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Neubeginn auf Sankt Pauli

von CUtopia
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P18 / Het
Dirk Matthies Regina Küppers Renate Küppers
04.10.2020
21.02.2021
21
70.589
3
Alle Kapitel
45 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
 
04.10.2020 1.685
 
Inspiriert von Folge 326 - Wunderbare Zukunft, einer meiner absoluten Lieblingsfolgen.

Soweit ich mich erinnere wird das Haus in der Hafenstraße 12 leider in der Serie nie wieder erwähnt, aber ich habe da so eine Idee. Vom zeitlichen Kontext her setzt die Geschichte einfach nach Staffel 25 ein und alles was danach kommt fällt weg.

Ich hoffe dass es euch gefällt, über euer Feedback würde ich mich sehr freuen - es ist schon einige Zeit her seit ich eine lange Geschichte geschrieben hab :)

Also, viel Spaß!

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Neubeginn auf Sankt Pauli


“So, und was machen Sie jetzt mit dem Haus?”
“Ich lass das ganze renovieren, verdopple die Miete, schmeiße die alten Leute raus und nehme mir eine der frei werdenden Wohnungen.”
“Genau, und ich tanz als Primaballerina bei der Eröffnung der Elbphilharmonie.”
“Dann können wir ja beide optimistisch in die Zukunft blicken.”

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Kapitel 1

Ein überraschendes Angebot


Die tiefhängende Sommersonne tauchte das abendliche Hamburg in einen goldenen Schein und lockte mit ihrer Wärme die Menschen auf die Straßen und in die Cafés, Bars und Parks als Dirk Matthies mit seinem Einkaufskorb die Hafenstraße in Sankt Pauli entlang schlenderte. Bekannt wie ein bunter Hund grüßte er so manchen Bekannten oder Nachbarn, doch die Last seines Korbes, die Wärme und die Sehnsucht nach einem kühlen Feierabendbier an Deck seiner Repsold hielten ihn davon ab, sich länger mit jemandem zu unterhalten. Hier zwischen den hohen Häusern staute sich die Hitze, und Dirk beschleunigte seine Schritte.

In Gedanken war er bereits bei der Repsold und der angenehmen Brise, die einem an Deck immer um die Nase wehte, doch als er gerade die Hafenstraße in Richtung der Treppen, die zu seinem Anleger hinunter führten, abbiegen wollte, erblickte er etwas, das ihn stoppen ließ. Ein ihm wohlbekannter schwarzer BMW schob sich gerade in eine Parklücke, und einen Moment später stieg seine Chefin aus.

“Frau Küppers, was machen Sie denn hier?” fragte Dirk beinahe beiläufig als er über die Straße schlenderte, und er hoffte, dass seine Neugier nicht zu offensichtlich war. Es war natürlich kein Geheimnis dass Regina Küppers die Besitzerin der Hafenstraße 12 war, doch er hatte sie hier nicht oft gesehen. Er wusste nur dass sie in Absprache mit ihren Mietern das Haus hatte sanieren lassen, und dass wohl alle recht zufrieden mit ihrer Vermieterin waren.

“Herr Matthies, guten Abend.”

Ihr Gruß war förmlich, doch das Lächeln, das sie ihm schenkte, war so privat wie ihre Kleidung - Jeans, eine leichte, hellblaue Bluse und Sandalen. Ein sehr ungewohntes Bild für Dirk, und er musste sich zwingen, sich auf ihr Gesicht zu konzentrieren.

“Ich wurde von einer Mieterin zu einem Gespräch gebeten. Und Sie?”

“Ich war ein bisschen einkaufen. Was man so für das Wochenende braucht, ne?” antwortete Dirk mit einem schiefen Grinsen und hob seinen Korb etwas höher. Er konnte sehen wie ihr Blick beinahe sehnsüchtig über die Schale Erdbeeren glitt, die ganz oben im Korb lag. “Sie können ja nach ihrem Gespräch noch vorbeikommen, vielleicht teile ich ja.”

Der Vorschlag war ihm rausgerutscht bevor er darüber hatte nachdenken können, und ihre Lippen teilten sich als wolle sie annehmen… doch dann räusperte Regina sich und schüttelte leicht den Kopf. “Ich möchte Sie in ihrem Feierabend nicht stören, Herr Matthies. Ich… ich werde dann mal… ein schönes Wochenende.”

Ein nervöses Lachen kam über ihre Lippen als sie auf dem kurzen Stück zur Eingangstür beinahe über ihre eigenen Füße gestolpert wäre, und Dirk nahm amüsiert wahr, wie ihre Wangen sich pink färbten. Er hatte mal über seine Chefin gesagt, dass sie nicht so weich wie Marzipan aber härter als Krokant war… doch in Momenten wie diesen hatte er das Gefühl, dass er damit nicht ganz Recht gehabt hatte. Sie hatte eindeutig einen weichen Kern, eine andere Seite, und das, was er davon immer wieder zu sehen bekam, war äußerst charmant.

oOo


Regina atmete tief durch als sie die Haustür hinter sich zuzog. Ihre Wangen glühten noch immer als sie die Treppe in den zweiten Stock hinaufstieg - natürlich hatte ihr Dirk Matthies über den Weg laufen müssen, und natürlich hatte sie es mal wieder kaum hinbekommen, sich normal zu verhalten. Sie verfluchte das Kribbeln in ihrem Bauch das sie schon seit Ewigkeiten spürte, immer wenn er in ihrere Nähe war, sie so schief anlächelte und mit seiner rauen, tiefen Stimme ihren Namen sagte. Wie schaffte er es dass sie sich fühlte wie damals als sie ihren ersten richtigen Schwarm gehabt hatte? Es war doch beinahe lächerlich dass sie so sehr mit ihrer Selbstbeherrschung ringen musste wenn er in der Nähe war.

Sie war eine erwachsene Frau und kein Schulmädchen mehr, und in ihrem Leben hatte sie so einige Erfahrungen gemacht, dann würde sie auch damit irgendwie fertig werden.

Im zweiten Stock angekommen straffte sie ihre Schultern und zwang sich, Dirk Matthies aus ihren Gedanken zu verbannen bevor sie auf die Klingel drückte. Es dauerte eine ganze Weile bis Frau Wolke ihr die Tür öffnete, doch Regina wartete geduldig - sie wusste dass die alte Dame nicht mehr so gut zu Fuß war, und sie ahnte daher auch schon weshalb sie sie heute Abend her gebeten hatte.

“Guten Abend Frau Wolke.”

“Frau Küppers, wie schön sie zu sehen. Kommen sie doch rein.”

Frau Wolke strahlte sie an als Regina in den großzügigen Flur trat, und kaum hatte sie die Wohnungstür geschlossen, hakte sich die alte Dame bei ihr unter. Sie mochte die alte Dame wirklich sehr - sie hatte einen wunderbaren Humor, war pragmatisch und direkt. “Lassen Sie uns doch auf den Balkon gehen, ich habe uns schon frische Limonade hingestellt. Sie sehen so müde aus, Sie sollten wirklich weniger arbeiten und sich mehr entspannen.”

Regina lächelte freundlich und führte Frau Wolke durch das Wohnzimmer zur Balkontür. Ihre Mutter hatte ihr oft schon einen ähnlichen Vortrag gehalten, doch Frau Wolke klang wenigstens nicht so vorwurfsvoll - und vor allem folgte bei ihr nicht die Klage, dass sie ihr so nie Enkel würde schenken können. Nein, Frau Wolkes Kommentar war ehrlich gemeinte Fürsorge, ohne Hintergedanken. “Sie wissen doch, das Verbrechen schläft nie.”

“Ich weiß Kindchen, aber ausgeschlafen lässt es sich doch viel besser bekämpfen,” antwortete Frau Wolke und tätschelte ihren Arm bevor sie sich in einen der Gartenstühle sinken ließ. Eine große Kanne Limonade und zwei Gläser standen bereits auf dem Tisch, und während Regina sich noch setzte, goss Frau Wolke ihnen beiden etwas von der offensichtlich gut gekühlten Flüssigkeit ein.

Die Aussicht von Frau Wolke’s Balkon war einfach grandios - die Elbe, die Containerbrücken der Terminals, die Docks von Blohm + Voss… und dort unten war auch die Repsold, und sie konnte sogar Dirk Matthies erkennen, der an Deck saß…

Regina wandte beinahe hektisch ihren Blick ab und nahm einen Schluck von der Limonade. “Die schmeckt sehr gut, vielen Dank. Was kann ich denn für Sie tun, Frau Wolke?”

Frau Wolke seufzte schwer und ließ ihren Blick mit einem melancholischen Gesichtsausdruck über das Treiben im Hafen schweifen, dann wandte sie sich zu Regina. “Ich rede lieber nicht um den heißen Brei herum, das macht es nur noch schwerer… ich muss leider ausziehen. Meine Tochter hat mich zur Vernunft gebracht. Ich schaffe doch kaum noch die Treppen und Sie haben ja gesagt dass der Denkmalschutz keinen Fahrstuhl zulässt… zum nächstmöglichen Termin ziehe ich in ein Pflegeheim.”

Sie hatte es schon geahnt, und dennoch war Regina etwas geschockt, als sie die Worte aus dem Mund von Frau Wolke hörte. Ihre Augen weiteten sich leicht und sie stellte das Glas ab, rang nach Worten. “Das… das tut mir Leid.”

“Ach Kindchen, so ist doch das Leben. Man will es nicht wahrhaben, aber besser ich treffe die Entscheidung jetzt bevor ich wirklich nicht mehr hier raus komme.”

Ein trauriges Lächeln schlich sich auf Frau Wolkes Züge und Regina räusperte sich verlegen; soweit sie wusste hatte Frau Wolke einen Großteil ihres Lebens in dieser Wohnung gelebt. Sie konnte sich kaum vorstellen wie schwer es sein musste, ein ganzes Leben hinter sich zu lassen. “Sie… Sie können natürlich so flexibel ausziehen wie Sie es benötigen.”

Frau Wolke nickte und richtete sich auf, mit einem Mal ein wenig fröhlicher. “Das ist sehr lieb. Ich habe auch einen Vorschlag für Sie, eine Nachmieterin.”

“Oh? Wirklich?”

“Ja. Sie.”

“Ich?”

Regina runzelte die Stirn und wunderte sich in ihrer Verwirrung ob sie sich einfach nur verhört hatte. Doch Frau Wolke sah nicht so aus als würde sie scherzen, und nun beugte sie sich vor und nahm Regina’s Hand. “Ja, Sie, Kindchen. Man kann doch nicht auf Dauer in einem Hotel wohnen. Sie brauchen ein schönes Zuhause, und es würde mich sehr freuen, wenn Sie hier einziehen würden.”

“Ich bin sehr zufrieden in meinem Hotel,” antwortete Regina, etwas zu schnell, und Frau Wolke hob wissend ihre Augenbraue.

“Manchmal ist es an der Zeit dass man seinen Mut zusammen nimmt und den Schritt in etwas Neues wagt. Und Sie müssen doch zugeben, dass die Aussicht grandios ist.”

Regina drehte ihren Kopf leicht, um nach unten zu schauen, und beinahe automatisch fiel ihr Blick wieder auf die Repsold. “Ich… ich weiß nicht…”

“Versprechen Sie mir einfach dass Sie darüber nachdenken werden, Frau Küppers. Tun Sie einer alten Frau den Gefallen,” bat Frau Wolke, ein leichtes Lächeln auf den Lippen als sie Regina’s Blick folgte, und Regina nickte nach kurzem Zögern.

Sie würde darüber nachdenken, doch hieß das aber noch lange nicht, dass sie auch wirklich hier einziehen würde. Ihr gefiel es, im Hotel zu leben, sie fühlte sich wohl dort… Doch wenn das wirklich so war, warum musste sie sich ständig selbst daran erinnern? Vielleicht… nur ganz vielleicht traf Frau Wolke einen wunden Punkt. Aber passte sie den überhaupt nach St. Pauli? Natürlich verstand sie sich recht gut mit ihren Mietern, und die Gegend war schön, direkt am Wasser, überall gab es gute Restaurants und Bars, es war nicht allzu weit zur Arbeit…

Allerdings war sie sich nicht so sicher ob Dirk Matthies so begeistert sein würde, wenn seine Chefin direkt in das Haus neben seinem Anleger einziehen würde.

Augenblicklich schweiften ihre Gedanken zu seinem Angebot mit den Erdbeeren ab, und Regina’s rationale Seite kämpfte um die Kontrolle. Was interessierte es ihn denn schon, was sie in ihrem Privatleben machte?
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