The One

GeschichteRomanze, Thriller / P18
Eddie Gluskin OC (Own Character)
27.09.2020
27.09.2020
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Herzlich Willkommen bei The One!

Nachdem ich mir die Tage noch einmal tolle Let`s-Plays von Outlast angesehen habe, musste ich einfach mal die Finger heben und etwas dazu schreiben.
Selbstverständlich ist Eddie der Auserwählte ;D Ich meine - Mädels! - der Typ ist der Hammer! Ich liebe diese psychotischen Charaktere einfach xDD

Wem es genauso geht, dem wünsche ich viel Spaß beim Lesen dieser kleinen FF!
Logikfehler sind vorhanden und dürfen bitte behalten werden - ich habe diesen Schund einfach nur zum Spaß geschrieben und habe darum nicht jedes kleinste Detail recherchiert ;D

Warnings und Altersbeschränkung sind bitte ernst zu nehmen. Für dieses Projekt habe ich mich zwar noch ein wenig zurückgehalten, es wird aber dennoch kein feucht-fröhlich-blumiger Kinderspaziergang!

Über Reviews und sonstige Süßigkeiten würde ich mich natürlich mega freuen!

Have fun~



...ooOOoo... Ausbruch ...ooOOoo...


Mount Massive Asylum, Frauenstation, 2010...

„Habt ihr das von Meredith gehört?“
„Nein, was?“
„Erzähl schon, Elena!“
„Ja, was weißt du darüber? Sie ist einfach ohne jede Erklärung verschwunden...“
Sypha versuchte, das leise Wispern der anderen Frauen zu ignorieren, doch sie konnte sich gegen die ungewollte Neugier, die in ihr aufstieg, nicht wehren und konzentrierte sich teils widerwillig, teils sehnsüchtig nach Aufklärung so vieler unbeantworteter Fragen auf Elenas Stimme.
„Sie war scheinschwanger, so wie viele andere von uns auch, die sie der Therapie unterzogen haben. Ich habe durch Zufall aus dem anderen Zellenblock erfahren, dass sie eine Geburt durchlebt haben soll – eine tödliche Fehlgeburt. Lucia aus Trakt C versicherte mir, gesehen zu haben, wie man ihre Leiche forttrug.“
Unruhe breitete sich unter den versammelten Frauen aus.
„Oh mein Gott, wie kann das sein?“
„Es war doch nur eine Scheinschwangerschaft!“
„Werden wir etwa auch sterben?!“
Sypha verfolgte, wie Elena sich erhob und die verängstigten Frauen alleine ließ, um sich gleich darauf neben ihr auf einem knarzigen, hölzernen Stuhl niederzulassen. Sie befanden sich im Aufenthaltsraum, alle Frauen ihres Traktes und Sypha saß wie immer stets am selben Ort – auf einem der Stühle in der dunkelsten Ecke. Unsichtbar. Unauffällig. Zumindest hoffte sie, das zu sein. Sie wollte den Wächtern und Ärzten, die die Frauen durch große, gläserne Scheiben beobachteten, keinen Grund geben, sie erneut für eine Sitzung am morphogenetischen Antrieb auszuwählen.
Sie war es leid. Die Schmerzen, die Halluzinationen nach jeder Sitzung. Ungewollte Erinnerungen an Blut und Tod.
Sypha schloss kurz ihre Augen, um nicht erneut in diesem Strudel zu versinken und sah dann zu Elena, die breit zurück lächelte. Die junge Frau – fast noch Mädchen – war der Sonnenschein ihres Zellentrakts. Sie verstand es besser als keine andere, gute Laune zu verbreiten. Gleichzeitig aber hatte sie ein Talent dafür, Dinge auszusprechen, die besser unausgesprochen blieben.
„War das wirklich nötig?“, fragte Sypha skeptisch und Elenas Lächeln verstarb, während sie scheinbar unwissend blinzelte.
„Was meinst du?“
Oh, Elena wusste genau, was Sypha meinte, sie konnte es an dem Ausdruck in Elenas Augen erkennen. Genugtuung. Sypha war sich sicher, dass Elena insgeheim Freude daran empfand, den anderen Frauen Angst zu machen.
Noch ehe sie Elena wegen der gestreuten Gerüchte um Meredith zur Rede stellen konnte, ertönte ein lautes Signal, ihr mittlerweile viel zu vertraut, welches den Insassinnen bedeutete, zurück in ihre Zellen zu gehen.
Während Sypha mit Elena an ihrer Seite zu ihrer Zelle lief, fragte sie sich, ob die Sache mit Meredith stimmte – und welche Auswirkungen das auf die Frauen des Mount Massive Asylums haben würde...

Mount Massive Asylum, Frauenstation, 2011...

„Verlegung? Aber wohin?“
Unruhe war ausgebrochen. Die Insassinnen des Zellentraktes B standen aufgebracht an ihren Zellentüren, die aus nackten, teils rostigen Metallstäben bestanden, und blickten mit ängstlichen Gesichtern zu Jeremy Blaire, dem Leiter der Anstalt.
„Werte Damen, bitte beruhigen Sie sich. Diese Verlegungen in andere Anstalten dienen allein dem Zweck zur Erhaltung Ihrer Gesundheit. All jene von Ihnen, die auf die Therapie mit Scheinschwangerschaft reagiert haben, werden für weitere, explizite Untersuchungen verlegt, um eine bestmögliche Versorgung zu garantieren. Lediglich die zwei Damen unter Ihnen, die keine Negativsymptome durch den morphogenetischen Antrieb zeigen, werden weiterhin in Mount Massive verbleiben, damit wir in dieser Richtung weiterhin Tests durchführen können.“
Sypha hätte am liebsten laut geschrien. Sie war wütend und hätte dieser Emotion am liebsten dadurch Ausdruck verliehen, indem sie Blaire ansprang und ihm das verdammt beschissene, arrogante Gesicht zerkratzte. Aber die kalten Stäbe ihrer Zelle hinderten sie daran und so blieb ihr nichts anderes übrig, als sich zu wünschen, sie hätte vorgegeben, auch scheinschwanger zu sein. Auch, wenn ihr bewusst war, dass es unmöglich gewesen wäre, das vorzutäuschen. Dennoch... Es schien der einzige Weg gewesen zu sein, Murkoff und deren grausamen Experimenten zu entkommen. Warum sich die Verantwortlichen nun dazu entschieden hatten, die Frauen aus Mount Massive verschwinden zu lassen, war Sypha zwar nicht ganz klar, doch sie empfand, dass die anderen Patientinnen dankbar dafür sein konnten. Anders als sie selbst – für sie würde der Horror weitergehen. Und ab sofort würde sie nicht mehr die Möglichkeit haben, sich zwischen einem Haufen anderer Frauen unsichtbar zu machen, um dem morphogenetischen Antrieb zu entgegen. Dessen war sich Sypha mehr als sicher...

Der Tag des Ausbruchs, unbenannter Trakt der Männerstation, 2013...

Als der erste Schrei durch die Stille drang, die an diesem Ort herrschte, zuckte Sypha zusammen. Und mit ihr die drei anderen Frauen, darunter Elena, die man nach der Verlegung der weiblichen Insassen in einen ungenutzten Teil der Männerstation gebracht hatte.
Die Lampen an der Decke flackerten und die junge Frau konnte beobachten, wie die wenigen, anwesenden Wissenschaftler, Ärzte und Wachmänner sich irritiert umsahen. Sypha fing Elenas beunruhigten Blick auf und trat näher an die benachbarte Zelle, die nur durch Gitterstäbe von ihrer getrennt war, da auch Elena die Nähe zu ihr suchte.
„Was war das?“, fragte Elena heiser und Sypha blickte zu den Wachmännern, die gerade ihre kleine Station durch eine schwere Metalltür verließen, die sie vom Rest des Männertraktes abschottete. Vermutlich, um der Ursache für den Schrei auf den Grund zu gehen.
„Jemand hat geschrien“, stellte Sypha überflüssigerweise fest, doch es auszusprechen, verursachte ihr eine merkwürdige Gänsehaut. Auch durch Elenas Körper fuhr ein sichtbarer Schauer, denn sie schüttelte sich kurz.
„Dieser Schrei klang... irgendwie merkwürdig, findest du nicht, Sypha? Er klang so... schmerzerfüllt. Die Schreie, die wir sonst hören, klingen anders. Verzweifelt, wütend, flehend – aber nicht schmerzvoll.“
Kälte kroch durch Syphas Körper und sie nickte. Elena hatte recht; dieser Schrei war voll von Schmerz gewesen. Irgendetwas musste passiert sein und die Ungewissheit ließ Angst in ihr aufsteigen.
„Mach` dir keine Gedanken, Elena. Es ist bestimmt alles gut.“
Elena sah sie unsicher an.
„Ich hoffe es.“
Doch kaum, dass diese Worte die blassen Lippen von Syphas Freundin verlassen hatten, durchbrach ein erneuter Schrei die Stille. Nein, es waren mehrere! Viele!
Sämtliche Augen im Raum richteten sich auf die Tür, durch die das Geräusch der Schreie drang und die zurückgebliebenen Wissenschaftler und Ärzte wurden nun deutlich unruhig. Sie liefen wild auf und ab und spähten durch die gläserne Aussparung der Metalltür, durch die zuvor die Wachmänner gegangen waren.
Ahsley, eine der verbliebenen Frauen, trat an ihre Zellentür und rüttelte panisch daran.
„Hey Sie! Was ist da draußen los? He! Sagen Sie uns, was da los ist!“, rief sie den Männern entgegen, doch die beachteten sie gar nicht. Ein paar von ihnen verließen nun ebenfalls die Station, die Schreie waren laut und nah, als die Tür geöffnet wurde. Unvorbereitet gingen in diesem Moment die schrillen Alarme an und neben Sypha erschrak Elena so heftig in ihrer Zelle, dass diese einen spitzen Schrei ausstieß. Die Lampen über ihren Köpfen flackerten ununterbrochen und als mehrere der Neonröhren mit einem lautem Summen erloschen, stolperte Sypha schutzsuchend nach hinten, in die Dunkelheit, die nun einen Teil ihrer Zelle beherrschte.
Vor der Tür, die ihre Station vom Rest der Anstalt abgrenzte, waren nun deutlich Männerstimmen zu vernehmen – panisch, angsterfüllt – schnelle, polternde Schritte, ein paar Männer liefen vorbei und Sypha schnappte erschrocken nach Luft, als sie erkannte, dass es männliche Insassen gewesen sein mussten. Die bräunliche Patientenkleidung war ihr nur zu gut vertraut.
Im dem großen Raum, der ihre Station darstellte, war es mucksmäuschenstill. Sypha hätte erwartet, dass panische Unruhe ausbrechen würde wie in einem Film, wo auf einmal alle wild durcheinander schrien, doch die anderen Frauen sowie auch die Ärzte starrten nur alle auf die Tür, durch die noch immer Lärm von Tumult und Schreie drangen.
Ein lautes Krachen ließ die Frauen aufschreien, die Metalltür bebte, so als versuchte jemand, sich dagegen zu schmeißen, um sie aufzubrechen und Sypha blickte zu Elena, über deren angstverzerrtes Gesicht Tränen flossen.
„Oh Sypha! Ich glaube, das ist ein Aufstand! Wir werden sicher sterben!“
Sypha wollte wiedersprechen, sie wollte Elena versichern, dass sie keine Angst haben musste und die Wärter die Lage schnell wieder unter Kontrolle haben würden, doch sie konnte sich nicht dazu durchringen, auch nur ein Wort zu sprechen. Pure, kalte Angst hatte sie erfasst, schnürte ihr die Brust zusammen und ließ ihr Herz rasen.
Würden sie wirklich sterben?
„Wir müssen hier verschwinden, los!“
Der Ausruf kam von einem der zurückgebliebenen Wissenschaftler und wie aufs Stichwort stürzten die Männer auf die Tür zu. Ashley und Elena, sowie auch Lucia, die vierte in ihrem kleinen Bunde, schrien wild durcheinander.
„Wartet, ihr könnt uns nicht einfach hierlassen!“
„Bitte gehen Sie nicht!“
„Lassen Sie uns nicht allein! Bitte lassen Sie uns hier raus!“
Sypha erwartete nicht, dass einer der Männer auf die verzweifelten Rufe der anderen reagieren würde, doch tatsächlich blieb einer von ihnen stehen und drehte wieder um. Hoffnungsvoll erkannte sie, dass es sich um Erwin handelte, einen jungen Arzt, der immer sehr nett zu ihnen gewesen war. Er war der einzige in dieser Anstalt gewesen, der den Frauen Respekt entgegengebracht und stets versucht hatte, ihnen ihr Leben so angenehm wie möglich zu machen. Erwin war ein guter Mann!
Sypha stolperte aus der Dunkelheit zu ihrer Zellentür, ergriff die rauen Stäbe und sah zum Ausgang, durch den die anderen Männer stürmten, während Erwin nach seinen Schlüsseln griff und nach dem Passenden suchte. Grelle Schreie ließen die fünf Verbliebenen zusammenzucken und zeitgleich blickten sie zu der Tür, hinter der Schatten erkennbar waren. Poltern war zu vernehmen, so als würde ein Kampf stattfinden, dann ein Schrei und -
Aaaaahhh!“
Ashleys spitzer Schrei fuhr Sypha durch Mark und Bein, als sie auf das rote Blut starrte, das sich gerade in einem großen Schwall über das Fenster in der Tür ergossen hatte. Verdammt! Dank Ashleys Schrei wussten diejenigen, die dort draußen offenbar das Personal töteten, nun ziemlich sicher, dass sie hier drinnen waren. Sypha blickte zu Erwin.
„Beeilen Sie sich!“, zischte sie und sah zu, wie Erwin endlich den richtigen Schlüssel zu Fassen bekam und begann, die Zellen zu öffnen. Ashley war als Erste dran und wollte bereits zur Tür rennen, als Elena sie zurückhielt.
„Nicht, Ashley! Dort draußen bringen sie dich sofort um. Nimm dort oben den Lüftungsschacht! Schieb` dir den Stuhl darunter!“
„Ja, mach ich!“
Syphas Hände zitterten fürchterlich, während sie sich verkrampft an den Stäben ihrer Zellentür festhielt. Ungeduldig sah sie zu, wie auch Lucia und Elena endlich Freiheit erlangten. Lucia sprang sofort auf den Stuhl, den Ashley unter den Lüftungsschacht geschoben hatte und hievte sich in Sicherheit, während Elena neben Erwin stehen blieb und zusah, wie sich dieser mit Syphas Schloss abmühte.
„Verdammt, es klemmt! Ich bekomme es nicht auf!“, zischte dieser plötzlich und Sypha rüttelte verzweifelt an der Tür.
„Versuchen Sie es noch einmal, Erwin, ich bitte Sie!“, bat sie und Elena griff durch die Stäbe nach ihrer Hand. Ihre Finger waren eiskalt.
„Ich warte auf dich, Sypha, hab` keine Angst!“
Sypha schüttelte fest den Kopf.
„Bist du wahnsinnig, Elena? Diese Typen dort draußen könnten jeden Moment durch die Tür kommen! Du musst verschwinden! Wir werden uns am Ende des Schachtes treffen!“
„Aber ich kann dich doch nicht-!“
„Doch, du kannst! Und du wirst! Willst du denn unbedingt sterben?“, fauchte Sypha ungeduldig und glaubte, Gestalten hinter dem blutverschmierten Fenster der Stationstür zu erkennen. Da diese einen Sicherheitsmechanismus hatten, konnten sie von außen nur mit Schlüsseln geöffnet werden. Doch Sypha war sich sicher, dass das die männlichen Insassen, die es offenbar geschafft hatten, auszubrechen und in diesen Bereich vorzudringen, nicht lange aufhalten würde. Besonders, da sie mittlerweile bestimmt wussten, wer sich in dieser Station aufhielt. Die wenigsten von den Männern dürften erst kürzlich die Nähe einer Frau genossen haben. Sypha erzitterte, als sie sich vorstellte, was die Männer mit ihnen anstellen würden, sollte eine von ihnen denen in die Hände fallen.
Erwin mühte sich noch immer mit ihrem Schloss ab.
„Los, Elena, nun geh` schon! Ich bitte dich!!“
Eindringlich sah Sypha ihre Freundin an. Elena war in der Anstalt zu einer wichtigen Person für sie geworden. Sie hatte Sypha akzeptiert, ohne Fragen zu stellen, ebenso wie es Sypha mit Elena getan hatte. Elena war erst neunzehn Jahre alt, nur vier Jahre jünger als Sypha und so hatten sich beide gut miteinander identifizieren können. Elena war eine Freundin, eine Vertraute... Sie musste leben!
Elena öffnete den Mund, vermutlich, um Sypha zu widersprechen, doch das Poltern der Tür hielt sie davon ab, auszusprechen, was ihr durch den Sinn gegangen war. Laute Männerstimmen drangen durch die Metalltür und ein erneutes Krachen ertönte, ging zeitgleich mit einem Erbeben der Tür einher. Sypha schlug gegen die Stäbe ihrer Zelle.
„Jetzt verschwinde schon endlich, du törichtes Mädchen!“, schrie sie und endlich folgte Elena ihrer Anweisung, kletterte auf den Stuhl und in den Lüftungsschacht.
„Sie sollten auch verschwinden, Erwin. Diese Männer werden nicht durch die Zellentür kommen, ich bin hier drin sicher“, versuchte Sypha auch den guten Erwin dazu zu bewegen, sich in Sicherheit zu bringen, doch der schüttelte entschlossen den Kopf und nestelte weiter an ihrem sturen Schloss herum.
„Nein, Sypha, das da draußen ist ein Code Black. Sie haben es vorhin durchgegeben. Dieser Ausbruch findet nicht nur hier statt, in der ganzen Anstalt herrscht Chaos! Die Insassen drehen alle durch und töten das Personal. Hier wird es bald wie im Krieg zugehen. Murkoff wird nicht zulassen, dass Hilfe von draußen gerufen wird. Wenn Sie in dieser Zelle bleiben, werden Sie verhungern!“
Sypha versuchte zu verstehen, was Erwin sagte, doch ihr Kopf konnte die Informationen kaum verarbeiten. Ausbrüche überall in der Anstalt? Warum bekamen die Sicherheitskräfte von Murkoff das nicht in den Griff?
„Erwin, wenn Sie noch länger warten, werden Sie sterben und ich verhungere trotzdem! Die Typen stehen vor der Tür und brechen jeden Moment durch! Geben Sie mir die Schlüssel und gehen-!“
Ein lautes Krachen, gefolgt von einem ohrenbetäubenden Scheppern ließ Syphas weitere Worte verstummen und wie in Trance stolperte Sypha zurück, sah zu, wie drei Männer – Insassen – in die Station stürzten, direkt auf Erwin zu.
„Da ist einer von denen!“
„Tötet ihn!“
Erwin presste sich gegen Syphas Zellentür.
„Nein, bitte, bitte...!“
Er schrie protestierend, als die Männer ihn packten und schließlich schrie er vor Schmerz, als sie ihm die Arme und Beine brachen, auf ihn einschlugen und schließlich seinen Kopf solange gegen die Stäbe ihrer Zelle schlugen, bis nur noch weiche Masse durch die Luft spritzte.
Sypha würgte und stolperte, fiel und prallte schmerzhaft mit ihrem Hintern auf den steinigen Boden. Ihr Kopf knallte gegen die Wand hinter ihr und Schwärze nahm ihr die Sicht, löste sich jedoch Sekunden später auf und ließ sie die drei Männer erkennen, die vor ihrer Zelle standen und nun mit breit grinsenden Gesichtern auf sie herabblickten.
„Was haben wir denn da?“
„Ein kleines, süßes Vögelchen!“
„Hast du dich verflattert, schönes Täubchen?“
Die Männer lachten und Sypha musterte ihre Körper, die Haut, die sie erkennen konnte, war von Narben überzogen. Die Männer mussten ebenfalls Opfer des morphogenetischen Antriebs sein, jene, die mit Selbstverstümmelung auf die Therapie reagiert hatten. Ihre Schädel waren kahl rasiert, die Augen wirkten wahnsinnig.
Sypha betete, dass sie nicht schlau genug waren, um nach den Schlüsseln zu suchen, die Erwin kurz zuvor noch in der Hand gehalten hatte.
Einer der Männer griff nach den Stäben ihrer Tür und rüttelte so fest daran, dass das ganze Gerüst wackelte. Panik durchzuckte Syphas Körper. Schafften diese Typen es womöglich auch ohne Schlüssel in ihre Zelle?
„Shit, die Tür geht nicht auf“, fluchte derjenige, der an ebenjener gerüttelt hatte und die zwei anderen versuchten ebenfalls ihr Glück – ohne Erfolg. Hoffnung bahnte sich durch Syphas Körper. Sie schien hier drinnen sicher zu sein.
„Scheiße! Scheiße! Fuck!“
„Egal, wir suchen uns was zum Aufbrechen und kommen später zurück! Bleib nur brav hier, kleines Vögelchen und warte auf uns, hörst du!“
Unter unheilvollem Gelächter verschwanden die Männer durch die Tür und Sypha blieb zitternd und zusammengekauert zurück. Tränen brannten in ihren Augen und nachdem sie sich vergewissert hatte, allein zu sein, schluchzte sie und begann zu weinen. Die Angst hatte sie völlig gelähmt und jegliche emotionale Reaktion unmöglich gemacht, doch nun kehrte das Bewusstsein darüber zurück, dass sie gerade knapp dem Tod entkommen war. Bei Gott, wenn Erwin die Zelle bereits geöffnet hätte...!
Sypha blickte zu dem leblosen, malträtierten Körper, dessen Kopf nicht mehr erkennbar war. Armer, armer, guter Erwin! Er hatte den Tod nicht verdient gehabt.
Zeit verging und Sypha brauchte eine Ewigkeit, bis sich ihr Körper und ihr Inneres einigermaßen beruhigt hatten. Die Tränen versiegten und der Wille zum Überleben kehrte zurück. Die Männer hatten behauptet, zurückkehren zu wollen, mit Hilfsmitteln, die es ihnen ermöglichen würden, sie der Sicherheit ihrer verschlossenen Zelle zu berauben. Sie durfte nicht länger warten!
Entschlossen rappelte Sypha sich auf, kroch zur Zellentür hinüber und konzentrierte sich auf den weißen Mantel Erwins, um nicht auf dessen fleischigen, roten, zerbarsten Kopf zu blicken.
Glücklicherweise passte ihr Arm durch die Stäbe und sie tastete den Boden ab, auf der Suche nach den Schlüsseln, die Erwin zweifellos hatte fallen lassen. Es dauerte eine kurze Weile, dann stießen ihre dünnen Finger auf etwas Metallisches. Erleichterung durchströmte Syphas Körper und sie zog den gefundenen Schlüsselbund zu sich heran, zu sich in die Zelle und erhob sich schwankend. Sofort begann sie, die einzelnen Schlüssel ins Schloss zu stecken, denn natürlich hatte sie sich nicht gemerkt, welcher der Richtige war. Als sie endlich den Passenden erwischt hatte, betete sie, dass sich das Schloss endlich öffnen ließ. Vermutlich hatte Erwin den Mechanismus bereits ausreichend gelockert, denn es brauchte nur wenige Versuche, bis das Schloss aufsprang. Als das Klicken durch den Raum hallte, verharrte Sypha für einen Moment still und horchte auf Geräusche. In der Ferne konnte sie immer wieder vereinzelte Schreie wahrnehmen, die Alarmsirenen heulten noch immer, doch die Lage schien sich einigermaßen beruhigt zu haben. Durch die geöffnete Tür konnte sie die Leichen der Ärzte und Wissenschaftler erkennen, die zuletzt versucht hatten zu fliehen.
Nur Erwin war geblieben und hatte ihnen geholfen. Shit!
Sypha legte das Schloss auf den Boden und öffnete die Zellentür. Sie quitschte leicht und alarmiert blickte die junge Frau zur Tür, doch niemand tauchte auf und so lief sie schnellen Schrittes auf den Stuhl zu, der noch immer unter dem Lüftungsschacht stand. Es war gar nicht so einfach, sich in den Schacht zu hieven und Sypha brauchte zwei Anläufe, ehe sie es schaffte. Die ganze Zeit Angst davor, dass jemand in den Raum stürmen, sie an den Beinen packen und wieder aus dem Schacht ziehen würde.
Als sie endlich in der Dunkelheit des Lüftungsschachtes hockte, fiel ein Teil der Anspannung, die sie die ganze Zeit über befallen hatte, von ihrem Körper ab und kurz blieb Sypha einfach nur in der Dunkelheit sitzen, ehe sie sich daran erinnerte, dass sie sich mit Elena hatte treffen wollen. Die junge Frau rappelte sich wieder auf und begann durch die Finsternis zu kriechen.
Sie betete, dass die anderen Frauen, besonders aber Elena, überlebt hatten...
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