Kriminelle haben mehr Spaß?!

GeschichteHumor, Romanze / P18
OC (Own Character) Raphael
04.10.2020
27.10.2020
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18.10.2020 4.227
 
Ich bin wieder in meinen vier Wänden. Nachdem wir die Pizza zu Ende aufgegessen hatten, sind die Turtles, April, Casey und ich noch einmal alles durchgegangen. Ich habe meinen zukünftigen beiden Begleitern alles wissenswerte und wichtige erzählt, was sie über die Gesellschaft auf der Feier wissen müssen. April ist sehr scharfsinnig, bei ihr mache ich mir keine großen Gedanken, allerdings kann ich das von Casey nicht behaupten. Wenn es einer versauen könnte, dann wäre er es. Ich habe die Handynummern von den Beiden bekommen, falls mir noch etwas einfallen sollte. Der nächste Teil des Planes liegt jetzt bei mir. Ich muss uns auf diese Liste setzen lassen. Raphael hat mich nach Hause gebracht und steht nichtsagend in meinem Schlafzimmer. „Na das lief doch ganz gut“, breche ich irgendwann das unangenehme Schweigen und setze mich auf mein Bett. „Findest du?“, antwortet er lediglich und setzt sich zu mir. „Naja, deine Brüder und Splinter haben dir auf jeden Fall nicht verboten mich wiederzusehen. Das ist doch schon mal ein Anfang. Gut Leo mag mich nicht und ist ziemlich übel drauf, aber….“ „Er sorgt sich nur um uns“, unterbricht er mich unhöflicherweise mitten im Satz. Okay was wird das, wenn es fertig ist? Irgendwie habe ich das Gefühl die Stimmung kippt gerade ein wenig, aber nicht zu meinen Gunsten. Von wegen er ist in mich verliebt. Auf wessen Seite steht er eigentlich? Klar muss er zu seiner Familie halten, aber ich riskiere hier auch einiges und das tue ich nur für IHN!! Wo kommt der plötzliche Sinneswandel bei ihm her? Sonst ist er doch derjenige, der sich am meisten über Leonardo aufregt. „Fein. Ist ja auch verständlich bei jemanden wie mir!“, gebe ich bissiger zurück, als eigentlich beabsichtig. Sonst lasse ich mich nicht so schnell aus der Fassung bringen, aber dass er jetzt seinen Bruder in Schutz nimmt, trifft mich mehr, als ich zugeben möchte. „Jess….versteh das nicht falsch. Ich habe eine Verpflichtung meiner Familie gegenüber. Sie sind und waren bisher alles in meinem Leben und das wird sich nie ändern.“ Familie…muss schön sein eine zu haben. Die letzte wichtige Person aus meiner Familie war meine Großmutter. Sie ist allerdings in dem Jahr vor Beginn meiner Ausbildung gestorben. Wer weiß, wenn sie noch gelebt hätte, wäre aus mir vielleicht etwas anderes geworden. Etwas besseres als das hier. Nicht dass ich mein Leben direkt schlecht finde, schließlich kann ich machen was ich will, doch bin ich wirklich glücklich? Sie stand mir auf jeden Fall stets mit Rat und Tat zur Seite, nicht so wie die Personen, die sich meine Eltern nennen dürfen oder eher gesagt Erzeuger. Die plötzliche Erinnerung an meine Großmutter versetzt mir einen eiskalten Stich im Herzen. Wieso musste sie sterben und wieso bin ich in letzter Zeit so sentimental, verdammt nochmal? Weil Raphael deine gute Seite zum Vorschein bringt und dein Herz erwärmt. Verstehst du es nicht? Du bist das Ying und er das Yang. Du bist der Fisch und er das Meer….Ja und du hast den Schuss nicht gehört. Braucht jemand ein Unterbewusstsein, ich hätte da nämlich eins im Angebot. Im Notfall würde ich es auch kostenlos abgeben. Also ich muss doch wirklich bitten…Was denn? Wer redet denn so? Wir sind hier schließlich nicht bei Romeo und Julia.
Zwei warme, kräftige Hände legen sich auf meine Schultern und drücken diese leicht. Ich wiederum sehe nach unten und versuche es zu vermeiden, dass Raphael die Tränen in meinen Augen sieht. Man ich bin zu einer weinerlichen Heulsuse mutiert und dabei wollte ich nie wieder schwach sein. „Jess! Hey was ist los? Bitte rede mit mir“, sagt er besorgt. „Es ist nichts.“ Meine Worte kommen nur schwach über meine Lippen. Kann er nicht einfach gehen und mich in Ruhe lassen? Hoffentlich nimmt er mich nicht in den Arm, weil dann fange ich erst recht an zu flennen….Oh nein er tut es und presst mich an sich. Meine Wange liegt an seinem harten Brustpanzer und seine Arme umschlingen mich. Denk an was schönes und lustiges Jess. Zum Beispiel an Waffen oder Geld oder wie Mr. Snizzels sich die Eier leckt…ach was mache ich mir vor, das bringt ja doch nichts. Wenigstens schluchze ich nicht, sondern es laufen mir lediglich Stumm die Tränen über die Wangen. Raphael streichelt mir über den Rücken, was das Ganze nicht gerade besser macht und er riecht so verdammt gut. „Hey Süße was ist los? Habe ich etwas falsches gesagt?“, versucht er es erneut. Ich kann nicht antworten ohne dabei total behindert zu klingen, also schüttele ich den Kopf an seiner Brust. Er hat ja wirklich keine Schuld. Raphael kann nichts dafür, dass er eine Familie hat mit der er Zeit verbringen kann und ich nicht. Er kann nichts dafür, dass mein Leben so verkorkst ist. Selbst Raph hat ein schöneres Leben als ich und er ist ein Mutant und hat es damit nicht besonders leicht. Wieso jammere ich überhaupt? Ich habe mir mein Schicksal ja schließlich selbst ausgesucht. Raphael drückt mich behutsam von sich und streicht die Tränen mit seinen Daumen weg. „Ich werde so lange hier bleiben, bis du mir gesagt hast was los ist und wenn es den ganzen Tag dauert!“, sagt er entschlossen. Ich sehe in seine Augen und suche nach einer Lüge oder Spott darin, doch da ist nichts. Wow er meint das wirklich ernst. „Aber du musst zu Hause sein bevor es hell wird“, schüttele ich fassungslos den Kopf. „Tja oder ich muss dann sonst wohl den ganzen Tag bei dir bleiben“, zuckt er mit den Schultern. Ein kleines Lächeln bildet sich auf meinen Lippen. „Nun vielleicht will ich das ja gerne“, gluckse ich. „Ich hätte auch nichts dagegen, da ich dich nämlich sehr gerne in meiner Nähe habe, allerdings möchte ich auch gerne wissen warum du weinst, denn es bricht mir das Herz dich so zu sehen.“ Ich seufze und schließe die Augen. „Es ist nicht deine Schuld“, beginne ich. „Du hast mich nur an etwas erinnert, was ich bisher erfolgreich verdrängt habe.“ „Und das wäre?“, ermutigt er mich, da ich nicht weiter geredet habe. „Dass du eine Familie hast und ich nicht.“ Ich atme zittrig aus und verschränke die Finger ineinander. „Du hast deine Brüder und Splinter, der wie ein Vater für euch vier ist. Und dann sind da noch April und Casey. So etwas werde ich niemals haben. Ich gehöre zu niemanden.“ „Doch!“ Verwirrt sehe ich Raphael an. „Doch du gehörst zu jemanden und zwar zu mir und somit auch zu unserer Familie.“ „Das ist lieb, aber nur weil wir uns so gut verstehen, bedeutet dies nicht, dass deine Familie mich einfach dazu zählt. Leonardo kann mich nicht ausstehen. Ich kann ihn sogar irgendwie verstehen und es ist mir egal was andere über mich denken…“ Nein ist es dir nicht. Ruhe da drin! Es ist mir egal! Ach ja? Und wieso redest du dann mit dem süßen Mutanten darüber? Gib es zu, du würdest gerne dazu gehören. Zu einer richtigen Familie. Du sehnst dich danach nach Hause zu kommen, in die Arme geschlossen zu werden und von deinem Tag erzählen zu können. Ich habe jemanden, wenn ich nach Hause komme. Mr. Snizzels und Cookie sind da und ihnen kann ich alles erzählen. Schon, jedoch bekommst du von ihnen keine Antwort. Was auch manchmal vorteilhaft sein kann und jetzt Ruhe bitte. „Leonardo kann zunächst niemanden leiden. Ich glaube er ist skeptisch zur Welt gekommen.“ Und ich glaube er versucht mich gerade tatsächlich aufzuheitern. „Außerdem“, fährt er fort „Mikey findet dich supertoll, Donatello kommt auch mit dir klar und unser Sensei ist ebenfalls nicht abgeneigt. April und Casey werden dich auch noch richtig kennenlernen und mögen.“ „Wissen die Zwei überhaupt etwas über mich und was ich in meiner Freizeit so treibe?“ „Naja mehr oder weniger.“ Als Antwort erhält er eine angehobene Augenbraue von mir, die mehr sagt als tausend Worte. „Natürlich haben wir ihnen einiges erzählt oder besser gesagt Leo erzählt es ihnen jetzt gerade.“ „Na super dann besteht ja noch Hoffnung“, erwidere ich ironisch. Raphael setzt sich weiter auf das Bett, zieht mich zu sich heran, sodass ich mit dem Rücken gegen ihn lehne und schlingt seine starken Arme um meinen Oberkörper. Seine Umarmung ist tröstend und der Kummer, der mein Herz erfasst hat, wird weniger. „Wie wäre es, wenn du mir etwas aus deiner Kindheit erzählst“, sagt er ruhig. „Ich rede nicht gerne darüber…..aber okay was willst du wissen?“ „Keine Ahnung. Ich möchte eigentlich alles über dich wissen. Gab es niemanden, für den du wirklich wichtig gewesen bist?“ Raphaels ruhiger Herzschlag pflanzt sich durch meine Haut und wirkt auf mein Gemüt. Es ermöglicht mir in ebenfalls ruhiger Weise zu antworten. „Nun da gab es meine Großmutter. Sie war mein ein und alles und hat mich sozusagen großgezogen. Meine Eltern waren immer nur arbeiten. Geld und erfolgreich sein war das Wichtigste für sie. Ich kam bei ihnen immer an letzter Stelle. Aber nicht für meine Großmutter. Ich bin ihre Nummer eins gewesen und das hat sie mich auch spüren lassen. Egal was sie entscheiden oder tun musste, tat sie stets zu meinen Gunsten. Sie wäre nie darauf gekommen mich, wegen einer Situation zu ihrem Vorteil, zu vernachlässigen“, erinnere ich mich mit bebender Stimme an früher. „Ich mag nicht fragen, aber was…?“ „Sie ist gestorben. Noch bevor ich mit meiner Ausbildung begonnen habe. Ich denke mit Großmutter wäre alles anders gekommen. Sie hätte gewusst was zu tun gewesen wäre, als mich mein damaliger Boss belästigt hat. Meine Entscheidung einen kriminellen Weg einzuschlagen, würde ihr sicherlich nicht gefallen. Nein ich denke sogar sie wäre jetzt sehr enttäuscht von mir.“ Zum Ende hin bricht meine Stimme. Na klasse, jetzt fange ich wieder an zu heulen. „Das tut mir sehr leid. Und deine Eltern interessieren sich wirklich nicht mehr für dich?“ „Tzz. Die interessieren sich nur für die nächste Möglichkeit ein dickes Geschäft abzuschließen. Ich denke die wissen nicht einmal mehr, dass es mich gibt.“ Raphael vergräbt die Nase in meinen Haaren. „Darf ich dir etwas sagen?“, brummt er. „Ich kann dich schlecht davon abhalten“, gluckse ich. „Für mich ist nicht nur meine Familie das Wichtigste im Leben, sondern auch du.“ Seine Worte treiben mir erneut die Nässe in die Augen und lassen mein Herz gleichzeitig schneller schlagen. Es ist eindeutig um mich geschehen. Wer hätte gedacht, dass ich mich eines Tages wirklich verlieben würde und dann noch in so jemand besonderen wie Raphael. Ich drehe mich ein wenig in der Umarmung, sodass ich ihm in die Augen sehen kann. Niemand von uns beiden sagt etwas und das brauchen wir auch gar nicht. Unsere Augen übernehmen diesen Part. Ich lächle Raphael an und fahre mit den Fingerspitzen über seine Wange. Womit habe ich diesen Turtle bloß verdient oder hat meine Großmutter ihn geschickt, um mich auf den rechten Weg zurückzuführen? Ein glänzender Ritter in Reptilienrüstung. Raphael senkt seine Lippen auf meine und küsst mich zärtlich. Dieser Kuss ist vertrauter und intimer, als jeder den ich je zuvor bekommen habe. Noch einige Zeit liegen wir auf dem Bett und ich kann es fast gar nicht aussprechen, aber wir schmusen. Kein Sex, nur Streicheleien und Küsse. Das machen wir so lange, bis Raphael irgendwann doch nach Hause muss und ich wehmütig, jedoch befreiter als jemals zuvor, zurückbleibe und mich ebenfalls schlafen lege.



So genug mit dem Geschnulze. Jetzt folgen erst einmal wieder Taten. Ich habe meinen Körper in ein verdammt enges, schwarzes Kleid gepresst. Das habe ich ganz hinten im Schrank gefunden. Normalerweise würde ich das nicht anziehen, aber für meinen Plan heute Abend ist es perfekt. Ich muss schon sagen in dem Teil werden meine Brüste und Hintern wunderbar in Szene gesetzt. Es ist tief ausgeschnitten, geht bis zu den Knien und hält sich mit Träger an meinen Schultern fest. Den USB-Stick verstaue ich in einer kleinen schwarzglitzernden Handtasche und stöckele anschließend auf, was auch sonst, schwarzen High Heels, ins Wohnzimmer. Meine Haare lasse ich offen in lockeren Wellen und das Make Up ist sichtbar, aber dezent gehalten. Es ist kurz vor Mitternacht, eine gut Zeit sich auf den Weg zu dem Club von Vladimir zu machen. Mr. Snizzels und Cookie schauen mir noch hinterher, wie ich klackernd zur Haustür stolziere und die Wohnung verlasse. Ich muss schon sagen, fünf Etagen mit High Heels zu meistern, ist jedes mal wieder ein Spaß. Zum Glück ist der Club nicht weit entfernt. Da ich mit Vladimir befreundet bin und somit auch mit seinen Angestellten, lassen mich die Türsteher direkt rein, was die vielen Leute, die sicherlich schon seit Stunden in der Warteschlange stehen, gar nicht witzig finden und mir böse Beschimpfungen hinterherrufen. Tja das hätten sie mal lieber lassen sollen, denn meine Kumpels in den Security-Jacken picken sich diejenigen raus und verweisen sie des Platzes. Solche Verlierer. Da warten sie Ewigkeiten und versauen es dann auch noch. Der Club ist rappelvoll. Ich schlängle mich durch und bestelle mir an der Bar eine Bacardi-Cola. Nebenbei erkundige ich mich direkt einmal ob Vlad und die Jungs zurück sind, man kann ja nie wissen. Bis zu diesem Moment habe ich die Drei tatsächlich fast schon vergessen oder besser gesagt verdrängt gehabt. Raphael, seine Brüder und der Plan nehmen zur Zeit meine gesamte Aufmerksamkeit ein. Allerdings sind sie nicht wieder da, was mich ja nicht wirklich überrascht. Mit meinem Getränk in der Hand schlendere ich entspannt durch die Menge und halte die Augen nach der Zielperson offen. Ich gehe eine Seite des Raumes ab, allerdings ohne Erfolg. Auf der gegenüberliegenden Seite sind auch noch Sitzgelegenheiten, vielleicht ist er ja da. Allois Ricci, die Zielperson, ist nicht gerade unauffällig. Er sieht so ein bisschen aus wie Fat Tony aus den Simpsons. Vom Alter kommt das, würde ich sagen, auch ungefähr hin. Er trägt jede Menge Goldketten und an fast jedem Finger einen Ring. Außerdem hat er immer eine Zigarre im Mund. So wichtig wie er sich gibt, ist er jedoch überhaupt nicht. Wenn man es so nimmt, erledigt Ricci, wie er sich selbst nur nennt und von anderen genannt werden will, die Drecksarbeit für Shane. Umso besser für mich. Er lechzt nach anerkennender Aufmerksamkeit und die werde ich ihm heute Abend geben. Okay ich muss auf die andere Seite und das geht am besten über die Tanzfläche. Und wie bewegt man sich am besten durch hunderte, abzappelnde Menschen? Klar! In dem man selbst tanzt. Ich schwinge mich mit aufreizenden Hüften durch die Grüppchen, bis so ein Typ meint mich antanzen zu können und dann auch noch einer von der Sorte, die ich vollkommen verabscheue. Er ist total schlaksig, trägt einen Designeranzug….oh man ich glaube ich gucke nicht richtig…., seine dunkelblonden Haare sind in einer ganzen Tube Haargel ertränkt worden und er hat diesen Blick drauf, als wolle er sagen ‚Hey Ladies, ich bin ein Geschenk Gottes an euch‘. So wie der Schmierlappen mich antanzt, könnte man denken, er würde mich gleich hier direkt vor Ort vögeln wollen. Sorry, aber ich stehe nicht auf….bitte alle unter 18, naja gut 16 Jahren, die Ohren zuhalten…..trockenficken mit Kleidung. „Mach `nen Abgang du halbes Hemd!“, brülle ich gegen den Lärm an. „Komm Süße, lass uns ein bisschen Spaß haben“, lässt er einfach nicht locker. Pfui, als ob ich mit dem etwas anfangen würde. An dem ist ja nichts anzufassen. Der könnte mich ja nicht einmal anheben, mit diesen dürren Ärmchen. Außerdem darf nur einer mich Süße nennen und das ist nicht er. „Ich habe Spaß, allerdings mit meinem Freund, der dich mit seinen Muskeln durchbrechen würde, wie einen dünnen Stock.“ Wenn ich mich einmal einmischen dürfte? Von welchem Freund sprechen wir hier? Ist klar, dass da wieder ein Kommentar kommen muss. Ich weiß, er ist groß und grün und ein Mutant und…Fresse! „Ach, nachdem du eine Nacht mit mir verbracht hast, wirst du deinen tollen Freund ganz schnell vergessen haben.“ Würg. Nicht einmal in seinen Träumen. Jetzt fängt der auch noch an zu grabschen. Okay er hat es nicht anders gewollt. Ich hole aus und trete ihm direkt in seine Kronjuwelen. Kreischend, wie ein Mädchen, geht er auf die Knie. Zumindest glaube ich, dass er kreischt. Ist ziemlich schwer zu sagen bei der lauten Musik. Sofort kommen auch schon zwei von der Security auf uns zu. „Er hat mich belästigt“, zeige ich mit dem Finger auf ihn. Augenblicklich zerren ihn die Beiden nach oben und schleifen ihn davon. Er schaut noch einmal über die Schulter zurück und wirft mir einen Blick zu, bei dem ich eigentlich tot umfallen müsste. Ich setze ein Lächeln auf und winke zum Abschied. Na endlich kann ich zu meinem Vorhaben zurückkehren. Nachdem ich die Tanzfläche erfolgreich gemeistert habe, ohne dass mir jemand auf die Füße getreten ist oder ich wiederum in Scherben getreten bin, steuere ich zunächst die nahegelegenste Bar an und besorge mir ein neues Getränk. Während ich darauf warte, lasse den Blick schweifen und tatsächlich ist das Glück mir hold. Ich entdecke Ricci, der alleine in einer Nische sitzt, und vor ihm auf dem Tisch steht der Laptop oder anders gesagt unsere Eintrittskarte zu Shanes Party. Ausgezeichnet. Ich sollte aufhören die Simpsons zu schauen, sonst fange ich gleich noch an meine Hände zu einem Dach zu formen, wie Mr. Burns. Gut dann wollen wir mal. Mit dem neuen Drink in der Hand gehe ich rüber zu Ricci. Jetzt heißt es improvisieren. „Oh mein Gott das glaube ich jetzt nicht! Wenn das nicht Ricci ist, fresse ich einen Besen!“, begrüße ich ihn fröhlich. Ist das zu viel gewesen? Hoffentlich nicht. Wie peinlich wäre es, sollte ich das Vorhaben bereits jetzt schon versaut haben? „Jessica Stone! Dich habe ich bereits eine Ewigkeit nicht mehr gesehen“, grinst er breit und entblößt vom Rauchen gelbe Zähne. Scheinbar habe ich es nicht vermasselt. „Darf ich mich zu dir setzen?“, frage ich und schaue kurz zu dem Stuhl ihm gegenüber. „Natürlich, weiblicher Gesellschaft bin ich niemals abgeneigt. Besonders nicht einer solch wunderschönen.“ Schleimer, aber egal. Soll er doch denken, dass seine Tour bei mir funktioniert. Das ist nur vorteilhaft für mein Vorhaben. „Wie süß von dir“, antworte ich also und zwinkere ihm zu. „Und wie geht es dir Ricci?“, frage ich, nachdem ich mich gesetzt habe. „Viel zu tun. Shane schmeißt am Wochenende wieder einer seiner Partys.“ Ganz genau mein Großer und exakt dort will ich hin. „Cool. Seine Partys sind ja jedes mal wieder ein Highlight. Ich habe die Plakate gesehen. Shane kann so froh sein, dass er dich hat. Ohne deine Organisation würde es wahrscheinlich das absolute Chaos geben.“ Ich lächle ihn hoffentlich ausreichend verrucht an und sauge lasziv an den Strohhalm. Scheinbar funktioniert es, denn Ricci streicht sich mit einer Geste durch die bereits fast ergrauten Haare, so wie er es immer tut, wenn er mit einer Frau flirtet. Nach außen hin versuche ich mich locker zu geben, jedoch in meinem Inneren legt sich ein schwerer Stein auf meine Seele. Das alles hier fühlt sich falsch an. Früher hat es mich nie gestört mit Männern zu flirten. Manchmal habe ich damals so, über den Abend hinweg, jede Menge Freigetränke erhalten. Jetzt aber ekel ich mich fast schon vor mir selbst. Ich sage jetzt nicht woran das liegt…Ja, Ja, ich weiß. Raphael ist der Grund. Jetzt werde ich allmählich doch tatsächlich wieder butterweich, so wie früher. Das ist doch zum Kotzen. Bald lasse ich mich dann wieder herumschubsen und mache nur das, was andere wollen. Oh nein nicht mit mir! Tu nichts unüberlegtes, das hat Raphael nicht verdient. Er behandelt dich schließlich immer respektvoll. Wer sagt, dass ich so etwas tun würde? Ich sitze hier nur und genieße mein Leben. „Da hast du recht!“, nickt er und lehnt sich zurück. Womit habe ich recht? Ach ja, dass Shane ohne ihn aufgeschmissen wäre. Ricci ist ja sowas von bescheiden. „Ja wirklich. Shane unterschätzt dich total. Du hättest das Talent dazu, die größte Nummer hier in der Gegend zu werden und dennoch bist so bescheiden und hilfst stattdessen mit deinem Können den Anderen. Das finde ich wirklich toll“, sehe ich ihn anhimmelnd an. „Naja das ist doch selbstverständlich. Es können ja nicht alle so gut organisieren wie ich“, lacht er laut. „Schade nur, dass ich bei der Party nicht dabei sein kann, die sind ja immer legendär“, seufze ich und drehe bedrückt das Glas auf dem Tisch hin und her. „Wieso?“ „Na weil die Liste sicherlich schon steht und nur geladene Gäste kommen dürfen.“ „Jessie, du weißt wem du gegenüber sitzt, oder?“, schüttelt er lächelnd den Kopf. „Nein, jetzt sag nicht du kannst mich auf diese Party bringen?“, klinge ich begeisterter, als ich tatsächlich bin. „Klar. Das ist absolut kein Problem.“ Er tippt auf den Tasten seines Laptops herum, während ich angespannt mein Glas erwürge. Hoffentlich bemerkt er meine Anspannung nicht. Er dreht den Bildschirm herum, sodass ich darauf schauen kann und zeigt mir die Liste, wo zwischen vielen anderen, mein Name steht. Erleichtert atme ich unauffällig auf. Das wäre dann schon einmal geschafft, jetzt folgt der schwere
Teil. Ich muss April und Casey drauf bekommen. „Ricci du bist der Wahnsinn. Ich könnte dich glatt küssen. Lass mich dich einladen. Was möchtest du trinken?“ „Kommt nicht in Frage. Halte mich für altmodisch, aber ich finde der Mann sollte die Frau einladen und keine Widerrede.“ „Du bist wirklich lieb.“ Ricci erhebt sich schwerfällig und schlurft rüber Richtung Bar. Zum Glück ist diese gut besucht und somit habe ich ein bisschen Zeit. Er hat mir den Rücken zugewandt, also hole ich flugs den USB-Stick aus meiner Handtasche. Ich checke noch einmal schnell die Lage, ob mich jemand beobachtet, was Gott sei Dank nicht der Fall ist, und stecke dann zügig den Stick in den vorhergesehenen Port. Ein kleines rotes Lämpchen leuchtet auf und blinkt. Das ganze kommt mir vor wie eine Ewigkeit. Immer wieder schaue ich unauffällig über meine Schulter, ob Ricci noch an der Bar steht. Er wartet, allerdings kann es nicht mehr lange dauern. Komm schon du verfluchtes Teil, mach schneller! Mir wird heiß und ich habe das Gefühl, dass sich Schweißperlen auf meiner Stirn bilden. Erneut sehe ich zurück und entdecke, wie Ricci sich bereits mit zwei Cocktails durch die Leute schlängelt. Och nö und der Stick blinkt immer noch rot. Ich schirme die Sicht auf den Laptop unauffällig mit meinem Körper ab und flehe im Stillen, dass alles klappt. „Ich hoffe du magst Sex on the Beach“, ruft Ricci mir bereits zu. Anspielung beabsichtig? Sex ja, mit ihm Nein! Komm schon Gott oder wer auch immer, lass mich bitte nicht im Stich! Es wird ihm auffallen, selbst wenn der Stick gleich fertig sein sollte. Spätestens sobald ich ihn herausziehe, wird er es bemerken. Denk nach Jessica! Denk, Denk, Denk! Ich muss ihn irgendwie ablenken. „PARTY HART!“, krakelt ein betrunkener, männlicher Gast und wirbelt herum. Er knallt voll gegen Ricci, der durch den Stoß die Gläser fallen lässt und diese zu Bruch gehen. Vorher ist allerdings der halbe Inhalt, von den klebrigen Getränken, auf seinem teuren Hemd gelandet. Ooookay…so geht es natürlich auch. Vielen Dank dem Alkohol und seine Wirkung auf untrainierte Menschen. „Idiota…“, brüllt Ricci los und stürzt sich auf den jungen Kerl. Sorry Bro, aber das ist nur zu meinem Vorteil, also werde ich dir nicht helfen. Die Scheiße hast dir alleine eingebrockt. Ich schaue zu dem USB-Stick, der jetzt grün leuchtet. Ich denke mal das bedeutet er ist fertig. Man ich bin vielleicht klug. Schwuppdiwupp ist das Teil herausgezogen…könnte man auf versaute Weise auch falsch verstehen *zwinker…und wieder in meiner Tasche verstaut. Danke oh Herr. Ich verspüre da etwas. Könnte Stolz oder so sein. Meine Kumpels von der Security sind wieder da und haben die beiden Männer auseinandergezerrt. Ich habe nicht einmal mitbekommen, dass sie sich an die Kehle gegangen sind. Ich sollte Riccis Hintern wohl doch mal aus der Scheiße ziehen, bevor er mich wieder von der Liste streicht. „Leute, Ricci trifft keine Schuld. Der Bursche hier hatte wohl einen Drink zu viel und ihn schließlich angerempelt“, spiele ich die Situation herunter. Sie zucken nur mit den Schultern und führen den Betrunkenen ab. Ein Hoch auf Connections. Eigentlich hätte man Ricci auch rauswerfen müssen, so wie er auf ihn losgegangen ist. „Alles klar bei dir?“, frage ich Ricci vorsichtig und richte sein Hemd. „Ja alles klar. Schade um die Drinks. Sollte der Wichser mir noch einmal über den Weg laufen, dann verpasse ich ihm eine zweites Arschloch. Ich hole uns neue….“ In dem Moment klingelt sein Smartphone. Ricci schaut auf das Display und geht ein Stück weg, wo er dann das Gespräch annimmt. Kurz darauf kehrt er zurück. „Das war Shane.“ Er sieht nicht erfreut aus und augenblicklich steigt in mir die Panik auf. Sollte Shane etwas bemerkt haben? Nein wie denn oder doch? „Gibt’s Probleme?“, frage ich vorsichtig und ein wenig desinteressiert nach. Bloß nicht offenbaren wie nervös ich bin. „Nein keine Probleme, allerdings will er mit mir den Ablauf für die Party nochmal durchgehen. Ich würde gerne hier bleiben, aber ich muss leider gehen“, erklärt er und packt seine Sachen zusammen. „Oh nein wie Schade. Vielleicht sehen wir uns Samstag Abend, falls du zwischendurch überhaupt einmal Zeit finden solltest“, lächle ich und lege den Kopf leicht schief. „Das nehme ich als Versprechen Jessica. Wir sehen uns dann dort“, nickt er mit breitem Lächeln und macht sich dann bereits auf den Weg hinaus. Sehr gut, der erste Teil wäre hiermit erfolgreich ausgeführt und jetzt? Hmm… ich könnte nach Hause gehen ooooder…ich mache fett Party.
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