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Only You

GeschichteAllgemein / P16 / Gen
Jacob Seed OC (Own Character)
08.10.2020
11.10.2020
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08.10.2020 5.609
 
“Please... I... I beg you! Give me two or three weeks to adapt. Only thing I need is time and a teacher. Do you want an ally or a blinded broken mind? Please, no bliss! I beg you!”
Er sah mich unbewegt an. Natürlich wusste ich was er hören wollte, was er gleich fragen würde. Es war schließlich nicht das erste Mal, dass er mich in seinen Finger hatte. Und es war nicht mein erster Kontakt mit der Droge der Gemeinde. Ich hatte gesehen was das Zeug anstellen konnte. Und das Hotel hatte mir bereits einen kleinen Eindruck gegeben, zu welchen Methoden er noch fähig war. Mit einer kontrollierten Bewegung lehnte er sich zu mir vor und starrte mir direkt in die Augen.
“What if I want a Soldier? A warrior? Not a weak one?”
Verdammt...ich hatte doch bereits klar gemacht... Er würde es nicht gelten lassen, richtig?
“Ich sagte bereits, dass ich niemanden verletzen würde, wenn es nicht um mein Leben geht.”
Der enttäuschte Blick sagte mir alles. Während er sich zurück lehnte, gab er ein Zeichen und das letzte was ich sah, war der grünliche Nebel des Bliss und in meinen Ohren hallte “Only you” wieder, bevor alles rot und dann schwarz wurde. Als ich wieder etwas mitbekam, war es dunkel und es roch nach Blut, Tod und Verwesung. Ich lag auf der Seite, immer noch mit einem Arm an den Stuhl gefesselt. Nur vage bekam ich die Männer mit, die den Raum untersuchten und die Leichen vor mir checkten. Offensichtlich kannten sie die anderen.
“Check auch die andere.”
Widerworte waren zu hören, doch es kam jemand, der mich halb hochzog und erschrocken fallen ließ als mir ein halb stöhnendes, halb knurrendes Geräusch entwich.
“Heilige Scheiße, die lebt ja noch!”
Sie stritten sich, ob sie mich mitnehmen sollten. Sie funkten ihre Basis an und fragten. Irgendjemand lehnte ab, doch sie wollten mich trotzdem mit nehmen. Ich wollte schreien, dass sie es nicht tun sollten, aber kein weiterer Laut drang aus meinem Mund. Kraftlos hing ich über der Schulter des einen, als sie mich aus dem Haus tragen wollten. Ich wollte nicht. Aber wie sollte ich ihren Fängen entkommen? Jakob war offensichtlich nicht hier. Hatte ich seine Erwartungen nicht erfüllt? Wollte er mich zum Sterben zurück lassen? Oder wartete er irgendwo darauf, dass ich zu ihm kam wie ein gut erzogener Hund? Ich wusste es nicht. Und doch beherrschte dieser Gedanke mein ganzes Fragen. Ich musste zu ihm.
Das Glück war mir hold. Sie setzten mich am Eingang nur eine Armlänge von der Steuerung der Musikanlage ab um die Fahrzeuge näher ran zu holen und es blieb nur ein einziger bei mir um aufzupassen. Unbemerkt von dem Mann robbte ich näher und suchte den Energieknopf. Ich fand ihn. Doch ich wurde enttäuscht. Die Lautsprecher blieben abgesehen von einem Knacken still. Gab es noch einen Knopf? Brauchte es nur Zeit um zu starten? Oder gab es eine Zeituhr, die das ganze steuerte? Ich bekam zwei Minuten später meine Antwort.
Inzwischen hatten sie mich in den Transporter verfrachtet und waren gerade dabei loszufahren, als die ersten Klänge des Liedes über das Gelände hallten und ich rot sah. Und trotz meiner spürbaren Kraftlosigkeit wurde ich zu einer Waffe. Entriss der Frau neben mir ihr Jagdmesser aus dem Beinholster und stach zu bis ich eine Pistole in die Finger bekam und zielsicher abdrückte.
Keine fünf Minuten später schaffte ich es noch zitternd, die Türen zu öffnen und aus den Transporter zu fallen, ehe er mit den 4 Leichen eine Klippe herunter stürzte und mich auf dem Felsen blutüberströmt allein ließ. Dieses Mal konnte ich die letzten Minuten des Liedes bewusst hören und genoss die Melodie ein wenig. Und doch schrak ich zusammen, denn immer mehr nahm ich in dem Lied Jakobs Stimme wahr und mein Körper begann sich selbst zu bewegen. Er hatte es geschafft. Ich war konditioniert. Ich war abgerichtet. Ich war gebrochen. Und ich wollte zu ihm zurück. Ich brauchte gefühlte Ewigkeiten um zurück auf die Füße zu kommen und selbst als ich das geschafft hatte, war es schwierig das Gleichgewicht zu halten.
Ein Knurren vor mir irritierte mich. Meine Sicht war unscharf und verzerrt, doch ich meinte Wölfe auszumachen, die mich einkreisten. Es waren wilde Wölfe. Drei Stück. Hatte ich Halluzinationen? Ich meinte für einen Augenblick einen Vierten am Waldrand auszumachen. Einen der Judges... Der mich beobachtete und abwartete. Doch meine Aufmerksamkeit landete schnell wieder bei den anderen dreien. Ich tastete nach dem Jagdmesser, dass neben mir am Boden lag. Mein Atem ging stoßweise und tat in den Lungen weh. Mein Körper schien nur aus Schmerzen zu bestehen und doch stand ich hier. Ich wollte nicht, ich wollte aufgeben aber etwas ließ mich nicht. Ich begann zu kämpfen und zu bluten. Die Krallen der Tiere verletzten, obwohl sie nicht einmal richtig scharf waren.
Ich spürte den beißenden Schmerz, als mir einer der Bestien seine krallen quer über meine rechte Gesichtshälfte zog. Glücklicherweise verfehlte er mein Auge. Aufgerissen war die Seite trotzdem. Ich kämpfte. Ich schlug zwei zu Boden und konnte sie töten, doch der dritte warf mich zu Boden und schnappte nach meiner Kehle. In dem Augenblick griff der Judge ein und stieß den wilden Wolf von der Klippe, ehe er schnuppernd an meine Seite kam und mich vorsichtig von der Klippe wegzog. Nur dumpf spürte ich wie ich mich an dem gigantischen Tier hochzog und schwankend an ihm festhielt, während ich vorwärts stolperte. Ein lautes Jaulen ließ mich zusammen zucken. Der Judge rief. Er rief nach der Familie. Familie... Jakob...
Ich sackte zusammen und starrte in den dunklen Nachthimmel. Der Judge grub sich unter mich und schulterte meinen kraftlosen Körper. Instinktiv krallte ich mich in sein Fell um nicht zu fallen ehe ich für eine Weile wegdämmerte. Ein fremdes Jaulen weckte mich. Immer noch trug mich der Judge durch die Wälder, doch ein zweiter musste in der Nähe sein. Ein Pfeifen weckte mich etwas mehr auf. Jakob. Ich würde diesen Ton aus hunderten heraus erkennen. Er war in der Nähe?
Der Wolf unter mir jaulte erneut und erhielt Antwort. Auch er konnte nicht mehr lange durchhalten. Ich war nicht gerade ein Leichtgewicht und er musste mich eine ziemliche Strecke lang getragen haben. Ich entspannte meinen Griff und fiel zu Boden. Dabei rammte ich mir ein paar Holzsplitter in mein Fleisch und fluchte leise. Hustend kämpfte ich mich auf und sah mich mit unsicheren Bewegungen um. Wo war er? Der Judge jaulte erneut. Da! Von links kam Antwort. Und ich hörte Rascheln im trockenen Laub. Schwach machte ich einen Schritt vorwärts und wäre beinahe wieder gestürzt, wenn nicht der Wolf vor mir gewesen wäre und ich mich abstützen konnte. So bahnte ich mir den Weg aus dem Wald heraus.
Vor mir lag eine Lichtung mit einer verlassenen Rangerstation. Umgeben von ein paar Käfigen in denen weitere Judges waren. Und ein Mann der seine Runden um das Gelände zog und die anderen Männer beaufsichtigte. Schreie drangen aus der Hütte und ich wusste sofort, was dort drin vor sich ging. Doch das erste Mal seit meiner Rückkehr störte es mich nicht wirklich. Ich hatte genug Blut gesehen um Blut zu lecken. Am Wald Rand hielt ich und wartete einen Augenblick, bis der Rothaarige in meine Richtung sah und ich die Überraschung in seinen Augen sah. Er hatte mich nicht erwartet. Doch dann begann er kurz zu lächeln als er mit langen Schritten in meine Richtung kam.
Meine Beine zitterten und ich ging vor ihm auf die Knie. Meinen Kopf gesenkt hielt ich ihm meine leeren Hände entgegen. Würde er mich fesseln? Oder mir aufhelfen? Ich sah zuerst nur seine Schuhe. Dann wie er sich vor mir hinhockte und mein Kinn anhob, damit ich seinem Blick begegnete.
“Willkommen in der Familie, mein Kind.”
Er zog mich an sich heran und lehnte Stirn gegen Stirn, ehe ich einen sanften Kuss auf der Stirn spürte und er mich auffing als ich langsam zur Seite kippte. Meine Sicht drehte sich zweimal und hatte dann Jakobs Gesicht nahe meinem. Er hatte mich in seinen Armen und hielt mich fest wie einen verlorenen Schatz. Warum? Weil ich seine Erwartungen erfüllte? Egal... Seine Wärme drang zu mir durch. War ich unterkühlt? Mein Kopf ruhte an seiner Schulter und meine Arme hingen kraftlos herunter. Er brummte leise eine Melodie und ich wurde immer schläfriger. Ich fühlte mich hier sicher und geborgen. War ich so korrumpiert oder dachte ich das tatsächlich? Egal... Hauptsache endlich Ruhe. Ich schloss meine Augen, lauschte dem sanften Brummen von Jakob und genoss seine Wärme. Und dann war ich weg gedämmert.
Ich wachte in einem Bett auf. Eine schwere warme Decke war um mich gewickelt und ich fühlte mich wohl. Ich war ausgeschlafen, ich lag gemütlich und die Schmerzen waren nur noch dumpf zu spüren. Dann entdeckte ich den Schlauch, der von einem Tropf zu meinem Arm führte. Kein Wunder dass ich mich wie auf Wolke 7 fühlte. Schmerzmittel sollen da wahre Wunder leisten. Und egal wie lange ich geschlafen hatte, ich musste mit Nährstoffen versorgt worden sein. Nährstoffen und Flüssigkeit.
Vorsichtig setzte ich mich auf und sah mich um. Es war ein einfach eingerichteter Raum. Ein Bett, Kommode, Tisch und Stuhl. Ein Wandschrank. Sachte schob ich die Decke beiseite und setzte meine Füße auf den hölzernen Fußboden. Meine Welt drehte sich für einen Moment ehe sich mein Körper anpasste. Ein leises Jaulen ließ mich aufsehen. Zu Füßen des Bettes lag ein Judgewolf, der mich aufmerksam beobachtete und seinem Herren anzeigte, dass ich wach war.
Keine drei Minuten später klappte die Tür und der Soldat trat ein. Seine stahlblauen Augen musterten mich von unten bis oben. Schien meinen Zustand einzuschätzen. Dann kam er näher, zog den Stuhl an das Bett heran und setzte sich. Stumm folgte ich seinen Bewegungen und blieb ansonsten bewegungslos sitzen. Die Sonne brach durch das Fenster und blendete mich etwas. Jakob lehnte sich etwas vor und blockte das Licht mit seinem Körper. Es ließ ihn wie einen dunklen Engel aussehen. Und war er denn das nicht? Ein Todesengel von Joseph?
Stumm starrten wir uns an. Dann hob er seine Hand und drehte meinen Kopf bestimmt nach links. Die Kratzer von dem Wolf... Sie mussten sich quer über mein Auge ziehen. Und mit einem Mal fühlte ich mich entstellt. Beschämt schloss ich meine Augen und schluckte schwer. Nein, ich wollte nicht weinen... Ich konnte nicht... Ich... Ich spürte wie Jakobs Finger sanft über die geschwollenen Stellen strich und ich konnte nicht anders. Eine einzelne Träne entfloh meinem Augenwinkel.
“Weine nicht. Narben sind ein Zeichen der Starken. Nur die die überleben, können Narben tragen. Sie zeugen von Stärke und Kraft.”
Seine Stimme war sanft und einfühlsam. Keine Spur von Zorn oder Enttäuschung. Ich traute mich wieder die Augen zu öffnen, doch ich sah ihn nicht an. Was würde er als nächstes tun? Mich weiter konditionieren? Mich bestrafen? Weh tun? Ich hatte Angst. Die Wirkung des Bliss war größtenteils verflogen und ließ mich selbst wieder an die Oberfläche kommen. Der Rothaarige musste meine Angst spüren. Sanft zwang er mich ihn anzusehen.
“Fürchte dich nicht, mein Kind. Dir wird kein Leid geschehen, denn du hast dich als würdig erwiesen.”
Seine Hand legte sich sacht auf meinen Hinterkopf und zog mich näher zu ihm. Meine Stirn berührte seine und für einen Moment glaubte ich eine Verbindung zu spüren. Dann spürte ich wieder einen Kuss auf meiner Stirn und er lehnte sich zurück. Hör nicht auf, schrie mein innerstes, sich nach Zuneigung sehnend. Doch ich blieb stumm. Ich sah ihn nur an und wartete auf eine weitere Aussage von ihm.
“Ruh dich aus. Bald beginnt dein Training und du solltest bis dahin gesund sein.”
Training. Dieses Wort schlug eine neue Saite in mir an, die mir zuerst nicht gefiel, doch dann einen interessierten Beigeschmack bekam. Vor allem da in seinen Worten Stolz mit schwang. Also versuchte ich mich wieder vernünftig hinzulegen. Ich scheiterte kläglich, was die Frage aufwarf, wie ich es überhaupt in eine sitzende Position geschafft hatte. Jakob wirkte nicht überrascht. Mit sanfter Gewalt drückte er meinen Oberkörper zurück ins Bett. Ich wehrte mich schwach gegen die Hilfe. Wollte nicht schwach wirken. Erfolglos. Ehe ich richtig denken konnte, hatte er mich bereits zurück ins Bett befördert und zugedeckt. Ich blinzelte noch zwei, drei Mal, dann übermannte mich die Müdigkeit.
Es war dunkel als ich das nächste Mal aufwachte. Von draußen drang das Licht von starken Scheinwerfern herein und beleuchtete die Gestalt, die am Fenster stand und die Vorgänge auf dem Hof beobachtete. Jakob. Diesmal war ich nicht an den Tropf ‘gekettet’, dafür spürte ich allerdings jede Faser meines Körpers. Unter Schmerzen setzte ich mich auf und erhielt sofort Aufmerksamkeit. Der eine Judge hatte auf meinem Bett gelegen, hob nun seinen Kopf und winselte leise. Jakob sah kurz herüber und wandte sich dann wieder dem Hof zu.
“Guten Morgen. Wie geht es dir?”
War das real? So ruhig und sanft hatte ich ihn noch nie auf Dauer erlebt. Irgendetwas war hier doch faul! Und ich spürte recht schnell was, als ich aufstand. Ich sackte auf die Knie, meine Sinne drehten sich und ich fand mich plötzlich mitten im Training wieder. Über eine scheiß Baumwurzel gestolpert und auf den Knien. Mit dem kalten Lauf einer Waffe im Nacken.
“Du wärst tot.”
Ein leises Klicken ertönte als er abdrückte. Es hatte keine Kugel gegeben. Nur das imitierte Geräusch des Schusses. Ka-pau. Ich zuckte nicht einmal. Sollte er doch. Dann umrundete er mich, hockte sich vor mir hin und griff mit grober Kraft in meine Haare, bog meinen Kopf nach hinten. Ich musste ihn ansehen.
“Willst du sterben? Willst du wie ein Schwächling ausgesondert werden?”
Er war wütend. Sagte ich wütend? Er tobte regelrecht. Warst du der Grund dazu? Gratuliere, du rennst besser um dein Leben. Doch mir war das inzwischen alles egal. Das Bliss, die Konditionierung, das Training... Was hatte ich zu verlieren? Nichts. Selbst mein Leben war mir egal geworden. Emotionslos starrte ich zurück und sagte leise ja, was ihn kurz stocken ließ ehe er wütend seine Pistole erneut auf mich richtete.
“Die nächste Kugel wird mich töten und ich würde nicht einmal mit der Wimper zucken, weil es mir egal wäre. Was habe ich zu verlieren? Nichts. Du wolltest einen Soldaten, einen geblendeten unter Drogen stehenden Krieger. Hier hast du ihn.”
Ich lehnte mich vor bis meine Stirn den Lauf der Pistole berührte. Nicht umsonst hatte ich mitgezählt. Sechs Plätze und nur eine Kugel. Und jedesmal war er ein Stück weiter gegangen. Fünf Mal hatte ich überlebt. Das sechste mal würde ich es nicht. Ohne eine sichtliche emotionale Regung sah ich Jakob direkt in die Augen und ließ die nächsten Worte wirken.
“Gratulation, du hast mich erfolgreich gebrochen. Und jetzt drück ab. Dünn die Herde aus, Jakob. Töte das Schwache. Beende deine gescheiterte Hoffnung.”
Sein Gesicht entglitt ihm, als er realisierte, was ich ihm gerade gesagt hatte. Er hatte den falschen Weg genommen um sein Ziel zu erreichen. Und er glaubte mir nicht ganz. Trotzdem zog er die Pistole zurück und zielte knapp neben mich als er abdrückte. Ein Schuss erklang und Erde wurde durch die Luft geschleudert. Und ich zuckte nicht einmal. Mein Blick blieb starr in seinen Augen gerichtet, die sich in Überraschung weiteten. Er hatte das Gegenteil erreicht.
Ja, er hatte nun eine Kriegerin, eine Killerin, aber zu welchem Preis? Hatte er meinen Verstand geopfert und verloren, so nutzte ich ihm gar nichts, außer als Kanonenfutter. Sollte dieses Potenzial weggeworfen sein? Hatte er tatsächlich einen Fehler gemacht, weil er mir nicht geglaubt hatte? Er sollte mich zu Familie machen, nicht zu dieser Maschine, die jederzeit kaputt gehen könnte. Sein Verstand drehte Kreise und das erste Mal seit langer Zeit fühlte er sich verloren. Gescheitert. Schwach.
Ein Schuss zerriss die Stille. Geschockt starrte er zu der aufblühenden Rose auf seiner Schulter, ehe er weg gestoßen wurde und sich hinter meinem Rücken wiederfand. Das konnten nur die Whitetails sein. Systematisch scannten meine Augen die Umgebung und machten zwei Mann aus, die sich uns näherten. Ich hob das Gewehr und zielte seelenruhig. Der erste Schuss saß. Mitten durch die Stirn. Der Mann ging lautlos zu Boden und verschwand im hohen Gras. Der zweite war dichter an uns dran und schien zu suchen. Als er auf zwei Meter ran war, sprang ich vorwärts, griff nach Stirn und Kinn und mit einem Ruck brach ich ihm das Genick. Wie eine Puppe fiel auch er. Dann wandte ich mich um ging zielstrebig auf Jakob zu, der sich aufgerappelt hatte und mich seltsam anstarrte. Die Hand auf die Wunde gepresst musterte er mich fragend. Wortlos zog ich das kleine Verbandspäckchen hervor und holte Kompresse und Binde heraus.
“Hemd aus. T-Shirt aus.”
In einem trockenen Befehlston drückte ich den Rothaarigen auf einen Baumstumpf und rechnete mit Widerstand. Keinerlei. Allerdings hatte er Probleme mit dem T-Shirt. Ich winkte ab und griff nach dem Messer.
“Nicht bewegen.”
Ohne dass er die Schulter bewegen musste, zerschnitt ich das Shirt und befreite ihn davon. Dann verband ich die Schulter. Es war ein Durchschuss. Das hieß wenigstens, dass ich keine Kugel herauspuhlen musste. Obwohl ich das vermutlich eh nicht getan hätte, wenn ich wüsste, dass ein Arzt in der Nähe ist. So musste ich allerdings zwei Wunden versorgen. Aber auch das war zügig passiert. Jakob schwieg die ganze Zeit und wich meinem Blick aus. Es war völlig atypisch für ihn.
Als die Schulter versorgt war, hängte ich ihm das Hemd über die Schultern und suchte unsere Ausrüstung zusammen. Es war nicht viel. Dann wartete ich auf weitere Befehle, doch er schwieg. Still setzte ich mich und hielt Wache. Doch niemand näherte sich uns.
Schließlich nutzte ich die Gunst der Stunde und musterte Jakob genauer. Massiv gebaut mit starken Muskeln. Von Narben und Brandverletzungen gezeichnet. Manche würden ihn wohl als entstellt bezeichnen, doch ich sah nur vergangene Kämpfe und Stärke. Nein, das stimmte nicht ganz. Ich sah genauso eine verletzte Seele, die nach Ruhe suchte und nirgends fand.
Die Dämmerung begann, die Nacht setzte ein. Wir verharrten auf unseren Plätzen. Knacken ließ mich vorsichtig werden. Schüsse drangen zu uns durch. Ich sprang auf und musterte die Umgebung. Weitere Whitetails. Ich schlich mich durchs Unterholz und eleminierte jeden einzelnen von ihnen. Jeden? Nein, ich hatte einen übersehen. Er stand kurz hinter Jakob und zielte direkt auf seinen Kopf. Ich rannte und sprang dazwischen. Genau in dem Moment als der Schuss erklang.
Ein stechender Schmerz schoß durch meinen Kopf und ich blieb benommen liegen. Jakob dagegen handelte. Hatte den Mann schneller niedergestochen, als ich gucken konnte. Dann kniete er neben mir. Strich mir die Haare aus dem Gesicht und sah nach meiner Verletzung. Ein Streifschuss? Musste so sein. Denn für einen Treffer war das Kaliber zu groß, als das ich noch leben konnte. Meine Sicht wurde durch das Blut verschleiert. Jakob war in rotes Licht getaucht als der Vollmond durchbrach.
“Kannst du mich noch hören? Komm, steh auf. Auf!”
Er streckte mir seine linke Hand entgegen und ich ergriff sie. Mit einem Ruck zog er mich hoch und alles drehte sich in meinem Kopf. Ich stolperte vorwärts und wurde von seinem Körper aufgehalten. Instinktiv griff er zu und hielt mich fest. Für einen Augenblick suchten wir beide das Gleichgewicht, ehe er mir unter den Arm griff und wir beide nebeneinander losgingen. Das Blut verkrustete langsam und ziepte, aber es half nichts. Fürs verbinden hatten wir keine Zeit mehr und selbst wenn, das Material war alle.
Weiß Gott wie lange wir unterwegs waren. Zwischendurch wurde mir schlecht. Kotzspeiübel... Ich signalisierte Jakob, dass ich einen Moment bräuchte und lehnte mich gegen den nächsten Baum, als mein Magen das letzte Essen hervorwürgte. Danach fühlte ich mich etwas besser. Etwas... Dafür brannte meine Kehle von der Säure. Für einen Augenblick schloss ich die Augen und konzentrierte mich auf meine Atmung. Eine Hand legte sich auf meine Schulter und zog mich sacht gegen einen Körper.
“Komm schon, Pup, nicht einschlafen. Nicht jetzt, nicht hier. Wir brauchen wenigstens einen Unterschlupf. Und dann bekommst du deine Ruhe.”
Ich wollte fluchen, schreien, aufgeben. Ich schlug kraftlos gegen seine Brust und wollte weg. Er ließ mich nicht. Und warum wehrte ich mich? Es war mir doch egal, was aus mir wurde. Sollte er mich hier zum Sterben zurück lassen. Doch er tat es nicht. Warum? Grob drückte er mich gegen sich, mein Gesicht auf seiner gesunden Schulter, seine Hand in meinem Nacken. Und dann begann er zu summen. Erst leise, dann etwas lauter. Die Töne vibrierten in seiner Brust und übertrugen sich auf mich. Schließlich erkannte ich das Lied.
“Put your head on my shoulder...”
Ich begann mich etwas zu entspannen. Ließ seine Ruhe auf mich wirken. Ohne wirklich zu wissen, was ich tat, legte ich meine Arme um seine Hüften und hielt mich einfach fest. Jakob ließ es ohne einen Kommentar zu und wiegte uns langsam hin und her, bis ich vollkommen entspannt war und er merkte, dass ich etwas mehr aufmahmefähig war.
“Komm, hier in der Nähe ist eine Rangerstation von uns. Es ist nicht mehr weit.”
Ich nickte und wir machten uns auf den Weg. Die Kopfschmerzen ließen zwar nicht nach, aber sie verstärkten sich auch nicht. Jakobs Hand blieb auf meinem Rücken und strahlte eine faszinierende Kraft aus, die mich antrieb. Keine 500 Meter weiter war die versprochene Hütte. Sie war recht spartanisch eingerichtet. Abgesehen von dem Kamin und der kleinen Anrichte mit Spüle, gab es nicht viel. Ein Tisch mit Stühlen, ein Bett auf der Empore und ein winziges Bad. Einige Regal an den Wänden bewahrten Bücher und Konserven auf. Jakob setzte mich erstmal hin und verriegelte die Tür. Niemand sollte unsere Ruhe stören. Kein Tier, kein Mensch.
Stöhnend ließ ich meinen Kopf auf die Tischplatte sinken. Das dumpfe Dröhnen ließ nicht nach. Ein leises Knacken ließ mich den Kopf drehen. Jakob hatte ein Feuer angefacht. Damit würde es etwas wärmer werden. Dann holte er mir noch ein Glas Wasser. Dankbar dafür nickte ich ihm zu, während er nach Schmerzmitteln suchte. Wir beide warfen uns jeweils eine starke Tablette ein ehe ich vorsichtig die Leiter hoch zur Empore kletterte. Und fast vorm Bett zusammenbrach. Jakob folgte mir und griff sich gerade noch so meinen Kragen und fing mich ab. Sacht ließ er mich sie letzten Zentimeter zu Boden sinken und seufzte tief.
“Was soll das nur mit dir werden, Pup, he? Wenn es drauf ankommt, bist du nicht zu schlagen, aber wenn du einmal Ruhe hast, zerlegt es dich gleich komplett, oder wie?”
Ich hörte den Spott in seinen Worten. Ich wälzte mich halb auf den Rücken und zeigte ihm den Mittelfinger. Was mir gleich eine Strafe einbrachte. Ehe ich gucken konnte, pinnte er mich mit seinem Körpergewicht vollkommen zu Boden und sein Jagdmesser lag an meiner Kehle.
“Vorsicht, Pup, nicht das mir noch eines Tages das Messer ausrutscht, weil du mir zu frech wirst.”
Ich starrte zurück und suchte nach einem Hinweis. Ich ahnte zumindest, dass er diese Drohung nie wahr machen würde. Das hatte mir sein Blick im Wald gesagt.
“Dann tu es! Töte mich! Erlöse das Schwache von dem armseligen Leben, dass es erwartet. Töte das Schwache!”
Bissig und gefährlich leise antwortete ich. Lehnte meinen Kopf weiter nach hinten, so dass mein Hals vollkommen frei lag und ihm perfekte Angriffsfläche gab. Aber das war genau das was er nicht sehen wollte. Es erinnerte ihn. Das ich gebrochen war. Das ich ohne zu zucken, in den Tod gehen würde. Er schwieg und musterte mich. Ich starrte zurück ehe ich reagierte, indem ich meine Hand in seine verletzte Schulter krallte. Er zuckte zurück und wälzte sich von mir herunter. Blieb neben mir liegen und sog scharf die Luft ein.
“Du brauchst genauso Ruhe, also erzähl mir nichts von Schwäche und Stärke. Auch der Starke braucht ab und zu eine Atempause.”
Ein leises Grummeln drang zu mir herüber. Kraftlos stemmte ich mich halb auf und sah zu ihm herunter. Würde ich es noch bis aufs Bett schaffen? Ich vielleicht noch, aber ihn würde ich nicht mehr bewegt bekommen, wenn er nicht mithalf.
“Was starrst du so?”
“Ich habe gerade versucht abzuschätzen, wie groß unsere Chancen sind, noch ins Bett zu kommen, bevor wir einpennen.”
Ein wenig überrascht blinzelte er ein paar Mal. Dann sah er zum Bett und versuchte sich aufzusetzen. Ohne Erfolg. Seufzend ließ er sich zurück zu Boden sacken und wedelte undefiniert in meine Richtung.
“Ich komm da jedenfalls heute nicht mehr rein. Ich bleib hier. Mach was du willst...”
Ich hatte es geahnt. Seufzend griff ich hoch und zehrte das eine Kissen und die beiden Decken herunter.
“Kopf hoch.”
Perplex reagierte Jakob und drückte sich noch einmal kurz auf, während ich das Kissen zu ihm schleifte und ihm passend hinlegte. Mit einem tiefen Seufzer sank er in das dicke Kissen und ich konnte regelrecht sehen, wie er immer schläfriger wurde. Also breitete ich noch die Decke mehr oder weniger über ihm aus und verkroch mit selbst unter der anderen Decke. Auch bei mir begann das Schmerzmittel zu wirken und mich langsam aber sicher auszunocken. Jakob sah sich noch einmal um und wunderte sich offensichtlich, was ich hier auf dem Boden machte.
“Warum gehst du nicht ins Bett?”
Ich hob müde den Kopf und wirkte nicht gerade aufnahmefähig. Und meine Antwort war nicht gerade besser.
“Erstens komm ich da eh nicht mehr hoch, zweitens ist mir das garantiert zu weich und drittens, warum sollte ich im weichen Bett liegen, während du hier unten auf dem harten Boden schläfst... Das wäre nicht gerecht. Es wäre falsch.”
Er schnaubte belustigt und doch dachte er über diese Aussage nach. Ich hoffte nur, dass er nicht auf die Idee kam, dass es noch andere Gründe geben könnte. Das einzige, was ich noch tat, war auf seine andere Seite zu rutschen, damit ich nicht aus Versehen auf seine verletzte Schulter rollen konnte. Dann legte ich mich auf meinen Arm und wickelte mich in die Decke ein. Doch der Schlaf ließ auf sich warten. Obwohl ich hundemüde war. Doch ich war offensichtlich nicht die einzige, mit diesem Problem.
“He, Pup, kannst du nicht schlafen?”
Ich schnaubte leise als Antwort. Das er Schlafstörungen hatte, war ja keine Überraschung, aber das ich nicht schlafen konnte, das war was neues. Sonst konnte ich schlafen, egal wo ich war. Aber heute nix. Obwohl ich mehr als fertig war.
“Du brauchst die Ruhe. Was ist los?”
Nur vage nahm ich sein Gesicht wahr, welches mir zu gewandt war. Er schien sich Sorgen zu machen. Nun ja, vielleicht keine Sorgen, aber zumindest Gedanken.
“Ich weiß es nicht, und selbst wenn ich es wüsste, warum solltest du es wissen wollen? Wäre ich dann nicht schwach?”
Ich wollte es es ihm erzählen, aber ich traute ihm nicht völlig. Ich hörte ihn tief seufzen und musste unwillkürlich herüber sehen.
“Pup, denk nicht über das ganze nach. Du gehörst definitiv nicht zu den Schwachen. Ich habe damals einen Fehler gemacht und ich sehe, dass es anders vermutlich besser gelaufen wäre. Aber hier sind wir. Wir sind die, die wir sind. Unsere Erfahrungen formen uns. Auch wenn wir manches bereuen oder lieber nicht in Erinnerung hätten. Wir sind das Ergebnis unserer Vergangenheit.”
Und er begann von seiner Vergangenheit zu erzählen. Ich hätte ihm stundenlang zu hören können, aber er hielt es kurz und knapp. Verständlich. Durch und durch Soldat und doch mit einem Sinn für Worte, der erstaunlich war.
“Jetzt kennst du meine Vergangenheit, Pup. Vielleicht kannst du mir vergeben, dass ich dir nicht geglaubt habe. Ich sehe, dass es nicht der beste Weg gewesen ist, den ich gewählt habe.”
Perplex sah ich herüber. Entschuldigte sich Jacob Seed tatsächlich bei mir? Er bat um Vergebung?
“Vergebt, dann wird auch euch vergeben werden...”
Ich zitierte und löste ein schwaches Lächeln bei ihm aus. Dann sah er wieder zu mir. Seine Augen leuchteten ein wenig in dem schwachen Licht, dass von unten heraufdrang.
“Du solltest schlafen.”
“Ich kann nicht. Ich fühl mich selbst hier nicht hundertprozentig sicher.”
Für einen Augenblick musterte mich Jakob. Dann hob er die Decke.
“Komm her, Pup, hier kann dir nichts passieren. Ich würde dir ja das einfache Rücken an Rücken anbieten, aber ich kann mich schlecht auf die Schulter legen...”
Etwas skeptisch betrachtete ich ihn ehe ich vorsichtig näher rutschte. Warum hatte ich überhaupt Respekt vor ihm? Angst wollte ich es nicht nennen. War es die Tatsache, dass er mich jeden Augenblick töten konnte? Keine Ahnung. Letztlich siegte die versprochene Ruhe und so rutschte ich dicht an ihn heran und spürte seine Wärme. Ich wollte meinen Kopf wieder auf meinen Arm betten, doch er zog mich bestimmt an sich heran. Ahnte er bereits etwas?
Sacht platzierte er mich an seiner gesunden Schulter und strich mir sanft über den Nacken und die Schultern. Es war ein beruhigendes Gefühl, welches mich augenblicklich entspannte. Ich gähnte herzhaft und kuschelte mich regelrecht an ihm an. Und er begann wieder leise zu summen, während er weiter sacht über meinen Rücken strich. So schnell, wie ich dann weggedämmert war, konnte ich nicht einmal beschreiben. Und dieser Schlaf war lang und tief.
Als ich erwachte, war es hell und ich lag allein im Bett. Im Bett? Wie das? Jakob hatte doch nie die Kraft, mich hier hoch zu hiefen. Es sei denn ich war halb wach gewesen. Vorsichtig setzte ich mich auf und sah mich um. Ich war nicht mehr in der Rangerstation. Und wo war Jakob?
Mein Schädel dröhnte und alles drehte sich. Vorsichtig ließ ich mich zurück sacken und wartete, bis sich der Schwindel verzogen hatte. Doch ich wurde nicht erlöst. Der nächste Schwindel kam, als es in meinen Ohren knackte und eine mir sehr bekannte Melodie begann.
“Only youuuu...”
Ich sah rot, mein Körper zuckte willenlos und katapultierte mich regelrecht in den Kampfmodus. Ich sah nur noch eine seltsam verzerrte Welt, in der ich nur ein Ziel kannte. Jagen. Töten. Opfern. Wie viele es wohl waren? Egal. Hauptsache ich erwischte alle. Die letzte Ecke umrundet und den letzten Gegner getötet, fiel ich auf die Knie. Kraftlos saß ich da und wartete auf das Ende. Es kam noch nicht. Verwirrt kämpfte ich mich hoch und bewegte mich weiter. Wen hatte ich vergessen?
Eine Tür trennte mich von einem weiteren Raum. Ohne zu zögern trat ich sie ein und wollte gerade abdrücken, als ich mich selbst zurück hielt. Zitternd wich ich zurück bis ich mit dem Rücken zur Wand stand und ließ die Waffe fallen. Der Impuls in mir sagte, töte, opfere. Der Verstand der irgendwo da unter meinen Instinkten herum existierte, sagte, hör auf. Überraschung stand in seinen Augen. Hatte er nicht selbst die Phase gestartet? Irgendetwas stimmte nicht.
Zuckend kämpfte ich gegen die Konditionierung an, während ich zu Boden ging. Wenn es eine Person gab, die ich nicht töten wollte, dann war es er. Er schien nicht zu wissen was los war. Langsam stand er auf und kam auf mich zu. Aus Angst kroch ich mit weit aufgerissenen Augen weiter zurück. Weg von ihm. Er sollte nicht in meine Reichweite kommen. Irritiert verzog er das Gesicht. Dann schien er einen Geistesblitz zu haben. Ich kam nicht mehr weiter. Hockte in der hintersten Zimmerecke und wartete auf mein Schicksal.
Würde ich ihn töten? Oder er mich? Mein Instinkt sagte mir töte, opfere... Nur nicht wen. Ich zog unbewusst meine Pistole und setzte sie mir zitternd unters Kinn. In dem Augenblick sprang er vorwärts und entfernte etwas aus meinen Ohren. Die Musik endete schlagartig und ich fand mich an seinen Körper gedrückt wieder. Und er summte leise unser Lied. Ich wurde ruhiger. Das Zittern ließ nach, klappern fiel die Waffe zu Boden. Mein Atem ging immer noch stoßweise und ich spürte, wie Tränen über meine Wangen liefen. Zudem war ich regelrecht in Blut getränkt.
Hilflos hielt ich meine blutbefleckten Hände in der Luft und wagte es nicht, irgendetwas anzufassen. Der Rothaarige drückte mich an sich, wiegte uns leicht hin und her und summte leise neben meinem Ohr, bis die Phase endgültig vorbei war und ich erneut das Bewusstsein verlor beziehungsweise aufwachte.
Ich spürte Wärme und einen Körper, der gleichmäßig atmete. Bitte lass es keinen Traum sein, flehte ich bevor ich meine Augen öffnete und von roten Haaren begrüßt wurde. Ich lag mit ihm zusammen in dem Bett, in dem ich zuerst aufgewacht war. Mein Kopf auf seiner Schulter gebettet, mein Blick auf Höhe seines Bartes. Für einen Augenblick überlegte ich, ob ich mich aus diesem Traum wecken oder ihn einfach töten sollte. Weder noch. Ich bewegte mich etwas und Jakob brummte leise etwas unverständliches, während sich sein Griff um mich verstärkte. Das er mich dabei mehr oder weniger direkt auf seinen Körper schob, schien ihn nicht zu stören. Nun ja... Stören tat es mich auch nicht wirklich, aber irgendwie war es doch eine recht... Ungewöhnliche Position.
“Jakob...”
“Hm...?”
Er blinzelte kurz, wirkte aber von Wach sein noch Meilen entfernt.
“Soll das so oder...?”
Erneut blinzelte er zu mir herunter und grummelte kurz.
“Probleme?”
“Nein, aber...”
“Kein aber, Pup. Und jetzt halt die Klappe und mach es dir einmal in diesem Wahnsinn bequem.”
Er nuschelte mehr als das er wirklich mit mir sprach, aber ich verstand ihn. Ok... Dachte ich und spürte ein warmes Gefühl in meinem Körper. Widerspruchslos ließ ich meinen Kopf wieder auf seine Brust sinken und veränderte kurz meine Position, damit es angenehmer wurde. Müde schloss ich meine Augen und konzentrierte mich auf seine Atmung. Es dauerte nicht lange und ich atmete im Gleichklang mit ihm und dämmerte langsam wieder weg.
Das nächste aufwachen war kalt. Ich war allein. Zumindest allein im Bett. Jakob saß an dem schmalen Tisch und schien irgendwelche Dokumente zu sichten. Kopfschmerzen. Kopfschmerzen waren das nächste, was mich begrüßte. Stöhnend massierte ich meine Schläfen und setzte mich vorsichtig auf. Der Rothaarige sah auf und ich meinte, ein kurzes Lächeln zu sehen.
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