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What if...

Kurzbeschreibung
GeschichteLiebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Anthony J. Crowley Erziraphael
09.10.2020
09.11.2020
8
15.917
8
Alle Kapitel
16 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
09.10.2020 1.074
 
Hallo ihr Lieben,
so schnell kann es gehen. Die Muse ist nach wie vor am Start und das soll natürlich nicht ungenutzt bleiben. Ich habe einen kleinen Vorsprung herausgearbeitet und hoffe, dass das so bleibt und ich regelmäßig updaten kann.
Wie immer freue ich mich sehr über eure Einschätzungen, Ideen, Anmerkungen.
Lasst es euch gut gehen und habt viel Spaß.
Kitty


Was wäre, wenn…? Unzählige Male hat er sich diese Frage bereits gestellt. Was wäre, wenn…? Was wäre, wenn er seinem Begehren nachgegeben hätte? So viele Male hätte er die Grenze übertreten können, aber er hat es nie getan. Aber nur, weil er den Schritt nie gewagt hatte, hieß das nicht, dass er es sich nicht vorgestellt hätte.

Und so war es auch heute Nacht. Die fünfte Flasche Wein war bereits ihrer Bestimmung zugefügt worden und die leeren Flaschen rollten über den Boden, als Crowley sich kurz erhob, um die nächste Flasche aus der Küche zu holen. Der Option, sie herbei zu wundern, war er sich in seinem etwas vernebeltem Geist offensichtlich nicht mehr bewusst. Sein Gang war weniger federnd, die Hüften weniger ausladend. Die Bewegungen wirkten bewusst kontrolliert. Der Wein forderte von seinem irdischen Körper bereits ein wenig seinen Tribut, aber Crowley hielt seinen Zustand noch für ausbaufähig. Und so kehrte er kurz darauf mit einer neu geöffneten Flasche Wein zurück auf sein Sofa, ließ sich darauf fallen und füllte das Weinglas auf dem Tisch vor ihm randvoll. Halb sitzend, halb liegend prostete er dem Nichts vor ihm zu und nahm einen großen Schluck.

Ursprünglich hatte er vorgehabt heute Abend mit Arziraphale zum Dinner ins Ritz zu gehen. Eine Tradition, die sich seit der Fastokalypse wie von selbst zu einer wöchentlichen Institution entwickelt hatte. Aber diesmal hatte der Engel ihr Treffen recht kurzfristig abgesagt.

Crowley hörte noch das tiefe Bedauern in der Stimme des Engels, als dieser ihm eröffnet hatte, dass er sehr spontan nach Glasgow müsse. Dort sei ein Sammler besonders seltener Bücher ansässig, der ihm ein Angebot offeriert habe, dass er sich definitiv näher anschauen müsse. Und so war der Engel gen Glasgow aufgebrochen, nachdem Crowley es sich nicht hatte nehmen lassen, ihn zum Bahnhof zu fahren und nun saß dieser in seiner perfekt designten Wohnung in Mayfair und wusste nicht so recht wohin mit sich. Glücklicherweise hatte der Engel nicht mehr mitbekommen, dass Crowley noch lang am Bahnsteig gestanden hatte und dem fortfahrenden Zug nachgeblickt hatte. Er benahm sich definitiv wie ein liebestoller Idiot. Aber nach dem er den Engel beinahe zweimal hintereinander in nur wenigen Stunden verloren hatte, hatte sich sein Beschützerinstinkt geradezu possessiv gesteigert. Sowohl die Entkörperung Arizraphales als auch das Zusammentreffen mit den vier apokalyptischen Reitern und dem Herrn der Hölle höchstpersönlich hatten tiefe Wunden in der dämonischen Seele hinterlassen, die er zwar selbst unter Folter noch verneint hätte, aber sein Handeln straften seinen Worten Lüge. Und trotz allem hatte er es bisher nicht über sich gebracht und einen weiteren Versuch gestartet ihre Beziehung auf eine andere Ebene zu bringen. Weder der dämonische Stolz noch das Herz waren auf die Möglichkeit einer weiteren Zurückweisung vorbereitet und daher wartete, hoffte er darauf, dass sich die Situation aufgrund anderer Umstände zu seinen Gunsten änderte.

Und so saß er dort und tat das, was an solchen Abenden irgendwann zwangsläufig geschah. Er dachte nach. Dachte nach, über die letzten 6000 Jahre mit dem Engel hier auf Erden und fragte sich immer wieder dieselbe Frage: Was wäre, wenn…?



*****


Das erste Mal er bewusst darüber nachgedacht hatte, was sein könnte, wenn er nun die Grenze zwischen ihnen beiden übertreten würde, war durch ihr Treffen in Rom ausgelöst worden.

Sie hatten sich völlig zufällig in einer Taverne getroffen, diesmal war es das wirklich noch gewesen, später hatte sie zwar das Deckmäntelchen des Zufalls weiter aufrecht erhalten, aber wenn sie ehrlich waren, waren ihre Treffen schon lange keine Zufälle mehr gewesen. An diesem Abend waren sie aber wirklich zufällig aufeinander getroffen. Und Arziraphale hatte es sich damals nicht nehmen lassen, ihn die die kulinarische Welt der Austern einzuführen.

Nicht dass sich Crowley unglaublich viel aus den Genüssen der Menschen, jenseits des Alkohols, machte, ganz im Gegensatz zum Engel, aber hatte er sich überreden lassen, gemeinsam Austern essen zu gehen. Und er hatte es definitiv nicht bereut.

Selten hatte ihn ein Anblick derart gefesselt, wie dem Engel beim Austernessen zuzusehen. Das genießerische Schließen der Augen, der verzückte Mund, die bezaubernde Stimme, die ihn davon überzeugen wollte, doch auch endlich eine Auster zu versuchen. Und irgendwann, als genug Wein geflossen war, hatte Arziraphale einfach einer der geöffneten Austern an den Mund des Dämons geführt. Dieser nahm das Angebot etwas überrumpelt an und sah, während er aus der Hand des Engels aß, tief in die blauen Augen und konnte nicht anders, als darüber nachzudenken, die salzigen Tropfen, die an den Fingern des Engels hinabliefen mit seinen Lippen aufzunehmen. Er meinte die warme, seidenweiche Haut des Engels unter seinen Lippen zu spüren, wenn er sich langsam den Weg zu dem blassen Handgelenk hinunter küssen würde. Er würde den Arm der Toga ein wenig nach oben raffen müssen. Die goldenen Augen hätte er währenddessen die ganze Zeit auf den Blick des Engels gerichtet, wollte er doch sicher gehen, dass der Engel es genießen würde. Er sah vor seinem inneren Auge, wie die blauen Augen irgendwann genießend geschlossen würden und der blonde Schopf in den Nacken fallen würde. Ein leises Stöhnen auf den himmlischen Lippen.

In diesem Moment hatte sich Crowley resolut verboten diese Gedanken weiterzuführen und war in die Realität zurückgekehrt. Sie waren gefährlich, für ihn selbst aber auch für den Engel vor ihm. Dieses übernatürliche Wesen, gemacht aus reiner Liebe und Güte, könnte nicht weiter entfernt sein, von den verwerflichen Dingen in den Gedanken des Dämons und so sollte es auch bleiben. Was auch immer Arziraphale dazu bewogen haben mochte, einen Dämon mit einer Auster zu füttern, das, was Crowley gerade durch den Kopf gegangen war, war es definitiv nicht gewesen. Und so hatte er den Moment vergehen lassen und sein Verlangen sehr weit in die tiefsten Kerker seiner Gedanken gesperrt.


Selbst jetzt, mehr als 5000 Jahre später, fühlte er das Verlangen an seinem Inneren zupfen, wenn er an diesen Abend dachte und er war sich, jetzt im Nachhinein betrachtet, nicht mehr sicher, ob er sein historisches Ich ohrfeigen sollte, weil es die Gelegenheit nicht genutzt hatte, oder beglückwünschen sollte für so viel Selbstbeherrschung. Er fand keine zufriedenstellende Antwort auf diese Frage und gab es schließlich auf.
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