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Kryptonite

von Alice83
GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P18
Draco Malfoy Hermine Granger
02.10.2020
30.11.2020
38
45.729
51
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
4 Reviews
 
22.11.2020 1.409
 
London, Notting Hill, 04.06.2003, 18:04 Uhr


Ratlos schaute sie zwischen dem Schlüssel in ihrer Hand und der Wohnungstür hin und her.

Einerseits wäre es wohl extrem übergriffig, einfach in seine Wohnung zu stolzieren, andererseits hatte er ihr den Schlüssel ja aus freien Stücken überlassen.

Seufzend ließ sie diesen zurück in ihre Handtasche gleiten, atmete noch einmal tief durch und drückte dann todesmutig auf die Klingel. Er war immer noch ein Malfoy, und diese schätzten bekanntermaßen Höflichkeit.

Viel zu schnell öffnete sich die Tür und er stand ihr gegenüber, in einer schwarzen Stoffhose und einem weißen Hemd, zog die Augenbraue hoch und starrte sie wenig geistreich an.

„Was willst du hier?“

Hermine schob sich ungefragt an ihm vorbei in die Wohnung, steuerte das Wohnzimmer an und ließ sich dort auf die Couch fallen.

Auf dem Wohnzimmertisch stapelten sich Immobilienanzeigen, und ungefragt griff sie danach und begann, diese durchzublättern.

Malfoy selbst stand ziemlich sinnlos, ganz so, als ob ihn irgendjemand dort abgestellt hätte, in seinem eigenen Wohnzimmer und schaute sie ratlos an.

„Invalides…zu nah am Eiffelturm, zu touristisch. Bastille, zu viele Kneipen, zu unruhig. Montmarte, also klischeehafter geht es ja wohl nicht mehr, oder? Montparnasse hingegen könnte mir gefallen.“

„Granger, was zur Hölle soll das hier werden?“

Hermine warf ihm einen betont desinteressierten Blick über die Anzeigen in ihrer Hand hinweg zu.

„Also ich werde meine Wohnung auflösen, aber ich denke, dein Loft sollten wir behalten. Immerhin werden wir immer noch regelmäßig nach London kommen und unsere Freunde treffen wollen, oder?“

Amüsiert beobachtete sie, wie er sich mit völlig ratlosem und fast schon hilflosen Gesichtsausdruck auf den Teppich vor dem Kamin setzte.

„Granger, was glaubst du eigentlich, was du hier tust?“

In einer ratlosen Geste nahm er seine Brille ab und legte diese auf den Wohnzimmertisch.

„Oh, ich dachte, wir sollten ein paar Dinge klären, bevor wir nach Paris ziehen.“

„Ich hatte nicht vor, mit dir nach Paris zu gehen, Granger.“

Gespielt überrascht zog sie eine Augenbraue hoch.

„Oh, hast du deine Meinung geändert? Möchtest du lieber nach Timbuktu? In dem Fall müsste ich mir eine weitere Fremdsprache aneignen, aber da ich als ziemlich klug gelte, wäre auch das kein Problem.“

„Granger, was soll die Show?“

Resigniert seufzend feuerte sie die Wohnungsanzeigen zurück auf den Tisch.

„Ich lasse mich nicht mehr von dir wegschubsen, Malfoy. Wenn du nach Paris willst, komme ich mit. Und wenn du nach Timbuktu, zum Nordpol oder auf eine einsame Insel möchtest, werde ich dich auch dahin begleiten. Ich werde dich nicht alleine lassen. Ende der Geschichte.“

„Warum sagst du sowas?“

Sie beugte sich ein Stück vor und legte den Kopf schief. Er war ganz offensichtlich mit der Gesamtsituation immer noch komplett überfordert.

„Granger, bei aller Liebe, aber ich gehe nicht grundlos von hier weg. Es ist besser, wenn wir ein wenig Abstand zwischen uns bringen.“

„Ich sage es dir noch mal, Malfoy: ich lasse mich nicht mehr von dir wegschubsen.“

Mit einem kleinen Seufzen richtete er sich auf und rutschte auf den Knien zu ihr herüber.

„Granger, es macht doch keinen Sinn. Ich will dich nicht mehr gefährden, ich will dir nicht mehr wehtun. Du verdienst etwas Besseres, einen besseren Partner, einen netten Mann, ein schönes Haus und zwei reizende Kinder.“

Fragend sah sie ihn an.

„Nette Rede, Malfoy, aber ich sehe die Dinge ein wenig anders.“

„Granger bitte, schau mich doch an.“

Sanft strich sie mit ihrem Daumen über seine Unterlippe.

„Ich schaue dich seit zwölf Jahren an, Malfoy. Ich weiß, dass du deinen Kaffee schwarz trinkst, dass du vor neun Uhr morgens nicht wirklich aufnahmefähig bist, dass du Quidditch liebst, dass du jeden zweiten Tag joggen gehst. Du hast nachts immer noch Alpträume, aber wenn ich neben dir liege, lächelst du im Schlaf vor dich hin. Deine Haare sind ein wenig dunkler, als sie es noch in Hogwarts waren, und deine Augen sind grau, haben aber blaue Sprenkel. Du kochst hervorragend, bringst mich zum lachen und kannst meine Sätze vollenden. Ich schaue dich an und habe alles, was ich mir wünsche, direkt vor meinen Augen."

Draco, sichtlich gerührt, griff nach ihrer Hand und drückte ihr einen Kuss auf die Fingerknöchel.

„Du weißt nicht, wovon du redest, du unverbesserliche, kleine Gryffindor. Du bist so verdammt perfekt und ich bin einfach nur ein Scheißkerl.“

Hermine schüttelte den Kopf und strich ihm sanft eine Strähne aus der Stirn.

„Ich bin alles andere als perfekt, Malfoy. Ich habe so verdammt viele Fehler gemacht, und ich werde auch zukünftig Fehler machen, genau wie du, aber das ist okay, weil wir am Ende eben auch nur Menschen sind.“

Ungläubig schaute er sie an.

„Ich kann nicht, Hermine. Ich habe Angst, dich zu verlieren.“

Sie beugte sich vor und lehnte mit geschlossenen Augen ihre Stirn gegen seine.

„Also willst du mich nicht?“

Er zog seinen Kopf zurück und schaute sie aus grauen, merkwürdig wässrig aussehenden Augen an.

„Oh doch, und wie ich dich will. Ich will dir morgens deinen Tee kochen, deine Wimpern auf meinem Kopfkissen finden, mit dir über Bücher diskutieren, deine seltsamen Klebezettel vorfinden, deinen verspannten Nacken massieren und mich darüber amüsieren, wie schlecht du kochen kannst. Aber ich habe so eine scheiß Angst dich zu verlieren, Granger. Die Bilder aus dem Manor werde ich nie vergessen, genauso wenig wie deine Schreie. Und scheinbar war das ja alles noch nicht genug, denn das Drama hört ja einfach nicht auf. Bitte, suche dir einen Mann, der dich so liebt, wie du es verdienst.“

„Ich möchte aber von dir geliebt werden, auf deine Weise, und nicht anders.“

Draco griff nach ihren Händen und verschränkte seine Finger mit ihren.

„Warum hast du eigentlich nie vor irgendetwas Angst, Hermine?“

„Oh, ich habe vor einer Menge Dinge Angst. Vor Höhe, vor Mäusen, davor, zu versagen. Am meisten jedoch gerade davor, nicht gut genug für dich zu sein.“

Draco drückte sanft ihre Hände.

„Ich bin seit meinem elften Lebensjahr rettungslos verliebt in dich. Du bist mehr als nur gut genug für mich, kleine Hexe.“

Sanft strich er ihr eine Locke zurück hinter das Ohr.

„Aber wenn du mich jetzt küsst, war es das, dann wird es keinen anderen Mann mehr für dich geben, weil ich dich dann nie wieder gehen lassen werde.“

Hermine wischte sich mit dem Handrücken eine Träne vom Gesicht, bevor sie die Hände in seinem Nacken verschränkte.

„Ich werde dich auch nie wieder gehen lassen, Draco. Ich liebe dich.“

Er nahm vorsichtig ihr Gesicht in seine Hände und strich mit seinen Daumen weitere Tränen von ihrer Wange.

„Ich liebe dich auch, Hermine. Mehr als alles andere auf dieser Welt.“

Sie überbrückte den Abstand zwischen ihnen, legte ihre Lippen auf seine und küsste ihn, wie sie ihn noch nie geküsst hatte, voller Hingabe und Zärtlichkeit.

Draco lächelte in den Kuss hinein, drängte sie langsam zurück und als sie schließlich unter ihm auf der Couch lag, knisterte etwas unter ihr.

Ohne den Kuss zu unterbrechen angelte sie den Gegenstand unter sich hervor, hielt diesen hinter seinem Rücken ein Stück in die Höhe und als sie blinzelnd erkannte, was sie dort in den Händen hielt, schob sie ihn lachend ein Stück von sich weg.

Superman? Echt jetzt, Malfoy?“

Draco verdrehte gespielt genervt die Augen, nahm ihr den Comic ab und pfefferte diesen achtlos auf den Fußboden.

„Ich musste unbedingt wissen, was es mit diesem Kryptonit auf sich hat.“

„Und, weißt du es jetzt?“

Er hauchte ihr noch einen Kuss hinter das rechte Ohrläppchen, bevor er sie wieder so merkwürdig gerührt ansah, wie vielleicht nur er es konnte und wie sie unbedingt für den Rest ihres Lebens von ihm angesehen werden wollte.

„Nun weiß ich alles, was es darüber zu wissen gibt, mein Kryptonit.“

Mit diesen Worten fanden seine Lippen ihre wieder ganz von alleine, und Hermine spürte seinen weichen, warmen Mund auf ihrem, seine Hand, die über ihren Bauch streichelte und Tränen auf ihrem Gesicht, von denen sie nicht wusste, ob es ihre eigenen oder Dracos waren.

I watched the world float to the dark side of the moon,
After all I knew it had to be something to do with you,
I really don't mind what happens now and then,
As long as you'll be my friend at the end

If I go crazy then will you still
Call me Superman
If I'm alive and well, will you be there holding my hand
I'll keep you by my side with my super human might
Kryptonite

- 3 Doors down - Kryptonite
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