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Die Liebe des Misanthropen

MitmachgeschichteAngst, Suspense / P16 / Mix
OC (Own Character)
26.09.2020
15.05.2021
27
119.428
10
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Dieses Kapitel
4 Reviews
 
 
26.09.2020 1.741
 
Hier als aller erstes der Prolog zu meiner MMFF, damit ihr euch einen kurzen Überblick verschaffen könnt. In diesem Kapitel möchte ich auch gar nicht so viel sagen. Nur noch eine kleine Anmerkung: Ich suche für diese Geschichte noch ein/e Betaleser/in. Wer also Lust hat, kann sich gerne melden. Ansonsten viel Spaß beim lesen.
Checkt doch mal die Website zu dieser MMFF



* * *




„Es gibt im Leben keine größere Tragödie als den Tod eines Kindes. Nichts wird wieder so wie es vorher war.“ Dwight D. Eisenhower der 34. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika



Prolog




Stebbens ließ sich auf seinem Bürostuhl fallen. Der Kaffee, schwarz und ohne Zucker, stand bereit und er nahm kräftige Schlucke daraus. Die Akten zum Hungerspiel-Fall lagen vor ihm, er war sie schon durchgegangen, aber trotzdem wollte er sich die Zeit nehmen, sie nochmals zu lesen.
Vierundzwanzig vermisste Jugendliche. Zwölf Mädchen, zwölf Jungen. Alle wurden ungefähr zur gleichen Zeit entführt, das lag nicht einmal eine Woche zurück. Die Jugendlichen kamen aus ganz verschiedenen Bundesstaaten, von Florida, Oregon, bis hin zu Michigan. Angefangen hatte es mit einigen Vermisstenmeldungen. In ganz USA verschwanden aber täglich viele junge Menschen, teilweise meldete niemand die Jugendlichen vermisst und sie blieben, warum auch immer, unauffindbar. Auf der anderen Seite gab es auch viele Jugendliche aus schwierigen Familienverhältnisse, die von zuhause wegliefen.
Im Normalfall würden die Akten von einigen verschwundenen Teenagern nicht auf Stebbens Schreibtisch landen, dafür wären die Polizisten der einzelnen Countys zuständig gewesen.

Aber dieser Fall hier, der Hungerspiel-Fall, war etwas, dass Stebbens in seinen dreißig Jahren beim FBI noch nie gesehen hatte. Nicht nur, weil es unglaublich viel Organisation benötigte um vierundzwanzig Jugendliche in so kurzer Zeit zu entführen, sondern auch, weil es viele Involvierte bedurfte, um die Opfer aus verschiedenen Bundesstaaten zu entführen. Bei so vielen Entführungen konnte viel schieflaufen, zudem war es schwer so viele Opfer gleichzeitig gefangen zu halten. Es war offensichtlich, dass es sich bei den Entführern nicht um eine einzelne Person handelte. Die Gruppe war gut organisiert, hatten Geld und Mittel.
Richtig ins Rollen war die Sache gekommen, als sich die Familie von eines der entführten Kindern gemeldet hatte und der Polizei Fotos in die Hände gedrückt worden waren. Es handelte sich dabei um Fotos von den entführten Kindern, beschriftet mit den Namen der Opfer, unterzeichnet von jemanden, der sich „Oberster Spielemacher“ nannte. Ein Deckname? Der Name der Entführergruppe?
Durch die Namen der entführten Kindern konnten die Opfer sehr schnell identifiziert werden, jede Familie der entführten Jugendlichen hatte Briefe bekommen. Es war nicht nach einem Lösegeld gefragt worden und es war auch nicht gefordert worden, dass sich die Polizei nicht einmischen solle. Waren die Briefe ein Versuch die Familien zu verhöhnen? Oder wollte man sich über die Polizei lustig machen? Die Briefe waren Beweismaterialien, es war ein Risiko für die Entführer, dass sie diese verschickt hatten.
Stebbens war sich jedenfalls sicher, dass die Entführer sich ihrer selbst ziemlich sicher sein mussten. Sie waren arrogant, hielten sich für schlauer.

Er nahm einen weiteren Schluck vom Kaffee, während er durch die Akten blätterte.
Da die Entführungen über mehrere Bundesstaaten gingen, war das FBI und somit Stebbens schnell kontaktiert worden. Mit dem Familien der Opfer zu reden war zeitraubend. Es mussten viele Verhöre gemacht werden, viel protokolliert werden. Immerhin hatte jedes der Jugendlichen eine ganz individuelle Entführungsgeschichte: Wann sie zuletzt gesehen wurden, mit wem sie Kontakt gehabt hatten, ihre Handydaten mussten analysiert werden, ihre Zimmern wurden untersucht.
Natürlich hatten sie die Familien darum gebeten nicht mit der Presse zu reden, sondern alles vorher mit der Polizei abzusprechen. Immerhin war schon das Amber-Alert eingeschaltet worden und jede erdenkliche Radio, Fernseh und Text Messenger war darin mit involviert worden. Immerhin handelte es sich bei dieser Entführung um eine lebensbedrohliche Situation für die Opfer.
Das Amber-Alert war ein Benachrichtigungssystem der USA das bei potenziell gefährlichen Kindesentführungen in Kraft gesetzt wurde, indem die Bevölkerung informiert und um Hilfe gebeten wurde. Das Amber-Alert wurde nach Amber Hagerman benannt, ein neun jähriges Mädchen, dass 1996 in Texas entführt und ermordet worden war. Obwohl es einen Zeugen gegeben hatte, der ihre Verschleppung in einen Wagen mitansah, hatte man den Täter nie schnappen können. Die Familie der neun jährigen hatte sich daraufhin dafür eingesetzt, dass ein Benachrichtigungssystem eingeführt wurde, welches die Öffentlichkeit schneller informierte und mobilisierte.
Stebbens hatte gehofft, dass die Medien sich etwas zurückhalten würden beim Hungerspiel-Fall, aber da kannte er sie mittlerweile zu gut. Manche der Familien wurden regelrecht von Journalisten belästigt. Tag ein, Tag aus wurde in den Zeitungen und Medien von den vierundzwanzig vermissten Jugendlichen berichtet. Schnell wurden die Opfer „Tribute“ genannt und die Entführer wurde nur als „Der oberste Spielemacher“ betitelt. Das waren alles ziemlich reißerische und respektlose Namen und Titeln. Es war dennoch nicht verwunderlich, wenn man sich den Brief anschaute, den die Familien der Jugendlichen bekommen hatten.

Stebbens kam beim durchblättern der Akten bei dem Entführerbrief an. Er sah die Bilder der vierundzwanzig Jugendlichen. Aufgrund vom Stil der Fotos, vermutete die Polizei, dass es Bilder von Überwachungskameras waren. Die Jugendlichen schienen sich in einem kleinen Betonraum zu befinden. Einige von ihnen saßen auf einem Bett, manche auf dem Boden, andere standen. Es war schwer auszumachen, was sie denken mussten. Manche sahen verloren aus, wie sie ihre Hände vor der Brust verschränkt hatten, manche schienen zu weinen. Das war ein trauriger Anblick, aber es erfüllte Stebbens mit ein klein wenig Zuversicht. Das war ein Hinweis darauf, dass die Opfer nach am leben waren. Niemand wollte nach toten Kindern suchen. Das wäre eine Tragödie gewesen. Was gab es schlimmeres als der Tod eines Kindes?
Der Text, der zu den Fotografien dazu gelegt worden war, machte Stebbens zu schaffen. Er las folgendes:

Sehr geehrte Bürger und Bürgerinnen von Amerika,
Als Strafe für die Morde, die Qualen, die Lügen und Korruption Amerikas, sollen vierundzwanzig Kinder im Alter von zwölf bis achtzehn Jahren als Tribute dargeboten werden. Diese werden in eine Arena gebracht, wo sie sich auf den Tod bekämpfen müssen, bis am Ende ein strahlender Sieger hervorgeht. Diese Spiele sollen „Hungerspiele“ genannt werden. Fröhliche Hungerspiele und möge das Glück stets mit euch sein.
Hochachtungsvoll
Der oberste Spielemacher


Stebbens wusste selber nicht, was diese sogenannten „Hungerspiele“ sein sollten, aber die Sache hatte sich schnell geklärt bei genauerer Recherche. Im Jahr 2008 bis 2010 war eine Jugendbuchtrilogie von einer amerikanischen Autorin, Suzanne Collins, auf den Markt gebracht worden, die später auch verfilmt worden war. Die Buchreihe erzählte von einem fiktiven Land, in denen die Hungerspiele als eine Art Fernsehevent und als Bestrafung an die Bevölkerung abgehalten wurden. Vierundzwanzig Jugendliche die sich auf den Tod bekämpfen mussten, am Ende war nur noch einer am Leben, dreiundzwanzig tot. Es machte den Eindruck, als ob eine Gruppe Menschen diese kranken Spiele in echt umsetzen wollte.
Stebbens hatte sich ganz genau erklären lassen, wie die sogenannten „Hungerspiele“ abliefen um die Entführer besser zu verstehen, aber auch um zu wissen, was den vierundzwanzig entführten Jugendlichen eventuell erwarten konnte. Zuerst einmal war ziemlich klar, dass diese Hungerspiele nicht im Live Fernsehen im ganzen Land ausgestrahlt wurden.
Anscheinend starteten die Jugendlichen im Buch alle an derselben Stelle, sie wurden um eine Art Füllhorn versammelt, in denen diverse Gegenstände verteilt wurden. Es gab Waffen, Verbandsmaterialien, Proviant, Sachen zum Feuermachen und noch viel mehr. Danach ertönte ein Startschuss, dass den Anfang der Spiele markierte. Theoretisch gesehen war alles erlaubt um die Spiele zu gewinnen. Man musste nicht töten, man konnte sich auch einfach verstecken, bis alle anderen tot waren. Oder man nahm als Tribut in den Spielen die Sache mit dem Morden selber in die Hand.

Natürlich hatte die Polizei mit der Autorin, Suzanne Collins,  gesprochen. Sie wirkte entsetzt und erschüttert und er glaubte ihr. Dieser Fall erinnerte Stebbens an den Slenderman-Fall, in denen zwei Mädchen ein drittes Mädchen abgestochen hatten um Slenderman - eine fiktive Horrorgestalt aus einem Creepypasta - zu „gefallen“ und um zu seinem Haus eingeladen zu werden. Es war eine gefährliche Wahnvorstellung, die angefangen hatten Menschen im echten Leben zu schaden.
Aber der Hungerspiel-Fall war natürlich größer als der Slendermann-Fall und höchstwahrscheinlich auch nicht von kleinen Mädchen ausgeführt worden.
Eine Gruppe Erwachsener die sich einer Wahnvorstellung hingaben? Oder handelte es sich eher um einer Gruppe Sadisten? Der Brief deutete auf jeden Fall auf eine Art krankhafte Vorstellung von Rache hin, immerhin wurde von einer „Strafe“ an Amerika gesprochen. Dass ein Bürger Unzufriedenheit bei seiner eigenen Regierung verspürte, war nichts Neues. Dass eine Person einer anderen Person aus einem hohen Regierungsposten schadete, war nichts neues. Man mochte nur an die Ermordung Kennedys denken. Aber das hier, der Hungerspiel-Fall war dennoch nicht vergleichbar.
Mittlerweile hatte Stebbens den Kaffee ausgetrunken und seufzte tief.
Er wusste, dass laut der Statistik die meisten Kindesentführungen von den eigenen Eltern begangen wurden. Meistens ging es auch nicht wirklich darum dem Kind zu schaden, sondern eher den anderen Partner zu bestrafen, das Kind fern zu halten, oder dergleichen.  Aber beim Hungerspiel-Fall musste man natürlich andere Statistiken anschauen, wenn es überhaupt eine Statistik gab, die man studieren konnte.
Die ersten drei Stunden nach dem Verschwinden eines Kindes waren die entschiedensten. Dann war die Chance Spuren zu finden und das Kind unbeschadet wieder zurück zu bringen am größten. Mit jeder weiteren Stunde, die danach verstrich, sank die Wahrscheinlichkeit immens. Die vierundzwanzig vermissten Jugendlichen fehlten aber schon seid einigen Tagen. Eine düstere Aussicht.

Der Brief hatte zudem erwähnt, dass die Jugendlichen sich auf den Tod bekämpfen mussten. Würden sie das denn wirklich tun? Das waren normale Kinder, keine Mörder oder sogenannte „Karrieros“ - so wurden die Jugendlichen im Buch genannt, die für die Hungerspiele trainiert hatten. War es aber möglich, dass die Umstände, in denen sich die entführten Jugendlichen befanden, sie dazu bringen würden zu morden?
Es war eine grauenhafte Vorstellung. Stebbens musste einfach sicher gehen, dass die Kinder vorher gefunden wurden, ehe aus der Entführung Mord wurde.
Er rieb sich die pochende Stirn. In den letzten Tagen hatte er fast nicht geschlafen. Wie denn auch, wo jede Stunde doch so wertvoll war?
Die Tür zu seinem Büro wurde aufgeschlagen, ein Polizist mit Bierbauch und hochrotem Kopf betrat keuchend den Raum.
„Ich hoffe Sie haben mir etwas Wichtiges mitzuteilen, dann sehe ich darüber hinweg, dass Sie nicht angeklopft haben“, knurrte Stebbens.
Der Polizist hielt eine Stapel Papiere in der Hand.
„Die Arschlöcher haben den Familien wieder was geschickt … Scheiße, Agent Stebbens, da ist ein Foto dabei“, keuchte der Polizist.
„Ein Foto?“
„Von einer Leiche. Eines der entführten Kinder ist tot.“
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