Ein Blick hinter die Gefängnismauern

von JaliceTo
GeschichteFreundschaft, Schmerz/Trost / P16 Slash
Der Professor / Sergio Marquina Paula Vicuña Raquel Murillo
29.09.2020
17.10.2020
2
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17.10.2020 1.690
 
Kapitel 1.

"Mamá? Warum ist meine neue Freundin mit ihrer Mama in einem Gefängnis?"
Paula lag in ihrem Bett und stellte diese Frage, kurz bevor Raquel die Zimmertür erreicht hatte. Ihre Mama und ihre Großmutter hatten der 7.Jährigen erklärt, dass Lucía mit ihrer Mama in dem Gefängnis Cruz del Sur lebte. Nun stellte sich für das kleine Mädchen natürlich Frage warum das so war. Paula wusste das ihre Mama als Polizistin arbeitet und ihr Papa arbeitet auch für die Polizei. Und einer ihrer Jobs ist es, die bösen und gefährlichen Menschen an einen anderen Ort zu bringen. Meistens war es das Gefängnis. Doch warum sollte ihre neue Freundin dort leben und was hat Lucías Mama wohl getan damit sie in einem Gefängnis landet dass nur für Frauen ist? Durften Kinder überhaupt mit ihren Eltern dort leben? So viele Fragen die Paula kurz vor dem Einschlafen noch wachhielten. Und sie wollte gerne Antworten auf diese Fragen haben.
"Papa hat mir erzählt, dass die bösen und gefährlichen Menschen in den Gefängnissen sind. Aber Lucía ist doch gar nicht böse - sie ist ganz lieb und nett...?", fügte Paula noch verwirrt hinzu.

Raquel seufzte einmal leise und drehte sich dann herum, ging wieder auf das Bett ihrer Tochter zu und setze sich auf die Bettkannte. Sanft strich sie dem Mädchen einmal über die Wange. Die Inspectora hätte kaum gedacht, dass sie jemals so ein Gespräch mit dem Mädchen führen musst. Vor allem da es nicht alltägliches war und auch nicht im allgemeinen Rahmen lag, womit man täglich konfrontiert wurde. Und natürlich hatte ihre Tochter absolut Recht - ein Kind, gerade eines das so schüchtern und lieb wie ihre neue Freundin war, hatte keinen Grund in einem solchen Gefängnis zu leben. Aber was sollte sie dem Mädchen nun am besten antworten? Paula wollte Antworten auf Fragen haben, die Raquel ihr beim besten Willen nicht geben konnte. Sie kannte weder die Hintergrundgeschichte rund um Lucia und ihrer Mutter, noch wusste sie in welchen Verhältnissen die Frauen im Cruz del Sur lebten. Sie hatte von ihrer Einheit der Polizei noch nie in diesem Gefängnis Ermittlungen durchführen müssen. Dafür gab es eine entsprechende Zweigestelle die darauf spezialisiert war.

"Weist du mein Liebling - manchmal treffen Erwachsene falsche Entscheidungen. Diese Entscheidungen haben Konsequenzen. Ich weis nicht warum die Mama deiner neuen Freundin im Gefängnis ist oder warum Lucia bei ihr lebt. Aber wenn sie sich wohl in der Nähe ihrer Mama fühlt und gerne bei ihr ist....sehe ich nichts schlechtes daran. Oder hat Lucia dir erzählt, dass es ihr dort nicht gefällt? Hat sie Angst im Cruz del Sur?", erwiderte Raquel in einer ruhigen Stimme und sie versuchte ihre eigene Unsicherheit so zu überspielen.

Was sollte sie auch antworten? Dass es in einem Gefängnis voller Frauen vermutlich nicht so friedlich und harmonisch zuging wie man es hoffte war etwas...düstert für ihre kleine Prinzessin. Sie wollte Paula keine Illusion nehmen und auch wenn die Mädchen sich erst eine Woche kannten, so schienen sie sich gut zu verstehen. Das hatte Raquel während des Abendessens beobachtet und die Chemie zwischen den beiden war auf einem guten Weg sich zu einer Freundschaft zu entwickeln.

"Weis nicht. Lucia hat mir nur erzählt, dass sie mit ihrer Mama im Cruz del Sur lebt und ganz viele nette Tanten hat. Ich glaube neben ihr sind noch zwei andere Kinder in meiner Grundschule, die so wie Lucia leben.....Mamá? Darf ich Lucia zu meiner Geburtstagsfeier einladen?" - wechselte Paula das Thema und Raquel wusste nicht was ihr lieber war. Mit der 7.Jährige kurz vor dem Schlafen gehen über Gefängnisse oder ihrer anstehende Geburtstagsfeier zu sprechen. Denn das letzte Thema würde immer wieder darauf zurückführen, dass sie Paula erklären konnte, warum ihr Vater nicht zu ihrer Feier kommen darf.

Der ganze lange Gerichtsprozess rund um das Sorgerecht für die 7.Jährige war für alle Beteiligten anstrengend gewesen. Wie oft hatte ihr Ex-Mann Raquel als ´verrückte Lügnerin´ dargestellt. Wo er es doch war, der sie mehr als einmal schwer verletzt hatte. Dank eines guten Anwalts hatte Raquel das Sorgerecht für sich gewonnen. Sie brauchte Paula mit niemandem zu teilen und sie würde ihren Vater nicht ohne vorher festgelegten Termin sehen.  

"Das ist eine schöne Idee Paula. Du kannst Lucia Montag in der Schule ja eine der Einladungen geben ja? Sie freut sich bestimmt", ermunterte Raquel ihrer Tochter, gab ihr noch einen Kuss aufs Haar und verließ anschließend das Zimmer.

Als Raquel die Tür hinter sich geschlossen hatte, ging sie ins Wohnzimmer um ihrer Mutter noch Gute Nacht zu sagen. Dass es Komplikationen geben würde, was  die Party für Paula angeht konnte Raquel noch  nicht ahnen. Ebenso wenig konnte die Inspectora ahnen, dass am morgigen Samstag ein neuer Fall auf ihrem Schreibtisch landen würde - und eine sofortige Bearbeitung, die Frau genau ins Cruz del Sur führen würde. Für den Moment freute sie sich einfach nur darauf ins Bett zu gehen und das Wochenende etwas entspannen zu können. Unwissend über den Anruf den sie in vielen Stunden von ihren Kollegen erhalten würde.


***


Lucía schaute während der Heimfahrt zum Cruz del Sur immer wieder aus dem Fenster. Sie mochte es wie die Landschaft an ihr vorbei zog. Dass Fabio das Radio angemacht hatte und aufgrund des Verkehrs der in Madrid herrschte ab und an fluchte nahm das 6.Jährige Mädchen kaum war. Ihre Gedanken drehten sich immer noch um den tollen Nachmittag, den sie bei ihrer neuen Freundin Paula verbracht hatte. Und wie groß das Haus war und wie nett und freundlich Paula´s Mama und Oma waren. Sie tat sich nie leicht darin Freundschaften zu schließen. Es war für Lucía schwierig auf andere Menschen einfach so zuzugehen, aber es war wirklich toll dass sie sich mit Paula angefreundet hatte. Und vielleicht durfte das Mädchen ja nächste Woche wieder zum Spielen vorbei kommen - dann könnten sie noch länger mit dem Playmobil spielen, dass Paula besaß.

Als Fabio das Auto auf dem Personal Parkplatz geparkt hatte, gab er ihr ein Zeichen auszusteigen, also schnallte das schüchterne Mädchen sich ab, fischte ihren Rucksack von der Rückbank und kletterte aus dem Auto. Der graue und traurig wirkende Gebäudekomplex - besser bekannt als Cruz del Sur war ihr zu Hause geworden. Seit ihre Mama hier her gekommen war und Lucia mitgenommen hatte, kannte das Mädchen kaum etwas anderes. So folgte sie Fabio zum Besuchereingang, musst dort ihren Rucksack einmal scannen lassen und anschließend selber durch die Sicherheitskontrolle, ehe sie ihre Sachen zurückbekam und eigentlich von Fabio - der keine Lust mehr hatte Chauffeur zu spielen - zu dem Zellentrakt gebracht werden, wo sie mit ihrer Mutter lebte.

"Palacios! Ich habe eine neue Freundin. Sie heißt Paula", sprach das Mädchen aufgeregt als sie von Fabio die Gänge entlang geführt wurde und ihnen Antonia Palacios entgegen kam. Palacios gehörte zu den Wärtern die freundlicher zu den Insassen des Gefängnisses und den hier lebenden Kindern waren und in ihrer Aufregung über die neu geschlossene Freundschaft zu Paula vergas Lucia sogar für einen Moment dass sie schüchtern gegenüber den Gefängniswärtern war. Auch wenn Palacios ihr manchmal einen Keks gab.
"Das freut mich zu hören Lucia", erwiderte Antonia mit einem ehrlichen Lächeln.
"Wenn ihr Smalltalk halten wollt, kannst du Lucia auch gerne zu ihrer Zelle bringen. Ich hätte eigentlich seit einer Stunde Feierabend", murmelte Fabio und wollte noch etwas hinzufügen, als Antonio über das Walki Talki gerufen wurde. So musste Fabio die 6.Jährige wohl doch selber zur Zelle bringen.

Nachdem das Duo durch die Tore zu den Zellen gegangen waren, ertönte die üblichen Rufe der Frauen - die hauptsächlich an Fabio gerichtet waren. Doch  der Gefängniswärter ignorierte die Beleidigungen oder Flirtversuche gekonnt. Die Frauen waren alle gleich anstrengend und er freute sich wirklich auf seinen Feierabend.

Lucia winkte ihm noch schnell auf Wiedersehen, ehe sie die Zelle betrat und Fabio anschließend schnell schaute, dass er den Heimweg antrat. Warum war er eigentlich noch einmal dazu bestimmt worden diese Kinder, die nicht mal seine Verantwortung waren von A nach B zu bringe? Er hatte wirklich besseres und sinnvolleres mit seiner Zeit zu tun.

"Lucía - du bist auch wieder da. Rizos und ich wollten schon Wetten abschließen, ob du nach der Schule einfach davon gelaufen bist" - Yolanda saß auf ihrem Bett und strahlte das kleine Mädchen amüsiert an. Natürlich war es aufgefallen, dass sie nicht mit den anderen beiden Kindern, die ebenfalls auf die Grundschule in Madrid gehen durften, an diesem Nachmittag nach Hause gekommen war.
"Aber dann würde dich ganz viel vermissen Yoli und Mamá  auch. Ich war doch bei meiner neuen Freundin Paula.  Miss Hale hat angerufen?", fragte die kleine Blondine nach und stellte ihren Rucksack auf das untere freie Bett.

"Das letzte mal, als ich mit Casper gesprochen habe, meinte sie dass sie einen Telefonanruf annehmen soll...aber es gab wohl eine Prügelei an der Casper unter anderem mit Saray beteiligt war und....ich glaube sie sind in Einzelhaft gelandet", sprach Yolanda und kletterte von dem oberen Hochbett, um sich auf das freie untere Bett zu setzen und Lucia auf ihren Schoss zu ziehen.

"Aber Yoli das ist unfair - Mama war doch erst vor Wochen in Einzelhaft....gibt sie mir dann wieder keinen gute Nacht Kuss?", flüsterte Lucia und kuschelte sich automatisch an Yolanda.
"Es wird nicht lange dauern - für eine Prügelei...hm...vielleicht ein bis drei Tage. Und in der Zwischenzeit wirst du ganz viel Spaß haben. Außerdem sind meine Gute Nacht Küsse auch gut - Casper behauptet das zumindest immer. Oh und laut Gerüchten kommt morgen jemand neues in unsere Zelle. Das behaupten zumindest Sole und Anabel" - ein verspieltes Grinsen lag auf Yolandas Gesicht und sie strich dem kleinen Blondhaarigen Mädchen eine Haarsträhne hinters Ohr. Das Mädchen würde gar nicht merken wie schnell die Zeit vergeht bis ihre Mama aus der Einzelhaft entlassen wird.

"Und jetzt erzähl mir wie der Klassenausflug war und wie es bei deiner neuen Freundin Paula war? Bevor Anabel und Sole aus dem Badezimmer wieder kommen und unser Mädchen-Gespräch belauschen können. Hast du in dem Museum einen gefährlichen Dinosaurier gesehen?"
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