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Nimmerkurs

Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer / P12 / Gen
Captain Jack Sparrow Elizabeth Swann Gillette James Norrington Lord Cutler Beckett OC (Own Character)
05.10.2020
14.01.2022
25
62.669
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14.01.2022 2.615
 
Moin,

und ein frohes Neues, liebe Leser. Vor allem wünsche ich euch Gesundheit und dass uns dieses Jahr mehr Anlass zu guter Hoffnung gibt.
Aktuell habe ich nicht nur mit der Arbeit, sondern vor allem privat ziemlich zu kämpfen, darum auch die lange Wartezeit zwischen dem letzten und diesem Kapitel. Ob das nächste pünktlich kommt, kann ich nicht versprechen, werde mich aber bemühen.

Grüßele
Bell


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25

Dreizehn –

 
 
Es gab nur wenige Dinge, die Norrington ein Hochgefühl bescherten, genauer gesagt, sie ließen sich an drei Fingern abzählen: Die Heimkehr nach erfolgreichem Abschluss einer Mission, die Hinrichtung eines Piraten und die Mitteilung, er sei befördert worden. (Bei seiner letzten Fahrt hatte sich herausgestellt, dass es durchaus noch einen vierten Platz auf dieser denkbar kurzen Liste gab, nämlich ein Kuss von Miss Nemo, aber das erschien ihm ungebührlich und so weigerte er sich, ihn offiziell anzuerkennen.) Mit weniger gab er sich selten zufrieden, was möglicherweise dem fehlenden Interesse an schöngeistigen Beschäftigungen  und einem übermäßige Ehrgeiz geschuldet war. Die Betrachtung einer schönen Landschaft oder eines Kunstwerks, die anderen Menschen (darunter auch seine Offiziere,) Genuss bereitete, empfand er zumeist als Zeitverschwendung, weil sie ihn nicht auf der Karriereleiter voranbrachte. Sein von Vernunft geprägtes Weltbild war ernüchternd, hatte ihm jedoch einen kontinuierlichen Aufstieg ermöglicht.
 
Dennoch gab es ein natürliches Phänomen, das sogar Norringtons ästhetisches Empfinden, so verkümmert es auch sein mochte, ansprach und das waren die ersten Morgenstunden nach einem schweren Sturm. Der hektische Puls der Welt schien außer Kraft gesetzt, die Natur erwachte mit einer veränderten Wahrnehmung von sich selbst, scheinbar erstaunt über das eigene Zerstörungspotential, das ihre grenzenlose Macht beherbergte. Für ein, höchstens zwei Stunden verharrte sie in einer erhabenen Ruhe, die selbst das kleinste Lebewesen erfüllte und jede Bewegung zu verlangsamen schien. Dann erhob sich die Sonne in den Himmel, die Natur blinzelte, kam zur Besinnung und kehrte mit einem Schulterzucken zu ihren gewohnten Abläufen zurück.
 
Da er eine miserable Nacht verbracht hatte, war Norrington noch vor Einsetzen der Morgendämmerung auf den Beinen und beschloss, einen Spaziergang zum Hafen zu unternehmen, um zu überprüfen, wie sein Schiff das heftige Unwetter überstanden hatte. Nebenbei konnte er die herrliche Stille genießen, die noch einige Minuten lang über St. George's verharrte, bis die ersten Arbeiter ihre Häuser verließen und die Geschäftigkeit einer erwachenden Stadt in die Straßen zurückkehrte. Die Luft war kühl, aber durchdrungen von einer klaren Frische, die selbst einen trägen Verstand rasch belebte. Dem Marineoffizier half sie dabei, alle unliebsamen Bilder der letzten Nacht zu verdrängen und sich ausschließlich dem neuen Tag zu widmen.
 
Üblicherweise bestimmte ein zügiger Schritt sein Vorwärtskommen, dem so genannten Flanieren, das mehr und mehr in Mode kam, (für ihn ein Zeichen fortschreitender Dekadenz in europäischen Großstädten,) konnte er nichts abgewinnen. Mit seiner militärischen Haltung und dem forschen Gang erweckte er stets den Eindruck, er befände sich im Dienst – sogar jetzt als er sich nahezu allein auf der Hafenanlage bewegte, beobachtet von einer Schar gelangweilter Möwen und drei oder vier Fischern, die verstohlen nach seiner eindrucksvollen Uniform schielten, bevor sie in ihre Boote kletterten, um mögliche Sturmschäden auszubessern und die morgendliche Fahrt aufs offene Meer vorzubereiten.
 
Die ‹Fortune› schien auf den ersten Blick unversehrt; gelassen trieb sie auf der glatten Wasseroberfläche, erhob sich nahezu majestätisch über die kleineren Schiffe und würde in wenigen Stunden die halbe Stadt an den Hafen locken, weil ihr Aufbruch ein fröhliches Spektakel bedeutete. Zwar war sie nicht das größte Schiff, das derzeit in St. George's vor Anker lag – diese Ehre gebührte einem Dreimaster, mit dem Captain Harcourt bisweilen unerwünschte Besucher aus der Bucht vertrieb –, aber sorgfältige Pflege und Instandhaltung verbargen ihr tatsächliches Alter, mehr noch, sie verliehen ihr einen Anstrich von jugendlicher Eleganz und Modernität, wodurch jeder unbedarfte Betrachter ihr eine gewisse Überlegenheit beimaß, jedenfalls an einem Ort wie diesen. In jedem größeren Hafen hätte man sie mit einem milden Lächeln bedacht und sich nach kurzer Betrachtung abgewandt. Dennoch hatte Harcourt schon gestern Abend nach einer Ausrede gesucht, um dem offiziellen Abschied fernzubleiben; er war zu verbittert, um eine Menschenmenge zu ertragen, die dem Schiff eines Konkurrenten zujubelte. Wäre Norrington mit der ‹Dauntless› in seinen Hafen eingelaufen, hätte er vermutlich an Ort und Stelle einen Herzschlag erlitten. Oder wäre an Missgunst erstickt.
 
Ein langer Steg aus festen Holzlatten führte zum Schiff;  wie die übrigen Anlegestellen ragte er mehrere Meter weit in die Bucht hinein, lediglich die Fischerboote konnten direkt am Kai festmachen, den wiederum mehrere hüfthohe, durch dünne Stricke miteinander verbundene Pfähle säumten. Sie ragten aus dem Wasser und dienten hauptsächlich Möwen als Platz zum Faulenzen, wenngleich sie eigentlich als primitives Leitsystem gedacht waren, um eintreffenden Besuchern eine Orientierung zu ermöglichen, sodass sie auf kürzestem Wege zu den Tavernen gelangen konnten. (Eine fürsorglichere Hafenmeisterei würde man in der Karibik kaum finden.)
 
An einem Pfahl in unmittelbarer Nähe zur Anlegestelle der ‹Fortune›, lehnte ein Mann, dessen bloßer Anblick Norrington diesen frühmorgendlichen Ausflug bereuen ließ. Mister Sparrow erschien wie üblich in einem desolaten Zustand, der von einer durchzechten Nacht kündete: Der Mantel hing lose über seinen Schultern, eine unüberlegte Bewegung würde ausreichen, um ihn ins Wasser zu befördern; seine Weste war aufgeknöpft, das Hemd sträflich zerknittert und fleckig, den Hut wiederum hatte er über den Pfahl gehängt, zu welchem Zweck auch immer. Vielleicht war er ihm zu schwer geworden auf seinem dröhnenden Schädel.

Gerade war er damit beschäftigt, in die Mündung seiner Pistole zu blicken, die fahrigen Bewegungen und der glasige Ausdruck in seinen Augen verrieten, dass der Rausch der letzten Nacht noch nicht einmal ansatzweise abgeklungen war. Ungesehen an ihm vorbeizulaufen, war nicht möglich, daher beschloss Norrington, es bei einem knappen Gruß zu belassen, geäußert in Form in einer zynischen Bemerkung über die mitunter vorteilhafte Wirkung eines versehentlich ausgelösten Schusses, doch der Pirat kam ihm zuvor:
 
«Commodore, seid Ihr's wirklich oder stecke ich in einem Albtraum fest?»
 
Er ließ sich zu einem müden Lächeln herab. «Bedauerlicherweise kein Albtraum, Mister Sparrow. Ich nehme an, die Sperrstunde hat Euch hierher getrieben?»
 
Der Mann musterte ihn aus zusammen gekniffenen Augen, ehe er die Hand hob, um damit vor Norringtons Gesicht herum zu wedeln als wollte er das unerwünschte Trugbild verscheuchen. Er stank wie ein Rumfass, das man in einem Schweinestall lagerte; der Geruch hing schwer in der Luft und war hervorragend dazu geeignet, einem den Magen umzudrehen. Prompt trat der Marineoffizier zurück, um mehr Abstand zwischen sie beide zu bringen, was dem Piraten ein breites, wissendes Grinsen entlockte. «Ich muss Euch danken, Commodore, Ihr seid mein Lebensretter. Gerade hatte ich überlegt, mir die Kugel zu geben.»
 
«Das bezweifle ich; es ist ein Kuriosum der menschlichen Natur, dass ausgerechnet jene Existenzen, die man lieber los wäre, hartnäckig an ihrem Leben festhalten», entgegnete er ungerührt. «Was soll das hier werden, Mister Sparrow? Wollt Ihr sichergehen, dass ich nicht ohne Euch und das, was Ihr Mannschaft nennt, abfahre?»
 
«Captain», korrigierte der Pirat ihn verärgert. «Captain Sparrow. Immerhin hab ich ein Schiff, auch wenn der Kahn das Holz nicht wert ist, mit dem er erbaut wurde. Aber wenn Ihr schon einmal fragt: Keine Ahnung, wie ich hergekommen bin –», träge drehte er sich einmal um seine eigene Achse und schaute an sich hinunter als würde er nach etwas suchen, «– auf einmal stand ich hier und dachte: Wo ich schon mal da bin, kann ich auch bleiben. Ist ein schöner Ausblick.» Mit einer Handbewegung deutete er vage auf den blasslila Horizont, in den sich zunehmend purpurfarbene Töne mischten, dann hob er seinen Hut hoch, warf einen Blick darunter (nichts als ein nackter Pfahl, versehen mit Möwenkot, kam zum Vorschein) und brummte enttäuscht. Anschließend erkundigte er sich, ob Norrington wüsste, welcher Tag heute sei, nur, um diese Frage sogleich selbst zu beantworten: «Kein Freitag, das wüsste ich.»

«Ist das in Eurem gegenwärtigen Zustand überhaupt von Bedeutung?»
 
Eine abrupte Veränderung in Sparrows Miene ließ ihn aufmerken; die trunkene Genügsamkeit war einem überraschend ernsthaften Ausdruck gewichen, der auf diesem Gesicht eine bizarre Wirkung entfaltete. Mit einem Mal wirkte der Pirat älter und (man konnte es nicht anders ausdrücken) abgeklärt; ein Mann, der zu viel in seinem Leben gesehen hatte, um Furcht oder Verwunderung zu empfinden. «Wisst Ihr, was an Freitagen passiert, Commodore?»  
 
Er runzelte die Stirn und entschied, auf eine Antwort zu verzichten, die ohnehin nicht benötigt wurde, da Sparrow anscheinend betrunken genug war, um sich ausgerechnet einem hochrangigen Marineoffizier zu erklären, obendrein noch der Person, die vor einem guten Jahr seine Hinrichtung in die Wege geleitet hatte.
 
«Inzwischen hasse ich Freitage», verkündete der Piratenkapitän ohne Umschweife und hob die Arme so hoch, dass ihm der Mantel von den Schultern rutschte; er hatte Glück, das schwere Kleidungsstück landete auf den Brettern, lediglich ein Ärmel ragte ins Wasser. Nachdem er diesen mit seiner Stiefelspitze ungelenk ins Trockene befördert hatte, nahm Sparrow den Faden wieder auf: «Wobei das nur für Freitage gilt, die auf den Dreizehnten fallen, denn das, Commodore, ist ein verfluchter Tag, merkt Euch das.»
 
«Seid versichert, das werde ich. Und nun entschuldigt mich, ich muss –»
 
Der Pirat überging seinen Versuch, sich dieser unerwünschten Unterhaltung zu entziehen, indem er ihn einfach unterbrach (es war anzunehmen, dass er ihm sowieso nicht zugehört hatte): «Schonmal vom Schwarzen Freitag gehört?»
 
«Es ist allgemein bekannt, dass ein Freitag, der Dreizehnte als Unglückstag gilt», fühlte Norrington sich genötigt zu erwidern, da der Mann ihn erwartungsvoll anstarrte. «Unsinniger Aberglaube, es gibt keinen empirischen Beleg, dass –»
 
«Verflucht richtig», wurde ihm erneut das Wort abgeschnitten und sein Einwand endete in einem unglücklichen, frustrierten Seufzen, derweil Sparrow ungerührt fortsetzte: «Aber der Schwarze Freitag ist kein Tag, er ist eine Gestalt aus Fleisch und Blut, jedenfalls behauptet er das. Nehme an, Ihr habt noch nie von ihm gehört, er ist nicht gerade bekannt unter ehrbaren Männern, aber alle, die es nicht so genau nehmen mit Gesetzen, Anstand und diesem ganzen unnützen Zeug, die kennen und fürchten ihn.»
 
«Was soll das werden, eine Geistergeschichte? Dafür habe ich keine Zeit.» Er probierte es mit einem missbilligenden Blick, einer von der Sorte, der seinen Gegenüber zwang, sich für sein bloßes Dasein zu schämen, doch sogar der erzielte keinerlei Wirkung. Also blieb nur noch, sich an ihm vorbei zu drängen, was der Pirat allerdings verhinderte, indem er ihm frech entgegen trat und mit dem unkoordinierten Gefuchtel seiner Hände zum Stillstehen veranlasste.
 
«Kein Mensch, Commodore, sondern ein Dämon, manche sagen sogar, der Leibhaftige persönlich. Hat ein Pirat an einem Freitag den Dreizehnten, keine Beute gemacht und versäumt es, rechtzeitig Land aufzusuchen, erscheint er ihm. Ein charmanter Bursche, sogar recht menschlich, wenn er einen guten Tag hat. Hin und wieder sucht er auch unredliche Kaufleute auf, hab ich mir sagen lassen, aber Piraten sind ihm die liebsten, ganz ohne Zweifel. Man kann ihn auch herbei rufen, wusstet Ihr das? Dazu braucht es eine besondere Münze, er gibt sie selbst aus. Würdet Ihr ihn erleben, Ihr kämt nie auf den Gedanken, dass er ein Ungeheuer ist. Gab wohl Piraten, die sich bei seinem Anblick das Hirn rausgepustet haben, um seinem Spiel zu entgehen. Denn das tut er, wenn er dich aufgespürt hat: Er fordert dich zu einem Spiel. Du kannst nicht ablehnen, er lockt dich mit den schönsten Versprechungen, mit unwiderstehlichen Gewinnen, redet so lange auf dich ein, bis du zusagst und dann hat er dich, denn es ist unmöglich, sein Spiel zu gewinnen. Wenn du verlierst – und das tust du, egal, wie gut du spielst –, nimmt er dir deinen kostbarsten Besitz. Willst du ihn zurück, wiegt er das Gewicht dieses Besitzes in Lebensjahren auf und die musst du ihm bezahlen. Darum lebt diese Ausgeburt der Hölle bereits seit hunderten, wenn nicht tausenden Jahren, während dir selbst noch ein paar armselige Monate bleiben.»
 
«Und Ihr habt Euer Schiff an diesen Mann verloren», folgerte Norrington, der gezwungenermaßen zugehört hatte. Es wäre leicht, diese Geschichte als Produkt eines delirierenden Verstandes zu verunglimpfen, aber verfluchte Piraten und ein Feenbann hatten ihn vor nicht allzu langer Zeit eines Besseren belehrt und so zeigte er immerhin den guten Willen, dieser Erklärung eine gewisse Gültigkeit einzuräumen.
 
Sparrows Reaktion sprach für sich; seiner Kehle entrang sich ein Lachen, das Wut, Ratlosigkeit, vor allem aber Verzweiflung ausdrückte. «Wisst Ihr, welchen Preis er für die ‹Pearl› festgesetzt hat? Vierundachtzig Jahre! Er will mich in eine Mumie verwandeln!»
 
«Tragisch, aber was haben Mister Turner und Mister Mercer damit zu tun?»
 
Der Pirat, der die Hände gerade bedeutungsschwer gen Himmel gereckt hatte, hielt inne und blickte ihn verdattert an. «Nichts», erwiderte er nach einer langen Pause. «Freitag sucht nur Piraten auf, schon vergessen?»  
 
Norringtons Haltung straffte sich. «Und warum komme ich in den zweifelhaften Genuss dieser Erzählung?»
 
«Um sie an Elizabeth weiterzugeben?» antwortete Sparrow nach kurzem Zögern; anscheinend war er sich selbst nicht so sicher, was er mit diesem ungewohnten Mitteilungsbedürfnis bezweckte.
 
«Sie weiß nichts davon?»
 
«Nun, bisher nicht, nein.»
 
Zugegeben, das verblüffte den Marineoffizier; er kannte Miss Swann gut genug, natürlich dürfte sie nicht nur eine, sondern eine Vielzahl von Fragen über den Verlust von Sparrows Schiff gestellt haben. Wie hatte dieser Mann ein derart wissbegieriges Frauenzimmer erfolgreich hinhalten oder gar vertrösten können? Norrington konnte sich keine Ausrede vorstellen, mit der Elizabeth sich zufrieden gegeben hätte, zumindest nicht unter den Umständen, die sie nach Tortuga gebracht hatten – es sei denn, das Wiedersehen mit Sparrow hatte nicht nur eine Gefühlsverwirrung bewirkt, sondern war einhergegangen mit der temporären Aussetzung ihres Verstandes.
 
«Was habt Ihr Miss Swann erzählt?» verlangte er zu erfahren, doch der Pirat hob die Schultern und behauptete, er könne sich nicht mehr daran erinnern.
 
«Da Ihr vorerst jedes Gespräch zwischen uns erfolgreich unterbunden habt», führte Sparrow weiter aus, bevor er seinen Hut ergriff und auf seinen Kopf drückte (er benötigte zwei Anläufe, bis das Vorhaben geglückt war), «hatte ich keine Gelegenheit, mögliche Äußerungen, die ich aufgrund von zu viel Rum und reichlich Ablenkung eventuell getätigt habe, richtig zu stellen. Ich würde das ja nachholen, aber ...», er beendete den Satz, indem er mit beiden Händen auf Norrington wies und eine anklagende Miene aufsetzte.
 
Dieser hielt eine Erinnerung an die Tatsachen angebracht: «Sie ist verlobt. Solltet Ihr wissentlich Informationen über den Verbleib von Mister Turner zurückhalten, wäre das unverzeihlich.»
 
Endlich hatte der Pirat zu seinem überlegenen Lächeln zurückgefunden. «Oh, das tue ich bestimmt nicht. Wisst Ihr, Commodore, Euer Einsatz für Miss Swann ist rührend, man könnte meinen –»
 
«Untersteht Euch, Sparrow!»
 
«Keine Sorge, Ihr habt mich diesbezüglich völlig vom Gegenteil überzeugt. Sie ist nicht Euer Ziel, so viel ist sicher.»
 
Er hatte genug, endgültig. «Legt Euch schlafen; in Eurem gegenwärtigen Zustand könntet Ihr nicht einmal eine Nussschale aus dem Hafen bringen und ich habe vor, pünktlich abzulegen.»
 
Mit einem leisen Glucksen deutete der Pirat eine Verbeugung an. «Wie Ihr wünscht, Commodore. Ich folge Euch bis ans Ende der Welt, wenn es sein muss.»
 
«Kann mir nichts Schöneres vorstellen» knurrte er, während er dem schwankenden Mann nachblickte, der sich mühsam Richtung Tavernen kämpfte und vermutlich in irgendeiner Gasse landen würde, um zwischen allerhand Unrat und fauchenden Katzen in einen wohligen, obgleich kurzweiligen Schlummer zu verfallen.
 
Nein, es würde ihm wahrlich nicht leid tun, Sparrow in diesem Hafen zurückzulassen. So wenig er Harcourt als Person abgewinnen konnte, es stand außer Frage, dass der Offizier diesen Mann sofort seiner gerechten Strafe zuführen würde, sobald er seinen Namen kannte. Sparrow mochte nicht allzu berühmt sein, aber er hatte sich durch Tollkühnheit und dem gelegentlichen Anschein geistiger Verwirrung einen gewissen Ruf erarbeitet. Sollte der Pirat Norrington tatsächlich den Gefallen tun und die Abfahrt verschlafen, würde er nicht zögern, den Kapitän beiseite zu nehmen, selbst wenn er sich damit um das Vergnügen betrog, Sparrow höchstselbst anzuklagen.
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