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Zerbrochene Seele

von Knubu
GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P16
Klaus Wiebel Martin Fuchs Muri Demir Paul Richter Stephan Sindera Tom Mayer
05.10.2020
29.11.2020
15
25.486
11
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21.11.2020 1.992
 
Kapitel 12: Für einen kommt jede Hilfe zu spät

Tom und Muri saßen im Streifenwagen, der noch vor ihrer Stammkneipe parkte. Sie hatten gerade den Wirt und seine Tochter, die dort als Kellnerin arbeitete befragt. Nachdem sie ihnen mitgeteilt hatte, dass sie gegen die drei Beamten ermittelten und diese kurz vor der Verhaftung standen, haben Der Wirt und seine Tochter bereitwillig alle Fragen beantwortet. Die Tochter hatte auch von sich aus zugegeben, das Gespräch mit ihnen und Peter belauscht zu haben und alles an Andreas weitergegeben zu haben. Tom sah rüber zu Muri "Jetzt wissen wir zumindest, wie sie von unserem Gespräch erfahren haben." Muri sah stur gerade aus und schlug mit beiden Händen aufs Lenkrad "Verdammt, hätten wir doch bloß gleich etwas unternommen!" Tom war genauso frustriert wie sein Freund "Es konnte doch keiner ahnen, dass die drei so kriminell sind und sogar vor Entführung und Morddrohungen nicht zurückschrecken."  Muri war nicht zu beruhigen "Das macht es nicht besser! Tom, wir werden Peter und Martin nicht mehr rechtzeitig finden, ich weiß es..."  "Sowas darfst du nicht sagen, Muri! Natürlich finden wir die beiden, wir sind so viele, die nur mit diesem Fall beschäftigt sind." Jetzt sah Muri seinen Freund aus traurigen Augen an "Wir haben doch gar keine Ahnung, wo wir suchen sollen. Mit jeder Minute ist es unwahrscheinlicher, dass Peter und Martin noch leben." Muri startete den Motor und fuhr zurück zur Wache.

Martin und Julian standen vor der Haustür von Steven Trang, hatten schon mehrfach geklingelt und geklopft, doch nichts tat sich. Martin hatte kein gutes Gefühl, denn der Briefkasten von Steven wurde auch schon länger nicht geleert. "Er scheint schon länger nicht mehr zu Hause gewesen zu sein." Sagte Julian, aber Martin hatte eine ganz andere Befürchtung "Ich weiß nicht, das kommt mir komisch vor." Er funkte zur Wache und berichtete, was sie vorgefunden hatten. Nachdem Klaus und Dieter sich kurz abgesprochen hatten, waren sie sich einig. Martin und Julian sollten die Tür aufbrechen und nach dem Rechten schauen. Als Martin die Tür aufgebrochen hatte schauten sie in die ersten beiden Zimmer, Bad und Küche, und fanden nichts. Doch als sie das Wohnzimmer betraten, blieben sie kurz stehen. Steven lag vor dem Sofa auf dem Bauch. Auf dem Tisch stand eine fast leere Flasche Wodka.  Beide gingen noch davon aus, dass Steven sich nur betrunken hatte. Martin ging zu ihm und kniete sich neben ihn. Dabei fiel ihm eine leere Schachtel Schlaftabletten auf dem Tisch auf. Er ahnte Schlimmes und versuchte bei Steven an der Halsschlagader einen Puls zu finden. Doch da war nichts und die Haut von Steven fühlte sich eiskalt an. Seine Befürchtung hatte sich leider bestätigt, Steven hatte sich das Leben genommen. Julian hatte die Situation noch nicht begriffen "Er muss sich ja ziemlich betrunken haben, der Arme. Er wird ja gar nicht wach, nicht dass er eine Alkoholvergiftung hat."

Martin stand auf, er war wütend und traurig zu gleich. Das alles war ein einziger Albtraum. Was hatten Andreas und die anderen nur mit Steven angerichtet, dass er keinen anderen Ausweg mehr wusste? Ihm stiegen die Tränen in die Augen. Julian wurde langsam unruhig "Martin, was ist los? Wir können ihn doch nicht da auf dem Boden liegen lassen." Er wollte sich zu Steven auf den Boden hocken, doch Martin hielt ihn zurück. "Er ist tot, Julian." Julians Augen weiteten sich geschockt "Das kann doch nicht sein. Er hat doch nur was getrunken!" Julian fiel auf seine Kniee und rüttelte an Steven "Steven, wach bitte auf! Hörst du mich?" Er fing an zu weinen "Los Martin, wir müssen was tun. Wir müssen eine Herzdruckmassage machen!" Er klang verzweifelt und wollte Steven auf den Rücken drehen. Martin kniete sich dazu und schlang seine Arme von hinten um seinen jungen Kollegen, um ihn davon abzuhalten "Julian, es ist zu spät, wir können ihm nicht mehr helfen. Steven ist schon länger nicht mehr am Leben." Julian gab auf und weinte leise. Martin hielt ihn weiter und musste selber anfangen zu weinen. Das alles wurde immer schlimmer. Nach einer Weile funkte Martin durch, was sie vorgefunden hatten. Ein Amtsarzt wurde zu der Wohnung bestellt, um den Tod von Steven offiziell zu beurkunden.

Der Funkspruch von Martin Hintzen hatte bei allen große Betroffenheit ausgelöst und spornte sie gleichzeitig an, sich noch mehr zu bemühen damit nicht auch noch Martin und Peter mit ihrem Leben bezahlen mussten. Als Dieter die Nachricht hörte, brach für ihn alles zusammen und er gab sich die Schuld daran. Stumm saß er im Büro von Klaus und haderte mit sich. Klaus versuchte mit ihm zu reden, doch er blockte ab, wollte erstmal allein sein. Lars und Christian, die unterwegs waren, um nach den zur Fahndung ausgesetzten Autos zu suchen, sahen sich geschockt an. Christian, der am Steuer saß, fuhr erst einmal rechts ran. Frustriert boxte er gegen das Autodach, während Lars stumm aus dem Seitenfenster sah. Irgendwann drehte er sich zu Christian um "Das ist die Schuld von uns allen. Hätte auch nur einer von uns sofort reagiert und sich eingemischt, würde Steven jetzt noch leben und wir müssten nicht nach Peter und Martin suchen." Christian sagte nichts dazu, es gab einfach nichts mehr weiter zu sagen. Er fuhr wieder los, denn jetzt konnten sie nur noch versuchen, weitere Opfer zu verhindern.

~*~

Als Andreas wieder bei der Werkstatt eintraf, bemerkte er sofort, dass der weiße Transporter nicht mehr da war. Aber er dachte, dass Mario ihn benutzte, um die Leiche von Peter irgendwo zu entsorgen. Eigentlich war es schade, dass der Spaß mit Peter schon vorbei war, dachte er, aber sie hatten ja den anderen noch. Obwohl Martin Fuchs erstmal noch am Leben bleiben durfte, da Andreas inzwischen herausgefunden hatte, dass die Konten alle gesperrt waren und Fuchs als Druckmittel dienen sollte. Doch als er die Werkstatt betrat und Mario am Boden liegen sah, waren all seine Pläne dahin. Er ließ die Pizzakartons fallen und lief zu Mario. "Verdammt, ich hätte es wissen müssen..." er wusste sofort, dass Jörg dahinter steckte. Marios Augen waren geschlossen, also stupste er ihn mit dem Fuß an "Mario?" Und tatsächlich regte er sich und sah zu Andreas hoch "Jörg das Verräterschwein hat auf mich geschossen." Das sprechen strengte ihn an, aber er hoffte, dass Andreeas ihm jetzt helfen würde "Du musst mich zu einem Arzt bringen, die Kugel steckt noch." Andreas schüttelte den Kopf "Tut mir leid Mario, aber das geht nicht. Ich kann nicht riskieren, erwischt zu werden, auch nicht wegen dir. Du hättest eben besser aufpassen müssen. Ich verschwinde jetzt, die sind bestimmt bald hier. Die werden dir dann schon helfen." Mario konnte es nicht fassen "Das kannst du nicht machen! Ich hab doch immer alles getan, was du wolltest und jetzt lässt du mich hier einfach zurück?"  "Wie gesagt, tut mir leid." Andreas ging einfach und reagierte nicht mehr auf Marios Rufe "Andreas, komm zurück! Das kannst du nicht mach, du Schwein!"

Andreas setzte sich in das Auto, das er sich neu organisiert hatte. Er kannte ja die Polizeiarbeit und wusste, dass er mit seinem eigenen Wagen schnell gefasst werden würde. Er kochte vor Wut und wollte das alles nicht so einfach hinnehmen. Damit würde er Jörg nicht davon kommen lassen und sein Geld würde er sich auch zurückholen. Er wusste noch nicht wie, aber ihm würde schon etwas einfallen. Es konnte ja nicht alles umsonst gewesen sein, was er in den letzten Jahren auf sich genommen hatte, die ganze Mühe und Arbeit. Und nebenher musste er auch noch den Polizisten spielen, dafür hatte er das Geld mehr als verdient. Er schwor sich, dass er jeden aus dem Weg räumen würde, der ihm dabei in die Quere kommen würde. Jetzt war ihm alles egal, er hatte den Blick für die Realität verloren und fühlte sich im Recht, mit dem was er tat. Und sie würden alle sehen, was sie davon hatten, ihn aufhalten zu wollen.

~*~

Jörg fuhr in Richtung Innenstadt. Er wusste, dass ihn seine Entscheidung nun für mehrere Jahre ins Gefängnis bringen würde. Doch das war ihm inzwischen egal, er wollte das alles jetzt einfach nicht mehr und er würde alles zugeben. Seine Gedanken gingen gerade wirr durcheinander. Er hatte Angst dass Andreas sie noch erwischen würde, Angst dass es für Peter bereits zu spät war und er wusste, dass ihm trotz seiner jetzigen Entscheidung der Hass der Kollegen entgegenschlagen würde. Ihm war nicht wohl bei dem Gedanken, aber konnte es verstehen. Immer wieder sah er kurz nach hinten zu Martin und Peter. Er hörte Martin immer die gleichen Worte zu Peter sagen "Jetzt wird alles gut, du musst nur durchhalten!" Dabei wippte sein Oberkörper die ganze Zeit vor und zurück. Martin schien unter Schock zu stehen. Auch Jörg konnte nicht mehr wirklich rational denken, sonst wäre er sofort zum nächsten Krankenhaus gefahren. Stattdessen fuhr er zur Wache in Mülheim mit dem einzigen Gedanken Peter und Martin zu ihren Freunden und Kollegen zu bringen, in Sicherheit vor Andreas. Und dort konnte er auch endlich sein Gewissen erleichtern.

Es war Nachmittag als Jörg den Transporter direkt vor der Wache mitten auf dem Weg parkte. Bevor er ausstieg, sagte er zu Martin "Jetzt seid ihr in Sicherheit! Ich hol eure Kollegen!" Schnell lief er in die Wache und klopfte nervös an die Glastür. Paul öffnete die Tür, er erkannte den Mann nicht sofort, da er Jörg nur von einem Fahndungsfoto kannte. Er sah nur die blutige Jacke und Hände des Mannes, dachte er wäre verletzt. Er ging sofort zu dem Mann "Was ist passiert, wo sind sie verletzt?" Alarmiert von Pauls Worten kamen Klaus und Stephan dazu und hörten den Mann sagen "Schnell, ich hab euch Peter und Martin gebracht. Sie brauchen eure Hilfe!" Paul und Stephan sahen sich verwirrt an, aber Klaus erkannte Jörg sofort. Gerade als Tom und Muri auch aus einem der Büros auf den Flur traten, hörten sie Klaus sagen "Das ist Jörg Schütt, sofort festnehmen!" Stephan reagierte ohne zu zögern "Hände auf den Rücken, sofort!" Jörg ließ sich ohne Gegenwehr die Handschellen anlegen, aber er wiederholte  eindringlich "Draußen, ihr müsst ihnen helfen!" Klaus und Paul rannten raus, Tom und Muri hinterher. Sie hatten keine Ahnung, was sie gleich vorfinden würde.

Zur gleichen Zeit vor der Wache trafen Ilka und Arne nach der Durchsuchung der Wohnungen wieder ein. Arne konnte nicht einparken, da der weiße Transporter mitten im Weg  stand. Er hielt also gleich hinter dem Transporter und beide stiegen aus. Arne hatte sowieso schon schlechte Laune, da die Durchsuchungen zwar einge Namen und Adressen ergaben von Leuten, mit denen die Drei Geschäfte gemacht hatten, aber sie hatten keinerlei Hinweise darauf gefunden, wo sie Peter und Martin suchen sollten. Dazu kam die Nachricht von dem Selbstmord des Kollegen, was ihn und Ilka auch sehr betroffen machte. Und jetzt stand da noch so ein Idiot mitten im Weg. Allerdings fanden sie niemanden vor, die Fahrertür stand offen. Arne meckerte "War ja klar. Ich geh mal rein, vielleicht ist der Fahrer ja dort." Aber Ilka hielt ihn zurück "Arne warte, da ist Blut am Lenkrad." Und dann hörte sie eine leise Stimme aus dem Hinteren des Transporters, konnte aber von ihrer Position aus niemanden erkennen. Und gerade als sie und Arne die seitliche Schiebetür öffnen wollten, kamen auch schon ihre Kollegen aus der Wache gerannt. Paul rief ihnen zu "Da sind Peter und Martin drin!" Arne und Ilka sahen sich überrascht an, als Paul schon bei ihnen war und sofort die Schiebetür aufzog. Ihnen allen stockte der Atem bei dem Anblick, der sie in dem Transporter erwartete.

TBC
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