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Schleichendes Gift

GeschichteAbenteuer, Humor / P12 / Gen
Grüner Ritter Roter Ritter
08.10.2020
08.11.2020
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08.10.2020 2.871
 
„Also im nationalen Vergleich schneidet Rektor Schildmann nicht mehr so gut ab wie noch vor drei Jahren. Seine Leistung hat sich klar verschlechtert. Ich finde, das merkt man auch deutlich. Früher soll er ja mal ein großartiger Organisator gewesen sein, aber kann man das heute noch wirklich von jemandem behaupten, der einfach mal zwei Klassen zusammenlegt, weil ein Lehrer ausgefallen ist? Nein! Kann man wohl nicht. Es waren nicht mal genug Plätze für alle da und wer soll bei diesem Gedränge schon ordentlich lernen können? Und dann diese Idioten im Unterricht. Also zum Beispiel Dark Vader, der ist so ein Bekloppter. Vorhin bespuckte er unseren Lehrer hinterrücks mit Papierkügelchen und als der sich dann zur Klasse umdrehte, wollte er es natürlich nicht gewesen sein. So was Verlogenes. Und was das Schlimmste ist, die anderen haben ihn auch noch gedeckt. Keiner wollte sagen, dass er es war, das war ja mal wieder so klar! Die hatten ganz einfach Angst, dass er sie später zusammenschlägt. Klar, Dark Vader ist ein kräftiger Typ, wer will da schon gerne unter die Räder kommen? Aber es geht doch auch ums eigene Gewissen. Irgendjemand musste aufstehen und für Gerechtigkeit sorgen und da ich mir seine Mätzchen schon lang genug angesehen habe, war ich das natürlich. Aber diese Ratte hat es dann so hingedreht, als wenn ich es gewesen wäre und ich ihn als Sündenbock missbrauchen würde. So ein Quatsch, aber einige andere haben ihm zugestimmt, weswegen der Lehrer ihm mehr glaubte als mir. Verlogenes Pack! Nur, weil ich niemanden zu Klump schlage… Da will man nett sein und anderen helfen, aber neeeeein, nachher ist man auch noch der Dumme. Es geht wirklich bergab mit dieser Schule. Die Schüler nennen die Ritterschule ja schon Idiotenbunker. Unfassbar, oder? Aber wenn man es genau nimmt, vielleicht ist das gar nicht so weit von der Wahrheit entfernt. Idioten sind das in meiner Klasse. Ja, genau! Es ist so, wie ich es sage. Es sind Idioten. Wer sich so verhält ist nichts anderes. Als dann auch noch David, unser Klassensprecher, dieser arrogante Arsch, aufgestanden ist und behauptet hat, ich wäre der Unruhestifter, da hat Lehrer Heinrich ihm natürlich geglaubt. Er glaubt irgendwie das meiste, was David sagt. Dabei ist das so ein arrogantes, scheinheiliges Großmaul. Vielleicht ist es ja auch wegen seiner Familie. Die von Bienenbaum sind ja alle solche Schnösel, habe ich gehört, aber Einfluss haben sie, ist ja mal wieder typisch. Nur weil jemand aus einer wichtigen Familie kommt und Geld hat, wird er bevorzugt. Wer hat, der kriegt. Ungerechte Welt. Ist doch so. Ich hab hier noch nie jemanden hereinspazieren sehen, der aus der Unterschicht kommt. Alles Adlige. Natürlich, gibt ja hohe Schulgebühren, dass kann sich ja sonst kaum einer leisten, aber dennoch. Ich hab mir sagen lassen hin und wieder hätten einige reiche Kaufleute versucht eines ihrer Kinder hier auf diese Schule zu schicken, aber sie wären abgewiesen wurden, weil sie ja nicht adelig seien. Ist wohl das oberste Kriterium, um ein Ritter zu werden, oder was? Das finde ich nicht richtig. Es kann doch auch bei dem Fußvolk anständige Leute geben, die zu was taugen. Aber auf mich hört ja keiner. Als ich darüber letzte Woche in der Stunde geredet habe, wollte mir zuerst keiner zuhören und dann haben sie mich auch noch ausgelacht, so als ob es witzig wäre, was ich sage. Das ist doch ein Missstand, jawohl! Da muss was gegen getan werden, aber damit anfangen wollte natürlich wieder niemand. Alles Waschlappen. Aber ich nicht, ich hab was gesagt und bin aufgestanden für die kleinen Leute. Irgendwer muss es ja tun und außer mir macht es ja keiner. So war es auch heute. Ich bin für die Gerechtigkeit eingetreten, aber was hab ich dafür bekommen? Einen Arschtritt. Es ist einfach nicht fair. Ich dachte es gehört zu den Rittertugenden für andere einzustehen, aber neeein, darüber lernt man hier ja mal wieder nichts. Nur so unnützes Zeug wie das Wehrrecht, Latein, oder das Studium der Bibel. Die Wappenkunde ist immerhin einigermaßen interessant. Vor zwei Wochen sollte jeder sein Wappen vorne zeigen und erklären wofür es steht und was es bedeutet. Ich finde ja, ich hab den besten Vortrag abgeliefert. Bis ins kleinste Detail hab ich erklärt was die Libelle im Vordergrund, das grüne Thal und die grauen Berge im Hintergrund zu bedeuten haben. Wirklich, genauer hätte ein Vortrag gar nicht sein können, aber hat sich nach den Anderthalbstunden jemand bei mir bedankt? Nein! Natürlich wieder nicht. Stattdessen haben sie nach der ersten Dreiviertelstunde angefangen dazwischenzurufen und zehn Minuten später hat selbst der Lehrer damit angefangen. Kann sich auch nicht entscheiden was er will. Vortrag oder nicht? Da musste ich einfach etwas lauter werden, bis sie endlich Ruhe gaben und es weiter gehen konnte. Unhöfliche Leute sind das und sowas geht an diese Schule, aber ich hab ja schon gesagt, dass das Ansehen hier stark gelitten hat. Die Ritterschule in der großen Wüste bei der Sandburg und die bei den Schneebergen haben einen deutlich besseren Ruf. Da gibt es nicht so laxe Anforderungen. Da darf nur hingehen wer auch wirklich will. Wer nur dumm rumsitzt, oder den Unterricht stört, fliegt da raus. Das ist ja auch richtig so. Kann doch nicht einfach jeder Ritter werden. Aber das liegt vermutlich an der derzeitigen Situation. Der Krieg von König Castle gegen König Stephan steht schlecht, da werden überall Ritter gebraucht und die Anforderungen fallen. Die Angriffe von König Stehpans Wyvern dünnen die östliche Frontlinie so stark aus, dass die Truppen von König Castle Schwierigkeiten haben die Stellungen zu halten, “ sagte Venom.
Er wusste nicht mehr wo, oder von wem er diese Neuigkeiten aufgeschnappt hatte, aber das war ja im Grunde erstmal egal. Wichtig war doch die Nachricht an sich.
„Krasse Sache. Man stelle sich mal vor, da kommen diese riesigen Viecher angeflogen und stürzen sich auf einen. Da hat man es doch selbst als Ritter schwer. Findest du nicht auch?“ fragte der junge Mann und ließ seinem Gegenüber so nach einer geschlagenen halben Stunde das erste Mal die Möglichkeit auch etwas zu sagen.
Es handelte sich um den Sekretär des Schuldirektors, doch der saß an seinem Schreibtisch und bearbeitete Dokumente. Dem großen, braunhaarigen jungen Mann, der so aussah, als hätte es ihm in seinem bisherigen Leben nie an gutem Essen gemangelt, hatte er schon nach kurzer Zeit nicht mehr zugehört. Er kannte diesen Schüler schon. Venom vom großen grünen Thal, war, so wie all die anderen Schüler hier, Anwärter auf den Ritterstand. Die Prüfungen waren erst vor ein paar Tagen abgelegt wurden. Würde er sie bestehen, würde er ein waschechter Ritter sein, weswegen die Vorladung zum Direktor ein echtes Problem darstellen konnte. Er hatte schon oft hier in diesem Vorraum gesessen, aber die Frage war, wann der Direktor genug von ihm hatte. Als Venom merkte, dass keine Reaktion kam, zuckte er mit den Schultern und sagte pampig: „Bitte, dann sag halt nichts. Wenn man nichts zu sagen hat, dann soll man eben die Fresse halten. Hat schon unser Hausmeister daheim immer gesagt. Das ist ein Typ, sag ich dir. Der wusste irgendwie immer alles. Was in anderen Ländern so vorgeht, wer mit wem Streit angefangen hat und auch über die Qualität von verschiedenen Waren wusste er immer Bescheid. War wirklich ein toller Gesprächspartner.“
Der Sekretär seufzte laut, weil er sich fragte wie lange er sich Venoms Gerede noch würde anhören müssen, da ging die Tür zum Büro des Direktors auf und der Schüler wurde aufgerufen. Auch der Sekretär stand auf und übergab dem Schuldirektor einen Brief mit einem Siegel, das Venom bekannt vorkam.
„He, der ist doch bestimmt von meinem Vater. Das ist sein Siegel“, sprach der junge Mann seine Gedanken laut aus.
„Sieht so aus“, sagte der Direktor kurz angebunden und sah verstimmt auf den Brief.
Einige Eltern konnten es einfach nicht lassen. Sie mussten sich unbedingt in seine Arbeit eimischen und ihre Macht und ihren Einfluss geltend machen. Der Schuldirektor ging zuerst ins Büro und Venom trottete hinter ihm her. Das Büro des Direktors war ein stickiger, hoher, mit dunklem Holz getäfelter Raum. Ein einzelnes Bücherregal stand hinter seinem massiven Eichenholzschreibtisch. Links und rechts gab es Fenster, die sogar verglast waren. Links neben der Tür hingen zwei gekreuzte Schwerter und ein Schild, auf dem das Wappen des Schuldirektors, der natürlich ebenfalls ein Ritter war, abgebildet war. Es war eine grüne Schildkröte auf türkisenem Grund.
„Setz dich!“ befahl Samson von Schildmann, ohne den Blick von dem Brief zu nehmen.
Er setzte sich an den Schreibtisch und sagte, ohne Venom anzusehen: „Dein Lehrer erzählte mir, dass du ihn mit Papierkügelchen bespuckt hast.“
„Das stimmt nicht! Es war Dark Vader! Er hat es heimlich gemacht, als der Lehrer ihm den Rücken zuwandte und als er sich umdrehte, tat er wie ein Unschuldslamm, dieser verlogene Hund. Deswegen bin ich aufgestanden, um die Wahrheit aufzuklären.“
„Ist das so?“ kam es vom Schuldirektor, der jetzt den Umschlag mit einem Brieföffner aufritzte. „Es gibt aber viele Zeugen, die sagen, dass du es warst.“
„Sie lügen! Sie haben nur Angst vor Dark Vader, weil er sie verprügelt, wenn sie nicht nach seiner Pfeife tanzen.“
Venom schilderte Haarklein was heute geschehen war und um seinen Schuldirektor auch richtig zu informieren erzählte er ihm auch von Dark Vaders früheren Schandtaten. Währenddessen las der Schuldirektor den an ihn adressierten Brief aufmerksam durch. An einer ganz bestimmten Stelle weiteten sich seine Augen erst und dann verfinsterte sich sein Gesicht. Venom bekam davon nichts mit, denn er erzählte gerade davon, dass Dark Vader ihn einst hinterhältig verraten hatte. Direktor von Schildmann las den Brief noch einmal, seine linke Hand verkrampfte sich zur Faust. In einem deutlich kühleren Ton unterbrach er Venom mit den Worten: „Nun gut, nun gut, ich glaube dir, dass du es nicht warst.“
Venom wirkte erleichtert.
„Du hast die richtigen Argumente gefunden“, sagte der Schuldirektor, obwohl es gar nicht so gewirkt hatte, als hätte er seinem Schüler wirklich zugehört. „Ich werde noch mal mit deinem Lehrer reden.“
Venom freute sich. Endlich hatte es mal etwas gebracht hier zu sein und es auszudiskutieren. Sonst hatte der Rektor ihn immer der Schuld bezichtigt. Doch diesmal hatte er gewonnen. Die Gerechtigkeit hatte gesiegt.
„Gut, ich werde also nicht rausgeschmissen?“ fragte der Schüler, weil er sowas in der Art befürchtet hatte.
„Nein“, kam es zwischen zusammen gebissenen Zähnen vom Direktor. „Wirst du nicht.“
„Ach und wo ich schon mal hier bin… ist schon was zu meinen Prüfungsergebnissen raus? Habe ich bestanden?“ fragte der Schüler hoffnungsvoll.
Samson von Schildmann warf erneut einen kurzen Blick auf den Brief vor sich und sein Gesicht verzerrte sich. Es sah so aus, als ob er Schmerzen erleiden würde. Tief sog er die Luft ein. Der Moment zog sich scheinbar endlos dahin, dann stieß er die Luft wieder aus und erklärte, wobei sein linkes Auge zuckte: „Ja, du hast bestanden.“
Er zwang sich ein Lächeln ab.
„Oh, toll“, sagte Venom fröhlich. „Dann hat es sich ja wirklich gelohnt hierher zu kommen. Hast du mich deswegen her zitiert?“
Ein erneuter schwerfälliger Atemzug vom Schuldirektor, dann wieder ein gequältes Lächeln.
„Jaaaahh… Ich wollte, dass du es von mir persönlich hörst, weil du so ein besonderer Schüler bist.“
„Ach wie schön. Endlich ist das Glück wieder auf meiner Seite“, sagte Venom. „Ach, was steht eigentlich in dem Brief von meinem Vater drin?“
Ein erschrockener Ausdruck huschte durchs Gesicht des Rektors.
„Ach … äh… nur ein privates Schreiben. Dein Großvater hat eine gewisse Zeit zusammen mit mir gedient und er hat deinen Vater gebeten mir etwas in seinem Namen zu schreiben.“
Venom runzelte die Stirn.
„Aber Großvater kann doch selber schreiben.“
Der Rektor begann zu schwitzen.
„Jaaahhh, aber es fällt ihm nicht mehr so leicht. Er kann nicht mehr so gut sehen und da war es leichter, wenn jemand anders den Brief schreibt.“
„Aber warum hat er dann nicht seinen Schreiber damit beauftragt?“ wunderte sich Venom.
Der Schuldirektor stand auf und sagte gönnerhaft: „Willst du nicht all deinen Freunden erzählen, dass du die Prüfung bestanden hast? Nun geh schon und erzähl es ihnen!“
„Gute Idee“, sagte Venom, stand auf, indem er den Stuhl heftig nach hinten schob und dann das Zimmer verließ.
Ein Seufzen begleitete ihn nach draußen. Gedankenverloren schlenderte der junge Mann durch das altehrwürdige Schulgebäude. Endlich konnte er hier weg. Er musste nur noch die Zeremonie zum Ritterschlag abwarten und es konnte losgehen. Da fiel ihm ein, so richtig wusste er gar nicht was er danach machen wollte. Er hatte zwar seit einem Jahr Ritter werden wollen und er hatte sich oft den Tagträumen hingegeben wie er für einen gerechten König gegen Monster und böse Buben zu Felde ziehen würde, aber konkrete Pläne hatte er noch nicht. Er war irgendwie davon ausgegangen, dass ihm jemand sagen würde wo er sich dann hinwenden sollte.
„Das ist doch König Castles Ritterschule, oder?“ fragte Venom, als er das Zimmer erreichte das er zusammen mit seinem Stubenkameraden bewohnte.
Natürlich war dieser ebenfalls adelig. Es handelte sich um Thunder von Stutengard.
„Das fragst du jetzt? Nach einem Jahr?“ fragte der dünne, braunhaarige und bärtige junge Mann verwundert.
„Hm…“ machte Venom und guckte nachdenklich.
Sein Kamerad seufzte.
„Natürlich gehört diese Irrenanstalt König Castle und ehrlich gesagt bin ich froh, wenn ich die Prüfungen bestanden habe und endlich hier weg kann.“
„Ich hab bestanden“, sagte Venom grinsend.
Thunder bekam große Augen.
„Echt?“
„Ja, wirklich, hab es eben vom Direktor höchstpersönlich erfahren“, sagte der Ritter in spe stolz.
„Gut zu wissen, dann werde ich bestimmt auch bestehen.“
Thunder atmete laut aus.
„Und ich dachte, sie würden dich von der Schule schmeißen …“
„Ja, nicht wahr? Na die anderen werden sich schön umgucken, wenn ich ihnen sage, dass ich bestanden habe und es vor allen anderen weiß.“
Venoms Grinsen wurde breiter, doch dann verschwand es ganz plötzlich und er sah seinen Kameraden empört an.
„Du hättest dich ruhig auf meine Seite schlagen können, ich dachte wir sind Freunde.“
„Sind wir ja auch“, beteuerte Thunder. „Aber was hätte es schon gebracht, wenn ich dem Lehrer gesagt hätte wie es wirklich war? Er weiß ja, dass wir Zimmergenossen sind und würde denken ich halte nur deswegen zu dir. Außerdem hatte Dark Vader viel mehr Leute auf seiner Seite.“
„Du hast ja bloß Angst gehabt, dass er und seine Freunde dich deswegen zusammenschlagen könnten.“
Zuerst sagte Thunder nichts, dann zuckte er mit den Schultern.
„Naja, warum soll ich mich auch als Zielscheibe anbieten, wenn es eh nichts bringt?“
„Mir hätte es was gebracht. Oder bist du nur mein Freund, wenn es dir passt?“ wollte Venom wissen.
„Nein, natürlich nicht, aber man muss auch wissen, wenn eine Schlacht aussichtslos ist.“
Venom murrte. Das wollte er nicht hören. Er hatte sich mehr Zuspruch von seinem Freund erhofft. Der merkte wie die Stimmung war und sagte: „Jetzt wo es sicher ist, dass du zum Ritter geschlagen wirst, hast du dir bestimmt schon was ausgedacht, wo du danach arbeiten willst, oder?“
„Deswegen hab ich ja gefragt, ob das König Castles Schule ist. Wenn wir es ihm zu verdanken haben, dass wir Ritter geworden sind, wäre es doch nur gerecht sich in seinen Dienst zu stellen, oder?“
„Hm… vermutlich“, sagte Thunder. „Aber was ist mit dem Krieg gegen König Stephan? Willst du dich wirklich gleich in so gefährliche Kämpfe stürzen?“
Nachdenklich wiegte Venom den Kopf hin und her.
„Naja, ich könnte mir denken, dass es so eine Art Einweisung von älteren Rittern gibt, wenn man da an die Front kommt und überhaupt hat man doch bestimmt sein Heer aus Fußsoldaten um sich herum.“
„Was denn für Fußsoldaten?“ fragte sein Freund.
„Na, als Ritter werden wir doch Anführer sein. Wir führen andere an, geben Befehle und so. Haben wir doch im Unterricht gelernt“, erklärte Venom.
„Weiß nicht, ob wir gleich jemanden unterstellt bekommen. Wir kommen ja gerade erst frisch von der Schule. Ich könnte mir denken, dass sie lieber jemanden mit Erfahrung für solche Leitungspositionen wollen.“
„Ich denke mir, dass in Kriegszeiten jeder gefragt ist.“
Einen kurzen, unerträglichen Moment wurde es still.
„Und was willst du machen, wenn du Ritter bist?“
„Ich werde zu meiner Familie zurückkehren. Das ist am einfachsten und so kann mich mein Vater in die Tätigkeiten eines Ritters einweisen. Solltest du auch machen“, schlug Thunder vor.
„Hm… gute Idee. Ich schreibe gleich einen Brief, damit sie erfahren, dass ich die Prüfung bestanden habe. Vielleicht kommen sie sogar zu Besuch, um dabei zu sein, wenn ich den Ritterschlag erhalte.“
Eilig ging Venom zum Schreibtisch hinüber, setzte sich auf den wackeligen Stuhl, holte Pergament und Schreibzeug aus einer Schublade und begann zu schreiben. Natürlich teilte er gleich im ersten Satz mit, dass er heute vom Direktor erfahren hatte, dass er die Prüfung zum Ritter bestanden hatte und am ersten Tag des neuen Monats, also übernächste Woche, zum Ritter geschlagen werden würde. Er lud seine Familie herzlich ein und dann wusste er einen Moment nicht mehr was er schreiben sollte. Jäh fiel ihm wieder Dark Vader und seine heutige Missetat ein und das beschäftigte ihn so sehr, dass er letztendlich viel mehr darüber schrieb, als über seine bestandene Prüfung. Nachdem er zwei Seiten geschrieben hatte, beendete er seinen Brief mit einem herzlichen Gruß, in den er auch all die Diener des Hauses seiner Familie mit einschloss und unterschrieb schwungvoll. Den Brief versiegelte er mit Wachs und prägte es mit dem Sigel seiner Familie, einer fliegenden Libelle.
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