Zerbrochene Seele

von Knubu
GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P16
Klaus Wiebel Martin Fuchs Muri Demir Paul Richter Stephan Sindera Tom Mayer
05.10.2020
28.10.2020
8
10.849
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17.10.2020 1.175
 
Kapitel 4: Martins Plan

Noch immer etwas durch den Wind, ging Peter in eins der Büros und setzte sich erstmal. Er stellte die Tasse vor sich auf den Tisch und betrachtete seine Hände. Sie zitterten leicht „Beruhig dich Peter“ sagte er leise zu sich selbst. Es war doch alles gut, Stephan hatte es nicht absichtlich gemacht und nahm ihm seine Reaktion nicht übel und Paul hatte sich um ihn gesorgt und ihm mit der kleinen Wunde geholfen. Alle anderen waren auch immer freundlich zu ihm. Es gab also keine Anzeichen, dass ihm einer seiner Kollegen auf dieser Wache etwas Böses wollen würde. Und trotzdem war die Angst oft stärker und das meistens in ganz harmlosen Situationen. Er wusste dass seine Angst unlogisch war, aber er hatte es oft einfach nicht unter Kontrolle. Er wollte das nicht mehr, er wollte doch einfach nur sein altes Leben zurück. Warum konnte er das ganze nicht einfach hinter sich lassen? Sollte er vielleicht mit Klaus reden, das ganze endlich jemanden erzählen? Nein! Sagte er sich selbst energisch. Dann würde sein DGL seine Entscheidung nur bereuen, ihn hier auf der Wache in sein Team geholt zu haben. Was sollte er mit so einem Schwächling, der ihm etwas vorheulte? Klaus brauchte sicher solche Probleme nicht auf seiner Wache. Nein, er würde sich ab jetzt einfach zusammenreißen. Es gab doch auch keinen Grund mehr, sich vor irgendwas zu fürchten.

Paul wollte eigentlich noch mit Stephan über Peter sprechen, aber sein Kumpel musste jetzt los auf Streifenfahrt. Er blieb noch einen Augenblick allein in der Küche zurück. Das ganze ließ ihn nicht los. Er überlegte, ob Peter vielleicht gerade private Probleme hatte und deshalb etwas reizbar oder empfindlich war. Sollte er ihn einfach mal darauf ansprechen oder würde er damit eine Grenze überschreiten? Schließlich kannten sie sich noch kaum. Paul hatte aber plötzlich eine Idee. Er suchte Martin und fand ihn bei Nesrin im Funkraum „Martin, hast du mal ein paar Minuten? Ich müsste mal unter vier Augen mit dir sprechen.“ Martin folgte Paul in das nächste freie Büro und schloss die Tür hinter sich „Paul was ist los, was liegt dir auf dem Herzen? Du klingst so ernst.“ „Ja also, ich weiß nicht so recht, wie ich anfangen soll. Es geht um Peter.“ Martin wurde hellhörig „Gibt es Probleme zwischen euch, ist etwas vorgefallen?“ Paul fiel es etwas schwer, das Problem zu erklären „Ja, es gab da einen kleinen Vorfall. Nichts Schlimmes, aber ich mach mir irgendwie Gedanken um Peter.“ Martin hörte geduldig zu, als Paul berichtete was in der Küche passiert war und wie er Peter dann später mit Tränen in den Augen vorgefunden hatte. „Martin, ich habe irgendwie ein ungutes Gefühl, dass Peter Probleme hat. Und da ihr euch ja schon länger kennt, dachte ich mir, dass du vielleicht mal mit ihm reden könntest. Vielleicht kannst du ja etwas aus ihm herausbekommen oder ihm irgendwie helfen.“

Martin konnte sich gar nicht vorstellen, dass Peter so reagieren würde und machte sich jetzt auch Gedanken um ihn „Das ist wirklich nicht normal, so kenne ich ihn überhaupt nicht. Peter ist eigentlich immer freundlich und eher der sanfte Typ. Von sich aus würde er eigentlich nie aggressiv oder handgreiflich werden.“ Paul war froh, seine Sorge mit Martin geteilt zu haben. „Du kennst ihn ja besser, wenn du auch meinst, dass es für ihn untypisch ist, dann muss da doch irgendwas nicht in Ordnung sein.“ Und ohne es zu ahnen, war Paul schon auf der richtigen Spur „Vielleicht hatte er ja auch einen triftigen Grund, sich versetzen zu lassen. Weißt du, warum er wechseln wollte?“ Martin zuckte mit den Schultern „Gesagt hat er nichts, aber darüber haben wir auch noch gar nicht gesprochen.“ Paul überlegte kurz „Meinst du wir sollten Klaus mal fragen? Wenn einer mehr weiß, dann unser Chef.“ Aber Martin verneinte das „Ich glaube, das würde jetzt zu weit gehen und wäre auch nicht fair Peter gegenüber. Lass mich erstmal sehen, ob ich etwas herausbekomme. Mit Klaus können wir dann immer noch reden, wenn es nötig sein sollte.“ „Ja, ich glaube du hast Recht.“ Martin klopfte Paul auf die Schulter „Lass mich mal machen, ich habe da glaub ich schon einen ganz guten Plan. Danke dass du mich eingeweiht hast. Peter ist echt in Ordnung, schön dass ihr euch schon so um ihn sorgt!“

Einige Stunden später kamen Tom und Muri mit einem Ladendieb auf die Wache, der sich nicht ausweisen konnte. Nachdem sie dessen Personalien festgestellt hatten, konnten sie den Mann auch zügig wieder gehen lassen. Als die beiden sich noch eine kleine Kaffeepause gönnten, kam Martin auf sie zu „Jungs, wie sieht’s aus, heute Abend noch auf ein Bierchen? Ihr habt doch morgen auch erst Spätschicht.“ Tom und Muri sahen sich grinsend an und Tom antwortete „Klar, hatten wir ja schon lang nicht mehr.“ „Gut, ich dachte mir, wir nehmen Peter mit. Damit er mal ein bisschen mehr integriert wird.“ Grinste Martin, Tom und Muri waren einverstanden. „Finde ich eine gute Idee von dir. Ich war ja letzte Woche auch schon mit ihm gemeinsam auf Streife“ meinte Tom „Guter Typ und viel Humor, das könnte ein gelungener Abend werden.“ Martin hatte doch gewusst, dass er auf Tom und Muri zählen konnte. "Ich muss euch noch was gestehen." Tom und Muri hörten sich Martins Erklärung an, wobei Martin nicht erwähnte, was zwischen Stephan und Peter passiert ist. Aber dass er vermutete, dass Peter etwas mit sich herumtrug, was vielleicht auch mit der alten Dienststelle zu tun hatte, teilte er ihnen mit. Er wollte Peter in einer privaten Atmosphäre zeigen, dass er ihnen vertrauen konnte. Und bei Tom und Muri war er sich eben sicher, dass sie dafür die Richtigen wären. Die beiden hatten es selber nicht immer leicht in ihren Dienstjahren.

Kurz vor Schichtende schaute Martin bei Peter ins Büro. Der Dienst war heute stressig, so dass er vorher einfach nicht die Gelegenheit hatte. Jetzt hoffte er, Peter würde ihm keinen Strich durch die Rechnung machen und auch wirklich mitkommen. "Hey Peter, heute Abend noch Lust auf ein Bierchen? Tom und Muri sind auch dabei und wir dachten, du passt gut in die Runde." Martin grinste seinen Kollegen breit an, so dass Peter automatisch auch grinsen musste. Er musste auch nicht lange überlegen, denn in den letzten Wochen hatte er sich bis auf die Arbeit und Fitnessstudio bei sich zu Hause eingeigelt. Ablenkung würde ihm sicher gut tun und er vermisste es auch, sich mit Freunden auszutauschen. "Das klingt gut, ich bin dabei. Wo soll's hingehen?" "Hatten wir noch nicht besprochen, aber ich denke in unsere Stammkneipe die Pferdetränke. Ich kann dich gern abholen." Peter nahm das Angebot gerne an "Machen wir so. Ich geb die erste Runde  aus!" Martin war zufrieden mit sich und Peters positiver Reaktion. Und Peter freute sich wirklich auf den Abend. Endlich mal wieder Abwechslung und das auch noch mit den richtigen Leuten. Das konnte ja nur gut werden. Es tat gut zu wissen, dass die Kollegen ihn dabei haben wollten.

TBC
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