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Du bist mein Mondlicht

GeschichteAllgemein / P16 Slash
Faun OC (Own Character) Saltatio Mortis
27.09.2020
27.09.2020
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2.850
 
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Hallo liebe Leute!
Also. Die Idee zu dieser Fanfiction ist ziemlich spontan entstanden, als ich vor Kurzem endlich wieder auf einem Faun-Konzert war und dort zum ersten Mal Adaya live spielen gesehen habe. Wir wollen hier nicht lange um den heißen Brei rumreden - Sie ist einfach nur wunderschön, spielt unglaublich gut Laute, hat eine traumhafte Singstimme und womöglich bin ich jetzt ein kleines bisschen verliebt in sie. Ha, und da meine kreative Ader in solchen Situationen besonders viel hergibt, habe ich einfach ein paar Gedanken weitergesponnen, die sich dann zu einer Geschichte entwickelt haben.

Wichtig: Wir gehen in dieser Fanfiction von einer Parallelwelt ohne Corona aus, in der es ein MPS 2020 gegeben hat, auf dem Adaya und Lovis (die Hauptperson in Ich-Perspektive) sich zum ersten Mal begegnen.

Disclaimer: Ich schreibe diese Fanfiction nur zur Unterhaltung und beabsichtige nicht, irgendwen damit zu verärgern. Die real existierenden Band-Mitglieder, Adaya eingeschlossen, gehören nur sich selbst. Die übrigen Personen sind meine Originalcharaktere.

So. Nun bleibt mir nur noch, euch viel Spaß zu wünschen :-) Und ihr müsst nicht schüchtern sein, wenn euch die FF gefällt!



Alles fing in der engen Gasse hinter den äußerst unromantischen Kühlwägen der Tavernen an, durch die ich am Abend jenes schönen Augusttages irrte. Es war schon dunkel, vermutlich kurz nach neun, und ich wusste, dass ich zu spät zum Abendkonzert von Saltatio Mortis kommen würde, wenn meine beste Freundin nicht bald wieder auftauchte.

Ich hatte sie irgendwo im Gedränge vor der Drachenschenke verloren, dort, wo sich auch ein breiter Zwei-Meter-Mann problemlos verstecken konnte. Es war einfach zu viel los gewesen, und als ich sie einen Moment lang aus den Augen gelassen hatte, um dem armen, überforderten Schankwart das Geld für die Zitronenlimonade zu überreichen, war sie aus meinem Blickfeld verschwunden.

Nachdem ich volle zehn Minuten erfolglos um alle möglichen Stehtische und Bierbänke herumgeschlichen war, um sie wiederzufinden, entschied ich mich, auch die hintere Seite der mobilen Tavernen abzusuchen. Man wusste ja nie - Vielleicht hatte sie jemand abgegriffen, der sie zu etwas nötigen wollte. Zwielichtige Typen gab es sogar hier, am schönsten Ort der Welt. Doch auch in dieser engen, verworrenen Gasse konnte ich meine beste Freundin nicht entdecken.

Ich konzentrierte mich gerade darauf, im Dunkeln hinter den Kühlwägen nicht über irgendwelche Kabel oder Schläuche zu stolpern, als ich mit meiner gesamten rechten Körperseite plötzlich gegen etwas Warmes, Unebenes stieß.

„Oh, Entschuldigung!“, sagte eine sanfte Frauenstimme, die mich sofort in Verlegenheit brachte. Man hörte ihr an, dass sie sich die Schuld für unseren Zusammenstoß gab, obwohl ich wie der letzte Idiot nachts mit zwei Flaschen Zitronenlimonade in der Hand hinter irgendwelchen Kühlwägen herumirrte, ohne auf Gegenverkehr zu achten.

Froh darüber, dass die Dunkelheit meine schamroten Wangen verbarg, hob ich den Blick.
Die Frau, die nur wenige Zentimeter vor meinem Gesicht stand, war ungefähr Mitte dreißig und ein kleines Stückchen größer als ich. Ihre Haut leuchtete in der Dunkelheit porzellanfarben, ähnlich wie der Mond am klaren Nachthimmel. Ich konnte ihre Züge nicht sonderlich gut erkennen, doch selbst in diesem Schummerlicht sah ich, wie hübsch sie war. Dunkle, mandelförmige Augen blickten mich halb überrascht, halb entschuldigend an, schön geschwungene Lippen lächelten mir freundlich zu. Benommen stellte ich fest, dass ich wohl noch nie so schöne Lippen gesehen hatte.

Als sie den Kopf leicht zur Seite neigte, blitzte etwas an ihrem linken Nasenflügel auf. Ich brauchte einen Moment, um zu verstehen, dass es sich um einen ringförmigen, silbernen Nasenpiercing handelte. Dieses Detail bildete einen gewissen Gegensatz zum Rest ihrer eher zurückhaltenden, weniger rebellischen Erscheinung. Sie trug ein langes, dunkles Kleid, welches ihre schlanke Figur besonders gut betonte. Ihre Schultern wurden von schwarzem Pelz umfangen, darunter schimmerte eine silberne Kette.

Ihr schwarzes Haar war hinten kurz, wurde vorne jedoch länger, wodurch es ihrem Gesicht eine vorteilhafte Form verlieh. Über ihren halbmondförmigen Augenbrauen hing ein akkurat geschnittener Pony, der sie jünger wirken ließ. Fast mädchenhaft. Doch alles andere an ihr war weiblich und erwachsen, wie auch ein kurzer Blick in ihr Dekolletée verriet.

Gott, war sie schön.

„Alles okay?“

Erst jetzt merkte ich, dass ich sie anstarrte. Wow. Peinlich. Mein Herz begann nervös zu flattern, erneut spürte ich, wie ich rot wurde. Reiß dich zusammen! Willst du, dass sie dich für komplett unzurechnungsfähig hält?

Ich zwang mich, ruhig zu bleiben. Das war schließlich nicht das erste Gespräch, welches ich mit einer attraktiven Frau führte. Jetzt galt es, keine Blamage zu veranstalten.

„Ja“, erwiderte ich, während ich mir betont lässig durchs kurze Haar fuhr. Zu meiner großen Erleichterung klang ich vollkommen gefasst. „Klar. Mir geht's gut.“

Das schien sie zu beruhigen. Ihr Gesicht hellte sich auf, sie lächelte mich an. „Irgendwie riechst du nach Zimt.“

Was? Hatte sie Zimt gesagt? Wie kam sie jetzt da drauf?

„Ähm.“ Ich wusste wirklich nicht, wie ich reagieren sollte. Anscheinend brauchte ich einen Ticken zu lange, um die passende Antwort zu finden, denn plötzlich weiteten sich die Augen meiner Gesprächspartnerin, als würde ihr etwas dämmern.

„Oh, ich bin nicht betrunken oder so. Ich hatte vorhin nur eine Apfelschorle. Aber dich umweht so ein Hauch von Zimt. Das find ich schön.“

Zimt. Endlich machte es Klick bei mir. Unwillkürlich musste ich lachen. „Ach so, ja, kann sein. Meine Freundin arbeitet am Crêpes-Stand. Ich hab heute ein paar Stunden bei ihr ausgeholfen. Zimt und Zucker, ist wohl hängengeblieben.“

Sie grinste kurz. In meiner Magengegend ziepte es angenehm.

Einen Moment lang standen wir da, unsicher, was wir als nächstes sagen sollten, oder ob wir überhaupt noch etwas sagen sollten, doch keiner von uns beiden schaffte es, sich einfach so loszureißen.

Auf einmal verspürte ich das dringende Bedürfnis, ihr zu sagen, wo Franka und ich unser Zeltlager aufgeschlagen hatten, damit sie mich später wiederfinden konnte. Ich musste unbedingt etwas unternehmen, damit ich sie nicht innerhalb der nächsten paar Sekunden für immer verlor.
Notgedrungen fasste ich mir ein Herz.

„Hey, ich war gerade auf dem Weg zum Abendkonzert von Saltatio Mortis. Also eigentlich habe ich meine Freundin gesucht, aber ich denke, sie ist wohl inzwischen zur Bühne gelaufen. Hoffentlich. Jedenfalls ...“ Das Herz schlug mir bis zum Hals. „Willst du vielleicht mitkommen? Also, wenn du Lust hast?“

Etwas in ihrem Ausdruck veränderte sich. Sie öffnete den Mund, als suchte sie nach den richtigen Worten, doch schließlich sah sie zu Boden und seufzte nur leise.

Ich hatte es vergeigt. Na super.

Aus irgendeinem Grund wurde mir in diesem Augenblick schlagartig bewusst, wie groß unser Altersunterschied wahrscheinlich war und wie idiotisch meine Frage klingen musste. Leute in ihrem Alter hingen nicht mit Neunzehnjährigen ab, die gerade ihr Studium begonnen hatten und rein gar nichts über die wichtigen Dinge im Leben wussten. Bestimmt hatte sie eine Menge reiferer Freunde, deren Gesellschaft deutlich interessanter war als meine. Und überhaupt - Wir kannten uns ja gar nicht. Ich war buchstäblich in sie hineingerannt und nun fragte ich, ob sie mit mir auf ein Konzert gehen wollte.

Als sie wieder hochschaute, spiegelte sich Bedauern in ihren Augen. „Ich bin leider schon woanders eingespannt. Aber wenn du willst, kannst du um halb elf zur Festival-Bühne kommen. Da wirst du mich finden.“

Oh. Erstaunt sah ich sie an. „O-okay. Ja. Gerne.“

Mein Gestotter zauberte ein Strahlen auf ihr hübsches Gesicht. „Sehr schön. Dann ist es abgemacht. Ich freue mich auf dich.“

Sie freute sich auf mich. Wusste sie überhaupt, was sie da sagte? Passierte das hier gerade wirklich? Ich war mir nicht sicher.

Mein Puls überschlug sich beinahe, doch irgendwie schaffte ich es, einen halbwegs entspannten Eindruck zu machen. Ich würde sie wiedersehen.

Plötzlich drangen lärmende Stimmen zu uns herüber. Nur ein paar Meter von den Tavernen entfernt zog eine Gruppe von SaMo-Fans vorbei, die man eindeutig an den Band-T-Shirts erkennen konnte. Zwei behebige Männer mit langen Haaren, zwei Frauen, die sich lautstark über Aleas Six-Pack unterhielten. Die Realität der MPS-Welt kehrte in mein Bewusstsein zurück.
Mir fiel ein, dass ich Franka finden musste. Franka finden, Saltatio Mortis besuchen, sich von den berühmt-berüchtigten Feuerstößen aufwärmen lassen. Danach zur Festival-Bühne gehen, um diese wunderschöne, sonderbare Frau wiederzutreffen, die gesagt hatte, dass ich nach Zimt roch. Und bei deren Anblick meine Knie ganz weich wurden.
Der Plan gefiel mir.

Entschlossen wandte ich mich meiner neuen Bekanntschaft zu. „Okay. Dann bis später. Und falls ich wieder zu blöd bin, um geradeaus zu schauen, kannst du mir ja zurufen, damit ich dich nicht nochmal übersehe.“

Spontan lachte sie auf. Um ihre Augen bildeten sich feine Grübchen. „Das wird nicht nötig sein. Versprochen.“

Ich lächelte. Irgendetwas an ihrem Gesichtsausdruck ließ mich vermuten, dass dieser Abend noch spannend werden würde.

„Ciao.“ Nicht ohne einen letzten Blick in ihre verheißungsvollen, dunklen Augen zu wagen, wandte ich mich zum Gehen. Auch sie machte sich mit einem geheimnisvollen Lächeln auf den Weg in die entgegengesetzte Richtung.

„Wir sehen uns.“

Als sie ging, fuhr der Wind in ihr kurzes, asymmetrisch geschnittenes Haar. Ich sah noch, wie sie sich den Pelz fester um die Schultern zog, dann bog sie um die Ecke des Kühlwagens und war verschwunden.

Es fiel mir schwer, nicht sofort mit kleinen Luftsprüngen davonzustolpern. Mein Herz schlug wie verrückt, meine Beine fühlten sich an wie warmes Wachs. Doch ich war so glücklich wie schon lange nicht mehr.

Aufgeregt und voller Vorfreude mischte ich mich unter die Menge. Vor lauter Übermut rempelte ich ein blondes Mädchen in meinem Alter an, welches sich mit einem Krug Met arglos bei der Drachenschenke aufhielt.
„Pass doch auf!“, fuhr sie mich an. Der junge Mann neben ihr bedachte mich mit einem vernichtenden Blick.

„Verzeihung“, murmelte ich, während ich schnell weiterlief. Heute ließ mich meine Koordination wirklich im Stich.

Etwas vorsichtiger und immer nach Franka Ausschau haltend huschte ich nun durch das abendliche Marktgeschehen. Die Fackeln am Wegrand flackerten gespenstisch, immer wieder drang Hitze von den Essensständen zu mir herüber. Auf der Wiese links von mir jagte ein junger Mann mit klimpernden Schellen an den Fußgelenken spielerisch zwei Kindern hinterher, die lachend davonrannten. Ein mittelalterlich gewandetes Pärchen zog Hand in Hand an mir vorbei, in der Ferne hörte ich das Jubeln einer Meute Fans.

Entspannung machte sich in mir breit. Ich war Zuhause.

Trotz der Dunkelheit fand ich mühelos den Weg zur MPS-Bühne. Es war mein drittes Jahr hier in Speyer und ich kannte mich vergleichsweise gut aus. Franka hatte mich damals zum ersten Mal mitgenommen, denn sie war eines der Kinder gewesen, die schon mit Holzschwertern hantieren, bevor sie sich alleine Schnürsenkel zubinden können.
Frankas Eltern waren eingefleischte Mittelalter-Fans. Ihr Vater, ein Germanist, sprach sogar fließend Alt- und Mittelhochdeutsch, auch wenn ihm das im alltäglichen Leben nicht viel brachte. Dafür besaßen er und seine Frau zwei Marktstände, die nahezu auf jedem Spectaculum zu finden waren. Sie verkauften Crêpes und selbstgemachte Lederwaren, was beides ziemlich gut bei den Marktbesuchern ankam.

Ich selbst hatte bis zu meinem sechzehnten Lebensjahr nicht viel mit Mittelalter am Hut gehabt, doch seit ich zum ersten Mal mit auf das MPS gekommen war, konnte ich mir ein Leben ohne diese Parallelwelt kaum noch vorstellen. Alle Händler, Musiker und Besucher schienen eine große Familie zu sein, die sich nicht um die Meinung der restlichen Menschheit scherte, sondern einfach ihr Ding durchzog. So wollte ich auch sein. Und außerdem gefielen mir die mittelalterlichen Gewandungen.

„Wie ein kleiner Junge“, kommentierte Frankas Mutter oft, wenn ich wieder einmal begeistert lederne Hemden, Brustpanzer und Waffengürtel mit in die Umkleide schleppte. Doch es störte niemanden, und Franka freute sich jedes Mal, wenn ich sie in voller Kriegermontur über das Marktgelände spazieren führte.

Mein Blick wanderte über die Massen an Fans, welche sich vor der Bühne versammelt hatten. Normalerweise leuchteten Frankas rote Locken wie Fliegenpilze im Wald, doch das schummrige Licht der umstehenden Feuerkörbe reichte nicht aus, um weiter als zehn Meter zu sehen.

„Lovis!“

Eine Hand legte sich schwungvoll auf meine Schulter. Ich drehte mich um.

„Franka! Na endlich. Ich hab dich schon überall gesucht!“

Ungläubig hob sie die Augenbrauen. „Du hast mich gesucht? An der Drachenschenke waren wir noch zusammen, und als ich dich dann auf den gutaussehenden Wikinger hinter uns aufmerksam machen wollte, warst du plötzlich verschwunden! Hast du eine Ahnung, wie blöd mich der Schankwart angeschaut hat, nachdem ich nur ein paar unverständliche Worte wie 'Freundin' und 'weg' rausbringen konnte? Das war echt demütigend. Wo bist du überhaupt hingelaufen?“

Mit zusammengekniffenen Augen schüttelte ich den Kopf. „Franka! Vergiss es. Hör mir zu. Ich hab eben gerade was Abgefahrenes erlebt.“

Auf einmal war der Ärger auf ihrem Gesicht verschwunden. Stattdessen spiegelte sich Neugier in den grünen Augen. „Oh mein Gott. Erzähl mir alles. Du hast dich in den Backstage-Bereich von SaMo verirrt und Alea beim Umziehen erwischt?“

„Was? Nein.“ Ich zog die Nase kraus. Frankas Schwärmerei für den Sänger von Saltatio Mortis blieb für mich ein Buch mit sieben Siegeln. „Ich bin wortwörtlich in eine unfassbar schöne Frau reingerannt. Also, ich hab sie wirklich fast umgestoßen, weil es so dunkel war. Aber sie war total nett und sie will mich um halb elf an der Festival-Bühne wiedertreffen. Eigentlich bin ich mir sicher, dass ich sie viel lieber sehen will als umgekehrt, aber das ist jetzt auch egal. Ich kann's immer noch nicht ganz glauben.“

Frankas Mund stand offen. Sie wirkte fast ebenso aufgeregt wie ich. „Krass! Wie sieht sie aus?“

Ich wusste gar nicht, wo ich anfangen sollte. „Also, sie hat kurze schwarze Haare, die vorne ein bisschen länger werden, dunkle Augen und einen Nasenpiercing. Ziemlich cool. Sie trägt viel schwarz. Außerdem mag ich ihre Stimme. Kennst du das, wenn jemand nur redet und dich das ganz wuschig macht?“

„Ja, klar!“, rief Franka, und mir fielen spontan fünf junge Männer ein, an die sie wohl gerade gedacht hatte. Vollkommen fair.

„Ich weiß nicht. Ich glaube, sie könnte mich vielleicht mögen. Also irgendwie. Das ist doch ein gutes Zeichen, dass sie mich wiedersehen will, oder?“

Franka nickte heftig. „Natürlich! Sie hätte ja auch gar nichts sagen müssen, nachdem du ihr 'nen Bodycheck verpasst hast.“

Ich lachte. „Stimmt.“

„Hmm ...“ Meine Freundin schien zu überlegen. „Wer spielt denn nachher auf der Festival-Bühne? Hast du den Plan dabei?“

Ich schüttelte den Kopf, doch einen Augenblick später schien bei Franka der Groschen gefallen zu sein. „Ah, ich glaube, es ist Faun. Meine Mutter hat mir heute Mittag erzählt, dass sie hingehen will. Weil sie noch keine Gelegenheit hatte, sich die Neue anzuschauen, die seit Kurzem Fiona ersetzt.“

In meinem Kopf blitzte eine Erinnerung auf. Faun hatte ich schon ein paar Mal spielen gesehen. Der Sänger - Oliver? - war ein sehr hübscher, blonder, hochgewachsener Mann, der mit seiner sanften Singstimme und der halb rasierten Wikingerfrisur reihenweise Frauen zum Schmelzen brachte. Zumindest diejenigen, die eine Vorliebe für sensible Typen hatten. Franka gehörte nicht zu dieser Zielgruppe, und so wusste ich vergleichsweise wenig über Faun. Doch die Lieder, welche ich bisher von den Konzerten kannte, waren immer schön gewesen. Ich erinnerte mich an sanfte Lautenklänge und feenhaftes Flötenspiel. Außerdem verstand der Drehleierspieler wirklich etwas von seinem Fach.

Es freute mich irgendwie, dass die Frau, die mich praktisch zu diesem Konzert eingeladen hatte, einen guten Musikgeschmack bewies und anscheinend nicht so sehr auf die allseits bekannten, weniger einfühlsamen Trinklieder der Mittelalterszene stand. Klar, manchmal ließ auch ich mich von den einfach strukturierten Texten mitreißen, die wohl irgendwann während eines Alkoholrauschs entstanden waren, doch viele Leute neigten dazu, es häufiger mal zu übertreiben.

Ohne Vorwarnung packte Franka mich aufgeregt am Arm. „Guck mal! Das Feuer ist grün geworden! Gleich geht's los!“

Sie hatte recht. Diese chemische Spielerei kündigte meistens den Beginn eines SaMo-Konzerts an. Es dauerte auch nicht mehr lange, bis die Spielmänner sich tatsächlich auf die Bühne wagten und das Meer von Fans in freudige Jubelschreie ausbrach. Franka freute sich wie ein Kind, als der erste Song mit Dudelsäcken angestimmt wurde, ich bewunderte die Schlagzeugfertigkeiten von Lasterbalk.

Es gab kein Halten mehr, nachdem die ersten Takte von 'Prometheus' erklungen waren, und die Menge aus vollem Halse den Refrain „Ich bringe euch Feuer!“ mitgrölte. Es war wunderbar. Franka und ich hoben die Hände für 'Wachstum', tanzten zu 'Dorn im Ohr' und schrien begeistert den Text von 'Idol' mit. Der neue Song 'Loki', welcher von ausgiebigen Feuerstößen begleitet wurde, zählte ebenfalls zu den Hightlights des Abends.

Als die letzten Töne des 'Spielmannsschwurs' über das Gelände schwebten, fiel mir wieder meine Verabredung ein und ich warf einen schnellen Blick auf die Uhr. 22:24.

„Hey, Franka, ich muss los. Es ist gleich halb elf.“

Meine beste Freundin sah mich verwundert an. „Du musst los? Machst du Witze? Ich komm natürlich mit. Das ist praktisch Teil meiner Pflicht.“

Sie schien mir anzusehen, was ich von dieser Idee hielt, denn einen Moment später hob sie beschwichtigend die Hände. „Keine Angst, ich halte natürlich Abstand zu euch. Und ich werde auch nicht alles furchtbar genau beobachten. Aber wenn sie doch nicht so toll ist und du lieber abhauen willst, dann bin ich da, um einzuschreiten.“

Ich lächelte. Das war einer Gründe, warum ich Franka so gern hatte. Man konnte sich immer auf sie verlassen.

„Okay. Na dann, lass uns gehen.“
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