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Willkommen im Hotel Artemis!

GeschichteThriller, Liebesgeschichte / P16
07.10.2020
14.10.2020
2
2.585
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07.10.2020 1.331
 
Los Angeles des Jahres 2030

Die Straßen der Stadt sind nicht so belebt wie sonst, die Sternenlose Nacht hat sich über alles gelegt und viele Geräusche anscheinend mit verschluckt. Ein leuchtendes Neonschild ragt jedoch zwischen den ganzen Häusern hervor erhellt die Straßen. Leise klingt die altmodische Musik durch die edlen, aber doch etwas düsteren Flure des großen, zweistöckigen Wohnkomplexes in den oberen Etagen eines alten Gebäudes. Dunkler, Ebenholz Boden, warmes Licht aus LED- Platten an der Decke und Zimmer ausgestattet wie Luxussuiten, mit einigen wenigen Blutflecken hier und da. Es scheint recht friedlich, bis der Fahrstuhl sich in Bewegung setzt und der junge Kerl hinter dem Thresen aufmerksam auf seinen Monitor blickt. Er tippt einige Dinge in seinen Computer ein und überprüft die erkannten Gesichter, bevor er sich nach vorn beugt und in ein Mikrofon spricht:"Schwester, wir bekommen wieder einige Härtefälle." Dann lehnt er sich zurück, richtet seine violette, samtene Krawatte und wartet das die gewohnten Schritte ertönen. Noch bevor die Tür des Fahrstuhles aufgeht steht eine kleine, zierliche junge Frau davor und bindet die Hälfte ihrer halb langen, roten Haare zu einem Zopf:"Da plaudere ich mal fünf Minuten und schon werden die nächsten heran geschwemmt. Danke, Sunshine.", "Aber immer doch, Schwester. Ist ja mein Job!" meint er nur und schlägt die Beine übereinander, damit er die kommende Szene genießen kann.

Laute Schreie dringen aus dem Fahrstuhl und sie erkennt einen schwer verletzten Mann, der wohl von einer Messerstecherei mitgenommen wurde und von einer zarten Frau getragen wird, die ebenfalls ziemlich erledigt wirkt. Ein Mann mit teurer Kleidung lehnt an der Wand und scheint mit den Gedanken ganz wo anders zu sein und der Letzte kniet auf dem Boden. Ihm sickert ordentlich Blut aus dem Oberschenkel und hinterlässt dicke Spuren auf dem Boden. "Willkommen im Hotel Artemis, wie ich sehe brauchen sie Hilfe, doch bevor sie die bekommen bitte ich sie sich auszuweisen und Registrierung zu bestätigen." Nach fünf Minuten haben es alle vier geschafft ihre vernarbten Handgelenke an den Sensor zu halten, doch nur bei dreien hat es eine Bestätigung gegeben.
Sie begutachtet die vier, schiebt ihre große, rechteckige Brille ein Stück nach oben und überprüft ihre Markierungen auf ihrem Ipad, dann hebt sie ihr Handgelenk an ihren Mund und spricht gegen das kleine Armband:"Hades, Poseidon? Ich brauche hier unten ganz dringend Hilfe und eine Liege wäre schön." Erneut hebt sie den Blick zu den vier Ankömmlingen und mustert den völlig unverletzten Herren in dem creme farbenen Anzug und dem gierigen Leuchten in den Augen:"Sie wissen, wenn sie unverletzt sind dann nehmen sie den anderen Eingang und warten bis sie eingelassen werden." Er grinst und umklammert mit beiden Händen die dicken Gitterstäbe vor sich, seine dunklen Augen lassen sie nicht einen Moment los und das Gebrüll des Verletzten stört ihn gar nicht:"Ich hasse es zu warten. Man lässt mich nicht warten und deshalb will ich jetzt rein gelassen werden." So einer ist das also, aber er wird schön warten bis er an der Reihe ist. "Sir, sie mit der Verletzung am Bein sind hier nicht aufgelistet. Ich bitte sie zu gehen und sich anderswo Hilfe zu holen." ihre Stimme klingt kalt und gelangweilt, während sie immer ungeduldiger auf ihre Helfer wartet:"Wo bleiben die nur?" murmelt sie und wirft ihrem Kollegen an der Rezeption einen Blick zu, doch dieser nimmt einen Schluck von seinem Kaffee und zuckt mit den Schultern. "Ich brauche aber Hilfe..." keucht der Mann am Boden und fleht sie mit seinen großen Augen an, doch sie kennt all diese Szene und schüttelt nur den Kopf:"Wer nicht bezahlt, der bekommt auch nichts und wir behandeln nicht umsonst. Vielleicht bist du ja von der ganz üblen Sorte und machst ordentlich Probleme? Das ist gegen die Regeln und deshalb solltest du jetzt gehen." Er wirft sich gegen die Stäbe und beginnt laut stark zu fluchen, dann schreit sie durch die Flur:"HADES! POSEIDON! EIN TROUBLEMAKER!"

Schwere, schnelle Schritte hallen durch das ganze Gebäude und zwei Männer treten an die Seite, der jetzt noch viel kleiner wirkenden Krankenschwester und verschränken die Arme vor der Brust. "Zur Stelle Schwester." meint der größere, schwarzhaarige  und stellt eine Liege neben sich ab. Die beiden sind unglaublich groß, gutaussehend und zudem wirken sie unfassbar gefährlich. Man wird sofort von ihrer Präsenz eingeschüchtert und überwältigt, wenn diese giftgrünen Augen einen ins Visir nehmen. "Hades, dich brauche ich gleich bei dem Verletzten. Poseidon, der Mann hier vorn, mit dem blutigen Bein soll bitte fortgebracht werden und zwar weit weg." Poseidon seufzt und schüttelt die Arme etwas aus:"Natürlich, dass mache ich doch liebend gern." Sie kichert und klopft ihm auf die Schulter, dann öffnet sie durch ein einfaches Tippen die Gittertür und lässt den schicken Mann zuerst rein:"Bitte melden sie sich hier an. Sunshine wird ihnen helfen, danach wünsche ich einen angenehmen Aufenthalt im Barzimmer." Er nickt nur und lächelt bösartig, was der Schwester natürlich gar nicht gefällt, doch sie muss sich jetzt auf ihre Arbeit konzentrieren und kann dann mehr über ihre Gäste herausfinden. Poseidon packt den Vierten, doch zieht ihn am verletzten Bein zurück in den Fahrstuhl und lässt sich runter fahren, damit er ihn fortbringen kann:"Man, immer muss ich die wegbringen, die sich nicht wehren können..." murrt er nur und ist sichtlich genervt von den Schreien des am Boden liegenden.

"Also Süße, du bekommst den Namen "Kyoto" und dein Partner ist "Osaka". Du hast die Verantwortung und ich muss dich ebenfalls untersuchen!" befiehlt sie als der große, muskulöse Kerl in den Pflegerklamotten ihren Patienten auf eine Liege verfrachtet und sie gemeinsam nach hinten verschwinden. "Oh, wie schön. Die Japaner bekommen die japanische Suite!" murrt der Verletzte und krümmt sich erneut unter Schmerzen. "Seid froh das ihr überhaupt noch ein Zimmer bekommt. Die Nacht ist jung und ich hab jetzt schon nur noch eines frei für einen Notfall, danach muss ich jeden anderen ablehnen und das gibt immer so unfassbar viel Stress." Die junge Schwester öffnet das Zimmer, drückt dann Kyoto die Karte in die Hand und winkt sie ins Zimmer. "Sunshine? Dieser seltsame Mann bleibt unter Beobachtung! Ich hasse diese Arroganz und er führt etwas im Schilde, das mir absolut nicht gefällt." spricht sie in das Mikro ihres Armbandes und bekommt ein:"Sehr wohl, Schwester." als Antwort. Sie schließt die Tür hinter sich, zieht sich Gummihandschuhe über und aktiviert alle Maschinen im Raum, die sofort an eine komplett Untersuchung übergehen. "Was ist passiert?" fragt sie an die kleine Japanerin gerichtet, die noch ganz aufgelöst zu sein scheint und erst beim zweiten mal fragen reagiert:"Wir... ein Auftrag und es ist schief gegangen. Er hat mich beschützt, doch ist dabei auf so einen irren Messertypen gestoßen und ich.. ich hab ihn umgebracht..." Nun ist sie den Tränen nahe und die rothaarige schiebt sie auf einen Stuhl, setzt sie dort ab und streicht ihr über die Wangen:"Wohl neu im Geschäft oder? Hier wird nicht geweint, ist das klar? Denn wenn du hier raus gehst und die anderen triffst werden sie dich auffressen. Willst du das?" Kyoto schüttelt den Kopf und ballt die Fäuste, als sie ihr Selbstvertrauen wieder gefunden hat und meint:"Ich muss für ihn stark sein." Lächelnd drückt ihr die Schwester ein Tuch in die Hand und dreht sich zurück zu ihrem Pfleger und dem Halbtoten.

Hades verzieht das Gesicht und scheint von dem Ergebnis nicht begeistert zu sein, das ihm der Computer anzeigt und murmelt:"Sieht übel aus. Wenn er die Nacht überlebt ist es ein Wunder." Die Schwester lächelt nur und schneidet dem Mann das Shirt auf:"Ich sehe... es wird ein ganz normaler Mittwoch! Es wird also auch niemand sterben."
 
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