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Samt und Sterne

GeschichteAllgemein / P12 / Gen
Albus Dumbledore Bill Weasley Jacobs Schwester / Bruder Merula Snyde Patricia Rakepick Severus Snape
11.10.2020
21.11.2020
8
21.968
2
Alle Kapitel
8 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
18.10.2020 2.177
 
So, und hier kommt wie versprochen der 2. Teil des heutigen Kapitels! Viel Spaß beim Lesen und lasst ein Review da:)

Disclaimer: Der Text entspringt mit Ausnahme der Idee des Sternenballs, die den Machern von Hogwarts Mystery gehört, meiner eigenen Fantasie. Charaktere und Handlungsorte gehören jedoch nicht mir und ich verdiene kein Geld damit.
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Ein Entschluss - Teil 2


Nachdem Patricia das Trainingsgelände verlassen hatte, machte sie sich widerwillig auf den Weg zu Dumbledores Büro. Es störte sie überhaupt nicht, dass sie viel zu spät zu dem wöchentlich stattfindenden Treffen der Professoren kommen würde. Diese Treffen betrachtete sie ohnehin als völlig sinnlos. Während sie mit langen Schritten die Korridore entlangging, stellte sie fest, dass die ihr entgegenkommenden Schüler ihr auswichen und sie schon fast etwas verängstigt anstarrten, was ihr dann doch ein schmales Lächeln auf die Lippen brachte. Sie wusste, wie viel Autorität und Stärke sie ausstrahlte und sie wusste auch, dass das auf manch einen durchaus furchterregend wirken konnte. Besonders, wenn sie schlechte Laune hatte.
Als sie den Wasserspeier, der den Eingang zu Dumbledores Büro  bewachte, erreichte, rollte sie mit den Augen, bevor sie der Statue ein entnervtes „Zitronendrops“ entgegenseufzte, worauf dieser die Treppe zu den Räumen des Schulleiters freigab. Als sie die Tür des großen runden Büros öffnete, wurde ihr bewusst, dass sie sich nicht getäuscht hatte. Sie war zu spät. Es waren bereits alle Professoren anwesend und waren in angeregte Gespräche verwickelt, das Treffen schien aber noch nicht begonnen zu haben. Als sie in den Raum trat, verstummten jedoch die meisten Gespräche und sie spürte die abfälligen Blicke von Rolanda Hooch und Minerva McGonagall, was sie mit hochgezogener Augenbraue und einem übertriebenen Lächeln in deren Richtung quittierte. „Sieh an, Sieh an, die berühmte Fluchbrecherin beehrt uns doch noch mit ihrer Anwesenheit!“ hörte sie die schneidende Stimme von Severus Snape, der nicht weit von ihr weg stand. Sie ignorierte ihn ohne Weiteres, doch ihre Stimmung sank augenblicklich in den Keller. Sie hatte sowieso schon wenig Lust auf dieses Treffen und konnte auf Snapes  dämliche Kommentare gut verzichten.  Professor Kesselbrand und Professor Flitwick, die ihr Erscheinen offenbar als einzige nicht bemerkt hatten, unterhielten sich über ein magisches Geschöpf, woraufhin Flitwick auf Kesselbrands Handprothese zeigte und beide in Gelächter ausbrachen. Patricia durchquerte den Raum und stellte sich neben die beiden, woraufhin Professor Trelawney einen Schritt zur Seite wich und nicht wagte, sie anzusehen.
„Ah, wie ich sehe, sind wir nun vollzählig. Ausgezeichnet!“ Professor Dumbeldore war von seinem Platz hinter dem Schreibtisch aufgestanden, umrundete diesen und trat zu den anwesenden Lehrern. „ Bevor wir mit der wöchentlichen Besprechung der Lehrpläne beginnen, würde ich gerne noch ein paar Dinge bezüglich des anstehenden Sternenballs in zwei Tagen besprechen.“ Während die anderen Lehrer zustimmend murmelten und Professor Flitwicks Augen wieder zu leuchten begannen, dämmerte es Rakepick. Sie hatte überhaupt nicht mehr an den Sternenball gedacht, geschweige denn, wann er stattfinden sollte. Aber eigentlich konnte ihr das egal sein, denn sie würde ja sowieso nicht hingehen. Insgeheim wünschte sie sich, noch später zu dem Treffen gekommen zu sein,  um sich nicht Dumbledores Geschwafel zu der Festlichkeit anhören zu müssen. Sie verschränkte die Arme vor der Brust und setzte einen gelangweilten Gesichtsausdruck auf, der ihr jedoch entglitt, als Dumbledore fortfuhr: „ Zunächst freue ich mich sehr, dass Sie alle, inklusive meiner Wenigkeit, den Sternenball mit den Schülern begehen werden. Ich denke, es wird ein ganz besonderer Abend für uns alle. Damit alles nach Plan läuft und die Schüler während des gesamten Abends beaufsichtigt werden, werden alle Professoren gebraucht. Aber ich bin überzeugt davon, dass der Abend auch genug Raum bieten wird, um sich zu amüsieren.“ Er zwinkerte in die Runde. Professor McGonagall klatschte erfreut in die Hände und nickte Professor Sprout zu, die neben ihr stand. Dumbeldore fuhr mit seiner Ansprache fort und erläuterte den Ablauf des Balles, doch Patricia hörte gar nicht mehr richtig hin. Hatte Dumbledore eben davon gesprochen, dass ALLE Professoren anwesend sein sollten und bestimmte Aufgaben zugewiesen bekamen? Sie hoffte inständig, sich verhört zu haben. Scheinbar ging der Schulleiter davon aus, dass sie selbstverständlich auch zum Ball erscheinen würde. Ihre Miene verfinsterte sich. Da wandte sich ihr Flitwick zu und flüsterte ihr erfreut zu: „ Also nehmen Sie doch am Ball teil, Patricia? Ganz großartig, Sie werden Ihre Entscheidung sicher nicht bereuen.“ Rakepick schaute ihn verständnislos  an. „Ich weiß nicht was Sie meinen, Filius. Ich habe nach wie vor nicht vor, am Ball teilzunehmen.“ fauchte sie, leider etwas zu laut . Alle Professoren drehten sich zu ihr um. Trotzig verschränkte sie wieder die Arme vor der Brust und erwiderte die erstaunten Blicke. „Professor Rakepick, das finde ich sehr bedauerlich.“ ergriff Dumbledore das Wort. Ihr Ausbruch schien ihn überhaupt nicht aus der Fassung gebracht zu haben, denn er sprach ruhig und mit seiner gewohnten Gelassenheit. „ Wie bereits gesagt, war ich eigentlich davon ausgegangen, dass ich auf alle meine Professoren zählen  kann und da Sie ja seit diesem Jahr erfreulicherweise zu diesem Kreis zählen, stellen Sie natürlich keine Ausnahme dar. Wollen Sie uns Ihre Gründe für Ihre Entscheidung verraten?“ fragte er. Seine Freundlichkeit brachte Patricia fast auf die Palme und sie hatte absolut keine Lust, sich vor ihm oder den anderen Professoren rechtfertigen zu müssen. Deswegen antwortet sie knapp und etwas bissig: „Nun, ich danke Ihnen natürlich sehr für die Einladung und sehe auch die Notwendigkeit meiner Anwesenheit bei der Veranstaltung, doch wie Sie ja sicherlich alle wissen, habe ich neben meiner Professur noch die Pflicht und Verantwortung, mich der Verwunschenen Verliese anzunehmen.“ Sie hörte Madam Hooch verächtlich schnauben und Professor McGonagall zog eine Augenbraue nach oben. Professor Sprout schaute sie anklagend an, so als ob sie ihr die Schuld geben würde, dass eine ihrer Schülerinnen immer noch in einem Porträt festsaß. Severus Snape sah sie aus dem Augenwickel an und sie glaubte, so etwas wie Schadenfreude in seinem Gesicht zu sehen. Doch erneut erhob Dumbledore die Stimme.
„ Da gebe ich Ihnen selbstverständlich Recht, Patricia. Jedoch haben alle Professoren neben dem Unterricht andere Verpflichtungen. Und ich glaube, dass Ihnen ein heiterer Abend etwas Abwechslung bringen würde. Also überlegen Sie es sich gut.“  Patricias Augen verengten sich zu Schlitzen. Wie konnte Dumbledore es wagen, so etwas vor aller Augen zu ihr zu sagen? So sprach man definitiv nicht mit der berühmten Fluchbrecherin, die sich in die Dienste von Hogwarts gestellt hatte. Man sollte ihr gefälligst dankbar sein und ihr bei allem was sie tat, möglichst freie Hand gewähren. Sie wollte schon zu etwas ansetzen, belehrte sich jedoch eines Besseren. Wütend zügelte sie sich selbst, bevor sie so ruhig wie es eben ging antwortete: „ Ich werde über Ihren Vorschlag nachdenken, Professor. Ich kann leider nichts versprechen und möchte mir diese Angelegenheit offen halten. Danke für Ihr Verständnis.“ Sie brachte ein falsches Lächeln zustande.

Zum Glück begnügte sich Dumbledore damit und fuhr mit der Planung des Sternenballs fort. Er erläuterte, dass die Dekorationen bereits am Freitagabend  vom Dekorationskomitee um Penny Haywood angebracht werden sollten. Der Abend selbst sollte um 20 Uhr in der Großen Halle zunächst mit dem Eintreffen aller Schüler und Lehrer beginnen und nach gewisser Zeit des Austausches untereinander mit einer Rede Dumbledores eröffnet werden. Anschließend war es vorgesehen, dass die Leiterin des Komitees mit ihrem Partner den feierlichen Eröffnungswalzer tanzen solle, woraufhin dann alle anderen ebenfalls Gelegenheit zum Tanzen bekämen. Im zweiten Teil des Abends würde dann die Rockband „Die Schwestern des Schicksals“ auftreten und den Schülern Raum zum ausgelassenen Feiern bieten. Essen und Getränke würden den ganzen Abend über angeboten werden.

Einige der Professoren stellten noch Fragen und nach einer kurzen Besprechung der Lehrpläne neigte sich das Treffen dem Ende zu. Patricia hatte es sehr eilig, aus Dumbeldores Büro zu verschwinden, wurde jedoch an der Tür von Severus Snape aufgehalten, der sich ihr in den Weg stellte und sie mit einem schmierigen Grinsen musterte. Sie sah ihn mit einem warnenden Blick an. „ Würdest du mich bitte vorbei lassen? Ich habe viel zu tun. Musst du nicht noch deinen Chemiebaukasten sortieren gehen?“ sagte sie betont gelangweilt, obwohl sie ihn innerlich verfluchte. „ Ich wollte dir nur mitteilen, dass es mich überhaupt nicht gewundert hat, dass du dich vor dem Sternenball drücken willst.“ feixte Snape.“ Zugegeben hätte  mich dein Erscheinen sehr überrascht. Nun, wir wissen beide, dass deine soziale Unfähigkeit der Grund ist.  „Oh, jetzt tu nicht so, als ob du selbst mit Freude an diesem verdammten Ball teilnimmst. Oder hast du etwa schon deinen Festanzug gebügelt und Lily Evans eine Einladung zum Date geschickt? Ach, wie konnte ich es vergessen. Sie hat ja diesen Potter geheiratet und ich jetzt leider tot.“ giftete sie zurück. Augenblicklich spürte sie, dass das Snape getroffen hatte, doch er ließ sich nichts anmerken, sondern erwiderte eiskalt: „ Sieh an, wie schnell du doch die Beherrschung verlierst. Eine schwache Leistung, Patricia. Ich drücke mich jedenfalls nicht vor einem läppischen Ball. Von der furchtlosen Fluchbrecherin hätte ich mehr erwartet.“ Ihre Hand wanderte zu ihrem Zauberstab. Was fiel dieser schmierigen Schlange ein? „Ich wüsste nicht, was dich meine Beweggründe angehen, Severus. Dieser Ball bedeutet mir rein gar nichts und ich habe genügend wichtigere Dinge zu erledigen. Oder hast du etwa gedacht, ich könnte es gar nicht erwarten, mit dir Walzer zu tanzen?“ zischte sie. Snape hob eine Augenbraue und Patricia fürchtete für einen kurzen Moment, dass das genau das war, was er insgeheim wollte, doch er überging ihre Stichelei einfach und sagte: „Entzückend, wie du dich rechtfertigst. Das kenne ich gar nicht von dir. Nun, deine offensichtliche Unsicherheit zeigt mir, wie Recht ich doch mit meiner Einschätzung hatte. Immerhin bleibt mir dann deine Anwesenheit auf dem Ball erspart. Und der Anblick dieser lächerlich mittelalterlichen Kluft.“ Mit diesen Worten blickte er an ihr herunter und wandte sich zum Gehen. Zurück ließ er eine vor Wut schäumenden Rakepick. Sie atmete tief ein und aus, immer noch fassungslos über das eben Geschehene. Hatte Severus sie gerade tatsächlich herausgefordert? Nun, das würde er bitter bereuen. Die Tatsache, dass Snape in dieser Unterhaltung das letzte Wort hatte, nagte an ihr. Patricia Rakepick hatte immer das letzte Wort. Um sich ihren Ärger nicht anmerken zu lassen, machte sie sich auf den Weg in ihr Büro, doch ihre Gedanken tobten. Wollte sie Snape die Genugtuung geben und nicht zum Sternenball gehen? Normalerweise hätte sie nichts und niemand von ihrer Entscheidung abbringen können und sie hätte niemandem irgendetwas beweisen müssen. Warum war es ausgerechnet der schwarzhaarige Tränkemeister, den sie schon seit ihrer Jugend kannte und mit dem sie stets eine hasserfüllte Rivalität verbunden hatte, der sie selbst zum Umdenken  zwang?

Patricia ärgerte sich über sich selbst, dass sie nicht standhaft geblieben war, was die Angelegenheit Sternenball anging. Severus Snape, war eigentlich die letzte Person, vor der sie sich hätte rechtfertigen müssen. Sie erkannte sich selbst nicht mehr wieder. Aus irgendeinem Grund hatte sie aber immer noch diesen bissigen Kommentar von Severus im Hinterkopf. Es machte sich geradezu rasend, dass er die Dreistigkeit besessen hatte, sie auf den Ball anzusprechen und ihr im selben Atemzug ihre soziale Unfähigkeit vor Augen gehalten hatte, und noch wütender, mehr auf sich selbst, dass er damit einen wunden Punkt getroffen hatte. Dass er es geschafft hatte, hinter ihre sorgsam aufgebaute Fassade zu blicken, was niemandem gelang, und sie dann schamlos damit zu konfrontieren. Nein, diese Genugtuung, ihre Person auf derartige Art und Weise in Frage zu stellen, würde sie ihm nicht geben. Ihr Ehrgeiz zwecks dieser Herausforderung war geweckt. Obwohl sich in ihrem Inneren alles dagegen sträubte, beschloss sie, zu diesem verteufelten Ball zu erscheinen. Sie hatte schon viel schwierigere Missionen bewältigen müssen. Sie würde Snape eines Besseren belehren und ihn auf dem Ball für diese Grenzüberschreitung bezahlen lassen. So wie in alten Zeiten. Grimmig biss sie die Zähne zusammen.

Die Sache hatte nur einen Haken. Die Kleiderordnung.  Dumbledore hatte die Frechheit besessen, während des Professorentreffens  noch einmal ausdrücklich auf die festliche Abendgarderobe hinzuweisen. Festliche Kleidung gehörte selbstverständlich zu den Dingen, die gänzlich Patricias praktischer Natur widersprachen und für die sie noch nie etwas übrig gehabt hatte. Doch angesichts der Tatsache, dass sie sich nun mehr oder weniger unfreiwillig dazu entschieden hatte, doch auf den Ball zu gehen und damit ihren persönlichen Stolz  zu wahren, musste sie wohl oder übel mitspielen. Und dazu gehörte auch die Kleidung. Kurz war sie versucht, einfach in ihrer normalen Alltagskleidung zu erscheinen. Aber selbst sie musste sich eingestehen, dass man ihren Umhang, ihre rote Tunika sowie ihre braune Garnitur aus Drachenleder nicht wirklich festlich nennen konnte. Aber wenn sie den Umhang weglassen würde… `Verdammter Mist! Dafür werde ich Snape umbringen.` dachte sie, als ihr plötzlich ein Gedanke kam. Und mit ihm die Erinnerung an den ersten und letzten Ball, an dem sie in ihrem Leben je teilgenommen hatte, damals, in Hogwarts. Auf ihrem Gesicht machte sich ein grimmiges Lächeln breit.  Unter den Kleidungsstücken in ihrem Besitz befand sich nur eine Sache, die man festlich nennen konnte und die einzige, zu der sie sich durchringen konnte, sie zu tragen. Doch dieses Objekt befand sich weit weg von Hogwarts, vergessen und zugestaubt in einer Truhe an einem Ort, den sie in den letzten Jahren nur selten aufgesucht hatte.
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