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❣ Before I Knew You ❣ [JongTae]

von NamiAmae
GeschichteLiebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Bangtan Boys EXO F(x) Girls' Generation NCT (Neo Culture Technology) SHINee
05.10.2020
22.02.2021
11
54.681
7
Alle Kapitel
11 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 
05.10.2020 6.237
 
Hallo meine süßen und tollen Menschen da draußen ^3^

Die gute Nami kann es einfach nicht lassen. Hier präsentiere ich euch eine neue Fanfiktion! Sie ist wieder etwas anders als meine Letzteren, beinhaltet (für meine Empfindungen jedenfalls) ziemlich viel Kitisch! :D
Ich hoffe sehr, dass sie euch gefällt, denn mir bedeutet sie jetzt schon sehr viel! Deswegen wünsche ich euch ganz viel Spaß mit dieser Geschichte.
Zudem wird die Kapitellänge sich hier und da mal etwas verändern. Mein Ziel ist es für jedes Kapitel mindestens 4.000 Wörter zu erreichen, welche ich schon im ersten Kapitel deutlich überschritten habe. Ich hoffe diese Unregelmäßigkeiten machen euch nichts aus! :*

Ansonsten wünsche ich euch ganz viel Spaß mit dieser Fanfiktion und freue mich über euer Feedback!

Passt in dieser merkwürdigen Zeit auf euch auf und bleibt gesund!

Ps: Wenn ihr immer wissen wollt, wann ich diese Fanfiktion update, dann schaut auf meinem Profil vorbei. Dort schreibe ich immer, wann welche Geschichte geupdatet wird.

Love
Eure Nami


❣❣❣

Wichtige Infos:

Ich schreibe grundsätzlich über SHINee mit dem Mainpairing JongTae, wie auch in dieser FF.

In dieser Geschichte mache ich sehr oft Rückblenden. Diese werde ich KURSIV markieren!

Die Geschichte ist in der 3. Person geschrieben, wobei die Erzählperspektive zwischen den Charakteren auch mal wechselt. Ich hoffe das ist mir immer verständlich gelungen.

Gedanken des erzählenden Charakters markiere ich mit *. Also *Gedanke*

Handy-Chats (kommen nicht sehr häufig vor, aber ab und zu) markiere ich mit ~. ~Chat~

Alters-Disclaimer: !P18Slash! Das Rating P18Slash ist dafür da, um mich für sexuelle Szenen abzusichern. Ohne den Smut wäre diese Geschichte eher bei P12, wenn nicht sogar P6


❣❣❣
Instagram (Teaser, Umfragen, Lifestreams und mehr): NamiAmae

Before I Knew You

Pairing: JongTae // Side Pairings: OnKey, angedeutet JiminxTaemin u. JonghyunxTaeyeon

Kapitel: 1
Name: Kalter Frühlingsmorgen
Wörter: 5.887
❣❣❣


Kapitel 1: Kalter Frühlingsmorgen

Eine höhere Macht, die die für den Hauch einer Sekunde in das Leben eingreift, das für einen vorbestimmt ist.
Ein Zufall, der dazu führt die Erinnerungen der Gegenwart und das Nichts der Vergangenheit zusammenzuführen als war es schon immer so geplant gewesen.

Wie fühlt es sich an, hinter einem Traum herzujagen, der nur in einem verschollenen Rückblick existiert?
Was würde sich ändern, wenn man alles von vorn abzuspielt und es doch wieder genauso zu macht?
Vielleicht ist das ebenso frustrierend, wie ein Frühlingstag ohne Sonne.




*Schrecklich. Wie kann es nur so verdammt kalt sein?*

Die Temperaturen grenzten fast an Null und Taemins Füße fühlten sich an wie Blöcke aus Eis, die auf der Straße trampelten als wären sie so schwer wie seine Studienbücher.
Das lag nicht nur an den mächtigen, schwarzen Springerstiefeln, die er schon seit vier Jahren fast täglich trug; es hatte auch damit zu tun, dass er, nachdem er den Club  verlassen hatte, direkt in eine Pfütze getreten war und damit alles, bis zu seinen weißen Socken hin, durchnässt hatte.
Es wäre nicht überraschend für ihn gewesen, wären seine Füße tatsächlich am Asphalt festgefroren.
Selbst seine Hände waren Eiszapfen. Seine Finger färbten sich schon pink, blau und lila gleichzeitig, egal wie sehr er versuchte sie in den Taschen seines schwarzen, knielangen Wintermantels zu wärmen.

Die Sonne ging langsam schon auf und ihre blassgelben Strahlen mischten sich mit der endenden, tiefschwarzen Nacht und ließen die schönsten Rottöne am Himmel entstehen. Er liebte es Sonnenaufgänge zu beobachten, denn sie bedeuteten, dass er einen weiteren Tag in seinem Leben hinter sich gebracht hatte, ohne alles an den Nagel zu hängen.

Jeden einzelnen Tag rückte er dem Zeitpunkt, in dem er endlich sein Zeugnis in der Hand halten und aus dieser Stadt verschwinden würde, näher.
Doch bis dahin musste er noch viele solcher endlosen Tage hinter sich bringen.
Die Nächte wie die letzte jedoch, in denen er bis zum Morgen mit seinen Freunden feiern gehen musste, hielten sich glücklicherweise in Grenzen.

Er atmete durch und pustete dann seinen Atem in seine zusammengefalteten Hände, um sie vor dem Erfrierungstod zu bewahren. Das brachte ihm jedoch nicht lange Erleichterung, also versteckte er sie wieder in seinen nicht gefütterten Manteltaschen.

Warum hatte er überhaupt in seiner einzigen lern-freien Nacht in dieser Woche auch noch feiern gehen müssen? Es hätte ihm doch klar sein sollen, dass es ihm keinen Spaß machte. Dafür hielt er sich viel zu häufig in der ‚Party-Szene‘ auf.

Selbst war er gar kein Typ dafür, in Clubs zu gehen, zu trinken bis sich der Magen nach außen stülpte, zu feiern und am nächsten Tag in einer Fremden Wohnung aufzuwachen, mit einem Glimmstängel im Mund und einem Schädel, den man so konserviert nur noch in ein Glas stecken konnte.

Stattdessen arbeitete er lieber in diesen Läden hinter der Theke, war dadurch nicht gezwungen zu tanzen und sich volllaufen zu lassen und hatte am Morgen danach dann auch noch ein bisschen was dazu verdient, ohne sich eklig und wie eine Schnapsleiche zu fühlen.

Aber nein. Minho und Jongin hatten ihn ja unbedingt mitschleppen müssen, auf diese Studentenparty der Mediziner. Dabei war nicht einer von den Dreien ein angehender Arzt.
Die Studenten dieser Fachrichtung nervten ihn sowieso alle. Arrogante Wichtigtuer, die sich für die Könige unter den Immatrikulierten hielten.
Doch da klingelte nur die Eifersucht in Taemin Kopf. Er hätte auch einer von denen sein können, hätte er in den Abschlussprüfungen der Oberschule nicht so schlecht abgeschnitten, weil er sich mehr für etwas anderes interessiert hatte. Das wurde ihm auch immer öfter zum Verhängnis.

Er schüttelte den Kopf und blies sich wieder etwas warme Luft zwischen die Finger. Hätte er sich nicht überreden lassen mitzukommen, dann hätte er jetzt das Geld noch, das er für Eintritt und Alkohol zahlen musste. Eine Nacht Schlaf wäre seinem Körper und seinem Geldbeutel deutlich besser gekommen.

Ein kurzer Blick auf die Uhr und es lief ihm eiskalt über den Rücken. Fünf Uhr morgens. In fünf Stunden begann seine erste Vorlesung. Bis er zuhause war dauerte es sicher noch eine halbe Stunde. Dann musste er sich noch umziehen und schließlich auch versuchen, mit dieser Kälte in seinem Körper und dem Schwindelgefühl vom Alkohol, einzuschlafen.

Für einen Augenblick war er deswegen stinksauer auf die beiden. Sie hätten sich auch keinen anderen Tag als den Donnerstag aussuchen können, wenn jeder von ihnen am nächsten Tag wieder im Vorlesungssaal sitzen und abliefern musste, um bei der nächsten Prüfung nicht erneut durchzurasseln.
Doch denen war das egal. Die feierten immer noch und kümmerten sich nicht darum, welche Konsequenzen diese Lebensart für sie hatte.

*Wahrscheinlich machen die eh wieder durch, knutschen mit irgendwelchen Fremden, trinken zu viel und sitzen dann mit ganz kleinen Augen und Kopfschmerzen neben mir und verlangen, dass ich ihnen alles nochmal wiederhole.*

Darauf freute er sich jetzt schon. Wie lange sollte das denn noch gut gehen, bis die beiden ein Semester wiederholen mussten und er dann ganz ohne Freunde in den Vorlesungen sitzen musste?

Diese Gedanken rückten ganz schnell in den Hintergrund seiner Aufmerksamkeit als er die Station erreichte, an der für gewöhnlich die Straßenbahn hielt, die ihn hoffentlich auch an diesem Morgen sicher in seine Wohngegend brachte, ohne, dass er sich weiter alles abfrieren musste.

Er sah auf die grelle Anzeigetafel, auf der sonst immer genau festgehalten war, dass die Bahnen nacheinander in wenigen Minuten Abstand auftauchten. Im üblichen Fall wartete er meist keine drei Minuten.
Doch genau an diesem Morgen war der übliche Fall nichts mehr als sein sehnlichster Wunsch.

„Oh, scheiße“, fluchte er, als er die Information las.

—Keine weitere Fahrt möglich - Unfall auf der Strecke—

„Das kann doch nich‘ wahr sein“, meckerte er und kramte nach seinem Handy.

Vielleicht sollte er Jongin und Minho anrufen. Oder seinen Vater?
Doch die beiden konnten ihn nicht mehr nach Hause bringen, bei so viel Vodka, der ihnen gerade durch die Adern floss.
Und sein Vater hielt ihm dann auf der ganzen Fahrt einen Vortrag, der länger war als die Rede des Präsidenten zum neuen Jahr. Er würde mal wieder fordern, dass er zu feiern aufhören und sich lieber auf sein Studium konzentrieren sollte.

Doch wieso sollte er sich auf etwas konzentrieren, dass er mehr hasste als mit nassen Füßen durch die Kälte zu laufen?

Er sah auf den Bildschirm seines Handys und ging alle verschiedenen Lösungen durch, die ihm einfielen:

       1.        Minho oder Papa anrufen... nein!
       2.        Ich gehe zurück zu Minho und Jongin und feiere weiter bis zur Vorlesung. Dann werde ich übermüdet währenddessen einschlafen, nichts mitbekommen und in der nächsten Klausur wieder blöde Fehler machen. - Ganz sicher nicht!
       3.        Ich nehme ein Taxi und verschwende damit das Geld, das ich momentan für den Monat noch übrighabe. - Und wie soll ich mir dann noch irgendetwas leisten können in den nächsten 10 Tagen?

Dann kam ihm noch etwas anderes in den Sinn oder besser gesagt jemand anderes. Aber auch diese Idee versprach in der Umsetzung unangenehm zu werden.
Denn auch er würde sicher nicht gerne so früh geweckt werden und losfahren, um einen erfrorenen Studenten abzuholen und ihn dann auch noch nach Hause zu kutschieren.

Aber er hatte Taemin damals etwas versichert und zwar, dass er ihn jeder Zeit anrufen durfte, besonders wenn er Schwierigkeiten hatte.
Immerhin hatte Taemin ihm ja auch bedingungslos geholfen, in der Nacht, in der sich die beiden kennengelernt hatten.

Das war aber mittlerweile zwei Monate her und sie hatten kaum Kontakt, besonders, weil Taemin das nicht wollte. Denn er wollte ihm nicht das Gefühl geben, dass er ihn wegen seines Status ausnutzte, auch wenn er das nie täte.
Aber dennoch. Er wollte sich theoretisch ganz aus dem Leben des anderen heraushalten.

Doch um fast zwei Stunden durch das in Kälte getauchte Seoul zu stapfen und dabei noch ein paar seiner Zehen zu verlieren, hatte er einfach nicht die Kraft.

Es war beschlossene Sache. Denn er war der einzige, der Taemin in dieser Situation noch retten konnte, ohne dass er sich einen Vortrag über sein Versagen anhören und dabei auf Durchzug stellen musste.
Für eine Minute starrte er einfach nur den Kontakt auf dem Bildschirm an, bis er sich dazu überwand die Nummer tatsächlich zu wählen.

Es klingelte einmal, zweimal, dreimal, viermal.
Es war möglich, dass er sein Handy um diese Uhrzeit lautlos hatte und Taemin war schon kurz davor aufzulegen. Wahrscheinlich schlief der andere noch tief und fest und wollte nicht gestört werden.

Doch dann, kurz bevor er das Smartphone von seinem Ohr wegzog, nahm der Angerufene das Gespräch entgegen.  

„Na, wenn das mal nicht der kleine Taeminnie ist“, hörte Taemin ihn sagen. „Womit habe ich denn diesen Anruf verdient und vor allem, warum so früh?“

Taemin war erleichtert. Er klang nicht verschlafen und im Hintergrund konnte er Musik spielen hören.
Er war um diese Uhrzeit schon wach? Oder immer noch? „Hey Kibum. Tut mir leid, dass ich anrufe. Stör ich dich?“

„Sicher nicht“, sagte er und klang dabei aufgeregt. „Ich wundere mich nur, wieso du dich so früh meldest. Gibt es Probleme auf der Arbeit?“

„Nein, das nicht“, sagte Taemin. Es war die letzte Chance, um einen Rückzieher zu machen, doch seine Füße schmerzten schon vor Kälte. Deswegen überwand er sich, auch wenn er sich mies fühlte. „Aber erinnerst du dich, dass du damals gesagt hast, dass du mir was schuldig bist, weil ich dir geholfen habe diesen großen, stinkigen Kerl loszuwerden?“

„Natürlich! Wie könnte ich das denn vergessen?“, rief Kibum in den Hörer, so laut, dass Taemin ihn ein wenig von seinem Ohr weghalten musste. „Worum geht’s?“

Taemin atmete durch. Jetzt oder nie! „Es ist wirklich blöd und auch unhöflich, aber... könntest du mich abholen? Meine Beine sind mittlerweile Eis am Stiel und meine Bahn fällt komplett aus und wenn ich nicht zwei Stunden lang laufen müsste, um nach Hause zu kommen, würde ich nicht fragen, aber ich wusste einfach nicht mehr, wen ich noch-“

Der Ältere unterbrach ihn. „Wo bist du?“



*



Kibum hatte Keine zehn Minuten gebraucht, um mit seinem todschicken schwarzen Auto vorzufahren.
Taemin stieß ein Seufzen aus vor Erleichterung, als er die Wärme des Innenraums spürte. Er hatte nicht mehr erwartet in dieser Nacht noch normale Temperaturen auf der Haut spüren zu können.

„Du meine Güte“, sagte Kibum, nachdem er Taemins Hand gegriffen hatte. „Du bist ja wirklich nur noch ein Klotz aus Eis. Geht es dir gut?“

„Ich bin dir sehr dankbar dafür, dass du hier bist.“ Taemin war unsicher in der Gegenwart des anderen. Besonders jetzt, da er vollkommen nüchtern und Taemin dafür ein wandelnder Tequilashot war. „Ich weiß, dass das Probleme für dich geben kann.“

„Keine Sorge, mich hat niemand gesehen und selbst wenn, kann ich das erklären.“ Kibum griff an den Regler für die Heizung, um sie noch höher zu stellen. „Außerdem würde ich einiges für meinen Lebensretter in schwarzer Uniform tun.“

„Ich danke dir. Wirklich“, wiederholte Taemin und hielt seine steifen, blauen Eiszapfen-Finger gegen die Lüftung über dem Handschuhfach.

„Genug bedankt“, beschloss der Ältere. „Kannst du mir sagen, wo du wohnst? Oder warte.“ Er nahm sein Handy aus der dafür vorgesehenen Halterung am Cockpit und öffnete eine Navigationsapp, bevor er es Taemin reichte. „Gib sie einfach ein.“

Es war merkwürdig mit seinen zitternden Fingern die Adresse einzugeben, besonders da sie durch die Wärme im Auto brannten wie Feuer. Doch als die App eine rote Route anzeigte, würde ihm plötzlich ganz heiß im Gesicht. „Nicht doch.“

„Was ist?“, fragte Kibum und nahm das Handy wieder an sich. „Vollsperrung? Deswegen fährt deine Bahn also nicht. So müsste ich ganz umständliche Routen nehmen.“

„Bitte nicht. Ich will nicht, dass du auch noch Umwege durch die Innenstadt fährst. Du kannst mich einfach ein paar Straßen früher rauswerfen“, sagte Taemin und zeigte auf den Punkt, zu dem Kibum ihn ohne Probleme bringen konnte.
Ihm war jedoch auch klar, dass ein paar Straßen früher hieß, dass er mindestens noch eine halbe Stunde in der Kälte nach Hause laufen musste.
So hatte er sich das nicht vorgestellt, aber es war besser, als den ganzen Weg zu laufen.

„Vergiss es.“ Kibum schaltete das Handy aus, stellte es zurück auf seinen Platz und fuhr dann los. „Ich lass dich nicht allein um diese Uhrzeit durch die Straßen laufen und das auch noch angetrunken. Du schläfst heute bei mir.“

Taemin klappte der Mund auf. Meinte Kibim das etwa ernst? „Was? Aber-?“

„Kein Wenn und Aber, Minnie“, stelle Kibum fest. Es war offensichtlich sein Ernst. „Du nimmst ‘ne heiße Dusche, schlüpfst in meinen wärmsten Pyjama und kuschelst dich in mein Gästebett. In ein paar Stunden kann ich dich immer noch nach Hause bringen. Oder zur Uni. Wie du das willst.“

„Das ist echt zu viel verlangt“, meinte Taemin und schüttelte den Kopf, obwohl sie schon längst auf dem Rückweg waren, immer weiter von seiner Wohnung weg.

„Du verlangst es ja auch nicht, sondern ich biete es dir an. Nein, ich möchte es so“, sagte Kibum. Er hatte schon für Taemin entschieden. „Mach dir keine Gedanken. Es stört mich nicht und ich wohne allein. Keiner wird es mitbekommen.“

Taemin war verblüfft über das Vertrauen, das Kibum ihm schenkte. „Ist das wirklich ok für dich?“

Kibum lachte, es klang ein wenig wie eine Gans, was Taemin ein Lächeln ins Gesicht zauberte. „Als dieser Typ über mich hergefallen ist, hast du auch nicht damit gezögert den Eimer voll Putzwasser über ihm auszukippen, ohne, dass ich dich vorher gefragt habe, ob das ok für dich ist.“

„Das war eine andere Situation“, murmelte Taemin. Er hatte im Affekt reagiert, um den anderen zu beschützen. Doch Kibum tat dies aus reiner Nettigkeit.

„Ja stimmt. Es war eine schlimmere Situation, aus der du mir rausgeholfen hast, obwohl der Kerl uns beide hätte zermalmen können“, sagte Kibum und sah dabei in den Rückspiegel. „Also hör auf darüber nachzudenken und lass mich dir einfach helfen.“

Kibum war viel zu freundlich und dazu irgendwie auch unschuldig, wie eine Disney-Prinzessin. Das war Taemin schon aufgefallen, als sie sich kennengelernt hatten. Er war so nett, dass jeder glaubte sich ihm aufdrängen zu können, ebenso wie dieser Typ in dem Club, in dem Taemin an jedem Wochenende arbeitete.

Als Taemin erkannt hatte, dass dieser Stier von einem Kerl Kibum in eine Ecke gedrängt hatte und keiner sie bemerkte, musste er die Initiative ergreifen. Sonst wäre sicher Schlimmeres passiert.

Dafür einem Club-Besucher Putzwasser überzukippen, hatte zunächst alle Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Auch Taemins Chef war kurz davor gewesen einzuschreiten und ihn mit einem Arschtritt zu feuern, hätte Kibum ihn nicht verteidigt.
Und weil Kibum eben keine unbekannte Persönlichkeit war, hatte der Chef natürlich Verständnis aufgebracht und Taemin sogar anschließend für seine Tat vor den anderen Angestellten gelobt. Lächerliche Doppelmoral.

„Wenn das so weiter geht, sind wir uns ständig irgendwas schuldig“, kicherte Taemin und legte seine, mittlerweile wieder aufgetauten, Finger auf seinen Schoß.

„Nein“, sagte Kibum und warf dann einen Blick zu Taemin herüber. „Du bist mir danach nichts schuldig, Minnie. Aber ich denke dadurch sind wir mehr als nur quitt.“

„Achja?“, fragte Taemin.

Kibum streckte seinen Arm aus und tätschelte Taemins Kopf. „Ich denke, danach sind wir Freunde.“



*



Taemin streckte sich und gähnte anschließend. Er hatte in Ewigkeiten nicht mehr so gut geschlafen.

In den letzten Wochen war er meist von seinem schrillen Wecker aus dem Schlaf gerissen worden, doch an diesem Tag weckten ihn die Sonnenstrahlen auf seinem Gesicht und ein warmes Gefühl umgab seinen gesamten Körper. Er fühlte sich so wohl, dass er nicht mal daran dachte, aufzustehen.

Bis ihm auffiel, dass er gar nicht zuhause war.
Er schnellte er in die Höhe und versuchte etwas wiederzuerkennen. Er lag in einem, mit weißer Satinbettwäsche ausgestattetem, Himmelbett. Die weißen Vorhänge aus Chiffon waren offen und ließen einen direkten Blick auf ein Fenster zu, durch welches die Sonnenstrahlen hereinbrachen. Als er dort hinaussah konnte er sogar vom Bett aus die Skyline Seouls sehen. Es war schöner als auf jedem Foto.
Er sah an sich herab und erkannte den Pyjama, aus einem undefinierbaren, wachsweichen und gleichzeitig warmhaltenden Stoff in einem pastellrosa, wieder.

All diese Eindrücke überdeckten aber nicht die Nachwirkungen der letzten Nacht, die ihn urplötzlich überfielen wie eine Lawine.
Sein Kopf schmerzte so sehr, als hätte er ihn über Nacht mehrfach gegen die Wand gehämmert und auch seine Beine waren schlaff. Er hatte eindeutig zu viel getanzt und zu wenig Wasser getrunken. Seine Kehle sehnte sich nach etwas Flüssigkeit.

Daran hatte sein Gastgeber natürlich auch gedacht. Neben dem Bett stand, auf einem Beistelltisch der weiß lackiert war, eine Flasche Wasser. Ohne zu zögern griff er danach und ließ die flüssige Erleichterung seinen ausgetrockneten Hals herunterlaufen.

Auf der Stelle ging es ihm besser und erst danach konnte er auf sein Handy sehen, um seine Nachrichten zu checken und zu erfahren, wie spät es war.

*16 UHR?!?! WIE IST DAS DENN PASSIERT?!* Er wusste nicht mal mehr, wann er das letzte Mal so spät aufgewacht war. Vielleicht im ersten Semester.  
Mit Schrecken öffnete er den Gruppenchat mit Jongin und Minho, die ihm einige Nachrichten hinterlassen hatten.

~
Jongin 9.23 Uhr:
Was für eine Nacht. @Taemin, wenn du vor der Vorlesung an einer Bäckerei vorbeikommst, wären wir dir dankbar für einen starken Kaffee und irgendwas mit Zucker!

Minho 9.24 Uhr:
Und Schokolade! Das ist gut, um den Alkohol aufzusaugen!

Jongin 9.25 Uhr:
kaffee, zucker, schokolade und vielleicht auch was salziges!!!1! Danke :*
~

Taemin rollte mit den Augen. Wie erwartet hatten sie die Nacht durchgemacht.

~
Jongin 10.05 Uhr:
Hey, Tae! Wenn die schlange an der Bäckerei zu lang ist, dann lass es und komm her. Der Prof hat schon angefangen!

Jongin 10.30 Uhr:
mensch, wo bleibst du nur?!

Minho 11.37 Uhr:
Du hast die erste Vorlesung verpasst, Dummchen! Deswegen bist du doch früher gegangen… Wieso kommst du dann nicht??? Sag mir nicht du pennst noch! Ist alles in Ordnung bei dir? Wieso liest du unsere Nachrichten nicht?

Jongin 15.26 Uhr:
Die letzte Vorlesung heute fällt aus, Tae. Jetzt musst du also nicht mehr kommen.

Minho 15.31 Uhr:
Aber wir klingeln gleich bei dir… Wir machen uns Sorgen…
Also melde dich, wenn du das hier siehst!!!
~

Na super. Die beiden würden es sicher falsch verstehen, wenn Taemin nicht zuhause war und sie nicht mit einem Lächeln begrüßte. Er freute sich schon auf deren Fragen… nicht.

Doch noch bescheuerter war es für ihn, dass er die Vorlesungen verpasst und dazu noch die ganze Zeit bei Kibum geschlafen hatte. Hoffentlich war der Ältere nicht sauer deswegen.

Immer noch ziemlich verschlafen, er musste ständig zurückgehen und verbessern, tippte er eine Antwort an seine Freunde.

~
Taemin 16.07 Uhr:
Sorry, Leute. >.< ihr werdet mich zuhause nicht antreffen! Hab bei einem Freund übernachtet. Meine bahn ist nicht gefahren.
~

Das sollte reichen, damit sie nicht gleich die Polizei riefen, sollten sie seine Wohnung leer vorfinden.

Nun musste er es schaffen trotz Kopfschmerzen und Übelkeit aufzustehen. Er legte das Handy zurück und schwang seine Beine aus dem Bett. Seine Oberschenkel taten weh. Er hätte es sein lassen sollen so viel mit Jongin zu tanzen. Aber der Jüngere hatte die ganze Nacht darauf bestanden. Die Konsequenzen trug er nun in seinen Muskeln und auch den Knien. Er hätte mehr aufpassen sollen.

Einmal durchatmen und er raffte sich auf. Der Schwindel stieg ihm noch immer zu Kopf, deswegen bewegte er sich nur langsam voran.
Er schleppte sich durch das modern eingerichtete Gästezimmer und lauschte zunächst an der Tür.
Nichts zu hören. War Kibum vielleicht zur Arbeit gefahren und hatte ihn allein gelassen? Hoffentlich nicht!

Auf alles vorbereitet öffnete er die Tür zum großen, lichtdurchfluteten Wohn- und Essbereich des Luxusapartments.
Mit fast zusammengepetzten Augen sah er das große U-förmige Sofa vor dem noch größeren Flachbildfernseher. Die Einrichtung allein war bestimmt teurer gewesen als Taemins gesamtes Studium.
Im hinteren Bereich des Zimmers stand ein Esstisch aus dunklem Holz mit Sitzplätzen für bis zu zehn Personen. Auf diesem Tisch, der dekoriert war mit einem weißen Läufer und einem extravaganten Kerzenständer, der aussah als würden Äste aus dem Fuß wachsen und die Kerzen in deren Spitzen enden, standen zwei Tassen.
Doch er konnte niemanden sehen.

Seine Arme um seinen Oberkörper gelegt stand er da und wusste ganz und gar nicht, was er tun sollte. Hatte Kibum ihn tatsächlich in seinem Apartment allein gelassen?

„Kibum?“, rief er und seine Stimme hallte in dem großen Raum, als war er in einem Konzertsaal.

Er wartete ab und lauschte, doch er bekam keine Antwort. Stattdessen streckte jemand nach ein paar Sekunden seinen Kopf aus dem Durchgang zur Küche, die direkt hinter dem Essbereich gelegen war. Diese hatte Kibum ihm schon am Morgen gezeigt.
Der Kopf gehörte aber nicht zu Kibum. Es war jemand anderes dort. So viel zu dem, dass Kibum allein wohnte und er sich keine Sorgen machen musste.

Zu allem Überfluss kannte Taemin diesen Typ, auch wenn er ihm noch nie persönlich begegnet war:
Er hatte ihn erst vor Kurzem bei einer Talentshow als Jurymitglied gesehen. Lee Jinki oder auch Onew. Einer der beliebtesten Sänger des Landes mit einer Stimme, die jeden aufgeregten Geist beruhigen konnte.
Er war ein Idol des SM-Entertainments, ebenso wie Kibum.

Im Gegensatz zu dem honigblond gefärbten Kibum, welcher immer die neuste und auffälligste Kleidung anhatte, trug Jinki seine Haare dunkelbraun und hatte auch eher einen natürlich-sportlichen Kleidungsstil. Eine einfache Jeans und ein weißes Shirt und darüber eine locker sitzende, schwarze Jacke einer bekannten Sportmoden-Marke.

„Wahnsinn, Bummie, das habe ich dir gar nicht zugetraut“, rief er und betrachtete Taemin ausgiebig. Dabei ließ er seine Augen ganz langsam über Taemins kompletten Körper wandern als wäre er ein Kopierer und scannte ihn. „Seit wann hast du auch Groupies in der Wohnung, die deine Pyjamas tragen dürfen?“

Taemin spannte sich an. Er hatte geglaubt auf alles vorbereitet zu sein, aber dieser Typ übertraf seine Vorstellungen: „Ich… bin nicht…“

„Blödmann!“, antwortete Kibum aus der Küche und kam dann in einem Tempo um die Ecke, welches jedem Sprinter Konkurrenz machte. Dann schlug er Jinki sachte an den Hinterkopf, bevor er sich ganz und gar dem Jüngeren zuwandte. „Du bist wach! Wie fühlst du dich?“

„Großartig“, murmelte Taemin und verhakte seine Finger ineinander, die wegen der Kälte an den Knöcheln ganz trocken und rissig waren. Jinki starrte ihn immer noch an, wodurch ihm die Worte fehlten.

„Ignorier den.“ Kibum zeigte auf Jinki und schüttelte den Kopf. „Der spinnt ab und zu. Ist es nicht gewohnt andere Menschen zu sehen.“

Taemin lächelte, fühlte sich aber schuldig. Er war mittlerweile doch nur noch ungebetener Gast bei Kibum und sollte zusehen, dass er sich von dort weg schaffte. „Es tut mir leid, dass ich so lange geschlafen habe. Eigentlich hätte mein Handy mich wecken müssen, aber ich hab es wohl ausgestellt.“

„Ja... was das angeht...“ Kibum hob seine Hand und kratzte sich am Kopf. „Das Ding hat ununterbrochen geklingelt. Als du nach 20 Minuten nicht wach geworden bist, habe ich es ausgemacht.“

„Oh.“ Das war ganz schön peinlich. Er schämte sich für sein Verhalten und hatte ein schlechtes Gewissen. Kibum war so großzügig. „Ich zieh mich an und verschwinde. Tut mir wirklich leid, dass ich die ganze Zeit hier war.“

„Unsinn“, sagte Kibum und lief zu Taemin, um ihm näher zu sein. „Bitte bleib. Du hast doch sicher Hunger. Du hast deine Vorlesungen doch bestimmt verpasst, oder?“

Er konnte es nicht glauben. Da holte Kibum ihn so früh morgens ab, ließ ihn bei sich zuhause in diesem schönen Zimmer mehrere Stunden ausnüchtern und bot ihm jetzt auch noch etwas zu Essen an. Wieso war er nur so verdammt nett? Womit hatte er das nur verdient?

„Wirklich Kibum“, flüsterte er und warf immer wieder einen Blick zu Jinki, der nichts tat als zu lächeln. Es kam Taemin so vor als würde er sie stören. Da konnte er doch nicht bleiben. „Ich sollte gehen.“

„Ich habe aber extra heute Morgen eingekauft!“ Der Blonde tänzelte um Taemin herum und packte anschließend nach seiner Hand. „Hast du heute noch einen Termin?“

„Ich?“, fragte Taemin und versuchte Kibums freudestrahlenden Blick standzuhalten. Wollte er ihn tatsächlich bei sich haben? „Da ich den kompletten Vorlesungstag verpasst habe, sollte ich sie online nachholen.“

„Aber du triffst dich mit niemandem mehr?“, hakte Kibum nach.

„Nein?“ Eigentlich war dies eine sichere Antwort, aber aus Taemins Mund kam nur eine fragende Unsicherheit.

Kibum hüpfte regelrecht und zog Taemin am Handgelenk mit sich, weiter ins Zimmer hinein und näher zum Sofa. „Dann bleib doch. Ich habe so gut wie alles vorbereitet. Barbecue. Ich habe gehört, dass ist das Beste, wenn man einen Kater hat.“

Der Jüngere schluckte. Es war lange her, dass er etwas Warmes gegessen hatte, außer Fertignudeln. Besonders Fleisch war ihm in den letzten Wochen nicht auf dem Teller gelandet. Dafür reichte das Budget nicht aus. Also hatte er sich nur noch von Convenience-Store-Fertigfutter ernährt.

Zusätzlich knurrte genau in diesem Moment sein Magen. Selbst wenn er schüchtern war vor Kibum und dessen Kollegen, so wollte er doch bleiben. Zumindest ein ganz kleines Bisschen. „Und ich störe euch wirklich nicht? Es macht mir nichts aus zu gehen!“

„Du störst doch nicht“, beteuerte ihm auch Jinki, der endlich damit aufgehört hatte Taemin zu mustern. „Zum einen hat er mal wieder viel zu viel gekauft und außerdem wollte ich schon lange den Typ kennenlernen, der Bummie damals geholfen hat.“

Taemin lächelte, wenn auch verkrampft. Er war es nicht gewohnt, so viel Aufmerksamkeit zu bekommen und schon gar nicht von zwei Stars, die doch viel coolere Leute kannten!

„Er hat mir erzählt, dass du gern tanzt. Stimmt das?“ Jinki setzte sich an den Esstisch und nahm eine dort stehende Tasse in die Hand um kurz daran zu nippen.

Taemin senkte seinen Blick auf den Boden. Dass er ausgerechnet das ansprechen musste, was so kompliziert war…

Ja, er tanzte gern und das schon sein ganzes Leben lang. Eine Passion, jedoch nicht mehr als das, denn er schaffte es in kein Entertainment...
Eigentlich hatte er auch noch nie vorgetanzt.
Er war nicht gut genug. Nicht mehr. Seine Tanzkünste reichten nur aus, um in seinem Zimmer auf und ab zu springen oder mit Jongin und Minho im Club zu hampeln.

„Ja... irgendwie schon“, gab er zu und sah dann zu Kibum.
Er wollte nicht darüber reden, besonders nicht mit jemandem wie Jinki, den er kaum kannte. Kibum hatte er das alles am Morgen auch nur erzählt, weil er zu viel getrunken hatte. Sonst sprach er überhaupt nicht darüber.

Denn er hatte das Tanzen schon seit zwei Jahren aufgegeben.

Den Hilferuf in Taemins Augen, erkannte der Blonde direkt: „Taemin ist Student in Pharmazie, ist das nicht interessant?“

„Wenn ich jemanden bräuchte, der mir Drogen besorgt, sicher“, sagte Jinki und lachte dann. „Wobei ich mich schon eher für seinen Traum, als für Schmerzmittel interessiere.“

„Das ist kein Traum“, meinte Taemin so schnell er antworten konnte. „Nicht mehr.“ Er log. Es war ein Traum. Aber diesen konnte er nicht mehr umsetzen.

„Du weißt Kibum hat dich gern gewonnen“, sagte Jinki und nippte wieder an seinem Getränk. Von der Farbe und dem Geruch her schätzte Taemin auf einen schwarzen Tee. „Wir könnten dich einem anderen Entertainment empfehlen, wenn du uns zeigst, was du draufhast.“

Damit hatte Jinki eine Bombe platzen lassen. Eine Bombe, die eine erneute starke Welle der Übelkeit in Taemins Magen hervorbrachte. „Ihr wollt was machen!?“

„Ich habe gesagt wir gehen das langsam an und konfrontieren ihn nicht sofort damit“, fuhr Kibum Jinki an. Die beiden hatten also darüber schon gesprochen, bevor Taemin wach geworden war. „Was an meinem Plan hast du bitte nicht verstanden? Aber das ist ja typisch. Immer mit dem Kopf durch die Wand, was?“

Jinki nahm einen weiteren Schluck aus seiner Tasse und fixierte Taemin mit seinem Scanner-Blick. „Ich halte nicht viel von sinnlosen Drumherumreden. Besser er hört es gleich und ohne Ausschmückungen.“

„Und von Sensibilität hältst du ebenso wenig!“, brummte Kibum. „Es tut mir leid, Taemin. Ich hätte gerne in Ruhe während des Essens mit dir gesprochen. Weißt du, ich habe darüber nachgedacht und wenn du möchtest, dann-“

„Nein“, schoss es aus Taemin wie aus einer Kanone. Er wollte sich so deutlich wie möglich ausdrücken.

Kibums Augen wurden mit einem Mal fast doppelt so groß. „Nein?“
Auch Jinki hatte nun seine Tasse wieder abgestellt.

„Ich will in kein Entertainment. Hab kein Interesse.“ Taemins Hände zitterten.
Er konnte kaum noch atmen, so sehr ängstigte ihn die Vorstellung, wieder professionell zu tanzen. Nicht vor den beiden und ganz sicher nicht vor einem Manager.
Dafür war er einfach nicht mehr gut genug!

„Das sieht mir aus wie klassisches Lampenfieber“, steuerte Jinki mit einem Lächeln bei. Er meinte es nicht böse, aber in Taemin löste es eine Abwehrhaltung aus.

„Sei doch still“, fauchte Kibum und sah Taemin an. Sein Blick war so voll Mitleid, dass Taemin es kaum aushielt. „Es tut mir leid. Ich hätte es nicht so überstürzen sollen. Wir reden nicht mehr darüber, ok?“

„Alles gut“, sagte Taemin mit angezogenen Schultern. Wie konnte er auch sauer auf Kibum sein? Trotzdem spürte er eine solche Beklemmung in der Brust, dass er sich einfach in Luft auflösen wollte. „Ich werd mich umziehen und dann gehen.“

„Geh nicht. Sei nicht böse.“ Der Blonde griff erneut nach Taemins Händen.

„Ich bin nicht böse“, versicherte er Kibum, löste seine Hände auf der Stelle von ihm. „Ich muss nur wirklich nach Hause.“

Es war die Unsicherheit, die ihn leitete. Er drehte sich um und lief zurück in das Gästezimmer, um sich umzuziehen und seine restlichen Sachen zusammenzupacken.  

Doch Kibum war ihm gefolgt. „Du musst nicht gehen. Ich hab mit Jinki darüber gesprochen. Er wird dich deswegen nicht nerven.“

„Schon ok, Kibum“, flüsterte Taemin und steckte sein Handy in seine Hosentasche. „Ich muss wirklich los. Ich habe vergessen, dass mein Vater sich heute mit mir treffen wollte.“

„Du lügst.“ Die Enttäuschung in Kibums Stimme war nicht zu überhören.

Aber Taemin wollte nicht eine Sekunde länger bleiben. Das Thema Tanzen hatte er aufgegeben und er machte immer einen Rückzug, wenn jemand mit ihm darüber sprechen wollte, außer er war betrunken. „Bitte sei nicht traurig.“

„Kommst du mich dann mal wann anders besuchen? Dann, wenn wir allein sind?“, fragte Kibum. Er war hartnäckig.

Taemin wunderte sich sehr über das Verhalten des Sängers. Immerhin war er doch nur ein Student. Wieso wollte Kibum so unbedingt Kontakt zu ihm haben und mit ihm befreundet sein?
Doch andererseits freute es ihn. Kibum war ein lieber Mensch und so ganz anders als seine anderen Freunde.
Also nickte er ihm zu.

„Gut“, sagte Kibum. Er wollte nicht, dass Taemin ging, aber er hatte sich wohl damit abgefunden, dass der Jüngere nicht bleiben konnte. „Geh dich fertigmachen. Ich bring dich dann raus.“

Taemin schlüpfte in seine Kleider vom Vortag und achtete darauf nichts zu vergessen, bevor er das Gästezimmer wieder verließ.

Es war verkrampft als er sich von Jinki verabschiedete. Er kannte ihn ja auch nicht gut und nun war wegen dieser Tanz-Sache auch etwas zwischen ihnen. Deswegen war er auch ganz froh, als er mit Kibum die Wohnung verließ.

Sie liefen den langen Gang entlang, der zum Fahrstuhl führte. An den Wänden waren auf beiden Seiten mehrere Wohnungstüren und Taemin fragte sich wie viele bekannte Persönlichkeiten wohl hinter diesen Türen steckten. Bestimmt war Kibum nicht der Einzige.

„Bitte sei Jinki nicht böse. Er will immer nur das Beste für die Leute“, versuchte Kibum seinen Freund zu erklären. „Er hatte es nicht immer leicht, deswegen möchte er es denen um sich herum leichter machen.“

„Du stehst auf ihn, oder?“, fragte Taemin mit einem Lächeln. Er wollte von sich selbst ablenken und etwas ansprechen, was ihm sofort aufgefallen war, als er die zwei zusammen gesehen hatte.

Erst traute er sich nicht darauf zu antworten, doch er wurde lockerer, nachdem Taemin ihm mit dem Ellenbogen leicht schubste. „Nunja... immerhin sind wir seit zwei Jahren zusammen, da sollte man schon aufeinander stehen.“ Er kicherte.

Taemin staunte: „Echt?“

„Ich kann dir diesbezüglich ja vertrauen, oder?“, wollte der Ältere wissen.

*Blöde Frage, immerhin hast du es gerade schon ausgeplaudert.*

„Na klar“, sagte Taemin. Er war niemand, der solche Informationen an andere preisgab. „Ich bin kein Plappermaul.“

„Gut. Danke.“ Kibum drückte auf dem Knopf zum Fahrstuhl, der rot aufleuchtete. „Er ist, wenn ich das so kitschig sagen kann, die Liebe meines Lebens. Verrückt, oder?“

„Ist bestimmt nicht einfach mit euren Jobs, was?“ Taemin fühlte für sie. Es musste schwer sein für ein solches Paar, sich ständig zu verstecken und keine Gefühle zu zeigen, wenn sie doch zusammenarbeiteten.

„Daran haben wir uns gewöhnt. Er wohnt hier im Haus, damit wir es außerhalb der Arbeit einfacher haben uns zu sehen“, erklärte Kibum mit einer leichten röte auf den Wangen. „Wir sind glücklich und wir leben unseren Traum. Das Versteckspiel müssen wir hinnehmen.“

Das klang tatsächlich schöner als Taemin es erwartet hatte. Ein Star zu sein hatte doch mehr Schattenseiten als Kibum das in dem Moment zeigen wollte. „Das freut mich für dich.“

Gerade als Taemin das ausgesprochen hatte, öffnete sich die Tür des Fahrstuhls.
Zusammen mit Kibum wollte er ihn betreten, doch als ihm auffiel, dass er nicht leer war, blieb er stehen.

Bis die Tür sich komplett geöffnet hatte und er aus dem Staunen überhaupt nicht mehr rauskam.
Der, der da gerade vor ihm und Kibum stand, war kein anderer als Kim Jonghyun. Er hatte zwar keine blonden Haare mehr wie vor ein paar Jahren, aber auch mit den schwarzen Haaren war Taemin sich sicher, dass er es war.

Der berühmte Songwriter und Produzent, der bis vor zwei Jahren auch noch selbst auf der Bühne gestanden und performt hatte.
Er war jedoch auf einmal ganz aus der Öffentlichkeit verschwunden und zeigte sich eher selten vor Kameras. Seine Musik produzierte er aber weiter.
Und es war gute Musik. Emotional, melancholisch, spannend, beruhigend… die Songs, die er produzierte, egal in welchem Genre, waren immer ein Hit.

Und dieser unglaubliche Musiker stand jetzt vor Taemin. Er stand vor ihm und sah den Jüngeren an mit seinen großen, braunen Augen. Augen, die so weit waren wie das Meer und die Fähigkeit hatten ihm mitten in die Seele zu sehen. Es war ein erbarmungsloser Blick. Fast erdrückend.

„Jonghyun“, rief Kibum aus, der peinlich berührt und gleichzeitig panisch wirkte, als waren er und Taemin bei einem Bankraub erwischt worden. „Was machst du denn hier?“

„Was soll denn das, Bummie?“, fragte der Schwarzhaarige in einem strengen Ton und schüttelte den Kopf. Taemin beachtete er nicht mal.

Er fühlte sich ganz schön unwohl. Immerhin schien Jonghyun ihn zu meiden und deswegen wäre er am liebsten im Boden versunken. Die Stars mochten es wohl nicht, wenn sich Zivilisten in diesem Haus befanden.

Doch Kibum winkte ab als wäre es nichts Besonderes: „Ich... ach, lass mich doch machen, was ich will, du hast mir sowieso nichts zu sagen. Das ist Tae-“

Noch während Kibum sprach lief Jonghyun los, an Taemin und Kibum vorbei.
Dieser Typ war alles andere als das, was er in seiner Musik rüberbrachte.

„Komm schon“, rief Kibum ihm hinterher. „Das ist alles andere als höflich.“

„Das, was du tust auch“, sagte Jonghyun und lief weiter, ohne sich umzudrehen.

„Na komm“, wisperte Kibum und drückte Taemin in den Fahrstuhl. „Lass ihn. Er ist ein alter Nörgler. Er hat es sowieso nicht verdient, dich kennen zu lernen.“

Taemin konnte nicht antworten. Er hatte so ein beklemmtes Gefühl in seiner Brust. Viel mehr war es ein Stechen seit dem Moment, in dem Jonghyuns und sein Blick sich getroffen hatten.
Etwas an ihm gefiel Taemin nicht. Dieses Gefühl war kein schönes Gefühl. Es erinnerte ihn an etwas, was ihn beunruhigte. Doch er wusste einfach nicht was.

Es war verrückt aber... er wollte Kim Jonghyun bestimmt nie wiedersehen.
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