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Ein Blick hinter die Gefängnismauern

von JaliceTo
GeschichteFreundschaft, Schmerz/Trost / P16 / MaleSlash
Der Professor / Sergio Marquina Paula Vicuña Raquel Murillo
29.09.2020
05.03.2021
11
15.213
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29.09.2020 1.622
 
Prolog


Klassenausflüge waren immer etwas spannendes. Man steigt in einen Bus, hat einen kleinen Rucksack voller Snacks eingepackt und verbringt eine tolle Zeit an einem spannenden Ort mit seinen Freunden. Natürlich kommt der Unterricht dabei nicht zu kurz und Raquel Murillo war zuversichtlich, dass ihre 7 Jährige Tochter Paula den heute anstehenden Klassenausflug genießen würde. Die Inspectora hatte das Mädchen am Morgen zur Schule gebracht, ihr einen Kuss aufs Haar gedrückt und beobachtet, wie Paula in den Bus gestiegen war, sich neben einer ihrer Freundinnen gesetzt hat und Raquel gewinkt hat.

Nachdem Raquel nach Hause gefahren war, da sie heute einen freien Tag hat, war sie von ihrer Mutter Mariví  mit einem selbstgebackenen Kuchen überrascht worden. Einfach nur weil ihre Mutter gedacht hatte, dass ein Kuchen sie aufmuntern würde. In letzter Zeit hatte Raquel wegen einiger anstrengender Gerichtsverhandlungen mit ihrem Ex-Mann Alberto Vicuña eher traurige Laune gehabt. Seit die Polizistin das Sorgerecht für Paula hat - ist der Einfluss denn Alberto auf die 7.Jährige hat eher negativ. Er kauft dem Kind viele unnötigen Dinge, um sich so den Weg zu Paula´s Herzen zu erkaufen und erzählt Lügen über Raquel. Es ist eine schwierige Zeit und die Inspectora fürchtete sich davor, dass ihre Beziehung zu Paula durch Albertos Lügen kaputt gehen könnte. Die zusätzlichen Stunden die sie in ihrem Job oft arbeiten musste, machten die gesamte Situation nicht besser. An einigen Tagen fühlte Raquel sich, als würde ihr die Last zu viel werden und sie würde sich am liebsten unter ihrer Bettdecke verkriechen und nie wieder aufstehen wollen. An anderen Tagen kann sie Zeit mit Paula verbringen aber das Mädchen beklagt sich seit Wochen, warum ihr Vater nicht zu ihrer anstehender Geburtstagsparty kommen darf. Es ist kompliziert.

"Danke Mamá - ich weis nicht wie ich den Geburtstag überstehen soll. Ich habe Angst, dass Alberto auf einmal vor der Tür auftaucht und....Chaos anrichtet", sprach Raquel als sie sich ein Stück von dem frisch gebackenen Kuchen nahm und sich auf einem freien Platz im Wohnzimmer neben ihrer Mutter hinsetze.
"Alles wird gut werden Raquel. Paula freut sich auf ihren Geburtstag und ganz besonders würde sie sich freuen, wenn du an diesem Tag für sie da bist", erwiderte Mariví  zuversichtlich.
"Ich habe schon mit Ángel gesprochen, dass er an Paula´s Geburtstag meinen Job übernehmen könnte...aber du weist ja die Arbeit...", bevor Raquel ihren Satz vollenden konnte, legte Mariví  ihr eine Hand auf die Schulter und schenkte ihr dieses typische mütterliche Lächeln - das so viel Weisheit und Zuversicht ausstrahlt.
"...die Arbeit kann auch mal warten. Verbringe den Tag mit Paula und mir. Du wirst eine Menge Spaß haben Raquel. Geburtstage sind immer so spannend und lustig" - und bei den Worten der alten Frau konnte Raquel nicht anders, als mit einem zustimmenden Schmunzeln zu antworten, wo sie doch genau wusste, dass ihre Mutter Recht hatte mit dem was sie gesagt hatte.

***


"Mamá? Ich fahre jetzt zur Schule um Paula abzuholen. Fängst du schon einmal mit dem Kochen des Abendessens an?"

Als Raquel die Autoschlüssel in der Hand hatte und die Haustür geöffnet hatte, rief sie diesen Satz in die Richtung der Küche, damit ihre Mutter Bescheid wusste, wohin sie jetzt gehen würde und damit sie sich keine Sorgen zu machen brauchte. Ihre Mutter rief zurück, dass sie nun mit dem Kochen des Abendessens anfangen würde. Wenige Minuten später war Raquel mit ihrem Auto auf dem Weg zu der Grundschule die Paula besuchte. Der Verkehr zu dieser Tageszeit in Madrid war - schrecklich und Raquel hoffte inständig dass ihre Tochter daran denken würde auf sie zu warten, und nicht einfach so den Heimweg zu Fuß nach Hause antreten würde - wie sie es schon mal getan hatte und Raquel damit einen halben Herzinfarkt verpasst.

Raquel stellte allerdings erleichtert fest, dass sie nicht die einzige Person war, die dank des Verkehrs etwas später angekommen war. Denn vor ihr gingen einige gestresst wirkende Eltern her und die Inspectora konnte Wortfetzen raushören, das sie auch im Stau gestanden haben und die Kinder nun warten musste. Raquel schenkte der Klassenlehrerin von Paula ein kurzes freundliches Lächeln und sah ihre Tochter wenig später in Begleitung eines Mädchens auf sich zukommen.

"Hola Mamá - ich habe Freundschaft mit einer neuen Freundin geschlossen. Das ist  Lucía - sie ist neu in meiner Klasse. Darf sie noch mit zu uns kommen? Wir wollten mit meinem Playmobil Zoo spielen? Bitte Mamá. Wir haben ihre Mamá schon gefragt und es ist okay für sie?" - plapperte Paula direkt drauf los und Raquel zog überrascht eine Augenbraue nach oben und erkundigte sich anschließend bei der Klassenlehrerin ob das so in Ordnung gehen würde - da Raquel ja bekanntlich weder die Kontaktdaten noch die Erlaubnis von Lucía ´s Eltern hatte, dass sie das Kind einfach so mitnehmen durfte.

"Ja das stimmt. Ich hatte mich mit Lucía ´s Mutter kurz nachdem die Mädchen mich gefragt haben in Verbindung gesetzt. Wissen Sie Raquel, Lucía ist erst seit letzter Woche in der Klasse und Paula hat sich direkt mit ihr angefreundet - es ist schön zu sehen, dass beide ein wenig aus ihrem Schneckenhaus herauskommen. Wenn es für sie in Ordnung ist, werde ich ihre Adresse an die Person weiterleiten, die Lucía abholen  wird? Ihre Mutter ist etwas....verhindert?" - erwidert Miss Hale - die Klassenlehrerin von Paula. Raquel hatte damit kein Problem und wenige Minuten später machte sich das Trio auf den Weg zum Parkplatz, wo Raquel´s Auto stand.

Die Inspectora war froh, im Kofferraum einen Kindersitz zu haben, neben dem der für Paula auf dem Beifahrersitz vorhanden war. Denn jetzt wo die beiden Mädchen neben dem Auto standen, bemerkte Raquel erst, dass Lucía sehr klein war. Von daher war es nicht so schlecht, den besagten zweiten Kindersitz aus dem Kofferraum zu holen. Zehn Minuten später waren sie auf den Straßen von Madrid unterwegs und während Paula ihrer neuen Freundin von all dem Spielzeug erzählte mit dem sie später spielen könnten - viel Raquel auf, dass Lucía immer nur still nickte und scheu aus dem Fenster saß. Gut - vielleicht war sie schüchtern?

Nachdem Raquel den Wagen abgeschlossen hatte, ging sie mit den Mädchen über die Straße, schloss die Haustür auf und wurde direkt von dem leckeren Duft eines gekochten Abendessens begrüßt. Ihre Mutter muss etwas tolles gekocht haben und nachdem die Mädchen ihre Schuhe ausgezogen und in den Flur gestellt haben, nahm Paula ihre neue Freundin bei der Hand, begrüßte kurz ihre Oma, stellte Lucía vor und verkündete, dass sie bis das Abendessen fertig sein würde - in Paula´s Zimmer mit ihrem Playmobil Zoo spielen würden. Gefühlt zwei Minuten später hörte Raquel wie sich die Zimmertür ihrer Tochter schloss.

***


Nach dem Abendessens erfuhren Raquel und Mariví , dass Paula´s neue Freundin eineinhalb Jahre jünger war, bis vor kurzem eine private Grundschule besucht hatte, ihre Lieblingsfächer Biologie und Kunst waren und dass sie seit einer Woche in die gleiche Klasse wie Paula geht und sie sich während einer Regenpause in der Bibliothek angefreundet haben, als sie zwei Teile einer Disney Prinzessinnen Buchreihe gelesen hatten.

"...und heute auf dem Ausflug, haben wir gemeinsam das Rätzel gelöst. Wir mussten schauen, in welchem zu Hause ein bestimmter Dinosaurier wohnt...es war etwas mit viel Wüste und wenig Wasser - wir haben zwar nicht gewonnen - aber wir haben eine geheime Tür im Museum entdeckt - das war so cool", beendete Paula ihre Erzählung und die beiden Mädchen fingen leise an zu kichern.
"Eine geheime Tür? Wo hat diese Tür denn hingeführt?", fragte Mariví interessiert nach, während Raquel das leere Geschirr vom Tisch räumte.
"Das war so cool und spannend Abuela - die geheime Tür war bei den Toiletten und führte direkt zu einem Gang, der auf den Spielplatz geführt, der zum Museum gehört - und wir beide waren die ersten die darauf gespielt haben", erklärte Paula stolz und während sie ihre Oma noch erzählte, was es alles für tolle Spielgeräte auf dem Museums Spielplatz gegeben hatte - klingelte es an der Haustür.

Raquel räumte den letzten Teller fort und ging selber zur Haustür um diese zu öffnen. Vor der Tür stand ein Mann, der sich als Fabio Martínez vorstellte und Raquel ein Formular vor die Nase hielt, das besagte, dass er dazu bevollmächtigt war,  Lucía abzuholen.
Allerdings brauchte Raquel nicht erst nach Lucía rufen, denn die beiden Mädchen waren schon neugierig zur Tür gelaufen und als Lucía bemerkte, wer dort war, ging sie automatisch zur Garderobe, um ihre Jacke anzuziehen und ihre Schuhe anzuziehen.
"Es hat Spaß gemacht Lucía - sehen wir uns am Montag in der Schule?", Paula umarmte das jüngere und kleinere Mädchen zum Abschied.
"Es hat sehr viel Spaß gemacht...wollen wir dann nebeneinander sitzen Paula?", erwiderte Lucía vorsichtig und bekam ein zustimmendes fröhliches Nicken von Paula als Antwort.
"Klar - vielleicht darfst du dann wieder mit zu mir kommen - dann können wir weiter mit dem Playmobil Zoo spielen?", freute Paula sich und Lucía nickte vorsichtig, ehe sie zu Fabio schaute, der auf die Richtung der Straße deutete und ein wenig ungeduldig wirkte.
Lucía verabschiedete sich schüchtern von Raquel und Mariví, ehe sie neben Fabio zu seinem Auto lief und wenige Momente später hörte und konnte man das Auto wegfahren sehen.

Raquel schloss die Haustür und wollte sich weiter dem Einräumen des Geschirrs widmen und hätte dabei fast einen Teller fallen lassen, als Paula eine unerwartete weitere Information über ihre neue Freundin teilte.

"Lucía darf keine Freunde zum Spielen mit nach Hause bringen. Sie lebt mit ihrer Mamá im Cruz del Sur - wo ist das Mamá?"

Das letzte womit Raquel und Mariví gerechnet haben wäre die Information, dass Paula´s neue Freundin mit ihrer Mutter im Cruz del Sur lebt. Einem Gefängnis für kriminellen Frauen in Madrid.
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