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Geschichten aus dem SSBB-Garten

Kurzbeschreibung
GeschichteHumor, Freundschaft / P16 / Het
02.10.2020
10.10.2021
4
16.286
5
Alle Kapitel
6 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
02.10.2020 3.829
 
Diese Geschichte dient nur der Unterhaltung!

Für diese Geschichte wurden die Charaktere, die in den Kapiteln aufeinander treffen, nach dem Zufallsprinzip ausgelost. Somit musste ich mir zwei Charaktere ziehen und einen Umstand(Shipping, Streit, Freundschaft usw.) und diesen dann in der Story schreiben. Die Charaktere werden nach meinen Vorstellungen handeln.

Ich übernehme keine Haftung, aber gerne Geld.

Viel Spaß.

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Heute war er früher wach gewesen als sonst. Die Sonne war gerade aufgegangen und schien warm in das große Fenster, um das kleine Apartment zu erleuchten. Die rotweißen Vorhänge, völlig unpassend zu dem braunen, alten Teppich, welcher immer noch nicht durch einen neuen ersetzt wurde, hatten leicht im frischen Wind auf und ab gewippt. Es war ein kühler Samstagmorgen und dennoch war die Sonne zu sehen, welche sich klar gegen die wenigen, hellen, weißen Schleier, die die nur dünn vorhandenen Wolken am Himmel darstellten, durchsetzte.
Bessi war schon kurz vor dem Sonnenaufgang wach gewesen und dies war nicht ungewöhnlich für sie. Sie hatte sich selbst leise aus dem Pokeball entlassen, im welchen sie, Gloria und Schiggy schliefen und war wie immer auf die Fensterbank gekrabbelt. Die noch vorhandene Stille war perfekt, um sie für ihre Leidenschaft zu nutzen. Neben der Fensterbank sammelten sich ordentlich auf den kleinen Nachtschrank, der den Pokemon gewidmet wurde, ihre Zeichnungen, welche sie zuvor aus der obersten Schublade herausgenommen hatte. Das Zeichnen war sicherlich ein ungewöhnliches Hobby für ein Bisaknosp, doch es war nun schon so lang ein Teil von ihr, dass sie sich kaum daran erinnern konnte, dieser Beschäftigung jemals nicht regelmäßig nachgegangen zu sein. Für sie war jeden Morgen, vor Sonnenaufgang, die perfekte Zeit zum Zeichnen. Dabei war sie so leise, dass sie nur selten jemanden aufweckte. Sie morgens schon vor den anderen auf der Fensterbank sitzen zu sehen, war zudem inzwischen ein gewohnter Anblick, für die Mitbewohner in dem Apartment.
Das oberste Fach des Schrankes gehörte ihr. Darin hatte sie die Blätter nach den Kategorien „fertig“ und „in Bearbeitung“ sortiert und sich heute das oberste der zweiten Kategorie genommen. Der „fertig“ Stapel schien nicht größer zu werden, während der „in Bearbeitung“ Stapel immer mehr angefangene Zeichnungen zu sich zählen konnte. Nie war sie zufrieden mit ihren Werken, nie waren sie ihr gut genug. Dabei fing Bessi gern zunächst damit an, ihre Gefühle und Gedanken in ihren Zeichnungen auszudrücken und sich dann soweit in den Details zu verlieren, dass sie nie der Gedanke erreichte, „Jetzt ist es fertig“, oder „jetzt bin ich zufrieden“. Sie musste ihre puren Gedanken, die sie zunächst in das Bild gesteckt hatte, die zunächst der Beweggrund waren, es überhaupt anzufangen, glatt bügeln, anpassen, mit anderen Künstlern vergleichen. Es war stetig dieser Kreislauf, bis sie eine neue Emotion packte und sie das angefangene Bild auf später verschob. Und auch, wenn sie inzwischen über eine menschliche Form verfügte und mit den Händen besser zeichnen konnte, als mit den Ranken, so erreichte sie dennoch selten ein Gefühl der Zufriedenheit.
Dieses mal wandte sie sich aber dem Bild von gestern Abend zu. Darauf zeigte sich ein Wald, der ihr sicherlich irgendwo schon einmal begegnet war, wobei es nicht der Wald war, der sich um den SSBB ausbreitete. Sie wusste nicht, welcher Ort es dann sein sollte. Sie hatte nur dieses Bild vor Augen, das Grün, die Bäume, die verschiedenen Sträucher. Vielleicht war es eine verschollene Erinnerung ihrer Kindheit? Sie war sehr vertieft in diesen Gedanken gewesen, ihre roten Augen blickten auf das Blatt und ihre grünen Ohren wippten im Wind leicht hin und her, als sie eine Stimme vernahm, die sie zu dieser frühen Zeit am Morgen als unpassend empfand. Klar kannte sie die Stimme, welche eher hell, aber dennoch männlich war, doch es passte mit der Zeit nicht zusammen. Bessi war völlig perplex, als sie ein paar Male den Namen vernahm, den ihr ihr Trainer damals gab. Und als sie den Kopf herum drehte, erblickte sie genau diesen.

Ja, er stand dort, direkt vor ihr, vollkommen angezogen, mit einen dunkelbraunen Rucksack auf dem Rücken, aber natürlich noch in weißen Socken, auf dem braunen Teppich. Sein schwarzes Haar schien er schon gekämmt zu haben, zumindest war es nicht ganz so zerzaust, wie es unmittelbar nach dem Aufstehen aussah, auch, wenn es eh unter der großen Cap zu einem Großteil verschwand. Sein Blick bergte eine gewissen Entschlossenheit. Er war bereit zum Aufbruch. Aber wohin?
„Hast du dich denn noch gar nicht fertig gemacht?“, Reds Frage klang eher drängend, so, als wäre es selbstverständlich, dass sie schon längst hätte vorbereitet sein müssen. Sie hatte gar nicht mitbekommen, dass er schon aufgestanden war.  Und worauf sollte sie vorbereitet sein?

Immernoch war Bessi vollkommen verwirrt. Ihre Augen vielen auf den Gürtel des kleinen, jungen Mannes, doch es waren keine Pokebälle daran befestigt. Wo könnte er so früh hinwollen? Sein Zimmergenosse Sky, der Magier, war heute nicht da, er war schon gestern mit seiner Zwillingsschwester und dem Prinzen Chrom nach Ylisse aufgebrochen, um dort das Wochenende zu verbringen. Er wollte Chrom bei den königlichen Angelegenheiten helfen, immerhin waren die beiden eng miteinander befreundet, doch er versprach Red dieses mal endlich ein Souvenir mitzubringen. Ansonsten fanden heute keine Turniere und auch kein spezieller Unterricht statt. Red hatte nichts davon erwähnt, nach Alabastia zu wollen. Er hatte gar keine Pläne erwähnt. Was könnte er also wollen? Bessi starrte ihn wortlos an.
„Na komm, wir haben heute noch viel zu tun!“, sagte er schließlich und ging energisch auf den kleinen Schrank neben ihr zu, um nach ihrem Pokeball zu greifen. Ungewohnt viel Energie, so früh am Morgen.
Sie vernahm auch keine Beschwerden darüber, dass sie bei der Kälte so früh das Fenster geöffnet hatte. Wie merkwürdig.
„Was hast du vor?“, fragte sie schließlich in ihrer gewohnt leisen Stimme. Red blickte kurz auf, Unverständnis herrschte in seinem Blick. Dieser Blick sagte ihr, dass sie das eigentlich wissen müsste. Dann zeigte er mit einer Hand wortlos auf dem Teppich, auf dem er gerade noch gestanden hatte. Er hatte ihn schon vor einigen Jahren damals aus seiner Heimat mitgebracht und ihn erst in sein damaliges Einzelzimmer und dann eine Etage höher in das gemeinsame Apartment mit seinem besten Freund Sky gelegt. Dieser Teppich hatte viel mitgemacht, von diversen Fußabdrücken, bis hin zu Brandflecken. Das sah man ihm auch an. Dennoch verstand Bessi nicht, was er ihr sagen wollte.
„Das müsste doch jetzt wirklich als Erklärung reichen“, gab Red schließlich von sich, als Bessi zu ihm sah, ohne etwas auf seine Geste zu antworten. Er riss die zweite Schublade des Schrankes auf und holte einige rötlich gefärbten Fläschen, gefüllt mit der bitter schmeckenden Medizin des Heiltrankes, heraus. Den Rucksack auf den Schrank abstellend, stopfte er die Tränke in die Seitenfächer hinein.
„Du willst ins Möbelgeschäft und dir einen neuen Teppich kaufen?“, Bessi blickte schüchtern zu ihm herüber und Red pausierte kurz seine Bewegung.
„Weißt du Bessi, ich habe nachgedacht. Viel nachgedacht. Und während ich wach im Bett lag, musste ich die ganze Zeit auf den Teppich starren. Dieses Übel muss ich mir jede Nacht und jeden Tag ansehen, verdammt dazu, diesen Anblick zu ertragen. Das letzte, was ich sehe, bevor ich einschlafe, ist dieser Teppich. Das erste, was ich sehe, wenn ich aufwache, ist dieser Teppich. Das erste, was ich sehe, wenn ich in dieses Apartment komme, ist dieser Teppich. Und wenn ich dieses Apartment verlasse: Teppich. Nur dieser Teppich. Er ist überall Bessi, überall.“
Ihr war zwar klar, dass Sky und Red gerne am Wochenende etwas Alkohol(vorallem den, den Sky aus seiner Heimat mitbrachte) tranken, doch dieser war ja eigentlich schon am Freitagabend abgereist. Sie hatte auch nicht mitbekommen, dass er allein etwas zu sich genommen hätte. Außerdem klang dieser erzählerische Text verdächtig nach etwas, was Sky ihm in den Kopf gewanzt hatte. Doch es schien von ihrem Trainer selbst zu kommen.
Verwirrt sah sie ihn immer noch an, Red erwiderte ihren Blick und schwang sich dabei den Rucksack über den Rücken.
„Wir müssen dem ein Ende setzten“, fuhr er fort, „Das nächste Turnier, unsere nächste Chance, dieses Elend zu beenden, kann nicht mehr weit sein. Wir brauchen das Preisgeld. Entweder kalte Füße, oder ein neuer Teppich Bessi. Alles oder Nichts.“
Er schien tatsächlich darüber nachzudenken, sich endlich von diesem Ding zu trennen. Auch verstand Bessi nicht, warum Sky nicht einfach seinen guten Freund Chrom fragte, ob er so nett wäre, ihnen einen Teppich zu spendieren. Der war immerhin adelig und reich und sicherlich machte ihm das nichts aus. Doch stattdessen fasste Red Bessi am Arm und zog sie von der Fensterbank.
„Wir müssen trainieren.“
Das nächste Turnier war doch erst in fünf Monaten? Und warum hatte er die anderen Pokebälle nicht dabei?
„Was ist mit Gloria und Schiggy?“, fragte Bessi, doch Red zog sie schon hinter sich her.
„Überleg mal, wer beim letzten Turnier gegen Link, nach dem ersten Schlag, direkt nach dem Einwechseln, rausgefallen ist, sodass uns ein Punkt fehlte und wir gegen ihn verloren haben“, gab Red schließlich von sich, ohne sich nach ihr umzudrehen.
Daher wehte also der Wind. Bessi wusste, dass Red und Link sich nicht unbedingt leiden konnten und sie glaubte sogar, dass dieser Punkt dem Teppich überwog und von daher seine plötzliche Energie rührte, doch aussprechen tat sie das nicht. Vielleicht trafen all diese Dinge auch einfach nur aufeinander.
„Aber das war doch nicht allein meine Schuld“, inzwischen standen sie schon vor dem Apartment und  Red schloss die Tür hinter ihnen zu.
„Wir waren vorgeschwächt.“
„Trotzdem hast du nur erstarrt dargestanden, als er auf dich zukam“, konterte Red und erfasste wieder ihren Arm, „und als du ausweichen solltest, bist du auch noch in seinen Schlag reingelaufen! Du bist zu langsam!“
Ein bisschen wütend machte Bessi das jetzt doch. Immerhin war sie nicht allein für ihren Sieg verantwortlich.
„Du hast mich völlig ungünstig eingewechselt!“, versuchte Bessi sich zu verteidigen, „Ich war in einer schlechten Position!“
„Ja, ich muss dich ja erst einwechseln, bevor ich Gloria einwechseln kann, weil das halt nicht anders geht und ich sonst nicht an ihren Pokeball komme, aber trotzdem hättest du ausweichen können!“
Aha, also gab er seine Mitschuld doch zu.
„Was ist mit Sky, wenn der gewinnt, kriegst du auch deinen Teppich“, erwähnte Bessi, während sie über die Flure liefen. Mit anderen Worten, der könnte auch mal trainieren. Bessi würde sich nämlich viel lieber noch weiter ihren Bildern zuwenden. Außerdem wurde sie nicht gefragt.
„Ja, wenn Sky gewinnt. Das ist es ja. Deswegen gehen wir ja selbst trainieren.“
Bessi überlegte etwas dazu zu sagen, doch ihr fiel auf, dass das ein Argument war. Und auch sonst wusste sie nicht, was sie noch sagen sollte, also schwieg sie. Sie wollte eigentlich keinen Streit. Wäre sie doch bloß wie Gloria. Die hätte sich das nicht gefallen lassen.


Red hatte sogar schon einen Trainingsplatz ausgesucht und das war die Wiese vor dem SSBB. Oft verbrachten hier Schüler ihre Pausen oder ihre Freizeit, doch so früh am Morgen, an einem, für die meisten, Unterrichtsfreien Tag war hier nicht wirklich viel los. Um genau zu sein, waren sie die einzigen, die sich nun vom Schloss weg auf die weitflächige Wiese zu bewegten. In weiterer Ferne konnte man den Wald erkennen, der den SSBB umgab und ihn im Verborgenem hielt. In diesen Wald sollen viele Gefahren lauern, vorallem in der Dunkelheit. Bessi glaubte sogar, mit ihren guten Ohren, den Fluss zu vernehmen, der durch den Wald floss und in einem kleinen See mündete.
Red lief mit ihr ein Stück weiter auf die Wiese, dann blieb er stehen und stellte seinen Rucksack vor seinen Füßen ab. Er streckte sich kurz und blickte auf das weite Feld hinaus. Durch den Wind wehten seine Haare ihm ins Gesicht. Auch Bessis braune, lange Haare, die sie in menschlicher Gestalt besaß, flogen im Wind. Sie waren nah am Wald, doch schien Red vorzuhaben, auf der Wiese zu bleiben. Die Bäume waren nicht in weiter Ferne. Vereinzelt sammelten sich kleinere und größere Steine, die mit dem Boden verwachsen zu schienen.
„So“, gab er schließlich von sich, „dann wollen wir mal.“
Bessi verwunderte, warum er nicht Schiggy oder Gloria als Gegner mitgenommen hatte. Wie stellte er sich das Training nun vor? Sie sah zu ihrem Trainer auf.
„Wir machen heute Attackentraining und Ausweichen. Ich versuche dir jetzt eine ganz neue Attacke beizubringen und das wird uns beim nächsten Mal den Sieg bringen!“
Bessi blickte ihn groß an. Eine neue Attacke? Sie hatte seit Jahren schon nichts Neues mehr gelernt. Erst wartete sie, dann fragte sie ihn doch.
„Welche Attacke soll das sein?“
Red sah zu ihr, „Ich möchte unbedingt, dass du Blättersturm erlernst.“
Blättersturm also. Eine Attacke, bei dem sie mehrere, Rasiermesserscharfe Blätter auf ihren Gegner loslassen würde, kombiniert mit einem wirbelnden Wind. Sie war sich nicht einmal sicher, ob sie so etwas erlernen konnte.
„Aber, aber... Das ist doch viel zu...stark“, stotterte sie vor Nervösität. Ihr Körper fing leicht an zu zittern. Vielleicht lag es auch an der Kälte.
Red ging auf einen der Steine zu, welcher aus der Erde ragte. Hinter seinem Ohr zog er einen roten Filzstift hervor, den er nutzte, um ein rotes Kreuz auf den Stein zu zeichnen.
„Das da ist dein Gegner“, sagte er und zeigte auf den Stein. Sie glaubte ihn „der ist ja eigentlich auch auf einem ähnlichem Niveau wie Link“ murmeln zu hören, doch sie war sich nicht sicher.
Stattdessen fixierte Bessi den Stein mit den Augen und nickte schließlich.
„Ich werde dir Befehle geben, von wo aus der Stein angreift und du wirst dann ausweichen. Wir werden ein paar male Rasierblatt verwenden. Und wenn es soweit ist, rufe ich Blättersturm und du versucht, mehrmals Rasierblatt hintereinander einzusetzen und dabei den Wind mit deinen Ranken zu steuern.“
Wie sollte sie das denn machen? Red schien wohl keine gute Vorstellung davon zu haben, wie es war, ein Pokemon zu sein. Doch die Sache war ihm bierernst. Die Niederlage gegen Link im Turnier schien ihm sauer aufgestoßen zu sein. Immernoch fragte Bessi sich, warum er Schiggy nicht als Gegner mitgenommen hatte. Dennoch nickte sie still.
„Gut, dann verwandle dich in ein Pokemon und wir beginnen das Training“, Red trat vom Felsen weg und Bessi tat, wie ihr befohlen. Ihr Körper leuchtete in einem weißem Grell auf, als ihre Gestalt in das vierbeinige Wesen zurückschrumpfte. Sie sah nervös zu ihrem Gegner, den Stein, der ihr diabolisch entgegen zu lachen schien. Red stand hinter ihr, als er den Arm hebte und ihr die ersten Anweisungen gab.
Der Wind heulte über das Feld. Einige Male wurde es von einem „Nein, Bessi!“, „Nach rechts, Bessi, nach rechts“, oder einem „Jetzt spring Bessi, schnell, schnell“ unterbrochen. Red fuchtelte wild mit den Armen hinter ihr, während Bessi hin und her sprang, versuchte, ihre Fantasie anzustrengen, um sich Attacken und Angriffe vorzustellen und dann schließlich zum dritten mal, nach der Choreographie den Befehl „Blättersturm“ hörte. Mit den Ranken umschloss sie die zuvor abgesonderten Blätter und versuchte, sie durch eine Drehbewegung zu wirbeln, doch stattdessen fielen einzelne gegen den Stein und andere wurden vom Wind in alle Richtungen verweht.
„Och Bessi“, stieß Red hinter ihr aus. „Dann nocheinmal von vorne!“
Bessi keuchte inzwischen, doch sie richtete ihre Augen dennoch wieder konzentriert auf den Stein. Sie musste es schaffen. Wieder sprang sie auf Befehl hin und her, wechselte die Seiten, machte kunstvolle Rollen und Überschläge über den Boden, von denen sie nicht genau wusste, wann und wie Red sie in einem echten Kampf verwenden wollte und dann folgte wieder der Befehl.
„Blättersturm!“
Dieses mal würde sie es schaffen. Sie erzeugte mehr Blätter als zuvor und schleuderte sie mithilfe ihrer Ranken in Richtung Felsen. Es fühlte sich so an, als hätte sie die Kraft viel weiter aus der Mitte ihrer Knopse geholt, als sie es sonst tat. Die Blätter flogen im Kreis, in Form eines Wirbels, wie ein kleiner Tornado. Sie hatte es geschafft.
„Ja Bessi, das ist es!“, rief Red von weiter hinten, doch genau in diesem Moment wehte die Attacke am Felsen vorbei. Stattdessen bewegte sie sich auf einen der Bäume am beginnendem Wald zu und stieß schließlich gegen eine große Tanne und löste sich dort auf. Dabei riss sie einige ihrer Nadeln ab und brachte die Krone des Baumes gehörig zum Schwanken. Die restlichen Blätter fielen zu Boden. Es dauerte nicht lange, bis ein wütender Schrei ertönte, den Bessi zunächst nicht zuordnen konnte. Sie starrte verwirrt in Richtung des Baumes, als sie einen Schatten aus dessen schwankenden Krone aufsteigen sehen konnte. Im nächsten Moment raste dieser Schatten auf sie beide zu, in einer unglaublichen Geschwindigkeit. Es war ein riesiger Raubvogel, sowie Bessi gerade noch so eben erkennen konnte, dann hörte sie auch schon einen weiteren Schrei und sah ihren Trainer auf den Boden plumpsen. Er blieb benommen liegen, mit verschlossenen Augen. Oh nein, Red! Der große Vogel flog wieder in die Luft, als er kehrt machte und erneut auf den Pokemontrainer zufliegen wollte. Bessi rannte schnell, so schnell, wie sie ihre kurzen Beine tragen konnten, zu ihrem Trainer, stellte sich vor ihm und fuhr eine ihrer Ranken aus, als das Raubtier erneut aus sie zu schoss.
„Hau ab, du Miststück“, rief sie, als ihre Ranke dem Tier einen ordentlichen, peitschenden Schlag verpasste. Verwirrt und frustriert schrie der Vogel auf, verlor eine goldene Feder, als er in den Himmel aufstieg und in Richtung Wald verschwand. Bessi drehte sich um und starrte dem Schatten hinterher, doch der Vogel schien nicht zurückzukommen. Anscheinend hatte ihr Schlag gereicht, um das Tier in die Flucht zu schlagen. Bessi wandte sich schließlich Red zu, welcher vor ihr auf dem Boden lag. Er hatte die Augen verschlossen und eine große Beule ragte mitten auf seiner Stirn, sowie eine Kratzspur über seiner Wange. War er etwa bewusstlos? War das etwa ihre Schuld? Erschrocken schloss Bessi ihre beiden Ranken um ihn, um den Oberkörper ihres Trainers anzuheben. Dabei rüttelte sie ihn kräftig.
„Red? Red!“, rief sie verzweifelt. Er antwortete nicht. Oh nein, was sollte sie nun tun? Tränen rannen über ihre grünen Pokemonwangen, als sie ihn weiter rüttelte und seinen Namen rief. Weit und breit war niemand in Sicht, der ihr helfen konnte. Sie waren immer noch allein. Bessi biss sich mit den spitzen Zähnen auf die Unterlippe. Sie musste dringen nachdenken. Dann fiel ihr Blick auf den Rucksack vor Reds Füßen. Hinter den Reißverschluss des Seitenfaches musste sich eine rote Flasche befinden. Das ist es! Bessi atmete auf, als sie eine Ranke zu dem Rucksack ausstreckte, um diesen näher an sich heran zu ziehen. Zwar wusste sie nicht, ob er auch an Menschen wirken würde, doch welche Wahl hatte sie schon? Bis zum SSBB würde sie ihn sonst ein ganzes Stück tragen müssen und alleine lassen konnte sie ihn hier auch nicht. Den Rucksack legte sie neben sich, nur bekam sie ihn nicht auf. Der Reißverschluss war zu klein für ihre Ranken und ihre Zähne konnten das Metall nicht halten, ohne, dass sie Angst hatte, sie würde ihn abreißen. Verzweifelt standen Bessi wieder die Tränen in den Augen, als ihr ihre menschliche Form in den Sinn kam. Fast hatte sie vergessen, dass sie das konnte. Kurzerhand ließ sie ihren Körper wieder im weißem Grell aufleuchten und ihre Gestalt wuchs in die Höhe. Reds Kopf wanderte auf ihren Schoß, doch Bessi schenkte dem keine Beachtung. Sie zögerte nicht mehr. Sofort ergriffen ihre feine Finger zittrig den Reißverschluss und zogen ihn auf. Fast hätte sie vergessen, wie man eine menschliche Hand verwendet. Sofort fiel ihr das rote Fläschen entgegen. Sie ergriff es, zog den Deckel ab und führte die Flasche zum Mund des Trainers. Eine Hand legte sie dabei auf seine Wange und hielt seinen Mund leicht auf. Die Flüssigkeit floss in seinen geöffneten Mund und sie glaubte, ihn schlucken zu hören. Schwitzend sah Bessi auf Reds Gesicht hinab, als er schließlich dieses verzog. Seine Augen kniffen sich zusammen, bevor er sie öffnete. Seine Wunde, quer über seiner Wange schien sich sofort zu verschließen, die Beule heilte langsam ab und zog sich zurück. Es war fast wie ein Wunder. Bessi bemerkte dabei nicht, dass ihr eigener Körper aufleuchtete und sie gerade selbst für seine Heilung verantwortlich war und das obwohl sie in menschlicher Form normalerweise keine Pokemonattacken einsetzen konnte.
„Bitter...“, stieß Red leise aus und Bessi lachte. Ihr rannen immernoch die Tränen über das Gesicht. Sie ließ das Fläschen einfach neben sich in das Gras fallen und umschloss auch mit ihrer anderen Hand seine Wange.
„W...Was....ist passiert?“, fragte er verwirrt und immernoch etwas benommen.
„Red!“, rief sie nur erleichtert und bevor sie es selbst kontrollieren, geschweige denn erfassen konnte, beugte sich ihr Oberkörper zu ihm hinunter und sie drückte ihm einen Kuss auf die Lippen. Vielleicht lag es an ihrer vorangegangenen Verzweiflung und der folgenden Erlösung von dieser. Sie konnte es sich im nachhinein nicht ganz erklären. Ihr Herz pochte und sie fühlte sich warm, bis sie ihre Lippen von seinen löste. Ihre Augen blickten in seine, welche plötzlich wach waren. Sie strahlten Überraschung aus und noch etwas anderes. Sie glaubte, dass sie ebenso verwirrt waren, aber ebenso auch dieselbe Wärme vernommen hatten, die sie vernommen hatte. Sie sahen einander für eine Weile an. Der Wind wehte kühl um sie herum, bewegte das Gras, brachte es zum tanzen. Sie waren allein auf der weiten Wiese, um diese Uhrzeit.
Red war derjenige, der die Situation auflöste. Er sprang auf von ihren Schoß und richtete sich in einem ziemlich schnellen Tempo auf. Bessi blieb sitzen und starrte einen weiteren Moment auf ihre Knie.
„W-Wir sollten zurückgehen“, war alles, was er gesagt hatte, ohne auf weitere Erklärungen des vorangegangendem Geschehens zu warten, als er den ersten Schritt Richtung SSBB machte. Bessi blieb kurz Sitzen, ein komisches Gefühl der Schwermütigkeit tat sich in ihr auf, als sie aber doch aufstand und ihm wortlos folgte. Sie schwiegen und sie schwiegen auch die nächsten Wochen über dieses Ereignis. Red entschuldigte sich nur einmal am Abend, dass er sie überlastet hatte und da verlangte Bessi auch den Schlüssel für ihren Teil des kleinen Schrankes neben der Fensterbank von ihm, welchen sie, ohne großen Widerstand, bekam.

Dieses mal war Bessi in der Nacht aus ihrem Pokeball gekommen und leise auf die Fensterbank gekrabbelt. Den Stift führte sie in ihrer Pokemonform mit ihrer Ranke über das Papier. Nach und nach bildeten sich Gräser, in weiterer Ferne ein paar Bäume und in der Mitte schließlich ein etwas pummeliges Mädchen mit spitzen, grünen Ohren und langem, braunem Haar. Sie blickte hinab auf einen Jungen, der mit dem Kopf auf ihrem Schoß lag und benommen, verwirrt, überrascht zu ihr aufsah. Er trug eine Cap, schwarzes Haar und hatte tiefrote Augen. Um sie herum tanzte die Wiese und über ihnen herrschte ein blauer, fast wolkenloser Himmel. Es waren ihre Emotionen gewesen, die sie nicht mehr losgelassen hatten und dieses mal betrachtete sie das Bild in all seiner unperfekten Perfektion lange im Mondschein auf der Fensterbank, bevor sie leise die Schublade ihres Nachtschrankes öffnete und das Bild auf den „fertig“ Stapel legte. Sie schloss die Schublade zum ersten Mal und seither immer ab. Es war das erste Mal, dass sie etwas vor ihrem Trainer oder eben auch Gloria und Schiggy zu verstecken hatte.
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