Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Ravencrown

von Ikari
KurzgeschichteAbenteuer, Fantasy / P12
OC (Own Character)
07.10.2020
07.10.2020
1
1.589
1
Alle Kapitel
noch keine Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 
 
07.10.2020 1.589
 
Ravencrown


Schon eine ganze Weile saß der junge Druide auf einem großen Felsen inmitten eines kleinen Waldes. Immer wieder blickte er hinauf und blinzelte, wenn ihm ein Regentropfen in die Nähe des Auge tropfte. Über ihm kreiste ein großer Vogel und gab immer wieder ein Krächzen von sich.
„Na, gut. Ich danke dir Korax. Lass uns weiterziehen.“, dann stand Ikariel auf und schnappte sich seinen Großstab, den er neben sich abgelegt hatte. Ein Erbstück seines Stammes, und auch seiner Familie.

Es war mitten in der Nacht, als sich eine kleine Menge Halbelfen im Zentrum ihres Dörfchen versammelte. Dieses lag gut versteckt und verborgen von Trauerweiden, Mangroven und undurchsichtige Wasserläufe. Eine Vegetation die für einen Sumpf absolut normal war. Der Fungurus Sumpf war aber auch ein gefährliches Fleckchen, in dem giftige Tiere und Pflanzen lebten. Die Bewohner lernten früh jeden Schritt mit Bedacht zu setzen und mit der Flora und Fauna in einer natürlichen Symbiose zu leben. Die Itharis, so nannte sich der hier lebende Stamm aus Halbelfen.
Ist es soweit?“
Ja, der Vollmond hat seine volle Pracht entfaltet.“
Getuschel und Gemurmel wurde laut. Aus einer Hütte, die wie jede andere hier auf hohen Stelzen gebaut wurde, drang ein Schrei, der einem eine Gänsehaut einjagte. Dann ein erneuter langgezogener Schrei und plötzlich wurde es still.
Die Bewohner sahen nach oben, als sich der zerrissene Vorhang zur Seite schob und das Oberhaupt, ein sehr alter, weiser Druide, mit einem Bündel nach draußen trat.
Meine lieben Freunde, heute Nacht begrüßen wir ein neues Mitglied in unserer Runde.“, ein raunen ging durch die Menge, als das kleine Lebewesen aus der Decke entpackt wurde und zur Dorfmitte gedreht wurde.
Es ist ein Junge und wird in ferner Zukunft ein wichtiger Bestandteil unserer Gemeinschaft sein. Begrüßt Ikariel Ravencrown. Der Erstgeborene der Ravencrowns.“

Auf die Natur lauschend, streifte Ikariel weiter durch die Gegend. Ein kurzer Pfiff und es dauerte nicht lange, da landete Korax auf seiner Schultern. Er war ein großer Rabe und sein Gefährte, seit er denken kann. Die Itharis hatten das Ritual, dass jeder Neugeborene ein ebenso neugeborenes Tier erhielt. Es war Schicksal, dass Ikariel einen Raben erhielt, denn alle Ravencrowns hatten einen als Begleiter und Freund.
Ein kurzer Laut Korax' ließ ihn lächelnd Nicken.
„Natürlich, ich habe auch Hunger, Wärst du so freundlich?“
Es sah aus, als würde auch der schwarze Vogel nicken, dann flog er davon. Ikariel schritt noch einige Meter zu einem großen, alten Baum, an diesem ließ er sich nieder, stellte sein Beutel sowie seinen Stab dort ab und begann die trockene Äste in der Nähe einzusammeln. Bei jedem neuen Stück bedankte er sich für dieses Geschenk der Natur und legte dann alles ordentlich aufeinander, als es genügend Holz war. Es war ein leichtes ein normales Lagerfeuer zu entfachen. Nun musste er nur noch auf Korax warten. Gedankenverloren sah er zu seinem Großstab und driftete zu dem Tag ab, als er ihn erhielt.

Heute ist es endlich soweit, Ikariel.“, erklärte sein Vater Horanos Ravencrown ernst, als er sich zu dem 6 jährigen Jungen kniete. Horanos war der neue Oberältester. Ein Druide mit kurzen braunen Haaren, die eng an der Kopfhaut geflochten und mit einigen bunten Steinchen verziert waren. Er hatte genauso braune Augen und einen langen Bart, der ihm mittlerweile bis zur Brust ging.
Mach ihn doch nicht noch nervöser, als er es ohnehin schon ist.“, mahnte die Mutter ihren Mann. Sonarah war eine zierliche kleine Halbelfin mit fast schon weißen Haaren und so hellblauen Augen, dass man das Gefühl bekam, sie würde einem direkt in die Seele sehen. Liebevoll wuschelte sie durch das kurze dunkelbraune Haar ihres Sohnes. Die grünen Augen sahen ihr hoffnungsvoll und neugierig entgegen. Wenn das Licht in diese fiel, waren sie sogar bernsteinfarbend.
Er ist ein junger Mann, er muss lernen mit Druck umzugehen, Sonarah. Verhätschel ihn doch nicht immer.“
Manchmal bist du unmöglich, er ist jetzt 6 Jahre, er sollte sein Leben normal genießen können. Heute ist ein wunderschöner Tag und eine besondere Zeremonie, da kannst auch du mal wieder dein Lächeln ausgraben, Haranos. Bei Elune...“, zog die blonde Elfe den Älteren auf und stieß mit ihrem Ellenbogen grob in die Seite. Elune war die Mondgöttin ihres Stammes. Sie war eine gütige und weise Gottheit, die besonders Nachts über die kleine Gruppe Halbelfen wachte.
Ikariel nickte und hüpfte dann um seinen Vater herum. Immer wieder zog er an dem langen Gewand aus Blätter und Farn. Korax, der junge Rabe, flatterte genauso aufgeregt um den Oberältesten.
Schon gut, lass uns zum Schrein gehen.“
An diesem Ort wurde jedem jungen Halbelfen der Großstab seiner Familie übergeben. Ausgesucht und geschnitzt vom Vater, der Edelstein und die Verzierungen wurden der Mutter überlassen. Im kleinen Schrein des Fungurus- Sumpfes wurde der Stab von der Göttin Elune gesegnet und dann feierlich dem neuen Druiden übergeben.


Sanft strich er mit seinen Fingern über das dunkle und massive Holz seines Stabes. Er war aus hochwertigem Redwood- Holz mit Vavona Maserung. An seiner Spitze war das Holz zu einer großen Kralle geschnitzt worden. Sie umschloss einen grünen Edelstein, einem Demantoid, der gleichzeitig auch sein druidischer Fokus war. Sanft begann der Stein grünlich zu schimmern, als Ikariel ein wenig Kraft in den Stab fließen ließ, doch kurz darauf unterbrach er sein Tun, denn Korax war zurückgekehrt. Er landete vor ihm, in seinen Krallen ein Hase.
„Das hast du wunderbar gemacht, vielen Dank mein Freund.“, daraufhin ließ er seinen Gefährten wieder auf seiner Schulter platz nehmen und Ikariel begann das häuten und zubereiten, einige Happen bekam auch Korax als Dank, der lautstark seine Freude zum Ausdruck brachte.

Ich bin stolz bekanntgeben zu können, dass du deine Ausbildung zum Druiden erfolgreich abgeschlossen hast.“, eine Umarmung folgte und Ikariel sah zu seinem Vater. Mittlerweile war er ein junger und stattlicher Mann geworden. Seine dunkelbraune Haare waren lang, mit zwei Spangen, die er von seiner Mutter geschenkt bekommen hatte, waren diese hinter seinen Ohren fixiert. Die kleinen Helfer hatte Sonarah selbst angefertigt aus Federn der Krähen von ihrem Mann und ihr. Aus Leder hatte sie noch kleine federähnliche Amulette genäht und mit roten Stickereien verziert.
Ikariel's braunes Haar war so lang, dass es bald seinen Hintern erreichen würde. Sein Vater hatte es öfters bemängelt, dass diese doch hinderlich beim Zaubern wären, doch als das Geschenk seiner Mutter stolz getragen wurde, nahm es dem Gemecker jegliche Luft aus den Segeln.
Danke Vater... ich meine Meister... tschuldigung...“, Ikariel war mittlerweile 25 Jahre und hatte in Rekordzeit seine Ausbildung als Druide abgelegt. Sein Vater war auch sein Lehrmeister gewesen, so wurde es schon immer bei den Ravencrown's gehandhabt. Und sollte Ikariel einmal Nachwuchs bekommen, würde auch er seine Lehren und Wissen weitergeben. Sein Stammbaum brachte immer wieder mächtige Druiden hervor und so war es seine Bestimmung gewesen, in die Fußstapfen seines Vaters zu treten.
Seine Mutter kam mit Tränen in den Augen an ihn getreten und umarmte Ikariel genauso liebevoll wie davor sein Vater.
Ich bin stolz auf dich mein Sohn. Heute endet ein Abschnitt deines Lebens, aber gleichzeitig beginnt ein Neuer. Pass auf dich auf und komm uns doch immer mal wieder besuchen ja?“
Ikariel nickte verstehend und brach am Abend bei Mondschein zu seiner Reise auf.

Als der junge Druide den letzten Bissen verdrückte, lehnte er sich seufzend gegen den breiten Baumstamm und kraulte dabei Korax am Brustgefieder.
„Weißt du noch, als wir damals zu unserem Abenteuer aufgebrochen sind? Nun sind es bereits 13 Jahre her.“, erzählte der Braunhaarige in Erinnerungen schwelgend. Wenn ein Ravencrown seine Ausbildung abgeschlossen hatte, musste er losziehen um mehr Wissen und Verständnis zu erlangen. Es bedeutete immer eine sehr lange Reise zu den abgeschiedensten Orten und wundersamsten Plätze der Erde. Der große Rabe krächzte und flatterte zum Lederbeutel neben dem Stab. Dort pickte er auf die Schnalle und zupfte dann kurz darauf einen kleinen gerollten Zettel heraus. Diesen ließ Korax in Ikariel's Schoß fallen, als er sich wieder auf der Schulter bequem gemacht hatte.
„Ich weiß, wir müssen ihn dringend finden.“
Der Druide öffnete den kleinen Zettel und blickte auf das Bild eines dicken grinsenden Goblins. Unter diesem Portrait war mit einer unsauberen Schrift die Information geschrieben, dass dieser fahrende Händler aktuell auf der Durchreise in diesem Teil der Erde war. Sein Lager schlug er meist in der Nähe von Großstädten auf um viel Kundschaft anzuziehen. Auf dem Zettel kündigte der Goblin feinste Waren an, unter anderem auch alte Pergamente und Schriftrollen. Und genau deswegen war Ikariel auf dem Weg zur nächsten Stadt. Doch dabei handelte es sich um einen Weg von mehreren Wochen, den er bereit war zu gehen. Es gab nichts Interessanteres als Wissen aus den Jahrhunderten vor ihm und deswegen musste er diesen Händler finden.
„Ein kurzes Verdauungsschläfchen und dann ziehen wir weiter. Die Landschaft wird offener und die dichten Wälder liegen hinter uns. Ich bin zuversichtlich, dass wir bald ankommen werden, Korax.“

Doch dieses kleine Schläfchen zeigte eine Vision, eine Gruppe Reisender, verschiedener konnten sie nicht sein. Sie streiften gemeinsam durch die Welt. Es war alles von einem verschwommenen Nebel bedeckt. Flammen, Dämonen, riesige Ungeheuer und plötzlich ein greller Blitz. Ikariel schreckte auf und auch Korax flatterte aufgeregt mit den Flügel.
„Tut mir leid... ich... habe schlecht geträumt.“, erklärte der Druide seinen Freund, dann schnappte er sich Beutel und Stab und stand murrend auf. Ob dies nur ein Traum oder doch eine Vision war, konnte er nicht mehr mit Gewissheit sagen, aber es beschäftigte ihn. Und so zog er, Ikariel Ravencrown, weiter auf der Suche nach Wissen und eventuell einer Gemeinschaft, die er sich auf mysteriöser und schicksalhafter Weise anschließen würde.
Review schreiben
 
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast