Haunted Day (Oktober)

von Ririchiyo
GeschichteMystery, Angst / P16
James Bond M Miss Moneypenny OC (Own Character) Q
01.10.2020
28.10.2020
29
21.879
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17.10.2020 1.160
 
Kapitel 17

Gerade wollte er Bond sagen, dass dieser bei der nächsten Abzweigung abbiegen sollte, als er es spürte. Normalerweise hätte er es gar nicht beachtet. Normalerweise wäre es ihm ganz egal gewesen. Normalerweise würde er es vermutlich nicht einmal bemerken. Aber heute war nicht normalerweise. Heute blieb ihm das Herz stehen. Und dann klopfte es so schnell, als wolle es ihn nun doch lieber so umbringen, als durch Arbeitsverweigerung.
     Der Boden vibrierte. Ganz leicht nur, kaum zu bemerken, Q hätte sich bei einer solchen Erschütterung normalerweise nicht einmal um sein empfindlichstes Equipment sorgen gemacht, wenn er es bemerkt hätte, so wenig war zu spüren.
     Aber es war zu spüren, und auch wenn Q sich alle mühe gab, so schaffte er es dennoch nicht, die Sorgen und Zweifel – und diese gottverdammte Angst! Verflucht sei dieses Gefühl! – unter Kontrolle zu bringen, indem er sich einredete, dass es etwas Harmloses war. Denn was hätte es  Harmloses sein können? Eine U-Bahn sicherlich, aber er hatte noch nie die Vibration irgendeiner U-Bahn bis hier her in den Keller der Q-Abteilung gespürt. Es gab nicht einmal U-Bahn-Strecken in der Nähe. Q kannte die Pläne, und er wüsste, wenn irgendwelche Tunnel hier entlang führen würden. Es könnte irgendein verdammt schwerer LKW oder etwas ähnliches sein, was gerade irgendwo entlang gefahren war. Aber erneut verstand Q dann nicht, wie es sein konnte, dass er es noch nie zuvor bemerkt hatte. So etwas merkte man doch! So etwas fiel doch auf! Oder? Hatte er es doch bis jetzt einfach immer nur ignoriert? War es doch das? Konnte es ein LKW sein? Bemerkte er es nur jetzt gerade, weil er aufmerksamer war, als sonst? Konnte das wirklich die Antwort sein? Aber die Vibrationen waren anhaltend, und ein LKW wäre sicherlich nicht so lange so nah am Gebäude gewesen, dass Q es selbst bis hier unten in die hinterste Ecke noch spürte, und-
     Mit einem Mal stand der Boden wieder still. Q hatte keinen blassen Schimmer, wie lange genau das angehalten hatte. Eine Sekunde? Eine Minute? Es kam ihm vor, als wäre es ewig gewesen, aber er konnte es wirklich nicht sagen.
     Langsam atmete er tief ein, und dann so ruhig wie möglich wieder aus. Er schloss die Augen. Er tat es erneut.
     „Q?“, hörte er Bond sagen. Es klang besorgt. Q ignorierte es, und atmete einfach weiter. Er brauchte jetzt keine Sorge. Was er brauchte war Kontrolle. Und davon sehr viel und auch noch ziemlich gute. Im Moment hatte er weder das eine noch das andere.
     „Q, ganz ruhig, alles ist okay.“ Bond schien die Strategie wechseln zu wollen. Wirklich hilfreich fand Q es nicht. Dennoch zwang er sich, sich zusammenzureißen, und nach einem letzten tiefen durchatmen nickte er knapp, und öffnete die Augen wieder. Ruhig. Er musste die Sache ruhig und logisch angehen … und Bond antworten. Bond antworten, dann rausfinden, was los war.
     „Alles bestens.“ Er hätte sich selbst dann nicht geglaubt, wenn er sich gerade zum ersten mal in seinem Leben gesehen oder getroffen hätte. Aber Bond sagte dennoch nichts. Q versuchte, es als etwas Gutes zu sehen. Er hatte keine Ahnung, ob ihm das auch gelang. Vermutlich nicht. Was ihm dagegen schon gelang, war, dass sein Herz sich endlich wieder genug beruhigte, dass er auch klare Gedanken fassen konnte. Vielleicht war es sogar nur Einbildung gewesen? Vielleicht war er einfach so unglaublich außerhalb dessen, mit was er normalerweise zu tun hatte, dass seine Gedanken ihm hier einen Streich gespielt hatten. Vielleicht war alles gut. Er griff nach seiner Teetasse, führte sie vorsichtig zu seinen Lippen, und versuchte das Zittern seiner Hände zu unterdrücken, während er einige Schlucke trank. Alles war gut. Es war bestimmt alles gut.
     In einer Art kleinem Chat, den Q irgendwann einmal mit einigen Minions zusammengebastelt hatte, und der als kleines Fenster immer für Notfälle auf Qs Laptop geöffnet war, erschienen die ersten Nachrichten. Von außerhalb seines Büros hörte er außerdem Gemurmel. Keine Einbildung. Es war keine Einbildung. Und gut war es auch ganz und gar nicht. Q beeilte sich, die Tasse wieder auf dem Tisch abzustellen, und sich daran zu machen, herauszubekommen, was es gewesen war.
     In dem kleinen Chat sprach jemand von einem eingestürzten Gebäude. Das wäre gut. Sehr gut. Nicht sehr gut, natürlich, weil es vermutlich Tote und Verletzte bedeutete, aber ein eingestürztes Gebäude hatte auch keinerlei Ähnlichkeit mit allen Sachen, die sie bisher gehabt hatten, was vermutlich hieß, dass es etwas anderes war. Etwas normales. Und normal war gut. Im Moment war Normal toll. Großartig sogar. Vielleicht sogar perfekt.
     Dann hackte Q sich in eine Überwachungskamera, und er sah die ausbrechende Panik. Und er sah die Leute. Er war froh, die Schreie hören zu können, von denen er sich ganz sicher war, dass man sie hören könnte, wenn das Gebäude etwas näher wäre. Aber so hatten es nur die Vibrationen der einstürzenden Steine bis nach hier geschafft. Dennoch, auch ohne Ton, konnte er sich nur zu gut vorstellen, wie es sich gerade anhören musste. Er sah die Bilder. Er sah, wie Leute sich umsahen, wie sie panisch durcheinander rannten, wie sie einander aus dem Weg schubsten, und er sah, wie einige auf das Gebäude zu rannten, und andere einfach nur wegzukommen versuchten. Er hatte die Sirenen im Kopf, die man ganz sicher hören musste, weil irgendjemand zu retten versuchte, wie immer, und natürlich wusste er, wie Panik sich anhörte, und auch anfühlte.
     Er schüttelte den Kopf. Verdammte Scheiße! Zu allem anderen kam jetzt auch noch ein gewöhnlicher Anschlag dazu? Was genau hatten heute nur alle gegen die Welt?! Warum musste-
     Jegliche Gedanken verließen seinen Kopf, als er sah, was genau als nächstes passierte. Er wandte den Blick ab, und hielt sich eine Hand vor den Mund, als ihn ein Würgereiz überkam. Nicht zum ersten mal in seinem Leben war er froh, eher weniger zu essen. Das war. Das war widerwärtig!
     „Q?“ Bond schien nicht begeister davon, dass von ihm nichts mehr kam. Oder vielleicht hatte er die Situation auch einfach nur durchschaut. „Q, bitte sagen Sie mir, dass Sie gerade nicht auch ein derartiges Problem bekommen haben.“
     Und Q hätte gerne. Q hätte wirklich gerne. Er hätte auch gelogen, wenn das etwas gebracht hätte. Aber für den Moment war er erst einmal zu beschäftigt damit, die Tränen zu unterdrücken, die sich in seinen Augen sammelten, und auch mit dem Versuch, endlich aufzuhören, sich übergeben zu  wollen. Nur am Rande bekam er mit, wie Bond wieder einmal lautstark zu fluchen begann, und außerdem der Minion-Chat für Notfälle zu explodieren schien.
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