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My Love, My Everything, My Soulmate

GeschichteAngst, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Lila Pitts Nr.2 / Diego Hargreeves / The Kraken Nr.4 / Klaus Hargreeves / The Séance Nr.5 / Five / The Boy Nr.7 / Vanya Hargreeves / The White Violin
04.10.2020
01.06.2021
3
8.401
3
Alle Kapitel
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04.10.2020 1.405
 
Infos vorab:
1. Fünf wird älter. Ich werde hier sicher keinen 13 Jährigen mit einem 31 Jährigen shippen...
2. Wortbedeutungen:
Soulmate zu dt.: Seelenverwandter
3. Das Ende der 2. Staffel, indem die Hargreeves zurück zu Reginald und Ben kommen habe ich hier weggelassen. Sie kommen also ganz normal zurück in die Academy und nichts hat sich verändert.

Viel Spaß beim lesen, Kommentare o.ä. sind immer gerne gesehen.


Prolog



Das Kinn auf die Brust gedrückt starrte Fünf zu Boden. Sein Handgelenk, welches sein Vater in einem schraubstockartigen Griff hatte, schmerzte.
„Hörst du, Nummer Fünf? Du darfst es nicht erzählen Niemals! Vor Allem nicht deinen Geschwistern!“
Fünf nickte, ängstlich und schuldbewusst.
„Schau mir in die Augen, wenn ich mit dir rede, Junge!“
Gehorchend schaute er auf. Sein Vater sah wütend aus und war blasser als sonst. Einen Moment lang wurde sein Handgelenk noch festgehalten, dann wandte sich sein Vater von ihm ab und seinem schlafenden Bruder zu. Diegos Mund war leicht geöffnet und er schnarchte leise.
Fünf wusste, dass Vater ihn das alles vergessen lassen würde. Und das würde auch kein Problem sein. Denn auf Diegos Brust stand kein Name. Anders als bei Fünf.

Auf dem Weg zu seinem Zimmer rieb er über den Platz über seinem Herzen. Sein Vater hatte dafür gesorgt, dass der Schriftzug nicht mehr lesbar war. Und er wusste, dass Diego sich spätestens am nächsten Morgen nicht mehr erinnern konnte. Dafür würde Vater sorgen. Aufgebracht warf er sich in seinem Zimmer auf sein Bett und zog die Beine an. Ein wütendes Schluchzen schüttelte ihn.


*


Die anderen Geschwister über ihre Soulmates reden zu hören, tat weh. Fünf zog es dann immer vor, aus dem Zimmer zu verschwinden. Er wollte nicht hören, wie die anderen sich gegenseitig von ihren Träumen erzählten, wie sie sich ausmalten, ihre andere Hälfte endlich zu treffen. Oder ihre Mutmaßungen, warum auf Diegos Brust kein Name stand. Dieser hatte auch nach kurzer Zeit genug davon und verschwand ebenso wie Fünf.
Fünf selbst hatte sich im Grunde von allen distanziert. Der Tag, an dem er Diego freudestrahlend erzählt hatte, dass er sein Soulmate war, hatte vieles verändert. Sein Vater hatte alles zunichte gemacht.


*



Der Morgen, an dem Fünf in die Zukunft sprang, war der schlimmste seines Lebens. Er hatte die Nacht von Diego geträumt. Und dieser hatte als sein Soulmate natürlich den selben Traum gehabt. Am Morgen war er bereits früh ins Esszimmer geplatzt.
„Mein Soulmate kennt mich schon! Er hat von mir geträumt, ich bin mir ganz sicher!“
Reginalds Blick ging sofort strafend in Fünfs Richtung. Dieser biss die Zähne fest zusammen. Er konnte nichts für seine Träume!
Die Blicke die er den Morgen über von seinem Vater zugeworfen bekam, brachten das Fass zum überlaufen. Laut stach er das Frühstückmesser in den Tisch. Diego zuckte neben ihm zusammen.
„Ich habe eine Frage.“, erklärte er in provozierendem Ton und nonchalanten Lächeln.
„Wissen ist durchaus erstrebenswert. Aber du kennst die Regeln. Beim Essen wird nicht geredet.“
Fünf spürte die Blicke der Anderen auf sich. Diego zog neben ihm die Schultern hoch, angesichts des nahenden Donnerwetters.
„Ich will durch die Zeit springen!“
„Nein.“
„Ich bin soweit! Ich habe das springen durch den Raum trainiert, wie du sagtest!“
Mit dem vertrauten Zischen sprang Fünf durch den Raum. Kurz verspürte er das vertraute Gefühl, als wenn seine Organe zurück bleiben würden. Dann berührten seine Schuhe den Boden direkt neben seinem Vater. Das alles dauerte nicht länger, als einen Wimpernschlag.
„Siehst du?!“
„Ein Raumsprung ist trivial. Im Gegensatz zu einem Zeitsprung.“, erwiderte sein Vater, ohne sein Frühstück auch nur für einen Moment zu unterbrechen.
Fünf ballte die Hände in den Taschen gereizt zu Fäusten. „Ich versteh`s nicht.“
„Da siehst du. Du bist nicht bereit."
Vanya, die am anderen Ende des Tisches saß, schüttelte warnend den Kopf. Fünf ignorierte sie. Zu groß war seine aufgestaute Frustration.
„Ich hab keine Angst!“
„Um Angst geht es nicht. Die Auswirkungen auf deinen Körper, auf deinen Verstand sind völlig unvorhersehbar. Und ich verbiete, dass du weiterhin davon sprichst!!“
Fünf starrte auf seinen Vater hinunter, der noch immer mit Messer und Gabel hantierte. Die künstliche Haut, die Reginald damals über Diegos Namen auf seiner Brust befestigt hatte, spannte.
Entschlossen drehte Fünf sich um und stürmte hinaus aus dem Zimmer.
„Nummer Fünf! Wir sind noch bei Tisch! Komm zurück!!“, hörte Fünf seinen Vater hinter ihm herschreien, aber er war bereits zur Haustür hinaus.

Der erste Sprung war leicht. Die Bäume, die einen Moment noch kahl gewesen waren und die Leute, die dicke Wintermäntel trugen, sahen mit einem Mal Frühlings-, wenn nicht sogar Sommerhaft aus. Er Lächeln breitete sich auf seinen Lippen aus. Es tat gut. Gut, seinem Vater endlich die Stirn geboten zu haben. Gut, endlich sehen zu können, was in ihm steckte. Gut, endlich sein eigener Mensch sein zu können. Er atmete tief ein. Er wusste, er konnte noch mehr.
Er holte tief Luft und sprang erneut. Stolpernd fing er sich wieder, nachdem er in dem unerwarteten Schneefall fast ausgerutscht wäre. Menschen warfen ihm irritierte Blicke zu. Es war ungewöhnlich einen Jungen zu dieser Jahreszeit in einer kurzen Schuluniform zu sehen.
Lachend lief er ein Stück die Straße entlang. Dann sprang er ein weiteres Mal.

Schmerz zerriss Fünfs Brust. Seine Beine brachen unter ihm weg, und er schlug auf harten staubigen Boden auf. Gepeinigt schrie er auf und vergrubt die Finger in seiner Brust, direkt über seinem Herzen.
In der Zeit, in der sein Vater ihn und seine Geschwister auf Verbrecherjagd geschickt hatte, hatte Fünf sich genau zweimal verletzt. Das erste Mal war er von einem herumfliegenden Trümmerteil getroffen worden, als Diebe Teile eines Juweliers gesprengt hatten. Eine Platzwunde war das Ergebnis, welche später von Grace genäht werden musste. Beim zweiten Mal hatte eine abprallende Kugel ihn am Oberarm getroffen. Es war nur ein Streifschuss gewesen, aber es hatte fürchterlich wehgetan.
Trotzdem war beides kein Vergleich zu dem, was er jetzt durchmachte. Der Schmerz schoss wellenartig durch seinen Körper und Fünf schluchzte unkontrolliert. Erst als der Schmerz nach geraumer Zeit abebbte, konnte mit zitternden Fingern seinen Pullunder hochziehen und nach seiner Brust sehen.
Diegos Name hatte sich rötlich durch den Überzug aus künstlicher Haut gebrannt und war nun kohlrabenschwarz. Vorsichtig tastete er nach den eigentlich vertrauten, aber jetzt fremd aussehenden Buchstaben. Dein dumpfes Gefühl fuhr durch seinen Körper, vertrieb den Schmerz, löschte aber auch alles andere in ihm aus. Er fühlte sich, als hätte man ihm die Luft aus den Lungen geschlagen.
Fünf ließ seine Hände sinken und nahm zum ersten Mal seine Umgebung war.
„Wo… Wann zum Teufel bin ich?“


*


Als Fünf nach all den qualvollen Jahren wieder auf dem Boden von 2019 landete, fühlte es sich an, als wäre er in eiskaltes Wasser geworfen worden. Zitternd und schwitzend lag er auf dem kühlen Boden des Hinterhofs der Umbrella Academie und schnappte nach Luft, während Wellen der Emotionen über ihn schwappten.
„Sieht noch jemand außer mir den kleinen Fünf?“, hörte er vor sich jemanden sagen, schenkte dem aber keine Beachtung. Zu sehr war er mit sich selbst beschäftigt.
„Diego!“
Fünf zuckte bei dem Namen, den er schon solange nicht mehr gehört hatte, zusammen. Diego.
In ihm ächzte etwas, als ob er am verdursten wäre, und als er dem Kopf hob, starrte er in die fünf Gesichter seiner erwachsenen Geschwister. Diego kniete vor ihm, vorn über gebeugt und hatte eine Hand in seine Brust gekrallt, ähnlich wie Fünf selbst. Der lächelte schwach. Also musste es Diego genauso wie ihm ergangen sein, als er aus ihrer Zeitlinie herausgesprungen war.
Über alle Maße erschöpft und erleichtert sackte er nach vorne und ließ die erlösende Ohnmacht über sich kommen.


*



Die folgenden Wochen wurden damit verbracht, ganze zwei Apokalypsen aufzuhalten, endlose Male durch die Zeit zu springen, seine Familie mehrmals wieder zusammen zu führen und der Leiterin der Kommission immer wieder durch die Finger zu schlüpfen. Das Alles wieder in seinem dreizehnjährigen Körper. Fünf hasste es. Trotzdem musste er erst dafür sorgen, dass seine Familie gesund war, und die Welt nicht unterging. Wenn das geschafft war, konnte er sich um sein nächstes Projekt kümmern.

Musternd stand er vor dem Spiegel in seinem Schlafzimmer, welches noch immer kaum verändert war. Er richtete seine Schuluniform und zog die Brauen leicht zusammen. Nachdem er nun die zweite Apokalypse mit seinen Geschwistern aufgehalten hatte und zurückgekehrt war, wurde es langsam Zeit für ein neues Outfit.
„Und einen neuen Körper.“, murmelte er und blickte zu den Berechnungen, die seit der ersten Apokalypse noch immer an seiner Wand standen.
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