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Geschichten aus der Magischen Welt

Kurzbeschreibung
SammlungAllgemein / P12 / Het
29.09.2020
17.10.2022
18
25.950
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28.09.2022 1.476
 
„Und Pansy, du weißt, was du zu tun hast?“ Mrs Parkinson blickte streng auf ihre elfjährige Tochter hinunter, die eifrig nickte.
„Ja Mutter. Ich habe mich vorbildlich zu benehmen, auch ohne eure Anwesenheit. Damit ich zeigen kann, auf welcher Ebene sich die Parkinson-Familie nach wie vor befindet.“ Pansy gab die Worte, die sich über den gesamten Sommer in ihr Gedächtnis gebrannt hatten, perfekt wieder. Ihre Mutter nickte zufrieden.
„Gut. Im Haus Slytherin werden Sitte, Manieren und Anstand noch geachtet, im Gegensatz zu anderen Häusern.“ Sie kräuselte die Nase. „Natürlich wirst du ebenfalls dorthin sortiert. Aber du wirst langsam in den Zug steigen müssen. Ich muss dir nicht sagen, mit welchen Personen du dich nicht abzugeben hast, Liebling?“
Pansy nickte rasch, denn wenn ihre Mutter mit Kosenamen anfing, war Zustimmung ohne Widerspruch die beste Lösung. Und sie wusste, dass Schlammblüter keine geeignete Gesellschaft für sie als reinblütige Hexe waren. Sie war etwas Besseres als der Abschaum aus der Muggelwelt, eine Welt, die zurückgeblieben und barbarisch war. Nach wie vor konnte sie nicht verstehen, warum sich die Magische Welt vor den Muggeln versteckte, wo Hexen und Zauberer doch so viel besser waren.
Mit einem letzten Winken stieg Pansy in den Zug ein und atmete erleichtert aus. Jetzt, da ihre Mutter auf dem Bahnsteig verblieben war, spürte sie die Vorfreude in sich aufsteigen. In Hogwarts würde sie sieben großartige Jahre in Slytherin verbringen, das stand fest. Selbst mit der Anwesenheit von minderen Hexen und Zauberern. Aber sie wusste, in ihrem Haus konnte sie sich sorglos bewegen, man wurde diesem nicht grundlos zugeteilt.
Ihren Koffer hinter sich herziehend, suchte sie nach einem freien Abteil. Am besten eins, in dem nur eine Person saß, denn dann konnte sie ungestört nachfragen, welchen Hintergrund diese hatte. Bevor sie sich mit jemandem anfreundete, musste sie den Familiennamen in Erfahrung bringen, das hatten ihr ihre Eltern stets eingeschärft. Den Großteil der reinblütigen Nachkommen kannte sie von verschiedenen Veranstaltungen, aber eben nicht alle.
Schließlich kam sie zu einem Abteil, in dem ein Mädchen mit buschigen Haaren allein saß. Perfekt für Pansy. Ohne anzuklopfen, zog sie die Abteiltür auf und betrat dieses. Die braunen Augen des Mädchens flackerten für eine Sekunde, dann lächelte diese zögerlich. Pansy nickte ihr nicht unfreundlich zu und ließ ihr Gepäck im Abteil stehen – er war zu schwer, um ihn allein auf die Gepäckablage zu heben.
„Soll ich den Koffer auf die Ablage heben?“, fragte das Mädchen vorsichtig und Pansy runzelte skeptisch die Stirn.
„Kannst du das?“
„Ich habe die Theorie zu Hause geübt und meinen Koffer vorhin ebenfalls zum Schweben gebracht.“ Unüberhörbarer Stolz schwang in der Stimme mit und Pansy warf einen Blick auf die volle Ablage über dem Mädchen, das offenbar die Wahrheit gesprochen hatte. Sie dachte nach. Es war nicht verkehrt, mit jemandem befreundet zu sein, der sich bereits mit dem Schulstoff beschäftigt hatte. Das Mädchen konnte ihr mit Sicherheit helfen, sollte sie Probleme haben, etwas zu verstehen. Nur stellte sich eine große Frage.
„Wie heißt du? Und in welches Haus willst du kommen?“
„Hermine Granger. Ist das mit den Häusern denn wichtig?“
Sofort wurde Pansy misstrauisch und sie verengte die Augen. Jemand, der mit der Magischen Welt in Berührung gekommen war, wusste sehr wohl um die Wichtigkeit der Hogwartshäuser. „Du bist ein Sch... eine Muggelgeborene.“
„Ja, aber ...“
Schon hatte Pansy ihren Koffer gepackt und stand draußen im Gang. Mit Schlammblütern gab sie sich nicht ab, selbst wenn diese mehr über Zauber wussten als sie.
„... ist das nicht egal?“ Die leise Frage verhallte im Abteil, in dem nur noch eine Person saß und ihren Zauberstab umklammerte. Hermine Granger blinzelte mehrmals, um die drohenden Tränen zu unterdrücken. Dann schnappte sie sich wieder ihr neues Buch „Geschichte von Hogwarts“ und blätterte wild darin, bis sie zu den Kapiteln über die vier Häuser gelangte. Es gab eine Wissenslücke, die sie auszufüllen hatte, obwohl sie dieses Kapitel bereits kannte. Doch vielleicht hatte sie es nicht aufmerksam genug gelesen.
Pansy lief währenddessen den Gang entlang, auf der Suche nach bekannten Gesichtern. Nach diesem Zwischenfall setzte sie sich nicht noch einmal zu fremden Personen ins Abteil, das stand fest. Das Glück war ihr hold, nach nur zwei Waggons fand sie Millicent Bulstrode und Daphne Greengrass in einem der Abteile. Kurz verzog sie das Gesicht – Daphne und sie mochten sich nicht besonders – aber beide würden zweifelsohne in Slytherin landen und waren damit gute Gesellschaft. Auch wenn Millicents Blutstatus zu wünschen übrig ließ, war sie eine bessere Wahl als irgendwelche Schlammblüter.
„Parkinson.“ Daphne nickte ihr kühl zu und wendete sich wieder ihrem Buch „Verwandlungen für Anfänger“ zu, soweit Pansy erkennen konnte.
„Greengrass. Warum lernst du bereits Verwandlung?“
„Weil mich dieses Fach am meisten interessiert, wobei dich das eigentlich nichts angeht. Aber wenn du dich schon zu uns setzen willst, sei ruhig und stör mich nicht beim Lesen.“ Ein kalter Blick aus blauen Augen begleitete diese Worte und Pansy schluckte unwillkürlich. Daphne konnte furchteinflößend sein, wenn sie es wie jetzt darauf anlegte.
Millicent lachte nervös. „Pansy, setz dich einfach. Wir können irgendetwas spielen, falls du möchtest? Die Süßigkeitenhexe war noch nicht hier.“
Warum war Millicent so viel angenehmer als Daphne? Daphne wäre mit ihrem Blutstatus die perfekte Freundin für Pansy. Aber ehrlicherweise bevorzugte sie dann doch die halbblütige Millicent, sie war nicht so ... kalt. Daphne benahm sich in Pansys Gegenwart stets wie jemand, der an der Spitze der Zaubergesellschaft und weit über allen anderen stand, obwohl Pansy ihr ebenbürtig war.
„Wenn du dich fragst, warum ich dich so behandle, Parkinson: Ich mag dich nicht. Weder dich noch deine aufgeblasenen Eltern, die sich auf ihren Blutstatus etwas einbilden. Diese Zeiten sind vorbei, es zählt nur das Können und das hätte schon immer so sein sollen. Du wirst in Hogwarts schnell genug merken, wie egal dein Familienname ist, wenn es um die Noten geht. Selbst wenn du dir in Slytherin Achtung versprichst, den anderen Häusern wird das gleichgültig sein. Und auch wenn du diese als minderwertig ansiehst, stellen sie drei Viertel der Schülerschaft. Ich an deiner Stelle würde mir überlegen, ob ich mich mit all den Leuten anlege.“
Pansy schnappte empört nach Luft. „Was bildest du dir eigentlich ein, Greengrass? Als ob du mir irgendetwas vorschreiben könntest! Wir stehen zusammen auf einer Stufe, falls du das vergessen hast!“
„Und du hast kein Wort von dem verstanden, was ich gesagt habe.“ Daphne klappte das Buch zu und stand auf. „Danke für das Gespräch, mit dem du all meine Eindrücke bestätigt hast. Ich jedenfalls suche mir angenehmere Gesellschaft. Milli, es steht dir frei, mitzukommen.“
Millicent biss sich auf die Lippen, während ihr Blick zwischen Pansy und Daphne hin und her huschte. Nach ein paar Augenblicken nickte Daphne.
„In Ordnung, dann bleib hier. Ich nehme es dir nicht übel, die anderen Abteile werden voll sein. Aber alles ist erfreulicher als ... das.“ Ein kurzer Blick Richtung Pansy, damit klar wurde, wer gemeint war.
Pansy schäumte vor Wut, als die Abteilungstür sich hinter Daphne schloss. Sie hasste sie. Sie hasste Daphne Greengrass!

***


Pansy betrachtete ihre Zimmernachbarinnen für die nächsten sieben Schuljahre ausdruckslos, während sie auf dem ihr zugewiesenen Bett saß. Millicent und Daphne waren in ihrem Haus gelandet, was keine Überraschung war. Doch die anderen beiden Erstklässlerinnen kannte sie nicht.
„Sophie Roper“, murmelte das dunkelhaarige, zierliche Mädchen rechts von ihr.
„Tracey Davis.“ Die letzte Mitbewohnerin, deren hellbraune Locken ungestüm um ihr Gesicht tanzten, lächelte breit in die Runde.
Pansy ging gedanklich die Nachnamen der bekannten Reinblutfamilien durch. Doch keine der beiden Namen sagte ihr etwas. Bevor sie jedoch den Mund öffnete, schnaubte Daphne bereits gereizt.
„Genau Parkinson, keine der beiden stammt aus einer deiner ach so geschätzten reinblütigen Familien. Mit anderen Worten hast du nur mich und ich kann dir versichern, deine Gesellschaft nicht zu wollen. Sophie, Tracey, erwartet von Parkinson keine nette Behandlung. Ihr ist der Blutstatus wichtiger als alles andere.“ Mit einem ausgiebigen Augenrollen beendete Daphne ihren Vortrag und eine unangenehme Stille entstand.
Pansy presste die Lippen zusammen. Vielleicht war es nicht so schlimm, immerhin waren sie alle in einem Haus und hier hielt man zusammen. Doch wenn sie die plötzlich bleichen Gesichter von Tracey und Sophie betrachtete, war sie sich nicht mehr sicher. Ohne ein Wort zu sagen, hatte sie die beiden verletzt. Aber der Blutstatus war nun einmal wichtig in den entsprechenden Kreisen, das hatten ihr ihre Eltern vorgelebt und immer wieder betont. Und Pansy hielt sich daran. Vielleicht sollte sie ihrer Mutter schreiben und sie um Rat fragen? Immerhin ging es hier um Slytherins, eventuell war die Gesellschaft von halbblütigen Slytherins nicht so dramatisch?
Die fünf Mädchen unterhielten sich nicht weiter danach, jede zog sich in ihr Bett zurück und Pansy war sich sicher, unterdrücktes Schluchzen aus der Richtung von Sophie Roper zu hören. Das schlechte Gewissen, das in ihr aufstieg, drängte sie zurück. Sie war Pansy Parkinson, sie hatte so etwas wie ein schlechtes Gewissen nicht. Dafür stand sie zu weit oben in der Hierarchie der Zaubergemeinschaft.
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