Bodyguards - Gefährliche Liebe

GeschichteRomanze, Thriller / P16
26.09.2020
20.10.2020
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18.10.2020 3.912
 
Max

Charlotte's Vater wurde dann doch recht bald wieder auf freien Fuß gesetzt. Na ja, genau genommen war er ja nie verhaftet worden. Bis auf die Beteiligung an illegalen Glücksspiel konnte man ihm nichts nachweisen. Durch die Zahlung einer vierstelligen Kautionssumme und mit einer Verwarnung sich nie wieder zu solch einer Sache hinreißen zu lassen, wurde er nach Hause geschickt. Was der Staatsanwalt daraus machen würde, blieb abzuwarten.
Seine Frau bat mich telefonisch ihren Mann doch bitte vom Polizeirevier abzuholen, da es, ich zitiere, für jemanden wie ihm nicht zu zumuten ist mit einem Streifenwagen nach Hause zu chauffiert zu werden. Als wenn die Bullen so etwas machen würden. Da ich sowieso gerade noch im Revier herumlungerte (ich wollte ein paar Einzelheiten erfahren) traf sich das gut. Bereitwillig sammelte ich den äußerst angefressenen Mister Spencer ein und fuhr ihn in seinem Jaguar nach Hause. Während der ganzen Fahrt sprach er kein einziges Wort und auf meinen Versuch höflich Konversation zu betreiben antwortete er nur mit einem recht unhöflichen Schnauben.
Pünktlich zum versprochenen Fünf-Uhr-Tee schlug ich in der Küche bei Dolly auf.
"Ah, pünktlich wie die Maurer." scherz sie als sie ihren wuchtigen Körper zu mir herum dreht.
"Versprochen ist versprochen." erwidere ich grinsend. "Außerdem habe ich Hunger. Seit heute Morgen habe ich nichts mehr gegessen."
Ich scheine ihr Mitgefühl zu erwecken, denn sie antwortet "Oh nein, du Ärmster! In diesem Haus muss niemand hungern. Setz dich!"
Ein Befehl den ich nur all zu gern befolge. Brav nehme ich an dem riesigen hölzernen Küchentisch platz. Während sie herum fuhrwerkt, lasse ich meine Gedanken schweifen. Abwesend fahre ich mit den Fingerspitzen die Einkerbungen im Holz nach. Messer und andere spitze Gegenstände haben sie hinterlassen. Das Holz ist an einigen Stellen verfärbt. Rot, bläulich, schwarz. Während ich noch grüble wie das geschehen sein könnte, ist Dolly fertig und stellt mir einen Teller mit köstlich duftender Kürbissuppe vor die Nase. "Hier. Iss!"
"Das ist aber kein Kuchen." maule ich mit gespielter Entrüstung.
"Erst gibt's was richtiges. Dann das Süße." schimpft sie. "Iss, mein Süßer! Du kannst es vertragen. Möchtest du Brot dazu?"
Ich nicke.
Sofort schneidet sie fachmännisch mit einer halben Machete von Küchenmesser eine dicke Scheibe eines herrlich duftenden dunklen Brotlaib ab. Das musste sie frisch gebacken haben. "Hier." Sie reicht mir das Brot. "Gerade frisch aus dem Ofen gekommen." erklärt sie überflüssigerweiser.
"Oh. Sie verwöhnen mich." freue ich mich schüchtern.
"Für dich mach ich das gern! Als die Kinder noch hier gelebt haben, war die Küche auch immer ihr Lieblingsplatz." schwelgt sie in Erinnerungen.
"Tatsächlich?"
Sie nickt stolz und zwinkert. "Bei Dolly gab es immer was zu naschen."
Grinsend schlürfe ich meine Suppe weiter.
"Ach das waren noch Zeiten. Damals war Mister Spencer auch noch anders."
"Inwiefern?" hake ich nach.
"Na ja. Da war er noch nett, freundlich. Grüßte wenn man ihn traf. Doch seit dem er Geschäfte mit diesem Russen macht ..." Sie bricht ab und sieht auf die Hände in ihrem Schoß.
"Geschäfte? Russe?" Mein Interesse ist geweckt. Konnte ich hier doch noch mehr erfahren?
"Ja, zumindest glaube ich das es ein Russe war. Wie er gesprochen hat und der Name."
"Hieß der zufällig Gregorovic?" will ich neugierig wissen.
Dolly sieht auf. Sie überlegt. "Hm. Könnte sein. Aber die hören sich ja alle gleich an, irgendwie."
"War dieser Mann öfters zu besuch?"
Sie schüttelt den Kopf. "Nee. Nur ein zwei mal. Dann begann es, dass Mister Spencer regelmäßig ausging."
Ich nicke nachdenklich. Sicher ist er dann immer ins Casino.
"Was bei dem Treffen hier im Haus besprochen wurde, wissen Sie nicht zufällig, oder Dolly?" Fragen konnte man schließlich ja mal.
Dolly musste mich enttäuschen. "Tut mir leid, mein Hübscher."
Ich schenke ihr ein schiefes Grinsen.
"War das aber in etwa die Zeit wo Mister Spencer sich verändert hat? Sein Verhalten meine ich." frage ich.
Sie überlegt kurz und nickt dann. "Doch ja. Das dürfte hinhauen."
"Hm. Okay. Ich danke Ihnen. Dolly, wie immer waren Sie eine große Hilfe. Ich wüsste gar nicht was ich ohne Sie machen sollte."
Geschmeichelt sieht sie auf die Tischplatte. Die alte Dame wird tatsächlich ein bißchen rot.
Genau in diesem Moment klingelt mein Smartphone. Mit einem raschen Blick auf das Display sehe ich das es Greenwood ist der mich da zu erreichen versucht. Wichtig also.
Entschuldigend wende ich mich wieder der Köchin zu. "Ich glaube der Kuchen muss noch etwas warten. Aber vielen Dank für diese köstliche Suppe, Dolly. Die Arbeit ruft." Ich halte das Handy hoch.
"Klar. Das verstehe ich. Ich muss auch das Abendbrot vorbereiten. Den Kuchen heb ich dir auf." Sie zwinkert mir zu. Sicher freut sie sich schon auf meinen nächsten Besuch, den sie sich mit der Aussicht auf Kuchen in diesem Moment garantiert hat.
Ich lächle sie strahlend an, erhebe mich und verlasse die Küche im selben Moment in dem ich das Gespräch entgegen nehme. "Was gibt's Greenwood?" frage ich.  
"Boss es dürfte Sie interessieren das Spencer soeben telefoniert hat." beginnt Greenwood mit seiner Meldung.
"Okay. Und mit wem?" frage ich. Sicher mit seinem Anwalt. Ich jedenfalls würde in seiner Situation als erstes mit meinem Anwalt sprechen um das weitere Vorgehen zu bersprechen. Doch ich solte mich irren.
"Er erhielt einen Anruf auf seinem Handy." sagt er.
Genervt verdrehe ich die Augen. "Greenwood, mit wem hat er gesprochen?"
"Das ist es ja, Boss. Ich habe das Gespräch, als ich gesehen habe mit wem er da redet aufgezeichnet." Stolz schwingt in seiner Stimme mit.
"Okay. Super. Aber ich wäre entzückt wenn ich jetzt auch mal erfahren könnte mit wem der Alte gesprochen hat." erwidere ich genervt.
"Mit einem gewissen Iwanow."
"Sagt mir nichts." gebe ich zu. Mittlerweile war ich oben im Erdgeschoss angelangt und gehe in die Bibliothek.
"Kann es auch nicht. Außer Sie sind mit den engsten Kreisen um Gregorovic bekannt." erklärt er mir. Jetzt hat er meine Aufmerksamkeit.
"Gregorovic? Aber war er nicht erst heute bei dem und hat dem das Lösegeld gebracht."
"Tja, dass dachten wir." Greenwood macht es spannend. "Spencer hat zwar heute wohl eine hübsche Summe spazieren getragen, und auch abgeliefert. Doch dem Russen scheint das nicht genug zu sein. Am besten Sie hören es sich selbst mal an."
"Okay. Los geht's!" bitte ich.
"Moment. Ich schicke es Ihnen als mp3 File auf's Smartphon." erklärt mir mein Technikexperte.
Ich nicke und kurz darauf meldet mir mein Gerät in meiner Hand den Eingang einer Nachricht.
"Ich höre es mir an. Ich melde mich gleich wieder." erkläre ich und lege auf.
Ich klicke mich durch die Nachricht und halte mir das Gerät erneut ans Ohr um die Aufzeichnung abzuhören.
Es beginnt mitten im Gespräch. Ich erkenne Spencer's raue Stimme und die eines jungen russisch stämmigen Mannes.
"Was wollen Sie noch?" Spencer, stolz und kalt, wie man ihn kennt.
Der Russe antwortet ebenso kalt, nur noch eine Spur härter "Du wagst es das zu fragen?"
"Was wollen Sie?" wieder Spencer. "Sie haben ihr Geld. Lassen Sie mich ein für alle Mal in Frieden!" herrscht er wütend.
"Wir sagen wann du deine Ruhe hast, Spencer."
"Aber ... aber ich habe doch ..."
"Halt's Maul! Mister Gregorovic ist äußerst erbost über die heutigen Ereignisse." wird ihm verkündet.
"Das kann ich mir vorstellen. Doch was habe ich damit zu tun?" will Charlotte's Vater wissen.
"Du warst es doch der die Bullen mitgebracht hat."
"Was ich?" Spencer klingt ehrlich überrascht. Kein Wunder, er war es ja auch nicht. Ich war das. Gespannt höre ich dem Gespräch weiter zu.
"Halt's Maul!" herrscht der Russe und Spencer schweigt. "Mister Gregorivic hat heute einen großen Verlust erlitten ..."
"Ja, aber ..."
Der andere redet ungerührt weiter. "Und da du der Verursacher dieses Verlustes bist, hat Mister Gregorovic beschlossen das du für den Schaden der heute entstanden ist aufkommen wirst."
"Was ich?" schreit Spencer.
Oh je, krass!
"Du wirst bezahlen. Weitere 5 Millionen, sonst ist deine Familie dran." droht er ihm.
Ich höre ein keuchendes Luftholen das hunderprozentig von Spencer kommt. "Das ... das ist unmöglich. Ich ... ich bin wirklich nicht dafür verantwortlich." stammelt er plötzlich. Nichts ist mehr übrig vom selbstbeherrschten, strengen, kühlen Spencer den man so kennt.
Der andere lacht höhnisch.
"Wenn Gregorovic mich anhören würde ..."
"Dich?" ruft der Russe verächtlich. "Damit du ihn wieder in eine Falle locken kannst? Er hatte heute Glück nicht im Haus gewesen zu sein, da seine Tochter Geburtstag hat." erklärt er weiter.
"Ja, aber ich muss es ihm erklären." bettelt Spencer. "Ich muss ... ich kann auf keinen Fall noch einmal eine solche Summe ..."
"Du sollst es ja nicht nur können, du sollst es tun."
"Ja aber ... Ich habe es jetzt auch nur knapp geschafft." erklärt sich Spencer.
Der Andere lacht schnaubend. "Wir wissen was du auf dem Konto hast. Auf all deinen Konten. Auch denen in der Schweiz."
Charlotte's Vater holt japsend Luft. "Aber ... aber ..." Mehr vermag er nicht mehr zu sagen.
"Du hast verstanden. Das wir nicht scherzen haben wir, denke ich bereits bewiesen."
Schweigen.
"Es war nur Glück das dein hübsches Töchterchen befreit wurde. Ein zweites Mal würde das nicht passieren. Und soll ich dir sagen warum nicht?"
Spencer holt tief Luft. "Warum?" fragt er kaum hörbar.
"Weil ich mich beim nächsten Mal höchstpersönlich um die Schöne kümmere." Er lacht gehässig. Mir stellen sich alle Nackenhaare auf.
Spencer seufzt. "Ich ... ich versuche es."
"Du hast drei Tage."
"Was?" keucht er entsetzt. "Das geht nicht. Ich brauche wenigstens drei Wochen."
"Wovon träumst du?" lacht der Andere. "Eine Woche. Keinen Tag mehr. Ach und, Spencer, halt die Polizei raus. Sonst gibt's das erste Opfer."
Dann wird das Gespräch von einer Seite beendet. Ich nehme an es war der Russe.
Geflasht lasse ich das Handy sinken. Krass!
In diesem Moment kommt draußen  jemand die Treppe herunter. Neugierig gehe ich zur Tür und spähe hinaus in das Foyer. Es ist Spencer höchst selbst. "Ah da sind Sie ja. Ich suche Sie schon die ganze Zeit." herrscht er als er meiner habhaft wird.
Ich trete hinaus und stehe fast schon stramm als er mir mit seiner typischen militärischen Haltung entgegen tritt. "Warum suchen Sie mich, Mister Spencer?"
"Ich muss Sie sprechen. Ihr Einsatz hier ist beendet. Ich brauche Ihre abschließende Rechnung und dann dürfen Sie sich verabschieden."
Wie war das bitte? Ich muss mich verhört haben. Jetzt, wo die Gefahr für seine Familie größer ist den je, will er mich los werden. Ist der Wahnsinnig?
"Aber ... aber Sie brauchen mich doch noch ..." stammle ich ziemlich unprofessionell.
Er zieht skeptisch die Brauen hoch. "Das, Mister Steel müssen Sie schon mir überlassen ob und wann ich sie benötige." herrscht er mich an.
"Ja, selbstverständlich. Aber ..."
"Wenn es Sie beruhigt. Ich habe heute Vormittag die Sache aus der Welt geschafft. Wir sind in Sicherheit." erklärt er zwar etwas freundlicher, doch mir sträubt sich bei so viel Engstirnigkeit und Unvernunft jedes Haar. Dieser Mann ist derart stur und eigensinnig. Das ist kaum zu fassen.
Wenn ich daran denke, dass Charlotte's freundliche Mutter, der Bruder Aiden, der mir ebenso sympatisch war und ihre jüngere Schwester weiterhin in Gefahr schweben und nichts von all dem ahnen. Um ihn ist es mir egal, er wäre selbst schuld. Doch die Erfahrung zeigt, dass Erpresser wie diese nie an ihr Opfer selbst angehen, sondern äußerst effektiv nur dessen Familie ausschalten. Für gewöhnlich reagiert es beim ersten geliebten Opfer und willigt ein zu zahlen. Nicht aber wenn man Spencer heißt.
Mit einer Ganzkörpergänsehaut nicke ich schließlich und verspreche ihm meine Abschlussrechnung in den nächsten Tagen zukommen zu lassen. Die würde gepfeffert ausfallen, dessen kann er sich sicher sein. Nur sagte ich ihm das nicht.        

Nachdem ich mich von Dolly verabschiedet und mir mein Kuchenstück habe einpacken lassen verlasse ich das Anwesen der Spencer's.
Mein erster Weg führt mich zu Tom Cray's Haus. Seine Adresse erhielt ich freundlichweise von Greenwood.
Gerade als ich anklopfen will, eine Klingel finde ich nirgends, wird die Tür aufgerissen und Tom höchstselbst steht vor mir. In Sportbekleidung. Hinter ihm kann ich Charlotte ausmachen. Ebenfalls in Sportklamotten.
"Was willst du denn hier?" fragt Cray.
"Was ich hier ..." beginne ich verwundert. "Die Frage ist doch eher, was habt ihr vor? In diesem Aufzug." will ich entrüstet wissen und wedel mit der Hand in der Luft herum.
"Wir wollten gerade joggen gehen." erklärt da Charlotte mit ihrer sanften freundlichen Stimme und lächelt mich an. "Hallo Darling." begrüßt sie mich und fällt mir, ehe ich etwas erwidern kann um den Hals.
"Hey Süße." raune ich und nehme ihr wunderschönes Gesicht zwischen meine Hände. Wie von selbst finden sich unsere Münder und wir küssen uns leidenschaftlich. Mir ist völlig egal, dass Cray neben uns steht und uns zusieht. Ich brauche das jetzt. Ihre Nähe, das Wissen das es ihr gut geht.
"Wenn ihr dann mal fertig seid können wir ja vielleicht doch noch laufen gehen." stört in dieser Sekunde auch schon Cray unsere Intimität. Wir lösen uns voneinander. "Ich mein' ja nur. Oder braucht ihr noch ein paar Minuten?" fragt er gehässig. "Ich stelle euch gern mein Haus zur Verfügung. Kann ja solange ne Runde joggen gehen."
Gute Idee! Verpiss dich, Cray!
Doch ich antworte lässig. "Ähm ... nein danke. Ich laufe lieber selbst auch." Ich schenke ihm ein siegessicheres Lächeln.
"Na dann." Er zieht die Haustür zu und schließt demonstrativ ab. Den Schlüssel steckt er sich in die Hosentasche.
"Ihr geht wirklich raus?" frage ich ihn. "Und du bist dir sicher, dass das das Richtige ist um sie zu beschützen?"
Cray dreht sich mit einem Augenrollen zu mir und entgegnet. "Klar doch. Mir ist noch niemand abhanden gekommen. Und falls du um ihre Sicherheit besorgt bist ..." Er zieht seine Walther aus dem hinteren Hosenbund. War ja klar das er bewaffnet ist. Aber gut, verübeln kann ich es ihm nicht. Schließlich habe ich selbst meine Waffe dabei. Aber das der Typ das selbe Modell wie ich bevorzugt nagt an mir. Hämisch grinsend steckt er sie wieder weg. "Außerdem habe ich eine hervorragende Ausbildung genossen." erklärt er weiter. Diese Selbstsicherheit - ich würde ihm am liebsten seine Zähne einschlagen. Stattdessen zische ich ihm ins Gesicht. "Stell dir vor, ich ebenso."
"Jungs, bitte." meldet sich da Charlotte aus dem Off.
Beide sehen wir auf sie runter. "Was?" zischen Tom und ich gleichzeitig.
"Was was?" fragt sie verständnislos.
"Was sollen wir jetzt machen?" will Cray von ihr wissen.
"Na wir gehen laufen, so wie wir es vorhatten. Wenn ich noch einen Tag eingesperrt bin ohne mich bewegen zu können, drehe ich durch. Ehrlich." Charlotte bekräftigt ihre Ansprache mit einem flehenden Blick abwechselnd in unsere Gesichter. Ich kann ihr nicht böse sein. Ich liebe diese Frau! "Gut. Aber dann komme ich mit." beschließe ich felsenfest.
"Das ist nicht nötig." zischt mein Kontrahent.
"Halt den Mund, Cray und finde dich damit ab!" fahre ich ihn wütend an. "Ich bin dabei."
Er verdreht genervt die Augen.
"Du hast doch gar keine Sportklamotten dabei." wendet sie ein.
Ich zucke die Schultern und winke ab. "Pha. So etwas brauchen echte Personenschützer nicht. Wir müssen in jeder Kleidung beweglich sein. Und der Anzug ist unsere Uniform." erkläre ich entschieden.    
Tom lacht schnaubend auf. "Ja klar doch." brummt er leise.
Charlotte mustert mich von Kopf bis Fuß. Ich muss sie wohl erst überzeugen. "Gut. Dann komm mit!" meint sie schließlich. "Ich freue mich!" Sie schenkt mir ein Lächeln das ich sofort glücklich erwidere.
"Gut." ich trete einen Schritt vor und stupse ihr mit dem Zeigefinger auf die Nasenspitze. Anschließend laufe ich sofort los. "Kommt ihr?" rufe ich über die Schulter.
Wie beabsichtigt, schluckt Cray den Köder und rennt mir sofort hinterher.
Kaum das er auf meiner Höhe ich zische ich ihm zu. "Ich muss dringend mit dir reden."
Er sieht mich von der Seite an. Beide laufen wir locker nebeneinander her. "Was gibt's?" will er wissen. "Neue Erkenntnisse?"
Ich nicke. "Ja. Und Neuigkeiten. Ich bin gefeuert."
"Und das wundert dich?" scherzt er und sieht geradeaus damit ich das hamisches Grinsen nicht sehen kann, dass er unter Garantie aufgelegt hat.
"Spencer hat mich raus geworfen. Er meint die Sache sei erledigt."
"Ist sie das nicht auch? Er hat doch heute gezahlt oder nicht?" meint Tom.
Ich nicke. "Schon. Doch die Sache mit dem Casino kam nicht gut bei Gregorovic an."
Tom sieht mich wieder an und macht ein verständnisloses Gesicht. Ich muss wohl deutlicher werden. Ich hole tief Luft.
"Jungs. Wartet ihr auch mal auf mich?" hören wir hinter uns Charlotte rufen. Beide drehen wir uns gleichzeitig zu ihr um. Während er ihr zuwinkt, sage ich rasch. "Wir können jetzt nicht in Ruhe reden. Lass uns das hier hinter uns bringen und sie nachher irgendwie mal kurz ablenken damit wir unser weiteres Vorgehen besprechen können." schlage ich vor.
"Das klingt ja dramatisch."
"Glaub mir, dass ist es auch."
Cray sieht mich mit gerunzelter Stirn aufmerksam an. Doch da Charlotte in diesem Moment neben uns tritt, nickt er nur schweigend.

Eineinhalb Stunden später sind wir zurück in Cray's Haus. Charlotte hatte, zum Glück für uns, nach der sportlichen Betätigung beschlossen, ausgiebig baden gehen zu wollen. Tom und ich setzten uns mit zwei Bier in sein Wohnzimmer. Sicherheitshalber verschließt er die Tür und dreht den Schlüssel im Schloss.
"Man weiß ja nie." murmelt er entschuldigend als er mein skeptisches Gesicht sieht.
Ich nicke.
"Also was gibt's?" will er wissen und setzt sich mir gegenüber in einen Sessel. Ich nehme auf dem Sofa platz. Wie oft sie es wohl schon auf diesem Ding miteinander getrieben haben? Bei dem Gedanken schaudert es mir. Rasch trinke ich einen Schluck aus der Flasche. "Ja, also wie gesagt, Spencer hat die Zusammenarbeit mit Steel Security beendet."
Tom nickt. "Das sagtest du schon."
"Das war zu dem gegebenen Zeitpunkt jedoch das dümmste was er machen konnte." beginne ich. "Mein Mitarbeiter hat heute Mittag ein Gespräch auf seinem Smatphone aufgezeichnet."
"O-k-a-y."
"Ein Russe rief ihn an."
"Gregorovic?"
Ich schüttle den Kopf. "Nein, einer seiner Handlanger. Iwanow hieß der."
"Gut. Und weiter?"
"Man hängt ihr die Sache mit dem Casino an. Die glauben er hätte zusammen mit dem Lösegeld die Polizei gebracht."
"Scheiße!"
Ich nicke erneut. "Richtige Scheiße! Besonders für Charlotte und ihre Familie. Sie wollen noch mehr Geld. Angeblich für den Verlust des Casinos."
"Wieviel?"
"Weitere 5 Millionen."
Cray fährt sich mit der Hand durch das braune kurze Haar. "Was drohen sie? Sie haben ihm doch wohl gedroht."
"Wenn er nicht in sieben Tagen zahlt stirbt jemand." flüstere ich fast. Der Gedanke, dass dieser Jemand meine Charlotte sein könnte, bringt mich fast um.
Cray verbirgt für einen kurzen Moment sein Gesicht in den Händen. Doch er fängt sich schnell wieder und steht entschlossen auf. Dabei kippt seine Bierflasche um und ergießt sich auf dem dunklen Parkettboden. Das scheint ihn im Moment jedoch nicht im Geringsten zu stören. Er beachtet die Flasche gar nicht. Wie ein gefangenes Zirkustier tigert er im Zimmer auf und ab. "Sicher soll er die Polizei raus halten." mutmaßt er.
Ich nicke. "Klar doch. Aber das geht doch nicht. Könnt ihr nicht zwangsweise jemanden unter Zeugenschutz oder Schutzhaft nehmen?" frage ich flehendlich.
"Nee." macht er. "Das geht nur wenn dieser 'Zeuge' auch was auszusagen hat. Und das hat er nicht. Ich habe gehört, dass er heute alles abgestritten hat. Er kennt niemanden der Casinobetreiber genauer. Das mit dem Glücksspiel war ein einmaliger Ausrutscher. Bla bla bla." lamitiert er.
Ich fahre mir durch's Haar. "Scheiße!" fluche ich.
"Das heißt jedoch nicht, dass wir untätig bleiben." fährt er fort. "Ich häng mich persönlich dran. Die Sache mit der Entführung läuft ja noch. Da kann ich weiterhin ermitteln. Das mit dem Glücksspiel ist mir erstmal egal. Das kann sein Anwalt regeln. Charly ist wichtig. Und das ihr und ihrer Familie nichts passiert."
Ich nicke zustimmend. "Ganz meine Meinung."
"Auch wenn er dich gefeuert hat, kannst du doch weiter machen oder?" fragt Tom und sieht mich abwartend an.
"Klar. Hätte ich sowieso getan."
"Gut. Du hörst also weiter seine Telefonate ab. Hast du das Haus verwanzt?"
Ich schüttle betreten den Kopf. "Leider nicht. Aber ich habe einen guten Draht zu den Angestellten."
"Gut." Er grinst. "Dolly hat schon immer ihre Augen und Ohren überall gehabt." erklärt er wissend.
Ich stimme in sein Lächeln mit ein.
"Ich überprüfe diese Russen und ich werd sehen was man in Sachen Casino Stilllegung machen kann. Da kam wohl einiges zusammen. Geldwäsche, Menschenhandel, Prostitution. Wenn sich das alles bewahrheitet, war es das sowieso für Mister Gregorovic. Dann kommt er bald nur noch in den Genuß gesiebte Luft zu atmen."
Ich nicke. "Okay. Und ich werde mein Team aufteilen. Die Sicherheit der Familie Spencer hat nun oberstes Gebot. Ich stelle je zwei Leute zur Bewachung von Charlotte's Geschwister ab. Ihre Schwägerin ist schwanger oder?"
Cray nickt. "Mary. Ja. Gut, mach das so. Charly teilen wir uns. Sie wohnt hier bei mir. Aber wenn ich unterwegs bin ..." Er holt Luft. "... kann sie dann bei dir bleiben?"
"Ähm ..."
"Ich weiß du hast ne Frau."
"Ja genau. Aber ich lass mir was einfallen. Ja, sie kommt zu mir. Charly wird sich freuen. Ich meine meine Tochter. Charlotte ist ihre Lehrerin."
Er winkt ab. "Weiß ich doch."
"Klar." murmle ich.
"So machen wir es also. Und wir stehen dauerhaft in Kontakt. Wenn sich was ergibt will ich es zuerst wissen. Klar?"
Er nickt. "Klar." Wir schlagen ein.
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