ihrer Änderungen perfekt passte und ihre Figur umspielte. Zufrieden stellte sie fest, dass auch ihre Narben, außer an ihren Händen, bedeckt waren. Patricia schnürte die schwarzen Stiefeletten, die sie am Morgen in der Winkelgasse erworben hatte, fest, bevor sie in einer ihrer Truhen nach dem  Holster suchte, welches sie im Sinn hatte, um ihren Zauberstab zu verstauen. Es handelte sich um ein äußerst praktisches Modell, das man mit Schnüren am Unterschenkel befestigen konnte. Es hatte  ihr schon ausgezeichnete Dienste, insbesondere beim Schwimmen geleistet. Doch dann war da noch die Phiole mit dem Trank, die sie unbemerkt transportieren musste. Nach kurzer Überlegung und weil es die einzige Möglichkeit war, ließ sie sie schließlich mit einem selbstgefälligen Grinsen in ihrem Ausschnitt verschwinden.
Was ihre Frisur und ihre äußere Erscheinung anging, wollte sie auf keinen Fall zu viel Aufwand betreiben, daher rang sie sich dazu durch, ihre doch recht widerspenstigen Haare mit einer Bürste zu kämmen. Ihre Augen umrandete sie schwarz und zog ihren roten Lippenstift nach, was sie auch im Alltag tun würde. Es war die einzige Eitelkeit, die sie sich erlaubte. Außer ihrer Brosche, die das ägyptische Auge des Ra darstellte, besaß sie keinen Schmuck, daher entschied sie sich, diese am Kleid anzubringen und somit wenigstens einen Teil ihres üblichen Aufzuges zu bewahren. Als sie ihre Erscheinung prüfend im Spiegel betrachtete, dachte Patricia an ihren letzten Ball in Hogwarts zurück. Damals, vor 17 Jahren, hatte sie genau das gleiche Kleid getragen und ebenfalls trotz ihrer Abneigung gegen den Ball dieses seltsame, aufregende Gefühl verspürt. Sie schüttelte unwillig den Kopf. Damals hatte sie sich geschworen, nie wieder an so einer lächerlichen Veranstaltung teilzunehmen. Und hier stand sie nun im samtenen, tiefroten Abendkleid, das rote Haar fiel ihr ordentlich gekämmt in Wellen auf die Schultern, ihre blauen Augen waren schwarz betont und die Lippen geschminkt. Ein letztes Mal vergewisserte sie sich, dass ihr Zauberstab und die Phiole sicher verstaut waren, bevor Patricia Rakepick hoch erhobenen Hauptes und mit ihrer üblichen selbstsicheren Attitüde das Büro verließ.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast