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Eltern wider Willen

von MsMaggie
GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P16 / Het
Draco Malfoy Ginevra Molly "Ginny" Weasley Hermine Granger Minerva McGonagall
07.10.2020
04.05.2021
48
122.177
69
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Dieses Kapitel
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24.03.2021 3.253
 
37. Kapitel - Stups, der kleine Osterhase (Teil 3)


„Floh!“, schrie Draco: „Floh, warte!“
Er stolperte im Rennen über die schiefe Türschwelle des Fuchsbaus und fing sich gerade noch in der Luft, bevor er stürzte. Die Hühner gackerten empört, als er über den Hof rannte und sie aufscheuchte, statt Rücksicht auf sie zu nehmen und ihnen im Slalom auszuweichen, doch Draco achtete nicht auf sie. Erst am Tor blieb er stehen, drehte sich verwirrt um die eigene Achse und sah sich um.
Malin hatte nur einige Sekunden Vorsprung gehabt, als er sie im Hausflur der Weasleys aus den Augen verloren hatte, und mit seinen viel längeren Beinen hätte er ihre kurzen Kinderschritte schnell aufholen müssen. Doch nun stand er am Zaun, von wo aus er den Hof und die umliegenden, sanft ansteigenden Wiesen gut überblicken konnte, und von Malin war nirgends etwas zu sehen.
„Malin!“, brüllte er noch einmal, so laut er konnte, falls sie wie durch ein Wunder bereits weiter weg war, als er es sich erklären konnte. „Floh, wo bist du?“
Statt seiner Tochter tauchten Hermine und ein paar der Weasleys in der Haustür auf, die Gesichter blass und betroffen. Hermine kam auf ihn zu und streckte im Gehen die Hand nach ihm aus, doch Draco machte auf dem Absatz kehrt und ging in die entgegengesetzte Richtung am Zaun entlang, den Kopf suchend nach links und rechts drehend.

„Hey“, hörte er Hermines sanfte Stimme. „Beruhige dich. Wir finden sie, sie kann nicht weit sein.“
Draco wirbelte herum. Am liebsten hätte er sie an den Schultern gepackt und geschüttelt.
„Ich soll mich beruhigen?“, fuhr er sie an: „Dein Arschloch von einem Exfreund beleidigt meine Tochter – meine vierjährige Tochter – und ich soll mich beruhigen?! Wenn ihr etwas passiert, dann schwöre ich dir, bringe ich ihn um!“
Er warf den Weasleys, die in einigen Metern Abstand stehengeblieben waren, einen feindseligen Blick über Hermines Schulter zu, um sie zu warnen, ihm ja nicht zu widersprechen. Doch keiner von ihnen machte Anstalten, etwas sagen zu wollen, weder Hermines sonst so vorlaute kleine Freundin noch ihre drei älteren Brüder – der nette, der mit Drachen arbeitete, der Zwilling und der mit den Narben im Gesicht und den langen Haaren – noch Fleur Delacour, die Draco als den Beauxbatons-Champion vom Trimagischen Turnier in Hogwarts wiedererkannt hatte. Sie alle sahen ihn eher mitfühlend an als wütend.
Hermine nutzte den Augenblick, in dem er kurz abgelenkt war, machte einen schnellen Schritt auf ihn zu und schlang die Arme so fest um seine Schultern, dass es sich mehr anfühlte, als wollte sie ihn festhalten, als nach einer Umarmung. Sie stellte sich auf die Zehenspitzen, legte ihr Kinn auf seine Schulter und sprach mit leiser, beruhigender Stimme in sein Ohr.
„Du musst dich beruhigen, Draco. Malin hat sich erschreckt, sie hat Angst und du machst es nicht besser, wenn du hier herumbrüllst und Morddrohungen ausstößt – auch wenn ich es nachvollziehen kann. Sie ist vier und erst vor zwei Minuten verschwunden. Sie muss irgendwo in der Nähe sein und wir finden sie. Alles wird gut.“

Draco spürte, wie sich sein Körper in Hermines Armen ein wenig entspannte. Er erlaubte es sich, für einen Moment die Augen zu schließen, die Stirn an ihre zu lehnen und tief ein- und auszuatmen.
Dann schlug er die Augen wieder auf und sah sie an. Er versuchte, Dankbarkeit und Entschuldigung zugleich in seinen Blick zu legen, denn jetzt war keine Zeit für viele Worte, und nickte entschlossen. Sie erwiderte seinen Blick, lächelte ermutigend und drückte ihn noch einmal kurz an sich, ehe sie ihn losließ.
Draco sah hinüber zu den Weasleys, die ihn noch immer beobachteten, und sah überrascht, dass auch sie ihm verständnisvoll zunickten, wie um eine stille Übereinkunft zu besiegeln.
„Fleur und ich sehen im Schuppen nach“, sagte der vernarbte Weasley ruhig, legte seiner hübschen Frau eine Hand in den Rücken und ging mit ihr hinüber zu einem kleinen, windschiefen Nebengebäude.
„Komm, Charlie, wir suchen hinter dem Haus“, sagte Ginny. „George, siehst du drinnen nach? Vielleicht ist sie ja gar nicht rausgelaufen, sondern hat nur die Tür aufgemacht, es sich anders überlegt und sich drinnen versteckt.“
„Das wäre ganz schön ausgefuchst“, kommentierte der Weasley, der ihnen am morgen die Tür geöffnet hatte, besser gelaunt, als Draco es angemessen fand: „Wenn sie es so gemacht hat, wette ich darauf, dass der sprechende Hut sie eines Tages nach Slytherin steckt.“

Hermine blieb bei Draco. Gemeinsam gingen sie noch einmal am Zaun entlang, sahen hinter jeden Baum, jeden Sack Hühnerfutter und Blumenerde, den Kompost und sogar unter die umgekippte Schubkarre. Sie suchten im Hühnerstall und stiegen schließlich auf den Hügel hinauf, um einen Überblick über die Umgebung zu haben.
Jedes Mal, wenn Draco ein mögliches Versteck entdeckte, schlug sein Herz höher, nur um dann einen Schlag auszusetzen, wenn er es leer vorfand. Sein Zorn auf Ron Weasley war verraucht, er verschwendete nicht einmal mehr einen Gedanken an ihn. Seine Angst um Malin hingegen wuchs mit jeder Minute, die sie verschwunden blieb.
Als sie den Hügel wieder hinunterkamen, warteten ein paar der Weasleys bereits im Hof. Sie erwiderten Dracos hoffnungsvollen, fragenden Blick mit bedauerndem Kopfschütteln. Mit hängenden Schultern und brennenden Augen öffnete er das Hoftor für Hermine.
Und dann sah er plötzlich etwas, das ihn dazu brachte, verdutzt innezuhalten und sich instinktiv mit der Hand die Augen zu reiben. Er merkte nicht einmal, dass sein Handrücken verdächtig feucht wurde, denn was er gesehen hatte, war immer noch da: Neben der grünen Haustür, inmitten eines Dutzends wild verstreuter Gummistiefel verschiedener Größen und Farben, schwebte ein Huhn.

Draco ließ das Hoftor los und ging langsam zwischen den Weasleys hindurch, die mit dem Rücken zu der seltsamen Erscheinung standen und ihm verwirrt auswichen. Hinter sich hörte er jemanden überrascht Luft holen, als der- oder diejenige ebenfalls sah, was Draco aufgefallen war. Gut einen Meter von dem schwebenden Huhn entfernt, das die Augen vertrauensvoll geschlossen hielt und den gefiederten Kopf in einer gleichmäßigen Bewegung vor und zurück bewegte, blieb er stehen.
„Floh?“, fragte er leise und verunsichert von den Augenpaaren, die er im Rücken spürte. Doch im nächsten Augenblick, als das Huhn plötzlich nicht mehr schwebte, vergaß er alles um sich herum.
Malin hockte plötzlich zwischen den Gummistiefeln, das Huhn in beiden Armen, eine Hand gerade frei genug, um ihm in einer meditierend gleichmäßigen Bewegung über den kleinen, knopfäugigen Kopf zu streicheln. Sie sah Draco aus großen, geröteten Augen an. Dann presste sie die Augen fest zusammen und war in der nächsten Sekunde wieder unsichtbar.
Draco war selbst überrascht von dem Laut, der sich aus seiner Kehle löste, halb Lachen, halb Schluchzen. Er ließ sich vor der Stelle, an der das Huhn nun wieder zu schweben schien, auf die Knie fallen, ohne darauf zu achten, dass er dabei Staub und Hühnerdreck aufwirbelte.
„Malin, sieh mich an“, flüsterte er mit rauer Stimme: „Sieh mich an, mein Schatz.“

Malin tauchte wieder auf. Das Huhn in ihren Armen hatte die Aufmerksamkeit nun ebenfalls bemerkt und befreite sich strampelnd. Es hüpfte zu Boden und stakste eilig davon.
„Ich bin so froh, dich zu sehen“, sagte Draco und öffnete die Arme. „Kommst du zu mir?“
Malin sah ihn an und ihre Unterlippe begann zu zittern. Dann sprang sie mit einem Satz über die verstreuten Gummistiefel. Er fing sie auf und drückte sie so fest an sich, wie er es verantworten konnte, ohne ihr wehzutun.
Sie verbarg das Gesicht in seinem Umhang und schluchzte. Mit einer Hand streichelte er ihr beruhigend übers Haar, aber auch seine eigenen Schultern bebten. Er spürte, wie etwas Nasses seine Wange hinunterlief, und als er die Augen öffnete und Malin auf Armeslänge von sich hielt, sah er ihr Gesicht nur verschwommen.
„Ich hatte solche Angst um dich“, flüsterte er heiser. „Bitte lauf nie wieder fort, Floh. Ich will dich nie wieder verlieren.“
„Aber ich b-bin d-doch d-d-der g-größte F-F-…“, stammelte Malin unter Tränen und wurde von einem herzzerreißenden Schluchzen unterbrochen. Etwas schloss sich hart wie eine Faust um Dracos Herz.
„Du bist kein Fehler, Floh“, sagte er und zwang seine Stimme, fest und bestimmt zu bleiben, obwohl er selbst am liebsten geschnieft hätte. „Du, Malin, bist das allerbeste, was mir in meinem ganzen Leben passiert ist.“

Malin schob die Unterlippe vor. Ihr blauen Augen musterten ihn voller Zweifel.
„Das glaube ich nicht“, murmelte sie und sah auf ihre Füße hinunter. „Was soll denn sonst der größte Fehler sein?“
Ohne darüber nachzudenken, ließ Draco sie los und schob seinen linken Ärmel nach oben. Er streckte den nackten Unterarm aus, die Innenseite nach oben.
„Das hier“, sagte er, zwar ohne Verständnis für Malins kindliche Logik, aber nur allzu bereit, jede ihrer Fragen zu beantworten, wenn er sie damit trösten konnte. „Das hier ist der größte Fehler meines Lebens. Mit dir hat er nichts zu tun.“
Malin schaute mit großen Augen auf den Totenschädel und das dunkle Mal hinunter, das sich dunkelgrau von seiner blassen Haut abhob. Zögernd fragte sie: „Weil es wehgetan hat.“
Draco konnte nicht anders, er musste lachen. Er fuhr sich mit der Hand durchs Gesicht, um die Tränenspuren zu verwischen, und antwortete: „Nein. Weil es mich zu einem schlechteren Menschen gemacht hat. Aber du, mein Schatz, du hast mich zu dem besten Menschen gemacht, der ich je war. Du hast mein Leben besser gemacht, als es je war. Du bist kein Fehler, Malin, du bist ein Wunder. Mein kleines Wunder.“
Malin legte den Kopf schief. Sie schien nicht zu verstehen, warum er lachte und weinte zugleich. „Auch nicht der zweitgrößte?“
„Nein, Floh.“ Er lächelte sie an, hob die Hand und streichelte ihr zärtlich über die Wange. Er warf einen Blick über die Schulter, in der Erwartung, Hermine zu sehen, und erst, als er die umstehenden Rotschöpfe sah, fielen ihm die Weasleys wieder ein. Rasch wandte er das Gesicht wieder Malin zu und machte eine Kopfbewegung in Hermines Richtung. „Der zweitgrößte Fehler meines Lebens ist sie. Nicht sie, sondern wie ich sie behandelt habe, als wir noch … keine Freunde waren.“

Malin sah von Hermine zurück zu Draco und wieder auf ihre eigene Schuhspitze. Beschämt rieb sie sie im Dreck.
„Es tut mir leid, dass ich weggelaufen bin.“
„Es tut mir leid, dass ich geschrien habe“, sagte Draco. „Ich habe dich so lieb, Floh.“
Er drückte Floh noch einmal fest an sich, dann schlang er den Arm um sie und hob sie hoch. Sie ließ den Kopf erschöpft auf seine Schulter sinken, als er sich zu Hermine und den Weasleys umdrehte. Erst jetzt sah er, dass auch Wieselbys Eltern inzwischen auf dem Hof standen.
Verlegen räusperte er sich. „Ich glaube, ich sollte jetzt mit Malin zurück nach Hogwarts flohen.“
„Nein!“, schrie Malin auf seinem Arm so laut, dass Draco zusammenzuckte und sein Ohr auf der Seite, auf der er sie trug, zu klingeln begann.
Der einzelne Zwilling kicherte. Feixend sagte er zu Draco: „Wenn du dein Gesicht sehen könntest, Malfoy… Zum Schießen.“
Malin zog etwas aus der Tasche ihrer Strickjacke und hielt es hoch. Es war ein blau gefärbtes Hühnerei.
„Der Osterhase war hier und hat Eier versteckt, Papa! Eins habe ich schon in einem Gummistiefel gefunden, aber es gibt bestimmt noch mehr. Ich möchte helfen, sie zu suchen! Bitte!“

Perplex sah Draco in die Runde. Molly, die sich eben mit einem Zipfel ihrer Schürze über die Augen getupft hatte, ließ diesen fallen, trat zu ihm und nahm ihm Malin ab.
Halb an Malin, halb an Draco gewandt, sagte sie: „Natürlich kannst du Ostereier suchen, Schätzchen. Komm, wir suchen zusammen. Und du solltest einen Moment reingehen. Ronald möchte mit dir reden, wenn du bereit dazu bist.“
„Mum hat ihm den Kopf geradegerückt“, flachste der Weasleyzwilling.
Unsicher sah Draco Hermine an. Sie zuckte die Achseln und formte mit den Lippen die Worte „Wie du willst“.
„Okay“, sagte Draco zu niemand bestimmten. Er wandte sich zur Tür, doch Arthur Weasley legte ihm eine Hand auf die Schulter und hielt ihn auf.
„Hör mal, Draco“, sagte er leise. „Ich will nicht verteidigen, was mein Sohn zu dir gesagt hat. Er hat sich unmöglich benommen. Trotzdem möchte ich nicht, dass es heute noch mehr Streit gibt. Es ist für uns alle kein leichter Tag. Du und dein Mädchen seid Gast in unserem Haus. Ihr könnt bleiben, so lange ihr wollt, aber es wäre schön, wenn der Rest des Festes friedlich gefeiert wird.“
„Ich verstehe, Mr. Weasley“, sagte Draco bemüht respektvoll. „Ich weiß Ihre Gastfreundschaft zu schätzen. Wenn es … mir nicht möglich erscheint, mich mit Ron zu einigen, werden wir gehen.“
Arthur Weasley nickte ihm verständnisvoll zu und klopfte ihm noch einmal auf die Schulter, um ihm zu signalisieren, dass er gehen konnte. Draco betrat den Hausflur.

Der Weasleybruder mit der Brille saß in einem Sessel und las den Tagespropheten, als Draco hineinkam. Er sah ihn kurz über die Zeitung hinweg an, ließ sich aber nicht von ihm stören.
Im hinteren Teil des Wohnzimmers lümmelten Ron Weasley und Harry Potter auf einem kleinen, zerknautschten Zweisitzersofa. Potter redete mit leiser, eindringlicher Stimme auf seinen Freund ein, doch er verstummte, als er Draco sah.
„Soll ich gehen?“, fragte er, ohne erkennen zu lassen, ob die Frage an Draco oder Ron gerichtet war. Beide schüttelten zeitgleich den Kopf und Potter rutschte auf der Sitzfläche des Sofas unbehaglich nach hinten.
„Was willst du, Weasley?“, fragte Draco kühl und lehnte sich an die Wand gegenüber des Sofas.
„Was ich will?“, brauste Ron sofort auf: „Was willst du, Malfoy? Was willst du in meinem Haus? Was willst du von meiner Freundin? Was -“
Potter räusperte sich und knuffte seinem besten Freund den Ellbogen in die Seite. Leise murmelte er: „Ron, deine Mum…“
Ron verdrehte die Augen. „Jaaa, schon gut. Ich will mich entschuldigen.“
Draco schnaubte verächtlich. „Du musst dich nicht bei mir entschuldigen.“
Ron, der den Mund bereits wieder geöffnet hatte, schloss ihn verblüfft wieder. „Ähm, okay.“
„Du musst dich nicht bei mir entschuldigen!“, wiederholte Draco aggressiv.

„Oh“, machte Ron zerknirscht. „Klar. Ich werde deiner Tochter sagen, dass es mir leidtut und ich es nicht ihr gegenüber böse gemeint habe. Ich war gemein zu ihr und das hat sie nicht verdient. Sie kann nichts dafür, wer ihr Vater ist.“
Draco erinnerte sich an das, was Mr. Weasley zu ihm gesagt hatte, und sagte nichts dazu. Er schob die Hände in die Hosentaschen, stieß sich von der Wand ab und wollte schon wieder nach draußen gehen, als Ron sagte: „Malfoy?“
„Ja?“, knurrte Draco.
„Was ist das mit Hermine und dir?“
Es war ihm anzuhören, wie er sich innerlich bei dieser Frage wand.
„Sie hilft mir mit Malin.“
„Weil Minerva sie darum gebeten hat?“
Es dauerte einen Augenblick, bis Draco die Verbindung zwischen dem Vornamen und Professor McGonagall hergestellt hatte.
„Ja. Anfangs.“ Er zögerte, dann seufzte er, drehte sich um und ließ sich in einen freien Sessel fallen. Er war so durchgesessen, dass Draco tief in das Polster sank. „Hört zu, denn ich sage das nur ein einziges Mal: Ich habe euch unrecht getan. Wahrscheinlich euch allen dreien, aber Hermine am meisten. Sie ist ein wirklich guter Mensch. Ich mag sie und wir sind sowas wie Freunde. Ich verstehe, dass euch das nicht passt, aber solange sie es so will, ist es so. Klar?“
„Stehst du auf sie?“, fragte Ron, eine Spur neu entflammter Angriffslust in seiner Stimme.
Draco runzelte die Stirn. „Sei nicht albern, Weasley.“

Er stemmte sich aus seinem Stuhl, doch bevor er sich aus dem zu weichen Sessel gekämpft hatte, sagte Potter: „Warte, ich will dir noch was sagen.“
„Was denn noch?“, fragte Draco genervt, doch in seiner Magengegend flatterte die nervöse Angst, dass Potter auf seinen Prozess zu sprechen kommen würde. Er hatte absolut keine Lust, jetzt vor ihm zu Kreuze kriechen zu müssen, weil er für ihn ausgesagt hatte. Er war heute bereits weiter gegangen, als er es in seinem Stolz vorgehabt hatte, aber das ging einen Schritt zu weit.
„Ich wollte dir nur sagen, dass du für einen Trottel ein echt guter Vater zu sein scheinst“, sagte Potter und grinste schief. Er räusperte sich. „Und, naja… Nimm es nicht so ernst, ob sie schon Magie zeigt oder nicht. Vielleicht kommt das noch, aber selbst wenn nicht… Man kann auch ohne Zauberei ein gutes Leben führen. Hermine kann dir sicher viel dazu erzählen und, äh…“
Draco spürte, wie sich sein Mund zu einem süffisanten Grinsen verzog. Seine Stimme vibrierte vor Stolz, als er sagte: „Danke, Potter, aber darüber mache ich mir keine Sorgen. Ich kann mir die Tatsache, dass meine Tochter sich nicht versteckt hat, sondern unsichtbar geworden ist, als sie sich gerade aufgeregt hat und nicht gefunden werden wollte, nicht anders erklären als damit, dass sie genug Magie im Blut hat, um einmal eine phantastische Hexe zu werden.“
Potter starrte ihn verblüfft an und Weasley klappte prompt der Unterkiefer herunter. Draco stand auf und ging beschwingten Schrittes zurück in den Garten, bevor einer von beiden sich genug von der Überraschung erholt hatte, um zu antworten.

Es dauerte ein paar Minuten, bis er die anderen gefunden hatte. Der wilde Garten des Fuchsbaus ging ohne umlaufende Hecken oder Zähne in die umliegenden Hügel über und Molly Weasley – zumindest vermutete Draco, dass sie diese Aufgabe erledigt hatte – hatte sich beim Verstecken der Ostereier nicht auf den Hof und den angrenzenden Kräutergarten beschränkt.Er fand sie schließlich im Schatten einer ausladenden Kastanie.
Malin saß auf den Schultern des Weasleyzwillings und streckte sich gerade so weit sie konnte, um ein kirschrotes Osterei aus einer Astgabel zu pflücken. Fleur Delacour wartete mit ihrem Mann unter dem Baum und trug einen geflochtenen Korb am Arm, in dem bereits ein gutes Dutzend bunt gefärbter Eier lag. Ginny und Hermine kamen soeben aus einer anderen Richtung angelaufen, jede ein Ei in Händen.
„Ich dachte, Malin soll die Dinger suchen“, neckte Draco sie, als die drei zeitgleich die Kastanie erreichten.
„Es sind genug für alle da“, erwiderte Ginny schnippisch: „Meine Mom verzaubert die Eier morgens, sodass sie aus dem Fenster fliegen und sich selbst verstecken. So weiß niemand, wo sie sind, und wir können alle zusammen suchen. Es gab Jahre, da waren wir bis abends beschäftigt, weil immer noch welche fehlten.“
„Aber heute sind wir gut“, schaltete sich Mr. Weasley in ihr Gespräch ein, beugte sich über den Korb und zählte rasch die Eier darin. „Siebzehn. Wie viele hattest du noch gleich versteckt, Liebling?“
„Zwanzig“, antwortete Mrs. Weasley.

Es dauerte eine halbe Stunde, bis sie das letzte Ei gefunden hatten – im Nest einer Henne im Hühnerstall, die sich gackernd beschwerte, als Charlie Weasley sie hochhob und das bunte Ei zwischen zwei braunen unter ihr hervorklaubte. Malin war glückselig, als er danach anbot, noch ein wenig mit ihr im Stall bei den Hühnern zu bleiben, während die anderen ins Haus gingen.
„Können wir dir helfen, Mum?“, fragte Ginny ihre Mutter, die sich fleißig daran machte, den Tisch abzuräumen, um ihn fürs Kaffeetrinken am Nachmittag neu einzudecken.
„Bei Merlins Bart, wenn ihr alle hier herumwuselt, dauert es nur doppelt so lange“, sagte Mrs. Weasley nicht unfreundlich. „Seht zu, dass ihr rauskommt!“
„Wer hat Lust auf Quidditch?“, fragte der älteste der Weasleys. „Wir sind so viele, da können wir mit Klatschern spielen.“
Alle außer Hermine jubelten begeistert und Ginny begann sofort, die Mannschaften einzuteilen: „Charlie stößt bestimmt auch gleich zu uns. Was haltet ihr davon: Ron, Harry, Bill und Fleur gegen Charlie, George, mich und … Malfoy, bist du dabei?“
Unsicher sah Draco Hermine an. „Ich kann mit dir und Malin zuschauen, wenn du -“
„Unsinn“, unterbrach Hermine ihn und bot großzügig an: „Ich habe ein Auge auf Malin, dann kannst du spielen.“
Draco lächelte sie dankbar an und Ginny entschied: „Abgemacht! Ich gehe mal nachsehen, ob ich einen Besen für dich finde.“
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