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2020 09 25: Wolfsgeheul [by - Lemmy -]

OneshotFreundschaft / P12 / Gen
Hera Syndulla Kanan Jarrus / Caleb Dume
25.09.2020
25.09.2020
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25.09.2020 1.574
 
Tag der Veröffentlichung: 25.09.2020
Zitat: „Manchmal muss man rennen, bevor man laufen kann.“ (Iron Man)
Titel der Geschichte: Wolfsgeheul
Autor: - Lemmy -
Hauptcharaktere: Kanan Jarrus / Caleb Dume, Hera Syndulla
Kommentar des Autors:
Als ich das Zitat gelesen habe, wusste ich, in welches Fandom ich damit gehen würde und zu wem es passen würde. Herausgekommen ist eigentlich keine Geschichte, sondern eher eine Szene zwischen zwei Charakteren, die sich näher stehen, als es ihnen bewusst ist.





Wolfsgeheul

„Hey!“ Mit einem überraschten Ausruf und einer schnellen Bewegung wich Kanan Chopper aus. Genau genommen musste er beiseite springen, denn der kleine, fassförmige Droide sauste schnatternd und piepsend auf ihn zu, als sei der junge Mann gar nicht vorhanden. Dicht gefolgt wurde er von Ezra, der, nicht zum ersten Mal, wütend auf Chopper war und versuchte, ihn aufzuhalten. Was diesmal los war, erschloss sich Kanan aus Ezras aufgeregten Rufen, dass Chopper ihm sein Sandwich zurückgeben solle, das sich dieser offenbar unrechtmäßig angeeignet hatte.

Der Droide und der schwarzhaarige Junge flitzten zweimal um Kanan und Hera, die in diesem Moment um die Ecke kam, herum, beschimpften sich gegenseitig und verschwanden dann in einem anderen Teil des Raumschiffes. Ihre verbale Auseinandersetzung war noch eine Weile zu hören, wurde immer leiser und verklang schließlich. Kanan und Hera sahen sich schulterzuckend an. Beide wussten nur zu gut, dass es kein echter Streit gewesen war. Ezra und Chopper foppten sich gerne gegenseitig. Das konnte für unbeteiligte Dritte manchmal ein bisschen anstrengend sein; von dem Wirbel, den es regelmäßig verursachte, ganz zu schweigen. Häufig sprach dann Zeb ein Machtwort, doch der war gerade nicht da.

Als wieder Ruhe eingekehrt war, seufzte Kanan leise und lehnte sich kurz an die Wand. Dann atmete er tief durch, streckte den Rücken durch und setzte sich in Richtung Außentür der Ghost in Bewegung. „Ich muss mal an die frische Luft“, sagte er, als er Heras fragenden Blick bemerkte, und lächelte schief. „Bis später.“

Er verließ das Schiff und trat in die kühle, aber angenehme Luft von Lothal, dem Heimatplaneten von Ezra, den die Mannschaft der Ghost gerade wieder einmal besuchte. Es war später Abend, und die Dunkelheit begann sich herabzusenken, doch war es noch hell genug, um sich draußen zu orientieren. Kanan ließ seinen Blick in Richtung der entfernten Siedlung schweifen, von welcher er von Weitem die Umrisse der Häuser und Gebäude erkennen konnte. Viele Fenster waren schon erleuchtet und blickten wie fahle Augen in die Nacht. Kanan war froh, dass er nicht in der Siedlung war, sondern hier, allein mit sich, den Blick auf die steinige, karge Umgebung gerichtet, und er genoss den Wind in seinem Gesicht.

Er suchte sich einen Felsen und ließ sich darauf nieder. Die Ghost begann in der stärker werdenden Dämmerung mit dem Hintergrund zu verschmelzen, doch auch die Fenster des Raumschiffes waren erleuchtet, so dass der schlanke Mann mit dem kurzen Pferdeschwanz ein heimeliges, beruhigendes Gefühl verspürte.

„Kanan?“

Er hatte noch nicht lange dort gesessen, als er Heras vertraute Stimme vernahm. Die junge Twi’lek war ihm aus dem Raumschiff gefolgt. An ihrem Gesicht konnte er erkennen, dass sie sich Sorgen machte. Hera konnte ihre Emotionen vor ihm nicht verbergen, dafür kannten sie sich viel zu gut, als Kampfgenossen, Verbündete, enge Freunde ... und vielleicht, eines Tages, noch mehr? Außerdem verrieten Kanans Jedi-Sinne ihm mehr als seine Augen und Ohren.

„Darf ich mich zu dir setzen?“ fragte Hera und wartete geduldig auf die Antwort. Als sie ein Nicken erhielt, ließ sie sich auf einem Felsen neben Kanan nieder. „Ist bei dir alles in Ordnung?“ sprach sie ihn behutsam an, als er schwieg.

Zuerst wollte Kanan bejahen, doch er wusste, dass Hera empathisch genug war, um zu erkennen, dass ihn doch irgendetwas beschäftigte. Und vielleicht würde es gut tun, es jetzt auszusprechen. Außerdem, wem sollte er sich anvertrauen, wenn nicht Hera? „Ich mache mir Gedanken wegen Ezra“, gestand er.

„Wegen seiner Jedi-Ausbildung?“ hakte die Twi’lek sofort nach. „Da brauchst du dir keine Sorgen zu machen, ich bin mir ziemlich sicher, dass er sie schaffen wird. Das Potenzial und den Willen hat er auf jeden Fall. Er ist ein außergewöhnliches Talent, das weißt du.“

In der Ferne heulte ein Loth-Wolf. Kanan hob den Kopf und lauschte kurz, erst auf das Geräusch, dann in sich hinein, um herauszufinden, ob er mit sich wieder ins Reine kam. „Das ist es nicht, Hera“, sagte er, ohne sie anzusehen. „Ich bin mir nicht sicher, ob ich die richtige Entscheidung getroffen habe, Ezra zum Jedi ausbilden zu wollen. Ich weiß nicht, ob ich der Richtige dafür bin.“

Das war es also. Kanan zweifelte an sich selbst, und bestimmt haderte er mit seiner Vergangenheit, litt vermutlich noch immer unter dem, was damals geschehen war. Er war einer der wenigen Überlebenden der seinerzeit vom Obersten Kanzler Palpatine befohlenen Order 66, die dazu geführt hatte, dass die Jedi von den ihnen gegenüber loyalen Klonkriegern unerwartet angegriffen und fast alle getötet worden waren. Niemand war verschont worden, selbst Kinder nicht. Kanan war entkommen; seine Meisterin, Depa Billaba, nicht. Hera wusste von alldem. Seitdem Kanan sich ihr das erste Mal anvertraut hatte, überlegte sie, wie sie ihm helfen konnte. Vermutlich war das aber eine Sache, mit der er allein klarkommen musste oder wo Hilfe von außen schlicht nicht möglich war. „Du bist ein sehr guter Lehrer, Kanan“, sagte sie sanft. „Und ein guter Mensch. Ich glaube an dich. Das solltest du auch tun.“

Einen Moment lang herrschte Stille, in die hinein der Wolf ein zweites Mal heulte. Es war ein langgezogener, einsamer Laut, der durch die beginnende Nacht drang, und plötzlich wandte Kanan den Kopf und sah Hera an. Verzweiflung stand in seinen Augen. „Ich bin kein würdiger Lehrer, Hera, nicht einmal ein würdiger Jedi. Ich habe meine Ausbildung nie beendet. Ich habe einen schlimmen Fehler gemacht, und ich kann ihn nicht wiedergutmachen, denn meine Meisterin ist tot.“ Seine Stimme zitterte ein wenig. „Sie hatte mir befohlen, wegzurennen, zu fliehen, als sie von den Klonsoldaten getötet wurde, doch ich hätte bei ihr bleiben und ihr helfen müssen. Ich hätte irgendetwas tun müssen!“

„Was hättest du denn tun können? Du warst noch ein Junge!“ Sacht legte Hera Kanan die Hand auf den Arm. Sie konnte seinen Schmerz förmlich spüren. „Deine Meisterin wollte, dass du überlebst, deshalb hat sie dich fortgeschickt, deshalb hat sie dir befohlen, wegzurennen, um dich zu retten. Du hättest ihren Tod nicht verhindern können. Du weißt, dass du das Richtige getan hast, du willst es nur nicht wahrhaben.“

Beinahe trotzig wandte Kanan den Kopf ab und wischte sich heftig mit dem Ärmel über die Augen. „Ich habe meine Meisterin im Stich gelassen“, stieß er hervor. „Ich bin eines Jedi nicht würdig. Wie kann ich mir dann anmaßen, selbst einen Padawan ausbilden zu wollen?“ Nach einer Weile beruhigte er sich einigermaßen und war in der Lage Hera wieder anzuschauen. „Ich bin einfach gerannt, Hera, weil ich Angst hatte. Panische Angst. Ich war völlig kopflos und wollte einfach nur weg, obwohl ich meine Meisterin im Angesicht ihres Todes zurücklassen musste. Und jetzt soll ich plötzlich ein anderer Mensch sein, erwachsen, reif, besonnen? Ich soll eine solche Verantwortung übernehmen und Ezra ein Vorbild sein?“

Hera suchte seinen Blick und hielt ihn mit ihrem fest. Sie kannte ihn noch nicht so lange, doch war Kanan heute bestimmt ein anderer Mensch als vor vierzehn Jahren, als das Schreckliche passiert war. Mit Sicherheit hatte er sich verändert, hatte sich entwickelt. Heute würde er nicht mehr fliehen. Hera wusste das. Aber wusste er selber es auch? „Manchmal muss man rennen, bevor man laufen kann“, erwiderte sie. Mehr sagte sie nicht, aber anhand von Kanans Mimik erkannte sie, dass er die Worte und ihre Doppeldeutigkeit verstanden hatte. Würde er sie verinnerlichen?

„Danke, Hera“, flüsterte Kanan, beugte sich zu der Twi’lek hinüber, nahm sie in den Arm und hielt sie einen Moment fest. Er war nicht gut darin, seine Gefühle zu  zeigen. Meist war er ernst und verschlossen, doch in diesem Moment konnte er seine Dankbarkeit nicht anders zum Ausdruck bringen. Abgesehen davon, dass er für Hera mehr als nur Freundschaft empfand ... das war ihm irgendwann klargeworden.

Hera erwiderte die Geste und genoss sie, löste sie aber, als ihr Blick hinüber zu ihrem Schiff wanderte und sie bemerkte, dass eine kleine Gestalt auf Kanan und sie zukam.

Kurz darauf stand Ezra gut gelaunt vor ihnen. „Ich habe Chopper seine Beute wieder abgeluchst. Er war ein harter Brocken diesmal. Kann man diesen Droiden nicht umprogrammieren, damit er weniger nervt?“ Er musterte seinen Jedi-Lehrer und die Besitzerin der Ghost. „Alles klar bei euch?“

Die beiden wechselten einen kurzen Blick, dann nickte Kanan. „Wir genießen nur ein bisschen die Nachtluft.“

„Uh, das klingt romantisch“, der Junge grinste noch breiter. „Passt nur auf, dass ihr euch nicht verkühlt.“

„Verschwinde, Bürschchen“, Hera lachte und wedelte demonstrativ mit der Hand. „Zeit fürs Bett.“ Sie zwinkerte Ezra zu.

„Von wegen“, erwiderte dieser lachend. „Ich gehe noch zu Sabine, sie hat ein neues Kunstwerk fertig. Irgendwas Mandalorianisches, aber in ihrem eigenen Stil. Bis später!“ Er winkte kurz und rannte zum Raumschiff zurück.

Hera und Kanan hatten die Nacht von Lothal wieder für sich allein.

In der Ferne heulte der Wolf ein drittes Mal, und diesmal klang es nicht mehr einsam oder bedrohlich, sondern beruhigend und sanft.





~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~ Lulas Nachwort ~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~


Eine wirklich interessante Geschichte. Das Zitat passt hier sehr gut.

Eure lula-chan
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