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What if...

Kurzbeschreibung
GeschichteLiebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Anthony J. Crowley Erziraphael
09.10.2020
09.11.2020
8
15.917
7
Alle Kapitel
16 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
09.11.2020 1.802
 
Hallo ihr Lieben,
und da ist es auch schon, das letzte Kapitel. Danke an die wunderbare Linda und die ebenso wunderbare Carthamus! Danke für eure lieben Rückmeldungen. Es macht immer so viel Spaß sie zu lesen.

Ganz viel Spaß <3
Kitty

Kapitel 8



Einige Zeit später schlenderten Crowley und Arziraphale tatsächlich auf ihrer üblichen Runde durch den St. James Park. Wie immer gaben sie ein recht ungleiches Duo ab. Groß und Klein. Hell und Dunkel. Schwarz und Weiß. Dennoch hatte sich etwas Grundlegendes verändert. Der Abstand, den beide früher immer eingehalten hatten, war nicht länger existent. Hand in Hand gingen die Beiden durch den Park, bis sie schließlich an einem Teich anhielten und auf das Wasser schauten. Wie selbstverständlich trat Arziraphale hinter Crowley, schlang seine Arme von hinten um den dämonischen Körper und lehnte sich mit seinem Körper an dessen Rücken. Crowley lehnte sich seinerseits gegen den kleineren aber nicht minder starken Körper hinter ihm und genoss die Wärme in seinem Rücken. Doch trotz des Gefühls endlich dort zu sein, wo er seit so langer Zeit hatte sein wollen, nagte die Unsicherheit an ihm. Das alles lief viel zu gut, als dass es wahr sein konnte. Er war ein Dämon, und das Glück war Dämonen im Allgemeinen nicht derart zugetan. Seinen letzten Versuch diese neue Situation für sich zu klären, hatte der Engel gestern Nacht recht kurz abgewiegelt und er selbst war derart überrumpelt gewesen, dass er sich nur allzu gern hatte ablenken lassen. Die Argumente des Engels waren aber auch sehr überzeugend gewesen. Crowley atmete tief durch. Die Tatsache, dass er mit dem Rücken zu Arziraphale statt, erleichterte ihm das Reden sehr.

„Ok, Engel, auch auf die Gefahr hin, dass ich mich in ein paar Minuten vermutlich selbst ohrfeigen möchte, muss ich trotzdem fragen. Was ist passiert? Vor ein paar Wochen fiel es dir mehr als schwer dir einzugestehen, dass wir Freunde sind und nun macht es dir nichts aus mich in aller Öffentlichkeit zu küssen und zu umarmen. Nimm es mir nicht übel, ich genieße das wirklich sehr, aber ist es das, was du willst? Geht dir das nicht ein wenig schnell?“, den kleinen Seitenhieb musste er seiner dämonischen Natur einfach zugestehen.

„Touché, mein Liebster. Das wirst du mir vermutlich bis in alle Ewigkeiten vorwerfen, oder? Nun ja, du hast natürlich Recht. Das muss alles sehr merkwürdig für dich sein. Ich möchte versuchen, mich zu erklären. Wollen wir uns setzen, ich denke, das könnte ein etwas umfassenderes Gespräch werden.“, sprach Arziraphale gedämpft in den Rücken des Dämons vor ihm. Und damit entließ er Crowley aus seiner Umarmung und leitete ihn zur nächsten freien Bank.

Wieder sahen sie auf den Teich. Arziraphale spielte leicht nervös mit seinen Händen, die in seinem Schoß lagen und er schien um einen für ihn geeigneten Anfang in die unumgängliche Konversation zu suchen. Manchmal verfiel er doch noch in alte Verhaltensmuster. Schließlich konnte Crowley es nicht mehr mit ansehen, nahm eine der himmlischen Hände und begann selbst zu sprechen. „Engel, es gibt nichts, weshalb du derart nervös sein müsstest. Ich möchte einfach nur sicher sein, dass das hier das ist, was du willst.“ „Oh, natürlich ist es das, was ich möchte. Ich glaube, wenn ich nun so im Nachhinein darüber nachdenke, möchte ich das hier vermutlich schon einen Großteil unserer gemeinsamen Zeit, auch wenn es lange nicht so deutlich gewesen ist. Mir selbst ist es sehr lange gar nicht wirklich klar gewesen. Ich meine, natürlich habe ich die Zeit mit dir immer sehr genossen, es war, ist immer so angenehm. Kein Verstecken meiner himmlischen Herkunft, meines Wesens, der Tatsache, dass ich seit 6000 Jahren auf dieser Erde bin. Aber bis vor nicht allzu langer Zeit dachte ich, dass das, was ich fühle, wohl nur meine übliche Liebe für alles Lebende ist. Du weißt, dass ich ein Wesen der Liebe bin, es liegt in meiner Natur zu lieben. Vielleicht habe ich es auch nicht wahrhaben wollen, dass es bei dir anders ist. Vielleicht war ich mir auch zu sicher, dass du nichts Ähnliches zu fühlen in der Lage sein kannst und habe es deswegen einfach ignoriert.“, er fuhr sich mit der freien Hand über die geschlossenen Augen und nutzte die Zeit, um sich ein wenig zu sammeln. „Aber spätestens nach unserem Intermezzo in der Kirche, als du dich selbst der Gefahr der geheiligten Umgebung ausgesetzt hast, um mich zu retten, konnte ich es vor mir selbst nicht länger leugnen.“, er lachte ein wenig nervös, „weißt du eigentlich, wie erleichtert ich war, als du plötzlich durch den Kirchengang getanzt kamst?“ „Pff, ich bin nicht getanzt. Dämonen tanzen nicht. Ich bin wie ein todbringendes Ungetüm darin gestürmt und habe diesen Stümpern den Marsch geblasen.“, echauffierte sich Crowley und Arziraphale schmunzelte bei den Worten des Dämons. „Natürlich, mein Liebster, ein todbringendes Ungeheuer. Wie dem auch sei. Ich stand also dort in den Ruinen dieser Kirche und ich hätte diesen Umstand betrauern sollen, es war immerhin ein Haus unserer Herrin, das dort der Zerstörung anheimgefallen war. Aber alles, woran ich denken konnte, warst du. Du, wie du in diese Kirche hinein kamst – du sahst im übrigen wirklich hervorragend aus. Diese Zeit stand dir wirklich ausnehmend gut. Du, wie du diese furchtbaren Menschen zur Räson gerufen hast. Du, wie du mit einem Wunder dafür gesorgt hast, dass wir makellos zwischen den Trümmern stehen blieben. Und schließlich, Du, wie du meine Bücher gerettet hast, als wäre es nichts. Oh Crowley, ich stand in Mitten dieser kläglichen Reste einer Kirche und alles, woran ich dachte war ein Dämon. Ich fühlte mich wie die größte Enttäuschung meiner gesamten Zunft. Und du hättest es mir so leicht gemacht, wenn ich nur gekonnt hätte. Als wäre es das normalste auf der Welt, dieses Angebot anzunehmen.

Aber ich konnte es nicht. Zu groß war die Angst vor einer Entdeckung. Mir war klar, dass ich, mit etwas Glück, mit einer deftigen Abmahnung davon gekommen wäre, aber du hast mir mehr als deutlich gemacht, dass deine Abteilung sich nicht mit rüden Mitteilungen zufrieden gibt. Und mir war klar, dass du dich von einer solchen Erklärung nicht hättest aufhalten lassen. Seien wir ehrlich, du kannst ziemlich dickköpfig sein, wenn sich etwas in diesem hübschen Kopf eingenistet hat. Also sah ich es als einzige Möglichkeit, dich auf Abstand zu halten.“ Ein Schnauben unterbrach ihn. „Du hast das getan, weil du Angst hattest, dass die Hölle mir selbige heiß machen könnte? Oh Mann, wir hätten Möglichkeiten finden können, um uns zu schützen. Alpha Centuri soll zu jeder Jahreszeit sehr schön sein.“, insistierte Crowley. „Crowley, Liebster, dein Galgenhumor ist im Allgemeinen sehr amüsant, aber wir wissen beide, dass das keine Option zu diesem Zeitpunkt gewesen ist. Und um ehrlich zu sein, war das Ganze auch nicht ganz einfach für mich. Ich war nicht darauf vorbereitet, dass ich mich mit sowas konfrontiert sehen könnte. Wir sind übernatürliche Wesen, so etwas sollte uns nicht passieren. Aber offensichtlich sind wir überaus lausige Exemplare unserer Spezies. Du weißt wie sehr die da oben auf die Einhaltung von Regeln achten, es fiel mir nicht leicht dieses Bedürfnis zu überwinden.“

„Was hat deine Meinung geändert, Engel?“, wollte Crowley wissen. „Ich bin nicht sicher, aber ein wichtiger Meilenstein war, dass beide Abteilungen keinerlei Skrupel hatten uns zu eliminieren. Und als ich dort in dieser Badewanne saß, dein Todesurteil entgegen nahm und plötzlich Gabriel sah, die das Weihwasser, welches dich zerstören sollte, in die Hölle brachte. Sie arbeiteten zusammen, um uns los zu werden. Wie sehr kann man denn sinken, wie sehr kann man die Prinzipien, die man predigt, verraten? Und während ich dort im Weihwasser planschte und versuchte so beeindruckend zu sein, wie du es normalerweise bist, habe ich für mich entschieden, dass es dann wohl keinen Grund mehr gibt Regeln zu befolgen, die von denen gemacht wurden, die die selbigen nicht einhalten.“ „Du findest mich beeindruckend?“, hakte Crowley nach und wackelte mit den Augenbrauchen hinter der dunkeln Sonnenbrille.

„Crowley, ich versuche mich hier zu erklären und du machst Unfug. Das macht es mir nicht gerade leicht. Und ja, ich finde, du trittst sehr beeindruckend auf. Aber nun zurück zum ursprünglichen Thema. Nachdem wir unsere Körper wieder getauscht hatten, sah ich eigentlich keinen Grund mehr, dich auf Abstand zu halten, aber irgendwie wusste ich nicht recht, wie ich diesen Umstand ändern sollte. Bisher warst du immer derjenige, der mutig war, du hast die ersten Schritte getan. Und ich konnte einfach zustimmen. Du hast es mir immer so einfach gemacht.“ „Stop, Engel. Das stimmt so nicht. Erinnerst du dich an Rom? Dort hast du mich zum Austernessen eingeladen. Du warst es, der mir diese Auster in den Mund geschoben hast. Und da sag‘ nochmal jemand, dass Dämonen die Kunst der Verführung beherrschen…“, unterbrach Crowley den Engel, der infolge der Worte leicht errötete. „Ich weiß, ich weiß, das war nicht gerade eine meiner Glanzstunden, aber ich war so euphorisch ob dieser geschmacklichen Besonderheit und wollte, dass du die Austern auf jeden Fall probierst. Ich habe mich vom Moment mitreißen lassen. Entschuldige, das war nicht angebracht.“, Arziraphale schlug die Augen nieder, nur um sekundenspäter eine Hand unter seinem Kinn zu spüren. „Engel, das war vielleicht nicht unbedingt eine Sternstunde in Bezug auf das typische Verhalten von denen da oben, aber du warst wundervoll. Du warst so betörend in diesem Moment. Ich musste wirklich meine gesamte Beherrschung sammeln, um nicht weiter zu gehen. Deine Hand so nah an meinem Mund. Ich wollte sie küssen. Und… “, verlor sich Crowley in seinen Gedanken und küsste die Hand des Engels, so wie er es vor ein paar Tausend Jahren schon hätte tun wollen. Der Engel gluckste fröhlich auf. „Du bist ein unverbesserlicher Charmeur, Crowley. Jedenfalls wusste ich nicht so recht, wie ich nach unserem Rücktausch mit den neuen Informationen umgehen sollte. Du weißt, dass es mir manchmal etwas schwer fällt, mich an neue Gegebenheiten zu gewöhnen. Also ließ ich alles so, wie es war. Aber als ich dann gestern in diesem Zugabteil sah und dich am Bahnsteig stehen sah… es brach mir das Herz und ich wusste, dass ich nicht zurückkehren wollte in diese übliche Art des Umgangs, den wir miteinander pflegten. Es tut mir leid, wenn ich dich überrumpelt habe. Und ich würde es sehr gut verstehen, wenn du jetzt sagen würdest, dass es dir zu schnell geht.“, endete Arziraphale schließlich sein Geständnis.

„Oh Mann, Engel, ich bin hier definitiv nicht derjenige, der mehr Zeit braucht. Um ehrlich zu sein, kann es mir gar nicht schnell genug gehen“, grinste er den Engel offen an. „Aber eine Sache noch.“ „Alles, mein Liebster.“ „Keine Geheimnisse mehr, sperr‘ mich nicht aus, wenn du unsicher bist. Und keine Ausflüchte.“ Arziraphale sah Crowley in die Augen. „Nein, mein Liebster. Keine Geheimnisse, keine Ausflüchte, kein Zurück.“  Und um dieses Versprechen zu untermauern küsste er den Dämon ein weiteres Mal. „Und nun komm, mein Liebster. Die Ewigkeit wartet auf uns.“  



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