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Eltern wider Willen

von MsMaggie
GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P16 / Het
Draco Malfoy Ginevra Molly "Ginny" Weasley Hermine Granger Minerva McGonagall
07.10.2020
04.05.2021
48
122.177
68
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14.04.2021 2.112
 
39.     Kapitel – Killer Queen


„Professor“, grüßte Draco die Schulleiterin, die an ihrem Schreibtisch saß und von den Pergamenten vor sich aufsah, als er mit Malin auf dem Arm aus dem Kamin trat. Er ließ seine Tochter zu Boden und beobachtete, wie sie flink wie ein Kniesel um das Schreibpult herumflitzte und Professor McGonagall strahlend das Weidenkörbchen mit den Schokoladeneiern unter die Nase hielt. Sie streckte die kurzen Arme dabei hoch über den Kopf, als wäre die Schulleiterin trotz ihrer eckigen Brille zu kurzsichtig, um das Mitbringsel zu erkennen, wenn es mehr als eine Armeslänge von ihren Augen entfernt war.
„Frohe Ostern!“, krähte Malin eifrig und stieß, als sie den Korb nicht länger hochhalten konnte, versehentlich einen Stoß Papiere damit von der Tischkante.
„Macht nichts, meine Liebe.“
Minerva McGonagall lächelte nachsichtig in Malins erschrockenes Gesicht. Sie zückte ihren Zauberstab und bewegte die Papiere mit einem unausgesprochenen Zauber dazu, zurück auf ihren ursprünglichen Platz zu fliegen, wo sie fein säuberlich Ecke auf Ecke landeten.

Im Kamin hinter Draco knisterte es und er trat rasch zur Seite, um erst Hermine, dann Ginny Platz zu machen, die aus dem grünen Feuer traten und sich die Asche von den Umhängen klopften. Währenddessen begutachtete Professor McGonagall unter Malins erwartungsvollem Blick die Schokoladeneier und lobte sie in den höchsten Tönen.
„Bitte richte Molly meinen herzlichen Dank aus, Ginevra. Wie geht es deiner Familie?“
„Gut“, antwortete Ginny, deren schmaler Arm von dem schweren Korb mit Mitbringseln für den Wildhüter hinabgezogen wurde, und fügte revidierend hinzu: „Nun ja, Sie wissen selbst, wie es ist: Das erste Osterfest nach dem Krieg… Auf der einen Seite ist es gut, dass das Leben langsam wieder normal wird, aber auf der anderen Seite ist es nicht leicht zu ertragen. Das erste Weihnachten ohne Fred war viel schlimmer, aber ich glaube, meine Eltern waren trotzdem heilfroh, dass wir alle bei ihnen waren. Das macht es einfacher, sich an dem zu freuen, was ist, statt über das zu trauern, was war.“
Professor McGonagall nickte bedächtig. „Wahre Worte.“

Niemand von ihnen legte es darauf an, noch lange zu bleiben und über das zu reden, was Ginny angedeutet hatte. Als Hermine jedoch vorschlug, gleich zu Hagrids Hütte auf dem Schlossgelände zu gehen, und Draco fragte, ob er mit Malin mitkommen und einen Abstecher zu der Einhornkoppel in der Nähe machen wolle, hielt Professor McGonagall ihn mit einer Handgeste von einer Antwort ab.
„Das ist eine gute Idee, Hermine. Geht ihr beide doch schon vor und nehmt Malin mit. Ihr Vater kommt in ein paar Minuten nach. Ich muss noch kurz mit ihm sprechen.“
Neugierig sahen Hermine und Ginny von der Schulleiterin zu Draco, doch er konnte nur mit den Schultern zucken. Die beiden jungen Frauen und Malin verabschiedeten sich, wobei Professor McGonagall Malin noch eins ihrer Schokoladeneier zum Abschied schenkte, und verließen das Büro.
Draco blieb allein mit der älteren Frau zurück, die mit einem Nicken auf den Besucherstuhl vor ihrem Schreibtisch deutete. Nervös setzte er sich.

„Haben Sie schon eine Entscheidung getroffen, wie es weitergehen soll?“, fragte Professor McGonagall nicht unfreundlich, doch ein ernster Unterton in ihrer Stimme verriet, dass sie angespannt war.
Draco seufzte. In den vergangenen Tagen hatte er kaum noch an sein Versprechen Professor McGonagall gegenüber gedacht, sich bis Ostern etwas einfallen zu lassen.
Hoffnungsvoll berichtete er: „Malin hat an Ostern bei den Weasleys Magie gezeigt. Sie ist unsichtbar geworden, scheinbar ohne sich dessen bewusst zu sein. Das ändert die Lage, oder nicht? Ist sie nicht hier in Hogwarts am besten aufgehoben, wenn sie -“
„Im Gegenteil, das verschärft die Problematik umso mehr“, widersprach Professor McGonagall ihm rigoros: „Ein Kind, das seine magischen Fähigkeiten noch nicht kontrollieren kann, ist stets ein nur schwer zu kalkulierendes Risiko. Es tut mir leid, Mr. Malfoy, aber als Schulleiterin habe ich die Verantwortung für alles, was im Schloss passiert, und diese Verantwortung kann ich nicht tragen. Was, wenn Malin versehentlich zaubert, solange Sie im Unterricht sind? Was, wenn sie den Raum der Wünsche verändert und Sie nicht mehr hineinkommen? Was, wenn sie im Spiel etwas aus ihrer Phantasie Wirklichkeit werden lässt? Was, wenn sie auf dem Gelände herumtollt und sich plötzlich im verbotenen Wald oder oben auf dem Dach des Astronomieturmes wiederfindet? All das ist möglich, wenn Kinder Magie einsetzen, ohne es zu wollen. Unkontrollierte Magie kann dennoch sehr mächtig sein. Sie könnte sich und andere verletzen – besonders, wenn es doch noch einmal dazu kommt, dass sie von den Schülern geärgert wird und sich bedroht fühlt.“

Draco schwieg. Bedrückt verflocht er seine Finger in seinem Schoß.
„Sie schlagen also vor, dass ich mit Malin fortgehen muss?“
„Sie müssen nicht gehen. Sie könnten Malin in die Obhut -“
„Nein“, unterbrach Draco sie scharf. „Die einzige, in deren Obhut ich Malin geben werde, ist ihre Mutter. Ida macht gute Fortschritte. Ihre Heiler glauben, dass sie bald entlassen werden kann. Nur glaube ich nicht, dass sie sofort in der Lage sein wird, sich wieder allein um Malin zu kümmern. Malin ist so quirlig, sie kann einen den ganzen Tag auf Trab halten…“
Er spürte, wie sich unwillkürlich ein Lächeln auf seine Lippen legte, als er an all die Nachmittage in den zurückliegenden Tagen dachte, an denen er Malin quer über die Ländereien gejagd, ihr vorgelesen und mit ihr gespielt, mit ihr die Geister beobachtet, Raupen gesammelt und gebastelt hatte, bis ihm die Finger zusammenklebten und er abends wie ein Stein ins Bett gefallen war.
„Und Sie denken nicht, dass Miss Larsson für eine Weile zu ihrer Familie zurückgehen möchte, um Hilfe mit dem Mädchen zu haben?“, fragte Professor McGonagall in vorsichtigem, mitfühlenden Ton.
Draco schüttelte den Kopf. „Sie kann sie jetzt nicht einfach wieder mitnehmen.“
Er räusperte sich, als er den kritischen Blick seiner Lehrerin sah. Rasch rechtfertigte er sich: „Nicht nur, weil ich es nicht will. Ihre Familie sind Muggel. Jetzt, nachdem Malin ihre Magie offenbart hat, braucht sie jemanden mit magischen Kräften, der ein Auge auf sie hat. Ida sieht das genauso. Das war ja überhaupt erst der Grund, warum sie nach England gekommen ist. Sie braucht mich.“

„Nun, dann bleibt im Grunde nur eine Möglichkeit.“
„Und die wäre?“, fragte Draco und spürte, wie beim Sprechen sein Mund austrocknete. Angst loderte in ihm auf wie eine Stichflamme.
„Sie müssen sich mit Malin und ihrer Mutter eine Wohnung in der Nähe von Hogwarts nehmen. Nahe genug, um bei ihnen zu sein, so oft ihre schulischen Verpflichtungen es zulassen. Dann können sie den Unterricht besuchen und ihren Abschluss machen und sich den Rest des Tages mit um ihre Tochter kümmern, ohne dass ich ständig den Schutz des Schlosses schwächen muss, um ihnen zu erlauben, das Flohnetzwerk zu benutzen oder hinein- und hinauszuapparieren.“
Draco wusste nicht, ob er lachen oder weinen sollte. Resigniert brachte er seine Zweifel zum Ausdruck: „Eine Wohnung in der Nähe von Hogwarts? Da fällt mir nur Hogsmeade ein – die einzige Ortschaft in Großbritannien, in der kein einziger Muggel lebt. Ich weiß gar nicht, wer schlechtere Chancen hat, dort eine Wohnung vermietet zu bekommen: Ida als Muggel oder ich als verurteilter Todesser.“
„Nun“, erwiderte Professor McGonagall spitz: „Ich als respektierte Hexe und Schulleiterin habe durchaus gute Chancen. Und ich bin bereit, bei einem meiner Bekannten ein gutes Wort für Sie einzulegen.“
„Das würden Sie tun?“, fragte Draco ungläubig.
Professor McGonagall verdrehte ganz entgegen ihrer üblichen kontrollierten Art die Augen.

„Das wäre großartig, Professor!“, sagte Draco dankbar. Dann fiel ihm noch etwas ein. „Meinen Sie, es wäre in Ordnung, wenn ich Malin trotzdem ab und zu mit aufs Gelände bringe? Um sich das Quidditchspiel Slytherin gegen Hufflepuff anzuschauen, zum Beispiel? Ich habe es ihr versprochen. Sie ist verrückt nach dem Fliegen.“
Professor McGonagall lächelte milde. „Ich denke nicht, dass etwas dagegenspricht, solange sie nicht unbeaufsichtigt bleibt. Nehmen Sie Hermine oder einen ihrer Freunde mit, dann können Sie mit Malin meinetwegen gerne weiter die Ländereien nutzen. Ich glaube ohnehin nicht, dass ihr Umzug so schnell vonstattengehen kann. Bis zu dem Spiel sind es ja nicht einmal mehr zwei Wochen. Ich werde ein paar Tage brauchen, um meinen Bekannten zu überzeugen, er kann sehr stur sein.“
„In Ordnung. Danke, Professor!“ Draco sah sich um. „Kann ich dann jetzt gehen?“
Professor McGonagall wedelte mit der Hand, wie um ihn von seinem Stuhl zu scheuchen. Er grinste sie an, sprang auf und eilte aus dem Büro. Er konnte es kaum erwarten, Hermine und Malin die guten Neuigkeiten zu erzählen.

Die beiden traten gerade, Ginny im Schlepptau, aus der Hütte des Wildhüters, als Draco den verschlungenen Weg vom Schloss hinunter joggte. Malin entdeckte ihn bereits aus der Ferne und winkte wild, als müsse sie ihn auf sich aufmerksam machen. Ihr rudernder Arm erinnerte Draco so sehr an Hermine, wie sie früher auf ihrem Stuhl auf und ab gehopst war und den Arm durchgestreckt hatte, als wollte sie sich selbst die Schulter auskugeln, wenn sie sich im Unterricht meldete, dass er im Laufen losprustete und prompt Seitenstechen bekam.
Er lief noch ein wenig schneller, pflückte Malin mit dem Schwung seines Laufs vom Boden, als er sie am Rande des Kürbisbeets erreichte, und wirbelte sie lachend im Kreis durch die Luft. Sie kreischte vor Lachen.
Draco sah, wie sich die Vorhänge hinter den Fenstern der Hütte bewegten und Hagrid, aufgescheucht von dem Lärm, hinausspähte. Er glaubte, einen verschmitzten Ausdruck auf dem Gesicht des Wildhüters wahrzunehmen, soweit dessen struppiger Bart überhaupt einen Gesichtsausdruck erkennen ließ. Doch als er Dracos Blick begegnete, runzelte der riesenhafte Kerl grimmig die buschigen Augenbrauen und verschwand wieder vom Fenster.
Außer Atem stellte Draco seine Tochter auf die eigenen Füße zurück. Ginny und Hermine schauten ihm belustigt dabei zu und in Hermines Augen glitzerte etwas, das Draco nicht recht einzuordnen wusste.
„Was wollte Professor McGonagall mit dir besprechen?“, fragte sie interessiert.

Draco warf einen schnellen Blick zu Malin, doch die war schon wieder damit beschäftigt, Ginny eine lila schimmernde Schnecke zu zeigen, die an einem der Kürbisse hinaufkroch.
„Sie möchte, dass ich mit Malin aus dem Schloss ausziehe“, setzte Draco zu einer Zusammenfassung an und hob beschwichtigend die Hände, als er Hermines bestürzten Gesichtsausdruck sah. „Sie hat angeboten, eine Wohnung in Hogsmeade zu organisieren, damit ich weiter zur Schule gehen kann. Dort könnte Malin mit Ida wohnen und ich bei ihr sein, wann immer es geht.“
„Du sollst dort mit Ida und Malin zusammenwohnen?“, fragte Hermine. Ihre entsetzte Miene war einem Gesichtsausdruck gewichen, den Draco nicht recht deuten konnte.
„Ich weiß nicht, ob ich wirklich auch dort wohnen werde“, dachte Draco laut. „Das kommt darauf an, wie gut Ida mit Malin allein zurechtkommt, wie viel ich in der Schule zu tun habe, wenn es auf die Prüfungen zugeht, wie viele Schlafzimmer die Wohnung hat… Das steht alles noch nicht fest. Hauptsache, ich kann Malin weiterhin sehen und auf sie aufpassen, oder?“
„Ja.“ Hermine nickte. Sie wirkte beruhigt.
„Sag es Malin noch nicht, in Ordnung?“, bat er sie. „Ida werde ich vorher fragen müssen, aber bevor ich es Malin erzähle, möchte ich erst abwarten, bis alles in trockenen Tüchern ist.“
„Klar doch“, sagte Hermine und warf einen liebevollen Blick auf Malin, die gerade von Ginny auf die Füße gezogen wurde.

„Können wir jetzt zu den Einhörnern gehen?“, fragte sie mit leuchtenden Augen.
Draco nickte.
„Am besten, du gehst mit Hermine vor“, schlug Ginny vor. „Einhörner sind ein bisschen schüchtern, wenn Männer in der Nähe sind. Wenn du erst einmal ohne deinen Dad gehst, kommen sie vielleicht zu dir an den Zaun und lassen sich streicheln.“
Skeptisch sah Draco Ginny an. Aus dem Augenwinkel sah er, dass auch Hermine ihre Freundin misstrauisch beäugte. Er fühlte sich bestätigt. Ich bin wohl nicht der Einzige, der ihr nicht abkauft, dass es nur darum geht.
Malin jedoch griff nach Hermines Hand und zog sie mit mehr Kraft, als man so einem kleinen Körper zutrauen würde, in Richtung der Koppel, die hinter einem Ausläufer des Waldes verborgen lag. Kaum waren sie hinter den Bäumen außer Sichtweite, sah Ginny Draco ernst in die Augen.
„Hör zu, Malfoy“, sagte sie geschäftsmäßig: „Ich akzeptiere das, was zwischen dir und Hermine läuft. Die Ablenkung scheint ihr gut zu tun. Aber ich will, dass du eines dabei nicht vergisst: Wenn du Hermine wehtust, dann werde ich dir auch wehtun.“
Ginny war über einen Kopf kleiner als Draco, aber bei diesen Worten schien sie zu wachsen. Sie stemmte die Hände in die Hüfte und blitzte ihn aus verengten Augen an. „Ich bin mit sechs Brüdern aufgewachsen, da kann man es sich nicht leisten, zimperlich zu sein. Und glaub nicht, ich würde mich ladylike auf Magie verlegen, wenn du mich wütend machst. Ich schwöre dir, Draco Malfoy: Brichst du ihr das Herz, breche ich dir die Beine.“

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Wer, wenn nicht unsere Ginny, verdient einem Kapitel den Titel "Killer Queen" von Queen? ;)
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