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Am Ende des Regenbogens

KurzgeschichteAllgemein / P12
Dr. Marc Lindner Dr. Noah Mattes Dr. Theresa Koshka Julia Berger Mikko Rantala Tom Zondek
05.10.2020
03.12.2020
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17.10.2020 1.049
 
Wie Moreau wohl auf sie reagieren würde? Es war schon vier - nein beinahe fünf - Jahre her, dass sie den Oberarzt gesehen geschweige denn gesprochen hatte. Ob er sich wohl verändert hatte? Moreau war eine unbekannte Konstante unter vielen. Sie wollte die Unbekannten lösen, bevor sie endgültig beschloss, am JTK zu unterschreiben. Aus diesem Grund hatte sie sich  Bedenkzeit erbeten. Viele neue Eindrücken schossen Elly Winter durch den Kopf; zu viele in zu kurzer Zeit. Sie musste Gelegenheit haben, sie zu sortieren und dann in alle Ruhe entscheiden, ob sie wirklich mit Moreau arbeiten konnte... oder auch wollte.

Durch ein Fenster der Notaufnahme sah sie, wie sich winzige Pfützen auf dem Asphalt bildeten und sich im Licht des aufgehenden Vollmondes spiegelten. Links davon warfen Autos Schatten.Es war ein beruhigendes Gefühl nicht zu wissen, was sie erwartete. Zumindest glaubte Elly es. Obwohl, eigentlich kannte sie ja Moreau.  Ein paar Meter weiter vorne sah sie Ben Ahlbeck mit dem Unbekannten diskutieren, der eben mit ihnen gemeinsam die Notaufnahme betreten hatte. Elly wusste nicht, wohin mit ihrem Blick. Sie wollte den Kollegen nicht unverwandt anschauen, aber irgend etwas an ihm zog sie magisch an: Selbstbewusst, rotblond, ein wenig dicklich, und sein rechts Augenlid hing leicht schief. Aber er machte einen intelligenten und aufgeweckten Eindruck. Das zählt mehr als gutes Aussehen. Aussehen vergeht, Charakter bleibt.

Daniel Schneider drehte sich plötzlich zu ihr um. Hatte er ihre Blick gespürt? Sein Blick wanderte direkt zu ihr. Unschlüssig erwiderte sie diesen und ging auf die beiden Männern zu.
"Daniel, darf ich vorstellen. Das ist... ." "Elly Winter. Elly reicht," Sie ließ Ben keine Chance. Fiel ihrem Kollegen keck ins Wort. Um eine Antwort war Elly nie verlegen. Dafür war sie legendär.
"Schneider. Dr. Daniel Schneider. Stationsarzt der Onkologie." Für einen Moment sah es so aus, als wollte er noch etwas sagen. Aber stattdessen schwieg der Mann.

"Daniel!" Der Assistenzarzt schaute ihn an. Ihm schien eine Bemerkung auf der Zunge zu liegen, von der er wusste, dass er sie vielleicht besser nicht aussprach, wenn Moreau in der Nähe sein konnte. Schließlich konnte er sie doch nicht unterdrücken: "Vor dir steht der einzige Mensch in diesem Klinikum, dem es gelingt, Moreau das Fürchten zu lehren." Aus Ben Ahlbecks Augen blitzte der Schalk. Bereits daran zu denken, wie Elly Moreau Mores lehrte, bereitete ihm Vergnügen. Lindners Stationsarzt musste grinsen. "Gibst du auch Fortbildungen darin? Ich würde die sofort belegen?"
"Muss ich mir noch überlegen!"

Die Frau hatte es faustdick hinter den Ohren. Das merkte Dr. Schneider jetzt. Elly Winter war nicht zu unterschätzen. "Was gibt es Neues auf der Onkologie?", versuchte Ben Ahlbeck die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Man war nicht zum Flirten im Klinikum. Obwohl ... Das JTK lief bei den vielen Paaren innerhalb des Kollegiums jeder Partnerbörse den Rang ab... .
"Wie ich dir eben erzählte, Ahlbeck. Ich soll Moreau den Fall entziehen!"
"Sagt wer?", fragte Elly, während sie den Onkologen eindringlich musterte. Ihr Blick blieb auf einem kleinen Fleck auf seinem hellblauen Kasack hängen. Auch, dass dieser mit Falten überseht war, blieb ihren aufmerksamen Augen nicht verborgen. Er musste ihn schon einige Zeit tragen. Folglich machte auch er Überstunden ... .
"Dr. Lindner. Ich habe ihn vor einer halben Stunde angerufen. Im Urlaub."
"Ich höre Moreau schon jubeln,", Ben Ahlbecks Stimme klang sarkastisch... .
"Ganz recht," stimmte ihm Daniel zu, "das bedeutet Ärger. Eine Menge Ärger. Er seufzte.
"Wo steckt Lindner eigentlich ? Oder ist das top secret?"
Dr. Schneider zuckte mit den Achseln. "So weit ich weiß an der Ostseeküste."
"Allein?, mischte sich Elly Winter in die Unterhaltung ein.
"Mit Dr. Koshka wie ich annehme!"
"Also doch! Hab ich´s mir doch gedacht!", entfuhr es Ben Ahlbeck.

Als hätte sein letztes Stündchen geschlagen, schossen dem Onkologen verschiedenste Gedanken durch den Kopf: Hatte er zu viel gesagt? Hatte er seinen Chef verraten?  Und noch viel wichtiger: Hatte er eben den Flurfunk des JTK gefüttert?
Elly Winter sah den Stationsarzt skeptisch an. Theresa Koshka und eine ernsthafte Beziehung zu einem Kollegen. Nicht wirklich... . Daniel Schneider wollte noch etwas erwidern. Kam allerdings nicht dazu. Vor den Drei stand ein großer dunkelhäutiger Mann. Zur Salzsäule erstarrt und rührte sich nicht, als ob ihn der Schlag getroffen hatte. Das einzige Wort, das er hervorbrachte war: Winter!

"Dr. Moreau, schön Sie zu sehen. Alles gut bei Ihnen!". Elly streckte dem Oberarzt ihre Hand entgegen. Keine Reaktion. "Dr. Moreau? Alles in Ordnung?", wiederholte die Frau ihre Frage in einer etwas anderer Formulierung. Regentropfen, die sich auf die Fenster setzten, flossen in kleinen Rinnsalen die Scheiben hinunter. Daniel Schneider versuchte sie zu zählen. Natürlich misslang es. Er suchte nur eine Beschäftigung, um Moreau nicht anzustarren. Sicherlich würde ihm dies der Oberarzt heimzahlen wollen... .

Elly begann zu kichern, als hätte sie einen besonders guten Witz gemacht. So hätte sie sich Matteo Moreaus  Reaktion in ihren kühlsten Träumen nicht ausgemalt. Es war schließlich genau dieses Lachen, das Matteo Moreau aus seiner Erstarrung rieß.
"Winter, was machen Sie hier!" Unglauben sprach aus seiner Stimme. Dieser erinnerte an einen kleinen Jungen, der unter dem Christbaum sein Wunschgeschenk vorfindet, es sich allerdings nicht vorstellen konnte, dass ihm die Eltern diesen Wunsch erfüllen.
"Ich bin da, weil mir Herr Berger erzählte, dass Ihnen die sarkastischen Sprüche ausgehen. Sie bräuchten Nachhilfe darin!"
Dr. Schneider und Ben Ahlbeck hatten große Schwierigkeiten ihr Lachen zu unterdrücken.
"Winter, das ist nicht Bergers Ernst. Warum sind Sie wirklich hier?"
"Weil Dr. Mattes vor Ihnen geflüchtet ist!". Wie immer war Elly um keine Antwort verlegen.
"Vor mir? Wohl eher vor dem Kuscheldoktor!"
In Ellys wachen intelligenten Augen zeigten sich Fragezeichen. "Er meint Dr. Lindner!", erbarmte sich Ben zwecks einer Erklärung.
"Okay, Dr. Moreau. Dann lassen Sie sich schon eines versichern : Ich lasse mich von Dr. Lindner nicht in die Flucht schlagen. Im Gegenteil. Ich nehme es mit einer ganzen Armada von Kuscheltieren auf!"
"Wie meinen Sie das, Winter?" Matteo Moreau sah die Ärztin irritiert an.
"Genau wie ich es gesagt habe, Dr. Moreau.  Ich bin Ihre neue Assistentin."
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