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3470 Meilen

GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P6
Leta Lestrange Newt Scamander Porpentina "Tina" Goldstein Queenie Goldstein Theseus Scamander
05.10.2020
05.10.2020
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05.10.2020 5.572
 
Willkommen zu einem neuen Projekt! :)

Hier wird eine kleine Sammlung an Szenen folgen, die zwischen den beiden ersten Filmen spielt. Ich werde unregelmäßig und in ungefährer chronologischer Reihenfolge der Ereignisse posten, weil diese Szene für mich als Gedankenstütze und Veranschaulichung der Figurenkonstellation dienen, die ich für ein größeres Projekt erkunde (dessen Dimensionen ich momentan noch nicht recht abschätzen kann – aber ich schätze, es wird die längste Geschichte werden, die ich je geschrieben habe). Der Titel dieser Szenensammlung, „3470 Meilen“, beschreibt die Entfernung zwischen New York und London und spiegelt (hoffentlich irgendwie ein bisschen) die Kluft, die sich zwischen Newt und Tina am Anfang des zweiten Films so plötzlich aufgetan hat. Wie es dazu kam und wo die beiden warum am Anfang von FB2 eigentlich stehen, möchte ich hier ein bisschen beleuchten.

Eine kurze Anmerkung habe ich noch zum Konzept dieses ersten Kapitels: Dieser Briefwechsel wurde sozusagen „geschrumpft“. Wie viele Briefe Newt und Tina „tatsächlich“ ausgetauscht haben und wie lang diese waren, soll dieses Kapitel nicht repräsentieren – es war mehr meine Intention, die Entwicklung ihrer Beziehung durch ihren Schriftwechsel hier zusammengefasst zu präsentieren.

Meinen Headcanon über das internationale magische Postwesen findet ihr unter dem Kapitel. Es würde mich interessieren, was ihr davon haltet, aber ich wollte nicht jeden gleich am Anfang des Kapitels damit zuspammen. :)

Disclaimer: Ich verdiene hiermit kein Geld, alle Rechte liegen bei J. K. Rowling, ihren Co-Autoren und/oder Warner Bros., so sicher bin ich mir da nicht – aber sie liegen auf jeden Fall nicht bei mir. Der Disclaimer gilt für alle Kapitel dieser Szenensammlung.

***




Liebe Tina,

verzeihen Sie, dass ich mir herausnehme, Ihnen zu schreiben. Ich wollte nur melden, dass ich gut in England angekommen bin. Die Geschöpfe sind ebenfalls wohlauf; sie sind allerdings noch etwas nervös von der Reise und benötigen etwas Ruhe. Ansonsten werde ich Ihren Rat befolgen und mich brav an meinen Schreibtisch setzen.

Hochachtungsvoll

Newt Scamander

***


Lieber Newt,

entschuldigen Sie sich nicht! Ich bin froh zu hören, dass es Ihnen und den Tierwesen gut geht. Ich hoffe, sie haben sich inzwischen gut von ihrem unfreiwilligen Abenteuer in New York erholt. Queenie und ich sind ebenfalls wohlauf. Ich soll Ihnen Grüße ausrichten. Wie geht es mit dem Buch voran?

Mit freundlichen Grüßen

Tina Goldstein

***


Liebe Tina,

es scheint, als bräuchte ich länger, um nach der Abreise aus New York zu meinem alten Ich zurückzufinden als meine Tierwesen. Ich bin solche großen Städte nicht gewöhnt (obwohl ich in London wohne, aber auch das ist eher der Zweckmäßigkeit geschuldet). Womit ich nicht sagen möchte, dass es nicht doch deutlich interessanter war, als ich angenommen hatte. Aber es fällt mir etwas schwer, zu meinem Alltagsleben zurückzukehren, nachdem ich ein Jahr auf Reisen war.

Mit dem Buch geht es ganz gut voran. Ich habe mich gestern mit meinem Herausgeber getroffen, der mich ermutigt hat, einige Skizzen hinzuzufügen. Irgendwie kann ich noch immer nicht ganz glauben, dass er mein Buch wirklich verlegen will.

Mit freundlichen Grüßen

Newt Scamander

PS: Eben fand ich bei meinem Niffler einen Dragot – es tut mir fürchterlich leid, ich vermute, dass er ihn von Ihnen hat. Sie finden ihn beiliegend.

***


Lieber Newt,

machen Sie sich wegen des Nifflers keine Sorgen. Ich nehme eher an, er hat das Geld auf der Straße gefunden – Gelegenheit dazu hatte er ja. Seien Sie beruhigt in dem Wissen, dass ich ihm den Diebstahl nicht übelnehmen würde, sollte es mein Geld gewesen sein – nach dem ersten Schreck fand ich den Niffler eigentlich recht sympathisch.

Sie zeichnen? Das haben Sie nicht erwähnt. Ich denke, Sie sollten nicht so unsicher sein, was Ihr Buch betrifft – ich rechne fest mit seinem Erscheinen und freue mich darauf, auch die Zeichnungen dann sehen zu können.

Viele Grüße

Tina

PS: Ich hörte eben von einem Züchter für Appaloosa-Knuddelmuffs in Prag. Ich kann nicht sagen, ob seine Zucht illegal ist, aber wie ich Sie kenne, wird Sie das ohnehin nicht aufhalten.

***


Liebe Tina,

es tut mir leid, dass ich mit einigen Tagen Verzögerung antworte. Bertie, mein Kelpie, hat mich vor drei Tagen gebissen und unglücklicher Weise hat mein Bruder, als er davon hörte, mich nicht nur gezwungen, anderthalb Tage „in vernünftiger medizinischer Behandlung“ zu verbringen, sondern darüber hinaus eine Reihe an Ereignissen ausgelöst, in Zuge derer ich das Ministerium davon überzeugen musste, dass ich nicht auch noch eine Gefährdung für die Sicherheit Londons darstelle, nachdem ich „halb New York zerstört“ hatte. Die ganze Angelegenheit war sehr ärgerlich, da sie mich viel Zeit und Nerven gekostet hat, und ich eine Langzeitstudie über das Verhalten von Fwoopern begonnen hatte, die ich nun unterbrechen musste. – Und dazu natürlich noch die Vorbereitungen für das Buch.

Ich muss Sie bitten, meinem Niffler Ihre Zuneigung niemals zu gestehen – ich versuche seit zwei Jahren, ihn zu erziehen, und dass sein Fehlverhalten eine solche Wirkung auf eine Autoritätsperson hatte, würde mit ziemlicher Sicherheit meine Bemühungen zunichtemachen.

Bitte erlauben Sie mir, eine Skizze von Bertie beizufügen – als Ausgleich dafür, dass Sie länger auf meine Antwort warten mussten.

Viele Grüße

Newt

PS: So sehr ich mir wünsche, auf der Stelle nach Prag aufzubrechen, so muss ich mich doch an mein Versprechen halten, an meinem Schreibtisch zu bleiben und keinen Grund mehr für Ermittlungen ausländischer Ministerien zu bieten.

***


Lieber Newt,

ich bin erschüttert, von Ihrer Verletzung zu hören! Ich hoffe inständig, dass es Ihnen wieder besser geht! Ich denke, mit Aussagen über die öffentliche Sicherheit Londons halte ich mich lieber zurück, aber im Großen und Ganzen war New York nach ihrem Wirken hier sicherer als zuvor, auch wenn ich nicht gedacht hätte, dass ich das einmal sagen würde, als sie Ihre Geschöpfe verloren haben. (Haben Sie das Schloss am Koffer inzwischen reparieren lassen?) Über Ihre Zeichnung freue ich mich sehr – Sie haben wirklich eine Begabung dafür – aber ich bin nicht sicher, ob ich ausgerechnet das Ihrer Geschöpfe immer wieder ansehen will, das Sie gebissen hat!

Was Sie von Ihrem Bruder berichten, verstehe ich nicht ganz. Es wäre mir auch lieber, Queenie sicher versorgt zu wissen, wenn ihr etwas zugestoßen wäre. Aber warum war das Ministerium involviert?

Wage es nicht, die Feder in die Hand zu nehmen, bevor du dich vollständig erholt hast! Ich möchte mich ungern der Meinung deines Bruders anschließen, wenn sie dich verärgert hat, aber in diesem Fall wäre es mir trotzdem lieber, du würdest dich angemessen ausruhen.

Herzliche Grüße

Tina

PS: Ausländische Ministerien? Ich hoffe doch sehr, dass du dich auch mit dem britischen Ministerium in keinen ernsthaften Konflikt verstrickt hast?


***


Liebe Tina,

zunächst: Es geht mir gut, ich bin also zum Schreiben berechtigt. Dass Bertie mich gebissen hat, kann man ihm nicht übelnehmen – er hat nicht viel Gutes von Menschen erfahren und ist entsprechend misstrauisch. Ich hätte es besser wissen müssen, als mich in seiner Anwesenheit hastig zu bewegen. Erlaube mir trotzdem, noch eine Zeichnung von meinem Niffler beizufügen. Er hat mir nie ein Haar gekrümmt und Du hast erwähnt, dass Du ihn ganz gut leiden kannst.

Was meinen Bruder angeht – ich war verärgert und wir haben nicht das engste Verhältnis. Ich habe nicht den Eindruck, dass seine Anweisungen einer echten Sorge um mein Wohlergehen entspringen als vielmehr einer vielgeliebten Gewohnheit, mir sagen zu wollen, was ich zu tun habe. Er ist acht Jahre älter als ich und hat eine steile Karriere im Ministerium hingelegt – und hielt es offenbar für notwendig, einige Nachforschungen anzustellen, was für „gefährliche Kreaturen“ eigentlich in meinem Keller „hausen“. Ich habe manchmal den Eindruck, er macht es mir absichtlich schwer, damit ich mich doch noch einer braven bürgerlichen Laufbahn im Ministerium verschreibe. Aber genug davon.

Übrigens konnte ich die Studie über Fwooper doch noch fertig stellen. Ich habe große Hoffnungen, dass die Erkenntnisse über ihr Balzverhalten, die ich gewonnen habe (ihr Gesang ist bei Vollmond besonders berauschend), dazu beitragen können, unangenehme Zusammenstöße zwischen Menschen und Fwoopern in Zukunft zu minimieren.

Herzlich

Newt

PS: Da ich mich nicht in Deinem Ermittlungsgebiet befinde und ich das britische Ministerium glücklicherweise von weiteren Ermittlungen abhalten konnte, kann ich unter vier Augen gestehen, dass ich nicht für die Haltung aller Tierwesen in meinem Keller (dessen unaufspürbarer Ausdehnungszauber möglicher Weise auch etwas größer ist als erlaubt) eine offizielle Lizenz besitze.

PPS: Der Koffer ist repariert – und ich denke, ich habe meine Lektion gelernt.

***


Lieber Newt,

vielen Dank für die Zeichnung! Ich werde sie in Ehren halten. Und ich muss gestehen, dass der Niffler mir noch immer etwas sympathischer ist als Bertie. Du magst recht damit haben, dass es keine böse Absicht von ihm war, aber… Ist es nicht ein beunruhigendes Gefühl zu wissen, dass deine Tierwesen, so unbedarft es auch geschehen mag, dich jeder Zeit verletzen könnten? So oder so bin ich erleichtert zu hören, dass du dich wieder erholt hast.

Verzeih bitte, wenn ich dir zu nahe trete, aber es tut mir leid wegen des Konflikts mit deinem Bruder. Ich hoffe, ihr könnt euch in nächster Zeit wieder annähern. (Queenie und ich haben in letzter Zeit auch häufiger Differenzen.)

Ich lerne aus deinen Briefen jedes Mal etwas dazu. Ich hatte in der sechsten Klasse eine hübsche Schreibfeder von einem Fwooper, aber ihr Balzverhalten ist mir natürlich neu. Manchmal denke ich, du trägst mehr zur öffentlichen Ordnung bei als ich – und dabei ist das mein Beruf.

Ach, übrigens: Abernathy hat eine Abmahnung dafür bekommen, dass er Queenie im Dezember ohne Kontrolle deines Koffers aus dem Ministerium gehen ließ, obwohl zwei „Verbrecher“ eben entkommen waren. Ich kann nicht behaupten, dass ich mich nicht gefreut hätte…

Herzlich

Tina

PS: Deine Geheimnisse sind sicher bei mir. Versuche nur, nicht aufzufliegen, indem du irgendeine mittelschwere Katastrophe anrichtest, dann soll es mir recht sein.

***


Liebe Tina,

deine Sorge um mich rührt mich, aber du brauchst dir keine Gedanken zu machen: Die meisten meiner Tierwesen sind nicht gefährlich, wenn man weiß, wie man mit ihnen umgehen muss, und falls mir doch einmal etwas zustoßen sollte, sollte es nicht allzu lange dauern, bis ich Hilfe bekomme – ich habe eine Aushilfe für die Tierwesen eingestellt. Mit den Neuzugängen von meiner Weltreise, meinem elenden Job im Ministerium und den Vorbereitungen für das Buch war ich allein doch etwas überfordert.

Der Konflikt mit meinem Bruder ist kompliziert und existiert eigentlich schon, seit ich mich erinnern kann. Wir sind sehr unterschiedlich – ich bin nicht sicher, wie ich das ausdrücken kann, ohne einen verbitterten Eindruck zu hinterlassen. Um es kurz zu machen, könnte man sagen, dass Theseus (seit guten zwanzig Jahren) nicht mit meiner Lebensführung einverstanden ist und versucht, mich zurück auf den rechten Weg – seinen Weg – zu bringen. Als ich jünger war, hat mich das sehr beschäftigt, aber mit der Zeit habe ich gelernt, damit umzugehen. Trotzdem habe ich auf Reisen wohl vergessen, wie anstrengend Theseus sein kann. Er versucht ständig, mich zu ändern. Wir sehen einander nicht häufig, was vielleicht die beste Lösung ist.

Ich hoffe, zwischen Queenie und dir haben sich die Wogen geglättet? Ich kam nicht umhin zu bemerken, dass eure Beziehung sehr viel enger ist als meine zu Theseus, weshalb es ein Jammer wäre, wenn ihr einen anhaltenden Konflikt hättet. Aber genau aus diesem Grund bin ich zuversichtlich, dass ihr eure Diskrepanzen überwinden könnt.

Tina, ich habe das Gefühl, dass es für mich schon lange an der Zeit gewesen wäre, mich angemessen zu entschuldigen. Es tut mir wirklich leid, dass ich New York so in Aufruhr versetzt habe, aber noch mehr, dass ich es dir so schwer gemacht habe. Ich weiß, dass du nur versucht hast, deine Arbeit zu machen und dass mein nächtlicher Ausflug in den Central Park dich fast deine Anstellung gekostet hätte. Hätte ich damals schon gewusst, dass du kein gewöhnlicher Auror bist, hätte ich wahrscheinlich anders gehandelt. Ich bin es gewohnt, dass Mitglieder der Exekutive meinen Geschöpfen sehr misstrauisch und feindlich begegnen und ich hoffe, du verstehst, dass ich dieses Risiko nicht eingehen konnte, da es nicht um mein Leben ging. Aber das entschuldigt mein Verhalten nicht. Ich habe dich in etwas hineingezogen, das dich leicht das Leben hätte kosten können, und wenn ich daran denke, wird mir noch immer schlecht.

Dass ich zur öffentlichen Ordnung beitragen, kann man nicht gerade behaupten, und ich dachte immer, gerade du solltest das wissen.

– Die Neuigkeiten über Abernathy zu hören, hat mich dennoch sehr gefreut. Ich habe zum Glück nur kurz seine Bekanntschaft gemacht, aber allein für sein wichtigtuerisches Auftreten im Zauberstab-Zulassungsbüro gönne ich ihm eine Abmahnung.

Herzlich

Newt

PS: Ich hoffe, es ist in Ordnung, dass ich eine Fwooper-Feder beigelegt habe, und dass Grün dir gefällt. Ich weiß, dass es nur eine kleine Geste ist, wenn man bedenkt, wie sehr ich dein Leben durcheinandergebracht habe, aber vielleicht kannst du sie als einen symbolischen Beitrag zu meiner Entschuldigung annehmen.

PPS: Auch wenn du meine Entschuldigung nicht annehmen möchtest, bitte behalte die Feder.

***


Lieber Newt,

ich war erschüttert über den Inhalt deines Briefes und ich bitte dich, zu entschuldigen, dass ich nicht in der richtigen Reihenfolge darauf eingehe.

Ich habe ein wirklich schlechtes Gewissen, dass du dich bei mir entschuldigst (und mir eine wunderschöne Feder schickst! Mercy Lewis, Newt, bitte, das ist wirklich nicht nötig!)! Du schreibst, dass deine Tierwesen nicht gefährlich sind, und das weiß ich, seit man dir Dank meiner übereifrigen Ermittlungen deinen Koffer entwendet hat. Ich hätte mir nie verziehen, wenn man deinen Geschöpfen durch mein Zutun etwas angetan hätte. Ich weiß jetzt, dass ich dir in jener Nacht beinahe alles genommen hätte… ich will gar nicht daran denken.

Und du hast mir das Leben gerettet. Ich habe dich und deine Tierwesen der magischen Strafverfolgung übergeben und du (und der Böse Sturzfalter) haben mir das Leben gerettet, obwohl du jedes Recht gehabt hättest, verbittert zu sein. Ich war so borniert in meinen Ansichten und besessen von dem Gedanken, endlich wieder Aurorin zu werden, dass ich übersehen habe, wie faszinierend und bewundernswert deine Geschöpfe und dein Beruf sind. Mit einem hast du recht: Ja, du hast mein Leben durcheinandergebracht, aber du hast mir die Augen geöffnet für Wunder, die ich vorher niemals wahrgenommen habe, und mir die Chance gegeben, meine Ansichten zu überdenken und zu ändern. Wage es nicht, dich noch einmal dafür zu entschuldigen.

Was mich zum nächsten Punkt bringt: Ich würde es sehr bedauern, wenn du dir von deinem Bruder etwas einreden lassen würdest. (Es sei denn, er verordnet dir Ruhe, das sieh als unbedingte Ausnahme.) Wenn ich ihn einmal kennenlernen sollte, wird das sicher ein interessantes Gespräch.

Was Queenie angeht… sie ist ein bisschen verschlossen in letzter Zeit, aber ich habe das Gefühl, dass sie zur Vernunft gekommen ist. Sie trauert immer noch Jacob nach. Es tut mir weh, das zu beobachten, aber ich denke, sie hat verstanden, dass es zu ihrem eigenen Besten ist.

Herzlich

Tina

PS: Wo wir gerade von Abernathy sprechen: Was hat dich damals eigentlich dazu bewegt, ihm zu verschweigen, wo ich dich aufgesammelt habe?

PPS: Da es nicht so weitergehen kann, dass du mir ständig Geschenke schickst: Ich habe diese kleine Abhandlung über Donnervögel gefunden. Wahrscheinlich hast du sie bereits gelesen, aber ich war nicht sicher, ob sie in Europa erhältlich ist. Verzeih, dass es nichts Selbstgemachtes ist, aber ich kann nicht halb so gut zeichnen wie du und glaub mir, meine Kekse willst du nicht probieren.

***


Meine liebe Tina,

wirklich, ich habe das Gefühl, wir reden (schreiben) aneinander vorbei. Du hast keinen, ich wiederhole, keinen Grund, ein schlechtes Gewissen zu haben! Du hast in der Überzeugung gehandelt, das Richtige zu tun, das weiß ich – und ohne deine Hilfe hätte ich meine Tierwesen in New York niemals wiedergefunden! Und erinnerst du dich nicht, dass du gerade im letzten Moment gekommen bist, um mich vor Credence‘ Obskurus zu retten? Merlin, jetzt wo ich das schreibe, fällt mir auf, dass du wahrscheinlich nicht einmal weißt, was passiert ist: Ich habe mich in der U-Bahn mit Grindelwald duelliert, um Credence Zeit zu verschaffen (und eine fürchterlich schlechte Figur gemacht. Wenn ich es recht bedenke, bin ich froh, dass du es nicht gesehen hast). Credence hat mein Scheitern so aufgewühlt, dass er den Obskurus nicht mehr kontrollieren konnte. Grindelwald und ich sind wie von Sinnen von einer Ecke in die nächste appariert, um ihm auszuweichen, aber ich glaube nicht, dass ich es in meiner damaligen Verfassung noch lange durchgehalten hätte. Hättest du Credence nicht gerade noch rechtzeitig beruhigt, wäre es wahrscheinlich aus mit mir gewesen, ganz ohne Grindelwalds Zutun. Du siehst, du steht in keinem Falle in meiner Schuld. Und es kann in keinerlei Hinsicht die Rede davon sein, dass du mir „alles genommen“ hättest.

Ich bin tief gerührt, dass du Zuneigung zu meinen Tierwesen finden konntest. Und ich glaube, es hat noch niemals jemand etwas so nettes über meinen Beruf gesagt (geschweige denn ihn wirklich als solchen anerkannt und nicht nur als verrücktes Hobby gesehen). Lass dir nur gesagt sein, dass du vielleicht der am wenigsten bornierte Mensch bist, dem ich in dieser Hinsicht begegnet bin – die Veränderung deiner Ansichten kann also schwerlich mein Verdienst sein. Trotzdem erfüllt es mich mit tiefer Freude, dass ich dir die Schönheit meiner Geschöpfe näherbringen konnte.

Die Publikation über Donnervögel ist sensationell! Sie füllt einige Lücken meiner Recherche und ich wünschte, ich hätte sie schon gehabt, als Frank noch bei mir war. Tausend Dank dafür!

Dein Zusammentreffen mit Theseus kann ich kaum erwarten. Wirklich.

Es tut mir wirklich leid, dass Queenie traurig ist. Gehe ich richtig in der Annahme, dass Jacob sich immer noch an nichts erinnert? Ich vermisse ihn auch; ich hatte nie einen Freund wie ihn. Bitte richte Queenie meine herzlichen Grüße aus!

Dein Newt

PS: Ich hatte den Eindruck, dass du deinen (damaligen) Beruf im Ministerium genauso hasst wie ich den meinen. Wenn es jemanden gibt, der den Drang versteht, sich hinter seinem Schreibtisch zu verstecken, bin ich das.

***


Newt,

verstehe ich es richtig, dass du mir sagen willst, dass du dich mit Grindelwald duelliert hast und es nicht für nötig befunden hast, mir ein Wort davon zu sagen?! Es wäre wirklich besser gewesen, du hättest dich danach untersuchen lassen (auf die Gefahr hin, dass ich Theseus‘ Verhalten spiegele)! Du hast mich in dem Glauben gelassen, du und Grindelwald hättet lediglich auf Credence eingeredet! Vielleicht wird mein Zusammentreffen mit Theseus doch nicht so erfreulich, wie du es dir vorstellst. Nach allem, was ich bis jetzt weiß, sind wir erstaunlich häufig einer Meinung.

Ich werde nicht sagen, dass ich beeindruckt bin, dass du Grindelwald überhaupt standgehalten hast (ich denke nicht, dass ich viele Leute, Auroren eingeschlossen, kenne, die das gekonnt hätten), weil es (ähnlich wie bei deinem Niffler) meinen pädagogischen Zielen eindeutig entgegenstehen würde, dir Anerkennung dafür zu zollen, dich in Lebensgefahr zu begeben (schon wieder! Machst du das öfter? Wenn ja, hör auf der Stelle damit auf!)

(Ich meine es ernst Newt. Auf die Gefahr hin, dass ich mich wirklich zu sehr an Theseus annähere: Pass auf dich auf!)

Was du über meinen Charakter sagst, ist eindeutig zu viel der Ehre…

Queenie scheint es besser zu gehen und sie lässt mich ebenfalls herzliche Grüße ausrichten. Sie möchte nicht über Jacob sprechen, aber sie ist in letzter Zeit wieder mehr sie selbst. Ich weiß nicht, ob Jacob sich erinnern kann (wir haben ihn natürlich nicht besucht), aber ich gehe stark davon aus, dass es nicht so ist. Schließlich hat dein Sturzfalter-Gift bei allen anderen „Muggeln“ auch wunderbar gewirkt. Es tut mir wirklich leid. Ich denke, wir haben alle einen Freund an ihm verloren. Aber was soll man tun?

Es tut mir leid, dass du deinen (offiziellen) Beruf nicht ausstehen kannst. Ich weiß, wie schlimm das ist. Wenn du Glück hast, wird dein Buch ein so großer Erfolg, dass du dich in Zukunft auf die Tierwesen und das Schreiben konzentrieren kannst. Ich halte das gar nicht für unwahrscheinlich. Wie geht es übrigens mit der Herausgabe voran?

Deine Tina

***


Liebe Tina,

ich nehme an, dein Verbot, mich zu entschuldigen, dehnt sich nicht auf diesen Fall aus – es tut mir leid. Ich dachte nicht, dass es so wichtig ist. Mir ist nichts passiert und es ging mir den Umständen entsprechend gut. Ich habe es über Jacobs Abschied fast vergessen. Und ich hatte nur Glück. Duellieren war nie mein Hauptinteresse, wie du dir vielleicht vorstellen kannst.

Und glaub mir, du bist ganz anders als Theseus – und das ist ein Kompliment.

Ich denke nicht, dass es zu viel der Ehre ist. Wirklich, ich vermisse dich zwischen all diesen unterkühlten englischen Zauberern. Manchmal mache ich mir Sorgen, ob sie jemals sehen werden, was ich ihnen vermitteln will. Du gibst mir Hoffnung.

Muggel? Ich sehe, du fängst an, richtiges Englisch zu verwenden. Ich bin stolz. Wenn wir uns wiedersehen, wirst du um eine ordentliche Tasse Tee nicht herumkommen, das weißt du, oder? Und es freut mich zu hören, dass es Queenie besser geht!

Ich glaube nicht, dass ich von den Einnahmen durch mein Buch leben könnte. Du scheinst sehr überzeugt davon zu sein, dass es ein Erfolg wird, aber ich muss dich wieder daran erinnern, dass die wenigsten Menschen deine Aufgeschlossenheit teilen, Tina. Kaum einer interessiert sich für Tierwesen. Und wie du dir vielleicht vorstellen kannst, sind meine Ausgaben bei einer solchen Menge Geschöpfe, die artgerecht zu versorgen sind, leider nicht gering. Ich halte mich schon so nur mühsam über Wasser. (Aber das ist wirklich kein Thema, mit dem ich dich behelligen möchte.)

Mit der Herausgabe geht es gut voran. Wenn alles wie geplant funktioniert, geht die erste Auflage in zehn Tagen in Druck. Ich arbeite sozusagen Tag und Nacht, aber es ist ein gutes Gefühl, so kurz vor dem Ziel zu stehen.

Herzlich

Dein Newt

***


Lieber Newt,

dass du nur Glück hattest, bezweifle ich, aber dass du Glück hattest, ist eine Tatsache. Ich nehme deine Entschuldigung an in der Hoffnung, dass du dich bessern wirst.

Du machst mich neugierig (und ein wenig besorgt) mit deinen Andeutungen über Theseus. Es beschäftigt dich sehr, oder? Vielleicht solltest du versuchen, dich mit ihm auszusprechen? Ich weiß, dass das schwer sein kann, aber er ist dein Bruder – und so oft wie du ihn erwähnst, scheint euer Konflikt dir doch auf dem Herzen zu liegen. Wenn du denkst, dass es dir hilft, würde ich gerne hören, warum dich sein Verhalten so bedrückt.

Ich bin zutiefst überzeugt davon, dass dein Buch ein Erfolg wird, Newt. (Schon allein wegen der Illustrationen sollte es das werden. Ich habe die Bilder vom Niffler und (ein wenig widerstrebend) auch vom Kelpie übrigens auf meinem Schreibtisch stehen, damit ich mich immer an unser Abenteuer erinnern kann, wenn mir der Papierkram zu langweilig wird.) Aber ich bin sicher, dass du das in wenigen Tagen selbst erleben wirst. Ich kann es kaum erwarten, es selbst zu lesen! Und ich glaube, dass sich sehr viele Leute für Tierwesen begeistern werden, wenn sie dein Buch erstmal gelesen haben. Sie wissen einfach zu wenig über sie, und was sie nicht kennen, macht ihnen Angst.

„Richtiges Englisch“ – jetzt werde nur nicht arrogant! Ich möchte dich nur ungern daran erinnern, dass du zu jener Nation gehörst, die ein absolut undurchschaubares Währungssystem besitzt. (Einer Tasse Tee bin ich nicht gänzlich abgeneigt, wenn du versprichst, dass ich keine Milch hinzufügen muss.)

Ich vermisse dich auch, Newt. (Aber bilde dir nicht ein, dass das ein Freifahrtschein wäre, meinen Wortschatz zu kritisieren!)

Ich wünsche dir alles Gute für die finale Phase deiner Buchvorbereitungen (ich hoffe, du bekommst trotz allem genug Schlaf)

Alles Liebe

Deine Tina

***


Liebe Tina,

ich werde mich bessern. Ich habe sogar deinen Rat befolgt, mehr zu schlafen, weshalb es mit dem Brief ein paar Tage länger gedauert hat als gewöhnlich – bitte verzeih. Es sind noch drei Tage bis zur Buchpräsentation. Merlin, ich muss sagen, ich habe nie darüber nachgedacht, dass ich das Buch vorstellen muss (vor einer Gruppe wenig begeisterter Reporter mit Kameras), sonst hätte ich es vielleicht gar nicht geschrieben. Ich wünsche mir sehr, dass deine Erwartungen in mein Buch nicht enttäuscht werden. Dann sollte ich schon zufrieden sein.

Zu Theseus… er macht mich wütend. Er versucht ständig, etwas aus mir zu machen, was ich nicht bin. In seinem Kopf gibt es nur eine Art wie Leute zu sein haben – und das ist wie er. Theseus hat sich im ersten Weltkrieg verdient gemacht und ist mittlerweile ein hochrangiger Auror, und das würde ich ihm von Herzen gönnen, wenn ihn das nicht im Ganzen noch schwieriger gemacht hätte und noch überzeugter davon, dass ich mich auf dem falschen Weg befinde. Er ist so überzeugt von sich selbst. Er tut, als hätte er Prinzipien, aber im Grunde ist er wie alle Auroren, diesem Haufen aus Karrieristen und Heuchler. Selbst jetzt noch, mit meiner Buchpräsentation übermorgen, versucht er mich davon zu überzeugen, dass ich mich auf meine Laufbahn im Ministerium konzentrieren sollte. Ich weiß nicht, welche Möglichkeit die schlimmere ist – dass er nach all den Jahren nicht sieht, wie unglücklich ich dort bin, oder dass es ihm einfach egal ist. Seine Position und seine Selbstsicherheit haben es ihm immer erlaubt, sich selbst zu bestätigen und den einfachsten Weg zu wählen. Und da er sich in seiner Sphäre aus aufgeblasenen, opportunistischen Beamten immer nur um sich selbst dreht, sehe ich auch keine Zukunft, in der er meine Art akzeptiert. Oder mich wenigstens einfach in Ruhe lässt. – Verzeih, ich bin ein wenig in Rage geraten, aber wie der Zufall es will, kam ich gerade von einem Zusammentreffen mit Theseus, und es war nicht angenehm.

Ich werde deinen Wortschatz nicht mehr kritisieren, wenn du nicht versuchst, den Tee zu umgehen.

Ich melde mich wahrscheinlich erst wieder nach der Buchpräsentation – wenn ich sie überlebe.

Ich denke an dich

Herzlich

Newt

***


Liebe Tina,

ich nehme an, du bist wütend auf mich, und du hast allen Grund dazu, weil ich ein Idiot bin. Aus meinem letzten Brief hast du vermutlich den Eindruck gewonnen, ich würde dich mit den restlichen Auroren über einen Kamm scheren. Ich verstehe, dass du nicht wusstest, wie du darauf reagieren solltest.

Aber bitte glaube mir, dass ich niemals, niemals etwas derartiges über dich sagen würde! Du bist nicht wie Theseus. Du bist überhaupt nicht wie irgendein anderer Auror auf der Welt, weil du ein Mittelkopf bist! Mein Ärger ist mit mir durchgegangen, als ich über Theseus geschrieben habe. Möglicherweise war ich nicht einmal ganz gerecht gegen ihn. Aber das ist mir eigentlich egal.

Wichtig ist mir nur, dass du weißt, dass ich die größte Hochachtung vor dir habe und mich dir sehr verbunden fühle. Ich weiß, dass du deinen Beruf sehr liebst. Ich habe unzulässig verallgemeinert in meiner Beschreibung der Auroren. Fest steht, dass wir mehr Auroren – und Menschen – wie dich brauchen, Tina, die nicht einfach blind irgendwelchen Anweisungen folgen. Denn das war es, was ich in erster Linie kritisieren wollte. Und somit fällt dein Verhalten gänzlich aus dem Bereich meiner Kritik!

Meine Buchvorstellung war übrigens genauso grauenhaft wie erwartet. Ich habe seit zwei Tagen keinen Blick in die Zeitung geworfen aus Angst, etwas von meinem Gestammel wiedergegeben zu lesen oder gar mein Gesicht zu sehen.

Ich wollte dich bitten, mir meine Worte über Auroren zu verzeihen, aber in Wahrheit gibt es noch einen zweiten Grund für dich, verärgert über mich zu sein:  Ich habe eine schlechte Nachricht, die ich bislang vor dir zurückgehalten habe, in der Hoffnung, dass ich das Problem lösen kann, bevor du überhaupt davon erfährst: Die magische Strafverfolgung ist aus mir nicht nachvollziehbaren Gründen davon überzeugt, dass ich im Dezember halb New York in Schutt und Asche gelegt habe, und hat mir deshalb die Ausreiseerlaubnis entzogen. Das heißt, dass ich nicht nach New York reisen kann, wenn ich nicht mit einer Haftstrafe rechnen will. Du müsstest mich wahrscheinlich am Hafen in Verwahrung nehmen und so habe ich mir unser Wiedersehen wirklich nicht vorgestellt.

Bitte glaube mir, dass ich fieberhaft daran arbeite, eine Lösung zu finden! Ich bitte dich inständig, mir zu verzeihen – in beiderlei Hinsicht. Ich weiß, dass ich es nicht verdient habe. Ich hatte gedacht, dass ich nach meiner Buchpräsentation erleichtert sein würde, aber der Gedanke, dass du böse auf mich bist, nimmt mir alle Ruhe.

Bitte vergib mir

Dein Newt

***


Liebe Tina,

du hast nicht geantwortet und ich kann dich verstehen. Ich weiß nicht, was ich sagen kann, um mich bei dir zu entschuldigen. Insgesamt müssen meine Aussagen und Neuigkeiten in den letzten beiden Briefen auf dich gewirkt haben, als ob du mir nicht wichtig wärst.

Aber das stimmt nicht, Tina. Ich weiß nicht, wie ich ausdrücken soll, dass du mir in der Tat sehr, sehr wichtig bist. Es hat mir nie viel bedeutet, was andere über mich denken, aber der Gedanke, dass du mich verachten könntest, bereitet mir schlaflose Nächte. Ich weiß nicht, was ich tun soll. Bitte glaube mir, dass ich, wenn ich könnte, das nächste Schiff nach Amerika nehmen würde, um mein Versprechen einzulösen. Dein Buch liegt hier neben mir und es schmerzt mich, es dir nicht geben zu können. Zumindest noch nicht.

Nimm als Beweis meiner Bemühungen, dass ich Theseus (!) gebeten habe, mir zu helfen, mein Ausreiseverbot auf offiziellem Weg aufzuheben. Ich weiß nicht, was ich sonst tun kann.

Bevor du den Eindruck gewinnst, dass meine Verzweiflung nur daher rührt, dass ich mein Versprechen nicht brechen möchte: Es ist viel mehr als das, Tina. Ich möchte vor allem aus egoistischen Gründen nach New York – weil ich dich vermisse und weil ich dich wiedersehen möchte.

Tina, ich vermisse dich seit dem Moment, als ich das verdammte Schiff betreten habe und glaube mir, ich wünsche mir gerade, ich hätte es nicht getan.

Es ist in Ordnung, wenn du nicht bereit bist, mir zu verzeihen, aber es würde mir wirklich sehr viel bedeuten, wenn du dich melden würdest. Merlin, es geht so nicht weiter. Pickett ist schon beleidigt, weil ich immer erst nach fremden Eulen ausschaue, bevor ich mich um ihn kümmere, wenn ich nach Hause komme.

Sehnsüchtig

Newt

***


Liebe Tina,

ich kann nicht sagen, wie sehr ich mich schäme.

Mein letzter Brief war unangemessen intim. Du weißt, dass ich nicht sehr geschickt im Umgang mit Menschen bin. Ich fürchte, ich muss nicht mehr zu verbergen versuchen, was ich denke oder gedacht habe. Ich war verzweifelt und ich muss einige deiner Worte falsch interpretiert haben.

Ich möchte, dass du weißt, dass ich meine Bekundungen ernst gemeint habe, aber dass ich auf der Stelle bereit bin, sie zu vergessen und zu einer professionellen Form des Schriftwechsels zurückzukehren. Ich bin tief beschämt darüber, dass ich mich so von meinen Gefühlen beherrschen ließ, dass ich dir zu nahe getreten bin.

Wenn du mich nicht mehr sehen willst, was ich nach meinem Verhalten verstehen könnte, kann ich dir das Buch auch zuschicken. Aber ich weiß nicht, ob du es überhaupt noch möchtest. Ich würde dir auch weitere Fwooper-Federn schicken, aber ich möchte zuvor sicher gehen, dass du es nicht unangebracht finden würdest. Ich meine es ganz unverbindlich.

Bitte verzeih mir. Es würde mir viel bedeuten, deine Freundschaft zu behalten.

Newt

***


Liebe Tina,

ich sollte wohl verstanden haben. Ich nehme an, du wünschst dir, dass ich dich in Ruhe lasse. Bitte lass mich wissen, ob es dir gut geht. Ich mache mir Sorgen, dass dir etwas zugestoßen sein könnte. Ich habe die New York Ghost gekauft und denke, ich hätte erfahren, wenn dir etwas passiert wäre, aber da ich schon seit Tagen (Wochen!) nichts von dir gehört habe, mache ich mir Gedanken, dass ich eine wichtige Meldung verpasst haben könnte.

Wenn du den Kontakt abbrechen willst, werde ich es ohne weitere Nachfragen akzeptieren (auch wenn es mich sehr traurig machen würde). Nur bitte lass mich wissen, dass es dir gut geht. Ist mit Queenie alles in Ordnung?

Newt

***


Tina,

ich hoffe inständig, dass es dir gut geht.

Wenn du dich irgendwann dazu bereit fühlst, bitte melde dich. Scheue nicht davor zurück, egal wie lange es dauert.

Leb wohl

Newt Scamander

***


Nachwort: Das internationale magische Postwesen – und wie viel Zeit vergeht hier eigentlich?

Man kann nur spekulieren, wie viele Briefe Tina und Newt ab Dezember 1926 bis März 1927 ausgetauscht haben, aber ich nehme an, dass es auf jeden Fall mehr waren als meine Beispiele hier, und dass sie ebenfalls ausführlicher waren. Es geht aber in jedem Fall um einen Briefwechsel über ca. 13 bis 15 Wochen hinweg.

Ich nehme nicht an, dass der Briefwechsel über Kontinente hinweg standardmäßig per Eule versandt wird. Auch wenn Harry Briefe von Sirius per exotischer Vögel zugeschickt bekommt, vermute ich eher, dass Sirius das getan hat, um die Behörden zu umgehen. Es gibt jedenfalls nicht viele (nicht-magische) Vögel, die solche Strecken zurücklegen könntensie sind von Luftströmungen und anderen Wetterbedingungen abhängig, müssen unterwegs Nahrung finden… Kurz gesagt, die Wahrscheinlichkeit, dass ein Brief ankommt, wäre nicht besonders groß.

In meiner Vorstellung verschickt man Briefe ins (weiter entfernte) Ausland, indem man seine Eule zu einem magischen Postamt schickt, das von dort aus via Portschlüssel die Briefe in aller Herren Länder versendet. In den dortigen Postämtern werden die Briefe dann wieder an Vögel verteilt, die das Austragen auf nationaler oder regionaler Ebene erledigen.

Wie lange das dauern würde, ist schwer abzuschätzen, aber da Newt und Tina beide in Großstädten lebe, nehme ich an, dass das Zustellen der Post zwischen den beiden ein bis zwei Tage dauern sollte. Das aber würde bedeuteten, dass die beiden eine ganze Flut an Briefen hätten schreiben können, wenn sie wollten – und ich denke, sie wollten. :)

Das Portschlüssel-Postsystem würde auch erklären, warum Newt Tina nicht mehr erreichen konnte, als sie ohne sein Wissen nach Paris gegangen war. Hätte er lediglich einer Eule einen Brief mit Tinas Namen gegeben, hätte sie ja wissen müssen, dass sie nach Paris fliegen muss. Aber wenn Newt einen Brief an ein Postamt schickt mit der Anweisung, den Brief nach New York/in die USA verfrachten zu lassen, wäre der Brief irreversibel auf dem falschen Weg.
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