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Zerbrochene Seele

von Knubu
GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P16
Klaus Wiebel Martin Fuchs Muri Demir Paul Richter Stephan Sindera Tom Mayer
05.10.2020
23.01.2021
26
50.599
17
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05.10.2020 857
 
Ich hatte da so eine kleine Idee, warum Peter Rothmayer wohl nicht mehr in seiner alten Wache bleiben wollte und nach Mülheim gewechselt ist.
Ich mag Peter irgendwie echt gern und vielleicht mögt ihr ja auch mal eine Geschichte über ihn lesen. Wenn ja, viel Spaß :)

Prolog:

Nach zwei Wochen Krankschreibung war Peter heute den ersten Tag wieder im Dienst und es würde seine letzte Woche auf dieser Wache sein, da er sich versetzen ließ. Er war jetzt knapp über zwei Jahre auf der Wache Köln-Chorweiler und es ist für ihn zur Hölle geworden. Vor zwei Wochen ist er psychisch zusammengebrochen, er schaffte es einfach nicht mehr zum Dienst zu gehen. Er konnte und wollte seine Kollegen nicht mehr ertragen. Die dummen Sprüche und unterschwelligen Beleidigungen, das Getuschel und darauf folgende laute Lachen, wenn er einen Raum betrat, das alles war ein Spießrutenlauf. Und das jeden verdammten Tag aufs Neue… Eigentlich waren es nur drei bestimmte Kollegen, die es ständig auf ihn abgesehen hatten, aber es war einfach zermürbend und fraß langsam seine Seele auf. Und die anderen? Schauten entweder weg oder bemerkten es erst gar nicht. Klar es gab einige nette Kollegen, die er eigentlich mochte, aber das konnte er nicht mehr erkennen. Zu sehr hatten das Misstrauen und die Angst vor dem, was als nächstes kommen würde, ihn schon in Besitz genommen. Also zog er sich von allen zurück und fühlte sich nur noch einsamer. Es war eine Abwärtsspirale und er konnte nichts dagegen tun, dachte er.

Bis jetzt hatte er sich niemanden anvertraut oder sich Hilfe gesucht. Es war eine Mischung aus Scham und die Angst davor, als Verräter von Kollegen dazustehen. Und an dem Tag vor zwei Wochen hatten die drei Kollegen eine Grenze überschritten und ihn körperlich angegriffen, als er sich nach dem Dienst umziehen wollte. Er hatte gerade seine Diensthose ausgezogen und stand nur noch im blauen Polizeihemd und Boxershorts vor seinem Spind, als die Tür sich öffnete und besagte Kollegen den Raum betraten. Peter spürte sofort, dass sie wieder etwas vorhatten. Und als einer der Drei die Tür abschloss, stieg die Angst in ihm auf und sein Herz begann zu rasen. „Was soll der Scheiß?“ fragte er und versuchte dabei mit fester Stimme zu sprechen. Sie sollten nicht merken, dass er Angst vor ihnen hatte. Aber sie lachten nur dreckig und Andreas, der Rädelsführer der Drei, sagte mit gespielt freundlicher Stimme „Ach Peterchen, wir wollen doch nur nett zu dir sein. Ein bisschen Spaß mit dir haben…“ Und plötzlich gingen die anderen Zwei auf ihn los und packten ihn links und rechts an den Armen. Sie drehten ihn um und donnerten ihn brutal mit dem Oberkörper an die Spinde, um ihn dort zu fixieren. Peter konnte sich gegen die zwei nicht wehren. So sehr er auch versuchte dagegen an zu kämpfen, sie hatten ihn fest im Griff.

Andreas stand auf einmal ganz nah hinter Peter und er spürte dessen heißem Atem im Nacken, als dieser ihm ins Ohr säuselte „Na, gefällt dir das etwa nicht?“ und mit einer Hand über seinen Rücken strich, bis die Hand auf seinem Hintern liegen blieb und fest zupackte. Peter gefror das Blut in den Adern, das durfte nicht passieren. Er wehrte sich noch stärker und flehte schon fast „Nicht, bitte! Lasst mich los, ich sage auch niemanden etwas!“ Wieder hörte er nur das dreckige Lachen und dann Andreas Stimme „Glaubst du wirklich einer von uns würde dich vögeln wollen? Das hättest du wohl gern.“ Die Hand war von seinem Hintern verschwunden und plötzlich spürte er einen Faustschlag in der Nierengegend, so dass ihm die Luft vor Schmerz wegblieb und er aufkeuchte. „Du bekommst jetzt einen gratis Haarschnitt, damit du wenigstens nicht mehr wie ein Staßenpunk aussiehst.“ Peter hörte einen leisen Motor summen und spürte gleich darauf den elektrischen Haarschneider an seinem Hinterkopf. Panisch drehte er seinen Kopf weg „Hört doch auf, bitte! HILFE!“ rief Peter. „Schnauze du dreckiger Punk!“ Andreas schlug Peters Kopf heftig gegen die Spinde, so dass er etwas benommen war. Andreas rasierte nun den akkurat nach oben gegelten Irokesen ab, bis kein Haar mehr auf dem Kopf übrig war.

Peter hatte seine Gegenwehr aufgegeben und ließ seinen Tränen jetzt freien Lauf, etwas in ihm war zerbrochen. Plötzlich ließen sie von ihm ab und er fiel ungehindert auf die kalten Fliesen. Er schluchzte hörbar auf, was die drei nur wieder zum Lachen brachte. „Jetzt heult er, der kleine Peter. Aber merk dir gut, das hier bleibt unser kleines Geheimnis, sonst war das nur der Anfang!“ Drohte Andreas ihm, bevor sie verschwanden. Peter rappelte sich langsam auf und lief auf wackligen Beinen zum Waschbecken. Er sah in den Spiegel und fuhr sich mit zitternder Hand über die nun kahle Stelle am Kopf, die an einigen Stellen wund schien. Andreas war nicht gerade vorsichtig beim Rasieren gewesen. An seiner Stirn war außerdem eine deutliche Beule zu sehen, die sich bereits blau verfärbte. Noch mehr Tränen liefen ihm über die Wangen, dieses Mal vor Scham, dass sie ihn so sehr gedemütigt hatten. Er zog sich nur noch um und eilte aus dem Gebäude, weg von diesen Monstern. Sie hatten erreicht, was sie wollten…
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