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Eine zweite Chance?

von Julirot
GeschichteRomance, Familie / P18 / Het
10.10.2020
22.07.2021
60
138.995
27
Alle Kapitel
437 Reviews
Dieses Kapitel
5 Reviews
 
 
22.07.2021 2.998
 
Guten Abend meine Lieben,

erst mal möchte ich euch von ganzem Herzen danken, dass ihr alle noch dabei seid und mir so wundervolle Reviews schreibt. Ich bin jedes Mal hin und weg.

Nun kommt das letzte richtige Kapitel. Dann kommt noch ein Zwischenstück, ein Gedicht und ein Epilog.
Und dann habe ich die Geschichte zu Ende erzählt.
Zumindest erst einmal. Denn ein paar outtakes stehen noch an. ;-)

Wer es noch nicht mitbekommen hat, ein neues Outtake habe ich diese Woche schon mal hochgeladen.
Hier ist der Link, wer noch reinlesen möchte.

Das-erste-Mal-im-Leben-Outtakes

Und wer mit mir mal wieder auf FF Abwege gehen möchte, der ist herzlich eingeladen auf einen One-Shot der Vampire Diaries.

Mit-allen-Sinnen

So, aber nun sollt ihr das neue, letzte Kapitel genießen.
Mein Tag war heute etwas doof. Erst ist ein Paket verschwunden und meine schönen Lesezeichen alle weg, dann fiel ein Blumentopf und mein Fahrrad hatte einen Platten. Irgendwie nicht mein Tag. Nun gut. Morgen wird alles besser.

In diesem Sinne: habt alle ein schönes We, bleibt gesund und bis nächste Woche hier an dieser Stelle.

Eure Juli

**********

Kapitel 38



Es war Freitag und endlich war es soweit. Ben durfte das Krankenhaus verlassen. Er saß auf seinem Bett und wartete darauf, dass der Arzt ihm das letzte Okay gab, bevor er dann für die nächsten vier Wochen in die Reha fahren sollte. Bis es allerdings am Montag so weit war, sollte er bei seinen Eltern unterkommen. Seine Mutter hatte darauf bestanden und keinerlei Widerrede geduldet. Sie wollte sich um ihn kümmern und Ben hatte schließlich kleinbeigegeben. Er wollte Klara den Gefallen tun. Schließlich hatte sie es in den letzten Wochen nicht leicht gehabt, seit sein Vater verhaftet und die Kanzlei auf den Kopf gestellt worden war. Er seufzte und zog dann den Reißverschluss seiner Reisetasche zu, in die er seine Sachen einfach hineingestopft hatte. Aufräumen konnte er später.
Es klopfte an der Tür, und er schaute erwartungsvoll hoch.
»Hallo Bruderherz«, sagte Dean und Ben lächelte.
»Du bist zu früh. Schwester Carola wollte es sich nicht nehmen lassen, mir persönlich auf Wiedersehen zu sagen«, witzelte Ben und wie aufs Stichwort, tauchte die resolute Oberschwester im Zimmer auf.
»Herr Sommerfeld, Sie sind ja immer noch hier«, rief sie und strahlte ihn an. Sie hatte ihn die ganzen sechs Wochen, in denen er hier gewesen war, begleitet und ihm fast jeden Wunsch von den Lippen abgelesen.
»Ich konnte doch nicht gehen, ohne meiner Lieblingsschwester Lebewohl zu sagen.« Ben hielt ihr seine Hand hin und sie griff danach, um sie zu drücken.
»Ich möchte echt nicht ‚auf Wiedersehen’ sagen, Herr Sommerfeld. Das wäre sicherlich nicht angemessen.«
Ben nickte und schaute dann zu Dean, der nun einen Strauß Blumen hinter seinem Rücken hervorzog und ihn Schwester Carola hinhielt.
»Oh, wie lieb von Ihnen«, flüsterte sie und man konnte sehen, wie sie leicht errötete. Ben hatte Dean gebeten, die Blumen zu besorgen, weil er sich wirklich bei den Ärzten und Schwestern, die ihm das Leben gerettet hatten, bedanken wollte.
»Und das hier ist von mir«, sagte Dean und reichte Schwester Carola eine Schachtel Pralinen. Sie hob die Hände vor den Mund und lächelte verzückt.
»Das wäre doch nun wirklich nicht nötig gewesen, meine Herren.« Sie nahm die Geschenke an sich und warf Ben noch einmal einen Blick zu, der zu sagen schien: ‚Wehe Ihnen, wir sehen uns allzu schnell wieder!’
Dann deutete sie auf den Rollstuhl, der schon bereit neben dem Bett stand und meinte:
»Und nun aber raus hier. Ich habe zu tun.«
Ben rutschte vom Bett und Dean war blitzschnell an seiner Seite, um ihn zu stützen. Doch Ben wehrte ihn ab.
»Lass mal. Ich bin doch kein alter Mann, auch wenn ich mich manchmal noch so fühle.« Dann setzte er sich brav in den Rollstuhl und Dean schob ihn zur Tür.
»Bye«, rief Ben noch einmal und sah, wie Carola schon geschäftsmäßig das Bett abzog, nicht ohne dabei immer wieder einen sehnsuchtsvollen Blick auf die Pralinen zu werfen.

                                                                                                      ***

»Unsere Mutter hat einen riesigen Topf Hühnersuppe gekocht«, sagte Dean, als er nun die Tür aufschloss und Ben ins Haus rollte. Der Rollstuhl würde noch ein paar Tage sein Begleiter sein, aber Ben hatte vor, ihn nur im Notfall zu benutzen.
»Ich habe es geahnt«, murmelte Ben vor sich hin und hievte sich auf die Füße, um sich die Jacke auszuziehen. Die Schuhe trat er von den Füßen und machte sich dann langsam auf den Weg ins Wohnzimmer. Dean schüttelte nur mit dem Kopf und räumte den Rollstuhl und seine Sachen beiseite. Dann folgte er seinem Bruder.
Ben betrat das Wohnzimmer und blieb einen Augenblick an der Tür stehen, um sich an den ungewöhnlichen Anblick zu gewöhnen. Dean war hinter ihn getreten und gemeinsam betrachteten sie die Szene, die sich ihnen bot. Auf der Couch saßen Haley, Amy und Klara und plauderten, jede ein Glas Sekt in der Hand. Auf einer Decke auf dem Boden spielten Lukas und Zoe friedlich mit Bausteinen und Autos und Lukas hatte offenbar die Vorzüge von Zoes Puppe entdeckt, deren Arme und Beine verdächtig schief hingen. Auf dem Sessel neben der Couch saß Martha, die Sekretärin aus der Kanzlei und hatte ebenfalls einen Drink in der Hand. Greta und Giovanni teilten sich das kleine Kanapee neben dem Klavier und lächelten sich an. Im Hintergrund lief leise Musik und aus der Küche drang ein verführerischer Duft nach Suppe und Kuchen. Ben schnupperte und drehte sich dann zu Dean herum.
»Apfelkuchen, würde ich sagen«, meinte der und legte seinem Bruder eine Hand auf die Schulter.
»So hätte es sein sollen«, flüsterte Ben und Dean flüsterte zurück:
»Ja, genauso. Aber vielleicht ist es ja noch nicht zu spät.« Seine Stimme klang melancholisch.
»Es ist niemals zu spät, Bruder«, sagte Ben und räusperte sich dann, um die Familie auf sich aufmerksam zu machen.
»Hi, Leute«, sagte er und alle Erwachsenen im Raum schauten hoch und sahen die beiden Männer da am Eingang stehen. Keiner regte sich. Es war schon beinahe gespenstisch still, bis auf die Quietschgeräusche, die die Kinder verursachten.
Klara erwachte als Erste aus ihrer Starre und sprang auf.
»Ben«, rief sie und umarmte ihren Sohn, drückte ihn an sich, so dass er wieder um seine Rippen fürchtete. Doch er ließ es geschehen. Er fühlte in diesem Moment die Liebe, die er so lange vermisst hatte. Und das tat so unendlich gut.
»Setz dich doch«, sagte Klara und reichte Ben die Hand. Sie warf Dean einen kurzen Blick zu und flüsterte ihm ein »Danke« entgegen. Dean lächelte und meinte dann:
»Ich geh mal nach dem Kuchen sehen.«
»Danke dir«, sagte Klara, während sie und Ben zur Couch gingen, wo sich Ben schwerfällig neben Amy niederließ. Dieser kurze Ausflug hatte ihn geschafft und er fühlte sich ein wenig schlapp. Amy beugte sich zu ihm und gab ihm einen Kuss, reichte ihm ein Wasser und meinte:
»Schön, dass du da bist.«
»Schön, endlich dem Krankenhausmief entkommen zu sein«, meinte er und trank einen Schluck.
»Ich freu mich, dass es dir bessergeht, Ben«, sagte Haley und stand auf. Sie küsste ihn auf die Wange und er lächelte sie an.
»Danke, Hal.« Und dann wandte er sich an Martha, die bis dahin geschwiegen hatte.
»Martha, es ist auch schön Sie zu sehen.«
»Ebenso.« Die Sekretärin lächelte und hob ihr Glas. Ben prostete ihr zu und lehnte sich dann zurück, um nach rechts zu schauen, wo Greta und Giovanni saßen.
»Ich freue mich, dass auch ihr hier seid.«
»Und wir erst«, meinte Greta und beugte sich zur Couch, um Ben liebevoll aufs Bein zu klopfen. Dabei lächelte sie ihr freundliches Greta-Lächeln und Ben fühlte sich sogleich heimisch. Sie war einfach eine großartige Frau und hatte ihm und Haley in den letzten zwei Jahren unglaublich geholfen. Er drückte kurz ihre Hand und atmete dann einmal tief durch, soweit seine Rippen das zuließen. Amy lehnte sich an ihn und er legte einen Arm um ihre Schultern herum.
»Ich danke euch für den schönen Empfang«, sagte Ben und alle nickten. Lukas hatte Ben entdeckt und kämpfte sich hoch, kam auf seinen wackeligen Beinchen angelaufen und warf sich gegen Ben.
»Komm her, mein Junge«, sagte Ben und zog das Kind so gut es ging auf die Couch, um ihn zu umarmen.

                                                                                               ***

»Alles okay bei dir?«, fragte sie und lehnte sich in den Türrahmen. Dean hatte Handschuhe an und war gerade dabei, das Blech Apfelkuchen aus dem Ofen zu holen, als sie die Küche betreten hatte. Er schaute sie an, und auf seinem Gesicht erschien jenes Lächeln, welches die kleinen Grübchen hervorbrachte, die sie so sehr liebte.
»Ja, alles okay«, bestätigte er und stellte das Blech auf den Tisch. Dann zog er sich die Handschuhe aus und lehnte sich gegen den Küchenschrank. Sie kam näher und blieb dicht vor ihm stehen.
»Du wirkst so ruhig«, meinte sie und griff nach seinen Händen. Er ließ es geschehen, konnte aber nicht umhin zu seufzen.
»Es ist nichts, Hal. Es ist alles in Ordnung. Mehr als das.« Jetzt sah er hoch und in ihre Augen. Grün traf auf Braun und wieder einmal schien die Zeit still zu stehen.
»Es ist eine neue Erfahrung für dich, Dean. Da ist es normal, dass du erst mal irritiert bist. Das braucht Zeit.«
»Woher weißt du?«, fragte er. Er hatte fragen wollen, woher sie wusste, dass dieses Familiending so unendlich wehtat, dass er nicht zuschauen konnte. Dass es in ihm Gefühle weckte, die ihn an früher erinnerten und dass es in ihm schmerzte, obwohl er glücklich darüber war.
»Dean«, sagte sie. »Ich kenne dich. Und ich liebe dich. Ich weiß, wenn dir etwas nahegeht.«
Er nickte und sie trat auf ihn zu, nahm ihn in die Arme und hielt ihn fest, bis irgendwann der Schmerz nachließ, der sich in seiner Brust gesammelt hatte. Bis er irgendwann wieder atmen konnte und bereit war, sich seiner Familie zu stellen. Seiner Familie, die er so lange vermisst hatte und die nun endlich eine echte Chance bekam.

                                                                                                   ***

Nach dem Essen hatten sie sich alle wieder ins Wohnzimmer zurückgezogen. Die Kinder spielten und Ben lag auf der Couch und genoss es, umsorgt zu werden. Amy hielt seine Hand und Klara saß daneben und schaute zu. Haley und Dean teilten sich den Sessel, denn Martha war inzwischen nach Hause gegangen, ebenso wie Giovanni und Greta, die noch in Giovannis Kneipe vorbeischauen mussten. Es war später Nachmittag und draußen wurde es dunkel. Es regnete und stürmte und alle waren froh, die Nacht über hier bleiben zu können. Klara hatte die Zimmer verteilt und Betten bezogen. Und während sie sich die letzten Stücke von dem Apfelkuchen schmecken ließen, kehrte wieder Stille ein.
»Guten Abend«, klang es da auf einmal von der Tür und alle schauten hoch. Keiner sagte ein Wort, alle starrten nur den Mann an, der soeben den Raum betreten hatte. Nicht wie sonst immer im Anzug mit Krawatte, sondern in Jeans und Rollkragenpullover, den Bart nicht korrekt abrasiert, sondern in kleinen grauen Stoppeln stehen gelassen.
»Frank«, rief Klara und stand auf, um zu ihrem Mann zu gehen. Man sah Frank an, dass er nicht wusste, was er sagen sollte. Das erste Mal in seinem Leben war er sprachlos. Und er fühlte sich unsicher. Sein Blick fiel auf seine Frau und seine Söhne und er musste sich zusammenreißen, um seine Tränen zurückzuhalten. Es war ein so ungewöhnliches Bild, sie alle hier friedlich nebeneinander zu sehen, dass es ihm beinahe körperlich wehtat.
»Wieso bist du hier?«, fragte Klara, die immer noch bewegungslos vor ihm stand
»Ich … ich darf bis zur Verhandlung zu Hause bleiben«, sagte er schlicht und strich sich durch die Haare. Alle starrten ihn weiterhin an und keiner sagte ein Wort, bis Lukas die Situation rettete.
»Opa, Apduchen«, rief der Kleine, lief auf Frank zu und hüpfte vor ihm auf und ab, während er ihm sein letztes Stückchen Apfelkuchen hinhielt. Frank beugte sich nach unten und hob Lukas hoch, setzte ihn sich auf die Hüfte und biss dann gehorsam von dem Apfelkuchenstückchen ab, das Lukas wahrscheinlich schon mehrfach in seinen Händchen hin- und hergedreht hatte. Doch Frank ließ sich nicht beirren, er aß tapfer alles auf und Lukas strahlte.
»Ich glaube, wir haben noch ein paar Sachen in der Küche zu erledigen«, sagte auf einmal Haley und kam auf Frank zu, nahm ihm Lukas ab und Frank blickte sie dankbar an. Amy war ebenfalls aufgestanden und nahm Zoe an die Hand, um dann zusammen mit Klara und Haley das Zimmer zu verlassen. Zurück blieben Frank, Dean und Ben.
»Willst du dich nicht setzen?«, fragte Ben schließlich und deutete auf die Couch neben sich. Frank nickte und ließ sich in die Polster sinken. Dean hatte sich aufgerichtet und beobachtete seinen Vater, bis der sich schließlich räusperte und dann die Hände auf die Knie legte.
»Dad«, sagte Dean und sein Vater schaute ihn an.
»Ich möchte mich bei euch entschuldigen, Jungs«, begann Frank dann und schluckte. »Nicht nur für das alles hier. Sondern auch dafür, dass ich früher nicht für euch da gewesen bin. Dass ich euch nicht beigestanden habe, als das mit eurer Schwester passiert ist und dass ich nicht für euch da war, als ihr mich später brauchtet. Dafür, dass ich euch nicht erklärt habe, was da passiert ist und dass ich, vor allem auch von dir, Ben, so viel erwartet habe, ohne dir etwas zu geben. Ohne dich allein entscheiden zu lassen und ohne dir die Wahrheit über Dean und seine Mutter zu sagen.« Er stoppte kurz und sah nun seinen Erstgeborenen an.
»Und dir, Dean, möchte ich auch sagen, dass es mir leidtut, dass ich damals so stolz war und dir nicht vertraut habe. Ich habe mich bemüht, aber es hat nicht gereicht. Ich habe als Vater versagt.«
»Hast du nicht … Dad«, flüsterte Dean und suchte den Blick seines Vaters.
»Wenn du nicht gewesen wärst, dann wäre ich heute nicht hier.« Er erinnerte sich daran, was Frank für ihn getan hatte, während der langen Jahre in Amerika und damals in London.
»Und wenn du nicht gewesen wärst, Papa, dann wäre ich kein erfolgreicher Anwalt und hätte nicht das Wissen, das ich heute habe«, warf nun Ben dazwischen. »Du hast mich stark gemacht für die Welt.«
»Das, was du getan hast, war sicherlich nicht richtig, aber du hast es für die Familie getan. Und du stehst zu deinen Fehlern und das ist die Hauptsache. Mehr verlangen wir nicht«, sagte Dean und Ben nickte. Frank schaute zwischen seinen Söhnen hin und her. Dann sagte er:
»Ich bin stolz auf euch.«

                                                                                             ***

Klara stand auf der Terrasse und schaute gedankenverloren in den Garten. Die Lampe am Haus spendete nur ein wenig Licht, aber es reichte aus, um die Umrisse zu erkennen. Es war kalt, aber inzwischen hatte sich der Regen verzogen. Sie wickelte ihre Strickjacke fester um ihren Körper und seufzte.
»Immer wieder schön hier, oder?«, flüsterte es in ihrem Rücken und sie zuckte leicht zusammen. Frank war hinter sie getreten, legte nun seine großen starken Arme um sie herum und hüllte sie mit seiner Wärme ein. Sie legte den Kopf in den Nacken und ließ sich von ihm festhalten. Ein Gefühl von Geborgenheit stellte sich augenblicklich ein.
»Was wird nun passieren?«, fragte sie in die Nacht.
»Ich stelle mich meinem Prozess und gebe die Anwaltslizenz ab. Ich gehe davon aus, dass ich sehr viel Geld nachzahlen muss und eine hohe Strafe bekomme.«
»Es ist mir egal, das Geld«, sagte sie.
»Mir auch«, sagte er. Und das erste Mal in seinem Leben meinte er es auch so. Geld konnte ihn nicht glücklich machen. Nicht mehr. Endlich hatte er etwas gefunden, was er mehr brauchte, als die Kontrolle. Eine Familie.
»Wirst du ins Gefängnis kommen?«, fragte sie und spürte, wie seine Arme sich etwas fester um sie herumschlangen.
»Wahrscheinlich wird es eine Bewährungsstrafe.«
»Das ist … gut«, flüsterte sie.
»Kannst du mir verzeihen?«, fragte er nun und drehte sie zu sich herum.
»Was verzeihen?«, fragte sie zurück.
»Dass ich dich im Stich gelassen habe.« Sie schaute ihn lange an. Sie hatte ihn gehasst deswegen. Weil er ihr nicht hatte helfen können, als sie ihr Kind verloren hatte. Weil er sie in ihren Augen im Stich gelassen hatte und sich lieber in die Arbeit geflüchtet hatte. Sie hatte ihm die Schuld gegeben, dabei wusste sie, dass niemand wirklich schuldig daran gewesen war. Sie hatte Frank Sommerfeld neben sich geduldet, hatte sich hinter ihm versteckt und irgendwann hatte sie sich gewünscht, dass er einfach verschwinden möge. Doch als er nun tatsächlich weg gewesen war, hatte sie ihn vermisst. Er war ein Teil von ihr, seit sie sich begegnet waren. Seit sie ihn gerettet hatte aus seiner Trauer um Deans Mutter. Und so konnte sie ihm das, was sie ihm nun sagte, mit absolut reinem Gewissen sagen:
»Ja, Frank, ich verzeihe dir.« Er beugte sich zu ihr herab und küsste sie das erste Mal seit vielen Jahren mit Liebe auf den Mund.
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