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Warrior

GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P18
Gellert Grindelwald Jacob Kowalski Porpentina "Tina" Goldstein Queenie Goldstein
30.09.2020
31.10.2020
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Warrior

                      

Er ist die Antwort

Teil I

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Der geheime Raum auf dem Friedhof Père Lachaise, war faszinierend. Die steinernen Sitzreihen reihten sich eine an die andere, führten empor und versanken dann in der Dunkelheit, während der Platz in der Mittel des Atriums, eine steinrunde Fläche, von hellem Licht geflutet wurde, dass von irgendwo her kam und ohne jeden Zweifel magischen Ursprungs war. Der Raum war gut angelegt, nur jene, die wussten, wo er sich befand, hatten Zugang, oder jene, die anderen folgten, die von ihm wussten. Es war ein geheimer Ort, der von Gruppierungen benutzt wurde, die abgeschieden sein wollten, die nicht in der Öffentlichkeit ihre Kundgebungen abhalten wollten, aus welchen Gründen auch immer. Die Stimmen redeten aufgeregt miteinander; es waren so viele, dass man kaum das eigene Wort verstand. Ganze Familien hatten sich hier versammelt, warteten angespannt auf das, was nun kommen möge.

Ja, das große Atrium war gefüllt. Aber wenn man ehrlich zu sich selbst war, war es nicht  gefüllt, es war völlig überladen. Viel zu viele Hexen und Zauberer drängten sich in ihren langen Roben auf ihren Plätzen; sie alle wollten zuhören, wissen, was er zu sagen hatte. Sie waren seinem Ruf zur Versammlung gefolgt, waren den langen, schwarzen Tüchern hinterher, die durch die Stadt geschwebt waren und jeder Hexe und jedem Zauberer gesagt hatten, wo die heutige Versammlung stattfand.
Auch Queenie befand sich unter all den Hexen und Zauberern, die sich heute hier versammelt hatten. Noch immer raste ihr Puls und ihre Hände zitterten, was sie mit Anstrengung versuchte zu verbergen. Sie war nervös, das war nicht zu leugnen. Der Grund für ihre Nervosität war, dass sie erst vor wenigen Stunden, mitten in einem Haus in Paris, auf Grindelwald getroffen war. Noch immer konnte sie es selbst kaum glauben, dass sie ihm gegenüber gestanden hatte und noch viel weniger, dass sie nun hier stand. Bei einer seiner Versammlungen. Unverletzt. Das er ihr, der sie ihn als Monster beschrieben, nichts getan hatte, erschien ihr noch immer, wie ein Traum. Unecht und weit entfernt von der Realität. Ihre feuchten Hände spielten mit ihrem Zauberstab, denn sie in ihrer Hand hielt, während sie auf ihrer Unterlippe herum biss.
Queenie wusste, dass ihre Schwester sie dafür lynchen würde; dafür, dass sie hier stand. Dafür, dass sie ihm … zuhörte.

Noch immer hingen seine Worte in ihrem Kopf fest, sein Verständnis für sie und ihre Situation, die nicht einmal ihre eigene Schwester zu verstehen vermochte. Tina konnte Queenie einfach nicht verstehen, weil sie keine Ahnung hatte, von ihrer Gabe. Tina konnte nicht im Geringsten verstehen, wie belastend es für Queenie war, die Gedanken der anderen jederzeit lesen zu können. Nein, es zu müssen. Die blondhaarige Hexe verfluchte diese Gabe regelrecht; sie konnte sie nicht steuern, nicht lenken, nicht abdrehen. So lange sie wach war, aber selbst dann noch, wenn sie schlief, vernahm sie die Gedanken ihrer Mitmenschen in ihrer engsten Umgebung. Es setzte sie unter Stress, gerade ihre Beziehung zu Jacob hatte es nicht gerade gut getan.
Noch zu gut erinnerte Queenie sich daran, wie Jacob sich gedacht hatte, sie sei verrückt. Ihr Jacob!
Ein Stich, wie von einer scharfen Klinge ging durch ihr Herz, ließ es bluten, ohne, dass es jemand bemerkte.

Doch halt! Das war so nicht richtig, jemand hatte es bemerkt. Jemand, mit dem sie nie gerechnet hatte. Er war aus der Dunkelheit gekommen, hatte ihr zugehört, mit ihr geredet, ihr Ratschläge gegeben und ihr einen Ausweg gezeigt. Er hatte sie zu nichts gedrängt, als sie sein Haus verließ, hatte ihr nur hinterher geblickt, in dem Wissen, dass sie wieder kommen würde.


Grindelwald.
Er hatte sie verstanden – besser, als ihre eigene Schwester.


Queenie spürte, wie ihr Herz schneller schlug, als plötzlich Applaus aufkam und die hochaufragende, schwarz gekleidete Gestalt Grindelwalds aus dem dunklen Durchgang ins helle Licht ihrer Runde trat. Er betrat das Podium, den steinrunden Kreis und hob beide Arme in die Luft, um die Menge zum Verstummen zu bringen. Sofort spürte Queenie, wie ihre ganze Aufmerksamkeit auf dem Mann vor ihr lag. Nur am Rande bemerkte sie, wie Jacob, der vor wegen Minuten erst an sie ran getreten war und seither versucht hatte, mit ihr ein Gespräch zu beginnen – sie ihn aber ignoriert hatte - neben ihr zischend die Luft einsog, erfüllt von Angst und Panik nun, zum ersten Mal, Grindelwald zu erblicken. Jenen Zauberer, über den er von Newt und Tina nie etwas Gutes gehört hatte. Jacobs Hand krallte sich verkrampft in Queenies Mantel, die Anspannung stieg. Es war totenstill. Queenie hörte nur ihren eigenen Atem und ihren lauten Herzschlag.

„Meine Brüder, meine Schwestern…“, begann Grindelwald seine Rede und mit jedem Wort das er von sich gab, fühlte Queenie, das er sie verstand. Er verstand sie alle, der sie hier waren. Ein jedes Wort traf genau ins Schwarze, wie ein Pfeil, wie der Schnitt eines Heilers, mit absoluter Präzision ausgeführt. Es war fast so, als würde er nicht zu ihrem Verstand sprechen, sondern direkt zu ihrem Herzen.
Queenie nahm die Rede tief in sich auf, wie ein beinahe verdurstender Wasser. Sie fühlte sich verstanden und akzeptiert, mit allem, was sie ausmachte. –Er ist die Antwort- dachte sie sich und presste die Lippen hart aufeinander.


Nachdem Grindelwald Rauch ausstieß, den er von einem Totenkopf aufgenommen hatte, geschah es. Hässliche, verstörende Bilder offenbarten sich allen Anwesenden. Es wurde Dunkel, kalt und ein lautes Donnern erklang. Viele blickten sich im ersten Moment verstört um, hatten keine Ahnung was hier plötzlich geschah. Die Stimmung kippte schlagartig. Waren die Hexen und Zauberer zuvor noch guter Dinge gewesen, so machte sich nun Unsicherheit und Angst breit. Als ein großer Panzer sich plötzlich aus dem Rauch manifestierte, schrien viele Hexen und Zauberer auf, während das Ungetüm geradewegs auf Queenie und Jacob zurollte. Der No-Maj schrie auf und wich einen Schritt zurück, während Queenie selbst mit angehaltenem Atem da stand, nicht wissend, wie sie reagieren sollte. Sie sich einfach nicht bewegen konnte. Sie spürte Angst, die plötzlich von ihr Besitz ergriff und ihr die Kehle zuschnürte. Das große Gefährt rollte über sie hinweg, nur um sich dann nach ein paar Meter in einem Meer an Rauch zu verlieren.
Soldaten folgten ihm, schrien Befehle, richteten ihre Waffen auf alles, was ihnen in die Quere kam. Töteten. Und schließlich ein gleißendes, helles Licht,  umgeben von Feuer und Rauch stieg in die Luft und helles Licht blendete alle Anwesenden. Schreie erklangen von irgendwo her; ob es die Schreie der geisterhaften Soldaten waren, oder die, der hier anwesenden Hexen und Zauberer, konnte Queenie nicht sagen, zu sehr war sie geschockt von dem, was sie hier gesehen hatte. Was Grindelwald ihnen allen gezeigt hatte.


Nachdem das Licht verlosch, herrschte stille. Totenstille.
Jacob, der neben ihr stand, sank mit Todesangst in den Gliedern zu Boden. Sein Körper fühlte sich plötzlich eiskalt an, seine Lungen brannten wie Feuer, jeder Atemzug schmerzte, obwohl er meinte, keine Luft mehr in seine Lungen zu bekommen und in seinem Kopf drehte sich alles. Sein Herz raste in seiner Brust und vor seinen Augen begann es verdächtig zu Flimmern. Jacob rang nach Sauerstoff, stand kurz vor Zusammenzubrechen. Die Bilder hatten längst verdrängte Erinnerungen wieder hervorgeholt, hatten ihn zurückversetzt in eine Zeit, die einfach nur schrecklich war und die er selbst nur mit viel Glück überlebt hatte. -Ein Krieg. Ein Weltkrieg.- jagte es ihm durch den Kopf. Er hatte bereits einen miterlebt, doch dieses Mal, war es anders. Die zerstörerischen Waffen waren noch weitaus schlimmer, als beim letzten, die Bilder, die er eben sah, noch verstörender. Aber vor allem, würde sich dieser Krieg, wenn er es richtig deutete, gegen die Magier richten. Und Queenie, seine Liebste, war eine Hexe.
Jacob schluckte schwer, als ihm wieder einmal bewusst wurde, was für Welten, was für gewaltige Abgründe, ihn und Queenie voneinander trennten. Seine Hände krallten sich fester in den Mantel der Blondhaarigen, die neben ihm stand, so nah und dennoch so weit entfernt.


Und als Grindelwald erneut seine Stimme erhob, hatte Jacob das Gefühl, als würde er ihm die Luft zum Atmen nehmen. Als würde er an seinen Eingeweiden zerren, jedes Wort wie ein Splitter in seinem Fleisch stecken bleiben. Mühsam kämpfte Jacob sich auf die Beine und blieb wankend neben Queenie stehen. Er wusste nicht, was er machen sollte, in seinem Kopf überschlugen sich die Gedanken, während die Stimme Grindelwalds nur dumpf an sein Ohr drang. Wenige Sekunden später jagte ein helles grün durch die Reihen des Atriums und ein junges Mädchen, mehrere Reihen von Jacob und Queenie entfernt, sackte leblos zu Boden. Gerade, als nur einen Wimpernschlag später, sich ein Tumult los lösen wollte, hob Grindelwald die Hand und alle verstummten schlagartig. Die Stille war belastend, drückte alle zu Boden und sowohl Jacob, als auch Queenie, hielten entsetzt den Atem an. War das gerade wirklich passiert? Hatte gerade wirklich ein junges Mädchen sein Leben verloren? Queenie und Jacob fixierten Grindelwald mit ihren Blicken, der mit raschen, fließenden, großen Schritten, bei dem leblosen Körper war, sich neben sie kniete und ihr eine Hand an die Wange legte. Sekundenlang war es totenstill, dann erhob der Blondhaarige erneut das Wort und diese Worte …  ließen Jacob erneut mit dem Gefühl zurück, ohnmächtig neben sich zu stehen.

Queenie jedoch, bemerkte, wie ihr Herz einen kleinen Schlag tat. Klar, die Angst steckte auch ihr noch in den Gliedern, doch die Worte Grindelwalds, waren wie eine Flamme, die alles entzündete. Er hatte ihnen zwar den Krieg gezeigt, doch er hatte ihnen auch einen Ausweg gezeigt. Sie mussten kämpfen, wenn sie nicht wollten, dass das geschah, was er ihnen gezeigt hatte. –Er ist die Antwort auf all meine Fragen.- Queenie hatte das Gefühl, unter Strom zu stehen. Alles in ihr schrie danach, die Treppen hinunter zu laufen und zu Grindelwald zu gehen. Er hatte die Antworten auf ihre Fragen, die sie so sehr quälten. Er hatte dieselben Ziele, dieselben Träume wie sie.
Hoffnung. Durch ihn, sah sie wieder so etwas wie einen Funken Hoffnung.
Hoffnung für ihre Welt, die sich immer nur verstecken musste. Hoffnung für Liebe, die in ihrer Welt verboten war.

Wenn Grindelwald das magische Abkommen brach, so könnten Jacob und sie heiraten. Sie bräuchten sich keine Gedanken mehr darüber machen, keine Sorgen. Alles würde in Ordnung kommen, wenn er an der Macht wäre. Wenn er seine Ziele erreichen würde. Außerdem würde er verhindern, dass die Visionen, die er ihnen vor wenigen Minuten gezeigt hatte, Wirklichkeit werden würde. Er würde nicht zulassen, dass die magische Welt unterging, vernichtet von den Muggeln.
Und mit einem Mal, erschien Queenie alles so klar. Seine Worte hallten in ihrem Kopf wieder, die er in der Wohnung an sie gerichtet hatte. Sie vermischten sich mit den hier gefallenen Worten und all ihren Ängsten, Träumen, Hoffnungen und Sehnsüchten.
Ein einziges Echo hallte in Queenie wieder, während sie das Gefühl hatte, zum ersten Mal in ihrem Leben, wirklich zu verstehen.

„Er ist die Antwort“, hauchte sie leise, tonlos und drehte sich zu Jacob um, der sie fassungslos ansah. „ER ist die Antwort Jacob!“, rief sie und sah, wie Jacob sie plötzlich verändert ansah. Entsetzten schlug in diesen Sekunden wie eine Flutwelle über ihm zusammen, riss ihn mit sich in die Tiefe und ertränkte ihn. Jacob spürte, wie etwas in ihm zerbrach. Wie konnte Queenie so nur denken? Klar, dass was er ihnen gezeigt hatte, war schrecklich, aber das, was er vorhatte, was er von Newt erfahren hatte … es war ebenso schlimm, wie ein Krieg. Jacob glaubte nicht daran, dass Grindelwald sie in eine bessere Welt führen würde. Viel eher sah er all die Leichen und Toten, die seinen Weg pflasterten würden. Jacob schluckte schwer, während er das Gefühl hatte, Eisklauen würden sich um sein Herz schließen und es langsam zerstören. Er blickte Queenie in die Augen, die mit einem Mal so seltsam leuchteten und erkannte sie nicht mehr wieder. Was war nur mit ihr geschehen, dass sie so dachte? Dass sie in Grindelwald den Erlöser sah? Sah sie denn nicht, erkannte sie denn nicht, dass all seine Ziele und Pläne, nur einem zugutekommen würden? Das am Ende nur einer Gewinnen würde? Nämlich er selbst? Alle anderen würden verlieren, denn Jacob glaubte nicht daran, dass Grindelwald mit Personen, die plötzlich Kritik an ihm übten, oder seine Pläne in Frage stellten, anders verfahren würde, als mit den Muggeln, die er als Gegner, als Feinde ansah. Als jene, die sie in Ketten legten. Es mochte vielleicht irgendwo stimmen, Jacob konnte es nicht sagen, dafür hatte er bis jetzt zu wenig Einblicke in die Welt der Magie gehabt, aber was er sicher wusste war, dass die Pläne dieses Zauberers, nicht die Lösung ihrer Probleme sein konnten. Viel eher würden sie einen wahnsinnigen Konflikt heraufbeschwören, einen Krieg von ungeahntem Ausmaß entfesseln und am Ende, würden sie nicht gewinnen, sondern verlieren und einzig und alleine Grindelwald und vielleicht eine Hand voll Vernatiker, würden die Sieger sein.

Das Queenie so dachte, dass sie sich in seiner Ideologie verlor, erschütterte ihn bis in die Grundfesten seiner Seele und seines Selbst. Was war nur geschehen, dass Queenie so dachte? Klar, sie war verletzt durch das, was in der letzten Zeit geschehen war. Durch die Regeln der Magischen Gesellschaft, die es ihnen verbot, zusammen zu sein. Ihre Gabe, die Gedanken anderer jederzeit lesen zu müssen, machte es nicht gerade einfacher für sie. Sie bekam viele Dinge mit, die man sich zwar im ersten Moment so dachte, die aber im Endeffekt, gar nicht so gemeint waren und oft nur aus einem ersten Impuls, oder einer Schockreaktion heraus, so wirkten, wie sie sie wahrnahm. Ungefiltert.

Sie sehnte sich danach, so akzeptiert zu werden, wie sie war und nicht aufgrund ihrer Gabe ausgegrenzt zu werden. Sie wollte mit ihm, Jacob, zusammen zu sein, was aber aufgrund der Regeln der Amerikanischen Zaubereigesellschaft, nicht möglich war. Die Konsequenzen, sollte sie es dennoch wagen, wären einfach zu bitter und Jacob wollte Queenie nicht in ein Desaster stürzen.
Doch die Magische Gesellschaft würde diese Dinge niemals akzeptieren, dass hatte Jacob in der Zeit, in der er von der Magischen Welt wusste, gelernt.

Doch Grindelwald, mit seinen Ideen, mit seiner Ideologie, konnte nicht die Antwort darauf sein. Niemals! Jacob bemerkte bereits jetzt die Wiedersprüche in seinen Reden, welche die anderen aber offenbar nicht mitbekamen. Sein Blick fixierte wieder Queenie die vor ihm stand und so felsenfest von dem Überzeugt war, was der Schwarzmagier von sich gab, dass es Jacob bis in seine Grundfesten erschütterte.


Langsam ließ er Queenies Hand los, die er bis eben gehalten hatte und trat einen Schritt zurück. Er verstand einfach nicht, wie Queenie den Worten diese Zauberers, glauben konnte. Sein Herz schmerze und jeder Atemzug tat plötzlich wieder weh. Angst begann ihn erneut zu überfallen und mit leiser Stimme, die von entsetzten nur so getränkt war, stieß er aus: „D-Du bist verrückt. Du bist verrückt!“
Queenie starrte ihn an, eben noch so sicher, dass Jacob sie verstehen würde, dass er ihr folgen würde, auf ihrem Weg, den sie für sie beide beschritt. Doch seine Worte, waren wie eine Explosion, die alles zerstörte. Waren wie eine Klinge, welche die Fäden der Liebe, welche sie miteinander verbanden, eiskalt durchtrennte. Ihr Herz, eben noch warm, voller Flamme und liebe für Jacob, gefror augenblicklich zu Eis. Etwas in ihr Zerbrach. Etwas, das nie wieder ganz sein würde. „So denkst du also über mich? Dass ich verrückt bin? Nur weil ich bereit bin, jenem zu folgen, der bereit ist mit aller Macht für etwas zu kämpfen, das auch meine Ideale sind? Er ist die Zukunft, die Hoffnung für unsere gemeinsame Welt!“
Queenie schrie Jacob an, war am Rande eines Zusammenbruches, während sie spürte, wie der Abgrund zwischen Jacob und ihr selbst, immer größer wurde. Dieser blickte sie kurz an und trat dann einen weiteren Schritt zurück. „Ich verstehe nicht viel von deiner Welt, aber eines weiß ich: Er ist nicht die Lösung, er wird ihr Untergang sein.“
Mit dem Finger deutete er auf Grindelwald, doch Queenie folgte der Bewegung nicht einmal. Sie blickte nur Jacob ins Gesicht und fühlte sich verraten. Verraten und Verletzt. Plötzlich fragte sie sich, wofür sie bis jetzt eigentlich gekämpft hatte. Wofür war sie bereit gewesen, alles auf sich zu nehmen, wenn Jacob nicht bereit war, diesen Weg, der ihnen eine gemeinsame Welt eröffnen sollte, mit ihr zusammen zu gehen. Der Stachel des Verrates und des Schmerzes saß unendlich tief und Queenie zitterte am ganzen Körper, während ihre ganze Welt über ihr zusammenstürzte.


„Du willst gar keine gemeinsame Zukunft mit mir“, hauchte Queenie plötzlich leise und sah ihn dann mit so einer kälte in den Augen an, das Jacob die Luft wegblieb. In Queenie geschah in diesen Augenblicken so unendlich viel, von dem sie nichts bemerkte. Nur Jacob bemerkte, dass seine Worte für seine Liebste offenbar falsch waren, denn Queenie trat einen weiteren Schritt von ihm weg, entfernte sich von ihm, während Jacob sich nicht mehr bewegen konnte.

ER ist die Antwort. Er ist bereit für dasselbe zu kämpfen, für das auch ich einstehe. Träume, Wünsche, Hoffnungen, Sehnsüchte, – meine sind die seinen. Seine die meinen. Nur er, kann diese Welt erschaffen, von der ich träume. Er ist die Antwort.“

Queenie wandte sich von Jacob ab und trat die nächsten Stufen hinab. Jacob spürte Panik in sich aufsteigen. Hatte das Gefühl, hier und jetzt zusammenzubrechen. Das war nicht die Reaktion gewesen, die er sich erhofft hatte. Irgendetwas lief hier gewaltig schief. Das war ein einziger Albtraum.
„Queenie, das kannst du nicht machen, Schatz. Ich liebe dich!“, flehte er sie an, doch Queenie drehte sich ein letztes Mal zu ihm um. Tränen glänzten in ihren Augen.
„Nein, du liebst mich nicht. Das sagen mir deine Gedanken. Du hältst mich für verrückt. Aber auch wenn du mich lieben würdest, so gäbe es für uns keine Hoffnung, da unsere Welten zu verschieden sind. Aber er, er kann mir Hoffnung geben, wo im Moment keine ist. ER ist die Antwort.“
„Queenie!“
Jacobs Schrei erreichte Queenie nicht mehr, die noch nie in ihrem ganzen Leben so sehr von etwas überzeugt war, wie in diesen Sekunden.

Alles an Grindelwald rief sie zu ihm. Seine Worte, seine Ansichten, seine Hoffnungen, seine Visionen. Es war wie ein einziger Sog, der sie magisch anzog und an ihn band.
Nur am Rande hatte sie mitbekommen, wie Grindelwald nach dem Angriff der Auroren auf das Mädchen, die Menge dazu aufgefordert hatte, zu verschwinden und seine Nachricht in der Welt zu verbreiten, dass nicht er der war, der Gewalttätig war, sondern dass die anderes es waren. Dass er nur ihre aller Rettung und Freiheit wollte.


Den begonnenen Kampf Grindelwalds gegen die anwesenden Auroren hatte sie nicht mitbekommen. Sie lief die Treppen hinab und blickte erst auf, als sie den blau auflodernden Flammenschein, vor sich sah, dahinter Grindelwald, der sich in diesem Moment ihr zuwandte und seine Hand nach ihr ausstreckte. Und Queenie ergriff die ihr dargebotene Hand, ließ sich von ihm durch das Meer an Flammen ziehen und öffnete die Augen erst wieder, als sie direkt vor Grindelwald stand. Hinter ihr den kalten Schein der Flammen.
Ihr ganzer Körper zitterte, nachdem Grindelwald sie durch die Flammen gezogen hatte. Sie hatte einen Teil seiner Macht spüren können, der in dem Magischen Feuer steckte, welches seinen Anhängern Schutz bot, seine Feinde jedoch eiskalt vernichtete.

Queenie hatte keine Ahnung, dass dieses Feuer tiefdunkle Magie war und sehr viele Hexen und Zauberer bei dem Versuch umgekommen waren, es zu kontrollieren. Die Kälte, welche sie bis eben noch verspürt hatte, verschwand schlagartig, nachdem sie durch den Flammenkreis geschritten war und nun spürte sie die Hitze, die sich wie ein Schutzmantel um sie legte. Sie hob den Blick und begegnete Grindelwalds, der noch einen Schritt auf sie zutrat und ihr beide Hände auf die Schultern legte. Leise flüsterte er: „Es wird alles gut werden, mein Kind. Gemeinsam, werden wir eine Welt erschaffen, in der wir alle leben können. Niemand wird sich verstecken müssen, jede Gabe wird anerkannt werden und es wird keine Grenzen mehr geben, die uns daran hindern die zu lieben, die wir lieben. Du hast die Richtige Entscheidung getroffen. Trauere nicht um jene, die nun zurückbleiben, denn auch ihnen werden wir die Augen öffnen und eine bessere Welt zeigen. Auch wenn das noch dauern wird.“

Queenies Herz machte erneut einen Schlag und wieder hatte sie die Gewissheit, dass Richtige getan zu haben. Sich richtig entschieden zu haben. Sie wollte doch nur Liebe, Frei sein und akzeptiert werden. War das denn so schlimm und verwerflich? Warum verstanden das die anderen nicht?
Aber mit Grindelwald, da war sie sich sicher, würde sie den anderen die Augen öffnen können, die Welt ändern können, sich nicht länger verstecken müssen und vor allem, lieben können, wen immer sie wollten. Ja, dessen war sie sich sicher.
Grindelwald lächelte leicht, bevor er sich abermals zu ihr beugte, ihr leise etwas ins Ohr flüsterte und ihr dann einen kleinen Gegenstand in die Hand drückte. Queenie blickte sich nicht einmal mehr um, als sie den Gegenstand in ihrer Hand als Portschlüssel erkannte. Wortlos disapparierte sie, den Schrei ihrer Schwester und Jacobs, nahm sie nicht mehr war. War gefangen von den zweifarbigen Augen vor sich, der Macht und dem Versprechen, das alles besser werden würde, sobald er an der Macht war.



Dass das Feuer, durch welches sie geschritten war, vielen Auroren, die sich hinter ihr in den Kampf stürzten, den Tod brachte, ahnte sie nicht.


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Eine kurze Geschichte, wie ich mir Queenies Gedanken vorstelle am Ende von Grindelwalds Verbrechen, bevor sie durch die Flammen schritt und verschwand. Sich Grindelwald anschloss.

Was sagt ihr hierzu?
Glaubt ihr, dass Queenies Wünsche wahr werden?
Oder glaubt ihr, dass sie eines Tages aufwachen wird und feststellen wird, dass sie nicht im Paradies, sondern in der Hölle gelandet ist?
Was glaubt ihr, wie es weiter geht?


Über eine Rückmeldung würde ich mich sehr freuen!
 
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